Sonstige - Das Morgenritual in einem Katzenhaushalt

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    • Sonstige - Das Morgenritual in einem Katzenhaushalt

      Weil Patrizius gefragt hat, wie's denn so mit 4 Katzen ist....

      THEN = 3 Katzen
      Sonntagmorgen, irgendwo in München
      Das tägliche Ritual.
      Ich weiß, ich weiß, ich kann mich eigentlich nicht beklagen, bei einer Schmerzgrenze von 7:00 sind meine Puschels ja durchaus der humaneren Welche - bei einer Dosine mit Ein- und Durchschlafstörungen, bei der sich die Leuchtziffern des Radioweckers zum letzten Mal um 4:26 in die Netzhaut brannten jedoch ist das trotzdem einfach schmerzhaft.
      Und Sonntag ist heute außerdem.

      Es beginnt mit einem dreifachen Klonkkkk. Und ja, das reicht schon, um mich zu wecken, das ist ja das Problem (die üblichen Heimkehrer um Mitternacht, der BMW mit türkischer Utzutzmusik um 2:00 und so weiter)!
      Klonkkkk heißt "wir haben unsere Nachtschlafplätze verlassen und schleichen uns langsam an".
      Ach wie herzig, das Trippeln kleiner, kralliger Pfoten auf dem Parkett....

      Auch ohne die Augen zu öffnen, weiß ich, wie die Kampfformation aussieht.
      Frida sitzt im Bücherregal links neben dem Bett und starrt. Und Fridas Starren kann man quasi hören.
      Inigo und Aslan schauen derweil mal, was im Schlafzimmer an Unterhaltung so geboten ist. Kann man was runterschmeissen, kann man eine Socke erbeuten, oder steht vielleicht gar der Kleiderschrank ein wenig auf?

      Jetzt nur nicht bewegen, das ist wie beim Beamtenmikado. Wenn der Dosi sich bewegt, hat er verloren!

      Ploppp.
      Fumpppp.
      Inigo und Aslan landen auf dem Bett und beginnen sofort mit der Patrouille. Einer latscht mir auf den Busen. Schwer und mit spitzen, sehr spitzen Krallen - muss Aslan sein. Es macht weder Bummm noch Pffffft, also ist weder was geplatzt, noch entweicht irgendwo die Luft. Alles was passiert ist, ist eine weitere Viererkette von Perforationslöchern an einer Stelle, die man dem Hausarzt nicht erklären möchte, aber man gewöhnt sich ja an Einiges.

      Ich bemerke, dass ich meine Schiene für das Zähneknirschen nicht trage, denke an den strengen Blick meines Zahnarztes und höre auf zu Knirschen.

      Fmmmafmmmmafmmma. Jemand geht mir mit der Nase durchs Gesicht.
      Ich stelle mich tot.

      Plötzlich faucht es laut zu meiner Linken, patsch, heul und Lützow's wilde verwegene Jagd hetzt über meinen Körper.
      Einer der Katerdeppen ist Frida zu Nahe gekommen und es passiert, was immer passiert, wenn das passiert. Er fängt sich eine - und die ist nicht von schlechten Eltern, kleinster Norweger der Welt hin oder her!

      Krallen bohren sich an verschiedenen Stellen in meinen hilflosen Körper und es entringt sich mir ein "AutschihrHundsbuam mussdasdennwirklichsein ZackelZementnocheinmal" und.... ich habe verloren.
      Sie wissen jetzt, dass ich wach bin.

      Aslan jodelt den fröhlichen Erzherzogin-Christine-Jodler und Inigo fügt dem ein quietschiges Brrrpmwah Aggah Iiip hinzu.
      Jetzt wird im Sekundentakt auf mein Bett gehüpft und wieder runter.

      Aslan gibt mir zärtliche Nasenstüber, die ein Magermodel mit einem BMI unter 18 glatt vom Bett hauen würden.

      Inigo gibt den verhaltensgestörten Tiger - er rennt zwischen Hüfte und Gesicht auf und ab und achtet peinlich genau darauf, dass bei jedem Umdrehen auf Nasenhöhe der Schwanz maximalen Kontakt zu meinem Riechorgan bekommt.

      Ich knurre "GebtmirnochfünfminutenihrDeppenbittebitte" und drehe mich um. Ein taktischer Fehler.

