Supernatural - Welcome to the Hellmouth - completed

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    • Supernatural - Welcome to the Hellmouth - completed

      by
      angelinchains

      Haupt-Charaktere:
      wie in der Serie und ein paar von meinen

      Handlungsplott:
      Die Winchester Jungs haben auf der Jagd nach einem äußerst fiesen Dämon weibliche Gesellschaft, die ihnen das Leben zusätzlich noch erschwert. Zumindest anfangs ...

      ist unabhängig von allen ausgestrahlten Folgen

      DIsclaimer:
      Die Jungs gehören Kripke und CW *cry* , mir gehört der Plot und die restlichen Figuren. Geld verdien ich auch keins damit, ich schreib zum Vergnügen der anderen Fans.

      Kapitel:
      15

      Disclaimer:
      Die Rechte an den Original-Charakteren der Serie Supernatural liegen bei CW. Die Rechte an allen weiteren Charakteren sowie der aktuellen Storyline liegen bei mir. Ich hege mit dieser Story keinerlei kommerzielle Absichten, sie dient allein dem Vergnügen der Fans.

      FSK-16


      Chapter 1

      Zugegeben, es war ne dumme Idee, nein, sogar ne saublöde Idee mich mit ner Horde wildgewordener Dämonen einzulassen. Okay, ich bin nicht erst seit gestern Jäger, sondern seit vorgestern. Scherz. Mein Name ist Sasha Van Dyke und früher, bevor ich mich Hals über Kopf in die Dämonenjagd gestürzt hab, war ich Fotografin. Mach ich heut auch noch, Fotos meine ich, aber nur noch selten. Ich hatte ne tolle Beziehung mit einem Detective vom NYPD, Chris Kern. Er war ein toller Kerl, nicht nur, dass er zum Anbeißen aussah, nein er hatte auch jede Menge Charme und …

      Egal, es spielt keine Rolle mehr. Kurz vor Weihnachten 2003 ermittelte er in einem Fall, in dem es um Satanismus ging. Was keiner damals ahnte, war, dass es das Dezernat nicht mit irgendwelchen Spinnern zu tun hatte, sondern mit echten Dämonen. Schwarze Magie und so'n Zeugs kannte ich eigentlich nur aus dem Fernsehen. Nach Chris Tod hat sich das jedoch blitzschnell geändert. Auf jeden Fall waren wir gerade auf dem Heimweg vom Kino. Eingemummelt in unsere dicken Wintermäntel gingen wir engumschlungen durch die Straßen. Dicke, fette Schneeflocken fielen vom Himmel und ich streckte immer wieder meine Zunge raus, um ein paar von ihnen einzufangen. Wir lachten und hatten einfach Spaß am Leben. Aber das wichtigste war, ich fühlte mich in Chris Armen sicher und geborgen.

      Und dann geschah es … Sie fielen über uns her, wie eine Horde Wölfe. Wir hatten keine Chance. Sie zwangen mich Chris Tod mit anzusehen, die grausigen Einzelheiten erspare ich euch. Es war schrecklich und ich verbrachte anschließend ein Jahr in einem Sanatorium. Natürlich glaubte mir die Story niemand. Nicht einmal Chris Kollegen. Jedenfalls landete unser Fall unter all den anderen ungeklärten Fällen, die sich irgendwo in einem staubigen Hinterzimmer stapelten.

      Das Jahr im Sanatorium habe ich dazu genutzt, mir so einiges Wissen in Dämonologie und all den anderen übernatürlichen Dingen anzueignen. Kaum war ich entlassen, begann ich mit Martial Arts und Schusswaffen Training. Ich mutierte zu einer Art G.I. Jane, ließ meine Haare aber dran.

      Ich schloss mich ein paar anderen Jägern an und lernte soviel ich nur konnte. Schließlich kam der Tag an dem ich beschloss, es wäre an der Zeit mich über jene herzumachen, die mein Leben und meine glückliche Zukunft mit Chris ausgelöscht hatten. Ich würde auch sie auslöschen.

      Vier der fünf hatte ich bereits zur Hölle zurückbefördert. Ausgerechnet Zeke, der Anführer, sollte mir zum Verhängnis werden.

      Da saß ich nun, mit Händen und Füßen an einen Stuhl gefesselt, ganz und gar seiner Willkür überlassen. Meine Wut und mein unbändiger Zorn hatten mir die Vernunft geraubt und ich war Hals über Kopf in die Höhle des Löwen gestürmt. Bewaffnet mit einer mit Steinsalz geladenen Schrotflinte, nem guten Liter Weihwasser und jeder Menge lateinischer Sprüche im Kopf. Zu wenig, um gegen Zeke und seine beiden neuen Lakaien zu bestehen. Drei starke Männer gegen ein Mädel, ist doch unfair, oder nicht?

      Jedenfalls gebärdete ich mich wie eine Irre, warf ihnen unzählige Dinge an den Kopf, die Zeke jedoch nur dazu bewegten ein wenig mit seinen Mundwinkeln zu zucken. Super, so würde ich mich nie aus der Scheiße befreien können, in die ich mich reingeritten hatte.

      "Sasha Van Dyke, schön dich endlich persönlich kennenzulernen. Damals im Central Park, das ging doch viel zu schnell nicht wahr? Ich meine, da waren die Umstände gerade ein wenig ungünstig, um sich näher kennen zu lernen. Ich denke deinem Freund und dir ist es damals wie ne Ewigkeit vorgekommen. Ich hab es genossen, ihn wie ein Schwein quieken zu hören."

      Ich konnte nicht anders und spuckte ihm in sein Gesicht. Er zeigte sich mir nicht in seiner wahren Gestalt. Er hatte sich irgendeiner armen, aber – zugegeben - äußerst gut aussehenden Seele bemächtigt. Lächelnd wischte er sich mit seinem Handrücken übers Gesicht.

      "Wir haben hier wohl ne kleine Wildkatze, was? Was würdest du davon halten, wenn ich dich zu meiner Gefährtin machen würde?" fragte er und strich mit seinem Zeigefinger über meine Wange.

      Angeekelt wandte ich mich ab. Sie hatten mich ungefähr zwei Stunden lang gequält und versucht meinen Verstand zu knacken, aber sie schafften es nicht und deshalb wusste ich, gab es nur noch einen Ausweg für sie, sie mussten mich töten.

      Just in dem Moment in dem mir Zeke die Automatik an die Schläfe hielt und ich meine Augen zusammenpresste – als könnte das eine Kugel aufhalten – zersplitterte die Eingangstür in tausend Stücke. Zeke fuhr herum und das letzte, dass ich sah, bevor ich mit dem Stuhl nach hinten kippte waren die Winchester Brüder Dean und Sam in Aktion. Leider knallte ich mit dem Schädel dermaßen hart auf den Boden auf, das bei mir die Lichter ausgingen.

      "Meinst du sie lebt noch?" fragte Dean besorgt, als er Sasha entdeckte.

      "Keine Ahnung, jedenfalls ist sie übel zugerichtet", meinte Sam.

      Vorsichtig banden sie sie los, sie schien kaum noch zu atmen. Dean hob sie vorsichtig hoch und trug sie zu dem Bett, das gegenüber dem Kamin stand.

      "Diese Mistkerle, was hat sie sich eigentlich dabei gedacht, hier alleine rein zu marschieren?" fauchte er, "wir hatten uns doch ausgemacht …"

      "Ich, ich wollte die Sache einfach hinter mich bringen", murmelte ich.

      "Sasha?" fragte Sam, "Sasha, hörst du mich?"

      "Klar, hör bloß auf so zu brüllen, ich denke sie haben mir jeden Knochen im Leib gebrochen, aber mein Gehör, dass hab ich noch."

      Die beiden strahlten mich an, dass ich meinte ich würde mitten im Stadion im Flutlicht stehen.

      "Wir bringen dich jetzt in ein Krankenhaus", sagte Dean bestimmt.

      "Ach ja? Hab ich da auch noch ein Wörtchen mitzureden?" protestierte ich und versuchte mich aufzusetzen. Keine gute Idee. Mir wurde übel und Sams Schuhe mussten daran glauben.

      "Sorry", meinte ich erschöpft und legte mich wieder hin.

      Während Dean sich das Lachen kaum verkneifen konnte, fluchte Sam wie ein Bierkutscher.

      "Ich kauf dir neue, wenn ich wieder geradeaus gucken kann", versprach ich, wieder wurde es dunkel um mich herum.

      Als ich zu mir kam, lag ich in einem blütenweißen Krankenzimmer. Aber ich war nicht alleine. Jemand schnarchte leise vor sich hin. Es war Dean. Er saß in einem dieser ungemütlichen Plastikdinger und ich fragte mich, wie man in einer dermaßen verdrehten Position überhaupt schlafen konnte.

      Augenblicklich bimmelten bei mir sämtliche Alarmglocken. Wenn Dean noch da war, musste etwas Unvorhergesehenes passiert sein. Bildfetzen jagten durch meinen Kopf und da wusste ich es, Zeke war entkommen, die Jagd war also noch nicht zu Ende.

      Mein Körper war so von den Schmerzmitteln betäubt, dass er mir nicht gehorchen wollte. Außerdem steckte dieser Schlauch in meinem Hals und dadurch, war es mir unmöglich zu sprechen. Tränen liefen mir aus den Augenwinkeln, ich hasste es, mich so hilflos zu fühlen.

      Eine Woche später

      Dean und Sam saßen jeder in einem Rollstuhl, am Gang der Pathologie. Warum gerade dort? Na, es war der einzige Ort, an dem wir dieses Rennen veranstalten konnten. Niemand würde sich hier an unseren Albernheiten stören. Ich stand zwischen den beiden und ließ das Taschentuch auf den Boden fallen, sobald es den Boden berührte, rasten die beiden los. Es war echt ein Kopf-an-Kopfrennen. Sie jagten den Gang entlang. An dessen Ende mussten sie dann wenden und der erste, der an mir vorbeizog, hatte gewonnen. Sam konnte das Rennen ganz knapp für sich entscheiden. Deshalb bestand Dean auf eine Revanche. Die es jedoch nicht gab, weil ein ganzer Stab von Ärzten plötzlich bei uns auftauchte. Keine Ahnung, was die alle hier unten wollten.

      Jedenfalls drückte mich Dean in einen Rollstuhl, "Sasha, mach mal einen auf gestört", flüsterte er mir in mein Ohr. Dafür kniff ich ihn in den Oberschenkel, worauf er einen leisen Fluch ausstieß und ich tat dann so, als hätte ich einen an der Waffel.

      "Guten Tag, die Herren", grüßten die Jungs anständig.

      "Wir haben gerade unsere Schwester eingefangen. Sie hat einen Hang zur Nekrophilie."

      Die Gesichtszüge einiger Herren entgleisten geschockt.

      "Aber keine Angst. Wir konnten gerade noch verhindern, dass sie zu Mister Smith in die Kühlbox steigt."

      Ich kochte innerlich vor Wut, so einen Mist konnte auch nur Dean verzapfen, dafür würde ich ihm den Hals umdrehen.

      "Schön ruhig meine Kleine", sagte er und tätschelte meine Schulter, als könne er meine Gedanken lesen, "du kriegst nachher ein Eis, das ist auch kalt."

      "Die anderen Leichen haben wir übrigens auch wieder zugedeckt, vielleicht hängt das eine oder andere Laken noch schief", fügte Sam mit einem schiefen Grinsen hinzu, dann eilten wir zum Aufzug und überließen die Herren sich selbst.

      "Ihr beide habt sie wohl nicht mehr alle", schnappte ich, als ich am Rücksitz des Impala saß und Dean den Wagen startete, "Nekrophilie, was dämlicheres konnte dir wohl nicht mehr einfallen."

      "Reg dich ab Sasha, was hätte ich sonst sagen sollen? Dass wir deine Oma besuchen wollten und uns im Stockwerk geirrt haben?" verteidigte sich Dean grinsend.

      "Wär ne Möglichkeit gewesen", murmelte ich und lehnte mich schmollend zurück.

      Sam hatte den Laptop auf seinem Schoß und surfte hochkonzentriert durchs Netz, während Dean immer wieder einen Blick in den Rückspiegel warf und nach mir sah.

      "Guck lieber auf die Straße, Mann. Ich komm gerade aus dem Krankenhaus, falls du es vergessen hast", sagte ich nach einer Weile.

      Anstatt einer Antwort stellte er den Radio an und Metallica fetzte mir um die Ohren.

      Auch gut, so brauchten wir wenigstens nicht miteinander zu reden und schwiegen den Rest der Fahrt über.

      Als wir bei dem alten Haus am See ankamen, ging die Sonne gerade unter. Dean wollte meine Tasche nehmen, doch ich riss sie ihm ungelenk aus der Hand.

      "Danke, dass schaff ich gerade noch", fuhr ich ihn an und stieß den armen Sam zur Seite. Der konnte nun am wenigsten für meine miese Laune.

      "Sag mal hat sie ihre Tage?" fragte der verblüfft seinen älteren Bruder.

      "Was? 365 Tage im Jahr?" gab Dean lakonisch zurück und murmelte anschließend noch verächtlich, "Weiber." tbc

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    • Chapter 2

      Während sich die Jungs im Erdgeschoß häuslich einrichteten, schleppte ich mich mit hängenden Schultern in den ersten Stock. Ich ließ die Tasche aufs Bett fallen und hätte mich am liebsten gleich dazu gelegt. Ich fühlte mich wie ausgekotzt und als ich beim Spiegelschrank vorbeiging, erschrak ich regelrecht, denn ich sah auch so aus. Das linke Auge war fast völlig zugeschwollen und schillerte in den tollsten Farben, meine Oberlippe … dagegen war der Schmollmund von Jolie billiger Abklatsch und der Schnitt an der Wange, der mit vierzig Stichen hatte genäht werden müssen, gab mir erst den richtigen Frankenstein-Touch. Wenn ich in der Nacht mal auf die Toilette musste, sollte ich mir wohl besser 'nen Kissenüberzug über die Visage stülpen, sonst könnten Dean und Sam vielleicht noch Panik bekommen und zu den Waffen greifen.

      Weil ich etwas Erfreulicheres als meinen Anblick sehen wollte, ging ich hinüber zum Fenster. Der See war bereits komplett zugefroren. Erinnerungen tauchten vor meinem geistigen Auge auf. Bilder aus einer Zeit, in der mein Leben noch normal gewesen war. Normal, was war das eben gleich nochmal? Ich wette, die Frage konnten mir selbst die beiden Winchester Jungs nicht beantworten. Sie waren ja noch länger "im Geschäft" wie ich. Früher hatte mich manchmal die Langeweile geplagt und ich hatte mir mehr "Action" in meinem Alltag gewünscht. Nun hatte ich mehr davon, als ich ertragen konnte und war auch nicht zufrieden. "Weiber", hörte ich Dean wieder murmeln und musste unwillkürlich lächeln. Er erinnerte mich sehr oft an Chris. Na toll, da war er wieder dieser Knoten in meinem Hals, der binnen Sekunden die Größe eines Fußballes erreichen und mich ins Verderben stürzen würde. Ich konnte schon spüren, wie sich die Tränen in meinen Augen sammelten, als wären es verdammte Staudämme. Es ist schrecklich wenn man eigentlich gar nicht heulen will und es trotzdem muss.

      Vielleicht war es ein Fehler gewesen, ausgerechnet hierher zu kommen, an jenen Ort an dem Chris und ich unsere glücklichsten Stunden verbracht hatten, aber hier gab es niemanden weit und breit, dem Zeke hätte was antun können. Die Jungs wussten sich zu verteidigen und der nächste Ort lag meilenweit weg. Und ich war sicher, Zeke würde kommen, um mich zu holen. Ich hatte ihm zu viel Ärger bereitet, als dass er mich hätte ignorieren können. Vielleicht lag auch so etwas wie Ironie in der Sache, dass wir Zeke hier fertig machen würden.

      Ich drehte mich um und begann meine Sachen auszupacken. Großer Fehler. Denn zwischen all den Dingen, die ich überhastet eingepackt hatte, lag auch das Foto aus dem Automaten, das Chris und mich gemeinsam zeigte, Stunden bevor wir für immer auseinandergerissen wurden. Wir grinsten albern in die Kamera und schnitten Grimassen. Es war keine Flut von Emotionen, die mich überkam, es war ein Tsunami. Ich wurde regelrecht aufs Bett gerissen, wo ich mich zusammenrollte auf ein Häufchen Elend.

      ***

      Dean kam gerade aus dem Badezimmer im ersten Stock, als er unartikulierte Laute aus Sashas Zimmer hörte.

      "Was zum Geier?" stutzte er und legte sein Ohr an die Tür.

      Da hörte er es, dieses herzzerreißende Schluchzen, das jeden Granitblock erweichen würde. Panik erfasste ihn. Und er beugte sich hilfesuchend übers Geländer.

      "Sam?" rief er halblaut, weil er nicht wollte, dass Sasha es mitbekam, "Sam? Sammy? Verdammt wo steckst du nur wenn man dich braucht?"

      Unentschlossen blickte er zwischen der Treppe und der Tür hin und her. Klar, die einfachste Lösung, Flucht nach vorn, runter ins Erdgeschoß und dann? Sam bitten hinauf zu gehen, um Sasha zu trösten? Er nagte an seiner Unterlippe. Ein Teil in ihm drängte nach unten, der andere …

      "Blöd ist das, blöd, blöd, blöd", noch einmal warf er einen Blick nach unten.

      Sam war entweder draußen oder in irgendwelche Recherchen vertieft. Na toll, das hatte ihm noch zu einem perfekten Tag gefehlt. Er war nicht der große Tröster, Sam konnte das viel besser. Der wusste, was man sagen musste. Er, Dean war gut darin nen lockeren Spruch in die Runde zu werfen. Was sollte er tun? Die Tür aufreißen und Sasha fragen, "na was'n los? Brauchst du nen Klempner?" Das kam sicher super. Sie würde es ihm danken.

      Er brauchte nur zur Treppe zu gehen und so zu tun, als hätte er nie was gehört. Unten wäre er sich allerdings wie das größte Arschloch der Welt vorgekommen. Was tun? Sammy war nicht zur Hand, warum auch immer, also musste er ins kalte Wasser springen. Mann, wie er das hasste.

      Er fasste all seinen Mut zusammen. Könnte sie da drin nicht mit nem Dämonen kämpfen anstatt mit ihren Gefühlen? Er klopfte so leise an die Tür, dass sie ihn sicher nicht hören würde, vielleicht würde sie ihn sogar wegschicken. Ein klein wenig Hoffnung keimte in ihm auf. Genau, sie würde ihn wegschicken und ihm würde eine tonnenschwere Last von den Schultern fallen. Aber nichts passierte. Nicht einmal, als er ihren Namen rief. Dann musste es wohl sein. Einmal tief durchgeatmet und hinein ins Vergnügen.

      Der Anblick der sich ihm bot, war schlimm. Die sonst so starke Sasha lag da wie ein Bündel Wäsche.

      ***

      "Sasha? Hey Sasha, alles in Ordnung mit dir?" hörte ich Deans Stimme wie durch dichten Nebel.

      Nur langsam drückte ich mich in die Höhe und zitterte dabei wie Espenlaub. Mit meinem Handrücken wischte ich mir die Tränen aus meinem verschwollenen Gesicht.

      Ich hörte, wie sich seine Schritte näherten, er jedoch kurz vor dem Bett neben mir stehen blieb.

      "Darf … darf ich mich setzen?" fragte er sanft.

      Ich nickte stumm und er nahm Platz, wenn auch nur zögernd.

      "Hey, wenn es wegen der Sache von vorhin im Krankenhaus ist, dann …"

      Ich schüttelte den Kopf, "nein ist es nicht", ich musste mich räuspern, den meine Stimme drohte zu versagen.

      "Du kannst es ruhig sagen, ehrlich. Ich weiß ich kann manchmal ein ganz schönes Arschloch sein."

      Ich drehte meinen Kopf so langsam in seine Richtung, dass er es nicht bemerkte und sah das verschmitzte Grinsen in seinem Gesicht.

      "Jedenfalls sagt das Sam oft zu mir." Er wippte dabei leicht mit dem Kopf.

      Erst jetzt fiel ihm auf, wie sehr ich zitterte. Er griff nach mir, "Himmel Sasha, du bist ja eiskalt."

      Rasch zog er seinen dunklen Kurzmantel aus und legte ihn mir um die Schultern. Die wohlige Wärme, die der Stoff ausstrahlte, brachte mich dazu, mich ein wenig zu entspannen.

      "Das Haus hier ist echt schön. Mit dem See und dem Wald. Im Sommer kann man es hier sicher ein paar Tage aushalten", sagte er.

      Irgendwie schaffte er es jedoch nicht, mir in die Augen zu sehen. Irgendetwas ging in ihm vor, denn er rieb mit den Handballen nervös an seiner Jeans.

      "Ich denke, ich gehe jetzt besser wieder. Ich bin nämlich nicht so gut in diesen Dingen."

      Dieses "Geständnis" rührte mich und ich fand meine Sprache wieder, wenn auch kaum hörbar, "nein Dean, bitte geh nicht. Bleib noch."

      Unsere Blicken trafen sich, verhakten sich ineinander und er guckte mich an, als hätte ich ihn soeben mit einem Bannspruch belegt.

      "Weißt du, es wäre schön, wenn du mich einfach nur in die Arme nehmen und halten könntest", bat ich ihn.

      Seine wunderschönen Augen wurden noch größer. Ein Lächeln huschte über meine Lippen.

      "Nun guck nicht so, als hätte ich dich um irgendeine Ferkelei gebeten?" sagte ich und stupste ihn sanft in die Seite.

      "Naja, ehrlich gesagt Sasha, damit könnte ich eher Leben", nuschelte er.

      "Dean Winchester, du wirst doch wohl noch eine Frau in die Arme nehmen können, ohne dabei gleich versaute Gedanken zu haben", beharrte ich.

      Er zog eine Augenbraue in die Höhe, "du erwartest doch nicht von mir, dass ich dir jetzt ne ehrliche Antwort darauf gebe?"

      Und weil er so gar keine Anstalten machte, irgendetwas zu unternehmen, kuschelte ich mich einfach an ihn. Nun war er gezwungen zu handeln. Ich merkte, wie er zögerte, aber schließlich hielt er mich dann in seinen Armen fest.

      So saßen wir eine Weile beieinander. Deans Herzschlag hatte am Anfang noch wild in meinen Ohren geklungen. Doch mittlerweile hatte er sich beruhigt. Ein schönes Gefühl. Immer wieder strich er mir sanft über mein Haar und meinen Rücken. Die eisige Kälte verschwand aus meinem Körper und meinem Herzen.

      Irgendwann fragte ich, "und isses wirklich so schlimm?"

      "Was?" krächzte er.

      Langsam drückte ich mich von ihm weg und langte nach der Packung Kleenex, die am Nachttisch stand, "jemanden zu trösten? Ich finde du machst das sehr gut."

      So gut es meine Verletzungen zuließen, schnäuzte ich mich.

      Er zuckte mit den Schultern, eine leichte röte schoss in seine Wangen, "naja, eigentlich hab ich ja nicht viel machen müssen. Ich hab dich in meinen starken Armen gehalten und meine Körperwärme mit dir geteilt …"

      Hätte es mir nicht so verdammt weh getan, hätte ich wohl von einem Ohr zum anderen gegrinst, "Dean, Bescheidenheit war noch nie so dein Ding, oder?" zog ich ihn auf.

      "Willst du sagen, ich hätte keine starken Arme?" feixte er und deutete auf seinen Bizeps.

      "Danke, dass du ins Zimmer gekommen bist", wurde ich wieder ernst.

      "Hey, keine Ursache", sagte er und strich dabei sanft über meine Wange, "dazu hat man ja schließlich Freunde."

      Erneut glitzerten Tränen in meinen Augen. Ja, die Winchester Jungs waren in der Tat, die einzigen Freunde, die ich noch hatte.

      "Fang jetzt bloß nicht an zu heulen, dann bin ich nämlich schneller hier draußen, als du "Shit" sagen kannst", drohte er mir mit gespielter Strenge.

      "Wünscht du dir auch manchmal ein "normales" Leben? Ich schon, ich möchte am liebsten die Zeit zurückdrehen und alles ungeschehen machen", sprudelte es plötzlich aus mir heraus, "ich hab es so satt ständig irgendwelchen Phantomen hinterher zu jagen, mein Leben mehr auf der Straße zu verbringen, als sonst wo und zu wissen, dass man am Ende doch nichts bewirkt hat, denn das Böse hat es schon immer gegeben und wird es immer geben."

      Dean sah mich von der Seite her kurz an, dann stand er auf und ging zum Fenster.

      "Was denkst du, wie oft Sam und ich schon solche Diskussionen geführt haben? Einfach alles hinwerfen und aufhören. Diesem Leben den Rücken zukehren und neu anfangen, irgendwo, wo dich niemand kennt, wo keiner weiß, wer du bist und woher du kommst."

      Es war so still, dass ich ihn schlucken hören konnte, "weißt du, mich hatte da mal so ein Dämon in seiner Gewalt, so ein Ding, dass die Gedanken manipulieren konnte." Er hob dabei die rechte Hand, formte sie zu einer Klaue und presste sich die Finger an die Schläfe.

      "Er hat mich in sein Verlies geschleppt, mich dort angekettet und meinem Verstand ein Leben vorgegaukelt … ein normales Leben … so wie ich es mir immer schon gewünscht hatte. Mum und Dad waren am Leben, ebenso wie Sams Freundin. Und Sam war so'ne Dumpfbacke, so ein College Bubi, aber wir waren alle glücklich. Jedenfalls denke ich, dass wir es waren."

      Durch sein enges T-Shirt konnte ich sehen, wie sich seine Rückenmuskulatur verspannte.

      Ich stellte mich neben ihn, nahm seine Hand und drückte sie, "es tut mir leid Dean, dass du nie ein normales Leben gehabt hast. Ich durfte eine Zeitlang daran schnuppern, hab Karriere als Fotografin gemacht, hatte nen tollen Freund und ein sauteures Apartment an der Upper East Side. Ich kann dir nicht sagen, was schlimmer ist … nie so ein Leben gehabt zu haben, oder zu wissen wie es ist und dann so zu werden, wie ich heute bin."

      Er wandte sich mir zu, nahm mein Gesicht zärtlich in seine Hände und hob meinen Kopf ein wenig an, damit er mir tief in die Augen sehen konnte, "Sasha Van Dyke, du bist ein klasse Mädchen und du bist wunderschön."

      "Hab ich eins auf die Nuss bekommen oder du?" scherzte ich, weil ich anfing mich irgendwie unwohl zu fühlen und auch nicht. So nah, war ich Dean Winchester noch nie gekommen.

      "Ich kann mir dich gar nicht in dieser piekfeinen Gesellschaft vorstellen. Ehrlich. Vielleicht noch mit jeder Menge Klunker um den Hals und einem sündteuren Kleid." Er wiegte den Kopf leicht hin und her und schenkte mir ein strahlendes Lächeln, "in sündhaft teurer Unterwäsche schon eher. Wie hast du es die ganze Zeit bloß mit den ganz steifen Säcken ausgehalten?"

      "Keine Ahnung … ich kann mich eben … gut … anpassen?" mehr Frage, als Antwort, weil in meinem Kopf … Wow … binnen weniger Minuten war ich die ganze Dean Winchester Achterbahn rauf und runter gerast. Also entweder ging er jetzt sofort aus dem Zimmer oder ich konnte für nichts mehr garantieren.

      Er schien ebenfalls zu überlegen, denn noch immer hielt er mein Gesicht in seinen Händen und beobachtete mich genau. Seine Mundwinkel zuckten leicht. Schließlich beugte er seinen Kopf zu mir herunter und gab mir einen Kuss … auf die Stirn. Eindeutig. Jut, es hat nicht sollen sein, dachte ich im Stillen und schickte gleich nen Fluch, der ordentlich Schmackes hatte, hinter her.

