Supernatural - Hope - *Spoiler Staffel 5* - completed

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    • Supernatural - Hope - *Spoiler Staffel 5* - completed

      Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe potenzielle Leser! *tief verbeug bis nase auf dem boden auftupft*

      Ich habe eine kleine Geschichte geschrieben, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Und da ich hier so lieb empfangen wurde und mir auf charmante Weise gesagt wurde, ich solle meine Geschichte doch hier dem werten Auge der Leser und Leserinnen präsentieren, möchte ich das hiermit auch tun. *verstohlen nase reib*
      Jede Form von Feedback ist mir sehr willkommen! *:)*

      So, und nun genug des Vorgeplänkels und hinein in die Abgründe aus Hoffnung und Verzweiflung, Feuer und Schwefel, Hexen und Dämonen, Wahnsinnigen und Jägern! *:D*
      *ächzend den gequälten rücken streck* *nuschel* Memo an mich: Die Sache mit der Verbeugung sollte man ab einem gewissen Alter einfach vergessen ...

      ++++++++++++++++++++++++abbisskante++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

      Autor: Lythanda
      Rating: FSK-16
      Genre: Drama, Abenteuer, Horror
      Charaktere: Dean Winchester, Sam Winchester, Castiel, Bobby Singer, diverse OCs
      ohne signifikante Bedeutung, zwei OCs mit signifikanter Bedeutung.
      Spoiler: Staffel 5
      Disclaimer: Die Figuren und das Universum von „Supernatural“ gehören Eric Kripke, respektive den © und ™ Inhabern und bleiben deren geistiges Eigentum.
      Alles, was aus dieser Welt nicht bekannt ist, ist meinem Geist entsprungen.
      [(c) des nicht zum Original gehörenden Materials liegt bei mir, jede Verbreitung im Ganzen oder in Auszügen in sämtlichen Medien darf nur mit meiner schriftlichen Genehmigung erfolgen.]
      Kurzer Inhalt: Luzifer ist besiegt, Michael ist aus dem Verkehr gezogen, Dean lebt ein normales Leben, alles ist gut. Wirklich? Ist wirklich alles gut?
      Die Erkenntnis, dass das Leben nicht einfach weiter gehen kann, trifft Dean wie ein Blitz. Da ist noch mehr, das im Verborgenen lauert und nur weil Luzifer derzeit nicht zur Verfügung steht, heißt das noch langenicht, dass das Böse schläft. Ein perfider Plan, eine schreckliche Waffe und eine weitere drohende Gefahr unvorstellbaren Ausmaßes warten nur auf die Winchester-Brüder. Aber halt, da fehlt doch noch jemand ...
      Anmerkung: Da ich die komplette Serie nur auf Englisch gesehen habe, hoffe ich, dass ich die spezifischen Ausdrücke richtig verwende/übersetze.
      Warnungen: Nun ja, es geht recht hart zur Sache, aber das kennt man ja aus der Serie. Und vielleicht sollte man vor der Sprache warnen, zumindest wäre das in englischsprachigen Foren nötig. Aber wer "Supernatural" guckt, ist das Fluchen ja gewöhnt *g*


      Hope

      “There is always hope, only because that is the one thing no one has figured out how to kill. Yet.”
      Galen, Crusade



      Prolog: Mystery Maiden

      Jetzt – 20. Oktober 2010 - Sioux Falls, South Dakota

      “Schafft dieses Ding aus meinen Augen”, knurrte Dean. „Sonst mache ich es selber. Und dann endgültig.“
      Das Ding, eine Frau ungefähr Mitte dreißig mit weißblonden, glatten Haaren, die in unordentlichen Strähnen auf ihre Schultern fielen, stand am anderen Ende des Raumes in Bobbys Haus und starrte Dean aus ihren eigenartig blassblauen Augen kalt an.
      „Ja, tu es doch selber. Töte mich, Dean Winchester. Und zeige damit Allen, welcher Teil von dir zurückgekommen ist und welcher Teil da unten verreckt ist.“
      „Verfluchte Schlampe!“
      Sie lachte und der eisige Klang ihres Lachens ließ jedem der Anwesenden einen Schauer des Entsetzens die Wirbelsäule hinabrieseln. Da war nichts Menschliches in diesem Ton, nur die kalte Verachtung eines Wesens, dessen Natur sie nicht kannten, die sie aber bis ins Mark erschütterte.
      Ihre Augen schienen zu glühen und fast greifbarer Hass flutete den Männern von ihr entgegen.
      Bobby zögerte nicht und feuerte das Gewehr, das er die ganze Zeit auf sie gerichtet hatte, ab.
      Doch anstatt ein stattliches Loch in ihren Körper zu reißen, verpuffte die Kugel in einer kleinen, gelben Explosion in der Luft, noch bevor sie die schäbigen Kleider der Frau berührten.
      Verblüfft ließ er das Gewehr sinken und starrte sie an, als sie wieder zu lachen begann.
      Mit einer fließenden Bewegung war Castiel bei ihr und presste ihr die Hand auf die Stirn.
      Ein gleißend heller Blitz erschien und eine Druckwelle schleuderte alle Anwesenden von ihr weg gegen die Wände des Raumes, wo sie krachend zu Boden fielen.
      Sie starrte die Männer verwirrt an, runzelte die Stirn und ihre Stimme klang plötzlich weich, leise und voller Angst.
      „Tötet mich. Beendet das hier. Bitte!“
      So sehr, wie eben der Hass fühlbar gewesen war, so schienen jetzt Furcht und Verwirrung von ihr auszugehen.
      Sam erholte sich als erster, sah, dass seine Freunde und sein Bruder sich stöhnend bewegten und rappelte sich auf. Langsam kroch er auf die Frau zu, eine Hand beschwichtigend erhoben.
      Sie musterte ihn mit meiner Mischung aus Furcht und Verzweiflung in den Augen und als er sie erreichte, ergriff er sanft ihre Hand.
      „Du musst das nicht tun“, sagte er sanft. „Bitte. Wir finden eine andere Lösung.“
      Sie schüttelte stumm den Kopf, ließ aber zu, dass Sam sie vorsichtig in seine Arme zog und wie ein verängstigtes Kind wiegte, während er beruhigende Worte murmelte.