      Inigo macht Milchtritt auf meiner Wirbelsäule zwischen den Schulterblättern.
      Aslan gräbt meinen linken Fuß aus und putzt ihn.
      Frida starrt. Sozusagen mit verstärkter Lautstärke.
      Das Konzert nimmt an Intensität von Minute zu Minute zu.
      Ich vergewissere mich, dass es tatsächlich schon nach 7:00 ist, hoffe trotzdem, dass die Nachbarn nix hören und schalte auf stur.
      Doch dann passiert es.

      General Frida macht Mäpp und verlässt ihren Posten.
      Das scheint das Zeichen für die leichte, wenn auch ungeschickte Infanterie zu sein.
      Plopp - wrrrr - klirrr.
      Sprung auf den Nachttisch - Messinglampe wackelt - Glasschirm klingelt noch ein wenig nach.

      Klackklackklack.
      Ich reiße die Augen auf und brülle "Niggeldumistviech denknichtmaldran". Nicht, dass das JEMALS hier irgendwen beeindruckt hätte.
      Zwei völlig unschuldig aussehende Augen blicken mich an. Verschwommen.
      Darunter etwas Blaues. Verschwommen.
      Mit vollem Mund kommt ein etwas undeutliches Brrrpmwah Aggah Iiip und Inigo ist ab durch die Mitte.
      Mit meiner Brille.

      Er weiß ganz genau, dass mich das aus dem Bett bringt. Sicher. Zuverlässig. Schnell. Jedes verdammte Mal.

      Also springe ich auch heute wieder von null auf hundert und von waagerecht auf senkrecht in nullkommazwo Sekunden. Der Kreislauf bleibt vorsichtshalber erstmal noch liegen und harrt der Dinge, die da kommen sollen.
      Der eine Fuß landet zielsicher mit der empfindlichsten Stelle auf der Kante des Buchs von gestern Abend, das in einem unbemerkten Moment dort von fleißigen Pfoten platziert wurde.
      Der andere landet auf einem Socken und fährt auf dem Parkett Schlittschuh. In die falsche Richtung, natürlich.
      Die dicke Frau fängt sich in letzter Sekunde und hetzt mit der Eleganz eines wütenden Zwergflußpferds hinter einem grauweißen Blopp her.
      Im Flur folgt der traditionelle IchhättedieSchuhewegräumensollen-Veitstanz, dicht gefolgt von der AchhieristderGummiball-Tarantella im Wohnzimmer.

      Vor der Küchentür hält der Blopp an.
      Brrrpmwah Aggah Iiip.
      Ich könnte schwören, er grinst mich an, aber ohne Brille kann das natürlich auch eine optische Täuschung sein.

      Und sie haben es wieder mal geschafft.
      Ich gebe auf.
      Bücke mich, wische die Brille am Nachthemd ab.
      Brille auf die Nase, Trofusack auf, Fütterung der Raubtiere, gefräßige Stille.

      Merke: There is no snooze button on a cat who wants breakfast.

      Ein fröhliches Brrrpmwah Aggah Iiip auch Euch,
      Christine

      NOW = ohne Frida, aber mit 2 Katern mehr
      Neue Belegschaft, gleiches Bild.
      Es fängt an mit dem Trill.
      Brrrpmwah.

      Inigo trillt die Kohorten zusammen. Brrrrrk. Aggah Iiip.
      Das folgende Dengeldengel sagt mir, dass Inigo auf dem Nachtskastl sitzt und mit der Lampe schmust, deren massiver Metallfuss dann dieses entzückende Geräusch macht. Einen Glasschirm hat sie schon lange nicht mehr, Inigo hat leider die Tendenz, Dinge zu Tode zu schmusen.

      Mit einem herzhaften, extrem mäkeligen „rrrrrroy“ springt mir Aslan ins Kreuz, tretelt gekonnt auf meinem kaputten Brustwirbel herum und legt sich dann hin, um alle 3 Sekunden wieder nach „rrrrroy“ zu rufen. Glaubt er, er sei Siegfried?

      Ich stelle mich tot. Manchmal bringt das ja was. Okay, eher selten.
      Quasi nie.

      Fffffffomppp.
      Der Lattenrost ächzt, the Louis has landed. Er quetscht seinen entzückenden kleinen, fluffigen Körper zwischen meine Schädeldecke und die Wand, mein Kopf wird nach unten gedrückt.
      Na ja, ich wollte ja einen Coonie, so einen zartknochigen, zierlichen, eleganten Gesellen.
      Dann geht das Geschnurre los.
      Louis klingt wie ein 14-Tonner mit mittelschwerem Getriebeschaden, mein Gehirrn vibriert – und nicht auf eine gute Art und Weise.

