Supernatural - Never see you again? completed

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    • Kapitel 8: Back to the beginning


      20.Juni 2011 … Sioux Falls, South Dakota

      Weitere zwei Wochen waren vergangen, seit Dean mit Castiel gesprochen hatte. Ehrlich gestanden wurde er langsam etwas unruhig. Was wohl auch daran lag, daß er nichts mehr hatte, womit er sich wirklich ablenken konnte. Sein „Baby“ hatte er auf Vordermann gebracht und auf Hochglanz poliert, einen Fall hatte er nicht übernehmen wollen, weil er immer noch zu abgelenkt war. Und er wollte weder Sam noch sich selbst in Gefahr bringen, nur weil er sich nicht konzentrieren konnte.

      Aber er hatte bis jetzt darauf verzichtet, Cass zu rufen und nachzufragen. Der Engel wäre sicher von allein gekommen, wenn es etwas gegeben hätte, was sich mitzuteilen lohnte. Seufzend schwang sich Dean aus dem Impala, dem er gerade innen noch einen Feinschliff verpaßt hatte. Mit einem Blick zurück auf den Wagen, der in der Sonne förmlich glänzte, wandte sich Dean Bobbys Haus zu. Im Inneren des Hauses hörte er die Stimmen von Bobby und Sam, die, wie er beim Näherkommen hören konnte, offensichtlich wieder über irgendwelchen alten Schwarten hingen und fachsimpelten. Er warf einen kurzen Blick ins Wohnzimmer.
      „Hallo, ihr beiden … ich geh kurz duschen.“ teilte er den zwei Männern mit.
      Sam und Bobby sahen kurz von ihren Büchern auf und nickten.
      Nachdem Dean sich ausgiebig geduscht hatte, ging er zurück ins Wohnzimmer. Bobby und Sam waren gerade dabei, die Bücher zuzuschlagen.
      „Wie wäre es, wenn ich uns etwas zu essen besorge?“ schlug Sam vor.
      „Klingt gut … ich könnte echt was vertragen.“ erwiderte Dean und auch Bobby nickte zustimmend.
      „Na dann mach ich mich mal in die Spur.“ sagte Sam und schnappte sich seine Jacke.
      „Ach...Sam...“ begann Dean, wurde aber sofort von seinem Bruder unterbrochen.
      „Ich weiß, Speck und extra Zwiebeln.“ meinte Sam lächelnd.
      „Ja, das auch .. und ein Stück Kuchen wäre nicht verkehrt … aber das meinte ich eigentlich nicht.“ entgegnete Dean. Bevor Sams Fragezeichen über dem Kopf noch größer werden konnte, fuhr Dean bereits fort: „Fang...“
      Und ehe es sich Sam versah, knallte ihm beinahe der Schlüssel des Impala vor die Brust. Im letzten Moment konnte er ihn noch auffangen. Verwundert starrte er auf den Schlüssel … in den letzten zwei Wochen hätte ihm Dean persönlich den Hals umgedreht, wenn er den Chevy auch nur schief angesehen hätte und jetzt …
      „Ähhh … danke!“ murmelte er daher auch nur.
      „Aber wehe, mein Baby bekommt einen Kratzer.“ Das klang schon eher wieder nach Dean, dachte Sam und beeilte sich, nach draußen zu kommen, bevor es sich sein Bruder doch noch anders überlegen konnte. Auf dem Weg zum Impala stahl sich ein Lächeln auf Sams Gesicht. Er freute sich einfach darüber, daß sein Bruder sich wieder halbwegs normal benahm. Zumindest war sein typischer Hunger wieder zurückgekehrt und auch sein Alkoholkonsum war auf ein normales Maß zurückgegangen, soweit man bei Dean von normal sprechen konnte. Zwar wirkte sein Bruder jetzt unruhig und ein bißchen nervös, aber das war allemal besser als dieses „Völlig-am-Boden-zerstört-sein“. Zwar hatte Dean nichts darüber gesagt, was er mit Castiel besprochen hatte, aber was auch immer der Engel getan hatte, es schien gut für Dean zu sein.
      Schwungvoll ließ er sich auf den Fahrersitz des Chevys fallen. Es tat gut, mal wieder hinter dessen Steuer zu sitzen, in letzter Zeit hatte er sich immer Bobbys Wagen geliehen oder eines der fast schrottreifen Teile, die hier so rumstanden. Sam ließ den Wagen an und lenkte ihn in Richtung des nächstgelegenen Diners.

      Bobby hatte bereits den Tisch freigeräumt, damit sie nachher essen konnten. Er sah Dean an, froh darüber, daß dieser schon wieder besser aussah.

      „Wie geht es dir?“ sprach er den älteren Winchester an.
      „Besser … denke ich. Das Problem ist nur, daß ich jetzt nichts mehr zu tun habe und das macht mich nervös“ gab Dean zur Antwort.
      „Wenn es nur das ist, da draußen stehen genug alte Autos, daran kannst Du so viel schrauben, wie Du willst.“ schlug ihm Bobby vor.
      „Vielleicht sollte ich darüber tatsächlich mal nachdenken.“ meinte Dean grübelnd. Zumindest seine Hände und zum Teil auch seinen Kopf könnte er damit beschäftigen. Außerdem meinte es Bobby gut, das wußte er ganz genau.
      „Tu das … aber darf ich Dich vielleicht noch etwas anderes fragen?“ begann Bobby vorsichtig. Es brachte nichts, Dean zu drängen, aber ihm lag einfach sein Wohl am Herzen und je mehr er wußte, umso besser konnte er Dean helfen.
      „Was willst Du denn wissen?“ fragte Dean und konnte nicht verhindern, daß seine Stimme etwas mißtrauisch klang.
      „Schon gut, Junge, wenn es Dir nicht behagt, mußt Du ja nicht antworten. Ich wollte nur wissen, wie es Cass geschafft hat, Deine Lebensgeister wieder zu wecken.“ wiegelte Bobby gleich ab, als er Deans Gesichtsausdruck sah.
      Dean holte tief Luft. Er hatte es kommen sehen, daß irgendwann einer der beiden fragen würde. Die Frage war immer nur gewesen, wer zuerst den Mut aufbringen würde.
      „Bobby … können wir das vielleicht besprechen, wenn Sam zurück ist. Ich weiß nicht, ob ich es schaffe, das alles zweimal zu erzählen. Ich weiß noch nicht mal, ob ich es einmal schaffe.“ erklärte Dean dem älteren Jäger.
      „Okay … einverstanden, wir warten auf Sam.“ gab Bobby zurück und ging zum Kühlschrank.
      „Auch ein Bier?“ fragte er an Dean gewandt.
      „Klar, warum nicht...“ rief er Bobby zu.
      Mit zwei Bierflaschen in den Händen setzte sich Bobby wieder zu Dean und sie unterhielten sich über Autos und andere unverfängliche Dinge, bis Sam zwanzig Minuten später wieder zurückkam.
      „So, unser verspätetes Mittagessen“ verkündete er, nachdem er sie Papiertüten auf dem Tisch abgestellt und sich selbst gesetzt hatte.
      „Danke Sammy … ich hab echt Hunger.“ Mit diesen Worten griff Dean in „seine“ Tüte und biß auch sogleich herzhaft in seinen Burger. Sam wollte Dean zwar schon wieder zurechtweisen, daß er ihn nicht „Sammy“ nennen sollte, aber als er sah, wie sein Bruder das Essen genoß, vergaß er es glatt wieder.
      Dean war auch als erster mit dem Essen fertig, lehnte sich entspannt zurück und nahm ein Schluck aus seiner Bierflasche. Da fing er einen Blick von Bobby auf, der ihn daran erinnerte, daß er dem älteren Jäger etwas versprochen hatte … nun ja, mehr oder weniger.