      -tbc
      "Happiness isn't about getting what we want. It's about appreciating what we have."
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      "Some people live more in 20 years than other do in 80. It's not the time that matters, it's the person."
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      Dieser Beitrag wurde bereits 41 mal editiert, zuletzt von Lythanda () aus folgendem Grund: Kapitelanzahl im Titel nachgetragen

    • Huii, gleich drei Meldungen, das freut mich aber! *umarm*

      Gibt morgen mehr, Melinda, der Prolog war ja nur ein Appetithäppchen. *:D*

      Schön, dich hier zu sehen, pearl! Kannst ja mal gucken, wann du wieder einsteigen willst. Immerhin ist viel Zeit vergangen, seit du die ersten Kapitel gelesen hast.

      Ich freue mich auch, dass du wieder reinschaust, AngelA. Ich weiß auch nicht mehr, bis wo du mitgelesen hast, aber wie gesagt, es ist lange her.

      Ich werde hier zunächst ein recht forsches Postingtempo vorlegen, da die FF so gut wie abgeschlossen ist. Naja, sie war schon fertig, da meinte eines der Plotbunnies, es müsse da noch ein paar Änderungen einfordern *lach*, deshalb werden die letzten Kapitel derzeit umgearbeitet.

      Liebe Grüße
      Lyth
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    • Kapitel 1: Walkabout


      Vier Wochen zuvor – 19. September 2010 - Cicero, Indiana

      Es war ein dunstiger Abend, kaum anders, als all die Abende zuvor, in denen Dean nach dem Abendessen zu einem langen Spaziergang aufgebrochen war.
      Vielleicht lag es an seiner Sicht, die durch die Ereignisse der letzten Monate getrübt war, durch die Verluste der Menschen, die er geliebt hatte, schien über Allem ein grauer Schleier zu liegen.
      Oder vielleicht war es auch einfach nur dieses Gefühl, ein dünnes, graues Tuch habe sich über sein Leben gelegt, seit er bei Lisa und Ben eingezogen war. Weil alles fehlte, was ihm jemals etwas bedeutet hatte und nichts auf der Welt, nicht einmal Ben, vermochte, diese Leere zu füllen.
      Und nun war er dabei, dieses Leben zu verlassen.
      Er hatte es sich selber noch nicht eingestanden, als er das Haus verlassen hatte, als er Lisa einen flüchtigen Kuss auf die Wange gegeben hatte, um einen seiner Spaziergänge zu machen, wie er gesagt hatte.
      Nein, er hatte es sich nicht eingestanden, aber es tief im Inneren gewusst. Jeder seiner Ausflüge hatte ihn näher hierher gebracht, zu der Erkenntnis, dass er bereit war, sein Versprechen zu brechen.
      Dieses verfluchte Versprechen, das er Sammy gegeben hatte, buchstäblich die letzte Bitte des jüngeren Bruders an seinen Vater-Ersatz. Er hatte es gut gemeint, Sam meinte es immer gut, aber er hatte nicht gewusst, dass er Dean damit fesselte, wie man einen Engel mit heiligem Feuer fesselte.
      Scheiße, wie konnte man jemandem so ein beschissenes Versprechen abnehmen?
      Er hatte es versucht, bei Gott, er hatte es wirklich versucht.

      Eine Woche früher – 13. September 2010 – Cicero, Indiana
      Lisa schnaufte, als sie ein weiteres Backblech voller Muffins auf die Anrichte neben die Platten mit den fertigen Muffins stellte. Schon acht Bleche voll, es waren nur noch zwei weitere nötig, dann war es geschafft.
      Dean betrat die Küche, ein breites Grinsen im Gesicht.
      „Ah, hat mich meine Nase nicht getäuscht. Muffins!“
      Er ging zielstrebig auf die Anrichte zu, streckte die Hand nach einem der, mit buntem Zuckerguss klebrig überzogenen, Küchlein aus und erhielt prompt einen Klaps auf die Finger.
      „Finger weg, Dean. Die sind für Bens Klassenfest morgen. Wenn du jetzt anfängst, zu futtern, dann kann ich noch die ganze Nacht backen, um die Verluste wieder rein zu holen.“
      Sie sah ihn gespielt streng an, aber die Fältchen um ihre Augen herum verrieten ein unterdrücktes Lachen.
      Er grinste frech, trat hinter sie und schlang einen Arm um ihre Taille.
      Während er ihr einen zarten Kuss auf die empfindliche Stelle am Nacken hauchte, fischte seine freie Hand nach einem Muffin.
      Lisa schnurrte genießerisch, drehte sich um und gab ihm einen Kuss.
      „Glaub’ ja nicht, ich hätte nicht bemerkt, dass das ein Ablenkungsmanöver war“, sagte sie, aber der sehnsüchtige Ausdruck in ihren Augen sagte ihm, dass sie es liebte.
      „Aber ein Gelungenes, das musst du mir zugestehen“, erwiderte er mit einem Augenzwinkern und biss in den Muffin.
      „Sehr gelungen, allerdings. Und das ist auch der einzige Grund, warum ich dir diesen dreisten Kuchendiebstahl durchgehen lasse.“ Sie lachte und drohte, mit einer sauberen Muffinform nach ihm zu werfen, bevor sie anfing, die Form mit Teig zu füllen.
      Als die Form gefüllt war und Lisa sie im Ofen verstaut hatte, drehte sie sich zu ihm um und sah ihn mit ihren wunderschönen Augen an.
      „Was macht der Wagen?“
      Dean grinste. Er hatte sich in den sieben Monaten, die er nun bei Lisa lebte, einen guten Namen als Restaurator von Oldtimern gemacht. Angefangen hatte alles mit einem Inserat im Internet, in dem jemand einen Mechaniker suchte, der auf privater Basis seinen 1971er Lincoln Continental Mark III reparieren könnte.
      Dean hatte relativ schnell eine große Garage gefunden, die er mieten konnte und nach diesem ersten Auftrag, den er zur vollsten Zufriedenheit des Kunden ausgeführt hatte, waren die Aufträge mehr oder weniger von alleine, beziehungsweise durch Mundpropaganda, in seinem E-Mail Postfach aufgetaucht.
      Mittlerweile musste er bereits einzelne Anfragen ablehnen, da er nicht bereit war, die Qualität seiner Arbeit zugunsten der Geschwindigkeit herunter zu schrauben.
      „Prima. Ich werde in einer bis zwei Wochen fertig sein und wenn der Kunde pünktlich bezahlt, können wir drei einen Urlaub in den Bergen machen. Eine Blockhütte mitten im Wald und nur du und ich und Ben.“
      Lisa lächelte, dann kniff sie die Augen zusammen.
      „In den Bergen? Einfach so? Bist du sicher, dass da nicht irgendetwas Unheimliches vor sich geht, dem du auf die Spur kommen willst?“
      „Traust du mir immer noch nicht?“
      „Dean Winchester, ich traue dir, was das Jagen angeht, genauso weit, wie ich dich werfen kann.“ Sie musterte seinen muskulösen Körper und fügte mit einem Schmunzeln hinzu: „Und das sind geschätzte 0,02 Zentimeter.“
      Dean verzog das Gesicht und wandte sich zum Waschbecken, um sich den klebrigen Zuckerguss von den Händen zu waschen und den betretenen Gesichtsausdruck zu verbergen. Sie hatte es scherzhaft gesagt, doch er wusste, dass sie es hinter dem Scherz durchaus ernst meinte. Und sie hatte Recht, das musste er sich eingestehen.
      Den Ausflug in die Berge hatte er zwar ohne konkrete Hintergedanken geplant, aber er hatte oft genug neben seinen Recherchen für Oldtimer-Teile auch nach unerklärlichen Phänomenen und unheimlichen Vorgängen gesehen.
      Er konnte einfach nicht aus seiner Haut und so sehr er es Lisa auch gegönnt hätte, er konnte das, was er sein Leben lang gewesen war, nicht einfach abstreifen. Ein Teil von ihm war Jäger und ohne diesen Teil wäre er blind, oder taub, oder amputiert. Es fiel ihm kein körperlicher Vergleich ein, der passend gewesen wäre.
      Langsam trocknete er sich die Hände ab und bemühte sich um einen angemessen beleidigten Gesichtsausdruck.
      Lisa lachte laut auf, als sie sein Gesicht sah, zog ihn in die Arme und flüsterte etwas in sein Ohr.
      Dean riss die Augen in gespieltem Entsetzen auf. „Lisa Braeden, du bist ein verdorbenes Weib.“
      Sie nickte lachend. „Und? Was willst du daraus machen? Hier stehen und Reden halten, oder wollen wir etwas anfangen mit den zwanzig Minuten, die wir haben, bis die Muffins fertig sind?“