      "Ich denke, ich seh mal nach Sam. Der glaubt sonst vielleicht noch, wir würden hier oben ne heiße Nummer schieben." Wieder schenkte er mir sein Strahlemann Lächeln und wackelte dabei mit den Augenbrauen.

      "Hahaha, ich könnt mich totlachen", dachte ich, verzog meine Lippen jedoch zu einem schiefen Grinsen.

      "Wir sehen uns, ja? Du kommst doch nachher runter und leistest uns bei nem schönen kalten Bier Gesellschaft?" Rums, die Tür war zu. Was meine Hormone jedoch nicht davon abhielt weiter wie irr durch meinen Körper zu schießen. Ich fühlte mich wie auf Speed.

      Ein wenig durcheinander, presste ich meine Stirn gegen die kalte Fensterscheibe und sah hinaus in die Dunkelheit.

      Zuerst dachte ich, meine Augen würden mir einen Streich spielen, aber das taten sie nicht.

      Das fahle Mondlicht erhellte das gespenstische Szenario, als aus dem nichts dichter Nebel über dem See aufzog und es so aussah, als würden sich düstere Gestalten in Richtung Haus bewegen. Deutlich konnte ich fühlen wie sich die einzelnen Haare in meinem Nacken sträubten. Romantische Gefühle wichen je dem blanken Horror. tbc
    • Ich dank dir herzlichst für deinen lieben Kommi *knuddelz* Geht schon weiter!

      Chapter 3

      Kaum hatte Dean die Tür hinter sich geschlossen, lehnte er sich mit dem Rücken dagegen, legte den Kopf in den Nacken und schloss seine Augen. Wäre das hier ein Comic und nicht das reale Leben, würde ihm jetzt mit Sicherheit zischend heißer Dampf aus den Ohren schießen. Dermaßen stand er unter Druck. Seine Hände ballten sich zu Fäusten. Er fühlte sich wie die Titanic, nur dass in seiner Version das Schiff den Eisberg lediglich gestreift hatte. Gott, wie tief konnte man nur sinken und den Schmerz einer Witwe dermaßen ausnutzen? Er musste es wohl schon sehr notwendig haben. Als sich ihre Blicke ineinander verfingen, hatte er gemeint hatte in ihren eisblauen Augen ertrinken zu müssen. Sicher war es bloß Einbildung, als er gemeint hatte, die Hitze ihres Körpers zu spüren.

      "Blödmann", schalt er sich selbst.

      Zu Glück hatten sie nicht ganz eng beieinander gestanden. Dann wäre es wohl eindeutig für Sasha gewesen, dass dem guten Dean der Sinn nach mehr als nur Trostspenden stand und das im wahrsten Sinne des Wortes. Und es war auch ganz sicher nur Einbildung, dass sich ihre Lippen ein wenig geöffnet hatten, als er seinen Kopf langsam nach unten bewegt hatte. Wahrscheinlich hatte sie ihn gerade zurechtweisen wollen. Zum Glück, wenn man es überhaupt so nennen kann, war sein Blick im letzten Moment auf die Automatenfotos gefallen, die am Bett gelegen hatten. Der Anblick einer glücklich lächelnden Sasha in den Armen eines anderen Mannes, hatte seinen Verstand wieder an die richtige Stelle gerückt. Er schluckte trocken.

      "Dean?" riss ihn Sam so unvermittelt aus seinen Gedanken, dass er zusammenfuhr.

      "Hast du nen Knall Sammy?" fauchte er, "wie oft hab ich dir schon gesagt, dass ich diese Winnetou Nummer hasse?" Seine Augen funkelten wild, "irgendwann bin ich vielleicht schräg drauf und dann …" Er sog hörbar Luft ein.

      Sam musste lachen, "Alter, noch schräger als jetzt? Das glaub ich nicht. Ich hab dich mindestens fünfmal angesprochen. In welcher Dimension warst du denn? Ich dachte, ich bräuchte ein Megaphon."

      "Ich war in der Dimension der gemeinen, geilen Witwenschänder", schoss es Dean durch den Kopf, "und wenn da nicht das Bild von Chris gewesen wäre, hätte ich Sasha da drinnen sicher um ihren Verstand genagelt."

      "Ich hab über Zeke nachgedacht", log er, "wie wir ihn aufhalten könnten und … Scheiße weshalb erklär ich dir das eigentlich , wo bist du vorhin gewesen, als ich dich gebraucht hätte?"

      Sam steckte seine Hände in die Taschen seiner Jeans und blies seine Wangen ein wenig auf, "sorry, ich wusste nicht, dass du bei Sasha meine Hilfe brauchst", machte er einen auf unschuldig.

      Deans Schultern fielen nach unten, zusammen mit seiner Kinnlade, "bitte wie?"

      "Also ehrlich, denkt ihr beiden, ich hätte Tomaten auf den Augen. Ihr guckt euch an, als würdet ihr euch jeden Moment bespringen …"

      Deans linke Faust, schoss nach oben, allerdings hatte er dabei den Zeigefinger ausgestreckt, "halt … bloß … deinen … Mund. Zwischen mir und Sasha läuft absolut gar nichts. Hörst du. Das Mädchen musste zusehen, wie ihr Verlobter von Dämonen in Stücke gerissen wurde …"

      Sam wippte auf den Zehen auf und ab, "ja weiß ich und?" Dann zog er seine rechte Hand aus der Hosentasche und deutete damit in Richtung Tür, "das ist beinahe drei Jahre her. Ich denk, sie ist mit ihrer Trauerphase durch, denkst du nicht?"

      Dean sah Sam mit seinem "das-ist-aber-jetzt-nicht-dein-ernst-Blick" an.

      "Sicher ist es mein Ernst", dem jüngeren bedurfte es keiner Worte um die Entgleisungen im Gesicht des älteren zu deuten, "hör mal. Sie himmelt dich regelrecht an, Dean."

      "Aber, sie ist auch nett zu dir, oder nicht?" machte er erneut Anstalten Sams Argumente zu entkräften.

      "Klar ist sie auch nett zu mir. Schwesterlich nett. Ich bin für sie süß, aber du …" Er nickte bedächtig und pfiff leise durch die Zähne.

      "Super", schnappte Dean, "jetzt fängst du schon an, mir die Frauen zu erklären." Er zog einen Flunsch, "das find ich wirklich … wirklich … echt … nicht nett von dir. Was weißt du denn schon von Weibern? Deine letzte Braut war ein Dämon."

      Wieder grinste Sam. Er wusste genau, er hatte Dean am Haken.

      "Ist ein Dämon weniger Frau als ein Engel?"

      Deans Kiefer mahlten, sein unsteter Blick ging zwischen Tür und Bruder hin und her. Schließlich sagte er, "Touche, Alter. Trotzdem, das mit Sasha ist Schwachsinn hoch drei."

      "Klar und weshalb warst du dann ne halbe Ewigkeit da drinnen? Ihr habt sicher nicht Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt", bohrte Sam weiter.

      Natürlich hatte er Deans Rufen gehört. Er hatte aber keine Lust gehabt, wieder mal das dritte Rad am Wagen zu sein. Anfangs hätten noch beide mit ihm gequatscht und irgendwann wäre die Geschichte dann immer einsilbiger geworden und Sasha hätte am Ende nur wieder Augen für Dean gehabt. Das kannte er schon.

      Deans Brust schwellte an, wie die eines Truthahns. Er ließ seinen Mantel fallen und schnappte Sam am Kragen, "wenn du mir jetzt sagst, du hast mich ignoriert, schmeiß ich dich die Treppe runter."

      Möglicherweise hätte er es auch getan, wär in dem Moment nicht Sasha, wie eine Rakete aus dem Zimmer geschossen.

      "Sorry Jungs. Weshalb auch immer du gerade zu PamPam mutierst, glaub mir es kann warten", meinte sie an Dean gewandt, als sie sah, dass er gerade den armen Sammy am Wickel hatte, "wir haben ernstere Probleme als deinen Testosteron-Spiegel."

      Aufgeregt deutete sie zum Fenster.

      Dean ließ Sam augenblicklich los, der richtete sich seine Klamotten, folgte ihnen und murmelte, "vielleicht sollte sich Sasha ein Leuchtfeuer um die Mitte binden."

      ***
      Zum Glück bin ich noch rechtzeitig gekommen, um Dean daran zu hindern sein einziges Familienmitglied zu meucheln. Weiß der Geier, worum es schon wieder ging. Ehrlich gesagt, ich wollte es gar nicht wissen. Mr. Dean Winchester konnte manchmal der Jähzorn in Person sein. Sicher hatte er viel mitgemacht, aber das hab ich auch und spring deswegen auch nicht jedem ins Gesicht, der mal anderer Meinung ist.

      Als Dean den Vorhang leicht zur Seite schob und nach draußen sah, nahmen seine Augen je diesen gefährlichen Ausdruck an, der mir hin und wieder weiche Knie bescherte. Blöd nur, dass er in mir nen Kumpel sah. Eindeutiger Beweis, der Kuss auf die Stirn. Ich küsse meine Mama auf die Stirn, oder sonst einen lieben Verwandten, aber sicher nicht den Mann oder die Frau, die ich begehre. Weshalb konnte er in mir nicht wenigstens ein Betthäschen sehen? So eine kleine Bumsmaus für zwischendurch. Selbst damit könnte ich leben, wenn ich mir lange genug was vormachte. Dann sah ich an mir herunter. Mit den Klamotten bitteschön, würde sich nicht mal Winni Puh nach mir umdrehen. Vielleicht sollte ich mich mal wie Buffy anziehen? So in Lack und Leder. Aber sicher. Im Winter würd ich mir den Arsch abfrieren und im Sommer würd ich wie Butter in der Sonne schmelzen.

      "Sasha!" rief Dean und zerrte mich damit zurück auf den Boden der Realität.

      "Ja, Sir", gab ich lakonisch zurück.

      "Was ist das?" fragte er mich und deutete mit dem Kopf nach draußen, wo noch immer der dichte Nebel waberte.

      "Sind wir hier bei "the weakest link"? Wenn ich das wüsste, hätt ich Euch doch nicht geholt", sagte ich und schnitt eine Grimasse oder versuchte es jedenfalls.

      "Ich dachte, du hättest es vielleicht schon früher mal beobachtet?" sagte er und verdrehte dabei die Augen, "hätte ja ein Naturphänomen oder so sein können."

      Ich zog eine Augenbraue in die Höhe, "das einzige Phänomen, das ich hier kenne, ist die Toilettenspülung, die manchmal mitten in der Nacht anfängt zu laufen, ohne dass jemand in der Nähe ist. Huh, gruselig nicht?"

      Dean schnappte Sam am Oberarm und zog ihn näher zum Fenster heran. Auch ihn schien der Anblick alles andere als zu beruhigen.

      "Das kann ein Trick von Zeke sein oder sonst was", sagte er ratlos, "ich hab sowas noch nie zuvor gesehen." Er grinste mich über die Schulter an, "ich finde es sieht irgendwie cool aus, nicht?"

      "Yep, hab ich mir auch gedacht, bevor ich ne Gänsehaut am ganzen Körper bekam", erwiderte ich und sah, dass Dean schon seinen Mund offen hatte. Ich hob die Hand, "und das, kannst du schön für dich behalten."

      "Aber …" meine er mit einem Dackelblick.

      Ich blies Luft aus, "wir sollten unbedingt herausfinden, was das ist. Sonst könnte es sehr gut sein, dass wir sehr bald, sehr tot sind und das wo meine Wunden gerade anfangen so schön zu verheilen."

      Der Jagdinstinkt war in uns allen geweckt und das Adrenalin begann immer schneller durch unsere Körper zu pumpen. Ich wünschte Dean würde … naja egal.

      Sam holte das EMF-Meter aus der Tasche und drückte es mir in die Hand. Dann reichte er Dean eine mit Steinsalz geladene Schrotflinte und griff selbst nach einer 45er, die mit geweihten Silberkugeln geladen war.

      "Danke Sammy, was soll ich damit? Es nach dem Geist oder Dämon werfen, wenn er mir auf die Pelle rückt?" schnappte ich, "du kannst mir auch ruhig so ein Spielzeug geben, ich weiß, wie die Dinger funktionieren."

      "Dann is ja gut", grinste er und warf mir ne Spritzpistole zu.

      Mein Blick muss wohl Bände gesprochen haben.

      "Da ist Weihwasser drin Sasha, ziel damit bloß nicht auf einen von uns", feixte Dean und lud die Schrotflinte durch.

      "Verarschen kann ich mich auch gut selber, da brauch ich die Winchesters nicht dazu." Wütend stampfte ich an ihnen vorbei zur Eingangstür, immer einen Blick auf das EMF-Meter gerichtet.

      Ich blieb kurz neben der Kommode im Vorzimmer stehen und legte die Spritzpistole zur Seite.

      "Kinderkram", sagte ich gerade so laut, dass sie es auch hören konnten.

      Ich zog die oberste Schublade auf und nahm mein Baby heraus. Es war eine stark verkleinerte Nachbildung jener Armbrust, die Hugh Jackman im Movie "Van Helsing" verwendet hatte. Eine Spezialanfertigung von einem guten Freund in London. Das Ding lag gut in meiner Hand. Mit dem breitesten Grinsen, das ich trotz meiner verbeulten Visage zur Verfügung hatte, drehte ich mich um. Stolz präsentierte ich das Teil den beiden Jungs.

      "Darf ich vorstellen, der Arrow 5000."

      Dean grinste, "und wen willst du mit dem kleinen Scheißerchen Angst einjagen?"

      "Im Magazin befinden sich 20 Hochgeschwindigkeitspfeile, mit einer Durchschlagskraft ähnlich der einer 44er Magnum. Sie sind aus einer speziellen Legierung und töten selbst Dinge, bei denen eine geweihte Silberkugel nur ein Kitzeln hervorruft. Würdet ihr mir jetzt bitte folgen?"

      Ich wartete weder dumme Sprüche noch sonst was ab, machte auf dem Absatz kehrt und marschierte schnurstracks nach draußen. Kaum hatte ich die Türschwelle überschritten, knallte das EMF-Meter durch.

      "Houston, wir haben ein Problem", stellte ich trocken fest und warf das Ding ins Gebüsch.

      Dicht aneinander gedrängt gingen wir auf den Nebel zu. Wir standen alle mit dem Rücken zueinander, um uns gegenseitig zu decken. Bitte jetzt keine schweinischen Gedanken, ich rede hier vom Job.

      Bald war der Nebel so dicht, dass wir nicht einmal mehr die Hand vor Augen sehen konnten.

      "Na, ob das so klug war", meinte Dean, der die Schrotflinte im Anschlag hielt und in alle Richtungen zielte.

      "Wie weit noch bis zum See?" fragte mich Sam.

      "Ich schätze so an die zehn Meter. Weshalb?" Sasha, der Intelligenzbolzen.

      "Weil Eis scheißglatt ist", antwortete Dean, "und wir keine Spikes an den Schuhen haben."

      "Ach so, ihr nicht?" Sasha, der Witzbold.

      "Was du schon?" Sam echt entsetzt.

      "Ich bin doch bloß am flachsen", Sasha, die Nervöse.

      "Wie wär's, wenn ihr mal die Klappe halten würdet", fauchte Dean.

      "Weil?" ich.

      "Weil wir praktisch im Blindflug unterwegs sind, Dumpfbacke und uns in dem Fall das Gehör nützlicher ist", typisch Sams älterer Bruder.

      Also hielten wir die Klappe. Und tatsächlich, ich nahm ein Geräusch wahr, dass sich anhörte wie …

      "Bügelt da wer?"

      "Das ist jetzt aber nicht dein Ernst", zischte Dean, der noch immer verzweifelt versuchte, irgendetwas zu erkennen, genauso, wie Sam und ich.

      "Oh doch, das hört sich haarscharf wie mein Dampfbügeleisen an", bestand ich.

      "Jetzt müssten wir gleich am See sein", sagte Sam angespannt.

      Plötzlich, ohne jegliche Vorwarnung hörten wir ein Kreischen, ähnlich dem einer Kreissäge und etwas schoss auf uns zu. Aber es kam nicht von der Seite, wie erwartet, sondern von oben.

      "Achtung Flugsau!" schrie ich, weil mir im Moment nix besseres einfiel. Blitzschnell warf ich mich zu Boden, drehte mich noch im Flug und gab einen gezielten Schuss ab. Ich traf das Ding anscheinend an einer empfindlichen Stelle, weil das Kreischen verstummte und der Körper dumpf aufschlug. Plötzlich schienen sie aus allen Richtungen zu kommen.

      Nein, nicht ein oder zwei, es waren dutzende. Wir schossen aus allen Rohren, obwohl niemand von uns wusste, auf was wir eigentlich ballerten. Im Nebel konnte man nur schwer etwas ausmachen. Wir hatten Glück, wenn wir uns nicht gegenseitig die Lichtlein auspusteten. Jedenfalls dachten wir schon, wir wären dem Untergang geweiht, da passierte etwas Seltsames. Die gesamte Oberfläche des Sees fing an zu glühen und das Glühen gewann rasch an Intensität.

      Bis schließlich, ungefähr aus der Mitte des Sees ein gleißender Lichtstrahl schoss, der uns blendete und dessen Kraft uns gleichzeitig von den Beinen riss. Während wir, wie Marienkäfer, auf dem Rücken lagen, fegte eine Druckwelle über uns hinweg und schickte unsere Gegner ins Nirvana.

      Vorsichtig öffnete ich zuerst ein Auge und dann das andere. Das Licht war zusammen mit dem Nebel und den Monstern verschwunden. Der See lag wieder so friedlich da, wie zuvor, nur der Vollmond kam mir ein wenig rot vor.

      "Seid ihr in Ordnung?" fragte Sam besorgt stand auf und zog Dean und mich anschließend auf die Beine.

      "Also das war abgefahren", sagte Sam und grinste von einem Ohr zum anderen.

      "Zum Glück sind wir nicht abgefahren", entgegnete ich, weniger amüsiert.

      "Na und ich glaub, ich lass gleich einen fahren", das war natürlich Dean, "Leute habt ihr das gesehen? Das war so wie in Independence Day. Geil."

      Ich blinzelte, um die kleinen Lichtblitze endlich loszuwerden, die noch immer vor meinen Augen herumtanzten.

      "Egal, was es war, es hat uns das Leben gerettet", sagte ich.

      Die Jungs wandten sich mir zu und Dean wollte gerade noch einen seiner intelligenten Sprüche loslassen, als er je innehielt und mich ansah, als wär ich die Jungfrau Maria persönlich.

      Ich selbst hatte auch so ein eigenartiges Gefühl in der Magengrube und hob deshalb den Kopf.

      Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, zu sehen. Aber es war alles, nur das nicht. Und als mich das weiche warme Licht einhüllte, wusste ich mit einem Mal, wer uns das Leben gerettet hatte … tbc
    • Oh Mann, Sasha gefällt mir echt gut... *thumps* Sehr geil geschrieben. Man fühlt sich glatt wie "Mitten drin, statt nur dabei..."
      Ach ja, und die gute alte "Er liebt sie - sie liebt ihn - aber beide sind zu verpeilt um es zu merken - Geschichte"... Ich liebe es... *seufz*
      Und das weiche, warme Licht? Ich ahne wer dahinter steckt... *thumps*
    • *ohmygod* Das hatte ich ja völlig übersehen! Da hab ich gleich alle drei Kapitel zum Nachtisch verschlungen. Klasse Story und wieder so locker und leicht geschrieben, und der Humor kommt auch nicht zu kurz. [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/aplause.gif]

      Natürlich hab ich auch gleich angefangen zu spekulieren, was das wohl mit dem Licht auf sich hat. :?: Erst dachte ich, Harry Potter ist in der Nähe und beschwört einen Patronum Zauber. *lach1* Aber dann ging mir doch ein Licht auf!

      Bitte mehr davon! *dank*
      *tea*
    • Ein dickes *danke* Euch beiden. Ich freu mich, wenn Ihr Euch so gut beim Lesen unterhaltet. Hier geht's jetzt weiter:

      Chapter 4

      "Nicht Dean", hielt Sam seinen Bruder zurück, der geradewegs losstürmen und Sasha retten wollte.

      Wütend schlug er um sich, "lass mich sofort los, ich muss ihr doch helfen."

      "Sie ist nicht in Gefahr", sagte Sam, "glaub mir."

      "Ach nein? Woher willst du das wissen? Hast du mal eben kurz bei ihr durchgeklingelt?" schnappte Dean und versuchte sich loszureißen, als das Lichtwesen Sashas Körper hochhob.

      "Nimm deine dreckigen Pfoten von mir, Sam", schrie er, "ich muss es aufhalten."

      "Oh nein, das wirst du schön bleiben lassen. Wir dürfen uns hier nicht einmischen."

      Irgendetwas kam Dean an der Art seines Bruders merkwürdig vor. Also tat er so als hätte er sich beruhigt. Da sah er das Glühen in Sams Augen.

      "Himmel, was …" plötzlich gingen bei ihm die Lichter aus.

      ***

      Nachdem ich in die Stadt gefahren war, um Lebensmittel einzukaufen und Frühstück gemacht hatte, saß ich nun an Deans Bett. Der Hitzkopf hätte es gestern beinahe vermasselt, hätte die "höhere Macht", die mich zu sich gerufen hatte, nicht eingegriffen und bei ihm mal kurz die Sicherungen durchbrennen lassen.

      Jedenfalls sah er süß aus, wie er so da lag und schlief. Ganz friedlich, so gar nicht der Dean, den man sonst kennt, ich ertappte mich sogar bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, neben ihm aufzuwachen. Sasha, du hast eindeutig nen Knall, als würde Dean Winchester es in Betracht ziehen überhaupt mit dir im selben Bett zu schlafen. Ja, ja, oh du meine innere Stimme, ich hör ja schon auf. Ein bisschen wird der Mensch wohl noch träumen dürfen? Ehe ich mich versah, drückte ich ihm einen sanften Kuss auf seine Wange.

      Worauf ich nicht gefasst war, war dass er just in dem Moment seine Augen aufschlug.

      "Was?"

      Ich zuckte zurück, als hätte er mir nen elektrischen Schlag verpasst und hielt mir den Mund zu, um nicht laut aufzuschreien.

      "Sasha? Du hier? Wo bin ich, was ist passiert?" sprudelte es aus ihm heraus, dann warf er noch einen Blick unter die Decke, "Himmel und wo sind meine Klamotten." Und als er mich daraufhin näher betrachtete, fing er an Bauklötze zu staunen.

      Kein Wunder, alle meine Wunden waren verheilt. Meine Haare waren nicht mehr glatt, sondern gewellt und ich sah alles in allem ein wenig "frischer" aus.

      "Ja, ich bin es, wir sind in deinem Zimmer und dich hat es gestern aus den Socken geschossen, als du mich "retten" wolltest", antwortete ich, nachdem ich mich wieder gefasst hatte.

      "Und keine Bange, wegen deiner Klamotten, die waren nur ein wenig verkokelt, von dem Strahl der dich getroffen hat. Sam hat dich ausgezogen und ins Bett gebracht und ich hab dich vorhin auch ganz bestimmt nicht geküsst, nein, nie, niemals, würde es mir einfallen, dich im Schlaf …"

      "Strahl, verkokelt, aus den Socken geschossen? Bist du irre? Was faselst du da?" unterbrach er mich und setzte sich auf, "und wo zum Geier sind deine Verletzungen geblieben? Und dein Haar, dass sieht auch anders aus und du, du siehst auch irgendwie …" Für einen Moment bekamen seine Augen einen verklärten Eindruck und er sah mich an, beinahe liebevoll, aber der Schein trog.

      ***

      "Mann, sieht Sasha heiß aus. Ich wusste gar nicht dass sie so heiß aussehen kann. Oh, oh, das gefällt dem kleinen Dean auch gut, viel zu gut, MACH WAS!!" brüllte seine innere Stimme.

      ***

      "Wie so eine Tussi vom Jahrmarkt", fauchte er, "was hast du vor, willst du den Männern im Dorf den Kopf verdrehen? Diese Bauerntölpel würden doch alles anspringen, was ihnen über den Weg läuft. Da macht es wenig Sinn sich so aufzubrezeln."

      Ich schluckte, holte aus und KLATSCH!

      "Weil Dean Winchester nicht auch ALLES anspringt, was ansatzweise wie ne Frau aussieht. Denkst du, dass je eine Frau mit dir glücklich werden könnte? Einem Typen, der tonnenweise Fastfood in sich reinstopft, zu den unmöglichsten Zeitpunkten rülpst und furzt? Ich denke da nur an Mary Blanchetts Beerdigung. Beinahe hätten sie den halben Saal geräumt. Ich geh jetzt nach unten, ich brauche mal zur Abwechslung was Intellektuelles sowas wie deinen Bruder. Wir sind in der Küche und untersteh dich in Unterhosen zum Frühstück anzutreten."

      Fuchsteufelswild stakste ich aus dem Zimmer und knallte die Tür hinter mir zu.

      ***

      Dean saß auf seinem Bett und rieb sich die Wange, dabei machte er immer wieder den Mund auf und zu, um zu testen, ob seine Kiefer nicht was abbekommen hätten. Wow, die hatte gesessen. Es begann mit einem leichten Zucken der Mundwinkel und endete in einem breiten Grinsen. Er schwang die Beine aus dem Bett und zog sich an. Sasha hatte echt Feuer im Blut. Er wusste, dass ihm diese Ohrfeige gebührt hatte. Keine Frage er hatte sie schließlich provoziert. Er musste noch mehr lachen und schüttelte den Kopf, denn er konnte noch immer deutlich ihre Hand auf seinem Gesicht spüren. Es brannte, aber tat es weh, oder tat es so weh, dass es schon wieder schön war? Jetzt wurde diese Angelegenheit abartig. Ehrlich. Wie konnte man eine Ohrfeige geil finden? Er hatte eindeutig schon viel zu lange keine Frau mehr gehabt. Kunststück, die letzten paar Wochen hatten sie damit verbracht, quer durch die Staaten zu rasen, um Sasha beizustehen und ganz nebenbei hatten sie auch noch ein paar andere böse Jungs zur Strecke gebracht.

      "Apropos böse Jungs", schoss es Dean durch den Kopf, als er die Türschnalle nach unten drückte, er hatte da noch ne Rechnung offen von gestern, "Sam!" brüllte er, als er die Treppe nach unten raste, "Sammyyyyy!"

      ***

      "Na Sasha, wie geht's?" begrüßte mich Sam mit einem freundlichen Lächeln, "ich hab grad Speck gebraten, magst du auch welchen?"

      " Hach Sam, du bist so anders als Dean. Du hast Manieren, bist höflich ", dachte ich mir. "Ja, bitte."

      Mein Lächeln musste etwas vermurkst rübergekommen sein, weil er mich fragte, "was ist denn los? Alles in Ordnung?"

      "Ach, es ist nichts", sagte ich und tupfte mir mit der Serviette den Mund ab, "Dean und ich hatten ne kleine Meinungsverschiedenheit …"

      "Streit unter Liebenden, ich verstehe", sagte er und zwinkerte mir zu.

      "Bitte wie?" ich riss die Augen auf, dass sie mir beinahe aus dem Kopf sprangen, "so ein Quatsch Sam. Ich liebe deinen Bruder nicht. Der Kuss auf die Wange wa …" Ich biss mir auf die Zunge.

      "Du hast ihn geküsst?" Super, aus der Nummer kam ich nicht mehr raus.

      Meine Ohren fingen an zu glühen, "nur so einen kleinen Schmatz auf die Wange. Er lag so friedlich da. Da konnte ich … naja, du weißt schon. Aber halt bloß deine Klappe, er hat's eh nicht mitbekommen."

      "Sammyyyy!" tönte es plötzlich aus dem Flur.

      "Das hört sich aber alles andere als friedlich an", meinte Sam und warf mir einen fragenden Blick zu.