      Da fehlt doch noch einer.
      Ich öffne ein Auge einen winzigen Spalt und schiele nach Artie. Der hängt - wie meine ehemalige Hausmeisterin im Küchenfenster - über der Kante der Kratztonne und beobachtet das Geschehen.
      Er wartet also auf seinen Einsatz und ich kann förmlich sehen, wie er in seinem kleinen Erbsenhirn schon mal das maximale Nervmoment sucht, um mich zu quälen.

      Louis fällt derweilen ein, dass er mal schauen könnte, wie ich so rieche.
      Pffffmpf pffffmpffffff pfffmpff, es geht eine Nase auf Reisen.
      Über dem Wangenknochen scheint es lecker zu riechen, eine Zunge raspelt mir die oberste Schicht Epithelgewebe ab.
      Ich nuschele etwas wie „bäh, nein, lass das!“ und drehe mich abrupt auf die Seite.

      Plopp.
      Rrrrrroy!
      Definitiv extrem vorwurfsvoll.
      Ja, da war was.
      Aslan sitzt für ungefähr 5 Sekunden schmollend neben dem Bett, um dann wieder auf meinen Körper zu hüpfen. Hinterpfoten graben sich in meinen Hüftknochen.

      Louis robbt über das Kopfkissen, bis er wieder harten Kontakt mit meiner Schädeldecke hat.
      Mir fällt siedend heiß ein, warum die Seitenlage suboptimal ist.
      Zu spät.
      Ich habe die Pommelnase bis zum Anschlag im Ohr. Irgendwie schafft er es, trotzt des begrenzten Raumangebots im Innenohr noch die Schnauze zu öffnen und dann liebkost seine Zunge mein Trommelfell.
      Örks.

      Ich drehe mich ruckartig auf den Rücken.
      Plopp.
      Schmoll.
      Rrrrroy.
      Hinterpfoten massieren meine Leber. Die hat’s nötig.

      Trill.
      Brrrpmwah Aggah Iiip.
      Ich öffne die Augen.
      Der Hundsbua lehnt über mir und starrt.
      Das hat er von Frida gelernt, der alten Zicke, Gott hab sie seelig.

      Louis und Aslan geben sich Köpfchen, wie niedlich – mit anderen Worten, sie knallen ihre Sturschädel mit Anlauf aneinander. Es macht eine Art hohles Klopfgeräusch. Na ja, ich hatte ja immer vermutet, dass da nix drin ist.

      Pommelnase wird danach unter mein Kinn gepresst. Es schnurrt per Direktübertragung in meinem Kiefer, dass die Zähne wackeln.
      Zwischendurch werde ich sanft angesungen.
      Louis‘ Auuuuuu-Rrrrroaaaarrrr könnte Tote aufwecken, ich schwör’s.

      Lautes, sattes Plopp.
      Artie landet elfenfantengleich auf dem Parkett.
      Musste es eigentlich wirklich die große Kratztonne sein? 1,80 m Fallhöhe mal Artie geteilt durch Statik des Hauses…
      Angeblich hören die Leute unter mir ja nix. Ich hab gefragt. Ich glaube allerdings, sie sind nur höflich.
      Artie fängt an, mit schrillem Wiiiiiiiiih auf und ab zu rennen. Dazwischen gibt er der Schranktür Köpfchen, dass es nur so dröhnt.
      Nö, klar, macht man so, als norwegischer Volldepp.

      Trill.
      Ich glaube ja, Inigo gibt den anderen Anweisungen. Wenn ich die hohe Kunst des Trillens doch nur entschlüsseln könnte, dann könnte ich wenigstens versuchen, der nächsten Nervattacke zu entgehen.
      Nicht, dass es viel nützen würde, denn die sind ja so was von hartnäckig. SO WAS VON!

      Dieses Trill jedenfalls war offensichtlich an Aslan gerichtet. Aslan fährt genüsslich vorne rechts die Krallen aus und zieht ganz langsam die Pfote zusammen, so dass sich alle Krallen in Zeitlupe in meinen Busen senken. Fühlt sich an, als ob er nach dem Brustbein graben will.
      Ich brülle und sitze senkrecht.