      „Ja, schon gut Bobby ...“ meinte Dean: „ich versuchs ja schon.“ Das es immer so verdammt kompliziert sein mußte.
      „Was … versuchst Du?“ hakte Sam jetzt nach: „Habe ich etwas verpaßt?“
      „In gewisser Weise schon...“ antwortete Dean seinem Bruder und erzählte ihm von dem kurzen Gespräch mit Bobby.
      „Ah … ja, dann … wir sind ganz Ohr.“ erwiderte Sam. Ihn hatte das schon die ganze Zeit interessiert, doch er hatte einfach nicht den Mut aufgebracht, Dean danach zu fragen. Schon weil er wußte, wie Dean auf solche Sachen reagierte und Lust auf einen Schlagabtausch, wortwörtlich gesehen, hatte er nicht gehabt.

      „Ok … ich weiß nicht, wie ich anfangen soll, aber ich werde es eben versuchen... weißt Du, Sam, ich war zuerst tierisch sauer auf Dich, daß Du einfach so Cass um Hilfe gebeten hast. Und mindestens genauso sauer auf Cass, als er hier auftauchte. Doch im Endeffekt war ich wohl nur sauer auf mich selbst. Sauer, weil ich sonst nicht so ein Weichei bin und mich derart von irgendetwas herunterziehen lasse. Aber in diesem Fall … ich war einfach machtlos. Und das ist, verdammt nochmal, ein Scheißgefühl.“ Erneut mußte Dean tief Luft holen. Ob er das durchhielt? Momentan war ihm eher nach Klappe halten und weglaufen.

      „Und … und, was hat Cass gesagt?“ wollte Sam jetzt wissen, der seinem Bruder ansah, wie schwer ihm das fiel.
      „Er hatte gemeint, er könne helfen, doch weder wollte ich, daß Lisa schlagartig ihre Erinnerungen wiederbekam … ich wollte nicht, daß sie mich haßte. Aber ich wollte meine eigenen Erinnerungen ebenfalls nicht verlieren. Ich weiß, daß das albern und sicher auch selbstzerstörerisch klingt, aber der Gedanke daran, daß ich mich nicht mehr an Lisa erinnern könnte … war mehr, als ich ertragen konnte, auch wenn ich hinterher ja nichts mehr davon gewußt hätte. Aber dann hat mit Cass eine dritte Möglichkeit genannt und ich habe ihn gebeten, es zu tun.“ Kurz unterbrach sich Dean und schaute die beiden Männer an.
      Sam und Bobby sahen ihn fragend an. Wovon sprach sein Bruder, dachte Sam, er hatte mit Castiel nur über die ersten beiden Möglichkeiten gesprochen.

      „Er hat mir erzählt, daß er bei Lisa Hinweise verstecken könnte, Hinweise auf unser gemeinsames Leben. Und wenn sie diese fände und ihre Liebe stark genug wäre, würde sie sich von selbst erinnern.“ Weiter konnte Dean nicht, das war eigentlich schon viel zu viel für ihn gewesen.

      „Hat Cass sich schon gemeldet?“ wollte Bobby jetzt noch wissen.

      Das Klingeln seines Handys enthob Dean allerdings einer Antwort. Bevor er dran ging, warf er einen Blick auf das Display und erstarrte. LISA stand dort und Dean fühlte sich wie gelähmt, unfähig, sein Telefon aufzuklappen. Nachdem es zwei weitere Male geklingelt hatte, hörte er Sams Stimme.
      „Willst Du nicht rangehen? Mann, Dean, Du siehst aus, als hättest einen Geist gesehen ...oder besser, Du siehst schlimmer aus.“ bemerkte sein Bruder, bevor ihm ein Licht aufging. Wenn Dean das Telefon so hypnotisierte, konnte das nur eines bedeuten.
      „Dean, verdammt, geh endlich ran.“ herrschte er seinen großen Bruder an, als es zum vierten Mal klingelte.
      „Kann nicht.“ hörte Sam ein leises, rauhes Flüstern aus Deans Richtung.
      „Verdammt, Junge... jetzt mach schon oder willst Du es versauen?“ mischte sich jetzt Bobby ein.
      Dean sah stumm immer noch auf das Telefon, die beiden hatten ja recht. Mit einem energischen Schwung klappte er das Handy auf und atmete durch.
      „Hallo ...“ meldete er sich. Seine Stimme klang immer noch ziemlich kratzig, fand er.
      „Dean?“ antwortete ihm eine leise Stimme fragend: „Bist Du das Dean?“
      „Ja … ich bins.“ zu einer längeren Antwort war er nicht im Stande.
      „Oh, mein Gott … ich ... ich … dachte schon, ich wäre verrückt geworden.“ hörte er Lisa jetzt schluchzen. Das war fast zu viel für Dean, er ertrug es nicht, wenn Lisa weinte.
      „Lisa... Lisa … bitte beruhige Dich wieder. Du bist nicht verrückt. Der einzig Verrückte hier bin, wenn dann, ich. Es … es tut mir so leid. Hörst Du? Bitte hör auf zu weinen.“ sagte Dean so eindringlich wie es ihm möglich war, trotz des Kloßes, den er gerade im Hals hatte.
      „Ja, entschuldige … ich bin nur so durcheinander. Es .. es tut gut, Deine Stimme zu hören.“ antwortete Lisa schon etwas ruhiger.
      „Schon gut … ist sonst alles in Ordnung mit Dir und Ben?“ wollte Dean wissen.
      „Ja, ich … ich glaube schon, soweit man das nach diesem Tag sagen kann. Falls es Dich beruhigt, wir sind nicht allein.“ erwiderte Lisa. Dean war verwirrt, was hieß … sie waren nicht allein? War da ein anderer Mann? War etwa alles umsonst gewesen? Hatte sich Cass deswegen nicht gemeldet, um ihm das nicht sagen zu müssen? So grausam konnte doch nicht mal sein Schicksal sein, oder doch?
      „Bist Du noch dran... Dean?“ drang Lisas Stimme erneut an sein Ohr.
      „Ja, ich … ich bin noch da ...“ gab er leicht abgelenkt zurück. Er mußte fragen, er mußte es einfach wissen, selbst wenn seine Welt dann zusammenfallen würde.
      „Wer ist denn bei Dir?“ stellte Dean schweren Herzens seine Frage.
      „Oh … Dean, ich habe mich wohl blöd ausgedrückt … was mußt Du jetzt nur denken … es tut mir leid. Castiel ist hier.“ bekam er zur Antwort.
      „Castiel?... was macht Cass bei Dir?“ Dean war verwirrt, Lisa kannte Castiel doch überhaupt nicht … also, was bitte hatte der Engel dann dort zu suchen?
      „Er hat auf mich … auf uns aufgepaßt... die ganze Zeit.“ brachte Lisa etwas stockend raus.
      Dean wußte im ersten Moment nicht was er denken sollte. Wie … Castiel hatte die ganze Zeit auf sie aufgepaßt? Etwa seit dem Krankenhaus? Sollte er den Engel jetzt dafür zusammenstauchen, daß er es nie erwähnt hatte oder ihn zum Dank um den Hals fallen. Nun, das würde er zu gegebener Zeit entscheiden.
      „Das beruhigt mich … ich … ich … ach verdammt … ich würde Dich gern wiedersehen... also, ich meine, wenn Du nichts dagegen hast.“ druckste Dean herum. Das war nun echt nicht sein Metier, dieses ganze Gefühlszeug.
      „Ich Dich auch … also, Du kannst jederzeit herkommen. Bist Du sauer, wenn ich jetzt auflege, ich brauche, glaub ich, einen Moment, um alles zu realisieren.“ bat Lisa.
      „Nein, schon gut, mir geht es nicht anders. Aber könntest Du diesem Trenchcoat tragenden Typen noch sagen, er soll sich gefälligst mal hier blicken lassen?“ Damit fand Dean fast zu seiner alten Form zurück.
      „Wen meinst Du?“ fragte Lisa verwirrt nach.
      „Na .. Castiel .. ich dachte, er wäre bei dir.“
      „Ist er auch, aber der trägt doch gar keinen Trenchcoat. Aber ich richte es ihm aus. Bis bald, Dean“ schloß Lisa das Gespräch.
      „Ja, bis bald.“ verabschiedete sich Dean, bevor er auflegte und in die besorgten Gesichter von Bobby und Sam schaute.

