Supernatural - Hope - *Spoiler Staffel 5* - completed

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    • *wah* Dieser Kampf fordert meine letzten (Nerven) Kräfte. Ich meine immer, ich müsste aufstehen und eingreifen.
      Castiel... Unglaublich groß vom ihm, wie er versucht, Anor aufzuhalten, obwohl er genau weiß, dass das über seine Kräfte geht. Ich denke/glaube/hoffe nicht, dass er jetzt tot ist!? *:(*
      Und Dean, schwer verletzt, vielleicht sogar gelähmt? Fast möchte man mit dem Knüppel dazwischen gehen und dieses ganze Dämonenpack zum Teufel jagen.

      Aber in dem ganzen Chaos ist da eine kleine, mutige Frau, die mit einem Ast einen Dämon ausschaltet, und das macht Mut! Louisa Donwell wächst über sich hinaus, gestärkt durch ihren Glauben nimmt sie den Kampf auf, obwohl sie doch eigentlich keine Chance hat.

      Das ist so eine starke Szene, ich hatte beim Lesen Tränen in den Augen. *cry*

      Wie heißt es doch so schön? Die Oper ist erst zu Ende, wenn die fette Frau gesungen hat! Ich denke, du hast noch einen Joker in der Hinterhand. Da ist doch noch Hoffnung... *thumps*
      *tea*


    • Also Louisa ist mal echt ein Highlight. Wirklich eine tolle Überraschung und wenigstens ein positiver Lichtschimmer, in einem sonst sehr düsteren Kapitel.

      Sehr gut gefällt mir hier wieder die Wortlose Verständigung zwischen den Brüdern. Doch jetzt habe ich grosse Angst um Cas und Dean. *angst* Und überhaupt sieht alles so gar nicht gut aus.

      Ich schließe mich Melinda an. Da muss doch noch irgendwo Hoffnung sein??? *:D*

      Bin schon aufs nächste Kapitel gespannt. *thumps*

      ~ ~ Avatar & Sig by Jimmy :love:
    • Soooo, es ist Montag und das nächste Kapitel wartet bereits auf euch.
      Vielen lieben Dank für die tollen Kommentare *umarm*
      Ich hoffe, ihr versteht, dass ich nicht näher auf die einzelnen Spekulationen eingehe, aber da würde ich einfach zu viel verraten.
      Auf jeden Fall freue ich mich, dass Louisa einen so großen Anklang gefunden hat. *:D*
      Sie ist aber auch eine ausgesprochen dynamische alte Danke *lach*

      Und nun dürft ihr erleben, wie jemand gewaltig auf den Tisch haut ...


      +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

      Kapitel 43: When all is lost


      25. Oktober 2010 - Eden, Georgia

      Sam stöhnte, als er sich vom Boden erhob und merkte, dass ein heftiger Schmerz durch seine Schulter schoss, mit der er gegen den Baum geprallt war. Er fühlte sich einen Moment benommen, dann jedoch sah er Dean, der ein Stück weiter auf dem Boden lag. Am Gesicht seines Bruders konnte er erkennen, dass dieser Schmerzen leiden musste. Doch da war noch etwas anderes in seinem Gesicht, Panik und namenlose Furcht.
      Sam spürte, wie eine eisige Hand nach seinen Eingeweiden griff. Irgendetwas war mit Dean nicht in Ordnung und es musste, nach dem Ausdruck in dessen Augen zu urteilen, etwas Entsetzliches sein.

      Der Schmerz in seiner Schulter war vergessen und wurde von Sorge verdrängt, als er zu Dean lief.
      Er beugte sich zu seinem Bruder hinunter und bemerkte Blut, das unter ihm hervorlief und eine kleine Pfütze neben ihm bildete.
      „Was ist passiert?“ Schwindel erfasste Sam, doch er riss sich zusammen, um seinen Bruder nicht merken zu lassen, dass auch er verletzt war.
      „Schon okay“, murmelte Dean ein wenig erstickt. „Ich bin nur etwas benommen. Bin auf irgendwas gefallen und das steckt jetzt in meinem Rücken.“ Er knurrte unwillig, als er sich vorsichtig bewegte.
      Langsam setzte er sich auf, verzog das Gesicht vor Schmerz, aber gleichzeitig hätte er jubeln können, denn die Schmerzen zogen sich durch seine Beine. Es fühlte sich an, als ob ihm beide Beine eingeschlafen wären und nun das Leben in sie zurückkehrt.
      Sam richtete sich auf und streckte ihm die Hand entgegen.
      „Du hast mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt, Alter.“
      Dean grinste schief, ergriff die Hand seines Bruders und zog sich hoch.
      Ein leiser Schrei entfuhr seinen Lippen, als sich sein Körper vom Boden löste und der Schmerz drohte ihn einen Moment lang wieder in die Knie zu zwingen.
      Dann atmete Dean ein paar Mal tief durch und der Schmerz ließ nach.
      Sam stützte ihn einen Augenblick, dann konnte er wieder aus eigener Kraft stehen und nun sahen sie auch, was es war, das Dean verletzt hatte.
      In einem dicken Ast, der am Boden lag, steckte ein bösartig aussehender, gezackter Wurfstern, dessen nach oben stehenden Zacken blutverschmiert waren. Deans Blut, das eine Lache rund um den Platz bildete, an dem er gelegen hatte.
      „Meine Fresse“, jappste Sam. „Das ist ja ein fieses Teil, das du dir da eingefangen hast.“
      Dean starrte auf die Waffe, an deren Spitzen glänzende Blutstropfen hingen. Einen Moment lang dachte er, was für ein verdammtes Glück es gewesen war, dass die messerscharfen Spitzen nicht in sein Rückenmark eingedrungen waren, sondern offensichtlich nur den Muskel seitlich der Wirbelsäule verletzt hatten, dann verdrängte er den Gedanken ganz schnell. Er wollte lieber gar nicht wissen, was es gewesen war, dass ihn für einen entsetzlichen Moment paralysiert hatte. Vielleicht war es der Schock des Aufpralls gewesen, vielleicht auch ein Nerv, der zeitweilig eingeklemmt war.
      Er wusste es nicht, aber wenn er ganz ehrlich war, war es ihm auch egal.
      Das Kribbeln und Ziehen in den Beinen war schmerzhaft und unangenehm, aber er war mehr als glücklich, es zu fühlen.