      Mit einem widerwärtig fröhlichen Trill hüpft Inigo vom Nachtskastl zu mir ins Bett und schmiegt sich an mich.
      Er lächelt mich an und sagt Brrrpmwah Aggah Iiip.
      Nein, tatsächlich. Inigo kann lächeln. Und dieses Getrille verstehe ich diesmal laut und deutlich. „Geht doch, warum brauchste immer so lange?“

      Artie rennt schon mal zur Schlafzimmertür. Seine klare Priorität ist das Frühstück. Nö, klar, er ist ja auch völlig unterernährt. In der Tür dreht er sich um und wimmert mir ein herzzerreißendes Wiiiih entgegen. Offensichtlich steht er kurz vor dem Hungertod.

      Louis haut seinen Klotzkopf in meine Nierchen, Aslan sitzt auf der Bettkante und rrrrroyt noch ein wenig herum.

      Es hat keinen Sinn mehr.

      Ich nehme die Brille aus der Nachtskastl-Schublade (einmal, nur einmal möchte ich eine Brille ohne Kauspuren auf den Bügeln haben, okay, Inigo?) und gebe auf. Wieder mal. Warum probier ich’s eigentlich immer wieder, es hat ja doch keinen Sinn.
      Ich schwinge die Beine über die Bettkante. Jetzt ist Polen offen. Vier mal vier haarige Pfoten bewegen sich schnellstmöglich in Richtung Fressnäpfe, mit Trill, Rrrroy, Wiiiiih und Auuuu-Roooooar.
      Der Radiowecker ätzt mir in Rot die Zahlen 05:08 ins die Netzhaut.
      Nö, klar. Ich liebe meine Katzen.
      Manchmal mehr, manchmal weniger.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von PurpleNurple ()

    • Ich find das sooo genial, echt, ich hab soviel gelacht. *lol1*
      Du schreibst sowas echt spitze, ich konnte es mir genauestens vorstellen! Katzen sind schon interessante Zeitgenossen! LOL
      Aber im Endeffekt kann man ihnen nie böse sein, ist bei mir jedenfalls immer so!
      Wir haben ja nur eine Katze und die teilt sich ihr Essen irgendwie über Nacht sinnvoll ein. Ich hab auch die Schlafzimmertür immer zu, die meine Katze nicht alleine öffnet, aus Höflichkeit. Sie kann das nämlich eigentlich. Aber sie lässt mich schlafen... die Gute. *streichel*
      Du tust mir eigentlich echt Leid! Klingt superanstrengend, aber im Endeffekt ist es das auch irgendwie wert, bei so lieber und schmusiger Gesellschaft, oder? :D
    • Ich kannte das zwar schon, ich glaube ich habe es jetzt zum dritten oder vierten Mal gelesen, aber es ist immer wieder gut und witzig. Und als ehemalige Besitzering von zwei Katern kann ich mir das ja so bildlich vorstellen!

      Dein Schreibstil gefällt mir ausserordenentlich. Genau auf den Punkt und sehr, sehr spannend.

      Stellst Du Deine anderen älteren Sachen auch noch ein? :love: :love: :love:
      [IMG:http://i201.photobucket.com/albums/aa13/metalamazon/samdean-1.jpg]
      "Jerk!" - "Bitch!"
      Ava and Sig thanks to sp-studio.de
    • *lol1* Das ist genial, hab ich total übersehen. Du hast eine richtig schöne Schreibe Nörpel, ich hab beim Lesen laut gelacht. *lach1*
      Das erinnert mich an Duffy, die Katze meiner Schwester. Die hat auf diese Art immer meinen Vater geweckt, wenn sie bei unseren Eltern in Pflege war. Zuhause bei meiner Schwester hätte sie das nie gewagt, aber den Papa hatte Duffy voll im Griff. Punkt 6 Uhr wollte sie ihr Frühstück, und wehe er ist nicht gleich aufgestanden...dann ging das so ähnlich wie bei dir. [IMG:http://www.smilies.4-user.de/include/Tiere/smilie_tier_139.gif]
      *tea*
    • Kompliment für deinen Schreibstil...ich hab lange nicht mehr so beim lesen gelacht *lol1*

      ich habe selbst 2 Katzen und grad mein zarter Kater(7kg) fordert jeden Früh auf nervtötende Weise sein

      Frühstück ein....

      würde echt gern nochmehr davon lesen....einfach herrlich *thumps*