      Doch bevor er auch nur irgendwas zu den beiden sagen konnte, hörte er das typische Geräusch, das Castiels Ankunft verkündete.
      „Hallo, Dean.“ erklang auch gleich die Stimme des Engels: „Du wolltest mit mir reden?“
      „Ja, wollte ich.“ erwiderte Dean und musterte Castiel. Der Engel trug tatsächlich keinen Trenchcoat, stellte Dean verwundert fest. Aber das war für ihn erst einmal zweitrangig.
      „Ich frage mich, ob Du nicht vergessen hast, mir etwas zu sagen.“ fuhr Dean fort und verschränkte die Arme vor der Brust. Ein wenig verständnislos blickte Castiel ihn an.
      „Was meinst Du damit, Dean?“ wollte er wissen.
      „Nun, ich meine, daß ich von Lisa erfahren habe, daß Du sie und Ben die ganze Zeit beschützt hast. Verdammt Cass, das hättest Du mir doch sagen müssen … ich habe mir den Kopf zerbrochen, ob die beiden wirklich in Sicherheit sind, ob ich sie mit dem Überdecken der Erinnerungen wirklich würde schützen können. Ich habe es zugelassen, damit keine Verbindung mehr zu mir existiert, damit keiner dieser beschissenen Dämonen mehr einen Grund hat, sie zu entführen. Aber wenn ich gewußt hätte … ich ...“ Das war doch echt zum Wände hochlaufen, dachte Dean und wußte nicht so recht, was er noch sagen sollte.
      „Dean … hey, reg Dich nicht so auf. Ich bin mir sicher, Cass hat es nicht böse gemeint.“ versuchte Sam ihn zu beschwichtigen.
      „Ok .. ok … schon gut, Sam … ich kann mich nur gerade nicht entscheiden, ob ich Cass in seinen gefiederten Hintern treten oder ihn lieber umarmen sollte.“ erwiderte Dean seinem Bruder schon etwas ruhiger. Sam mußte ob der Wortwahl grinsen. Das war so typisch für Dean.
      Der wiederum starrte Castiel an, so als wisse er endgültig nicht weiter. Ein paar Minuten herrschte Stille.

      „Dean … es tut mir leid...“ brach der Engel das Schweigen: „aber ich hatte keine Gelegenheit mehr, es Dir zu sagen. Du hast so sehr daran gezweifelt, ob wir noch Freunde sind.

      „Nicht ganz zu unrecht, oder? Aber lassen wir die Vergangenheit. Ich … ich danke Dir, Cass.“ In dem Moment, als er die Worte aussprach, wußte er, daß sie der Wahrheit entsprachen. Er war Castiel dankbar, mehr als das, wenn er ehrlich war.

      „Ich habe es gern getan, Dean und ich hätte es auch den Rest von Lisas und Bens Leben getan, selbst wenn es mein eigenes Leben, mein eigene Existenz gekostet hätte.“ erwiderte der Engel ernst.

      Dean trat näher an Castiel heran und schloß ihn in eine feste, freundschaftliche Umarmung, die den Engel zwar offensichtlich irritierte, die er aber dennoch, etwas unsicher, erwiderte.
      Danach sahen sich die beiden an und Dean forderte Castiel auf, ihm alles zu sagen.
      Also erzählte ihm der Engel die ganze Geschichte. Wie er sich als Nachbar in Lisas Erinnerungen eingebracht hatte, wie er Lisa und Ben geholfen hatte, während sie noch im Krankenhaus war und auch danach. Wie er sie immer „überwacht“ hatte bis hin zu den Ereignissen des heutigen Tages.

      „Cass...“ Deans Stimme klang belegt, nach dem er nun in aller Deutlichkeit vor Augen hatte, was der Engel wirklich getan hatte … für Lisa … für Ben … und letztendlich auch für ihn.

      „Ja, Dean?“ fragte Castiel.

      „Könntest Du … ich meine, Lisa hat zwar gesagt, daß ich jederzeit vorbei kommen könne … aber vielleicht braucht sie noch etwas Zeit … ich will nicht … nicht wieder … unangemeldet vor der Tür stehen.“ Eine Ablehnung, weil er es nicht abwarten konnte, war das letzte, was Dean noch gebrauchen konnte.

      Der Engel verstand und war im Bruchteil einer Sekunde verschwunden. Dean atmete erleichtert auf, jetzt würde sicher alles gut werden und dieses Mal würde er es nicht versauen.

      Sam und Bobby, die alles stumm verfolgt hatten, atmeten erleichtert auf.
      „Alles ok, Dean?“ wollte Sam jetzt wissen.
      „Ich glaube schon, wenn ich auch noch nicht so recht weiß, wie das jetzt alles werden soll.“ erwiderte der ältere Winchester.
      „Darüber solltest Du wahrscheinlich am besten mit Lisa reden, Junge“ mischte sich Bobby jetzt ein.
      „Mhhh...“ murmelte Dean, da hatte Bobby wohl recht. Jetzt, wo er wußte, daß Castiel im Notfall auf die beiden aufpassen würde, waren sein Sorgen nicht mehr ganz so groß. Im Moment sorgte er sich nur darum, ob es für ihn und Lisa eine gemeinsame Zukunft geben konnte.
      „Übrigens … ich danke euch. Ich habe es euch sicher nicht gerade leichtgemacht.“ fuhr Dean fort.
      „Schon gut.“ wiegelte Bobby ab und Sam setzte ein: “Gern geschehen.“ dazu.

      Noch bevor einer der drei fortfahren konnte, kündigte ein „Flügelschlagen“ Cass' Rückkehr an. Gespannt sah Dean zu dem Engel hoch.

      „Sie möchte Dich auch sehen.“ teilte ihm Castiel kurz und knapp mit. Typisch für den Engel, zu viele Worte waren einfach nicht sein Ding, dachte Dean, der jetzt sogar wieder darüber lächeln konnte.

      „Dürfte ich dazu eventuell den Engelexpress in Anspruch nehmen … ?“ fragte Dean an Cass gewandt. So sehr er sein „Baby“ liebte, er glaubte nicht, daß er eine Fahrt von gut 700 Meilen überstehen würde. Dafür war er viel zu aufgeregt.

      Castiel sah ihn mit leicht schräg gelegtem Kopf an und es schien einen Moment zu dauern, bis der Engel begriffen hatte, was Dean meinte. Dann trat er auf den älteren Winchester zu und wollte ihn schon an der Stirn berühren, um ihn zu Lisa zu bringen. Doch dieser hielt ihn noch einen Moment zurück.

      „Moment noch, Cass...“ bat Dean ihn: „Bitte nicht mitten ins Wohnzimmer, oder so. Ich denke, vor die Tür ist besser, damit ich wie ein normaler Mensch anklopfen kann, okay?“

      „In Ordnung, Dean“ erwiderte Castiel und im Bruchteil einer Sekunde fand sich Dean vor Lisas Haus wieder.