      Ich zuckte die Schultern.

      Kurz darauf stand Dean im Türrahmen. Sein Blick sprach nicht nur Bände, es war ne ganze Bibliothek.

      Bevor er jedoch zur Tat schreiten konnte, stellte ich mich ihm in den Weg, "wag ja nicht, dich an deinem Bruder zu vergreifen, er kann nichts dafür, dass du gestern nen Abgang gemacht hast."

      Dean starrte weiterhin wutentbrannt über meine Schulter, "ach nein? Aus wessen Augen kamen denn die dubiosen Strahlen, die mir den Rest gegeben haben? Mein Bruder der Freak, toll."

      "Mein Bruder der Vollidiot", gab Sam zurück und knallte die Serviette auf den Tisch.

      "Freak", Dean.

      "Arschgeige", Sam.

      "Dumpfbacke", Dean.

      "Du hättest draufgehen können, wenn Celeste dich nicht ausgeknockt hätte", mischte ich mich ein, da mir die Kinderei gehörig auf den Keks ging, "es diente lediglich deinem Schutz, du Hirni. Hättest du sie berührt, wärst du genau so verbruzelt, wie Insekten, wenn sie diesem blauen Licht zu nahe kommen."

      "Da bin ich aber froh, stattdessen hab ich nur ein Zehntel der Strahlung abbekommen und bin jetzt wahrscheinlich für den Rest meines Lebens zeugungsunfähig … Shit. Das ist mir jetzt so rausgerutscht, dass sollte keiner hören", murmelte er und wurde rot bis über beide Ohren. Er fing sich jedoch gleich wieder und schnappte, "und wer zum Teufel ist Celeste?"

      Ich ging zurück zum Frühstückstisch und setzte mich, "da ist noch ein Stuhl frei. Setz dich, dann können wir reden."

      Er wirkte wie ein trotziger Junge, den man sein Lieblingsspielzeug geklaut hatte und hätte er sich vorhin nicht so daneben benommen, hätte ich ihn sogar süß gefunden. Jetzt fand ich ihn … scheiße … ich fand ihn trotzdem süß. Was hatte der Kerl nur an sich, dass ich in seiner Gegenwart total kirre wurde?

      Zwei Minuten später saß er zwischen mir und Sam und haute rein, was das Zeug hielt, "was immer diese Püppi da mit mir gemacht hat … ich hab nen Mordshunger", sagte er mit vollem Mund und schob noch einen Bissen Rührei hinterher.

      "Celeste war Chris kleine Schwester. Sie ist mit sieben Jahren beim Schlittschuhlaufen hier in dem See ertrunken."

      Dean hätte ob meiner Aussage beinahe das ganze Essen wieder auf den Tisch gespuckt.

      "Man hat ihre Leiche nie gefunden. Man hat eine kleine Gedenktafel an jener Stelle angebracht, an der sie damals verschwand. Chris Mutter kam nie richtig über den Verlust hinweg. Sie hat sich immer mehr zurückgezogen und landete irgendwann in einem Sanatorium. Chris und sein Vater waren dabei, als es geschah und doch konnten sie nichts tun. Es war schrecklich, sie unter dem Eis treiben und dann verschwinden zu sehen", erzählte ich weiter.

      "Das ist ja so wie bei "Das Omen", lieferte Dean gleich wieder nen filmischen Vergleich, "wer will denn schon so sterben? Und wie wurde sie dann Chefin der Glühwürmchenfraktion? Ich mein, das wird man doch nicht automatisch, wenn man sich in einem See versenkt."

      Er warf fragende Blicke auf Sam und mich während er herzhaft vor sich hin mampfte.

      "Gesegnet sei dein Appetit, Bruder", meinte Sam kopfschüttelnd.

      "Umum, dunke Som, ocht löcker", grinste er und ich sah plötzlich nen Neandertaler vor mir. Wow, was hatte Sam da nur in die Eier getan? Pot?

      Ich schüttelte meinen Kopf und Dean saß wieder in seiner ursprünglichen Gestalt vor mir, "wir sind hier in Christmas, Dean. Manche Wünsche gehen anscheinend in Erfüllung. Celeste hatte sich, als sie noch lebte immer gewünscht, eine Fee zu sein."

      "Und rums, kaum ersäuft sie draußen, geht ihr Wunsch in Erfüllung. Schwachsinn", entgegnete Dean.

      Sam räusperte sich, "dass dachte ich auch, bis ich anfing zu recherchieren. Die Wunder, die dieser See vollbracht hat, reichen einige Jahrhunderte zurück. Zum Beispiel soll sein Wasser einigen kranken Menschen geholfen haben."

      "Ja, Blinde konnten wieder sehen, Lahme wieder gehen und wo sind dafür andere Leute gestorben? Ich sage nur Reaper."

      "Nirgends, Alter. Es musste niemand anders dafür sterben. Der See kann Wunder bewirken", wiederholte Sam.

      "Und was haben die Leute dann für einen Preis bezahlt, für diese angebliche Heilung, meine ich?"

      "Mann kannst du stur sein, Dean", fuhr ich ihn an, "weshalb akzeptierst du nicht einfach, dass der See …"

      "Weil noch nie etwas passiert ist, ohne dass man einen Preis dafür bezahlen musste? Wo kamen diese komischen Viecher her, die uns beinahe aufgefressen hätten? Vielleicht hat Celeste sie ja geschickt, um dann als Heldin da zu stehen. Vielleicht ist Celeste überhaupt nicht Celeste, schon mal darüber nachgedacht, ha?" Er nickt mir einmal kurz zu und zog dabei seine linke Augenbraue hoch.

      Ich hielt seinem Blick stand, "und weshalb hat sie mich dann quasi modifiziert und meine Wunden geheilt? Das hier ist nicht "Pimp my hunter", oder?"

      "Pimp my was …?" hakte er nach.

      "Vergiss es, Dean", ich stand auf und fing an hin und her zu laufen. "Aber das ist nur die Hälfte der Story. Nachdem was ich gestern von Celeste erfahren habe, ist der gute Zeke unser kleinstes Problem." Nachdenklich zupfte ich an meiner Unterlippe bevor ich weitersprach.

      "Celeste wird sterben, das Wasser des Sees wird von unterirdischen Quellen, die Schwefel enthalten verseucht."

      "Na toll, ein Projekt für Greenpeace, hat mal einer die Telefonnummer?" Deans Stimme troff vor Sarkasmus, anscheinend nahm er uns nicht sehr ernst.

      Sam gab ihm einen Klaps auf den Hinterkopf, "hör auf, dich über die Sache lustig zu machen. Sasha erwähnte unterirdische Schwefelquellen."

      "Na und, die gibt's doch überall."

      "Die hier sind aber etwas ganz besonderes. Die kommen direkt von unten."

      Dean lachte kurz auf, "nicht böse sein, Sammy, aber das tun all diese Quellen. Das hab ich im Discovery Channel gesehen. War echt ne tolle Doku."

      Ich schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Hatte Celeste dem hübschen Dean, das letzte bisschen Verstand aus der Birne gesaugt, dass er noch besessen hatte?

      "Sie kommen direkt aus deinem letzten Urlaubsort, Christmas liegt an einem Höllenschlund", sagte ich so langsam, dass selbst ein dreijähriger es kapieren konnte.

      "Sagt mal, habt ihr euch zusammengetan, um mich zu verarschen?" fragte Dean, "ein verzauberter See, der Wünsche erfüllt, ein Höllenschlund? Auf was seid ihr denn drauf? Weil wenn es gut ist, will ich auch was von dem Zeug haben."

      Sam ignorierte Deans letzte Bemerkung, "auch das hab ich recherchiert. Es gibt dutzende von Überlieferungen, dass Christmas einmal ein echt übler Landstrich war. Bis auf der anderen Seite des Sees ein Kloster gebaut wurde, dessen Ruinen übrigens heute noch stehen. Die Nonnen haben ihre Kleider oft in dem See gewaschen und sie haben auch sonst das Wasser aus dem See verwendet. Eine der Nonnen soll besondere Fähigkeiten besessen haben. Sie wurde eines Nachts überfallen und tot am See zurückgelassen. Seither, so steht es in den Berichten, hätten der See und der Wald, der es einst umgab, die Nonnen immer wieder beschützt.

      Der Wald wurde im Zuge des Straßenbaues abgeholzt, den See wollten sie auch trocken legen, aber das haben die Einwohner von Christmas verhindert. Vor ca. einem Jahr wurde beschlossen, einen Tunnel durch den Berg zu graben, damit die Stadt nicht mehr nur über den Pass erreichbar ist. Leider wissen die Jungs vom Straßenbauamt nicht, was sie da angestellt haben. Der Höllenschlund hat einen Riss bekommen. Daher kamen auch gestern diese Kreaturen", beendete er seine Ausführungen. Es wurde still in der Küche, nur das Ticken der Uhr war zu hören.

      Dean setzte ein paar Mal an, etwas zu sagen, ließ es aber dann bleiben.

      "Wir müssen was unternehmen", sagte ich schließlich.

      "Natürlich, wart ich hol mal eben Bob den Baumeister, der schaufelt dann das Loch für uns zu", echt Dean.

      "Ich denke, ganz so einfach wird die Sache dann doch nicht werden, Jungs", seufzte ich und fing an, das Geschirr zu spülen. tbc
    • Kapitel 5

      "Ich seh dann mal eben schnell nach meinem Baby, vielleicht mach ich ja ne kleine Spritztour damit in die Stadt", meinte Dean und stand auf.

      Kaum war er auf dem Weg nach draußen, sah Sam zu mir rüber, "der killt dich wenn …"

      Plötzlich wurde die Tür schon wieder aufgerissen und Dean stürzte kreidebleich herein, "mein Wagen, die haben meinen Wagen geklaut, mein Baby ist weg."

      Perplex beobachtete ich, wie er anfing zu hyperventilieren.

      "Komm wieder runter Dean", sagte ich.

      "Was? Nein, auf keinen Fall. Was haben die …"

      "Dein Wagen steht in der Garage Rumpelstilzchen. Kannst dich wieder abregen", irgendwie fand ich sein Getue total affig.

      "In der Garage, was, wieso?"

      "Na was denkst du denn, wo ich die Lebensmittel her habe?"

      Okay, jetzt würde er mich gleich fressen, so wie er mich anstarrte, "WAS?! Du bist mit meinem Baby gefahren?"

      "Nein, ich hab nur drin gesessen und Sam hat mich geschoben", fauchte ich, "hör mal ich kann einen Hubschrauber fliegen, da werd ich doch noch deinen dämlichen Wagen fahren können."

      Jetzt wandte er sich an Sam, "weshalb hast du sie nicht aufgehalten?"

      Ich fasste es nicht, "was hätte denn dein Bruder tun sollen? Sich vor den Wagen werfen. Krieg dich wieder ein Dean, ehrlich. Das ist nicht doch nicht normal. Außerdem, wenn ich dich in den Laden geschickt hätte, säßen wir sicher noch immer ohne Frühstück da."

      Er stutzte, "was soll das nun wieder heißen?"

      "Trishs Tochter ist eine Männer mordende Schlampe. Ich bin sicher, sie hätte dich erlegt, noch bevor du PIEP gesagt hättest", entgegnete ich und füllte mein Glas mit Orangensaft.

      Er hob die Hand und deutete mit dem Zeigefinger auf mich, aber so ganz wusste er nicht, was er sagen sollte. Ich leerte das Glas in einem Zug und knallte es auf den Tisch.

      "Nachdem wir das auch besprochen haben, könnten wir uns vielleicht auf den Weg in die Ruine machen?"

      Dean funkelte Sam an, "noch so ne Geheimaktion, von der ich nichts erfahren sollte, oder wie?"

      Sam schüttelte den Kopf, "nein, was, wieso geheim? Wir dachten nur, es wäre besser, dich ausschlafen zu lassen. Du hast gestern ziemlich was abbekommen. Niemand hat vor …"

      Ich musste in mein Zimmer und als ich an ihm vorbeiging murmelte ich, "Dean, denkst du nicht, es ist an der Zeit, dich mit deiner Paranoia auseinanderzusetzen?" Dann tätschelte ich ihm mütterlich die Schulter und ging grinsend nach oben.

      Insgeheim hoffte ich ja, er würde mir folgen und mir die Leviten oder sonst was lesen, aber leider. Das hatte ich nun davon.

      ***

      Dean schäumte noch immer vor Wut. Versuchte es jedoch nicht an Sam auszulassen. Nachdem, was ihm dieses Wesen angetan hatte, war er froh, dass Sam nichts passiert war.

      "Du bist doch in Ordnung, Sammy?" fragte er unvermittelt, "ich mein, du hast nicht das Gefühl, du hättest einen Mitbewohner in dir oder so?"

      Sam grinste, "nein, Alter. Ich fühl mich bestens."

      "Und die gute Celeste hat auch keine Schweinereien mit dir angestellt?"

      Sams Grinsen wurde breiter, "du hast echt ein Rad ab, weißt du das?"

      "Hey, ich bin einfach besorgt", Dean senkte seine Stimme, "noch wissen wir nicht, ob wir diesem Ding trauen können."

      Sam stand auf, "oh doch, ich weiß es. Ich habe es gefühlt, als sie in mir steckte. Da ist nichts faul an der Sache." Er schluckte, dann sah er seinem Bruder direkt in die Augen, "und ich konnte fühlen, dass sie stirbt und dass sie große Angst davor hat, für immer in der Dunkelheit zu verschwinden. Dean, wir müssen etwas unternehmen."

      Deans Kiefer mahlten, "dann bin ich wohl der einzige aus dem sie Kartoffelpuffer machen wollte."

      Nachdenklich zog er eine Augenbraue in die Höhe, "mal sehen, was wir in dem alten Gemäuer finden. Wonach suchen wir überhaupt?"

      ***

      "Das werden wir wissen, wenn wir dort sind, hat Celeste gemeint", sagte ich, als ich die Treppe runterkam.

      "Na toll", Dean fuhr sich müde mit der Hand übers Gesicht, "konnte sie nicht ein bisschen deutlicher werden?"

      "Die Leitung, auf der wir kommunizierten war nicht sicher", entgegnete ich.

      "Häh?" Dean, der Blitzmerker.

      "Der Feind hat mitgehört", versuchte ich eine andere Erklärung.

      "Dann is ja gut", murmelte Dean und wollte seine Sachen holen.

      Ich verstellte ihm den Weg, "Bitte, Dean. Sie hatte nie vor Kartoffelpuffer aus dir zu machen. Wärst du ihr zu nahe gekommen …"

      Er hob die Hand, "ich weiß, dann hätte ich ausgesehen wie ein verkohlter Marshmallow. Ich hab's geschnallt, können wir jetzt bitte auf unsere Rätselrallye gehen, nicht dass es da draußen arschkalt wäre und wir sonst nichts Besseres zu tun hätten."

      Einen Moment lang verhakten sich unsere Blicke und ich wusste nicht, ob ich ihm eine knallen oder ihm um den Hals fallen sollte. Ich entschied mich für keines von beiden.

      Zehn Minuten später stapften wir, dick eingepackt in unsere Parkas und mit Schneeschuhen an den Beinen durch die Gegend.

      "Der Weg über den See wäre sicher kürzer gewesen", keuchte Sam.

      "Ja und rutschiger, oder hast du Schlittschuhe dabei?" sagte ich.

      "Öhm nein."

      "Außerdem haben wir keine Ahnung, an welchen Stellen sich diese heißen Quellen befinden, dort würde uns das Eis sicher nicht tragen", dann schwiegen wir wieder für ne Weile.

      Irgendwann auf halben Weg blieb Dean stehen und drehte sich zu mir um.

      "Was ist? Hast du was auf deinem "Radar" Dean Winchester?"

      "Du kannst echt nen Hubschrauber fliegen?"

      Ich schüttelte grinsend den Kopf, "sag bloß, dass hat dich die ganze Zeit über beschäftigt?"

      Er zuckte die Schultern, "nicht direkt, aber … irgendwie schon."

      "Ich hab mal ein Fotoshooting für ein Magazin auf einer Airforce Base gemacht, da war meine Welt noch in Ordnung. Die Dinger hatten irgendwie ne magische Anziehungskraft auf mich."

      "Die Hubschrauber oder die Piloten in ihren tollen Uniformen?" zog Dean mich auf.

      "Die Hubschrauber, Dummbeutel. Ich war damals schon in festen Händen", erwiderte ich, "und kurz darauf hab ich mich zu einem Kurs angemeldet und die Prüfung bestanden."

      "Wie wär's wenn ihr ein wenig schneller machen würdet", rief Sam, "ihr könnt euch ja dann später am Kaminfeuer noch austauschen."

      Als ich an Dean vorbei gehen wollte, hielt er mich kurz fest, "warte. Es tut mir leid, dass ich mich vorhin so aufgeführt habe, aber …"

      Ich hatte das Gefühl, seine Berührung auf der blanken Haut zu spüren, mein Puls beschleunigte und ich meinte sogar so etwas wie Zuneigung in seinem Blick zu erkennen. Alles Quatsch, deshalb riss ich mich los.

      "Schon Vergessen Kumpel, ich bin nicht nachtragend. Und ich werde mich auf keinen Fall mehr zwischen dich und dein Baby stellen, Gott bewahre."

      Damit ließ ich ihn in der Kälte stehen.

      ***

      Na toll, da rannte sie nun seinem kleinen Bruder hinterher. "Dean Arschloch Superstar". Dabei hatte er sich echt und aufrichtig bei ihr entschuldigen wollen. Sie hatte ja keine Ahnung, welche Überwindung es ihm gekostet hatte. Wie dumm von ihm zu glauben, sie würde etwas für ihn empfinden. Was bitteschön konnte er ihr schon bieten? Sein gutes Aussehen? Seine Art, sich wie ein Elefant im Porzellanladen aufzuführen? Sein hinreißendes Lächeln? Verdammt, alle anderen Frauen wurden dabei Schwach. Bloß nicht Sasha, sie war anscheinend immun gegen seine Charmeattacken. Mit Krampf einen auf intellektuell zu machen, würde auch nichts bringen. Das ging schon mal grob in die Hose, am Ende hatte er sich damals mehr blamiert als sonst was. Nachdem er sich eingehend das Hirn zermartert hatte und noch immer so schlau war, wie zuvor, stieß er einen leisen Fluch aus und folgte den beiden, die schon längst aus seinem Blickfeld verschwunden waren.

      ***

      Als wir am Kloster ankamen, schnallten wir uns die Schneeschuhe von den Beinen. Viel war wirklich nicht mehr da. Beinahe könnte man meinen, der liebe Gott hätte die Steine in einen Becher geworfen, sie gründlich durchgeschüttelt und dann hier ausgeschüttet. Das Gebäude als solches ließ sich nur noch erahnen.

      Dean ließ seine grüne Tasche in den Schnee fallen, "sieht richtig einladend aus Mädels. Fehlt nur noch der richtige Anstrich. Und was jetzt?"

      Auch ich hatte nicht damit gerechnet, der Begriff Ruine war schlichtweg ne Übertreibung gewesen. Müde und ein wenig außer Atem lehnte ich mich an einen Baum.

      Sam zog das EMF-Meter aus seiner Jackentasche und hielt es in die Höhe, nichts.

      "Also, da sind wir jetzt echt mehr als zwei Stunden durch den Schnee marschiert, nur damit wir uns nen Haufen Steine angucken. Super, das wollte ich immer schon mal machen", fauchte Dean und starrte zu mir rüber, "was jetzt Prinzessin? Spielen wir Steinchen wechsel dich?"

      Ich zuckte mit den Schultern, "ich weiß es nicht, Celeste hat es mir nicht gesagt. Alles was ich weiß, ist dass wir hier etwas finden sollen, dass uns hilft, den Höllenschlund wieder zu verschließen."

      "Vielleicht hätten wir nen Bagger und ein paar LKWs rankarren sollen, um das restliche Gemäuer hier über dem Höllenschlund zu verteilen?" meinte Dean sarkastisch, "wenn nicht, wäre es nett, wenn sie uns ein Zeichen gibt." Er blickte erwartungsvoll gen Himmel. Nichts.

      Langsam musste ich Dean recht geben, es war eine völlig bescheuerte Idee gewesen, auf gut Glück hierher zu kommen und zu erwarten, dass jemand ein großes Schild vom Himmel hielt, mit einem Pfeil drauf oder so.

      Plötzlich frischte der Wind auf und mir kam es so vor, als würde jemand meinen Namen rufen.

      "Hört ihr das?" fragte ich halblaut.

      Dean, "was?"

      Da war es wieder, ich, "na das?"

      Sam, "was das?"

      "Sasha, Sasha, Sasha." Es klang schauerlich.

      "Da ruft jemand meinen Namen."

      Den schüttelte den Kopf, "also ich hör nichts."

      "Ich auch nicht", bestätigte Sam.

      Da bemerkte ich ein Glänzen neben einem der Steine. Sofort lief ich darauf zu. Zuerst war ich enttäuscht, denn es war nur Eis, das die Sonne reflektiert hatte. Trotzdem besah ich mir die Stelle genauer. Unter dem Eis war ein verrosteter Eisenring verborgen.

      "Jungs, habt ihr ne Brechstange dabei, ich glaub ich hab soeben nen Eingang entdeckt", rief ich und fuchtelte dabei aufgeregt mit den Händen.

      Keine zwei Minuten später hatten wir die Falltür aufgebrochen, es roch nach abgestandener, modriger Erde.

      "Jemand nen Duftbaum dabei oder was von Airwick?" fragte Dean und starrte missmutig auf die steinernen Treppen, die in die Dunkelheit führten.

      Ich schluckte und verzog mein Gesicht, "das heißt dann wohl, wir müssen da runter."

      "Nein, vielleicht kommt ja auch was raus, wenn wir lange genug warten", sagte Dean, "du hast doch wohl nicht Schiss in Hose?"

      "Das letzte Mal, als ich in so ein Finsteres Loch gestiegen bin, war ich für eine Woche lang eingeschlossen", erklärte ich ihnen.

      "Was für ein Dämon?" wollte Sam wissen.

      "Kein Dämon, wir waren Höhlenklettern und wurden verschüttet. Das war nach meiner Zeit auf dem College, da waren wir auf so nem Abenteuer Trip in den Tropen. Irgendwie hab ich den Nervenkitzel schon immer gebraucht", ich zuckte die Schultern.

      Dean verdrehte die Augen, "Hubschrauber fliegen, Höhlenklettern in den Tropen, vielleicht auch noch Fallschirmspringen und Bungee jumpen."

      "Auch das", gab ich nicht ganz ohne Stolz zurück. Ihm klappte die Kinnlade herunter.

      "Is ja egal, dann lasst uns mal zur Tat schreiten", sagte ich laut, um mir selbst auch Mut zu machen, "Dean, du gehst vor, ich geh in der Mitte und Sam macht das Schlusslicht."

      "Weshalb gehst du nicht vor Sasha?" schnappte Dean, "das war ja mal ein Nonnenkloster, die werden einer Frau schon nichts tun."

      "Chauvi", schnappte ich zurück. Schon wollte ich die Treppe hinuntersteigen, da drängte sich Sam vor, "ich gehe als erster, Sasha du bleibst in der Mitte, kommt jetzt."

      Wir drehten unsere Maglite Taschenlampen auf und stiegen hinab ins Ungewisse. Kaum hatte uns die Dunkelheit verschlungen, gab es oberhalb von uns einen gewaltigen Knall. Die Falltür, sie hatte sich geschlossen.

      "Ja isses denn …" Dean eilte sofort nach oben und wollte sie öffnen, doch so sehr er sich auch dagegen stemmte, sie rührte sich keinen Millimeter.

      "Mädels, ich denke, da möchte jemand dass wir uns die ganze Geisterbahn geben. Mit allem drum und dran. Hätte ich jetzt nur Zuckerwatte bei mir."

      Ich konnte nicht anders und fing hysterisch an zu lachen, hörte jedoch abrupt damit auf, als mich der Schein der beiden anderen Taschenlampen mitten im Gesicht traf, "sorry, auf Beerdigungen muss ich auch immer lachen."

      "Na, wenn das mal kein gutes Omen ist", stöhnte Sam. tbc
    • Kapitel 6

      "Dean, mein Schatz, ich denk nicht, dass du die Lösung unseres Problems auf meinem Hintern finden wirst", griente ich, nachdem ich mitbekommen hatte worauf seine Taschenlampe gerichtet war.

      Augenblicklich richtete er den Strahl wieder auf den Boden, "jetzt laufen wir schon ne halbe Ewigkeit herum, Mann ist das öde", beschwerte er sich.

      "Wir sind grad mal seit zehn Minuten hier", entgegnete Sam, "hör auf zu nerven."

      "Irgendwie hab ich mir das gruseliger vorgestellt", maulte Dean, "das hier ist nichts anderes als ein unterirdisches Gewölbe, wahrscheinlich war's mal ein Weinkeller, oder so. So ein paar Zombie-Nonnen wären doch echt abgefahren, denkt ihr nicht?"

      Sam und ich stöhnten kurz auf.

      "Dean Winchester, du bist ein blutrünstiges kleines Ekel", schimpfte ich.

      "So, bin ich das", er klang richtig stolz und das … ach, am liebsten hätte ich mich umgedreht und ihn geküsst.

      Ob das normal ist, wenn man sich in Gefahr befindet? Ich mein, so wie ich, dass man da irgendwie das Bedürfnis hat, sich dem nächst besten an den Hals zu schmeißen. Immerhin wäre es ja in diesem Fall Dean und kein Fremder gewesen.

      "Sasha Van Dyke, du hast eindeutig ein paar Murmeln verloren auf deinem Trip ins Licht", rief mich die Stimme meiner Vernunft zur Räson, "deine Aufgabe ist es, die Menschheit zu retten und nicht daran zu denken, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn du Haut an Haut mit Dean Winchester im Bett liegst und er dich um den Verstand vögelt."

      Nein, daran dachte ich nun wirklich nicht, obwohl …

      "Du siehst aus als hättest du gerade einen Schlaganfall", sagte Dean und leuchtete mir mit der Maglite genau in die Fresse, weil ich stehen geblieben war.

      "Sorry, ich …"

      hab grad daran gedacht, in deinen starken Armen zu liegen und deine Lippen auf meiner Haut zu spüren …

      "musste gerade furzen."

      Die beiden Brüder verdrehten ihre Augen.

      "Ich bitte dich, wir sind hier eingeschlossen und das einige Meter unter der Erde, wenn ich dich daran erinnern darf", meinte Dean und hielt sich die Nase zu.

      "Keine Bange, der stinkt nicht", sagte ich und zwinkerte ihnen aufmunternd zu.

      "Das kenn ich, das sagt Dean auch immer", meinte Sam und ging endlich weiter.

      Eines wusste ich nun, es war gar nicht gut auf so engem Raum mit Dean zusammen zu sein.

      ***

      Dean taumelte wie eine benommene Fliege hinter Sasha her. Es war eine Höllenqual ihren süßen Hintern andauernd vor sich zu haben, auch wenn er ihn nun nicht mehr anleuchten durfte. Die Leidenschaft loderte in ihm und wenn sie nicht bald hier rauskämen oder etwas Furchtbares geschah, würde er mit Haut und Haaren verglühen. Der Schweiß brach ihm aus allen Poren und das lag sicher nicht an der Temperatur, die hier nur knapp über null Grad lag.

      Was gäbe er dafür, nur eine Nacht mit ihr zu verbringen? Aber er wusste, dazu würde es nie kommen, weil sie nicht im Traum daran dachte, sich mit so jemandem wie ihm abzugeben? Wie hatte sie ihn gerade genannt? Blutrünstiges kleines Ekel? Hach, wie schön. Sie konnte alles zu ihm sagen. Nur wenn sie in seinen Wagen stieg, dann war Schluss mit lustig. Außer sie stieg in sein Baby, um mit ihm Liebe auf dem Rücksitz zu machen. Liebe machen? Ha, er würde über sie herfallen wie eine Hyäne und … Ein markerschütternder Schrei riss ihn zurück in die Realität.