      oooOOOooo


      Ja, er hatte es versucht und dennoch war er jetzt hier, auf der Straße, auf dem Weg zu der Garage, in der er den Impala eingelagert hatte, als er bei Lisa eingezogen war.
      Es war eine symbolische Geste gewesen, um ihr und sich selber zu zeigen, dass er es ernst meinte, mit seinem bisherigen Leben abzuschließen. Und doch war es nicht mehr als eine Geste gewesen, denn er hatte den Wagen mit jeder Faser seines Herzens vermisst. So wie er Sammy vermisste und das Leben, das sie geführt hatte. Das einzige Leben, das er kannte und in dem er sich sicher fühlte. Es war voller Gefahren gewesen, aber er konnte sich darin mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen, kannte die Untiefen und Risiken und war immer Herr der Situation.
      In diesem Leben mit Lisa und Ben fühlte er sich unsicher, traf zu viele Fettnäpfchen und wusste nicht, wie er es richtig machen sollte.
      Mal flirtete er zu sehr mit einer von Lisas Freundinnen und sie zeigte ihm am Abend die kalte Schulter.
      Einmal hatte er bei einem Schulpicknick zu viel getrunken und Ben und seinen Freunden Geschichten von Monstern und Dämonen erzählt. Erst waren die Jungs begeistert, doch als Dean darauf bestand, dass die Geschichten wahr seien, hatte Ben sich wortlos abgewandt und war gegangen. Abends, als er Ben im Bett noch einen Gute-Nacht-Kuss geben wollte, hatte dieser sich zur Wand umgedreht und gemurmelt: „Dad, du bist so peinlich.“
      Sein Vater hatte ihn auf das Leben als Jäger eingeschworen, hatte ihn alles gelehrt, was er wissen musste, doch auf dieses Leben als Familienvater hatte niemand ihn vorbereitet.
      Manchmal hatte er das Gefühl, er navigiere durch Treibsand und wünschte sich, ein Werwolf oder ein Ghoul würde auftauchen, damit er endlich zeigen konnte, was er drauf hatte.

      Vorsichtig tastete er mit den Fingern nach dem Zettel in der Tasche seiner Jacke. Dem Zettel, den er heute in eben dieser Jackentasche vorgefunden hatte, als er das Haus zu seinem Spaziergang verlassen hatte.
      Liebster Dean,
      Ich spüre, dass die Unruhe in dir stärker wird und ich ahne, wohin sie dich treiben wird.
      Ich weiß, du wirst gehen, aber du sollst wissen, dass meine Tür dir immer offen stehen wird. Nur musst du auch wissen, dass du, solltest du wieder kommen, dann sicher sein musst, für immer zu bleiben.
      Ben und ich lieben dich, vergiss das bitte nie!
      In Liebe
      Lisa


      Verdammt, sie konnte in ihm lesen, wie Sammy in einer Bibliothek und damit hatte er nicht gerechnet.
      Er liebte sie und Ben von Herzen, aber er spürte auch, dass er mit Sam, dem Impala und dem Leben als Jäger noch nicht abgeschlossen hatte. Zu überstürzt war das Ende gewesen und er konnte einfach nicht glauben, dass das alles gewesen sein sollte.
      Sammy konnte nicht einfach fort sein, es musste irgendwo einen Hinweis geben, wie er ihn befreien konnte.
      So sehr hatte er sich bemüht, diesen Gedanken zu verdrängen und sich ganz dem Leben mit seiner neuen Familie zu widmen. Für Lisa. Für Ben. Für Sam, dem er es versprochen hatte. Nur nicht für sich selber und so sehr er sich auch bemüht hatte, auf irgendeine Weise war dieser Gedanke im Verborgenen gewachsen und hatte ihn unruhig gemacht.
      Von Woche zu Woche hatte die Unruhe zugenommen und schließlich war er hier gelandet, einen Block von der Garage mit dem Impala entfernt. Einen Block von einem Leben entfernt, das er kannte und das er einfach noch nicht abgeschlossen hatte.
      Er atmete tief ein, zog die Hand mit dem Zettel aus der Tasche, betrachtete ihn kurz, hauchte dann einen Kuss auf das Papier und flüsterte: „Ich komme wieder, Lisa. Versprochen.“
      Dann stopfte er den Zettel in seine Brieftasche, kramte den Schlüssel zu der Garage hervor und machte sich auf den Weg zurück in sein altes Leben.