      Zögernd blieb Dean an Ort und Stelle stehen. Sein Herz klopfte laut in seiner Brust, einerseits aus Sorge, was wohl nun geschehen würde, andererseits aus Freude und Erleichterung, Lisa wiederzusehen. Eine Lisa, die auch wieder wußte, wer er war. Mit einem letzten tiefen Durchatmen ging Dean zur Tür und klopfte an.
    • Kapitel 9: Finally I'm home


      20.Juni 2011, Battle Creek, Michigan

      Lisa ging zögernd auf die Tür zu und verharrte kurz, um tief Luft zu holen. Dann öffnete sie und blickte geradewegs in ein Paar grüne Augen. Deans Augen, deren Ausdruck zwischen entschuldigend, zweifelnd und glücklich schwankte. Im ersten Moment sahen sie sich nur wortlos an, weil keiner von beiden wußte, wie er beginnen sollte.
      „Hi, Lisa...“ brach Dean endlich das Schweigen.
      „Dean … schön, Dich zu sehen“ brachte Lisa mit zitternder Stimme hervor: „Willst … willst Du nicht reinkommen?“
      „Wenn Du mich läßt.“ gab Dean zögernd zurück.
      Lisa machte eine einladende Geste in Richtung des Wohnzimmers und ließ Dean vorbei, um hinter ihm die Haustür zu schließen.
      „Setz Dich doch...“ bat sie ihn.
      Dean ließ sich in den Sessel fallen. Verdammt, so nervös war er schon Ewigkeiten nicht mehr gewesen. Das letzte Mal war... richtig, genau an derselben Stelle gewesen. Und damals wie heute kam ihm das albern vor, ändern konnte er es aber auch nicht. Ein leichtes Grinsen stahl sich auf sein Gesicht … er war ein erwachsener Mann und fühlte sich gleichzeitig wie ein Teeanger. Nun gut, wie ein Teeanger von der Sorte seines Bruders.
      „Was ist?“ unterbrach Lisa seine Gedanken.
      „Oh...nichts.“ wiegelte Dean sofort ab. Die Antwort war wahrscheinlich schon ein automatischer Reflex auf diese Frage, dachte er.
      Lisa sah ihn eindringlich an.
      „Du wirst Dich auch nie ändern?“ seufzte sie, mußte aber gleichzeitig lächeln.
      „Was … oh... tut mir leid, aber ich höre diese Frage so oft … meist von Sam... das ich über die Antwort gar nicht mehr nachdenke. Sorry, war nicht meine Absicht … ich war nur in Gedanken.“ entschuldigte sich Dean.
      „Schon gut... Du wärst ja wohl auch nicht mehr Du, wenn Du plötzlich gefühlsduselig werden würdest.“ antwortete Lisa.
      Auch wenn Lisa damit recht hatte, es hatte trotzdem gesessen. Vielleicht sollte er, zumindest dieses Mal, über seinen Schatten springen und Lisa alles erklären. Auch, wenn er vermutete, daß sie das meiste schon wußte oder zumindest ahnte.
      „Lisa …“ Dean beugte sich vor und sah ihr in die Augen. Er wußte einfach nicht, wie er anfangen sollte. Genauso unverwandt blickte Lisa zurück.
      „Sag schon, was Dich bedrückt ...“ forderte sie ihn einfach auf und legte ihre Hand auf seine.
      „Ich verrat es auch niemandem.“ fügte sie lächelnd hinzu. Gut, dann Augen zu und durch, dachte sich Dean. Mehr als schiefgehen konnte es schließlich nicht.

      „Ok... ich werde es versuchen. Weißt Du, mein Leben lang war mir das wichtigste, daß die Menschen, die ich liebe, in Sicherheit waren. Ich selbst war mir dabei völlig egal. Ich konnte es bei meiner Mutter nicht verhindern und auch meinen Vater konnte ich nicht retten. Selbst bei meinem Bruder habe ich es ein paar Mal versaut und der war lange Zeit das einzige, was ich noch an Familie hatte. Der einzige, den es in meinen Augen zu schützen galt. Doch dann habe ich Dich und Ben wieder getroffen und alles, was ich wollte, war, wenigstens ein Stück normales Leben zu haben. Plötzlich konnte ich Sam verstehen, aber gleichzeitig hätte ich wissen müssen, daß es nicht gut gehen würde. Versteh mich nicht falsch, ihr zwei seid, neben Sam, die Menschen, die mir am meisten am Herzen liegen. Ich war wirklich glücklich hier. Doch das Schicksal, Gott, die Dämonen, Engel oder was weiß ich, wer oder was sonst, hatte wohl etwas dagegen, daß ich wenigstens ein bißchen glücklich war. Also kam es, wie es kommen mußte... Ich habe keine Ahnung, an wie viel Du Dich tatsächlich erinnerst, aber als ich schlußendlich realisierte, was wirklich passiert war, wollte ich nur noch eines. Eure Sicherheit und zwar so vollkommen wie möglich. Du wärst beinahe gestorben und das wollte ich kein zweites Mal erleben müssen, genauso wenig, wie Ben eine Kindheit haben sollte, die so war, wie die von mir und Sam. Also bat ich Castiel um einen Gefallen, von dem ich glaubte, es wäre die einzige Möglichkeit. Ebenso, wie ich glaubte, ich würde damit schon klarkommen...so wie immer. Doch dieses Mal hatte ich mich geirrt...“
      Dean hatte ohne abzusetzen gesprochen und war froh, daß Lisa ihn nicht unterbrochen hatte, sondern nur weiter seine Hand gehalten hatte. Sie kannte ihn wahrscheinlich gut genug, um zu wissen, daß so ein Augenblick viel zu selten war und das er es kein zweites Mal schaffen würde, so darüber zu reden. Seine Stimme war zum Ende hin immer leiser geworden, bis sie ihm völlig versagte.
      Andererseits … was hätte er jetzt auch noch sagen können … denn jetzt lag es eigentlich nur einzig und allein noch an Lisa.

      Lisa hatte Dean während des Gesprächs... oder in dem Falle eher Monologs … nur unverwandt angeschaut und einfach nur abgewartet. Sie hatte seine Qual genau gespürt und das war etwas, was sie kaum ertrug.

      „Dean ...“ begann sie, nachdem eine Weile Stille geherrscht hatte: „ich erinnere mich an alles... an jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde. An all die schönen Dinge, aber auch an das schreckliche Ende. Ich verstehe, warum Du getan hast, was Du getan hast. Es erschien Dir richtig und ich werde es Dir mit Sicherheit nicht vorwerfen. Doch jetzt und hier möchte ich für mich selbst entscheiden.“

      Dean hob den Kopf und sah sie nur an, zum sprechen fühlte er sich derzeit nicht in der Lage. In seinen Gedanke herrschte ein heilloses Durcheinander und er fragte sich, wie Lisas Entscheidung wohl aussehen würde. Würde sie ihn endgültig zum Teufel jagen, dachte er ironisch. Nicht, daß er das nicht verstehen würde … doch das wäre so etwas wie seine persönliche Apokalypse.

      „Und … und hast Du schon … entschieden?“ Deans Stimme war mehr ein krächzendes Flüstern als alles andere.

      „Ja, habe ich. Ich habe keine Ahnung, ob es die richtige Entscheidung ist oder auch nur eine gute. Aber ich will mich nicht den Rest meines Lebens fragen müssen, wo Du wohl gerade bist oder wie es Dir geht. Also wäre es wohl am besten, wir ließen die Vergangenheit ruhen und ...“ antwortete Lisa.

      Deans Herz begann hektisch zu schlagen. Er hatte es ja gewußt, dachte er resigniert. Aber er konnte es ihr nicht verübeln, sie wollte ein normales Leben für sich und Ben … und das war mit ihm unmöglich. Seufzend stütze er den Kopf in die Hände. Vorbei. Ende. Aus.

      „Wahrscheinlich hast Du recht … es kann einfach nicht gut gehen.“ fiel er ihr mit leicht zitternder Stimme ins Wort.

      Lisa schüttelte den Kopf.
      „Dean...laß mich doch ausreden … ich wollte sagen, wir sollten die Vergangenheit ruhen lassen und einfach noch einmal neu anfangen.“ führte sie ihren unterbrochenen Satz zu Ende.

      Deans Kopf kam ruckartig in die Höhe und er konnte Lisa nur anstarren. Nach ein paar Sekunden fand er jedoch seine Sprache wieder.
      „Meinst Du das wirklich ernst?“ hakte er, immer noch etwas ungläubig, nach.
      „Wenn ich es nicht verdammt ernst meinen würde, würde ich es sicher nicht vorschlagen. Mir ist sehr wohl bewußt, daß wir alles andere als eine normale Familie sein werden, aber ich finde, wir haben es uns einfach verdient.“ zerstreute Lisa seine Bedenken.
      „Allerdings hätte ich noch ein paar … nun sagen wir … Bedingungen.“ fuhr sie fort.

      „Was auch immer Du willst... so weit es mir möglich ist, werde ich alles akzeptieren.“ versprach Dean ihr. Und ja, verdammt, er meinte es so.

      „Vielleicht solltest Du lieber abwarten, was ich will, bevor Du sozusagen einen Blankoscheck unterschreibst.“ erwiderte Lisa lächelnd.
      „Egal was … sag es einfach.“ entgegnete Dean.
      „Gut … ich verlange nicht, daß Du Deinen „Job“ aufgibst … aber vielleicht könntest Du etwas „kürzer treten“? Ich meine, soweit ich mich erinnere, gibt es da draußen noch mehr von eurer Sorte. Also müßt ihr vielleicht nicht jeden Fall übernehmen. Ein paar Tage, eine Woche … das würde mir nichts ausmachen, aber ich will nicht wochen- oder monatelang zittern müssen und mich fragen, wo ihr steckt oder ob euch was passiert ist.“

      „Ok... das werde ich versuchen...“ begann Dean, als ihm etwas an Lisas Worten auffiel. Er stutzte.
      „Ähhh... du redest von „ihr“?“ hakte er nach.
      „Natürlich ihr … oder denkst Du, ich würde Sam so einfach übergehen. Was dachtest Du … das Du ein gemütliches Heim hast und Sam weiterhin in heruntergekommenen Motels abhängen soll? Wofür hältst Du mich?“ erwiderte Lisa.
      Ein zaghaftes Lächeln breitete sich auf Deans Gesicht aus.
      „Du willst Dir also, zusätzlich zu mir, einen weiteren Winchester antun... einen nervigen noch dazu?“ platzte Dean heraus. Jetzt, wo alle seine Bedenken sich scheinbar in Luft aufgelöst hatten, mußte er darüber lachen.
      „Ich weiß nicht, wer von euch beiden nerviger ist.“ konterte Lisa mit einem verschmitzten Lächeln.
      „Danke, ich hab es verstanden.“ entgegnete Dean mit gespielt beleidigter Stimme.
      „Aber meinst Du nicht, es könnte etwas eng werden im Haus?“ fuhr er fragend fort.
      „Das schon, aber dafür läßt sich sicher eine Lösung finden.“ antwortete Lisa überzeugt.
      „Gut, alles akzeptiert … sonst noch etwas?“ fragte Dean vorsichtig.
      „Nun, nur noch eines … wenn Du … ihr unterwegs seid … könnte dann vielleicht Cailean … entschuldige, Castiel auf uns aufpassen... ich meine, könntest Du ihn fragen?“ meinte Lisa zögernd.
      „Ich bin mir sicher, es wird ihm eine Freude sein … aber gestatte mir eine Frage … Cailean war der Name, den er sich ausgesucht hatte?“ Dean mußte ein wenig grinsen, der Engel hatte ihm zwar erzählt, daß er sich als Nachbar ausgegeben hatte, aber nicht erwähnt unter welchem Namen.
      „Ja... wieso?“ wollte Lisa wissen.
      „Ich hätte einem Engel, speziell Cass, nur nicht so viel Humor in eigener Sache zugetraut.“ erwiderte der Winchester mit einem Lachen. Lisa sah ihn nur fragend an. Sie verstand im Moment nicht, worauf Dean hinaus wollte.
      „Cailean ist ein keltischer Name und bedeutet soviel wie „Kind“. Ich selbst habe ihn mal als Kind bezeichnet, weil er sich wie eines benahm. Weil er, ähnlich einem Kind, geglaubt hatte, alles, was er tun konnte, auch tun zu müssen. Daher nenne ich die Namenswahl eben Humor in eigener Sache.“ erklärte ihr Dean.
      Jetzt, wo sie es verstanden hatte, konnte auch Lisa ein Lachen nicht mehr zurückhalten.

      Dean hatte mittlerweile Lisas Hände in seine genommen und war einfach nur glücklich dabei.

      „Wo ist eigentlich Ben und erinnert er sich ebenfalls?“ Nachdem sie ihre eigenen „Probleme“ zumindest für den Anfang geklärt hatten, war es Dean ein inneres Bedürfnis, sich zu versichern, was mit Lisas Sohn war.

      „Im Moment ist er noch beim Baseball-Training … und nein, er erinnert sich noch nicht an irgend etwas. Doch ich glaube, das bekommen wir auch noch hin.“ erzählte Lisa. Doch sie würde Dean noch etwas anderes sagen müssen, wenn sie schon dabei waren. Etwas nervös löste Lisa eine Hand aus Deans Händen und fuhr sich durchs Haar.

      „Dean ...“ begann sie vorsichtig: … ich muß Dir noch etwas erzählen. Erinnerst Du Dich daran, was der Dämon, von dem ich besessen war, gesagt hat … über Ben?“ fragte sie.

      Wie könnte er das vergessen? Der Dämon hatte ihn verwirren wollen, als er ihm sagte, Ben sei sein Sohn. Doch gleich darauf hatte er auch zugegeben, nur einen Scherz gemacht zu haben. Einen ziemlich geschmacklosen … aber es war eben ein Dämon gewesen. Beruhigend strich Dean Lisa über den Arm.

      „Schon gut... ich weiß, daß Dämonen lügen. Er wollte mich damit einfach nur aus der Fassung bringen. Mach Dir keinen Kopf mehr darum... es war nicht Deine Schuld.“ gab er zurück.

      „Dean … die Sache ist die … er hat nicht gelogen.“ brachte Lisa hastig heraus. Der ältere Winchester erstarrte.
      „Willst … willst Du damit sagen …?“ stotterte Dean.
      „Ja... egal, wie oft Dämonen lügen … dieser hat die Wahrheit gesagt … Ben ist Dein Sohn.“ flüsterte Lisa. Auch wenn Ben sowieso schon wie ein Sohn für Dean gewesen war und umgekehrt auch Ben Dean als eine Art Vater akzeptiert hatte, so war ihr doch immer bange vor Deans Reaktion gewesen. Sie hatte Angst gehabt, er würde sich zu sehr verpflichtet fühlen. Oder aufgrund der Verantwortung einfach abhauen. Daher hatte sie die Wahrheit verschwiegen. Sie schaute etwas unruhig und ängstlich in Deans Augen. Was er jetzt wohl dazu sagen würde?