      ***

      Ich schwöre, ich hätte nicht so laut geschrien, aber als dieses Monster praktisch aus dem Nichts auftauchte und aus Sam Hackfleisch machen wollte, konnte ich nicht anders. Wir hatten in diesem unterirdischen Gewölbe nicht viel Platz und ich befürchtete das schlimmste. Dieses Ding sah aus wie ein Lykaner. Es ging aufrecht, hatte sein Maul aufgerissen, die Fangzähne blitzten im Licht der Taschenlampen und sein Atem stank erbärmlich. Hoffentlich dachte Dean nicht, der Gestank käme von mir.

      Zum Glück reagierte Sam blitzschnell und warf sich auf den Boden. Jetzt stand ich aber da, so ganz ohne Deckung. Da griff plötzlich eine Hand nach mir und riss mich nach hinten. Ich sah wie Dean über mir stand und den Lykaner mit meiner Arrow 5000 durchlöcherte.

      "Da friss das du Monster", schrie er und lief dabei rückwärts. Wenn er jetzt stolperte … Aber da stand auch Sam schon wieder und pumpte das Ding mit geweihten Silberkugeln aus seiner 357er voll. Der Krach war so laut, dass ich mir die Ohren zuhielt.

      Innerhalb einer Minute, war der ganze Spuk vorbei. Mir war es wie eine halbe Ewigkeit vorgekommen. Und ich kam mir ziemlich doof vor, als ich wie ein Käfer auf dem Rücken lag und die beiden mir hochhalfen.

      "Alles in Ordnung?" fragte Sam besorgt und untersuchte mich oberflächlich mit seinen Augen. Ich nickte kaum merklich.

      "Nettes Spielzeug hast du da", grinste Dean, knallte mir lachend eine auf die Schulter und drückte mir die Waffe in die Hände, "sowas will ich auch haben, wenn ich mal groß bin."

      Sam war in der Dunkelheit verschwunden und Dean und ich standen uns dicht an dicht gegenüber.

      "Ich bin froh, dass dir nichts passiert ist", sagte er und sah mir dabei tief in die Augen.

      "Ich auch …" ich räusperte mich, "ich mein, ich bin froh, dass dir und Sam nichts geschehen ist. Denkst du, dass hier noch mehr solcher Ungeheuer lauern."

      "Ich weiß nicht, kann schon sein", mittlerweile stand ich mit dem Rücken zur Wand und Dean hatte seine Arme rechts und links neben meinem Kopf abgestützt.

      Unsere Blicke verhakten sich ineinander.

      "Sagst du mir jetzt, dass du mich beschützt und dass ich keine Angst zu haben brauche?" krächzte ich.

      "Wenn du das hören willst", antwortete er heißer, "ich könnte dir auch noch ganz andere Dinge sagen."

      "Und du hast keine Angst davor, dass ich dir vielleicht eine reinhau?" ich, nonchalant.

      "Ehrlich gesagt, da steh ich direkt drauf", Dean mit einem spitzbübischen Lächeln auf seinen Lippen.

      "Dann muss ich dich also verprügeln, wenn …" meine Stimme versagte.

      "Wenn …" forderte er mich auf. Jetzt waren seine wundervollen Lippen nur noch einen Hauch von meinen entfernt. Ich fühlte ein Beben das durch meinen Körper ging, oder war es seiner?

      Plötzlich peitschten Schüsse durch die Dunkelheit.

      "Sam!" schrie Dean, riss mir die Arrow 5000 wieder aus den Händen und ließ mich mit butterweichen Knien zurück. Was zum Teufel war da gerade abgelaufen?

      Ich kam nicht dazu, mir weiter darüber Gedanken zu machen, da ich die aufgeregten Schreie der Jungs und das schauerliche Gebrüll eines Monsters hörte.

      Was sollte ich tun? Ich konnte nicht einmal mit einem Stein nach dem Ding werfen.

      "Benutz deine Fähigkeiten", sprach eine Stimme plötzlich zu mir, es war Celeste.

      "Fähigkeiten? Was denn für Fähigkeiten? Soll ich hier unten etwa anfangen Karaoke zu singen oder einen Spagat machen? Ich bezweifle, dass das Monster beeindruckt wäre", sagte ich laut.

      "Nutze deine Gabe", sagte Celeste erneut.

      "Gabe? Scheiße Celeste, hör auf Sudoku mit mir zu reden. Gib mir einfache Anweisungen."

      "Das Licht ist in dir, es wird Euch beschützen."

      "Das Licht ist in dir", äffte ich sie nach, "soll ich jetzt "Fang das Licht" anstimmen oder wie? Da kenn ich grad mal den Refrain."

      Das Licht, hallte es in meinem Kopf wider. Ich konzentrierte mich, hoffentlich schoss jetzt kein Blitz aus meinem Hintern, dann wär ich ganz schön sauer wegen der kaputten Unterwäsche, die war nämlich sauteuer.

      Die Jungs mussten inzwischen nachgeladen haben, denn sie feuerten bereits wieder aus allen Rohre und ich, ich stand da und starrte in die Dunkelheit, wie eine Irre.

      Was dann passierte war faszinierend und furchtbar schmerzhaft zugleich. Es fühlte sich an, als würde jemand ein glühendes Eisen durch die Mitte meines Schädels rammen. Meine Augen verwandelten sich in glühende Kohle und ich konnte auf einmal alles deutlich erkennen. Ich sah sogar weit über den Lichtschein meiner Maglite hinaus und sah wie die beiden Jungs um ihr Leben kämpften.

      Achtlos warf ich die Taschenlampe zur Seite und eilte ihnen zu Hilfe. Dann geschah das nächste "Wunder". Alles, was ich tun musste, war, mich auf meinen Gegner zu konzentrieren. Kleine glühende Bälle rasten aus meinen Augen in seine Richtung und brannten sich in sein Fleisch.

      Einer nach dem anderen fiel zu Boden. Diejenigen, die versuchten zu entkommen, wurden auf der einen Seite von Dean und auf der anderen Seite von Sam erledigt. Die Luft war erfüllt mit dem Gestank von verbranntem Fleisch und Kordit. Sam hatte eine hässliche Wunde an der Schulter und Dean eine am Bein. Er konnte sich kaum noch aufrecht halten.

      Wir waren ohne Vorwarnung auf eine ganze Horde von Lykanern gestoßen, das Gejaule war schrecklich. Aus dem Augenwinkel heraus sah ich, wie eine der Bestien Anlauf nahm und sich auf Dean stürzen wollte. Das Blut aus den Wunden der Brüder schürte ihre Gier nur noch mehr. Das Biest verglühte noch in der Luft. Das Feuer aus meinen Augen ließ ihm nicht die geringste Chance.

      Dean starrte mich für den Bruchteil einer Sekunde an und richtete dann seine Aufmerksamkeit gleich wieder auf den nächsten Angreifer. Ich kann nicht sagen, wie lange der Kampf schon andauerte, aber die Schmerzen in meinem Kopf wurden unerträglich. Ich dachte mein Schädel würde gleich explodieren. Ich griff mir an die Schläfen und stieß einen Schrei aus.

      Der Schall meiner Stimme verwandelte die Umgebung der Höhle in ein Flammenmeer, alles was dämonischen Ursprungs war wurde von der gewaltigen Druckwelle in Stücke gerissen. Ich sah Dean und Sam auf ihren Knien, sie hielten sich die Ohren zu. Dann war es plötzlich totenstill um uns herum und ich fiel um, wie ein Stück Holz.

      Der Spuk war vorbei. Die Schmerzen waren verschwunden und meine Augen sahen auch wieder so aus, als wäre nie etwas passiert.

      Die beiden Brüder schleppten sich zu mir.

      "Was zur Hölle war das?" stieß Dean mit schmerzverzerrtem Gesicht mühsam hervor.

      "Das Licht", hauchte ich, "es war das Licht. Es ist in mir."

      "Du … du hast uns allen das Leben gerettet. Ohne dich …" keuchte Sam und griff sich an die Schulter. Ich konnte fühlen, wie ihre Lebensenergie immer schwächer wurde.

      "Gebt mir eure Hände", sagte ich, einer Intuition folgend.

      "Wieso?" wollte Dean wissen.

      "Frag nicht, gib sie mir einfach verdammt noch mal und du auch Sam."

      Kaum hielt ich ihre Hände in meinen, durchflutete mich eine Wärme, gleichzeitig fühlte ich den Schmerz der Brüder, ich meinte, ich könnte es nicht ertragen, aber das Licht gab mir die Kraft, die ich brauchte. Ich sah, wie ihre Wunden anfingen zu glühen und sich augenblicklich schlossen. Ich empfand unsäglichen Schmerz aber auch eine Glückseligkeit, die ich nicht beschreiben kann. Dann gab es so etwas wie ein finales Feuerwerk vor meinen Augen und alle Lichter gingen aus. tbc
    • angelinchains schrieb:

      Jetzt waren seine wundervollen Lippen nur noch einen Hauch von meinen entfernt. Ich fühlte ein Beben das durch meinen Körper ging, oder war es seiner?

      Jajajaja, das will ich lesen! [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/verneig2.gif]
      Hach toll, eben angefangen und schon wieder fertich. Das war genau richtig nach meinem Stress Nachmittag, Danke Süße! *kiss1*
      *tea*
    • Vielen lieben Dank, Melinda! *umarm* *kiss1* *rose*

      Kapitel 7

      Ich träumte von Lykanern, Blitzlichtgewittern, blutigen Messern, Waffen und von einem verschwitzten Dean, der mit nacktem Oberkörper Holz vor dem Schuppen hackte und das mitten im Winter. Ich räkelte mich vergnügt im Bett und gab jede Menge glucksende Laute vor mir. Doch als ich langsam die Augen öffnete, hätte ich am liebsten losgebrüllt, weil Dean nämlich an meinem Bettrand saß und mich vergnügt beobachtete.

      "Guten Morgen Sonnenschein, na deinen Traum hätt ich auch gern geträumt", sagte er und schenkte mir dabei ein Lächeln.

      Am liebsten hätt ich ihn gleich in meine Arme gezogen und … da fiel es mir wieder ein, die letzte Nacht, unser Kampf auf Leben und Tod.

      Mit einem Mal war ich putzmunter und saß aufrecht im Bett, dabei klammerte ich mich an meine Decke, weil ich nicht mehr trug als mein Unterhemd.

      "Geht es euch gut? Ist Sam okay? Bist du okay?"

      Er nickte, "keine Bange. Was immer es für eine Nummer war, die du da abgezogen hast, sie war echt stark. Ich bin so gut wie neu und Sam auch. Zwar sieht man ein paar kleine Narben …"

      "…aber die machen dich sicher nur noch attraktiver", ich schlug mir augenblicklich die Hand vor den Mund. Hatte ich das jetzt wirklich laut ausgesprochen?

      Er warf mir einen süffisanten Blick zu, "du findest mich also attraktiv?" Seine Augenbrauen schossen in die Höhe, "und vielleicht auch noch charmant und unwiderstehlich?"

      Das Timbre in seiner Stimme brachte mich zum beben. Gänsehaut überzog meine Haut wie Zuckerguss eine Punschtorte.

      "Dir ist doch nicht etwa kalt?" fragte er, als wüsste er genau, dass er alle Trümpfe in der Hand hielt.

      "Oh nein, das …" Ich streckte die Hand aus und sah, wie mir alle Haare zu Berge standen, "das ist völlig normal, das hab ich immer, wenn ich …" Ich schluckte, denn ich hatte den Eindruck Dean Winchester war drauf und dran aufs Ganze zu gehen.

      Ihm lag anscheinend doch mehr an mir als ich gedacht hatte. Ich hatte es gestern schon gefühlt, als ich seine Hand hielt. Außerdem hatte ich mir erlaubt seine Gedanken zu lesen und hatte da auch so einiges erfahren. Doof nur, das knapp vorm Ziel der Vorhang fiel.

      "Wenn du was?" hauchte er und ich konnte seine Lippen schon auf meinen fühlen.

      Da flog plötzlich die Tür auf, "Dean, Sasha, das müsst ihr euch unbedingt ansehen, kommt schnell."

      Wir fuhren auseinander, wie Magnete die einander abstießen, "Herrgott nochmal", fauchte Dean, "hast du noch nie was von anklopfen gehört?"

      Am liebsten hätte er Sam wohl geteert und gefedert, mir, hingegen, tat er schon beinahe ein bisschen leid. Er hatte es echt drauf, immer in den unmöglichsten Momenten dazwischen zu platzen.

      "Was müssen wir uns ansehen?" flötete ich, um Dean ein bisschen den Wind aus den Segeln zu nehmen.

      "Das … das kann ich euch nicht sagen. Es geht um die Glasplatte, die wir in der Höhle gefunden haben. Kommt endlich!" Ohne auf eine Antwort zu warten, stürzte er aus dem Zimmer.

      Dean ballte die rechte Hand zur Fast und schlug damit in die Luft, "ich könnte ihn erwürgen oder sonst was. So ein Idiot."

      Ich tat, als wär mein Name Hase und begann mich anzuziehen, "also ich weiß nicht, was du hast. Er ist doch so ein netter Kerl."

      "Nett ja, aber mit nem beschissenen Timing", schnappte Dean und stand auf.

      Ich sah ihn von der Seite her an, ohne, dass er es bemerkte und konnte mir das Lachen kaum noch verbeißen, er tat so als würde er jemanden die Finger um den Hals legen, dabei bewegten sich seine Lippen, stumm. Wahrscheinlich zählte er gerade alle Flüche auf die ihm in den Sinn kamen.

      Nachdem ich mir die Socken angezogen hatte, sagte ich, "hast du solche Anfälle öfters?"

      Sein Kopf ruckte herum, "du hast mich doch nicht etwa beobachtet? Ich dachte, du würdest dich anziehen?"

      "Hey, ich bin eine Frau. Ich bin Multitasking fähig, falls du das noch nicht weißt. Ich kann mehrere Sachen problemlos zur gleichen Zeit abwickeln, was MICH anziehen und DICH dabei angucken mit einschließt."

      "Na prima, dann hab ich mich grad problemlos zum Affen gemacht, wie schön." Er warf die Hände in die Luft, schüttelte den Kopf und machte einen Abgang.

      "Mann, kannst du vielleicht noch eine Spur theatralischer sein?" sagte ich, während ich ihm hinterherlief, "echt schlimm mit dir. Du benimmst dich wie ein verzogener Bengel. Drehst gleich am Rad, wenn nicht alles nach deinem Kopf geht."

      "Ach, Leck mich doch am Arsch, van Dyke. Vielleicht kannst du ja dem armen Sam das Patschhändchen halten?"

      Wutschnaubend stieß er seinen Bruder zur Seite, verschwand in seinem Zimmer und knallte die Tür zu.

      "Was hat den denn gebissen?" wunderte sich Sam.

      "Testosteronüberschuss oder Machoanfall, was weiß ich?" murmelte ich und bat ihn mir zu zeigen, welche Entdeckung er gemacht hatte.

      "Hab ich euch etwa gestört?" fragte er.

      Mir schoss das Blut ins Gesicht, dass ich schon Angst hätte, er würde aus meinen Poren laufen, wie Schweiß, "nnnnnn … nein, hast du nicht. Überhaupt nicht, ich wüsste nicht wobei … Ja, wobei hättest du uns stören sollen?"

      Er grinste verlegen, "als ich ins Zimmer kam, hat es so ausgesehen, als hättet ihr euch gerade geküsst."

      "Ich kann dir versichern, haben wir nicht, haben wir ganz und gar nicht. Wir haben geredet, bloß geredet."

      "Dann hast du aber sehr schlecht gehört, denn er war mit seinem Gesicht verdammt nahe an deinem."

      Ich starrte ihn mit großen Kuhaugen an, "sag mal, willst du vielleicht auf etwas bestimmtes hinaus? Du machst doch die ganze Zeit über schon solche Andeutungen. Raus mit der Sprache, was weiß der kleine Sammy Winchester, was die große Sasha van Dyke nicht weiß?"

      "Dean steht auf dich", platzte es aus ihm heraus, "Mann, seid ihr beiden blind oder was? Einmal kratzt ihr euch fast die Augen aus und im nächsten Moment möchtet ihr nichts lieber als über den anderen herfallen."

      Ich lachte laut auf, "so ein Schwachsinn. Was spinnst du dir da bloß zusammen?" gut gekontert, hoffentlich durchschaute er mich nicht. Ich stand nämlich kurz vor nem Nervenzusammenbruch.

      Er deutete auf die Tür von Deans Zimmer, "genau das gleiche hat er mir auch erzählt. Vielleicht solltet ihr euch mal in Ruhe hinsetzen und dieses leidige Thema endlich aus der Welt schaffen. Ich hab nämlich absolut keine Lust mehr darauf in der Mitte zu stehen und alles abzukriegen. Ich komm mir schon vor wie ein Punchingball."

      Ach du meine Fresse. Ich kniff mir in die Nasenwurzel. Vielleicht träumte ich ja noch und alles was ich tun musste, war bis drei zu zählen, dann würd ich einfach aufwachen.

      Also, "1, 2, 3 …" nichts, noch einmal, "1, 2, 3"

      "Was machst du da?" fragte Sam ein wenig verwirrt.

      "Bis drei zählen."

      "Das hab ich mitbekommen und weiter."

      "Hoffen, dass ich bald aus diesem Albtraum aufwach."

      Er fing an zu lachen und hielt sich dabei den Bauch, "du meine Güte. Ist es denn so schlimm zuzugeben, dass man jemanden mag?"

      Ich nagte nachdenklich an meiner Oberlippe, dann hob ich meinen Kopf und sah Sam direkt in die Augen, "ist es eigentlich nicht. Wenn derjenige nicht so ein selbstverliebtes Miststück wäre, wie dein Bruder."

      Ich hatte meine Stimme gesenkt, weil ich nicht wollte, dass Dean mich hörte. Den Geräuschen nach zu urteilen, war er nämlich gerade dabei, das Zimmer neu zu gestalten. Ich wollte ihm keinen Grund geben, dass gleiche mit meiner Visage zu tun.

      Sam schüttelte den Kopf, "ihr beide seid schon eigenartig. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ihr einander so ähnlich seid."

      Ich knuffte ihn in die Seite, "das geht jetzt aber zu weit. Willst du mich etwa mit diesem Testosteron gesteuerten Roboter vergleichen?"

      "Nicht direkt", begann er vorsichtig, "aber ehrlich gesagt, manchmal habe ich schon das Gefühl Dean gegenüber zu stehen, wenn wir beide uns unterhalten oder so."

      "Oder so, wenn ich anfangen sollte, Bräute mit nach Hause zu schleppen oder mir den Hintern nach dem Abwaschen zu kratzen, dann erinnere mich bitte noch einmal daran." Ich holte tief Luft, "und jetzt zeig mir endlich diese verdammte Platte. Wo ist sie übrigens her?"

      Während wir hinüber zum Küchentisch gingen, erzählte er mir, dass Dean mich nach meinem Ohnmachtsanfall nach Hause getragen und er sich weiter in der Höhle umgesehen hatte. Dabei sei er dann auf die Glasplatte gestoßen, sie war in einem Schrein verborgen gewesen, den die Lykaner bewacht hatten.

      Die Platte sah aus, als wäre sie aus Eis gemacht. Sie irisierte im Sonnenlicht und schien so etwas wie eine Inschrift zu tragen.

      Fasziniert sah ich darauf, doch richtig interessant wurde es, als ich sie berührte, sie fing von innen heraus an zu glühen. Urplötzlich schoss ein Lichtstrahl daraus hervor und projizierte ein Hologramm in Form einer Landkarte vor uns.

      "Das … das hat es vorher nicht gemacht", staunte Sam, "es hat einfach nur geglüht und … WOW."

      "Was geht den hier ab?" sagte Dean und sah nicht weniger verwundert aus.

      "Hast du dich wieder eingekriegt, Stumpelrilzchen?" schoss ich ihn an. Gleichzeitig versuchte ich aus dem was ich da vor mir sah, schlau zu werden.

      "Es tut mir leid, keine Ahnung, was mich da vorhin geritten hat. Sorry. Vielleicht sollte ich weniger Kaffee trinken."

      "Aber du hattest heute doch noch keinen ", meinte Sam.

      "Eben, da siehst du es wieder, Kleiner." Dean zwinkerte ihm zu, "was tut ihr zwei Hübschen da eigentlich."

      "Wenn ich das wüsste", gab ich ratlos zurück, "wonach sieht es denn aus?"

      "Nach ner Szene aus Star Wars, die Rückkehr der Jedi Ritter", murmelte Dean, "die Grafik ist ja saugeil, jetzt müssen wir bloß rauskriegen, was sie bedeutet."

      Sam hatte schon längst Papier und Bleistift zur Hand genommen und begonnen das Ding abzuzeichnen.

      "Redet es denn nicht mit dir?" hakte Dean nach.

      Ich verneinte, "weshalb sollte es denn? Es ist aus Glas. Du öffnest doch auch nicht den Küchenschrank und redest mit dem Geschirr."

      Sam sah breit grinsend von seiner Zeichnung auf, "sag das nicht. Einmal standen wir im Supermarkt am Kühlregal und da wollte er doch tatsächlich den Fruchtzwergen das Sprechen beibringen."

      "Das zählt nicht, da stand ich unter einem Zauber", verteidigte sich Dean.

      Ich konnte nicht anders und setzte noch einen hinterher, "so so, du hast also eine Schwäche für Fruchtzwerge, wie magst du sie denn gern? Tiefgekühlt oder zum Löffeln?"

      "Wenn du nicht aufhörst, mir auf den Sack zu gehen, werd ich dir gleich eine löffeln", knurrte Dean.

      "Ach, muss Liebe schön sein", seufzte Sam und handelte sich damit ne Kopfnuss von mir ein.

      "Verpass ihm gleich noch eine von mir. Der kleine ist in letzter Zeit viel zu Vorlaut. Ich denke du brauchst mal wieder eine gehörige Abreibung."

      Er schoss so blitzschnell nach vor, dass ich erschrak und die Platte losließ. Das Licht erlosch. Sam sprang auf, wie von der Tarantel gestochen und lief nach draußen. Seine langen Beine verschafften ihm dabei einen Vorteil. Ich rannte den beiden ebenfalls hinterher und als ich nach draußen kam, setzte Dean gerade zum Sprung an.

      Geschmeidig wie ein Panther stieß er sich vom Boden ab, warf er sich auf Sam und brachte ihn zu Fall. Die beiden wälzten sich übermütig im Schnee. Zuerst dachte ich, es wäre ernst, aber nachdem ich sie herzlich lachen hörte, wusste ich, dass es nur Spaß war.

      Ehe ich mich versah, stand ich schon unter Beschuss von unzähligen Schneebällen. Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und formte eine Kugel nach der anderen.

      Aus dem Augenwinkel heraus sah ich, wie mich die beiden Brüder langsam, aber sicher in die Zange nahmen. Ich wollte noch ausweichen, aber sie waren viel zu schnell. Ich landete in einem großen Haufen Schnee und bekam eine richtig schöne Abreibung. All mein Flehen und Bitten, einer von ihnen möge mir doch gegen den anderen helfen, war umsonst. Blut ist eben dicker als Wasser. Erst als ich drohte, meine Fähigkeiten einzusetzen, ließen sie schlussendlich von mir ab.

      Da standen wir nun alle drei und sahen aus wie lebendig gewordene Schneemänner. Yeti hätte sich wahrscheinlich vor Lachen in die Hose gemacht, hätte er uns gesehen. Wir brachen nämlich auch in schallendes Gelächter aus. Es war wirklich toll und für einige Zeit vergaßen wir tatsächlich, wie schlimm es um Christmas und den Rest der Menschheit stand.
    • Kapitel 8

      Es bedurfte absolut keiner Worte, als Dean mich fragte, ob wir nicht vielleicht zu dritt unter die Dusche springen könnten. Sam und meine Blicke Sprachen Bände.

      Abwehrend hob er seine Arme, "is ja schon gut, war bloß ne Frage. Ihr müsst mich ja nicht gleich steinigen." Leise vor sich in fluchend verschwand er im Haus.

      "Dein Bruder hat aber ne blühende Fantasie", sagte ich zu Sam, der dabei war sich den Schnee aus den Klamotten zu klopfen.

      "Wem sagst du das?" seufzte er, "ich glaub ich brauch jetzt ne Tasse Tee mit Rum drinnen."

      "Prima Idee", stimmte ich ihm zu und ging in die Küche, wo ich den Teekessel mit Wasser füllte und ihn auf dem Herd aufsetzte.

      Erst jetzt wurde mir bewusst, wie entsetzlich ich fror. Die Idee mit der Dusche war gar nicht so schlecht gewesen … aber die Anzahl der Personen. Flink wie ein Wiesel eilte ich hinauf in mein Badezimmer, zum Glück hatten die Jungs im Erdgeschoß ein eigenes.

      Mein Timing war um Längen besser als das von Sam *räusper*. Als ich in meinen flauschigen Bademantel schlüpfte und mir ein Handtuch um meine nassen Haare wickelte, fing der Teekessel gerade an zu pfeifen.

      Es durchzuckte mich wie ein elektrischer Schlag, als es kurz darauf an der Tür klingelte. Nanu? Wir erwarteten doch keinen Besuch. Vielleicht war es Zeke … Sicher Sasha, der wird höflich klingeln bevor er über dich herfällt. Ich schüttelte den Kopf über meine eigene Dummheit und guckte durch den Spion. Also damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.

      "Felicitas!" rief ich verblüfft, nachdem ich die Tür geöffnet hatte.

      "Hi Tante Sasha", sagte sie augenzwinkernd, dann fielen wir uns kurz um den Hals.

      "Was tust du denn hier?" fragte ich, noch immer ein wenig verblüfft.

      Sie deutete auf die Schachtel, die sie in der linken Hand hielt, "das Hexenbrett. Du weißt doch, dass ich hin und wieder unsere "Freunde" um Rat frage und die haben mir verraten, dass es hier zugehen soll, wie bei Hempels unterm Sofa. Daraufhin hab ich Dad informiert. Der hat mir gleich ein paar neue Spielsachen für dich eingepackt und mich dann schweren Herzens ziehen lassen. In London geht es nämlich auch gerade heiß her Tante Sa …"

      Ihre Augen wurden so groß wie Hühnereiner und die Schachtel mit dem Hexenbrett landete klappernd auf dem Boden.

      "Ding, dong die Hexe ist tot", murmelte sie und warf mir einen völlig irritierten Blick zu, "Tante Sasha, ich hatte keine Ahnung, dass du jetzt Puffmutti geworden bist oder gehören die zu deinem persönlichen Harem?"

      Mit gerunzelter Stirn folgte ich ihrem Blick und wusste gleich, weshalb sie dermaßen bekloppt aus der Wäsche guckte, hinter mir standen die beiden Winchester Jungs, noch feucht vom duschen und beide trugen lediglich ein Handtuch um die Hüften.

      Ich öffnete und schloss meinen Mund ein paar Mal hintereinander, sinnigerweise ohne dabei einen Laut von mir zu geben.

      Felicitas drohte mir mit dem Zeigefinger, "und komm mir jetzt bloß nicht wieder mit der Ausrede, die beiden wären zwei der schwulen sieben Zwerge, so wie in Tampa."

      "Was war denn in Tampa?" setzte – wer natürlich? – Dean gleich hinter her.

      Die Verlegenheitsröte schoss mir einmal mehr ins Gesicht, "nichts war in Tampa, gar nichts."

      Dann warf ich Felicitas einen "ich-bring-dich-gleich-um" Blick zu.

      Sie ignorierte diesen jedoch geflissentlich, "ach da hatte sie zwei Typen abgeschleppt, aus irgendeiner Bar. Waren niedlich die Jungs, sahen sogar ein bisschen …."