      Gemeinsam mit Sam sah Dean sich um und entdeckte Kendra, die, nachdem sie augenscheinlich versucht hatte, die Kräfte der Natur gegen die Dämonen zu mobilisieren, nun ihre Anstrengungen unterbrochen hatte.
      Dean fragte sich, warum, denn er fand es schon ziemlich beeindruckend, was sie erreicht hatte. Die Luftwirbel, die sie geschützt, die Äste und Wurzeln der Bäume, die die Dämonen bekämpft hatten und dazu das Beben des Bodens, das mehr als ein paar ihrer Gegner durchgeschüttelt und aus dem Gleichgewicht gebracht hatte.
      All das war imposant und effizient gewesen und es war ihm unverständlich, warum sie nun aufhörte und sich in Bewegung setzte.
      Dann sah er Castiel und ihm stockte der Atem beim Anblick des blutenden Engels, der am Boden kniete.
      Was immer Anor ihm angetan hatte, es hatte eine unübersehbare Wirkung auf Castiel, der sich kaum noch aufrecht halten konnte.
      Dean wollte losstürzen und seinem Freund zu Hilfe eilen, doch in dem Moment hielt Sam ihn am Arm fest. Sein Blick war auf das gerichtet, was Kendra nun tat.


      oooOOOooo


      Mit einem Schlag wusste Kendra, was ihr Problem war, an welcher Stelle ihres Selbst sie zerbrochen und unvollständig war. Es war ihr unmöglich, wirklich mächtige Magie zu wirken und die Ursache dafür lag tief in ihr selbst. Die Antwort lag plötzlich mit kristallklarer Präzision vor ihr, dass es ihr einen Moment lang den Atem verschlug.
      Sie horchte in sich hinein, noch immer überwältigt von der Schlichtheit des Problems, und fand den zerborstenen Teil ihrer Seele.
      Mühsam kämpfte sie sich auf die Füße, schluckte die Übelkeit hinunter, die der plötzliche Schmerz bei ihr auslöste, und ging wankend ein paar Schritte.
      Sie versuchte sich in dem Chaos, das auf dem Schlachtfeld herrschte, zu orientieren und stellte entsetzt fest, dass die Jäger auf verlorenem Posten kämpften.

      Anor hatte sich von der Stelle fortbewegt, an der er sein stummer Kampf mit Castiel stattgefunden hatte, und stand nun auf einer kleinen Anhöhe, die Arme erhoben, fast animalisch anmutende Schreie ausstoßend, die seine Dämonen zu ihm riefen. Er blutete aus Wunden in seinen Flanken, doch das schien ihn nicht im Mindesten zu beeindrucken.
      Noch waren die Dämonen nicht bei ihm angekommen, viele von ihnen noch in Kämpfe verstrickt, aber dennoch war erkennbar, dass sie versuchten, dem Ruf zu folgen.

      Kendra ließ ihre Blicke suchend über das Durcheinander schweifen und dann sah sie ihn.
      Castiel war an der Stelle, an der Anor ihn losgelassen hatte, auf die Knie gesunken, Blut lief ihm aus Augen, Nase, Ohren und Mund. Sein Blick war eine Mischung aus Schmerz und Verzweiflung, denn all seine Qual schien völlig umsonst gewesen zu sein. Es war ihm nicht gelungen, Anor aufzuhalten, noch hatte er auch nur eine Schwächung von dessen Macht bewirken können. Diese Enttäuschung war ihm deutlich anzusehen und neben dem Schmerz, den Anor ausgelöst hatte, quälte ihn dieses Versagen.
      Sie riss sich von dem Anblick des besiegten Engels los und richtete sich gerade auf.
      Wie von Zauberhand waren Schmerz und Niedergeschlagenheit von ihren Zügen gewischt und die Sicherheit einer klaren Lösung erhellte ihre Augen.
      Langsam, fast gemessen, als wäre sie völlig unbeeindruckt von dem Durcheinander um sie herum, ging sie auf Castiel zu.
      Vor ihm blieb sie stehen, beugte sich zu ihm herunter, legte ihm die Hände auf die Schultern und sah ihm in die blutigen Augen. Dann schloss sie ihre Augen für einen Moment und horchte tief in sich hinein.
      Als sie die Augen wieder öffnete, war ein tiefer Frieden in ihrem Blick. Sie beugte sich herab, küsste Castiel auf die Stirn und sagte leise: „Ich vergebe dir, Castiel.“
      Die Augen des Engels weiteten sich, als er die Tragweite ihrer Worte begriff.


      oooOOOooo


      Obwohl Dean klar war, dass Kendra nicht sehr laut gesprochen hatte, konnte er ihre Worte dennoch hören, fast so, als würden sie direkt in seinem Kopf ertönen. Er sah zu Sam und der Ausdruck in dessen Augen zeigte ihm, dass auch Sam sie gehört hatte.
      Es war ein irritierendes Gefühl, aber gleichzeitig erschien es Dean merkwürdig normal.
      Er sah zu der Hexe, während sie langsam von Castiel weg trat und sich den Dämonen zuwandte.

      Kendra wirkte plötzlich größer, mächtiger, als zuvor und ihr Gesicht strahlte vollkommene Ruhe aus.
      Sie hob die Arme und was dann geschah, war ein Inferno, dessen Macht Dean tief in seinem Inneren erschütterte.
      Sie stand dort, wie eine Statue, die Arme in den Himmel gereckt und schrie Worte in den tosenden Sturm.

      Der See, der gerade noch friedlich da gelegen hatte, erhob sich und wilde Wasserwirbel rissen die Dämonen mit, die das Pech hatten, nahe dem Wasser zu stehen. Die Erde erbebte, als wolle sie sich gegen ihre finsteren Bewohner erheben, Dreck und Sand erhoben sich in mächtigen Wirbeln und einem Tornado gleich fegten sie Dämonen fort. Bäume bewegten sich und die Äste der alten Weiden schlugen nach den Dämonen, als besäßen sie einen eigenen Willen. Und vielleicht war das sogar so, dachte Dean, als er fasziniert auf das Schauspiel blickte. Das Schrecklichste und zugleich Beeindruckendste aber war die Feuerwand, die aus dem winzigen Flämmchen entstanden war, das Kendra aus ihren Händen auf den Boden gesetzt hatte.
      Die Feuerwand bewegte sich auf den See zu, verbrannte Dämonen, die in ihrem Weg standen, und trieb die, die geistesgegenwärtig genug gewesen waren, loszulaufen, vor sich her.

      Gleichzeitig schoben sich die Wassermassen des Sees auf das Ufer zu, traten darüber hinweg und alle Gesetze der Physik ignorierend bewegte sich das Wasser auf die Feuerwand zu.
      Zwischen ihnen eingeklemmt vergingen die Dämonen mit lautem Geschrei und Gezeter, einige ertranken in der Flut, die weniger glücklichen verbrannten bei lebendigem Leib.