      -tbc

      Next: Kapitel 2: O brother, where are thou
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    • Ja, der Anfang ist schon mal vielversprechend. *thumps* Und obwohl ich kein Lisa/Dean Shipper bin haben mir die Momente zwischen den beiden sehr gut gefallen. Was nicht oft vorkommt. Die Unruhe, die in Dean steckt, kann man beim lesen förmlich spüren, ebenso, wie seine Zerissenheit.

      Er konnte einfach nicht aus seiner Haut und so sehr er es Lisa auch gegönnt hätte, er konnte das, was er sein Leben lang gewesen war, nicht einfach abstreifen.


      Mein Lieblingssatz, weil absolut treffend! Ich kann nicht versprechen immer regelmäßig zu posten, aber ich bleibe auf jeden Fall dran (werd auch nicht vorlesen, sondern warte, was du hier postest *;)* ) *dank*
      LG angelinchains

    • Vielen Dank für dein Feedback, angelinchains. *umarm*

      Ich bin, ehrlich gesagt, auch kein Dean/Lisa-Shipper, die Szene ist nur dem Canon geschuldet. Es gibt später noch einmal eine Szene, aber das war es dann auch.
      Ich versuche immer so weit wie möglich am Canon zu bleiben, ihn zumindest zu streifen, um meine eigenen Abweichungen davon dann plausibel abzuleiten.
      Aber wirklich zusammen sehen mag ich Dean und Lisa nicht. In meinen Augen ist das Käse und letztendlich hat die Serie sich ja auch davon abgewendet. *:D*

      Liebe Grüße
      Lyth
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    • Vielen, vielen Dank für euer Feedback, Melinda und Wendigo *umarm*

      Melinda schrieb:

      So wie man ein Raubtier nicht auf Dauer einsperren kann, so wenig kann man einen Dean Winchester dauerhaft an die Kette legen.

      Das ist ein toller Satz und er trifft meine Gedanken zu Dean auch genau!

      Wendigo schrieb:

      Wann geht's den weiter??? Ich will MEHR!!

      Eigentlich erst morgen, aber wenn du so drängst, dann auch gleich *:D*
      Ich hatte ja gesagt, dass ich ein forsches Posting-Tempo vorlegen werden, weil die Geschichte schon so viele Kapitel hat und ich nur noch am Ende etwas rumschraube. *;)*

      Liebe Grüße
      Lythanda
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    • Kapitel 2: O brother, where are thou


      Zwei Wochen später – 1. Oktober 2010 - Sioux Falls, South Dakota

      Dean schloss die Tür des Impala und erfreute sich wie immer an dem satten Klang.
      Langsam ging er auf Bobbys Haus zu, öffnete die Tür, während er die Einkaufstüten mit einem Arm balancierte und trat ein.

      Seit er vor knapp zwei Wochen hier eingetroffen war, tat er das, was er am Besten konnte. Er spürte übernatürliche Phänomene auf, bekämpfte das Böse und kehrte wieder heim.
      Bobby hatte ihn an dem Abend, als er angekommen war, willkommen geheißen und kaum Fragen gestellt. Er hatte Dean lediglich ein paar sehr lange, sehr nachdenkliche Blicke zugeworfen, ihn aber einfach machen lassen.
      Das war typisch Bobby. Dean erwartet zwar noch, ins Kreuzverhör genommen zu werden, aber im Moment schien Bobby zu spüren, dass er nicht reden wollte.
      So taten sie das, was sie immer getan hatten, Bobby ermittelte, sammelte Hinweise und Dean ging der Sache nach.
      Es war schon erstaunlich, bisher hatte er drei Vorfälle in der näheren und weiteren Umgebung untersucht und obwohl es zuerst so ausgesehen hatte, als wären es völlig normale, übernatürliche Probleme, waren am Ende Dämonen beteiligt gewesen und er hatte es nur mit knapper Not geschafft, der Situation Herr zu werden.
      Beim ersten Mal hatte er sich gewundert und es als einen merkwürdigen Zufall abgetan, dass in einem Poltergeist-Fall ein Dämon dahinter steckte.
      Die anderen beiden Male waren ihm schon merkwürdiger vorgekommen und auch Bobby war mehr als leicht irritiert. Er hatte seine Recherchen ausgedehnt und war seither auf mehr dämonische Aktivität gestoßen, als er erwartet hätte.
      Es schien, als arbeiteten sie in Gruppen unabhängig von einander, denn es ließ ich keinerlei Verbindung zwischen den Vorkommnissen herstellen. Dennoch war es auffällig, in welchem Maße sie auftraten und auch wenn Dämonen von je her keine besondere Motivation gebraucht hatten, um Schrecken und Terror zu verbreiten, so hatten Dean und Bobby doch im Geheimen gehofft, dass es weniger werden würde, nachdem Luzifer eingekerkert worden war.
      Anfangs war das, laut Bobby, auch so gewesen, aber nun schien sich die Situation ins Gegenteil zu verkehren.