      "So meine liebe Felicitas, du wirst doch sicher die Sachen aus dem Wagen holen wollen. Hier hast du dein Hexenbrett mein Schatz", es presste ihr die Luft aus den Lungen, als ich ihr das gute Ding in die Hand drückte, "und jetzt geh schön nach draußen."

      Als wir außer Hörweite der Brüder waren, packte ich sie am Kragen, "und wenn du wieder zurück kommst, dann will ich keinen Mucks mehr von dir hören, sonst schick ich dich postwendend nach England zurück und zwar per Arschtritt. Glaub mir mein Schätzchen, ich meine was ich sage." Dann schubste ich sie unsanft nach draußen.

      Als ich zurückkam war Sam verschwunden und Dean lehnte lässig am Türstock des Badezimmers mit einem süffisanten Grinsen auf den Lippen, "die Story von den beiden schwulen Zwergen in Tampa würde mich brennend interessieren."

      "Das kann ich mir bildlich vorstellen, aber jede Frau hat ihr kleines Geheimnis", gab ich ebenso süffisant zurück, "und ich habe nicht vor, es mit dir zu teilen."

      Langsam ging er auf mich zu und mein Herz veranstaltete ein Crescendo in meiner Brust, panisch blickte ich nach der Bratpfanne, aber die war außer Reichweite.

      "Anscheinend hab ich dich total unterschätzt Van Dyke." Jetzt war nur noch der Bademantel zwischen uns, "sieh mir in die Augen kleines und sag mir …"

      "Der hat wohl auch zu viele Humphrey Bogart Filme gesehen", sagte Felicitas keuchend und ließ die schwere Kiste auf den Küchentisch plumpsen.

      "Vielen Dank aber auch", schnappte Dean und stieß einen leisen Fluch aus.

      "Bitte, gern geschehen", grinste Felicitas, dann streckte sie ihm ihre Hand entgegen, "ich bin übrigens Felicitas Doyle, aber meine Freunde nennen mich Lizzy."

      Er erwiderte den Gruß, "Dean Winchester. Ob ich mich darüber freue, dich kennenzulernen weiß ich noch nicht", flachste er.

      "Der Dean Winchester? Dann ist der andere wohl dein Bruder Sam?" staunte Felicitas, drehte sich zu mir und gab mir ein "Daumen hoch".

      Ich zuckte lächelnd mit der Schulter und öffnete die Kiste.

      "Ja der Kleine ist Sam. Aber …"

      "Bevor du hier anfängst Volksreden zu schwingen, zieh dir lieber was an", sagte ich mürrisch.

      "Aber wieso denn? Ich find das toll", protestierte Felicitas und für den Bruchteil einer Sekunde kam es mir so vor, als würde ich sehen, wir ihr der Sabber aus dem Mund läuft.

      "Eben deswegen", schnappte ich, "Dean mach nen Abflug, aber dalli."

      Er salutierte kurz, "zu Befehl Ma'am."

      Kaum hatte sich seine Zimmertür geschlossen, tauchte Sam wieder auf, er trug jetzt ein enges T-Shirt und Jeans.

      "Hi", sagte er zu Felicitas und wirkte dabei ein wenig scheu, "ich bin Sam Winchester."

      Sie zwinkerte ihm zu, "weiß ich doch schon längst. Ich bin Felicitas Doyle, aber kannst Lizzy zu mir sagen."

      Die Blicke der beiden verhakten sich ineinander und selbst als ich mich räusperte, kam keine Reaktion. Wieder einmal ein Fall von: nicht gesucht und doch gefunden, eindeutig.

      Erst als ich die Klappe der Kiste zuknallte fuhren sie zusammen.

      "Willkommen auf der Erde", grunzte ich, "ich geh mich jetzt kurz umziehen und stellt bloß keine Dummheiten an. Dein Vater bringt mich um."

      "Ja, Tante Sasha", maulte Felicitas.

      "Und hör auf mich Tante zu nehmen, da fühl ich mich gleich zehn Jahre älter."

      Ich stieg die Treppe hinauf zu meinem Domizil. Ich liebte Felicitas wie die Tochter, die ich nie hatte. Trotzdem hatte es dieses kleine Luder faustdick hinter den Ohren. Ihre Mutter war eine Hexe gewesen und hatte ihr so ziemlich alles über weiße und schwarze Magie beigebracht. Henry, ihr Vater war ein begnadeter Waffenschmied und hin und wieder selbst auf der Jagd nach Monstern und derer gab es an der Themse ja bekanntlich viele. Für einen kurzen Moment kam mir in den Sinn, dass sie Sam vielleicht einen Liebeszauber verpasst hatte, aber ich verwarf den Gedanken wieder ganz schnell. Die beiden waren auf natürlichem Weg dem Zauber des anderen erlegen.

      Leider, ganz im Gegensatz zu mir und zu Dean. Wir würden uns noch gegenseitig erlegen, im Sinne von umbringen. Er setzte wirklich alle männlichen Attribute ein, die er besaß, um mich weichzuklopfen. Und er war auf dem besten Weg dahin und dann … dann war ich wahrscheinlich nicht mehr, als eine Trophäe mehr an seiner Wand. Das wollte ich auf keinen Fall. Ich bin doch kein Elch.

      Wie auch immer, als ich wieder nach unten kam, hatten Sam und Lizzy ihre Köpfe zusammengesteckt und hockten vor seinem Laptop.

      Ich zuckte kurz zusammen, als Dean mich von hinten ansprach und in mein Ohr flüsterte, "sind die beiden nicht süß? Denkst du, er macht sich strafbar wenn er mit ihr ins Bett steigt?"

      Ich stieß ihm den Ellbogen unsanft in die Magengrube, "du denkst auch immer nur an das eine. Können Beide vielleicht nur gemeinsame Interessen haben oder sich bloß so verstehen? Und nein, er macht sich nicht strafbar, sie ist zweiundzwanzig, zufrieden? Nicht jeder Mann ist so schwa… triebgesteuert wie du, mein Lieber. Und von Romantik hältst du wohl überhaupt nichts?"

      Er schluckte und rieb sich den Magen, "Romantik? Das ist was für Weicheier. Aber da ist Lizzy bei Sam bestens aufgehoben. Ich habe es gern …"

      Ich hob die Hand und brachte ihn damit zu schweigen, "glaub mir, ich will es nicht wissen. Weder heute, noch sonst wann. So wie's aussieht, kommt dir das Testosteron schon zu den Ohren raus. Fahr doch in die Stadt, da haben sie ein Striplokal. Vielleicht fällt dir ja dort was zwischen die Beine."

      Wutschaubend und mit Tränen in den Augen wandte ich mich um und fing an, die Waffen aus der Kiste auszuräumen, um mich abzulenken.

      "Weißt du was Sasha?" fauchte Dean und stand dabei wieder viel zu dicht hinter mir. Ich konnte seinen heißen Atem auf meiner Haut fühlen, "vielleicht ist das gar keine so blöde Idee. Ich fahr jetzt in die Stadt und nehm mir, was ich kriegen kann. Ich bin nämlich Dean Winchester, ich krieg immer was ich will."

      "Amen!" brüllte ich ihm hinterher.

      Erst jetzt hatten Sam und Lizzy mitbekommen, dass hier was nicht stimmte.

      "Wo will Dean denn hin?" fragte Sam.

      "In die Stadt, sich abreagieren", antwortete ich und eilte aus dem Zimmer. Heiße Tränen der Wut rannen über meine Wangen und als ich Sams Schritte hörte und er mir näher kommen wollte, bat ich ihn, "bitte nicht. Lass mich einfach in Ruhe."

      Daraufhin stürmte er nach draußen, sah jedoch nur mehr die Rücklichter des Impala und den Schnee vermischt mit Erde, der hochspritzte, als die Hinterreifen durchdrehten. Das Heck des Wagens schleuderte bedenklich hin und her und Sam hatte schon Angst, Dean würde am nächsten Baum landen. Doch der bekam die Sache wieder in den Griff und raste davon.

      Lizzy stand zitternd am Treppenabsatz der Veranda, "wenn du ihm nachfahren willst, kannst du ruhig meinen Wagen haben. Vielleicht braucht er deine Hilfe", rief sie Sam zu.

      Der schüttelte den Kopf und ging wieder zurück in Richtung Haus, "dem ist nicht mehr zu helfen, ehrlich. Wie kann man nur so bescheuert sein?"

      ***

      Dean jagte den Impala die schneebedeckte Fahrbahn entlang in Richtung Stadt. Dass er vorher beinahe Bekanntschaft mit einer uralten Tanne gemacht hätte, ließ ihn kalt. Er kannte sein Baby und wusste, was er ihm zumuten konnte und was nicht. Das hatte er wieder prima hinbekommen. Was war nur bloß in ihn gefahren? Himmel, Arsch und Zwirn, kriegte er denn gar nichts mehr auf die Reihe?

      Sasha empfand offenbar etwas für ihn, doch anstatt ihre Zuneigung zu erwidern, trampelte er auf ihren Gefühlen herum. Das war ein Abwehrmechanismus, den er einfach nicht abstellen konnte. Er hatte einen Schutzwall um sich aufgebaut, den hatte Sasha eingerissen. Trotzdem kam sie ihm nicht näher, denn da war ja noch der Bannkreis, der ihn davor beschützte sich Hals über Kopf zu verlieben bzw. jemanden gerade mal so auf Abstand zu halten, um klar denken zu können. Er schluckte ein paar Mal hintereinander, aber der dicke Kloß in seinem Hals ging nicht weg.

      "Scheiße", fluchte er und schlug mit der flachen Hand aufs Lenkrad. Dann stellte er den Radio an und "Black Dog" von Led Zeppelin dröhnte ihm entgegen. Er begann laut und falsch mitzusingen. Eine halbe Stunde später parkte er den Wagen vor "Charlie's Angels".

      "Toller Name für ne Tittibar", murmelte er, schloss den Wagen ab und ging hinein. Das Singen hatte ihm auch keine Erleichterung verschafft, also setzte er sich direkt an die Bar und bestellte sich einen doppelten Whiskey. Augenblicklich wurde er von ein paar Mädchen umschwärmt, wie das Licht von einem Haufen Motten. Egal in welches Gesicht er blickte, er sah nur Sasha vor sich. Toll, genau so hatte er sich den Abend nicht vorgestellt.

      "Noch einen", sagte er zum Barkeeper und knallte das Glas auf den Tisch, oder besser gleich zwei."

      Er atmete tief durch und ließ seine Blicke durch das Lokal schweifen. Gleich links neben der Bühne saßen vier Kerle. Auf den ersten Blick sahen sie ganz normal aus, doch in seinem Kopf fingen sämtliche Alarmglocken an zu läuten. Einer davon war Zeke, zwar in anderer Gestalt, aber er war es, darauf würde er seine vier Buchstaben verwetten.

      "Möchtest du mir vielleicht etwas zu trinken spendieren?" flötete eine Blondine Marke Wasserstoff.

      Er stand auf und schob sie beiseite, "vielleicht später", murmelte er dabei. Zielgerichtet ging er auf den Dämonen und seine neue Gefolgschaft zu. Kurz bevor sie ihn bemerkten, hielt er jedoch inne. Nein, so einfach würde er es dem Bastard nicht machen. Beim rausgehen legte er ein paar Dollarscheine auf den Tresen.

      "Mal sehen, was Onkel Dean in seiner Spielzeugtruhe findet?" sagte er, nachdem er den Kofferraum des Impala geöffnet hatte. Zeke besaß genau das richtige Kaliber, um seinen angestauten Aggressionen freien Lauf zu lassen. Und noch eines war für ihn so sicher wie das Amen in der Kirche: Heute Nacht würde nur einer von ihnen diese Bar wieder lebend verlassen.
    • Kapitel 9

      Bevor er jedoch zurück ins Lokal ging, traf er noch ein paar Vorbereitungen. Er war zwar mies drauf, aber er war nicht blöd. Den Arrow 5000 verbarg er unter seinem Mantel, dann atmete er einmal tief durch und murmelte, "lasst die Spiele beginnen."

      Er verzichtete diesmal auf einen theatralischen Auftritt, schließlich sollten nur die etwas mitbekommen, die es betraf. Mit einem leicht federnden Schritt ging er auf die vier Dämonen zu. Die Jungs waren so vertieft in den Auftritt von Trixy Shane, wie die Leuchtschrift mit ihrem Namenszug verriet, dass sie ihn zuerst gar nicht registrierten. Das gab ihm wenigstens Gelegenheit, ebenfalls einen Blick auf die Dame zu werfen. Oder war die gute gar ein Kerl? Er sah genauer hin, aber es war schwer zu sagen. Sie sah zwar zum anbeißen aus, aber im Zweifelsfall … Egal, er war nicht wegen ihr hier. Nachdem niemand reagierte, räusperte er sich.

      Zekes Kopf fuhr herum, sauer darüber, dass ihm jemand um einen Teil des Genusses brachte und wollte schon eine Schimpftirade loslassen. Als er Dean erkannte, schien er für den Bruchteil einer Sekunde verunsichert, das verflog aber sofort.

      "Wo hast du denn deine Jägerhure gelassen Winchester?" fragte er grinsend und sah sich um, "und auch dein Bruderherz ist nirgendwo zu sehen. Du bist doch nicht etwa ganz allein hier?" er blickte in die Runde und die anderen drei fingen an zu lachen.

      Dean beugte sich über den Tisch, "was hältst du davon wenn wir die ganze Sache heute Nacht beenden. Mano-a-Mano. Oder traust du dich etwa nicht, ohne deine Kumpels gegen einen wie mich anzutreten?" dabei wackelte er mit den Augenbrauen.

      "Du armseliges Würstchen willst gegen mich antreten?" Zeke fing hysterisch an zu lachen, "der ist gut. Hast du dann auch ne Adresse für mich, wo ich deine Überreste hinschicken soll, nachdem ich mit dir fertig bin?"

      "Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall", Deans Stimme hatte einen bedrohlichen Unterton angenommen, "also was ist, gehen wir beide jetzt raus und erledigen das wie Männer?"

      "Ladies", sagte Zeke zu seinen Freunden, "amüsiert euch weiter." Er ließ ein paar Dollarscheine auf den Tisch herniederregnen, "der Meister hat kurz was zu erledigen. Schätze bevor die Dame da oben ihren BH ablegt, bin ich wieder da."

      Einer der drei Männer stand auf, "Boss, soll ich nicht lieber mitkommen, was ist, wenn die anderen draußen auf dich warten? Das ist bestimmt ne Falle."

      Zeke grinste und sah hinüber zu Dean, "und warten die anderen tatsächlich auf mich?"

      "Seh ich aus, als würde ich Hilfe benötigen", gab dieser lakonisch zurück.

      "Du siehst aus, als würdest du bald eine Beerdigung brauchen", wieder dieses dröhnende Lachen.

      "Du vertraust ihm Boss?" hakte der andere noch einmal nach.

      Zeke tätschelte ihm die Wange, "der Winchester Bengel sagte doch Mano-a-Mano, keine Sorge, ich bin gleich zurück."

      Ohne weiteres Aufsehen verließen die beiden Männer das Lokal in Richtung Hinterausgang.

      ++++++++++

      Ich hatte mich wieder einiger Maßen im Griff und saß jetzt zusammen mit Sam und Lizzy im Wohnzimmer. Das Haus hatte zwar einen Kamin, doch der war defekt. Dafür unterhielt uns die Heizung mit vielen lustigen Geräuschen.

      "Also ehrlich, vielleicht solltest du mal in den Keller starten und dem Heizkessel die Hand auflegen Sasha", meinte Lizzy.

      "Frag doch einen deiner übersinnlichen Freunde, ob da ein Klempner dabei ist", gab ich zurück und klimperte dabei mit den Wimpern, "oder vielleicht hat ja Dean ein Händchen dafür oder Sam?"

      Sam, der gerade einen Schluck vom Bier gemacht hatte, fing an zu Husten.

      "Das heißt dann wohl nein", stellte ich trocken fest. "Und sind wir mit dieser Glasplatte und dem was sie uns zeigt schon weitergekommen?"

      Sam kniff ein wenig die Augen zusammen, während er auf den Bildschirm sah, "es ist definitiv eine Landkarte, nur habe ich bis jetzt kein passendes Gebiet dazu." Er schüttelte leicht den Kopf, "irgendwas stimmt an dem Bild nicht."

      Lizzy setzte sich ihre John Lennon Brille auf und betrachtete Sams Zeichnung eingehender.

      "Also die Skizze stimmt mit dem überein, was uns die Glasplatte vorher gezeigt hat. Trotzdem du hast recht. Das ist irgendwie ne bizarre Landschaft", stimmte sie ihm zu.

      "Vielleicht stammt sie aus einer anderen Dimension?" schlug ich vor.

      Jetzt schüttelte Lizzy ihren Kopf, "der Höllenschlund befindet sich hier in Christmas garantiert und zwar im hier und jetzt."

      Plötzlich veränderte sich ihre Gesichtsfarbe und sie griff sich an die Brust. Rasch legte sie ihre Brille zur Seite, "ach du meine Güte, das ist mir schon ne halbe Ewigkeit nicht passiert."

      Hilfesuchend sah sie zuerst zu mir und dann zu Sam.

      "Was ist?" fragte er beunruhigt.

      Sie griff nach seiner Hand, als wäre es ein Rettungsring. Der Schweiß brach ihr aus allen Poren und ihre Atmung beschleunigte sich.

      "Lizzy, um Himmels Willen, was ist los?" rief Sam, dann sah er zu mir. Ich war die Ruhe in Person.

      "Sasha, was sitzt du da nur rum? Hilf ihr, mach was!" fuhr er mich an.

      "Das würde ich, wenn ich könnte, aber leider", fasziniert beobachtete ich die Verwandlung, die mit Lizzy vorging.

      "Bist du irre? Wie kannst du so ruhig bleiben, was passiert mit ihr?" Sams Stimme war einen Tick höher, als sonst. Er hatte sie an seine Brust gezogen und hielt sie fest. Jetzt zitterte sie am ganzen Körper.

      "Gleich wirst du ihr Alter Ego, Elektra kennenlernen."

      Sam runzelte die Stirn. Lizzys Verwandlung war fast völlig abgeschlossen, ihre blonden Locken waren dunklem, glatten Haar gewichen und ihre hellblauen Augen leuchteten jetzt Smaragdgrün.

      Erschrocken ließ Sam sie los und entfernte sich ungefähr einen halben Meter von ihr.

      "Herzlich Willkommen Elektra", sagte ich, "es ist schon sehr lange her, dass wir uns begegnet sind."

      Sie musterte mich eindringlich, dann kräuselten sich ihre Lippen zu einem Lächeln, "Sasha Van Dyke. Du siehst anders aus, als beim unserem letzten Treffen. Und deine Kräfte? Es sind nicht deine, sie wurden dir nur verliehen, nicht wahr?" Ihre Stimme war um einiges tiefer, als die von Lizzy, aber es war immer noch ihre Stimme.

      Sie sah hinüber zu Sam, "Dein Bruder, er ist in Gefahr. Dieser Hitzkopf, denkt er kann sich mit jemandem wie Zeke alleine anlegen. Das ist nicht gut, gar nicht gut", sie schüttelte den Kopf, "Zeke ist im Laufe der Jahrzehnte sehr mächtig geworden, er ist ein Collector Dämon, er stiehlt den anderen Dämonen ihre Kräfte, er braucht stets einen neuen Wirt, denn seine Energie zerstört die Hülle viel zu schnell."

      Ich stand auf, "dann sollten wir uns vielleicht besser gleich auf den Weg machen. Wer weiß, wie lange wir in die Stadt brauchen", meinte ich, mit einem flauen Gefühl im Magen.

      Sam tat es mir gleich, doch Elektra hielt ihn fest.

      "Wartet."

      "Auf keinen Fall, Dean braucht uns", protestierte ich.

      "Sam und ich werden gehen, du bleibst hier Sasha."

      "Sam und ich werden gehen", äffte ich sie nach, "aber sicher. Elektra ich hab Kräfte, von denen du nicht einmal was ahnst", fuhr ich sie an, "ich bleib doch nicht hier und dreh Däumchen während …"

      "Ich weiß, was du für Macht besitzt", schnitt sie mir kurzerhand das Wort ab, "aber, das gilt nur, solange du dich in der unmittelbaren Umgebung des Sees aufhältst, Schätzchen. Und damit mein ich einen Umkreis von nicht einmal zwei Meilen. Sobald du weiter weg bist, erlischt sie."

      Ich glaubte mich verhört zu haben, "bitte wie? Das kann aber jetzt nicht dein Ernst sein. Ich glaub das nicht."

      "Glaub es ruhig, es stimmt. Außerdem steht ein neuer Angriff aus dem Höllenschlund unmittelbar bevor. Celeste braucht dich hier", sie ergriff Sams Hand, "und wir beide machen uns jetzt aus dem Staub."

      Er schluckte, "Gott sei Dank, ich dachte schon, du hättest vor, die ganze Nacht Reden zu schwingen. Wir brauchen mindestens ne halbe Stunde mit dem Wagen…"

      Sie zwinkerte ihm zu, "wer braucht nen Wagen? Wir haben Celeste und ihre Macht. Nur für den Heimweg wäre ein fahrbarer Untersatz nicht schlecht. Aber ich denke, das ist unser geringstes Problem. Bis später Sasha. Pass gut auf dich auf."

      Zusammen mit Sam lösten sie sich in einem grünlichen Lichtstrahl auf. Es sah aus, als wären sie in Smaragdstaub gehüllt.

      "Celeste, Celeste!" rief ich wütend. Doch nichts geschah. "Das hättest du mir auch früher sagen können, dass du mich an der kurzen Leine hältst. Ich mein nicht einmal zwei Meilen … Das ist doch wohl ein Scherz. Zwei Meilen, da pinkelt jeder Bär weiter, ehrlich, das ist doch …"

      Unvermittelt nahm der Wind draußen zu, die Fensterläden begannen bedenklich zu klappern. An den Fenstern bildeten sich Eisblumen und mein Atem wurde sichtbar. Großartig, Elektra hatte nicht zu viel versprochen. Meine Zähne klapperten jetzt mindestens so laut wie die Fensterläden und als ich das Eis wegwischte, um etwas zu sehen, traf mich der Schlag. Draußen tobte ein Blizzard der übelsten Sorte. Hatten die jetzt etwa vor mich tiefzukühlen? Sasha am Stiel oder so? Es war eindeutig an der Zeit, Tacheles mit diesen Schurken zu reden.

      ++++++++++

      Als Elektra und Sam sich im Hinterhof der Bar materialisierten, flog Dean in hohem Bogen an ihnen vorbei und krachte unsanft in einen Stapel Getränkekisten.

      "Hi Dean", rief sie, dann zuckte sie zusammen, "autsch, also für die Landung bekommt er miese Haltungsnoten."

      Aber Dean war anscheinend so in Rage, dass er keinen Schmerz verspürte und sich unverzüglich wieder aufrappelte.

      "Der ist ja das reinste Stehaufmännchen", grinste Elektra, "ja Dean und jetzt gib ihm Saures. Hau ihm eine in die Fresse", sie hob die Hand in die Höhe, "go Dean, go!"

      Sams Bruder teilte gewaltig aus, leider zeigten seine Schläge kaum Wirkung, außerdem erschien gerade der Rest der Brut auf der Bildfläche.

      "Keine Minute zu früh", murmelte Sam.

      "Du kümmerst dich um den Kindergarten und ich geh mit Papa spielen. Auch wenn es nicht so aussieht Dean hat ihn schon ein bisschen weichgeklopft."

      Sie sah die Zeichen, die Dean mit Kreide auf den Asphalt gezeichnet hatte, leider war es Zeke gelungen, den Asphalt zu sprengen, das bedeutete aber auch, dass er einen Teil seiner Kraft eingebüßt haben musste. Zeke konnte Kräfte zwar absorbieren, aber sie nicht auf ewig speichern.

      "Hallo Zeke!" rief Elektra, um die Aufmerksamkeit von Dean abzulenken, der gerade wieder unfreiwillig nen Salto rückwärts geschlagen hatte, diesmal war er in der Mülltonne gelandet.

      Zeke fuhr herum. Irgendwie schien er nicht recht zu wissen, mit wem er es zu tun hatte. Kein Wunder Elektra hatte sich in dunkelgrünen Staub gehüllt, "spiel doch mal mit wem aus deiner Liga und gib Dean ne kleine Auszeit. Der arme Kerl ist ja kein Gummiball."

      Sam hatte derweil alle Hände voll zu tun, Zekes Begleiter in Schach zu halten und das ihm wahrsten Sinne des Wortes. Einer der Dämonen lag bereits auf dem Boden, die beiden anderen wanden sich unter unsäglichen Schmerzen. Der See schien auch seinen Fähigkeiten einen Kick gegeben zu haben.

      Zeke kam sich vor wie in einem Zyklon, die menschliche Hülle wurde ihm teilweise von den Knochen gerissen und seine hässliche Gestalt kam zum Vorschein.

      Doch er ließ das nicht auf sich sitzen, breitete seine Hände aus und stieß einen unmenschlichen Schrei aus. Der Boden erzitterte. Wutschnaubend bahnte er sich einen Weg aus dem Staub und ging auf Elektra zu.

      "Ich werde dich zerquetschen, wie einen Käfer", sagte er mit seiner dämonischen tiefen Stimme, "niemand legt sich mit dem großen Zeke an."

      Sam kam gehörig ins Schwitzen, einer der Bastarde hatte sich aus seiner geistigen Umklammerung befreien können, stürzte geradewegs auf ihn zu und riss ihn von den Beinen.

      Derweil erschienen Deans Finger am Rand des großen Mülleimers, dann tauchte sein Kopf auf, dekoriert mit fauligem Blumenkohl. Völlig benommen beobachtete er den Kampf den Sam und Elektra ausfochten. Um die Dame in grün machte er sich keine Sorgen, die hatte Zeke ne ordentliche Schlagseite verpasst. Dean fand dass das Ding nun ziemliche Ähnlichkeit mit dem ramponierten Terminator aus dem 1. Teil der Film Trilogie hatte. Er kam in die Gänge, als er sah, wie Sam von zwei Mistkerlen in die Zange genommen wurde.

      "Ich komme Sammy, ich bin schon fast da!" rief er und hievte sich mit dem Elan einer 100jährigen aus dem Mülleimer. "Ich bin gleich bei dir", keuchte er. Wenn das hier vorüber war, musste er unbedingt ne Knocheninventur machen.

      Zeke hatte Elektra am Wickel. Lässig hielt er sie mindestens einen halben Meter über dem Boden, "du Biest, du denkst du kannst mich besiegen? Dann musst du aber früher aufstehen, deine kleinen Tricks ziehen bei mir nicht." Sie bekam kaum noch Luft, doch sie zweifelte stark daran, dass er so unverwundbar war, wie er tat. Sein Äußeres entsprach nämlich dem genauen Gegenteil. Trotz akuten Luftmangels konzentrierte sie ihre Kräfte auf einige der Zeichen, die Dean auf den Asphalt gezeichnet hatte und brachte tatsächlich eines nach dem anderen zum Glühen.

      "Da bin ich Sammy", keuchte Dean. Doch sein kleiner Bruder war dermaßen in Rage, dass er ihn nicht kommen sah und verpasste ihm beim Ausholen mit dem Ellbogen einen Schlag mitten in die Visage. Augenblicklich spritzte Blut aus Deans Nase und viele bunte Sternchen tanzten vor seinen Augen.

      "Sammy, du Arschloch, hast du sie noch alle?" brüllte Dean.

      Sam warf einen kurzen Blick über die Schulter, "oh, tschuldige, ich hab …" SMACK, der Dämon hatte ihm einen Uppercut verpasst. Er taumelte rückwärts.

      Dean machte einen Schritt zur Seite und schlug voller Wut halbblind um sich. Knochen knackten, zum Glück waren es diesmal die des Gegners.