      Das Chaos war unbeschreiblich, doch Dean hatte das Gefühl, die Elemente wussten sehr genau, was sie taten und ihre Choreografie war nur einfach zu fremdartig, als dass Menschen sie verstehen konnten.
      Er bemerkte Bobby, der mit einer blonden Jägerin mit Armbrust und einer alten Frau – Dean widerstand dem Drang, sich die Augen zu reiben, denn es war tatsächlich diese alte Frau, die zu den Zeugen gehört hatte und nun ein blutiges Messer fest umklammert hielt, die Lippen entschlossen zusammengekniffen – fasziniert auf das Spektakel schaute.
      Er wollte aufschreien und sie warnen, als er sah, wie ein abgespaltener Teil der Feuerwand einer Lanze gleich mit der Geschwindigkeit eines Buschfeuers auf die kleine Gruppe zu raste.
      Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, zu erkennen, warum das Feuer sie scheinbar angriff. Hinter ihnen rappelte sich eine Gruppe von sechs Dämonen auf, die beim Beben der Erde durcheinandergewirbelt worden waren und die nun die Gelegenheit sahen, ein paar Jäger zu vernichten, bevor sie selbst den Elementen zum Opfer fielen.
      Sam schien die gleiche Szene zu beobachten, denn er wollte gleichzeitig mit Dean losrennen, um Bobby zu helfen, aber er sah, dass sie keine Chance haben würden. Erreichten die Dämonen die kleine Gruppe zuerst, würde der Kampf sie zu lange aufhalten, um sich noch rechtzeitig vor dem Feuer in Sicherheit zu bringen. Und die Chancen standen auch nicht gerade gut, derartig angeschlagen den Kampf mit den Dämonen zu bestehen. Andererseits, erreichte sie die Feuerwand zuerst, würden sie verbrennen, ohne Wenn und Aber.
      Dann sah Dean, wie ein Baum sich beugte, seine langen, biegsamen Äste auszustrecken schien wie Arme, die drei Personen packte und aus dem Weg zog. Mit einer Leichtigkeit und Kraft, die sich vollständig ihrem Verständnis entzog, bugsierte der Baum Bobby und seine zwei Begleiterinnen aus der Gefahrenzone und setzte sie sanft ein paar Meter weiter ab.
      Erleichtert wandte Dean sich ab und versuchte, Anor auszumachen, um zu sehen, was er gerade tat.
      Das Inferno der Natur war gut, um die Dämonenarmee auszuschalten, aber das eigentliche Ziel war immer noch Anor und sie mussten einen Weg finden, ihn zu vernichten.


      -tbc

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      "Happiness isn't about getting what we want. It's about appreciating what we have."
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lythanda ()

    • Mit der Wendung hätte ich nicht gerechnet. Ehrlich gesagt, hatte ich Kendra abgeschrieben. Dass sie jetzt noch Mal zum großen Schlag ausholen kann, hätte ich nicht vermutet. Auch wenn noch nichts in Sicht ist, wie Anor besieg werden kann, lassen die neusten Entwicklungen hoffen.

      Hingegen hatte ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass es einen Moment zwischen ihr und Castiel gibt und zwar ein klärendes Gespräch oder irgendwas in der Art. Somit lag ich diesbezüglich nicht wirklich falsch.

      Signatur von angel - vielen Dank!!!
    • „Ich vergebe dir, Castiel.“


      Endlich!!! (ich hatte schon wieder Tränen in den Augen)

      Ich habe Kendra nicht abgeschrieben, hätte ich auch nie. Und ich wäre auch wahnsinnig enttäuscht gewesen, wenn Kendra zu so einem hilflosen Bündel mutiert wäre. Sie IST mächtig, sehr mächtig sogar, und endlich kann sie es allen zeigen!

      Frei nach dem Motto: Dämonen fliegen heute tief, hat sie kräftig aufgeräumt. Jetzt ist Anor am Zug,irgendwie muss er darauf reagieren. Ich befürchte Schlimmes, seine Rache wird fürchterlich werden. *angst*

      Und ganz nebenbei bin ich natürlich froh und dankbar, dass Dean keinen Dauerschaden davontragen wird. *thumps*
      *tea*


    • Wow, das war ja mal eine Wendung. Vergebung war der Schlüssel, damit Kendra ihre volle Kraft erlangt. Eine tolle Idee und sehr rührend, als sie zu Castiel geht. *thumps*

      Packend war auch der Moment am Anfang, wo Sam noch die Panik in Deans Augen sieht und dieser dann überglücklich ist, dass ihm die Beine schmerzen. *cry* Da war ich ehrlich auch froh. ^^

      Wahnsinn wie jetzt die Elemente eingreifen und sogar die Jäger retten. Das war packend geschrieben und natürlich bin ich nun gespannt, was Anor nun unternehmen wird und wie die Jäger ihn besiegen wollen, nachdem das Ritual nun fehlgeschlagen ist. *:|*

      Hat wieder Spaß gemacht zu lesen. ^^ *thumps*

      ~ ~ Avatar & Sig by Jimmy :love:
    • Hui, das freut mich aber wirklich, dass ich euch mit der Wendung überraschen konnte. *freu*
      Die Spuren dafür hatte ich ja gelegt ...
      Kendra hat Sam erzählt, dass es gegen die Natur ihrer Art und gegen alles, was sie glauben geht, zu verfluchen und zu hassen.
      Und zu Castiel hatte sie gesagt (nachdem sie gehört hat, wie sehr er sich geändert hat), dass sie ihn von nun an neu beurteilen will, ihm die Vergangenheit aber niemals vergeben kann.