      Dean stellte die Tüte mit den Einkäufen auf dem Küchentisch ab und wandte sich dem Wohnraum zu, in dem Bobby am Schreibtisch saß und zwischen Zeitungen und seinem Computer hin und her navigierte.
      Er sah auf, als Dean in der Tür stand.
      „Alles bekommen?“
      „Sicher. Was sollte so schwer daran sein, Eier, Speck und Ketchup zu bekommen?“ Dean grinste.
      Dann wurde er ernst. Sein Blick schwenkte nach oben, als wolle er durch die Decke hindurch in den oberen Stock blicken, wo sich die Schlafzimmer befanden.
      „Schläft er noch?“
      Bobby nickte. „Er war vorhin wach, hat aber kaum etwas gesagt, sondern gleich weiter geschlafen.“
      Seufzend wandte sich Dean der Treppe zu. „Ich sehe nach ihm.“
      Bobbys erneutes nicken bekam er nicht mehr mit, da er sich unmittelbar umdrehte und die Treppe hinauf stieg.
      Langsam ging Dean auf die zweite Tür zu, öffnete sie und betrachtete die schlafende Gestalt in dem Bett. Sam. Sein Bruder, um den sich seit dem Kampf mit Luzifer und Michael fast jeder seiner stillen Gedanken gedreht hatten. Wo war er? Wie erging es ihm? Gab es Rettung für ihn?
      Und dann hatte er gestern Abend vor Bobbys Tür gestanden, völlig erschöpft und verwirrt, Dean hier zu sehen. Er hatte nicht viel gesagt, nur dass er irgendwann einfach in einem Wäldchen aufgewacht war, ohne sich zu erinnern, was geschehen war und wie er dorthin gekommen war.
      Er erklärte, das Letzte, woran er sich erinnern würde, wäre der Sturz in das Loch gewesen, seine Hände in Michaels Kleidung festgekrallt und dann waren sie gestürzt und gestürzt und gestürzt. Bis er aufgewacht sei, mitten in einem Wäldchen in Alabama.
      Er hatte gesagt, er wäre sofort aufgebrochen, um Dean zu suchen, doch als er bei Lisas Haus angekommen war, hatte es ihn wie ein Blitz getroffen, dass er keinerlei Recht habe, ihn aus seinem neuen Leben zu reißen, ohne wenigstens eine vernünftige Erklärung anbieten zu können. So war er weiter gezogen, um irgendwie herauszufinden, was geschehen sei.
      Natürlich habe er überlegt, sich an Bobby zu wenden, aber dann hatte er den Gedanken verworfen, weil er befürchtete, Bobby würde Dean rufen.
      So war er alleine durch die Gegend gezogen und hatte nach Hinweisen über sein Schicksal gesucht, bis ihm schließlich die Ideen ausgegangen waren und er sich nun doch Bobby zugewandt hatte. Und zu seinem grenzenlosen Erstaunen war Dean genau hier.
      All das war stockend und nur halb zusammenhängend aus ihm heraus gekommen, Dean hatte die Bruchstücke selber zusammen gesetzt, nachdem sie jeden ihnen bekannten Test durchgeführt hatten, um zu sehen, ob Sam wirklich Sam und nur Sam alleine war, oder ob er irgendetwas dämonisches an sich oder in sich hatte.
      Sam bestand jeden Test, von Salz über Weihwasser, exorzistische Formeln berührten ihn ebenso wenig, wie Teufelsfallen und als er sich schließlich völlig am Ende seiner Kräfte in Bobbys Panic Room führen ließ und auch da keine Reaktion auf etwas zeigte, waren sie überzeugt, dass er ganz er selber war.
      Bobby hatte ihn zu Bett geschickt und Sam war der Aufforderung gefolgt, nachdem er seinen Bruder herzlich in die Arme geschlossen und so fest gedrückt hatte, als wolle er ihn nie wieder los lassen.
      „Wir finden schon raus, was passiert ist, Sam“, hatte Dean gemurmelt und sich dann kräftig geräuspert, um den rauen Klang seiner Stimme zu kaschieren.

      Als Sam schlief hatten Bobby und Dean noch lange zusammen gesessen und beratschlagt, was sie nun tun wollten. Aber wirklich zündende Ideen hatten sie auch nicht.

      Nun stand er in der Tür des Schlafzimmers und sah seinen kleinen Bruder an, der sich unter dem forschenden Blick regte, dann reckte und gähnte.
      „Ich es schon Morgen?“
      „Es ist Mittag, Kleiner.“ Dean grinste, als er Sams verblüfftes Gesicht sah.
      „Hm … hatte wohl ein Schlafdefizit.“
      „Quatsch. Du bist einfach ein Mädchen, was deinen Schönheitsschlaf angeht“, spottete Dean und fühlte einen vertrauten Stich familiären Glücks, als er sich unter einem Kissen wegduckte, das in seine Richtung geflogen kam.
      „Ich gehe duschen und komme dann runter“, sagte Sam und gähnte noch einmal herzhaft.
      „Okay. Bobby hat Kaffee und wir machen Eier mit Speck.“
      Sam verzog das Gesicht. „Gut, aber ich glaube, ich habe keinen Hunger.“
      Dean schüttelte den Kopf und stieg wieder die Treppe hinunter.