      "Ich bin wieder im Geschäft", jubelte Dean und wischte sich das Blut mit dem Handrücken aus dem Gesicht.

      Sam hatte sich von dem Uppercut erholt und versuchte den einen Dämon, den Dean auf den Asphalt geschickt hatte zu exorzieren. Der dunkle Rauch quoll aus dessen Mund, zog sich aber immer wieder zurück, verdammt war der Kerl stark. Vor lauter Anstrengung lief Sam bereits Blut aus der Nase und sein Atem ging stoßweise.

      Elektra stand kurz davor, das Bewusstsein zu verlieren. Doch sie schaffte es in letzter Sekunde, das fünfte Zeichen zu aktivieren. Zeke brüllte auf, wie ein verwundetes Tier und ließ sie augenblicklich fallen.

      Sie landete äußerst unsanft auf der Motorhaube eines Wagens, dessen Alarmanlage sofort losging. Das hielt sie jedoch nicht davon ab einen Bannspruch in einer uralten Sprache vom Stapel zu lassen. Er würde Zeke nicht vernichten. Dazu war auch Elektra nicht imstande. Immerhin würde der Spruch ihnen den unguten Typen einige Zeit vom Hals halten.

      Dean hielt den letzten der Dämonen in Schach, während Sam ihn exorzierte. Er hatte dem Typen das Knie ins Kreuz gedrückt und die Hände nach hinten verbogen.

      "Na was sagst du? Jetzt bist du ganz schön am Arsch, was?" er freute sich wie ein kleines Kind.

      Der Rauch entfuhr aus dem Körper und verpuffte in der Luft. Dean ließ von ihm ab. Sein Kopf ruckte hoch, als er das kleine Feuerwerk sah, das Elektra gerade mit Zeke veranstaltete. Er hatte sich mittlerweile in jene hässliche Kreatur verwandelt, die er tatsächlich war und schlug wild um sich. Er stand in der Mitte eines Feuerkreises, der in allen Farben schillerte. Elektra hatte die Hände in der Höhe und brüllte die Beschwörungsformel. Ihre Stimme verwandelte sich in einen derart hohen Ton, dass sich Dean und Sam die Ohren zuhalten mussten, weil sie Angst hatten, ihre Trommelfelle könnten platzen.

      Mit einer gigantischen Implosion löste sich Zeke vor ihren Augen auf.

      Dean stieß einen Jubelschrei aus, während Sam mit langen schnellen Schritten zu Elektra eilte, um sie aufzufangen. Sie hatte sich völlig verausgabt und das Bewusstsein verloren. Kaum lag sie in seinen starken Armen verwandelte sie sich wieder zurück in ihre menschliche Gestalt.

      Dean rieb sich die Augen, "der weibliche Hulk ist Lizzy? Wow, wie geil ist das denn? Ich dachte du hättest den Laubfrosch unterwegs aufgegabelt. Apropos, unterwegs. Wie seid ihr eigentlich …"

      Sam hob Lizzy hoch, "das erzähl ich dir auf der Heimfahrt. Wo steht dein Wagen?" tbc
    • Hach Meli Süße, vielen lieben Dank! *cool* *herz* *love* *rose*

      Chapter 10

      Immer wieder warf Dean einen besorgten Blick in den Rückspiegel. Sam hatte bis jetzt noch kein einziges Wort gesprochen. Er hatte seinen Arm um Lizzys Schultern gelegt. Sie war immer noch bewusstlos. Mit der freien Hand strich Sam ihr behutsam eine blonde Locke aus dem Gesicht, dann küsste er ihr Haar. Dean fühlte, dass sein kleiner Bruder mehr für das Mädchen empfand. Deshalb störte es ihn auch, dass sie seit dem Zwischenfall schweigend durch die Gegend fuhren. Einen Sam der ihn anbrüllte, den konnte er problemlos verkraften. Ein Sam der schwieg, machte ihn irgendwie hilflos. Ein Gefühl, dass er am meisten von allen hasste. Vielleicht hätte er an den Straßenrand fahren und Sam bitten sollen, ihm eine ordentliche Tracht Prügel zu verabreichen.

      Heute hatte er wieder ganz Arbeit geleistet. Mr. Badass himself hatte es geschafft, gleich alle Menschen, die ihm nahestanden, zu vergrätzen. Und zwar mal ganz locker, einfach so. Die arme Lizzy hätte dafür beinahe mit ihrem Leben bezahlt. Grandios, famos, idiotisch. Fast verpasste er die Seitenstraße, die zu Sashas Haus führte und trat hart auf die Bremse.

      "Tschuldigung", murmelte er. Von Sam kam nicht einmal ein böser Blick.

      "Hast ja recht Bruder, gib's mir ruhig", dachte Dean. Schläge waren weit weniger schmerzhaft, als dieses Schweigen.

      Sams erste Reaktion kam, als sie vor dem Haus anhielten.

      "Ist das alles Eis?" fragte er verblüfft.

      Das ganze Haus war mit einer dicken Schicht überzogen, die das Mondlicht widerspiegelte. Auch die Veranda und einige Bäume waren davon betroffen.

      "Shit, ich hab doch glatt vergessen, uns Schlittschuhe einzupacken", versuchte es Dean mit einem lockeren Spruch. Er stieß auf taube Ohren.

      "Kannst du mal einen Moment auf Lizzy aufpassen", bat ihn Sam, "ich seh mir das näher an."

      "Aber das kann ich doch auch tun", meinte Dean.

      "Danke, du hast heute schon genug Mist gebaut. Am Ende rutscht du noch aus und brichst dir das Genick", gab Sam lakonisch zurück.

      Vorsichtig wagte er sich auf die Eisfläche, die das Haus umgab. Kaum berührten seine Füße den Boden, wich das Eis jedoch zurück.

      "Merkwürdig", sagte er gerade so laut, dass Dean ihn hören konnte.

      "Was'n los?"

      "Das Eis, es schmilzt sobald ich drauftrete."

      "Das ist im wahrsten Sinne des Wortes cool", grinste Dean.

      "Ich weiß nicht, ob das cool ist?" überlegte Sam, "es kann genauso gut eine Falle sein."

      Noch während er grübelte, öffnete sich die Eingangstür und ein schwacher Lichtschein fiel auf die Veranda.

      Ich hatte den Wagen kommen gehört. Kein Wunder, das Tuckern des Motors war schon eine Sache für sich. Ich mochte dieses Geräusch. Ich entschuldigte mich kurzerhand bei meinem Besuch, wischte mir die Augen und ging hinaus, um die Tür zu öffnen.

      "Wollt ihr da draußen Wurzeln schlagen oder was?" war meine Begrüßung, "das Eis ist völlig ungefährlich."

      "Hab ich schon rausbekommen", antwortete Sam.

      "Wo habt ihr Lizzy gelassen?" fragte ich neugierig, ich sah lediglich die beiden Brüder.

      "Sie ist ein bisschen … indisponiert", kam von Dean, "willst du das übernehmen Sam?"

      Verwirrt sah ich von einem zum anderen. Doch als Sam Lizzy in seinen Armen in meine Richtung trug, rutschte mir das Herz in die Hose.

      "Du meine Güte, was ist denn passiert!" rief ich verzweifelt aus und eilte ihm entgegen.

      "Miss Hulk hat Zeke ganz schön den Arsch versohlt", grinste Dean, "sie ist ihm absolut nix schuldig geblieben. Der ist verpufft wie eine Sternschnuppe."

      "Ist er tot?" fragte ich vorsichtig.

      Sam schüttelte den Kopf, "ich denke nicht. Er hat mittlerweile soviel Kraft, wenn er noch mehr Power bekommt, wird er sicher bald unbesiegbar."

      "Ich kann mir echt nichts schöneres Vorstellen", stöhnte ich auf, "ein mordgeiler, blutrünstiger Dämon auf nem Egotrip versehen mit dem Etikett "unverwundbar". Ich könnte kotzen."

      Als Sam mit Lizzy in seinen Armen an mir vorbeikam, dirigierte ich ihn gleich hinauf in mein Schlafzimmer.

      Dean und ich blickten den beiden hinterher.

      Ich sah aus dem Augenwinkel zu ihm hinüber. Er wirkte ziemlich mitgenommen. Und das "ich hab an allem Schuld Schild" hing über ihm, wie das Schwert des Damokles. Sollte er mir tatsächlich leid tun?

      Als sich seine Augen auf mich richteten, sah ich stur geradeaus.

      Er blickte sich um, "kannst du mir verraten, weshalb es hier drinnen so verdammt kalt ist? Ist die Heizung kaputt?"

      "Wenn es so wäre, würdest du dich darum kümmern?" kleine unfreundliche Revanche für vorhin, er erwartete doch nicht, dass ich so tun würde, als wäre nichts geschehen.

      "Öhm, naja, ich kann sie mir mal ansehen."

      Ich winkte ab, "lass mal gut sein. Anschließend funktioniert sie vielleicht wirklich nicht mehr. Nicht die Heizung ist schuld an der Kälte, sondern unser Besuch."

      Er runzelte die Stirn, öffnete gerade seinen Mund, aber Sam kam die Treppe herunter.

      "Sie ist kurz zu sich gekommen und hat mir versichert, dass es ihr gut geht. Sie braucht nur viel Ruhe."

      Ich griff mir ans Herz und schluckte, "Gott sei Dank." Erleichtert schloss ich die Augen.

      "Kann mir einer von euch sagen, weshalb wir uns hier drinnen den Arsch abfrieren?" wollte Sam wissen.

      "Das liegt an unserem Besuch", sagte Dean.

      "Häh wie? Was für ein Besuch?"

      Dean zuckte die Schultern, "vielleicht Mr. Frost oder die Schneekönigin."

      Plötzlich ertöntes glockenhelles Kinderlachen hinter ihm.

      Er fuhr herum und blickte in die Augen einen kleinen Mädchens. Es gluckste verschmitzt, "die Schneekönigin war immer mein Lieblingsmärchen."

      Die beiden Brüder wussten sofort, dass die Kleine nicht von dieser Welt war. Ihre Haut schimmerte leicht bläulich und ihre Augen sahen aus, wie Eiskristalle.

      "Darf ich vorstellen meine Herren, Celeste", sagte ich und bemühte mich um einen feierlichen Ton.

      "Aber …" mehr konnte Dean nicht sagen.

      War der eine verblüfft, war der andere, Sam, eher skeptisch und tat auch nichts, um dies zu verbergen.

      "Was tut sie hier?"

      "Sie ist gekommen, um euch zu warnen", antwortete Celeste, "sie hat nicht vor euch weh zu tun, zu bedrohen oder schlimmeres. Sie ist stets auf das Wohl derer Bedacht, die sich um das Wohl der anderen kümmern. Sie ist nicht dämonischen Ursprungs."

      "Okay", meldete sich Dean wieder zu Wort und nickte anerkennend, "und ich denke sie hat soeben alle Bedenken, die du hattest zerstreut."

      Er ging hinüber zu Celeste und ging vor ihr in die Hocke, "kannst du uns auch sagen von wo die Bedrohung kommt, Kleines?"

      Sie schenkte ihm ihr schönstes Lächeln, "sicher, aber das wird euch Tante Sasha erzählen." Kurz darauf nahm ihr Gesicht einen traurigen Ausdruck an, "ich muss leider wieder gehen. Denn wenn ich noch länger bleibe, werdet ihr erfrieren."

      Dean zwinkerte ihr zu, "ich kann dir ja ne Heizdecke besorgen."

      "NICHT!" rief sie erschrocken, als er sie anstupsen wollte. Er zuckte augenblicklich zurück.

      "Dein Finger … du würdest schlimme Erfrierungen davontragen. Es tut mir leid." Eine Träne stahl sich aus ihren Augen und wurde augenblicklich zu einem wunderschönen Eiskristall, der hinunterfiel. Geschickt fing sie ihn auf. Dean sah, dass sie schon eine ganze Hand voll davon besaß und fühlte wie sich eine klamme Hand um sein Herz legte.

      Sie tat so, als hätte sie seine mitleidigen Blicke nicht bemerkt. "Also dann, ich geh wieder. Wir sehen uns."

      Sie blies eine Kusshand meine Richtung. Ihr Atem wurde augenblicklich sichtbar und verwandelte sich in ein Herz. Ich erstickte beinahe an dem dicken Kloß in meinem Hals. Obwohl ich es nicht wollte, schossen mir die Tränen in die Augen, "pass gut auf die auf meine kleine Prinzessin", rief ich ihr mit zittriger Stimme hinterher. Sie nahm die Kälte mit sich und kaum hatte sie das Haus ganz verlassen, normalisierte sich die Temperatur.

      "Ich könnte jetzt nen steifen Grog vertragen", schniefte ich und wischte mir das Gesicht mit dem Handrücken.

      Dean und Sam folgten mir schweigend und ließen sich auf die Küchenstühle fallen.

      "Wenn ihr euch so fühlt, wie ihr ausseht, dann Prost, Mahlzeit", murmelte ich und klapperte dabei mit dem Geschirr.

      Sam räusperte sich, "Lizzy hat es wenigstens geschafft uns Zeke für einige Zeit vom Hals zu halten."

      "Und das ist auch gut so. Die werden wir brauchen. Celeste hat mich über die Glasplatte aufgeklärt. Kein Wunder, dass du kein Gebiet für diesen Plan lokalisieren konntest", ich stellte die Mikrowelle an, dann setzte ich mich zu ihnen, "das, was wir da sehen befindet sich unter der Erde."

      Dean fasste sich an den Hals.

      Bevor ich wusste, was ich tat, legte ich ihm die Hand beruhigend auf seinen Unterarm, "keine Bange, so tief unten nun auch wieder nicht."

      Er wackelte ein wenig mit dem Kopf und grinste schief, "hab nix gesagt."

      Dann fiel sein Blick auf meine Hand. Ich zog sie zurück, als hätte ich mich an ihm verbrannt.

      Ein Lächeln huschte über Sams Lippen, müde rieb er sich die Augen mit Daumen und Zeigefinger und schüttelte den Kopf. Gesten sagen mehr als Worte.

      Ich stand wieder auf, weil es mir in Deans Nähe plötzlich viel zu heiß wurde.

      "Es ist ein Plan von einem stillgelegten Bergwerkstollen, hier ganz in der Nähe. Bis heute wusste ich nicht einmal, dass er existiert. In diesem Stollen befindet sich dieser drollige Höllenschlund, der uns allen das Leben schwer macht und als hätten wir damit nicht genug an unseren Hälsen, hat mich Celeste eindringlich davor gewarnt, Zeke auch nur in die Nähe dieses Phänomens zu lassen."

      Nachdem ich uns drei Becher eingegossen hatte, starrte ich versonnen auf das Bild, das an der Kühlschranktür mit einem Magneten befestigt war. Es zeigte das Haus an jenem Tag, als Chris und ich es gekauft hatten. Damals war die Welt noch in Ordnung gewesen … jedenfalls dachte ich es.

      "Weil", tönte Sams Stimme plötzlich hinter mir.

      Ich stellte die Becher auf den Tisch, "bitte wie?" und setzte mich wieder. Diesmal aber auf jenen Stuhl, der weiter von Dean entfernt war.

      "Weshalb darf Zeke …" half mir sein jüngerer Bruder auf die Sprünge.

      Ich seufzte, "ach so, ja. Verzeih mir. Ich war gerade …" Vorsichtig machte ich einen Schluck von dem heißen Getränk.

      "Wenn es Zeke gelingt den Höllenschlund zu erreichen, absorbiert er sämtliche Kräfte jener Dämonen, die sich in der Nähe des Risses aufhalten. Dass das die ganz schweren Jungs sind, brauche ich euch wohl nicht zu sagen. Was das in weiterer Folge für Zeke bedeutet auch nicht, oder?"

      "Er mutiert zum Mega Überdrüber Dämon oder wird Mr. Dämon des Jahrtausends oder so?" hakte Dean nach und schlürfte genüsslich am Grog." Weder er noch Sam ließen sich durch diese Neuigkeit aus der Ruhe bringen.

      "Das kommt ungefähr hin", gab ich ihm recht und klimperte mit den Wimpern, "also entweder seid ihr Jungs schwer angeschlagen oder stoned?" beschwerte ich mich, "das kann euch doch nicht egal sein."

      "Ist es auch nicht", entgegnete Sam mit stoischer Ruhe und starrte in den Becher, als stünde darin die Lösung all unserer Probleme, "wir brauchen einen Plan."

      "Ganz einfach, wir gehen hin, schütten das Loch zu und gehen wieder. Fertig." Applaus für Dean, den Mann der Tat.

      Sam sah ihn über den Becherrand hinweg an, "wenn das so einfach wäre, bräuchte Celeste sicher nicht unsere Hilfe. Wir werden schon etwas mehr brauchen, als Spaten, Spitzhacke und nen Haufen Erde."

      "Dynamit!" rief Dean und auf seinem Gesicht ging die Sonne auf.

      Sam stieß einen kurzen Lacher aus, "ja sicher Alter. Lasst uns den Stollen sprengen. Was kann schon passieren, außer das sich der Höllenschlund vielleicht noch weiter öffnet und wir verschüttet werden. Oder wir alle zusammen in die Luft gehen. Du hast nicht zufällig etwas anderes vor, Sasha?"

      Ich verzog das Gesicht und schüttelte den Kopf, "Dean und Sprengstoff, gibt's ne explosivere Mischung? Da kann nicht mal Nitro mithalten. Wie ich dich kenne, hältst du die Stange Dynamit noch in der Hand, wenn die Lunte schon brennt."

      "Gefahr ist mein zweiter Vorname!" grinste er.

      "Wohl eher Dummheit und Egoismus", schnappte Sam, "ist dir eigentlich bewusst, in welche Gefahr du uns alle gebracht hast?"

      Jetzt war sie da, die Standpauke, auf die Dean solange gewartet hatte.

      "Wir könnten alle tot sein. Du kannst dich doch nicht einfach mir nichts, dir nichts mit Zeke anlegen."

      "Also nen Plan hatte ich schon", erhob Dean Einspruch.

      "Nen Plan? Komm schon? Deine Kritzeleien auf dem Asphalt ohne Liz … Elektras Hilfe hättest du eben so gut Am Dam Des hinschreiben können. Es war völlig nutzlos. Der Typ hätte dich in der Pfeife geraucht."

      Dean knallte den halbvollen Becher auf den Tisch, "denkst du ehrlich das war schon alles? Ich hatte auch nen Notfallplan."

      "Ach ja? Und wie sah der aus? Beine in die Hand nehmen und weglaufen?" fauchte Sam.

      Dean nagte kurz an seiner Unterlippe, dann gab er zu, "sowas in der Art."

      "Fantastisch. Die Planung für die Aktion am Höllenschlund überlasse bitte den Mädels und mir. Du kannst ja derweil deinen Wagen waschen."

      Dean fuhr hoch, der Stuhl kippte um und knallte auf den Boden, "lass meinen Wagen aus dem Spiel."

      Sam tat es ihm gleich, "wieso? Was stört dich daran?"

      Sie hatten sich beide weit über den Tisch gebeugt und starrten sich gegenseitig in die Augen.

      "Was ist Sammy, keine Lust mir die Fresse zu polieren?" sagte Dean, "verdient hätte ich es."

      Sams Kiefer arbeiteten. Seine Augen wurden zu schmalen Schlitzen. Ich hatte Angst dazwischen zu gehen, am Ende kriegte ich vielleicht noch was ab.

      Aber Sam riss sich innerlich am Riemen, "und ob du es verdient hättest, Dean. Ich sollte dir die Scheiße aus dem Leib prügeln nachdem was mit Lizzy passiert ist. Aber stell dir vor, heut ist dein Glückstag."

      Deans Mundwinkel zuckten, "ist heut vielleicht "hau-deinen-älteren-Bruder-nicht" Tag?"

      "Nein, heute ist "ich-mach-mir-doch-nicht-die-Hände-an-einem-Idioten-schmutzig" Tag." Damit hatte er alles gesagt und ging in sein Zimmer. SLAM! Diese Türe war geschlossen.

      Hilfesuchend sah er zu mir.

      Ich hob jedoch entschuldigend die Hände, "für mich ist "du-hast-mir-heut-schon-bewiesen-was-du-für-ein-Arschloch-sein-kannst" Tag. Mein Bedarf an Beleidigungen ist gedeckt." Damit ließ ich ihn in der Küche stehen und ging nach oben, um nach Lizzy zu sehen. tbc
    • Chapter 11

      Dean wachte mitten in der Nacht auf und fand einfach keinen Schlaf mehr. Unruhig wälzte er sich von einer Seite auf die andere. Irgendwann wurde es ihm zu blöde und er setzte sich auf. Erschöpft fuhr er sich mit der Hand übers Gesicht. Der Zeitpunkt war gekommen, an dem er sich erleichtern musste, verbal gemeint. Er würde jetzt einfach hinauf zu Sasha gehen und ihr alles sagen, was ihn bedrückte. Dabei ging es ihm am Arsch vorbei, ob es kurz nach zwei Uhr morgens war oder nicht. Rasch schlüpfte er noch in seine Jeans. Entschlossen öffnete er die Tür seines Zimmers und lauschte kurz. Nichts. Alle anderen schliefen tief und fest. Mittlerweile hatte es auch wieder eine annehmbare Temperatur im Haus bekommen. Er schluckte, als ihm die kleine Celeste wieder einfiel, mit ihren traurigen Augen und den Tränen, die sich in Eiskristalle verwandelten. Armes, kleines Ding, wie furchtbar musste es sein, wenn man niemanden mehr berühren konnte, weil man wusste, man könnte ihn dadurch verletzen oder gar töten.

      Als Dean vor Sashas Zimmertür stand, zögerte er für den Bruchteil einer Sekunde. Nein, jetzt so knapp vor seinem Ziel würde er nicht kneifen. Jetzt nicht. Er gab sich einen Ruck und ging hinein. Der Vollmond war wolkenverhangen, daher sah er kaum die Hand vor Augen. Vorsichtig tastete er sich voran. Einmal stieß er dabei mit dem großen Zeh an die Kommode und fluchte kräftig. Sasha rührte sich nicht. Wahrscheinlich schlief sie wie eine Tote. Nach all dem was geschehen war, kein Wunder.

      Im schlimmsten Fall würde sie ihn mit ihren Kräften durchs geschlossene Fenster befördern, ihn in einen verbrannten Marshmellow verwandeln oder sonst was und nie, nie wieder ein Wort mit ihm reden.

      "Also dann", murmelte er und schüttelte Sasha so lange, bis sie wach war.

      "Entschuldige, dass ich dich geweckt habe", sagte er beinahe feierlich, "aber ich muss dir was sagen."

      "Dean …"

      "Nein, bitte unterbrich mich nicht. Es war absolut nicht leicht für mich, diesen Schritt zu machen und wenn du jetzt anfängst Fragen zu stellen, bringt mich das bloß aus dem Konzept und … Sasha, es tut mir leid, dass ich mich dir gegenüber so mies verhalten hab."

      "Du hast dich wie ein Arschloch aufgeführt", meinte sie lakonisch.

      "Ja, auch das. Ich wollte dir nicht wehtun. Ich hatte nicht vor, dass sich die ganze Sache so entwickelt. Ich wünschte, wir hätten einen besseren Start gehabt. Ich wünschte, ich könnte vieles, was zwischen uns vorgefallen ist, ungeschehen machen. Aber das kann ich leider nicht. Deshalb bitte ich dich hiermit aufrichtig um Verzeihung, sofern du mir überhaupt verzeihen kannst." Nervös fuhr er sich mit der rechten Hand durch sein kurzes Haar.

      "Sag schon, kannst du mir verzeihen?" bat er ein wenig hilflos.

      Sie setzte sich im Bett auf und knipste das Licht an.

      Ein gellender Schrei, riss mich so unvermittelt aus dem Schlaf, dass ich von der Couch fiel und äußerst unsanft auf dem Boden landete. Ein paar Mal verhedderte ich mich in der Decke, ehe ich hinaus lief und im Gang auf Sam traf.

      "Weißt du wer da so geschrien hat?" fragte ich.

      "Ich würde glatt auf Dean tippen?" meinte Sam und öffnete die Tür zu dessen Zimmer, es war leer.

      "Dean? Der soll das gewesen sein?" Da hörten wir es schon wieder. Es kam aus meinem Schlafzimmer.

      Wir flogen förmlich die Treppe hinauf und als wir die Tür öffneten, klappten Sams und meine Kinnlade unisono nach unten.

      Dean saß am Fußende meines Bettes und hielt die Tagesdecke fest an seine nackte Brust gepresst, während Lizzy am anderen Ende des Bettes saß und sich königlich amüsierte.

      "Jetzt kriegt euch bitte ganz schnell wieder ein. Alle miteinander", blaffte sie, als sie unsere entsetzten Gesichter bemerkte, "hier war nix, is nix passiert oder sonstiges. Ich habe Dean nicht unsittlich berührt und er mich nicht."

      "Zum einen weshalb hat er dann so gekreischt und zum anderen, was um aller Welt tust du eigentlich halb nackt in meinem Schlafzimmer?" wollte ich wissen, nachdem ich meine Sprache wiedergefunden hatte.

      Dean sah aus wie ein scheues Reh, geblendet von einem Dutzend Scheinwerfern, "also … ich … wie du schon gesagt hast, es ist DEIN Schlafzimmer. Ich wollte mich einfach bei dir entschuldigen."

      Ich runzelte die Stirn, "um halb drei Uhr morgens überkommt dich die Reue? Ein bisschen seltsam."

      "Ich weiß, aber ich konnte einfach nicht mehr einschlafen und da dachte ich …"

      "Da dachtest du, du schleichst dich einfach in Sashas Schlafzimmer und vergnügst dich ein bisschen mit ihr", fuhr Sam ihn an, "dummerweise lag jedoch Lizzy im Bett. Ich denke nicht, dass sie sehr über deine Annährungsversuche …"

      "Halt, halt, halt", erhob Lizzy Einspruch, "so war das nicht. Dean hat nicht versucht, sich an mich ranzumachen. Denke nicht, dass sein Urschrei Zuneigung ausdrücken sollte oder Teil seines Brunftrituals ist, oder?"

      Dean bekam große Augen, "was für'n Brunftritual?"

      "Sei ruhig Dean", schnappte Lizzy und stand auf, "nachdem ich das Licht aufgedreht habe und er sah, wer da nun wirklich vor ihm lag, saß, wie auch immer, ist er total ausgeflippt. Ich dachte schon, ich kann mich von meinen Trommelfellen verabschieden. Und was seine Story bezüglich Reue usw. angeht, da kann ich dir nur sagen Sasha, da haste echt was verpennt. Es waren wohl mitunter die nettesten Worte einer Entschuldigung, die ich je aus dem Mund eines Mannes gehört habe."

      Trotzig blickte sie in Sams Richtung.

      Ich spielte mal wieder Fisch auf dem Trockenen, Klappe auf und zu und nix kommt raus.

      "Danke Lizzy", sagte Dean leise, stand auf und verließ das Zimmer. Gäbe es eine Meisterschaft im Fettnäpfchen springen, hätte er wohl die Goldmedaille gewonnen, dachte er.

      Als er an mir vorbei ging wollte ich ihn kurz festhalten, aber er hob beide Hände und schüttelte seinen Kopf. Und weil sich Sam und Lizzy anscheinend auch noch so einiges zu sagen hatten, folgte ich ihm schweigend.

      Ehe ich "piep" sagen konnte, hatte er schon die Tür zu seinem Zimmer geschlossen. Ich fühlte mich hundeelend. Zwischen mir und Dean ging so ziemlich alles schief. Wir benahmen uns wie Kleinkinder und obwohl wir Zuneigung füreinander empfanden, taten wir so, als wären wir Spinnefeind. Das musste wohl an unserer Sturheit liegen, anders konnte ich mir das alles beim besten Willen nicht erklären.