      So, aber nun gehts noch mal zur Sache, immerhin gibt es da noch ein kleines, ungelöstes Problem ... *:D*

      +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


      Kapitel 44: Come fly with me


      25. Oktober 2010 - Eden, Georgia


      Langsam, Stück für Stück lichteten sich die Reihen der Dämonen, die von den unerbittlichen Gewalten der Natur vernichtet wurden.
      Dean versuchte in dem Durcheinander etwas Genaueres zu erkennen, aber das aufgewirbelte Erdreich, die nebelartigen Tröpfchen des Wassers, die die Luft erfüllten, der Rauch des Feuers, all das trübte die Sicht und machte es fast unmöglich, etwas zu erkennen.
      Nur langsam senkte sich das neblige Gemisch, und als auch der Staub sich allmählich legte, konnte Dean teilweise erkennen, was das Schlachtfeld für einen Anblick bot.
      Eigentlich war kaum noch zu auszumachen, was für eine brutale Schlacht hier getobt hatte, denn von den Dämonen war nichts mehr zu sehen, außer einigen schwelenden Aschehäufchen und ein paar Fetzen Kleidung, die aber nicht mehr irgendwelchen Personen zuzuordnen waren.
      Lediglich ein beigefarbener Ärmel, auf dem das Abzeichen des Effington County Sheriffbüros prangte, war ein eindeutiger Beweis, dass der Sheriff ein unrühmliches Ende gefunden hatte.
      Oder vielmehr der Dämon, der den Körper des Sheriffs in Besitz genommen hatte, aber das lief für Sheriff Waters wohl aufs Gleiche hinaus, dachte Dean seltsam distanziert.
      Er versuchte zu erkennen, wer von den Jägern noch lebte und nach kurzem Suchen entdeckte er Bobby, der mit der armbrustbewehrten Jägerin und der alten Frau, die eine der Zeugen gewesen war, abseits stand und wie betäubt auf die Überreste der Schlacht starrte.
      Er selbst fühlte sich ebenfalls ein bisschen betäubt und ein schneller Seitenblick zu Dean zeigte ihm, dass es seinem Bruder nicht anders ging.
      Irgendwie schien gleichzeitig die Zeit stillzustehen und sich mit rasender Geschwindigkeit zu bewegen, in dem Moment, als Kendra das Inferno der Naturgewalten entfesselt hatte, und nun war da eine Leere entstanden, die Dean fast körperlich zu spüren vermeinte.

      Es lag eine seltsame Ruhe über diesem Ort, doch Dean spürte sie kaum, während er weiter versuchte, zu erkennen, wer überlebt hatte.
      Hektisch suchte er nach Kendra oder Castiel, doch es war noch immer nicht möglich, viel in dem allgemeinen Durcheinander zu erkennen. Lediglich Anor stand wie eine Säule dort, wo er gestanden hatte, als das Inferno der Natur losgebrochen war und starrte auf die Überreste seiner Armee. Es war seinem Gesicht keine Regung anzusehen, aber dennoch glaubte Dean zu spüren, dass er wütend war.
      Dann jedoch wurde seine Aufmerksamkeit von einer Bewegung abgelenkt. Am Rand der Wiese war eine Gestalt aufgetaucht, die nun auf Anor zu lief. Ihre weißblonden Haare flatterten in dem noch immer leichten Wind, während sie lief, hüpfte und Pirouetten drehte.
      Dean stöhnte. "Das hat uns gerade noch gefehlt", raunte er Sam zu. "Neben dem unbesiegbaren Anor nun auch noch die durchgeknallte Schlampe."
      Sam schüttelte resigniert den Kopf. "Vielleicht sollten wir sehen, dass wir mit dem Leben davon kommen, bevor ..."
      Dean unterbrach ihn. "Wir können nicht ..."
      Doch Sam sprach ungerührt weiter. "Überleben, damit wir an einem anderen Tag weiter kämpfen können."
      Dean fühlte sich unbehaglich. Rückzug als Taktik war nicht seine Welt, aber er wusste nur zu gut, dass Sam der Vernünftigere von ihnen beiden war und meistens recht hatte, wenn es um taktische Dinge ging. Er selbst war mehr der Typ für einen frontalen Angriff und sich geschlagen davon schleichen widerstrebte jeder Faser seines Seins.
      Tot zu sein und damit die Welt der Gnade oder vielmehr Ungnade Anors zu überlassen widersprach allerdings noch mehr jeder Faser seines Seins und so erwiderte er nichts.
      Tief in seinem Inneren krümmte er sich zusammen bei der Vorstellung, jetzt aufzugeben und er wollte schreien, auf Anor und Hope losgehen, irgendetwas tun, um diese unfassbare Frustration loszuwerden.
      Äußerlich jedoch kam das, was immer kam, wenn Dean Winchester aufgewühlt oder verzweifelt war. Er setzte seine gleichmütige Miene auf und blickte starr geradeaus.

      Hopes Stimme hallte schrill über die Wiese, während sie sich Anor näherte.
      "Ist es soweit? Teilen wir uns jetzt die Welt?" Sie lachte und der Irrsinn schien aus ihrer Stimme zu tropfen.
      Sie erreichte Anor und umarmte ihn stürmisch. "Bruder!"
      Dann wirbelte sie ihn im Kreis herum, lachte und rief: "Tanz mit mir, wir sind die Könige der Welt!"
      Anor starrte sie einen Moment lang ungläubig an, dann lächelte er gönnerhaft.
      "Du willst ein Stück vom Kuchen, kleine Schwester?"
      "Wir sind ein Blut, Anor. Vergiss das nie", sagte Hope, während sie plötzlich den Kopf drehte und Sam ansah.
      Dann löste sie ihre Umarmung und starrte auf ihre Hände, die blutverschmiert von den Wunden in Anors Flanken waren.

      Sam runzelte die Stirn, dann sah er Dean fragend an, doch dieser blickte weiter starr geradeaus. Irgendetwas ging hier vor, das war Sam klar, aber er konnte nicht entschlüsseln, was es war. Die wahnsinnige Hybride lachte nun kreischend, während sie ihre blutigen Finger betrachtete.
      Dann hob sie eine Hand in ihr Gesicht und begann, das Blut ihres Bruders von den Fingern zu lecken. Sie kicherte, während sie genüsslich mit der Zunge über ihre Fingerspitzen strich.
      Langsam hob sie die andere, noch immer blutige, Hand an Anors Gesicht und zeichnete mit langsamen, sorgsamen Bewegungen Symbole auf seine Stirn und Wangen.
      Als sie fertig war, strich sie mit der anderen Hand fast spielerisch über seine Flanke und benetzt die Hand, die sie zuvor abgeleckt hatte, erneut mit Blut.
      Sie hielt die Hand einen Moment lang vor ihr Gesicht, als könne sie sich nicht entscheiden, ob sie lieber wieder naschen wollte, dann lächelte sie und malte die gleichen Symbole auf ihre eigene Stirn und Wangen.
      Sie lachte triumphierend, als sie ausrief: "Nun bist du der König! Und ich bin die Königin!"
      Anor lächelte, noch immer leicht verwirrt über ihr Tun, aber gleichzeitig wirkte er milde amüsiert.
      Sam fragte sich einen Lidschlag lang, was er mit ihr tun würde, wenn sie aufhörte, ihn zu amüsieren und der Gedanke, den Augenblick der Ablenkung zur Flucht zu nutzen, schoss in sein Gehirn. War es das, was Hope wollte? Ihnen die Möglichkeit zur Flucht geben, während die Anor beschäftigte?
      Aber sie wirkte nicht so, als wäre all das nur eine Ablenkung, sie schien wirklich fest davon überzeugt zu sein, dass sie gerade Anor und sich selbst zu König und Königin krönte.