      Unten angekommen zückte er sein Handy und wählte Castiels Nummer.
      „Ich versuche Castiel zu erreichen“, sagte er, während er auf das Freizeichen lauschte, an Bobby gewandt. „Vielleicht kann er uns sicher sagen, dass mit Sam alles in Ordnung ist.“
      Bobby nickte nur und widmete sich weiter seinen Nachforschungen.
      „Dean.“ Castiels tiefe Stimme erklang hinter Dean und dieser zuckte zusammen.
      „Verdammt, Cas! Tu das nicht.“ Er starrte auf sein Handy, aus dem noch immer das Freizeichen ertönte.
      „Im Himmel, in meiner natürlichen Form, brauche ich ein solches Gerät zur Kommunikation nicht.“
      Dean schaltete sein Handy aus und verstaute es in seiner Tasche. „Aber du bist trotzdem hier?“
      „Du hast mich gerufen.“
      Dean grinste schief. „Funktioniert das immer?“
      „Wenn immer es dringend ist und ich nichts anderes, dringenderes zu tun habe.“
      „Großartig. Dann stehe ich ungefähr auf Platz 100 deiner Prioritätsliste?“
      „Nicht ganz. Was gibt es? Warum brauchst du mich?“
      Dean seufzte. „Sam. Er ist wieder da und wir müssen wissen, was mit Luzifer ist. Ich meine, ist er Sam, nur Sam?“
      „Luzifer ist nach wie vor in seinem Gefängnis, soweit der Himmel und ich es wissen“, erwiderte Castiel, aber sein Gesichtsausdruck war neugierig.
      „Dann weißt du nichts von Sam und seiner Rückkehr?“
      „Nein. Mir ist nichts bekannt, dass sich etwas an dem Zustand von Luzifer, Adam, Michael und Sam geändert haben sollte.“
      „Was hat sich an meinem Zustand geändert?“, erklang nun Sams Stimme von der Tür. Er strich sich die nassen Haare aus dem Gesicht.
      „Sam.“ Castiel musterte ihn interessiert.
      Sam seufzte. „Bist du gekommen, um zu testen, ob ich noch immer Luzifer in mir trage?“
      Dean zuckte entschuldigend mit den Achseln. „Du musst das verstehen, Sammy. Wir müssen sicher sein …“
      „Schon gut.“ Sam machte eine müde, abwehrende Geste. „Ich verstehe es.“
      Dean erklärte Castiel, dass Bobby und er am Abend zuvor schon alle erdenklichen Test gemacht hatten und Castiel nickte nur, betrachtete Sam dann eindringlich und schweigend.
      Dean war sich nicht sicher, was da vor sich ging, aber er vertraute Castiel, der, stärker und mächtiger als je zuvor, erklärte, er würde einen Engel erkennen, wenn dieser in seiner Nähe wäre, selbst wenn es ein gefallener Engel sei. Und bei Sam spüre er nichts, nicht die kleinste Spur eines Engels.
      „Aber wie …“ Dean brachte die Frage nicht zu Ende.
      Castiel zuckte mit den Schultern. Es war erschreckend, wie menschlich und verletzbar dieses unvorstellbar mächtige Wesen durch diese winzige Geste wirken konnte.
      „Vielleicht … mein Vater … ich weiß es nicht.“
      „Aber warum sollte Gott Sam aus Luzifers Gefängnis befreien?“
      Castiel runzelte die Stirn. „Mein Vater hat eine Schwäche für Opfer. Ein Mensch, der die Größe besitzt das Wichtigste in seinem Leben zu opfern, um die Welt zu retten, dürfte sein Interesse wecken. Er hat eine Schwäche für jene, die bereit sind alles zu opfern und er neigt dazu, sie zu retten.“
      Dean seufzte. Allem Anschein nach würde das hier vorerst die einzige Erklärung sein, mit der er rechnen durfte.
      „Allerdings bin ich aus noch einem Grund hier“, fügte Castiel hinzu.
      „Und der wäre?“

      „Jungs, ich hasse es, euch zu stören“, rief Bobby und winkte sie zu sich heran. „Aber ich habe hier etwas Merkwürdiges gefunden.“
      Sie traten näher und Bobby lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
      „Ich habe hier merkwürdige Vorkommnisse gefunden, die ein stillgelegtes Bergwerk ungefähr 600 Meilen von hier betreffen. Es mehren sich Meldungen von Leuten aus der Umgebung, dass dort etwas Unheimliches vor sich geht.“
      „Inwiefern ist das etwas für uns? Unheimliche Dinge gehen doch überall vor sich.“
      Bobby sah sie grimmig an. „Wisst ihr, wie die Leute den Ort nennen?“
      Er hatte die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden.
      „Sie nennen den alten Stollen „Devil’s Pit.“


      -tbc


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    • Hm, im Moment fehlt mir ein wenig der Background zu Sams "Rückkehr". Iwie hört sich das so beiläufig an. Hätte mir das etwas spektakulärer vorgestellt. Ich bin mir jedoch sicher, dass du das nicht einfach so stehen lassen wirst und uns im Laufe der Story die Background Infos zukommen lassen wirst. Ansonsten sind die Charas wirklich gut getroffen und mir geh'ts wie Melinda, Kopfkino pur. *thumps* *gp* *dank*
      LG angelinchains

    • Wowww, vielen Dank euch beiden! *umarm*

      Dass es Kopfkino ist, ist das größte Kompliment, das ihr mir machen könnt, das freut mich wirklich riesig!

      Ja, es wird noch Hintergrund für Sam geben, allerdings nicht sofort. Die Jungs neigen ja beide nicht dazu, das, was ihnen passiert ist, in einer langen, ausgiebigen Sitzung zu besprechen ... *lach*

      Liebe Grüße
      Lyth
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    • Kapitel 3: Something wicked this way comes

      1. Oktober 2010 - Sioux Falls, South Dakota

      Dean und Sam starrten ihn an, während Castiels Miene wie immer undeutbar blieb. Alleine ein kleines Funkeln in seinen Augen verriet sein Interesse.
      Bobby grinste, als er sie ansah, dann wurde sein Blick wieder ernst.
      „Es gibt Berichte über merkwürdige Dinge, die in der Nähe des stillgelegten Bergwerks vor sich gehen. Camper berichten von Lichtern und Geräuschen, die angeblich aus den Belüftungsstollen dringen, Schreie, Stöhnen, dergleichen mehr.“ Er machte eine wedelnde Handbewegung. „Auch die Leute aus der Umgebung reden davon, dass es dort seit Kurzem spuken soll.“
      „Warum sollte es dort spuken? Ist etwas vorgefallen?“
      „Wenn ich den alten Zeitungsberichten, die ich gefunden habe, glauben kann, hat es dort in den 1930er Jahren einen schrecklichen Unfall gegeben. Ein kompletter Stollen stürzte ein, es gab eine Kettenreaktion und 83 Bergleute kamen ums Leben. Als man sie später ausgrub, stellte man fest, dass fast jeder von ihnen durch die stürzenden Trümmer und Gesteinsbrocken schwer, aber nicht tödlich verletzt wurde. Jeder der Toten trug einen Ausdruck von Schmerz und Qual auf dem Gesicht, berichtete der Reporter, der für die ortsansässige Zeitung geschrieben hat. Die Vorstellung, dass die Männer stunden-, wenn nicht tagelang gelitten haben, bis sie endlich durch den Sauerstoffmangel erlöst wurden, hat bei den Überlebenden und Angehörigen ein schreckliches Trauma ausgelöst, von dem sich weder die Mine, noch die Orte der Umgebung je erholt haben.
      Es hat unfassbar viel Leid auf engem Raum dort gegeben und seit dem Unglück gilt der Ort als verflucht. Seither nennen die Leute der Umgebung die alten Stollen ‚Devil’s Pit’.“
      Bobby verstummte.