      Irgendwie erinnerte mich das an meine Beziehung mit Chris. Die Liebe, die wir füreinander empfanden, war einzigartig für mich gewesen. Wir verstanden uns, ohne miteinander zu sprechen. Wir waren einfach Seelenverwandte und doch gab es immer wieder Momente, in denen wir an dieser besonderen Liebe zweifelten. Aber das gehörte einfach dazu. Wir lernten damit umzugehen und … Weil ich kein Licht machen wollte, zündete ich die große Kerze auf dem Sockel neben dem defekten Kamin an, setzte mich auf die Couch und kuschelte mich in die weiche Decke. Obwohl nun schon so viel Zeit vergangen war, fehlte mir Chris noch immer und nach all dem Übersinnlichen, dass ich erlebt hatte, fragte ich mich, ob er wirklich seine Ruhe gefunden hatte, oder noch immer irgendwo da draußen umherirrte und ich ihn eines Tages treffen würde. Ich hoffte nicht.

      Ich versuchte mich zu entspannen, doch meine Gedanken fuhren Achterbahn. Vielleicht war die Reihe jetzt an mir, in Deans Zimmer zu gehen und mich für all die Widerlichkeiten, die ich ihm zugefügt hatte zu entschuldigen? Eine Sasha, die zu Kreuze kriecht, war auch noch nie da gewesen. Aber wahrscheinlich auch kein Dean, der sich mitten in der Nacht bei mir hat entschuldigen wollen. ARGH! Es war zum Haare raufen und ich wünschte ich könnte auch so einfach über meinen Schatten springen.

      Vielleicht machte mich ja ein Schluck Weichsellikör lockerer. Die Karaffe, in der sich der selbstgebrannte Likör von Mrs. Schneider befand, schrie förmlich danach getrunken zu werden. Die Flüssigkeit schimmerte Rubinrot, als ich sie ins Glas füllte und der Vergleich mit Blut kam mir in den Sinn. Zuerst nippte ich nur an dem Glas, aber der Likör schmeckte einfach zu fantastisch und ich goss mir nach. Als mir nach und nach immer heißer wurde und die Schatten, die das flackernde Kerzenlicht an die Wand warf zu tanzen begannen, wusste ich, ich hatte meinen Level erreicht. Das wiederrum bedeutete, dass ich nun fit genug zu einer Aussprache mit Dean war. Und ich schwor mir, dass ich ihn weder anpöbeln noch irgendwie sonst blöd kommen würde. Das hatte der arme Junge einfach nicht verdient. Vorher legte ich jedoch einen kleinen Zwischenstopp im Badezimmer ein, denn es kam sicher nicht gut, wenn ihm bei meinem "Geständnis" ne Alkoholfahne um die Nase wehte.

      Ich staunte nicht schlecht, als ich, nachdem ich kurz angeklopft hatte, Deans Zimmertür öffnete und er dabei war, seine Sachen zu packen.

      "Was tust du da?" fragte ich leicht beschwipst.

      "Wonach sieht's denn aus?" blaffte er, "ich packe."

      "Ach ja und weshalb? Sind wir dir nicht gut genug", schon biss ich mir auf die Zunge, "sorry ich meine, fühlst du dich nicht wohl hier?"

      Dean stand mit dem Rücken zu mir und grunzte etwas Unverständliches.

      "Sorry, aber das hab ich jetzt nicht verstanden. Was sagtest du gerade?"

      Wütend warf er das T-Shirt aufs Bett, dass er in seiner Hand hielt, "ich sagte, ich weiß, wann es Zeit ist zu gehen. Ich suche mir ein Zimmer in der Stadt."

      "Mitten in der Nacht wirst du dort nichts finden, die fahren die Gehsteige pünktlich um 21 Uhr in die Höhe", erklärte ich und schloss die Tür hinter mir.

      Täuschte ich mich, oder sah ich den Anflug von Panik in seinen Augen.

      "Was tust du da?"

      "Ich, ich hab nur die Tür zugemacht, weil ich denke, wir sollten endlich miteinander reden und zwar wie Erwachsene und nicht wie zwei pubertierende Teenager." Wow, war das nicht richtig klasse von mir?

      "Ich werde das, was ich vorhin zu Lizzy gesagt habe und zwar in der Annahme sie wäre du, nicht noch einmal wiederholen", sagte er.

      "Das verlang ich auch gar nicht. Ich denke, du wirst schon die richtigen Worte gefunden haben. Andernfalls hätte dich Lizzy sicher nicht in Schutz genommen, dazu kenn ich sie zu gut."

      "Okay, dann also, was willst du?" Er sah mich erwartungsvoll an.

      "Das Kriegsbeil begraben und Frieden mit dir schließen."

      "Klingt nach einem Plan", gestand er, "einem guten Plan. Und dann?"

      "Also bitte, erstens ist es gleich vier Uhr morgens und zweitens hab ich ein bisschen an Mrs. Schneiders Weichsellikör genippt, verlang keine Lebensplanung von mir. Phrasen und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage findest du in Märchenbüchern, aber nicht in meinem Sprachrepertoire. Ich kann dir nicht sagen, was die Zukunft bringen wird, wenn du dich mit mir einlässt, Dean Winchester. Vielleicht ist das gut so, vielleicht auch nicht. Ich kann dir auch nicht versprechen, dass du mit mir das Glück auf Erden finden wirst."

      Er stand einfach nur da und hörte mir zu. Etwas, das er vorher noch nie getan hatte und das nervte mich total.

      "Hast du auch etwas dazu zu sagen, oder muss ich hier weiter Monologe halten", meinte ich deshalb.

      Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, "deine Monologe sind äußerst faszinierend. Vielleicht hätte ich dir schon eher zuhören sollen."

      "Um dich damit um all die wunderbaren Gelegenheiten zu bringen, mich zu ärgern?" flachste ich. Mann, war es hier drinnen im Zimmer wirklich so heiß oder war es Deans Ausstrahlung. Noch immer trug er nichts als seine Jeans.

      Als er auf mich zukam und mich in seine Arme nehmen wollte, hielt ich ihn auf Abstand, "ich möchte noch, dass du eines weißt, seit Chris Tod habe ich nicht mehr so viel für einen Mann empfunden, wie jetzt in diesem Augenblick für dich. Und wenn ich nur eine weitere Trophäe an deiner Wand für …"

      Zärtlich umschloss er meine Lippen mit seinen. Es fühlte sich an, als würde ich in einen Topf mit Honig eintauchen. Ich inhalierte den Duft seiner Haut, fühlte die kratzigen Bartstoppeln auf meinem Gesicht und wollte nichts mehr, als loszulassen, um mich in diesen wunderbaren starken Armen zu verlieren. Seine weichen Lippen hinterließen eine Spur brennender Küsse auf meiner Haut, als er anfing, mich vom Hals abwärts zu küssen. Ich vergrub meine Fingernägel in seinen Schultern und hoffte er würde mir die Narben, die sie sicher hinterließen, verzeihen. Es war so ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte.

      Dann war er plötzlich wieder über mir, ich fühlte seinen heißen Atem an meinem Ohr, was mir einen wohligen Schauer bescherte. Dann knabberte er zärtlich an meinem Ohrläppchen und biss mir neckisch in den Hals.

      "Du bringst mich noch um den Verstand", nuschelte ich und zog ihn enger an mich. Ich meinte in Flammen zu stehen.

      Just in dem Moment, als er mir das Tanktop über den Kopf zog, verschwamm alles vor meinen Augen und ich befand mich auf einem Friedhof. Ehrlich, nichts konnte abtörnender wirken, als das.

      Es war mitten in der Nacht und der Mond schien gerade mal so hell, dass ich die einzelnen Inschriften auf den Grabsteinen erkennen konnte. Was sollte das alles?

      Von Neugier getrieben schritt ich die Reihe ab, bis ich schließlich an einen Grabstein aus schwarzem Marmor kam. Er schien von innen heraus zu leuchten. Was ich dann las, fuhr mir durch Mark und Bein:

      "Hier ruhen meine geliebte Frau Sasha Winchester und meine kleine Tochter Iris, möget ihr in Frieden ruhen. Ich werde euch nie vergessen! In Liebe Dean Winchester."

      Das Blut stockte mir in den Adern. Verzweifelt versuchte ich die Jahreszahlen zu identifizieren, doch die gab meine Vision nicht preis. Dann wurde es dunkel um mich herum und als ich meine Augen aufschlug, war Dean noch immer dabei, mich zu liebkosen.

      Völlig aufgelöst schob ich ihn von mir herunter, "nein Dean, bitte nicht. Wir müssen sofort damit aufhören."

      Er sah mich an, als hätte ich seinen Impala gerade zu Schrott gefahren, "aber weshalb? Ich dachte du wolltest es."

      Rasch riss ich ihm mein Tanktop aus der Hand, streifte es mir über und richtete mein Haar, "ich weiß, ich dachte auch, ich wäre so weit, aber … aber ich hatte … als du mich gerade geküsst hast … da hatte ich …" Verdammte Scheiße, ich brachte es einfach nicht übers Herz ihm von meiner Vision zu erzählen. Wenn ich schon nicht damit klarkam, hatte ich absolut kein Recht dazu, ihn damit zu konfrontieren.

      Er sprang auf, "Sasha, was ist denn los? Du bist so anders als vorher?"

      Ja, bin ich das? Liegt wohl daran, dass ich gerade am Grab von mir und unserer Tochter gestanden hab. Lächerlich, ich konnte es ihm nicht sagen.

      "Ich verspreche dir, dass es absolut nichts mit dir zu tun hat. Ich meine irgendwie schon, aber nicht so wie du denkst. Du kannst wirklich toll küssen und ich würde gerne mit dir … zwischen den Laken … deine Haut an meiner. Hach, zum Teufel nochmal du weißt schon was ich meine, aber ich kann nicht Dean, nicht jetzt."

      Er starrte mich immer noch an, wie eine Eule nach dem Waldbrand. Mehr Erklärung konnte ich im Moment nicht bieten. Ich musste einfach raus aus dem Zimmer und weg von ihm. Selbst auf die Gefahr hin, dass er nun nie wieder ein Wort mit mir wechseln würde. Ich stürmte förmlich aus seinem Zimmer, schloss mich im Badezimmer ein, hockte mich dort auf den Boden, umschloss meine Knie fest mit meinen Armen und lies meinen Tränen freien Lauf. tbc
    • [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/omg_2.gif]
      Jetzt muss ich doch mal mit dir schimpfen: Wie konntest du nur? [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/aggro2.gif] Da hab ich mich gefreut, dass es ENDLICH zwischen Sascha & Dean zur Sache geht, und dann lässt du sie ne Vision kriegen! *seufz*
      Dean muss jetzt [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/u015.gif] am besten eiskalt! lol
      Hach, Dankeschön fürs griffeln, ich hab es wieder genossen. *kiss1*
      *tea*
    • Ein dickes Dankeschön, liebe Melinda *yr* *hdl*

      Chapter 12

      Der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee und das Klappern von Geschirr weckten mich. Ich fühlte mich, als wäre ich unter die Räder eines tonnenschweren Lasters gekommen. Ich rappelte mich auf und schlich mit hängenden Schultern in die Küche. Zum Glück fand ich dort nur Lizzy.

      "Guten Morgen", brummelte ich.

      Lizzy schrie leise auf und wandte sich um, "Himmel Sasha, du hast mich …" sie stockte, "wie siehst du denn aus?"

      "Wie? Hab ich etwa blaue Pünktchen im Gesicht oder …"

      Sie schluckte, "nein, aber du siehst aus, als hättest du fünf Wochen durchgesoffen. Was ist den passiert?"

      Eigentlich hatte ich vorgehabt, keiner Menschenseele etwas von meiner Vision zu erzählen, aber als Lizzy so vor mir stand und mich fragend anblickte, meinte ich zu platzen, wenn ich es für mich behielt.

      Sie goss jeden von uns eine heiße Tasse Kaffee ein und wir setzten uns an den Tisch.

      "Wo sind die Jungs?" fragte ich zur Sicherheit.

      "Die sind zur Mine gefahren."

      "Was?!" meine Stimme überschlug sich.

      "Keine Bange, sie haben nicht vor in Eigenregie zu agieren. Dazu hängen sie zu sehr an ihren Leben. Sie wollen nur mal die Lage checken."

      "Soso, nur mal die Lage checken", brummte ich, "ich hoffe, Dean weiß das auch."

      "Ich denk schon, außerdem ist die kleine Celeste bei ihnen", Lizzy grinste schelmisch, "das heißt, dass sie sich wahrscheinlich den Arsch abfrieren werden, dafür kommen sie aber nicht auf blöde Gedanken."

      Ich musste auch grinsen, obwohl mir nicht danach war.

      Lizzy nahm einen Schluck vom Kaffee und sah mich über den Rand der Tasse hinweg an.

      "Was denkst du über Visionen?"

      Sie verschluckte sich und fing furchtbar an zu husten. Ich klopfte ihr ein paar Mal auf den Rücken.

      "Danke, geht schon", sagte sie nach einer Weile mit heiserer Stimme, "Visionen? Du hast Visionen? Seit wann?"

      Ich zuckte die Schultern, "keine Ahnung, seit Dean und ich gestern rumgemacht haben."

      Sie verschluckte sich erneut.

      "Ich dachte wir wollten reden", meinte ich ein wenig amüsiert, "stattdessen bist du hier ununterbrochen am röcheln."

      "Kein Wunder", Lizzy atmete ein paar Mal tief durch, bevor sie weitersprach, "du kommst hier mit Sachen an, auf die ich nicht vorbereitet bin. Visionen, du und Dean ihr habt … rumgemacht?! Was soll man denn davon halten?"

      "Tu doch nicht so. Ich möchte nicht wissen, was du und Sam … letzte Nacht …"

      "Wir haben uns den Mund fusselig geredet", unterbrach sie mich, "ganz einfach. Da war nix mit Anfassen, naja vielleicht kurz. Du musst mich echt für ein Männer verschlingendes Monster halten."

      "Ich dachte, ihr beide würdet euch so gut verstehen?"

      "Tun wir auch, deswegen muss ich doch nicht gleich mit Sam in die Kiste springen, ich bitte dich Sasha. Das du und Dean … naja, ihr beide kennt euch ne halbe Ewigkeit. Ihr ward quasi schon überfällig."

      Sie grinste von einem Ohr zum anderen und ich verspürte das Bedürfnis, meine Hände um ihren schlanken zu Hals legen, obwohl sie im Grunde einfach nur die Wahrheit gesagt hatte.

      "Also, was hältst du von Visionen", lenkte ich das Gespräch wieder auf das eigentliche Thema.

      "Kommt darauf an. Vielleicht kannst du mir verklickern, um was genau es hier geht."

      Ich erzählte ihr von dem Friedhof und von dem Grabstein. Ich kann nicht gerade behaupten, dass sie glücklich aussah, nachdem ich geendet hatte.

      Lizzys Augenbrauen schossen in die Höhe, "wow, dass nenn ich nen Flash! Kein Wunder, dass du aussiehst, wie du aussiehst."

      "Vielen lieben Dank meine kleine Göre", schnappte ich.

      Nachdenklich nagte sie an ihrer Oberlippe und starrte in ihren schwarzen Kaffee.

      "So schlimm?" fragte ich nach einer Weile.

      Sie stieß hörbar Luft aus, "als super würde ich diese Vision nicht gerade bezeichnen. Auf der anderen Seite, ist eine Vision nichts Unwiderrufliches. Weißt du was ich meine?"

      "Nicht wirklich", musste ich zugeben.

      "Visionen sind Vorahnungen, Sasha. Sie müssen nicht zwangsläufig eintreffen. Man hat sein Schicksal selbst in der Hand. Jedenfalls denk ich das mal …"

      "Das heißt, mit Sicherheit weißt du es auch nicht, oder?"

      Sie wich meinem Blick aus, "bevor Mutter starb hatte ich eine Vision", sagte sie kaum hörbar, "ich hab sie in einem Sarg lieben sehen, umgeben von einem Meer von Blumen. Vater hat an ihrem Sarg gestanden und fürchterlich geweint. Sie sah so ruhig und friedlich aus. Zwei Wochen später kam sie bei einem schrecklichen Autounfall ums Leben. Ihr Wagen kam auf glatter Fahrbahn ins Rutschen und kollidierte mit einem Tankwagen. Es gab eine schreckliche Explosion. Es gab keinen offenen Sarg und Vater hat sich auch nicht die Augen aus dem Schädel geheult."

      "Aber deine Mutter war tot", sagte ich tonlos.

      "Ich hatte auch schon einmal eine Vision in der ich meine Freundin Cheryl sterben sah", sprach sie weiter, "sie saß in einem Flugzeug, das abstürzte. Ich hab angerufen und sie gewarnt. Und weißt du was, sie hatte tatsächlich geplant, in nächster Zeit nach Deutschland zu fliegen, um dort einige Geschäfte zu erledigen. Sie war so verblüfft, dass ich davon gewusst hab und hat auf mich gehört und umgebucht. Das Flugzeug, indem sie sitzen sollte, ist tatsächlich an besagtem Tag abgestürzt."

      Ich fühlte wie sich meine Nackenhaare sträubten, "und was ist aus Cheryl geworden?"

      Lizzy schloss kurz die Augen, bevor sie mich ansah, "sie ist an Leukämie erkrankt. Die Ärzte haben kaum noch Hoffnung."

      "Und da meinst du, wir haben unser Schicksal selbst in der Hand?" fuhr ich sie an, "ich würde eher sagen, wir können unserem Schicksal nicht entgehen. Ich frage mich, ob es Cheryl nicht lieber gewesen wäre, im Flugzeug zu sterben, als jetzt an Krebs?"

      "Das mit dem Flugzeug war vor fünf Jahren", erhob sie Einspruch, "fünf Jahre sind eine lange Zeit und wer weiß, ob die Sache mit der Leukämie wirklich etwas damit zu tun hat, dass sie sich damals entschied, nicht zu fliegen."

      "So kann man es natürlich auch sehen", lenkte ich ein, "trotzdem hab ich ein mulmiges Gefühl dabei, mich mit Dean einzulassen."

      "Du willst also allen Ernstes behaupten, du lässt dir von einer blöden Vision deine Beziehung zerstören, hast du sie noch alle? Ich bitte dich." Sie schüttelte den Kopf und stand auf.

      "Wo willst du hin?"

      "Ich brauch was Stärkeres als Kaffee."

      "Lizzy, es ist grad mal neun Uhr morgens!"

      "Na und, seit wann gibt's ne zeitliche Beschränkung für den Genuss von Whiskey? Darf man den etwa nur bei Dunkelheit in sich rein schütten, tut mir leid, so lang kann ich nicht mehr warten."

      Verblüfft sah ich zu, wie sie im Wohnzimmer verschwand und tatsächlich mit ner Flasche Single Malt in der Hand zurückkam.

      "Das sag ich deinem Dad", drohte ich ihr.

      "Das hat er mir beigebracht", meinte sie und streckte mir die Zunge entgegen.

      "Ich denke, ich muss mal ein ernstes Wort mit deinem alten Herrn reden", murmelte ich.

      Ich hörte die Eiswürfel im Glas knacken, als sie die goldene Flüssigkeit darüber goss, "willst du auch einen?"

      Ich winkte ab, "ich hab nicht vor, gleich wieder schlafen zu gehen."

      Sie nahm einen großen Schluck, "ah, das ist gut. Solltest du echt mal probieren."

      Lizzy gesellte sich samt Flasche wieder zu mir, "am besten wäre, du würdest dich mal anständig besaufen meine Liebe. Damit du all die dunklen Gedanken aus deinen Gehirnwindungen vertreibst."

      "Danke, ich hatte gestern schon Weichsellikör intus, als ich zu Dean ins Zimmer gegangen bin", gestand ich.

      "Weichsellikör, igitt, Weibergesöff. Eine Schande, dass du dir erst Mut antrinken musst, um zu diesem echt gut aussehenden Kerl ins Bett zu steigen. Ehrlich, ich hätte dich da anders eingeschätzt."

      "Sag mal, hast du etwa einen Stand auf Dean?"

      Sie kicherte verlegen, "also, ein hässliches Entlein ist er nicht gerade. Und er hat auch einen knackigen Hintern und nen tollen Body." Sie schüttelte den Kopf und goss sich nach, "trotzdem gehört dir der Knabe ganz alleine. Ich steh lieber auf den intellektuellen Typ. Sam, der große Denker, ich würde ihn am liebsten … wenn er so vor seinem Laptop sitzt und …"

      Ich konnte die Herzchen in Lizzys Augen förmlich sehen.

      Das Zufallen der Eingangstür und die Kälte, die plötzlich im Raum herrschte, rissen uns aus unseren Gedanken.

      "Also wir haben uns diese Mine mal angesehen", hörte ich Dean sagen, "das wird echt kein Spaziergang für uns, da wer … hi Sasha", grüßte er mich, ein wenig irritiert.

      "Hi Dean", gab ich zurück.

      Da erschien die kleine Celeste im Türrahmen und guckte neugierig zwischen uns beiden hin und her. Sie sah dabei so altklug aus, wie Kinder es tun, die genau wissen, was vor sich geht.

      Dann kam sie zu mir rüber und flüsterte mir ins Ohr, ich fühlte ihren kalten Atem auf meiner Haut, "also der ist echt ein toller Kerl Tante Sasha und er hat dich glaube ich ganz doll lieb. Er tut immer nur so cool. Und er glaubt echt, er hätte die Sache gestern verbockt."

      Obwohl mir die Kälte im Nacken saß, fingen meine Ohren an zu glühen, "er hat dir von gestern erzählt?" Ich war entsetzt.

      "Er hat nur gesagt, dass du wirklich nett bist und dass er sich wohl gestern vergessen haben muss, als er mit dir in den Clinch ging. Weiß nicht, was er gemeint hat. Was ist denn ein Clinch Sasha?"

      Ich fing an zu husten, "ne erwachsenen Sache."

      "Achso", sagte sie, ein bisschen enttäuscht. Dann drehte sie sich um und schenkte Dean ein strahlendes Lächeln.

      Verwirrt lächelte er zurück.

      Sie sah wieder zu mir und flüsterte, "sieht er nicht toll aus?"

      Dann bemerkte sie anscheinend den traurigen Ausdruck in meinen Augen, "ist es weil er dich an meinen Bruder erinnert? Ich denke er hätte genauso gewollt, dass du eines Tages wieder glücklich bist."

      Ich schluckte und schüttelte den Kopf, "nein Kleines, es ist nicht deswegen. Oder vielleicht nur ein ganz klein wenig, aber …" Der Knoten in meinem Hals drohte mich zu ersticken.

      Celestes Blicke schienen mich zu durchdringen, ich hatte das Gefühl, dass sie versuchte, meine Gedanken zu lesen.

      "Oh, es tut mir leid", sagte sie unvermittelt, "aber du solltest nicht zu viel in diese Sache hineininterpretieren. Es könnte auch etwas mit dem Bösen zu tun haben, dass im See schlummert."

      Sie hatte sich tatsächlich in meinen Kopf eingeklinkt, "ich denke, ihr wärt prima Eltern. Ich hätte jedenfalls gerne so einen coolen Dad. Mein Dad war auch cool, weißt du noch? Aber wenn ich mir nen neuen Dad aussuchen könnte, würd ich mir Dean wünschen und Sam als Bruder. Mann, das wäre abgefahren."

      Allen Anwesenden klappte die Kinnlade herunter, denn sie hatte es laut ausgesprochen.

      "Ups, sorry", entschuldigte sie sich schnell, "ich denke, ich sollte jetzt besser wieder gehen."

      Ein kurzer Windstoß fegte durchs Haus und schon war sie fort. Es wurde wieder wärmer.

      "Wovon hat sie eben gesprochen?" wollte Sam wissen, "und weshalb trinkt ihr beiden um halb zehn Uhr morgens schon Whiskey?"

      "Sie trinkt, ich guck zu", verteidigte ich mich.

      "Noch schlimmer, wieso hältst du sie nicht davon ab?" empörte er sich.

      "Weil ich vielleicht alt genug bin, um zu wissen, was ich mir zumuten kann und was nicht", zischte Lizzy und leerte das Glas in einem Zug. Sie sah an Sam vorbei, hinüber zu Dean, "willst du nicht auch einen Schluck Mr. Cool? Dann wird's dir gleich wieder wärmer."

      Dean wollte schon zustimmen, doch als er Sams Gesichtsausdruck sah, überlegte er es sich doch, "Dude, hör auf zu knurren wie ein Pitbull, ich hatte sowieso nicht vor …" nuschelte er in das Ohr seines Bruders, "später Lizzy, später."

      "Mensch, ihr seid alle Spielverderber. Dann will ich uns mal ein paar Eier in die Pfanne werfen. Mag jemand Speck dazu?"

      Ich nickte lächelnd und auch die Brüder stimmten zu.

      Dean und ich gingen ein wenig verkrampft miteinander um. Kein Wunder. Nach dem Essen setzten wir uns alle ins Wohnzimmer und die Jungs erzählten von ihrem Ausflug zur Mine.

      "Wie sieht's da drinnen aus?" wollte Lizzy wissen.

      "Das hätten wir auch gern gewusst, aber der Eingang ist blockiert. Magisch", sagte Sam genervt, "Celeste hat wirklich tief in ihre Trickkiste gegriffen, aber in ihrer "menschlichen" Gestalt hat sie nur halb so viel Power. Das hat sie auch zugegeben."

      "Sie meinte wir würden die Hilfe von Sasha und Elektra brauchen", warf Dean ein.

      Lizzy stöhnte laut auf, "ich freu mich jetzt schon drauf, wenn sie mal wieder bei mir anklopft. Ich mag dieses Weib nicht besonders."

      Sam sah sie verstört an, "von wem redest du jetzt?"

      "Von der ollen Elektra."

      "Aber das bist doch du", sagte er.

      Lizzy brach in schallendes Gelächter aus, "nein lieber Sam. Elektra ist eine Halbgöttin, die ab und an in meinen Körper schlüpft, um damit allerlei Schabernack zu treiben. Wenn sie in mir drinnen steckt, hab ich Sendepause. Komm also ja nicht auf den Gedanken, die Dame mal zu küssen, du knutscht dann nämlich ne Fremde."

      Dean zog irre Grimassen und konnte sich das Lachen kaum verbeißen, er steckte mich mit diesem Blödsinn an. Plötzlich lachten alle, nur Sam nicht.

      "Typisch Dean, du freust dich wirklich über das Leid anderer", beschwerte sich Sam.

      "Also ehrlich, ich finde du und Miss Hulk, dass hätte schon einen gewissen Reiz. Da könnte man richtig grün werden vor Neid." Dean schlug sich auf den Schenkel, "grün werden, lach, hahahahaha, der war echt gut, nicht?"

      Diesmal waren ihm Sams Blicke egal. Es dauerte eine Weile, bis wir uns wieder einkriegten.

      "Nachdem jetzt alle auf meine Kosten ihren Spaß hatten …", grunzte Sam, "wie sollen wir vorgehen?"

      "Kleine grüne Männchen …" begann Dean.

      Sein jüngerer Bruder verpasste ihm dafür eine Kopfnuss.

      "Is ja schon gut, kein Grund handgreiflich zu werden", grummelnd rieb er sich den Hinterkopf und wandte sich an Lizzy, "gibt's Elektra denn auch auf Bestellung?"

      "Das hab ich bisher noch nie probiert", gab sie zu, "ich steh nicht grad drauf, das jemand anders die Kontrolle über meinen Körper hat, du etwa?"

      Dean grinste humorlos, "nicht wirklich. Du kannst ja mal Sammy fragen, der hat da ein wenig mehr Erfahrung als ich."

      "Wie wäre es, wenn ich es zuerst alleine versuche?" schlug ich vor, "meine Kräfte sind nicht zu verachten, auch wenn sie ortsgebunden sind."

      Dean sog hörbar Luft ein, "das ist die Krux, die Mine liegt schon beinahe außerhalb dieser Grenze."