      Plötzlich änderte sich Hopes Gesichtsausdruck, sie runzelte die Stirn, als versuche sie sich, an irgendetwas zu erinnern. Sam bemerkte die Veränderung und packte Dean am Arm.
      Dean dreht sich zu seinem Bruder um und sah ihn fragend an.
      "Pass auf", murmelte Sam fast unhörbar, dann beobachteten sie, wie Hope Anor packte und im Kreis herum wirbelte.
      "Tanz mit mir, Bruder!", rief sie und in ihren Augen flackerte der ungebrochene Wahnsinn, den die Brüder bereits auf Bobbys Schrottplatz gesehen hatten.
      Anor versuchte sich von ihr zu lösen, anscheinend wurde ihm dieses Spiel nun zu viel, doch er hatte Hopes Kraft unterschätzt und ihre Hände hielten seine Oberarme wie in Schraubstöcken fest, während sie sich immer schneller im Kreis drehten.
      Diese perverse Karikatur eines Tanzes schien eine kleine Ewigkeit zu dauern, dann jedoch blieben die beiden Hybriden wieder stehen.
      Hope löste ihre Hände von Anors Armen und legte ihm die Fingerspitzen an das Gesicht.
      Sie drehte den Kopf zu Sam und Dean und ihr Gesichtsausdruck wandelte sich zu unendlicher Traurigkeit. Sie nickte fast unmerklich und ihre Lippen formten das Wort 'Jetzt'.

      Die Brüder brauchten nicht mehr, ohne zu zögern rannten sie los, die beiden Klingen fest in der Hand. Als sie Anor und Hope erreichten, konnte Dean in Anors Gesicht sehen, dass er begriff, was Hope tat. Namenlose Wut spiegelte sich in seinen Augen, er riss den Mund auf und brüllte: "NEIN!", doch es war zu spät.
      Ein weiteres Mal drangen die beiden Klingen in seinen Körper ein und diesmal war der Erfolg sichtbar.
      Anor gab ein undefinierbares Geräusch von sich, dann sackte er in sich zusammen.
      Hope hielt seinen Körper noch einen Lidschlag lang am Kopf fest, dann löste sie ihre Hände von seinem Gesicht und mit einem dumpfen Geräusch fiel er zu Boden.

      Hopes Gesicht schien plötzlich aus Wachs zu sein, so schnell wechselte es den Ausdruck. Es war, als würden zu viele verschiedene Persönlichkeiten um die Oberhand streiten und Dean fühlte sich plötzlich an alte Filme erinnert, in denen wechselnde Gesichter durch Überblendungen simuliert wurden, weil die CGI-Morphingtechnik noch nicht erfunden war.
      Hilflos blickte er zu Sam, doch dessen Gesicht war ebenso ratlos, wie er sich fühlte.
      Einen Moment lang blieb Hopes Gesicht ihr Eigenes und sie sah Sam an.
      "Wir sind von einem Blut", wisperte sie fast unhörbar und er begriff. Das Blut der Sphinx, eine einzige Probe, für die Erschaffung beider Hybriden verwendet, band sie untrennbar aneinander.
      "Es tut mir so leid, dass es keinen anderen Weg gibt", flüsterte Sam, doch Hope reagierte nicht.
      Er wusste, sie durften keine Sekunde mehr zögern, denn schon jetzt flackerte der Wahnsinn wieder in Hopes Augen, und wenn er die Oberhand gewann, würde sie nicht mehr stillhalten, sondern sie mit all ihren Kräften bekämpfen.
      Gemeinsam stießen die Brüder die Engelsklinge und das Dämonenmesser in den Körper der jungen Frau, die so tapfer gegen das, was in ihr tobte, angekämpft hatte und überantworteten sie der Ewigkeit.

      -tbc

      Next: Epilog: 28 Hours later
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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Lythanda ()

    • Wow! Damit hatte ich so nicht gerechnet. Ein richtig tolles Kapitel und eine wirklich gute Lösung! Toll, wie Du alle Charaktere aufgebaut hast und jedem seine Aufgabe gegeben hast. Die Geschichte ist total stimmig und vor allem so perfekt geschrieben, dass man alle Charaktere vor Augen hat beim lesen. Wirklich schön!
    • Oh Mann!!! Ich sitz im Büro und mir stehen die Tränen in den Augen beim Gedanken an Hopes Schicksal! *angst*

      Ich habe die letzten 3 Kapitel in einem Rutsch gelesen und ich muss sagen, einfach fantastisch geschrieben!
      Louisa ist der Hammer, Kendra beweist, dass Vergebung die ultimative Waffe ist, eine, deren die Dämonen nicht mächtig sind und der sie nichts entgegen zu setzen haben. Und Hope... ihr menschlicher Kern hat den Kampf gegen den übermenschlichen Wahnsinn gewonnen und damit die Kämpfer für das Gute gerettet!
      Einfach ganz große Klasse, Lyth! *yr*


      What the hell?! I mean, normal people, they see a monster, and they run. But not us, no, no, no, we -- we search out things that want to kill us. Yeah? Huh?
      Or eat us! You know who does that? Crazy people! We...are insane!
    • Das ist Hope oder besser gesagt, da war sie. Ich hatte schon auf sie gewartet. Dass es für sie keine Hoffnung gibt, habe ich bereits befürchtet.

      Wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht verstanden, warum Anor jetzt besiegt werden konnte.

      Nun bin ich gespannt, wie der Stand 28 Stunden später ist.

      Signatur von angel - vielen Dank!!!
    • Da kam sie also, die Hoffnung. *;)* Was für ein passender Name.

      Sehr gut gefiel mir hier die kleine Zwiesprache der Brüder am Anfang vom Kapitel. Das war wieder so richtig aus der Serie gegriffen, wie Sam als der Vernünftige darauf plädiert zu flüchten und später zu kämpfen, wenn sie eine Aussicht auf den Sieg haben. Und Dean kämpft mit sich selber, weil das eben eine Strategie ist, die ihm so gar nicht liegt. *:)*

      Puh, und dann kommt Hope. Was mir so richtig gut gefällt, dass du beim schreiben den Mut hast den Charakter auch sehr ausgefallen zu beschreiben. Die Schilderung wie sie das Blut von den Fingern leckt, wie sie Anor zum Tanz auffordert und die Symbole in ihrer beider Gesichter malt......Das ist eine sehr heftige Szene und genau deswegen packt sie einen so und reizt mit.