      „Das … das ist großartig.“ hörte sie ihn nur erfreut sagen und ihr fiel ein Stein vom Herzen. Ihre Angst war wohl unbegründet gewesen. Sie stand auf und lächelte Dean zu.

      „Ich glaube, ich könnte langsam etwas zu essen vertragen und Ben kommt auch bald nach Hause. Wie siehts bei Dir aus?“ meinte Lisa.

      „Ich hab doch immer Hunger.“ erklärte Dean lachend: „Also ja... ich werde derweil Sam anrufen.“


      20.Juni 2011 … Sioux Falls, South Dakota

      Langsam wurde Sam unruhig und steckte mittlerweile auch Bobby damit an. Allerdings wohl eher deswegen, weil er vor Bobbys Nase auf und ab tigerte.

      „Sam... Junge, jetzt setz Dich endlich wieder hin und trink in Ruhe Dein Bier.“ stöhnte Bobby entnervt.
      „Ok... ok, ich mach mir halt nur Sorgen, Bobby.“ gab Sam zurück und ließ sich in den Sessel sinken. Doch statt einen Schluck zu trinken, drehte er nur die Flasche nervös in den Händen.
      „Das versteh ich ja, aber Dean ist erwachsen, er schafft das schon.“ versuchte der ältere Jäger den jüngeren zu beruhigen.
      „Erwachsen? Manchmal ist das kaum zu glauben...“ erwiderte Sam.
      In seinen Augen benahm sich Dean manchmal eher wie ein zu groß geratenes Kind. Und jetzt... er hatte keine Ahnung, wie es seinem Bruder gerade ging und das machte ihn nervös. Zumal ja nur zwei Möglichkeiten blieben... entweder, er hatte sich mit Lisa ausgesprochen und alles war gut … was Sam mehr als alles andere hoffte … oder, und daran wollte er eigentlich gar nicht denken, Dean saß gerade irgendwo und ertränkte seinen Kummer. Was nicht anderes bedeuten würde, als das er und Bobby sich erneut mit einem Häufchen Elend herumschlagen müßten. Alles nur das nicht, seufzte Sam, die letzten Wochen hatten ihm gereicht.

      „Da sagst Du was....“ stimmte ihm Bobby zu. Manchmal konnten ihm die Jungs echt den letzten Nerv rauben, aber missen wollte er sie dennoch nicht. Genauso wenig wie den manchmal recht schrägen Engel. Bobby war ehrlich gesagt froh, daß sich zwischen Dean und Cass offensichtlich wieder alles eingerenkt hatte. Es war in letzter Zeit immer so gewesen, als hätte ein Mitglied der Familie gefehlt.

      „Wenn doch nur Castiel etwas genaueres wüßte.“ bemerkte Sam. Doch der Engel war, nachdem er Dean bei Lisa abgesetzt hatte, nur nochmal kurz aufgetaucht, hatte aber zu Sams Bedauern auch keine Neuigkeiten. Er hatte die beiden nicht stören wollen, hatte er Sam erklärt, was dieser auch verstand. Trotzdem trieb ihn dieses Nicht-Wissen noch in den Wahnsinn.
      Doch bevor er noch irgendeine Sorge äußern konnte, klingelte sein Telefon. Ein Blick auf das Display zeigte ihm, daß es Dean war. Erleichtert atmete Sam auf... egal in welchem Zustand auch immer sein Bruder sein mochte, zumindest konnte er mit ihm reden. Ihn selbst anzurufen hatte er sich aus dem gleichen Grund wie Cass verkniffen.

      „Dean?“ fragte er, als er abhob.
      „Ja, Sammy, ich bins.“ erwiderte sein Bruder. Das „wer auch sonst“ sprach Dean zwar nicht aus, aber Sam konnte es trotzdem hören.
      „Alles ok … ich meine, gehts Dir gut?“ wollte Sam gleich wissen.
      „Ja, alles bestens … ich wollte mich nur melden, damit ihr beiden die Sorgenfalten aus dem Gesicht nehmen könnt.“ kam es scherzhaft von der anderen Seite.
      „Dean ...“ ermahnte Sam seinen Bruder.
      „Was? Mach mir nichts vor … da braucht man kein Hellseher zu sein, ich sehe es förmlich vor mir, wie ihr beide gebrütet habt. Du sicher um Längen mehr als Bobby.“ gab Dean lachend zur Antwort.
      Sam seufzte, sein Bruder kannte ihn einfach zu gut. Andererseits war er froh, Dean so gelöst und augenscheinlich glücklich zu hören.
      „Ok... hast ja recht... ich habe mir einfach nur Sorgen gemacht, okay?“ erwiderte Sam.
      „Schon gut... ich wollte Dich ja auch nur bitten, Deinen Hintern in den Impala zu schwingen und zu mir... besser gesagt … zu Lisa zu kommen.“ bat ihn der ältere Winchester.
      „Ja klar, gar kein Problem … ich fahr gleich los, wird aber spät werden.“ entgegnete Sam.
      „Macht nichts... also … bis später.“ verabschiedete sich Dean.
      „Ja, bis später.“ meinte Sam, bevor er wieder auflegte.

      „Und?“ hakte Bobby nach, als der jüngere Winchester aufgelegt hatte.
      „Scheint alles in Ordnung zu sein.“ gab Sam erleichtert zurück: „Dean möchte, daß ich hinkomme.“
      „Worauf wartest Du dann noch?“ fragte Bobby. Auch ihm fiel ein Stein vom Herzen, manchmal gingen Wünsche eben doch in Erfüllung.
      „Ja schon gut... geh ja schon. Kommst Du klar?“ wandte sich Sam wieder an Bobby.
      „Sicher, ich bin schon groß.“ scherzte dieser.
      „Ach Bobby...“ erwiderte Sam lachend und schnappte sich seine Sachen und den Wagenschlüssel, bevor er nach draußen lief.
      Bobby folgte ihm bis zur Haustür, verabschiedete sich von Sam und sah dem Chevy noch eine Weile hinterher, als er vom Hof fuhr. Im Geiste drückte er den Jungs die Daumen, daß es, gerade für Dean, diesmal besser laufen würde. Und er selbst würde mithelfen, so weit er es vermochte. Auch ihm hatten die letzten Wochen ziemlich zugesetzt. Das brauchte er nicht noch einmal, dachte er, als er nach drinnen ging und die Tür hinter sich schloß.
    • So, dann danke ich mal allen Lesern ... und wünsche noch viel Spaß mit dem letzten Kapitel.

      ~~~~~~


      Kapitel 10: Epilog – 3 months later


      17. September 2011, Battle Creek, Michigan

      Lächelnd saß Sam Winchester mit der Zeitung vor sich in der Küche des neuen Hauses. Nun, neu war das Haus natürlich nicht, aber nachdem sich bei Lisa, Ben und seinem Bruder alles wieder eingerenkt hatte, hatten die drei beschlossen, Sam und auch Castiel bei sich aufzunehmen. Nur leider war es für 5 Personen in Lisas altem Haus etwas zu eng gewesen. Auch wenn der Engel nicht unbedingt schlafen mußte und auch kein eigenes Zimmer gebraucht hätte. Aber sie hatten die Wahl gehabt, entweder permanent im Wohnzimmer über ihn zu stolpern oder in der Nacht einen Gast im eigenen Zimmer zu haben. Außerdem hätte sich Sam dann das Zimmer mit Ben teilen oder auf dem Dachboden schlafen müssen. Nun, dachte Sam, beides wohl keine optimale Lösung. Daher waren sie in das leerstehende Haus auf der anderen Straßenseite gezogen, eben jenes Haus, daß Castiel in seiner Verkleidung als Cailean benutzt hatte. Dieses Haus war um einiges größer und bot allen ausreichend Platz. Ein flappendes Geräusch riß Sam aus seinen Gedanken und aus der Zeitungslektüre.