      "Super, die Schurken haben an alles gedacht", fauchte ich, "trotzdem ich will es versuchen. Wenn mir die Luft ausgeht …"

      "Sind wir dann wenigstens alle am Arsch", endete Dean.

      "Auch wahr", musste ich zugeben, "kein guter Plan. Wir müssen also wirklich Madame Elektra zu uns bitten."

      "Vielleicht kommt sie ja, wenn Dean ihr in Aussicht stellt mit ihr nen Matratzentango zu veranstalten?" meinte Lizzy säuerlich grinsend.

      "Was?! Wieso ich? Ich dachte Sam …"

      "Ich steh auf Sam. Elektra sabbert aber für deine Mannschaft. Sie findet es irre cool, wie du so durch die Luft fliegst. Sie meint, du siehst dabei aus wie Superman."

      "Ich dachte, du kriegst nichts mit, wenn sie in dir steckt?" fragte ich.

      "Es ist nur das Echo ihrer Gedanken, dass ich dann noch tagelang in meinem Kopf hab", erklärte Lizzy beinahe gelangweilt, "Dean die Flugsau, solltest du dir auf ein T-Shirt drucken lassen." tbc
    • Chapter 13

      Lizzy, Sam, Dean und ich saßen im Wohnzimmer auf dem Boden. Um merkwürdigen Gedanken gleich vorzubeugen, nein, wir spielten nicht Flaschen drehen. Wir versuchten Elektra heraufzubeschwören. Ich hielt es für eine Schnapsidee, aber Lizzy meinte, wir könnten uns nicht darauf verlassen, dass die Madame just in dem Moment auftauchte, wenn wir sie brauchten. Morgen Abend würden wir das Unternehmen "Höllenschlund" in Angriff nehmen. Heute war quasi der Probelauf dafür. Mir schlug jetzt schon das Herz bis zum Hals und wir hatten nicht einmal mit der Zeremonie angefangen.

      "Lizzy, du weißt, dass du das nicht machen musst", meinte ich besorgt.

      "Schon klar Sasha, aber mir ist lieber Elektra erscheint auf Geheiß, als sie platzt immer wieder in mein Leben. Irgendwann muss ich ihr das einfach klar machen."

      Lizzys Worte beruhigten mich in keinster Weise.

      "Denkst du, wenn wir sie rufen, weiß sie, in wen sie fahren muss? Ich mein, nicht das Sam oder ich noch zu kleinen grünen Männchen mutieren", flachste Dean.

      "Glaub mir, sie weiß schon, was sie tut, nur ob sie es überhaupt tut, kann ich nicht sagen", gab Lizzy angespannt zurück, "also dann, fasst euch mal schön an die Patschehändchen."

      Dean und ich zögerten kurz.

      "Das gilt auch für euch beide, los", zischte Sam.

      Wir sahen uns dabei kaum in die Augen. Die Stimmung zwischen uns war noch frostiger geworden seit Celeste gegangen war. Dean hatte mich zwar auf ihre Aussagen angesprochen, aber ich hatte mich in Schweigen gehüllt.

      Was hätt ich ihm denn sagen sollen, "Junge, du wirst einmal der Vater unserer Tochter, aber freu dich bloß nicht zu früh, denn wir werden beide sterben und dich alleine zurücklassen?"

      Auch wenn Lizzy meinte, Visionen wären nicht unbedingt zukunftsweisend, so enthielten sie doch einen wahren Kern, dachte ich jedenfalls.

      Lizzy versuchte sich in einen Art Trancezustand zu versetzen, indem sie aramäische Formeln herunterbetete, als wär es die Speisekarte von Burger King.

      Zuerst meinte ich, meine Augen würden mich täuschen, doch dann schienen es auch die anderen zu bemerken, das leichte grüne Glühen, das in der Mitte unserer Kreises sichtbar wurde.

      Lizzy selbst hatte ihre Augen dermaßen verdreht, dass wir nur noch das Weiße sehen konnten, ihr Gemurmel wurde immer undeutlicher.

      Das Glühen hingegen wurde immer intensiver und wir mussten bereits unsere Augen zusammenkneifen, um nicht geblendet zu werden. Schließlich nahmen die Umrisse Gestalt an und Elektra stand vor uns. Nicht ganz, sie war so durchsichtig, wie Fensterglas, aber dennoch gut zu erkennen.

      Als Lizzy plötzlich zu sprechen begann, schraken wir alle zusammen.

      "Wer wagt es mich zu rufen und mir seinen Willen aufzuzwingen?"

      "Wir, eure Scheinheiligkeit", ergriff ich das Wort.

      "Ihr armen nichtssagenden Kreaturen habt gar nicht die Macht dazu", verhöhnte sie uns.

      "Da wäre ich mir nicht so sicher, eure Niedrigkeit", schnappte Dean, "schon mal was von dem See da draußen gehört?"

      "Und ich teile die Macht des Sees", setzte ich nach, "nachdem wir deine Fragen beantwortet haben, kommen wir gleich zur Sache und reden Tacheles."

      Elektra sah mich prüfend an. Doch sie machte mir keine Angst, in ihrem derzeitigen Zustand war sie so hilflos wie ein Neugeborenes. Die Kraft entfaltete sie erst, wenn sie sich mit Lizzys Körper fusionierte. Doch dieser Weg war ihr bewusst verwehrt worden.

      "Niemand zwingt mir seinen Willen auf, los, lasst mich Besitz von meinem Gefäß ergreifen."

      "Weißt du Schnuckel, auf dem Parkplatz warst du mir wesentlich lieber. So als Dean-Groupie, versteht sich", grinste er und zwinkerte ihr zu.

      Wütend wollte sie in ihn hineinfahren und prallte dabei leider gegen den unsichtbaren Schutzschild, mit dem ich uns alle umgeben hatte.

      "Ups, sorry. Hatte ich ganz vergessen", bemerkte ich süffisant, "du wirst hier niemanden mit deinem Besuch beehren, außer wir wollen es so. Und nun hör zu, um was es hier geht. Die Existenz der Menschheit steht auf dem Spiel und wenn du uns nicht hilfst, wirst du bald kein "Gefäß" mehr haben, in das du hineinfahren kannst. Dann kannst du höchstens einen fahren lassen, aber ich denke nicht, dass dich das auf Dauer "befriedigen" wird."

      "Du wagst es so mit einer Halbgöttin zu reden?" fauchte sie und die Lichter um uns herum begannen zu flackern.

      "Tolle Lichtspiele, aber wenn erst mal die bösen Jungs am Ruder sind, kannst du sie damit auch nicht wirklich beeindrucken", meldete sich Sam zu Wort, "und jetzt hör gefälligst zu, was wir dir zu sagen haben."

      Wie konnte es anders sein, die Jungs überließen mir das Wort und so erzählte ich Elektra alles, was wir bisher in Erfahrung bringen konnten und weshalb wir so auf ihre Hilfe angewiesen waren.

      Spielte sie anfänglich noch die beleidigte Leberwurst, wurde sie doch mit der Zeit immer hellhöriger. Sie mochte zwar ein launisches Wesen besitzen, doch eines war Elektra mit Sicherheit nicht: Böse. Zu Lebzeiten hatte sie sich stets um das Wohlergehen ihrer Untertanen gekümmert und selbst nach ihrem irdischen Tod, war sie immer um die Menschen besorgt gewesen. Klar trieb sie ihre Späße mit ihnen, aber wirklich Schaden zufügen, dass konnte und wollte sie nicht.

      Nachdem ich meinen Monolog geendet hatte, starrten Dean, Sam und ich sie erwartungsvoll an.

      "Ich bin sicher, dass sich Dämonen im Aufsichtsrat der Minengesellschaft befinden. Dieser Ort hätte nie wieder geöffnet werden sollen. Meine Schwester Lyra war damals dabei, als er versiegelt worden ist. Wenn sie es bereits geschafft haben, dieses innere Siegel zu brechen … Ich wusste nicht, wie schlimm es um diesen Ort steht. Ich dachte, wir hätten alles unter Kontrolle. Niemand von uns hat reagiert, als einer der Wächter sich nicht mehr meldete. Wir dachten, er wäre der Sache überdrüssig geworden. Immerhin galt dieser Ort als absolut sicher."

      "Da sieht man wieder wie man sich irren kann, selbst wenn man ein Halbgott ist. Kennst du übrigens den Trickster?" fragte Dean und fing sich damit einen Rüffel von Sam ein.

      "Hochmut kommt vor dem Fall meine liebe Elektra", sagte ich ungerührt, "ihr habt euch blind auf etwas verlassen, nur weil es seit Äonen bestand hatte. Nichts hält für die Ewigkeit."

      "Es tut mir leid, mehr kann ich im Moment dazu nicht sagen. Aber wir werden alle Kräfte benötigen, die wir kriegen können. Ich muss die anderen des Zirkels unbedingt davon in Kenntnis setzen. Und ich werde die Brüder als Gefäße für Marc und Cyrus benötigen."

      Ungläubig starrten die Wichesters zuerst zu mir und dann zu Elektra.

      "Nie im Leben geb ich mich für sowas her", schloss Dean von vornherein aus, "ich will kein grünes Männchen werden."

      "Marc und Cyrus werden lediglich ihr Wissen und ihre Macht mit Euch teilen, nicht jedoch Besitz von euren Körpern ergreifen. Ich werde das gleiche mit Lizzy tun, es tut mir leid, wenn ich ihr all die Jahre meinen Willen aufgezwungen habe."

      "Und wer garantiert uns, dass die beide Knaben es sich nicht vielleicht doch anders überlegen? Vielleicht gefällt ihnen ja, was sie sehen und …."

      Elektra streckte ihre durchsichtige Hand in Richtung Dean aus, "schweig still du nichtsahnender Wurm. Marc und Cyrus sind genauso Halbgötter wie ich. Sie hätten keinen Vorteil davon sich einer sterblichen, vergänglichen Hülle auf Ewig zu bemächtigen. Sie würden all ihre Kräfte verlieren, wir können nur auf bestimmte Zeit gleichzeitig ein Gefäß benutzen UND unsere Macht ausüben. Wenn wir es länger tun, werden wir genauso sterblich, wie ihr. Dass ist der Preis den wir zu bezahlen hatten, als wir aufgestiegen sind."

      "Wow, Macht mit Ablaufdatum", murmelte Sam.

      "Nein, nur ein Schutzmechanismus, der uns davor bewahren soll, größenwahnsinnig zu werden", berichtigte ihn Elektra.

      "Und was tun wir jetzt mit Zeke und seinen lustigen Gesellen? Denen steht der Sinn nach Größenwahn und Weltherrschaft", sagte Dean.

      "Wenn ihr mich freigebt, erstatte ich sofort Marc und Cyrus Bericht. Bei Einbruch der Nacht kehren wir zu Euch zurück, machen euch mit euren Kräften und all dem anderen Wissen, dass ihr benötigt vertraut und dann ziehen wir in den Krieg."

      "Mo … Mo … Moment. Also ein Krieg ist wohl ein bisschen übertrieben", mischte ich mich ein, "wir wollen uns ja nicht mit Luzifers Armee anlegen."

      "Was denkt ihr wohl, was euch erwarten wird, wenn wir geschlossen am Eingang der Mine auftauchen? Denkt ihr wirklich man wird uns mit Pauken und Trompeten und Konfetti willkommen heißen? Sie werden schon auf uns warten und nichts wird ihnen lieber sein, als uns mit in den Abgrund zu reißen."

      "Danke, ich war erst vor kurzem dort", bemerkte Dean und schluckte hart, "mein Bedarf an Höllenqualen ist für die nächsten Jahre gedeckt. Vielleicht kann ich ja das Schlusslicht bilden?"

      Elektra wandte sich wieder an mich, "du musst Celeste gestatten, deinen Körper mit ihr zu teilen. So reichen deine Kräfte noch weiter."

      Ihr Tonfall gefiel mir nicht sonderlich, so wie sie sprach, gab es da anscheinend einen Haken.

      Ergo fragte ich, "und wo bitteschön ist der Haken an der Sache?"

      "Celeste ist sehr mächtig und wenn sie zu lange in deiner Hülle steckt, wird sie sie verbrennen, sie kann nichts dafür. Deine inneren Organe werden anfangen zu kochen, dein Gehirn …."

      "Danke, ich kann auf die grausigen Details gerne verzichten. Und wie lange ist zu lange?"

      "Eine Stunde oder vielleicht zwei, ich weiß es nicht und Celeste auch nicht. Wenn du es ihr nicht gestattest, wirst du aber sowieso sterben, denn deine Kräfte alleine werden nicht reichen."

      Dean und Sam sahen mich entsetzt an, "dann hab ich also wieder mal die Arschkarte gezogen, ja? Ich kann wählen zwischen qualvollem Tod oder noch qualvollerem Tod? Wahnsinnsauswahl ist das wieder. Wenn ich mich bloß entscheiden könnte. Was meint ihr Jungs? Soll ich mich den Dämonen zum Fraße vorwerfen oder mich von Celeste kochen lassen?"

      "Im Moment find ich das nicht zum Lachen", stellte Dean trocken fest, "vielleicht nach fünf Flaschen Bier."

      "Die Entscheidung obliegt einzig und alleine dir Sasha. Keiner von uns kann dich dazu zwingen, diese Koexistenz einzugehen", sagte Elektra.

      Ich dachte kurz nach, wenn ich meiner Vision Glauben schenken konnte, würden wir alle diesen Kampf überleben. Dann hätte ich noch ein paar glückliche Jahre mit Dean, wir würden eine kleine hübsche Tochter miteinander bekommen und dann würden ich und sie, aus welchen Gründen auch immer trotzdem ins Gras beißen. Weshalb sollte ich mein Schicksal, dann also nicht gleich herausfordern und dem Tod ins Auge sehen?

      "Okay, ich mache es."

      "Sasha, nein", riefen Dean und Sam unisono.

      "Ach, ich hatte doch eigentlich ein schönes Leben und morgen scheint mir ein guter Tag zum Sterben zu sein, denk ich jedenfalls." Makaberer Weise war es Celestes Todestag, doch das behielt ich vorerst für mich.

      "So sei es, gebt mich frei", bat Elektra.

      Wir ließen einfach unsere Hände los und die Halbgöttin löste sich vor unseren Augen auf. Lizzy zitterte am ganzen Körper und sank erschöpft in Sams Arme.

      Ihr Körper war in Schweiß gebadet, trotzdem gelang es ihr, ihre Augen zu öffnen und mich mit einem traurigen Blick anzusehen, "das mit Celeste ist ein Scheißplan Sasha. Da werden mir die Jungs sicher recht geben, nicht wahr?"

      Dean und Sam nickten stumm.

      "Siehst du? Versprich mir, sobald du auch nur das leiseste Anzeichen bemerkst, dass du in Gefahr bist, sag Celeste sie soll aus deinem Körper verschwinden. Bitte, du musst es mir versprechen."

      Ich sah die Tränen in ihren Augen und ich fühlte den Knoten in meinem Hals.

      "Lizzy, ich wünschte, ich könnte es dir versprechen, aber du weißt, dass das unmöglich ist. Was, wenn am Ende alles von mir abhängt?"

      "Das wird es nicht, das darf es nicht", sagte sie und schluchzte kurz auf, "ich hab schon meine Mutter verloren Sasha, ich kann dich nicht auch noch verlieren."

      "Und die Vision?" gab ich zu bedenken, "wenn die Vision wahr ist, dann wird mir morgen nichts geschehen."

      Sie wischte ihre Tränen mit dem Handrücken fort, "und was, wenn du diese Vision überhaupt falsch interpretiert hast?"

      "Aber das was ich gesehen hab, war doch eindeutig oder?"

      "War es das tatsächlich, Sasha?" hakte Lizzy noch einmal nach, "ich finde Dean hat ein Recht darauf, von der Sache zu erfahren. Schön langsam habe ich das Gefühl, dass diese Vision nicht deinem Kopf entsprang, sondern dir aus irgendeinem Grund geschickt worden ist."

      "Du meinst, um zu verhindern, dass Dean und ich …?"

      "Was zum Geier geht hier vor Leute?" fauchte Dean.

      Es hatte wohl keinen Sinn mehr, die Sache länger vor ihm geheim zu halten. tbc
    • Chapter 14

      Ich hatte mich in mein Zimmer zurückgezogen und da stand ich nun, die Arme um meine Körpermitte geschlungen und starrte hinaus auf die eisige Winterlandschaft. Während meiner Zeit als Hunter hatte ich schon oft dem Tode ins Auge geblickt, doch niemals zuvor mit einem solchen Bewusstsein. Hier ging es nicht bloß um mich oder meine Freunde, hier ging es um die ganze Menschheit. Super und wenn alles vorbei war, würde nie jemand davon erfahren, wie nahe sie alle Abgrund gestanden hatten. Vorausgesetzt, wir, die Guten, gewannen. Das stand keinesfalls fest. Bloß weil einige Halbgötter an unserer Seite kämpften, hieß das noch lange nichts.

      Ich denke, seit Chris' Tod war ich nicht mehr so deprimiert gewesen. Die Sache mit Dean machte alles noch komplizierter. Beinahe wie auf Stichwort klopfte es leise an meine Tür.

      "Stör ich?" hörte ich Deans Stimme hinter mir.

      Ich schüttelte den Kopf, "nein, schon gut, komm rein."

      "Und was läuft gerade auf dem See-Kanal vor unserer Haustür? Irgendwelche Monster im Anflug oder dreht unsere Eisprinzessin vielleicht gerade eine Runde?" versuchte er mich aufzumuntern.

      Ich hatte ihn nicht näherkommen gehört und als er plötzlich seine Hand auf meine Schulter legte und ich seinen Atem in meinem Nacken fühlte, jagte es mir einen wohligen Schauer über den Rücken.

      Und weil ich dieses Gefühl noch länger haben wollte, legte ich meine Hand auf seine und lehnte mich an ihn.

      Für eine Weile standen wir einfach nur schweigend da. Leider wandelte sich meine Glückseligkeit all zu schnell in Melancholie. Ich fühlte wie mir die Tränen in die Augen schossen und sich ein Knoten in meinem Hals bildete. Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man meinen ich wäre schwanger, so rauf und runter ging es mit meinen Gefühlen.

      Dean schien zu fühlen, dass es mir alles andere als gut ging, oder vielleicht hatte er auch irgendwie das verräterische Glitzern in meinen Augen gesehen. Jedenfalls nahm er die Hand von meiner Schulter und umarmte mich mit beiden Händen von hinten, während er mir einen zärtlichen Kuss auf mein Haar drückte.

      "Das ist wohl die mit Abstand netteste Anmache, die ich jemals von dir erlebt hab", sagte ich mit zittriger Stimme und versuchte, meine Fassung wieder zu gewinnen.

      "Ach, ist es das, ja? Ich kann auch gern den hirnverbrannten Idioten geben, die Rolle beherrsch ich nämlich aus dem FF", neckte er mich.

      Ein Lächeln huschte über meine Lippen, "denkst du, es ist die Angst vor dem bevorstehenden Kampf, die uns dazu veranlasst, Dinge zu tun oder zu sagen, die ansonsten unausgesprochen blieben?"

      Zwar sah ich das Stirnrunzeln nicht, doch ich hörte es aus seiner Stimme heraus, "seit wann hältst du mich für den geeigneten Partner, wenn es um tiefschürfende Gespräche geht? Das ist mehr Sams Part. Ich bin zwar der Smartere von uns beiden, aber …"

      "Dean Winchester, hör auf, dein Licht unter den Scheffel zu stellen." Ich drehte mich um, damit ich ihm direkt in die Augen sehen konnte.

      Das Grün schien mir noch intensiver als ich es in Erinnerung hatte und seine sinnlich geschwungenen Lippen luden mich förmlich ein, sie zu küssen … gäbe es da nicht noch die eine Sache, die ich mit ihm zu besprechen hätte.

      "Aber du bist sicher nicht gekommen, um Smalltalk mit mir zu führen", krächzte ich. Ich kam mir vor als hätte ich Sandpapier verschluckt.

      "Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, weshalb ich in den Turm der Elfenbeinkönigin gestiegen bin. Und ich weiß auch nicht, ob ich überhaupt hören will, was du mir zu sagen hast. Und ehrlich gestanden, ist es mir auch irgendwie egal. Ich will dich Sasha, ich will dich mit jeder Faser meines Herzens und den nächsten, der jetzt durch diese Tür kommt und uns stört, den erschieß ich, so wahr ich hier vor dir stehe."

      Der schelmische Blick in seinen Augen verriet mir, dass es da noch etwas gab, "aber …" hakte ich nach.

      "Aber … es wird niemand kommen und uns stören. Erstens, weil ich das unten deponiert habe und zweitens, weil ich die Tür abgeschlossen habe, nachdem ich hereingekommen bin."

      "Und was macht dich so sicher, dass ich deinem Charme erneut erliege, mein lieber Dean?"

      "Ich weiß es einfach, meine liebe Sasha."

      Und als er meinen Kopf zärtlich zwischen seine Hände nahm und er meine Lippen mit seinen umschloss, ergab ich mich einfach meinem Schicksal. Ich konnte nicht anders. Ich hatte es satt, einfach nur auf meinen Kopf zu hören, mir ständig Gedanken um Dinge zu machen, die vielleicht einmal passieren könnten, oder auch nicht. Ich wollte nicht mehr länger die Vernunft regieren, sondern auch mein Herz sprechen lassen. Ich hatte mir mein Glück so lange versagt und war ständig darauf bedacht gewesen, alles richtig zu machen, doch was hatte es mir gebracht, außer Leid und Schmerz?

      Es war eine Explosion der Leidenschaft als unsere Körper aufeinander trafen. Und trotzdem ging Dean behutsam mit mir um, als wäre ich aus Porzellan und er hätte Angst, mich zu zerbrechen. Wir erforschten uns gegenseitig mit der Zunge mit dem Mund, mit den Händen. Es war wie ein Tanz auf einem Vulkan. Alle unsere angestauten Gefühle brodelten wie Magma unter der Erdoberfläche. Eine Hitzewelle nach der anderen jagte durch meinen Körper und schien sich in meiner Mitte zu sammeln. Und als wir schließlich eins miteinander wurden, stand mein ganzer Körper plötzlich in Flammen und ich meinte das Bewusstsein zu verlieren.

      Ich krallte mich förmlich an Dean, weil ich meinte in einen bodenlosen Abgrund zu stürzen, aber ich empfand keine Angst, sondern ein Gefühl, dass ich meinte, für immer verloren zu haben. Er erstickte meinen Schrei mit einem endlos langen Kuss und wurde nicht müde, mich noch mehr in Ekstase zu versetzen. Er trieb mich zu ungeahnten Höhen und zeigte mir Orte der Glückseligkeit an denen ich noch nie zuvor gewesen war. Es kam mir so vor als würde ich tausend Tode sterben und jedesmal erweckte Dean mich aufs Neue zum Leben. Er wollte alles von mir und ich war bereit, es ihm zu geben. Wir vergaßen die Welt um uns herum und das Zimmer war erfüllt von den Geräuschen zweier Liebender. Unsere Bewegungen wurden immer intensiver und ich drängte mich ihm entgegen und bettelte förmlich darum, dass auch er sich Erlösung verschaffen mochte. Er stieß mich noch ein weiteres Mal in den Abgrund, doch dieses Mal schaffte ich es ihn mitzureißen. Er ließ los und entlud sich mit einer Heftigkeit in mir. Jetzt war ich es, die seinen Schrei in sich aufnahm und gemeinsam flogen wir hinauf zu den Sternen.

      Tatsächlich jedoch waren wir beide in gleißendes Licht getaucht und schwebten ungefähr fünfzig Zentimeter über der Bettdecke. Meine Fähigkeiten wirkten sich offenbar nicht nur dann aus, wenn es darum ging jemanden das Leben zu retten. Ich bemerkte es als ersten, denn Dean hatte vor Erschöpfung seinen Kopf zwischen meiner Schulter und dem Nacken vergraben. Ich sah den leichten Schweißfilm der seinen muskulösen Körper bedeckte und ihn seidig im Licht glänzen ließ.

      "Ach du Scheiße", flüsterte ich perplex, worauf Dean, völlig erschöpft, ein wenig den Kopf hob und meinte, "was, du hast noch immer nicht genug?"

      "Das mein ich nicht, guck mal was hier los ist." Ich deutete nach unten.

      "Ach du Scheiße", kam es jetzt aus seinem Mund, "bist du das?"

      Entschuldigend zuckte ich mit den Schultern und grinste dabei.

      "Das ist abgefahren, wow!"

      Ich liebte die kindliche Begeisterung, die Dean Winchester immer wieder und in den erstaunlichsten Situationen an den Tag legen konnte.

      "Und wie kommen wir wieder runter", raunte er mir ins Ohr bevor er mich erneut küsste, "also irgendwie macht mich das unheimlich scharf."

      Naja, was soll ich sagen, so begann unser zweites Inning auf einer "Wolke aus Licht" und irgendwann schwebten wir dann unter der Zimmerdecke.

      Unser "Lichtspiel" endete je, als draußen fürchterlicher Donner krachte. Recht unsanft knallten wir beide auf das Bettgestell, das daraufhin den Geist aufgab.

      Wir brachen in schallendes Gelächter aus und rangen irgendwann, völlig ausgelaugt, nach Luft.

      Plötzlich vernahmen wir aufgeregtes Klopfen und Sams Stimme drang dumpf durch die Tür, "hey, ihr beiden, alles klar bei Euch?"

      "Glasklar Kleiner und jetzt verzieht dich ganz schnell wieder", rief Dean.

      "Okay, ich dachte nur …" dann hörten wir Lizzys Stimme und kurz darauf war wieder Ruhe.

      "Denkst du zwischen uns beiden wäre es immer so, oder bloß jetzt, weil wir …"

      Dean legte mit seinen Zeigefinger auf die Lippen, "hör auf zu grübeln, Sasha. Davon kriegst du bloß hässliche Falten. Lass es doch mal einfach sein, wie es ist."

      Ich schloss kurz die Augen, er hatte ja recht. Ich war schon wieder dabei, meine Gefühle zu sezieren. Doch die Sache mit meiner Vision, die musste ich ihm noch erzählen, daran führte kein Weg vorbei.

      Ich bat ihn also, mir zuzuhören. Was er auch tat und als ich meine Last mit ihm teilte, sah ich Schmerz in seinen Augen und Wut. Wut darüber, dass mir jemand so etwas antun konnte. Denn, wie Lizzy, war auch er der Meinung, dass mir die Vision geschickt worden war und dass sie nicht wirklich etwas mit unserem gemeinsamen Schicksal zu tun haben musste. Jemand spielte hier Spielchen mit mir und er konnte sich auch schon denken, wer dieser jemand war. Zeke. Er war schließlich der einzige, der mich gerne leiden sah und dem es tierisches Vergnügen bedeutete, mich zu quälen. Und da er physisch nicht an mich ran konnte, tat er es psychisch. Durch den Höllenschlund waren seine Kräfte wahrscheinlich schon jetzt um ein vielfaches gesteigert worden.

      "Ich schwöre dir, ich bring den Kerl eigenhändig in die Hölle und wenn ich ihn dafür begleiten muss", fauchte Dean, nachdem ich geendet hatte, "dieser feige Bastard!"

      Ich schluckte, ob der Entschlossenheit, die ich in seinen Gesichtszügen erkennen konnte.

      Er zog mich in seine Arme und drückte mich ganz fest an sich, "ich liebe dich Sasha und werde nicht zulassen, dass dir etwas passiert. Nicht heute und nicht irgendwann sonst. Ich hoffe Elektra und ihre Jungs tauchen bald auf."

      Um ehrlich zu sein, war ich kurz über sein Geständnis geschockt und konnte nicht gleich etwas erwidern. Doch bevor wir uns, schweren Herzens, voneinander lösten, trafen sich unsere Blicke und ich sagte, "ich liebe dich auch, viel mehr als du ahnst."

      Kurz darauf brach die Hölle los. Im wahrsten Sinne des Wortes. tbc