      Es hat mir sehr leid getan, dass es für Hope keine Hoffnung mehr gab. Doch geahnt hatte ich das schon länger. *seufz*

      Mit einem lachendem und einem weinendem Auge sehe ich nun dem Epilog entgegen. *thumps*

      ~ ~ Avatar & Sig by Jimmy :love:
    • Vielen lieben Dank für euer Feedback! *umarm*

      Tja, nun haben sie es also doch noch geschafft.
      Freut mich wirklich, dass euch die Auflösung so gut gefallen hat.

      Leonie schrieb:

      Wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht verstanden, warum Anor jetzt besiegt werden konnte.

      Das waren die Symbole, die Hope ihm (und sich selbst) auf das Gesicht gemalt hat, die haben sozusagen die "Unverwundbarkeit" aufgehoben. Das Konzept, beide Komponenten (Engel und Dämon) simultan anzugreifen war an sich gut, aber das ägyptische Ritual hatte bei der Erschaffung das Ganze Paket halt noch mit einem Schutz umgeben.
      Wichtig dabei war, dass es Anors eigenes Blut war.

      So, und nun erwartet euch noch der Epilog und dann ist diese Geschichte endgültig zuende. *:D*

      /hugs
      Lyth
      "Happiness isn't about getting what we want. It's about appreciating what we have."
      Spooks

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      "Some people live more in 20 years than other do in 80. It's not the time that matters, it's the person."
      The Doctor

      ~~~

      the madness within can be a gift ... the gift of inspiration
    • Epilog: 28 Hours later


      26. Oktober 2010 - Sioux Falls, South Dakota

      Es war still in Bobbys Haus, nachdem sie angeschlagen zurückgekehrt waren. Bei näherer Untersuchung hatten sich keine ihrer Blessuren als lebensbedrohlich erwiesen, aber die Summe aller Verletzungen hatte zu profunder Erschöpfung geführt.
      Dean hielt eine Flasche Bier in der verbundenen Hand und führte sie immer wieder an die Prellung oberhalb seines Ohres. Kendra hatte die Wunde an seinem Rücken versorgt und ihm einem Sud aus Kräutern gegen die Schmerzen gegeben.
      Er schloss die Augen und ließ die Ereignisse nach dem Tod der Hybriden noch einmal Revue passieren.

      Sie hatten Kendra reglos am Boden liegend gefunden, ihr einst braunes Haar war schneeweiß geworden.
      Sie hatte sich wieder aufgerappelt, aber Castiel war regungslos liegen geblieben und so hatten sie ihn zu Bobbys Haus gebracht. Sein Gesicht war blutverschmiert, noch immer liefen dünne Rinnsale aus Augen, Mund, Nase und Ohren. Aber auch seine Hände waren blutig, unter den Nägeln quoll träge Blut hervor. Sein Atem ging flach und keuchend und er reagierte nicht, als Dean, Sam oder Bobby ihn ansprachen.
      Kendra war zu ihm gelaufen, hatte sich neben ihn gekniet, die Hände flach an sein Gesicht gelegt und die Augen geschlossen. Nach einem Moment hatte sie entsetzt gekeucht und ihre Hände von seinem Gesicht gelöst. Ihre Züge waren schmerzverzerrt gewesen.
      „Er verbrennt von innen. Der lange, direkte Kontakt zu Anor hat ihn innerlich verbrannt und nun erlebt er eine Art Nachbrenneffekt“, hatte sie gesagt und die Trauer in ihrer Miene hatte Dean wie einen Schlag ins Gesicht getroffen.
      Dennoch hatte sie ihnen versichert, könne sie etwas für Castiel tun, nur hätte sie die benötigten Dinge dafür in Bobbys Haus.
      Die Jäger, die Bobby begleitet hatten, hatten seine Einladung dankend abgelehnt und wollten lieber direkt heimkehren, was Dean verstehen konnte. Besonders Helena musste um ihren Mann trauern, obgleich ihr nicht einmal ein Leichnam geblieben war, den sie beerdigen konnte. Das Feuer hatte keine Unterschiede zwischen toten Dämonen und toten Jägern gemacht, die Gewalten der Natur hatten nur die lebenden Kämpfer geschützt.
      Kendra hatte versucht, zu erklären, dass die Natur die Toten als einen Teil von sich selbst ansah, aber Helena hatte nur abgewinkt, Bobby kurz umarmt, ihre Armbrust geschultert, die nun das Einzige war, was ihr von Josh geblieben war und war davon gegangen.
      Nur Louisa Donwell hatte die Frau noch einmal aufhalten können, um sich zu verabschieden. Dean hatte nicht mitbekommen, was die beiden Frauen gesprochen hatten, aber am Ende hatte Helena sich zu der kleinen alten Frau hinabgebeugt und sie in die Arme geschlossen.
      Mrs Donwell hatte nur gelächelt, als Bobby sie nach dem Inhalt des Gespräches gefragt hatte und ihn mit einem „Seien Sie nicht so neugierig, junger Mann“ in seine Schranken gewiesen.
      Trotz der tragischen Geschehnisse hatte Bobby ein breites Grinsen nicht unterdrücken können.
      Doch auch Louisa Donwell hatte Bobbys Einladung höflich aber bestimmt abgelehnt. Sie wollte nach Hause zurückkehren und über alles nachdenken, was sie in den letzten Wochen erlebt hatte. Sie war überzeugt, all das habe eine besondere Bedeutung und sie war entschlossen, dieser auf den Grund zu gehen.
      Bobby hatte ihr alle seine Telefonnummern gegeben und sie hatte versprochen, sich zu melden, falls es im Umfeld der Kirche oder des Nachbarhauses noch einmal zu auffälligen Aktivitäten kam.
      Eigentlich waren sie alle sich ziemlich sicher, dass mit Anors Tod die ganze Geschichte beendet war, aber Vorsicht war ja bekanntermaßen die Mutter der Porzellankiste.

      Und nun waren sie also wieder hier bei Bobby, die gleichen Personen, die auch schon hier aufgebrochen waren. Das war ein kleines Wunder, dachte Bobby bei sich, wie er es so oft gedacht hatte, wenn sie gegen jede Chance doch alle wieder mehr oder weniger unversehrt zurückgekehrt waren.
      Sam schlief oben, er war nach dem fast pausenlosen Einsatz seiner Kräfte völlig erschöpft gewesen und die letzten Aktionen waren wohl nur noch möglich gewesen, weil er mit Adrenalin vollgepumpt gewesen war.
      Kaum hatte er im Auto gesessen, war er eingeschlafen und daran hatte sich auch bis zu ihrer Ankunft in Sioux Falls nichts geändert. Hier war er kurz aufgewacht, in eines der Gästezimmer getaumelt und hatte sofort weitergeschlafen.