      „Morgen, Cass …“ grüßte der jüngere Winchester seinen himmlischen Mitbewohner.
      „Guten Morgen, Sam.“ grüßte der Engel zurück: „schläft Dean noch?“
      „Sehr wahrscheinlich, Du kennst doch Dean, an seinen Schlafgewohnheiten hat sich nichts geändert.“ erwiderte Sam mit einem Grinsen. Und an allen anderen Gewohnheiten auch nicht, setzte er in Gedanken hinzu. Castiel nickte nur zustimmend.
      „Gut, daß alles wieder beim alten ist.“ bemerkte Sam und Castiel, der sich in der Zwischenzeit zu ihm an den Tisch gesetzt hatte, sah den Jäger an.
      „Dean hat es verdient…“ antwortete Cass, nur eine Feststellung, aber trotzdem ließen Sam die knappen, ruhigen Worte aufseufzen. Er stimmte Castiel vorbehaltlos zu, wenn einer das hier verdient hatte, dann sein Bruder. Hier bekam er die notwendige Ruhe und familiäre Geborgenheit, hier konnte er abschalten. Sam hoffte, daß es Dean einen Teil der Last abnehmen würde, die ihnen aufgebürdet worden war und die sie sich auch zusätzlich noch selbst auferlegt hatten.
      „Sam, geht es Dir gut?“ wollte Castiel jetzt wissen.
      „Ja, alles in Ordnung, Cass, ich habe nur darüber nachgedacht, wie recht Du doch hast.“ erklärte Sam dem Engel.
      „Womit hat unser Engelchen denn recht?“ ertönte da von der Tür her Deans Stimme. Sam drehte sich herum und sah in das grinsende Gesicht seines großen Bruders.
      „Damit, daß Du Dir dieses Leben mehr als verdient hast…“ gab Sam die Worte Castiels wieder.
      „Bis zum nächsten Crowley zumindest.“ wandte Dean ein. Sam sah seinen Bruder kopfschüttelnd an. Warum, zur Hölle, mußte der immer alles so negativ sehen. Oder, vermutlich mußte die Frage in seinem Falle lauten, warum WOLLTE er es so negativ sehen.

      „Dean, Du bist und bleibst ein Pessimist, bis jetzt ist, von unseren normalen Jagden abgesehen, nichts passiert. Und ich glaube auch nicht, daß sich Crowley oder irgendein anderer Dämon noch einmal an Lisa und Ben herantraut. „ erwiderte Sam bestimmend.
      Dean seufzte. Vermutlich hatte sein Bruder recht. Es waren nur seine eigenen Zweifel, mit denen er sich oft die Frage stellte, was wohl dieses Mal der Preis für sein Glück sein mochte. Denn, und das war unbestritten, es hatte ihn und Sam immer einen, zumeist sehr hohen, Preis gekostet, wenn sie sich auch nur ein bißchen normales Leben gegönnt hatten. Doch dieses Mal schien es zumindest so, als hätte das Schicksal endlich ein Einsehen gehabt.
      „Ok, Bruderherz … Du hast ja recht. Ich mache mir einfach zu viel Gedanken.“ gab Dean zu.
      Sam lächelte seinen großen Bruder an und auch auf Castiels Gesicht erschien ein … glücklicher Ausdruck, soweit man bei einem Engel davon sprechen konnte.
      „Was hältst Du davon, wenn Du Lisa und Ben weckst und wir dann gemeinsam frühstücken.“ schlug der jüngere Winchester vor.
      „Ich habe eine bessere Idee.“ erwiderte Dean lächelnd, woraufhin ihn sein Bruder abwartend ansah.
      „Ich wecke Ben und bringe ihn dann zu euch runter. Dann hole ich mir was und frühstücke mit Lisa im Bett.“ fuhr Dean fort. Sam feixte und sah Dean an.
      „Was ist heute? Dein romantischer Tag?“ wollte Sam, immer noch schmunzelnd, wissen.
      „Sammy … Klappe!“ fuhr ihn Dean an. Er klang dabei aber weniger unfreundlich, fand Sam, eher als fühlte er sich ertappt. Lisa hatte offensichtlich in dieser Hinsicht einen guten Einfluß auf Dean, befand der Jüngere, auch wenn er das wohl besser nicht laut aussprach, zumindest nicht, wenn er nicht Gefahr laufen wollte, sich seine Nase an Deans Faust zu brechen.
      „Schon gut...“ wehrte er daher mit erhobenen Händen ab. Dean schüttelte noch einmal den Kopf und machte sich auf den Weg nach oben zu Ben.

      Sam schnappte sich derweil ein Tablett und richtete einen Teil des Frühstücks für Dean und Lisa darauf an. Fehlte da nicht noch etwas?, fragte er sich lächelnd. Aber ja doch … flux kramte er in den Schränken nach einer kleinen Vase und zupfte vorsichtig eine Rose aus seinem Strauß. Dem Strauß, den er heute Abend mit zu seiner Verabredung nehmen würde. Ja, er, Sam Winchester hatte ein Date. Nachdem auch er in dieser Umgebung ein wenig zur Ruhe gekommen war, hatte er wieder Notiz von anderen Menschen genommen.
      Es war nicht so, daß die Brüder ihren „Job“ an den Nagel gehängt hätten, das wäre ihnen vermutlich auch gar nicht möglich gewesen, aber sie hatten es so gehalten, wie Dean es Lisa versprochen hatte. Sie kümmerten sich ausschließlich um Fälle, die voraussichtlich innerhalb einer Woche zu erledigen waren. Um alles andere kümmerten sich Bobby und andere Jäger.
      Und so war es Sam gewesen, der die Tür an einem schönen Tag vor knapp zwei Monaten geöffnet hatte. Eine junge Frau hatte draußen gestanden und sich als neue Nachbarin vorgestellt. Sie war in Lisas altes Haus gezogen und nachdem er sich öfter mit Patricia unterhalten hatte und diverse spitze Bemerkungen seitens Dean über sich hatte ergehen lassen müssen, hatte er sich ein Herz gefaßt und sie zum Essen eingeladen. Lächelnd stellte er sie Rose jetzt in die kleine Vase und platzierte sie auf dem Tablett.
      „Ach… und Cass“ wandte er sich nebenbei an den Engel: „Danke!“
      „Wofür, Sam?“ wollte Castiel, ein wenig verwirrt, wissen.
      „Für alles. Dafür, daß mein Bruder glücklich sein kann. Dafür, daß Du auf Lisa und Ben aufgepaßt hast und es immer noch tust, wenn wir unterwegs sind. Dafür, daß Du Bens Erinnerungen zurückgebracht hast, ihm aber die Angst, die er damals dabei empfunden hat, genommen hast.“ erklärte Sam.
      Castiel stutzte. Ja, all das hatte er getan, doch warum dankte ihm Sam dafür? Das war doch das mindeste, was er hatte tun können, um seine Schuld wenigstens zum Teil zu begleichen. Aber Menschen dachten da wohl anders, auch wenn er es häufig immer noch nicht verstand.
      „Ich habe es... gern getan.“ erwiderte der Engel jetzt ernst.
      „Das wissen wir...“ ließ sich da Dean vernehmen, der gemeinsam mit Ben die Küche betreten hatte, ohne das es Sam überhaupt bemerkt hatte.
      „Dennoch … danke auch von mir Cass.“ fuhr der ältere Winchester fort.
      Castiel legte den Kopf schräg und sah Dean an, dann nickte er erneut. Innerlich mußte der Engel zugeben, daß sich das gut anfühlte … er war … zufrieden. Offensichtlich hatte er seinen Platz gefunden, auch wenn er nie geglaubt hätte, daß dieser auf der Erde sein würde. Noch dazu in einem Haus mit Menschen, die ihn als Familienmitglied betrachteten.