      “Und warum nennen die Leute es ‘Devil’s Pit’? Ich meine, das war ein Unfall. Ein schrecklicher Unfall, aber sonst nichts. Oder gibt es da noch etwas?”
      „Nein, nichts. Es war nach allem, was man weiß, wirklich ein Unfall. In der Zeit gar nicht so unüblich, aber die Art, wie die Männer ums Leben gekommen sind, war schon außergewöhnlich. Die Leute sagen, an dem Tag hätte der Teufel eine Menge Seelen bekommen.“
      Castiels ruhige Stimme unterbrach das Schweigen, das Bobbys Worten gefolgt war.
      „Warum glauben die Leute, dass die Männer, die bei dem Unglück umgekommen sind, in der Hölle sein sollen? Wenn es rechtschaffene Männer waren, wird der Teufel ihre Seelen nicht bekommen haben.“
      Bobby kniff die Augen zusammen. „Vielleicht waren es keine rechtschaffenen Männer.“
      „Oder vielleicht liegt es daran, dass Leute gerne schlimme Ereignisse dem Teufel zuschreiben“, warf Sam ein.
      Castiel runzelte die Stirn. „Der menschliche Hang zum Aberglauben ist ebenso irritierend wie unlogisch.“
      Dean räusperte sich, um ein unangemessenes Lachen zu überdecken. „Gut, also schauen wir uns mal an, was da los ist. Das meintest du doch, Bobby, oder?“
      Bobby nickte. „Es hat noch eine besondere Bewandtnis mit dieser Spuk-Sache. Deshalb ist mir die ganze Geschichte überhaupt erst ins Auge gefallen. Erstaunlicherweise ist in den fast 80 Jahren seit dem Unglück nie irgendetwas über die Geister der Verunglückten gesagt worden. Es hat dort weder Geistererscheinungen, noch andere übernatürliche Phänomene gegeben. Die Bergleute wurden bestattet, betrauert und man lebte sein Leben weiter.
      Natürlich haben die Menschen dort die Mine von da an gemieden und hinter vorgehaltener Hand gemurmelt, sie sei verflucht. Aber eben so, dass der Fluch zu dem Unglück geführt hat, nicht dass das Unglück einen Fluch verursacht hat. Wobei man das auch so sehen könnte, immerhin hat die Minengesellschaft Ausgleichszahlungen an die Hinterbliebenen zahlen müssen, die Versicherungsprämien stiegen ins Unermessliche und nur wenige Jahre später war die Gesellschaft ruiniert und das Bergwerk vollständig stillgelegt. Seither ging es beständig bergab mit der Gegend. Wenn man so will, hat der Unfall Unglück und Verfall über die Menschen dort gebracht.“
      „Aber es hat früher dort nie Geistererscheinungen der toten Bergleute gegeben?“
      „Nie. Wenn man den Zeitungen von damals glauben darf, ruhen sie in Frieden.“
      „Und jetzt ist da plötzlich die Hölle los?“
      „Japp.“
      Dean verzog das Gesicht. „Nach dem, was ich in den letzten Wochen erlebt habe, würde es mich nicht wundern, wenn es dort Dämonen gäbe, die den neusten Ärger verursachen. Die Dreckskerle scheinen momentan hinter jedem Aufruhr zu stecken.“
      Er zuckte zusammen, als Castiel sich plötzlich geräuschvoll räusperte.
      „Was mich zu dem zweiten Grund meines Hierseins bringt.“
      „Herrgott, Cas, wie oft habe ich dir gesagt, du sollst das nicht tun?“
      „Was?“ Castiels Gesichtsausdruck wirkte irritiert.
      „Mich so erschrecken.“
      „Hätte ich gewusst, dass es dich erschrecken würde, hätte ich es vermieden. Mir war nicht klar, dass du nicht auf mein plötzliches Geräusch vorbereitet warst. Ich bitte um Verzeihung.“
      Dean winkte ab. „Schon gut. Also, warum bist du hier?“
      Castiel blickte Dean noch einen Augenblick intensiv an, als wolle er ergründen, was genau dessen Reaktion ausgelöst hatte, dann begann er zu sprechen.
      „Deine Beobachtung, was die vermehrten dämonischen Aktivitäten auf der Erde betrifft, sind zutreffend, Dean. Auch mir sind Gerüchte zu Ohren gekommen, dass sie etwas planen. Während ich noch versucht habe, herauszufinden, um was es geht, spitzten sich die Ereignisse zu. Ich habe mehrere Engel ausgesandt, die Vorgänge zu untersuchen, da es Gerüchte gibt, die Dämonen wären dabei, eine Furcht erregende Waffe zu erschaffen, doch bisher konnte ich das nicht verifizieren. Einzig die Tatsache, dass sechs der Engel, die ich ausschickte, tot sind, erhärtet diese Gerüchte.“
      Er verstummte einen Augenblick und obwohl seine Miene versteinert war, konnten die Brüder in seinen Augen tiefe Trauer über den Verlust seiner Brüder lesen.
      Hatte das Alles denn niemals ein Ende?
      „Was für eine Waffe?“, fragte Sam, dann zuckte er zusammen. „Es tut mir Leid um deine Brüder, Cas. Ehrlich.“
      Castiel nickte leicht. Sam konnte sehen, dass Castiel zwar nicht mehr über das gleiche emotionale Potenzial verfügte, wie es vor seiner Wiederherstellung der Fall gewesen war, doch er schien sich deutlich an seine Empfindungen zu erinnern und diese Erinnerung half ihm nun, mit den Emotionen der Menschen umzugehen.
      Dennoch konnte Sam nicht sagen, ob es nur die Erinnerung an den Schmerz eines Verlustes war, den er in Castiels Augen sah, oder ob der Engel noch immer diese Gefühle empfinden konnte. Er blinzelte. War das wichtig? War es ein entscheidender Unterschied, ob man Gefühle direkt empfand, oder sich nur an sie erinnerte?
      Bevor er genauer darüber nachdenken konnte, beantwortete Castiel seine Frage.
      „Ich weiß es nicht. Niemand im Himmel weiß es. Ich weiß nur, dass es etwas Besonderes sein muss, wenn es sechs Engel töten konnte.“
      „Und wir sollen es bekämpfen? Bist du deshalb gekommen?“
      „Ich bin gekommen, um euch zu warnen. Was immer es ist, das die Dämonen erschaffen haben, es ist mit der Erde verbunden, sonst hätten sie es in der Hölle getan. Es ist eine Bedrohung für euch ebenso, wie für uns. Wenn ihr etwas herausfindet, lasst es mich wissen. Ich werde euch helfen, so gut ich kann.“
      Es waren einfache Worte, doch Dean wusste, dass es so gut wie ein Schwur war, als er in Castiels Gesicht sah. Eiserne Entschlossenheit wechselte sich dort mit Besorgnis ab und Dean hatte plötzlich das Gefühl, die Geschichte wiederholte sich.
      Egal, was passierte, es war am Ende immer wieder das Gleiche. Sie recherchierten, kämpften und gaben alles, um das Schlimmste zu verhindern. Gemeinsam.
      Er nickte. „Kein Problem, Kumpel. Wir tun das, was wir immer tun und deine Hilfe ist uns immer willkommen.“
      Castiel erwiderte das Nicken, blickte noch einmal in die Runde und verschwand mit einem leisen Geräusch.
      Sam seufzte. „Es ist, wie in Gabriels Zeitschleife, nicht wahr? Was auch immer wir tun, wir landen immer wieder hier.“
      „Kannst du meine Gedanken lesen?“, fragte Dean und fühlte plötzlich eine kribbelige Anspannung, als er daran dachte, dass er keine Ahnung hatte, ob und wie sich Sam verändert hatte, seit er mit Luzifer in das Loch gefallen war.
      „Nein, aber ich kenne dich gut genug, um dein Gesicht zu lesen“, erwiderte Sam mit einem gequälten Grinsen, denn auch diesen Gesichtsausdruck hatte er zweifelsfrei identifizieren können. Er war Dean unheimlich, auch wenn dieser diesen Umstand zu verbergen versuchte.