      Auch Castiel war wieder in einem der Gästezimmer untergebracht worden und Kendra kümmerte sich um ihn. Als sie erst einmal hier angekommen waren, war sie voller Zuversicht, ihm helfen zu können. Sie war in dem Raum verschwunden, der ihr schon vor ihrem Aufbruch nach Navenby als Zimmer und Labor gedient hatte, und war danach mit einem Arm voller Utensilien in Castiels Zimmer verschwunden.
      Eine Stunde später war sie herausgekommen und hatte sich die Blessuren der drei Männer vorgenommen. Sam hatte seine Behandlung komplett verschlafen, während Dean und Bobby sie tapfer schweigend über sich ergehen ließen.
      Das alles war nun einige Stunden her. Stunden, die Bobby damit verbracht hatte, Kontakte zu aktivieren, die eine einigermaßen glaubwürdige Coverstory für die Ereignisse in Eden abgaben. Irgendetwas mit einem lokalen Unwetter, elektrischen Leitungen, die zu einem Brand geführt hatten und ähnlichen, völlig an den Haaren herbeigezogenen Dingen.
      Dean war überzeugt, dass es reichen würde, zumindest bis Leute wie sie kamen, die Dinge hinterfragten und ihnen auf den Grund gingen.
      Alle anderen Menschen gaben sich mit wilden Geschichten zufrieden, solange sie ihre gewohnten Leben unbehelligt leben konnten.

      Dean sah auf, als Bobby seufzend ins Wohnzimmer kam. Er hatte eine Flasche Whisky in der Hand und holte sich ein Glas aus dem Schrank. Er musterte die Bierflasche, die Dean an seinen Kopf drückte und grinste. Dann holte er ein weiteres Glas aus dem Schrank und reichte es ihm.
      Schweigend setzte er sich dazu und goss beiden ein großzügiges Glas ein, als Kendra den Raum betrat.
      Dean fand es schwer, sich daran zu gewöhnen, dass ihre Haare nun schneeweiß waren, aber alles in allem war es ein geringer Preis für ihren Sieg.
      Sie lächelte, als Castiel hinter ihr eintrat.
      "So gut wie neu", sagte sie und führte den deutlich wackeligen Engel zu einem Sessel.
      Dean hob die Augenbrauen und stöhnte leise, als eine Platzwunde über dem rechten Auge die Bewegung mit einem stechenden Schmerz quittierte.
      Castiel war blass und hatte dunkle Ringe unter den Augen, aber sein Blick war wach, als er die Anwesenden musterte. Er wirkte, als fühlte er sich ziemlich unwohl in seiner Rolle als Patient, war er es doch immer gewohnt gewesen, die völlige Kontrolle über den Körper seines Gefäßes zu haben und dazu noch andere zu heilen. Unter diesem Aspekt betrachtet hielt er sich erstaunlich gut, fand Dean, besonders, als er sich daran erinnerte, wie wehleidig Castiel gewesen war, als einmal seine Engelskräfte vollständig verschwunden gewesen waren.
      "Was hast du gemacht, um ihn so schnell wieder auf die Beine zu bringen?", fragte er an Kendra gewandt.
      "Hexengeheimnis", erwiderte sie und zwinkerte Castiel zu, der sich nun sichtlich wand.
      Dann wurde sie wieder ernst. "Er ist noch weit davon entfernt, wieder ganz der Alte zu sein", sagte sie. "Aber er ist auf einem guten Weg und vielleicht hat der Himmel ja auch noch etwas zu seiner Genesung beizutragen."
      Kendra schnupperte. "Ah, Kaffee", sagte sie dann und wandte sich in Richtung Küche.
      Bobby grinste und musterte erst sein Glas und dann Deans.
      "Ich dachte mir, ich setze mal eine Kanne auf", murmelte er und wirkte ein wenig verlegen. "Nicht jeder teilt unseren Geschmack."
      Als Kendra mit einem Becher Kaffee und Sam im Schlepptau wieder auftauchte, musterte Dean seinen Bruder. Sam sah noch immer erschöpft aus, sein linkes Auge zierte ein veritables Veilchen, am Hals waren deutliche Würgemale zu sehen, aber ansonsten wirkte er in Ordnung.
      "Könnten wir nicht jetzt deinen sagenhaften Tee gebrauchen?", fragte Bobby Kendra, als Sam herzhaft gähnte, bevor er einen großen Schluck Kaffee nahm.
      "Wozu?", wollte Kendra wissen. "Wir haben alles überstanden, können schlafen, so viel wir wollen und haben keinen Druck, in kürzester Zeit fit und einsatzbereit zu sein. Man sollte wirksame Mittel niemals nur einfach so einsetzen, sondern nur, wenn sie die einzige Chance sind."
      Dean und Bobby brummten etwas Undefinierbares, aber Sam nickte gedankenverloren.

      "Ach jeh, bin ich hier in einem Sanatorium gelandet?", erklang Crowleys amüsierte Stimme von der Tür her, als er die Anwesenden der Reihe nach musterte. "Nun ja, alle haben es mehr oder weniger unbeschadet überstanden, wie ich sehe."
      Er zog sich einen Stuhl heran und setzte sich. "Nicht schlecht, wie ihr die Hybriden dann doch noch erledigt habt."
      "Was wir nicht unbedingt deiner Hilfe zu verdanken haben", knurrte Dean.
      Crowley schnalzte mit der Zunge und machte ein gespielt beleidigtes Gesicht.
      "Erstens habt ihr die Information über das Blut der Sphinx von mir bekommen, dass euch der nötige Schafsinn fehlt, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, kann nun wirklich nicht mir angelastet werden. Und zweitens war ja nicht hundertprozentig klar, ob es euch wirklich gelingen würde, die Hybriden zu vernichten und da hätte jeder, der offen auf eurer Seite gestanden hätte, später schlechte Karten gehabt, wenn Anor wirklich das Kommando übernommen hätte. Ein Geschäftsmann muss sich immer alle Optionen offen halten, wenn er sein Geschäft auch in Zukunft führen möchte."
      "Bastard", zischte Dean und Crowley strahlte, als wäre das ein Kompliment gewesen.
      "Doch nun zum Geschäft", sagte der Dämon wieder ganz geschäftsmäßig. "Wir haben noch einen Deal offen, wenn ich mich recht entsinne."
      Er zog ein kleines, in braunes, brüchiges Leder gebundenes Notizbuch aus der Tasche, blätterte darin und fand schließlich die Seite, die er suchte.
      Dann kramte er umständlich einen Bleistift hervor und strich etwas durch.
      „Erledigt, Jungs. Der Deal ist aufgelöst."
      "Das ist alles? Die Deals stehen in diesem Buch?" Deans Blick auf das alte, kleine Büchlein war eindeutig gierig.
      Crowley lachte. "Sei nicht albern, Dean. Das Durchstreichen ist lediglich die symbolische Geste, die den Vorgang abschließt. Ein Deal muss erfüllt sein, sonst nützt alle Symbolik der Welt nichts."