      Dean hatte derweil nach dem Tablett greifen wollen, daß Sam ihm vorbereitet hatte. Jetzt beobachte der jüngere Winchester interessiert, wie sein Bruder wohl auf seine kleine „Zugabe“ reagieren würde. Dean ließ die Arme für einen Moment sinken und drehte sich herum.
      „Saaaaaaammmm...“ entfuhr es ihm und er sah seinen kleinen Bruder strafend an. „Was soll denn das Gemüse?“ sprach er weiter und deutete auf die Rose.
      „Ich habe keine Ahnung, wie die dahin kommt.“ erwiderte Sam im unschuldigsten Tonfall, den er im Moment zustande brachte und sah seinen Bruder mit großen Augen an. Dean zog die Stirn kraus und schaute Sam aus zusammengekniffenen Augen an, während er innerlich fast vor Lachen platzte, als er Sams, jetzt eindeutig erschrockenes, Gesicht sah. Er war seinem manchmal nervigen kleinen Bruder dankbar dafür, aber sollte er sich ruhig noch etwas winden. Schließlich kannte Sam seine Meinung zu solchem Romantikkram ja normalerweise sehr gut. Nur das es den Älteren heute kein Stück störte.
      „Du hast sie aus Deinem Strauß gezogen … und sie mit der Vase auf das Tablett … gestellt.“ erinnerte Castiel den jüngeren Winchester. Hatte der junge Mann etwa Gedächtnisprobleme?, fragte sich der Engel erschrocken.
      „Oh, Cass ...“ stöhnte Sam, während Dean in schallendes Gelächter ausbrach. Jetzt dämmerte es Castiel, offensichtlich war das ganze eine Art Scherz gewesen. Gut, beschloß er, er sollte wohl besser still sein.
      Nachdem Dean sich wieder beruhigt hatte, schnappte er sich das Tablett und wünschte Ben, Sam und Castiel guten Appetit. In der Tür blieb er noch einem stehen.
      „Und … äh … danke, Sam.“ meinte er, bevor er in Richtung Treppe verschwand.
      „Gern … Dean.“ rief ihm Sam hinterher.

      Lächelnd betrat Dean das Schlafzimmer, Lisa schlief tatsächlich noch, stellte er fest. Dabei war sie normalerweise der Frühaufsteher und er das Murmeltier. Nur heute offensichtlich nicht. Vorsichtig stellte er das Tablett auf den Nachttisch, bevor er sich neben Lisa setzte und ihr einen sanften Kuß auf die Stirn drückte. Blinzelnd hob Lisa ein Augenlid.
      „Hallo, Schlafmütze.“ begrüßte Dean sie leise.
      „Was … wie spät ist es?“ murmelte Lisa schlaftrunken.
      „9 Uhr.“ erwiderte Dean.
      „Morgens...?“ fragte Lisa leicht verwirrt: „Warum bist Du schon auf? Ist irgendetwas passiert?“ Der letzte Gedanke ließ sie schlagartig munter werden und erschrocken zu Dean blicken. Der aber lächelte nur, sodaß sich Lisa wieder beruhigte. Denn wäre tatsächlich etwas passiert, würde er wohl kaum so ruhig neben ihr im Bett sitzen.
      „Nein, alles in Ordnung, ich war eben einfach nur früh wach.“ beschwichtigte sie der ältere Winchester.
      „Dann werde ich jetzt wohl aufstehen müssen, wenn ich vom Frühstück noch was abhaben will.“ scherzte Lisa und machte Anstalten aufzustehen. Denn im Gegensatz zu Dean, war Sam genau wie sie ein Frühaufsteher und Castiel mußte ohnehin nicht schlafen.

      „Wenn Du was vom Frühstück abbekommen willst, solltest Du vielleicht besser hier bleiben.“ schlug ihr Dean mit einem verschmitzten Grinsen vor und als Lisa ihn zweifelnd anblickte, drehte sich Dean zum Nachttisch um und griff nach dem Tablett, um es zwischen ihnen beiden abzustellen.
      „Du hast Frühstück für mich gemacht?“ Lisa schüttelte verwundert den Kopf. Was war denn heute mit Dean los?, fragte sie sich. Frühstück im Bett … grübelte sie weiter … nein, sie konnte sich nicht daran erinnern, daß es so etwas in ihrer gemeinsamen Zeit schon einmal gegeben hatte. Dean war eben das, was man „den Mann im Haus“ nannte. Er kümmerte sich um Ben, war ihm ein guter Vater, auch bevor er die Wahrheit kannte. Er kümmerte sich um Auto, Haus und Garten, also all die Dinge, die nun eigentlich so gar nichts mit Romantik zu tun hatten. Lisa liebte ihn trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen von ganzem Herzen und sie war sich sicher, daß es Dean umgekehrt genauso ging, auch wenn er es nicht sagte. Er zeigte es lieber, war eben ein Mann der Tat, nicht der vielen Worte.
      Lisa seufzte, diese Geste jetzt bedeutete ihr wirklich viel. Dean sah sie an.
      „Naja ...“ druckste er herum: „ … also es war meine Idee … das schon... aber um die … ääh … Ausführung hat sich … nun ja … Sam gekümmert.“ Etwas verlegen kratzte sich der ältere Winchester am Kopf, was Lisa zum schmunzeln brachte.
      „Daher auch die Rose, oder?“ fragte Lisa und deutete auf die kleine Vase. Dean nickte mit einem schiefen Grinsen. „War Sammys Idee...“ gab er zu.
      „Ich finde es jedenfalls großartig.“ meinte Lisa und drückte Dean einen Kuß auf. So konnte von ihr aus jeder Morgen beginnen, was aber vermutlich nicht passieren würde, da Dean ein Langschläfer-Gen zu besitzen schien.
      In angenehmem Schweigen begannen alle beide zu frühstücken, sahen nur hin und wieder den jeweils anderen mit einem Lächeln an. Manchmal bedurfte es eben keiner Worte, um zu wissen, daß man glücklich war.

      „Weißt Du...“ meinte Dean, nachdem beide fertig waren, er das Tablett beiseite gestellt und Lisa in den Arm genommen hatte: „... manchmal kann ich noch nicht so recht glauben, daß es uns endlich vergönnt sein soll, ein, nun ja, halbwegs normales Leben zu führen.“
      „Vielleicht würde es ja schon helfen, wenn Du Dir nur halb soviel Gedanken machen würdest.“ schlug ihm Lisa vor. Vermutlich hatte sie damit recht, dachte Dean. Seine Sorgen und natürlich auch die von Sam und Cass waren schon bedeutend kleiner geworden. Nicht, daß sie plötzlich nachlässig oder unaufmerksam geworden wären, aber es fühlte sich auch nicht mehr so an, als würde man ständig gehetzt oder wäre immer auf dem Sprung. Er nickte Lisa lächelnd zu.
      „Hoffen wir, daß das möglichst für immer so bleibt.“ gab Dean zurück.
      „Für immer wäre ein guter Anfang.“ erwiderte Lisa lachend.
      Klang gut … für immer … fand Dean und schloß für einen Moment die Augen . Gemeinsam würden sie es schon schaffen.

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