      Mit einem Räuspern unterbrach Bobby die angespannte Stille.
      „Also Jungs. Auf geht’s, ihr wisst alles, was es über die Mine zu wissen gibt und ich würde vorschlagen, ihr brecht gleich auf, damit ihr noch vor Einbruch der Nacht da seid.“
      Als wäre nichts geschehen, erhoben sich die Brüder, nickten und begannen ihre Vorbereitungen.


      oooOOOooo


      Während sie in Richtung ‚Devil’s Pit’ fuhren, drehte Dean plötzlich die Musik leiser. Ohne den Blick von der Straße zu wenden, sagte er mit seltsam rauer Stimme: „Und? Was war, als du mit Luzifer, Adam und Michael in das Loch gefallen bist?“
      Sams Gesichtsausdruck wurde hart. „Ich erinnere mich nicht. Ich bin gestürzt und dann bin ich aufgewacht. Mitten im Nirgendwo. An mehr erinnere ich mich nicht“, sagte er mit tonloser Stimme und drehte den Kopf zur Seite, um aus dem Seitenfenster auf die vorbei fliegende Landschaft zu starren.
      Dean schwieg. Niemand verstand besser als Dean Winchester, dass es Dinge gab, an die man sich nicht erinnern wollte, über die man, selbst, wenn man sich erinnerte, nicht reden wollte. Weil es nichts änderte. Nichts von der Last nahm. Weil es keinen Sinn hatte, auch andere damit zu belasten. Weil manche Erinnerungen für alle Zeiten begraben gehörten.
      Er bereute, die Frage überhaupt gestellt zu haben. Langsam streckte er die Hand aus und drehte die Musik wieder lauter, bis sie den Kosmos seiner Gedanken ausfüllte und seine eigenen Erinnerungen dorthin verdrängte, wohin sie gehörten: in das tiefste, finsterste Loch seines Bewusstseins.


      Sie erreichten Cold Valley, den Ort, der dem alten Bergwerk am nächsten lag, in der Abenddämmerung.
      Einst war diese Region blühend und wohlhabend gewesen, als die Minengesellschaften Profite einbrachten und Wohlstand für jeden, der hier arbeitete, bedeuteten. Nachdem die Bergwerke nach und nach aufgegeben worden waren, war die Region verödet und wie viele Orte, die dieses Schicksal überall im Land teilten, war auch Cold Valley lange über den Punkt hinaus, wo es um seine reine Existenzberechtigung kämpfte.
      Es war ein herunter gekommenes Nest, um dessen Wohl sich niemand scherte, nicht einmal seine wenigen, verbliebenen Bewohner.
      „Motel? Oder einfach rein und wieder raus?“, fragte Dean, als er den Impala an der Straßengabelung anhielt, an der er sich entscheiden musste, zur Mine oder in den Ort hinein zu fahren.
      Sam seufzte. „Wir wissen wohl alles, was es über die Mine zu wissen gibt, also brauchen wir keine Recherchezeit. Kein Motel, würde ich sagen, aber etwas zu essen wäre nett.“
      Dean nickte und fuhr in den Ort hinein.

      Sie aßen Burger in dem einzigen Diner des Ortes und während die Bedienung, eine ältliche Frau mit müden, braunen Augen und angegrauten Haaren, deren Namensschildchen sie als „Sheila“ auswies, ihre Bestellung brachte, fragten sie vorsichtig nach der alten Mine.
      Sheilas starrte sie einen Augenblick an, bekreuzigte sich, nuschelte etwas davon, dass Fremde sich besser um ihren eigenen Kram kümmerten, wenn sie wussten, was gut für sie wäre und verschwand ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen durch die Schwingtür in die Küche.
      Kurze Zeit später brachte sie ihnen mit versteinerter Miene die Rechnung.
      „Nettes Völkchen hier“, murmelte Sam, als sie wieder in den Impala stiegen und Richtung Bergwerksstollen fuhren.

      -tbc


      Next: Kapitel 4: Buried deep
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lythanda ()

    • Vielen Dank ihr beiden! *umarm*

      Ja, so langsam kommt die Sache in Schwung, aber das ist erst der Auftakt ...
      Ich hoffe, ihr findet es auch weiterhin so spannend. *hoff*

      Liebe Grüße
      Lyth

      /edit: Ich werde mich mal auf Montag und Donnerstag zum Posten festlegen, ich schätze, dann kommen wir zügiger an den Punkt, an dem die anderen ausgestiegen sind.
      Ich hoffe, das ist euch nicht zu flott ... *;)* *:D*
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