      oooOOOooo


      04. November 2010 - Sioux Falls, South Dakota

      Die Nacht war hereingebrochen und fast jeder im Haus schlief inzwischen der Schlaf der Gerechten.
      Dean stand an die Motorhaube des Impalas gelehnt, in der einen Hand eine ungeöffnete Flasche Bier, in der anderen sein Handy und starrte in den sternenklaren Himmel.
      Es war empfindlich kalt geworden, aber er schien nichts von seiner Umwelt wahrzunehmen, während er den Daumen über der 'Wählen'-Taste schweben ließ.
      Er hatte die Entscheidung über wein weiteres Leben auf die Zeit nach dem Kampf mit den Hybriden verschoben, dann auf die Zeit, wenn er und Sam wieder völlig fit waren, dann auf die Zeit, wenn die richtige Zeit war.
      Doch nun, über eine Woche später, wurde ihm langsam klar, dass es nicht mehr aufschiebbar war.
      Er blickte auf das Display des Handys, auf dem Lisas Nummer matt leuchtete, und versuchte sich vorzustellen, was er sagen würde. Das alleine war schon schwierig genug, aber der Versuch, sich vorzustellen, wieder dieses Vorstadtleben zu leben, entzog sich seiner Kraft.
      Das alles war in Ordnung gewesen, solange er ein Leben ohne Sam führte, aber jetzt, da Sam wieder ein Teil seines Lebens war, wirkte die Vorstellung, wieder bei Lisa und Ben zu leben, völlig absurd. Andererseits empfand er wirklich etwas für Lisa und für Ben ein Ersatzvater zu sein, erfüllte ihn mit Freude und Stolz.
      Es war eine dieser Situationen, in denen er sich am liebsten sinnlos betrunken hätte, aber inzwischen wusste er, dass das sein Dilemma nicht lösen würde und am nächsten Morgen die gleiche Frage immer noch da wäre. Nur eben verziert mit einem schönen Kater.
      Das Quietschen der Fliegengittertür auf der Veranda riss ihn aus seinen Gedanken.
      Bobby trat aus dem Haus, blieb einen Moment auf der Veranda stehen und ging dann langsam auf den Impala zu.
      Er lehnte sich neben Dean an den Wagen und warf einen Blick auf das Display des Handys.
      "Und, Junge? Hast du dich entschieden, was du tun willst?"
      Dean sah ihn nicht an.
      Nein, er wusste nicht, was er tun wollte, das Einzige, was er mit absoluter Sicherheit wusste, war, dass er sich in den letzten Wochen, trotz unmittelbarer Todesgefahr, das erste Mal seit sehr langer Zeit wieder völlig lebendig gefühlt hatte.


      Ende
      "Happiness isn't about getting what we want. It's about appreciating what we have."
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      the madness within can be a gift ... the gift of inspiration
    • Ein gutes Ende von einer sagenhaft guten Geschichte. Alles ist zu einem Ende gekommen, niemand ist ernsthaft verletzt worden, na ja, von unseren Helden jedenfalls, und das Böse ist besiegt! *thumps*

      Der Schluss hat mir besonders gut gefallen, nämlich dass es kein Happy End mit Lisa im Sonnenuntergang gibt, sondern dass Dean zweifelt, was er machen soll. *kratz* Und ganz im Stillen weiß er es natürlich, er gehört "on the road" in seinen Impala, zu Sam und Bobby und all dem Bösen was da draußen kreucht und fleucht! Ein Jäger ist kein braver Familienvater, und das ist auch gut so! *ja*

      Liebe Lyth, ich danke dir sehr für diese tolle Story. Mir hat das Lesen ganz großen Spaß gemacht, und ich würde mich sehr freuen, bald wieder was von dir zu lesen. *umarm*
      *tea*


    • Ich schließe deine Geschichte mit gemischten Gefühlen ab. *;)*

      Einerseits freue ich mich, dass unsere Hauptakteure mit Ausnahme der Hybriden noch leben und einigermaßen glimpflich davon gekommen sind, andererseits ist es schade, dass die Story nun zu Ende ist.

      Dass Dean nicht im Schein der untergehenden Sonne mit seinem Impala in ein Applepie-Live entschwindet, finde ich auch gut so. Der Mann gehört nun mal "back on the Road" und nicht an den heimischen Herd.

      Liebe Lythanda, vielen Dank für deine tolle Geschichte, mit der du mich in den letzten Wochen hervorragend unterhalten hast. Ich hoffe, in Zukunft wieder etwas von dir lesen zu dürfen. *danke*

      Signatur von angel - vielen Dank!!!
    • Ein sehr schöner Epilog. Die Jäger lecken ihre Wunden und so langsam zerstreut sich die Gemeinschaft wieder.

      Zu herrlich fand ich, als Louisa Bobby mit "junger Mann" anspricht. *lach1* In dem Zusammenhang habe ich aber irgendwie noch eine Lücke.... Was ist mit den anderen Zeugen? Wir konnten lesen wie eine Zeugin getötet wurde, doch gab es auch eine Stelle wo das Schicksal der verbliebenen Zeugen beleuchtet wurde? *kratz* Wenn ja, habe ich das verpasst. Doch ich befürchte sie sind alle tot.

      Der letzte Absatz ist wieder toll geschrieben und man kann Deans Zwiespalt sehr schön rauslesen. Ich mag solche "offenen" Enden, wo jeder Leser für sich selbst quasi ein Stück weit im Kopf weiterspinnen kann, wie es weitergeht.

      Ich für meinen Teil sehe Dean allerdings auch wieder auf der Straße mit Sam. ^^


      Ich bin froh, dass ich nach längerer Pause doch noch das Ende dieser tollen Story lesen konnte. Hat sehr viel Spaß gemacht. :love:

      ~ ~ Avatar & Sig by Jimmy :love: