Supernatural - Journal of a Man of Letters (in Deutsch)

    Mit der weiteren Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden um Ihnen die Nutzerfreundlichkeit dieser Webseite zu verbessern. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie in unserer Datenschutzerklärung

    • Supernatural - Journal of a Man of Letters (in Deutsch)

      Autor: Petit Madame / Übersetzung LadyLaduga

      Rating:
      P16

      Genre:
      Allgemein

      Pairing:
      keines

      Charaktere:
      Sam Winchester, Dean Winchester und Erwähnung weiterer

      Spoiler:
      Staffel 8 und 9


      Wie würde es aussehen, wenn Sam Winchester in seiner Eigenschaft als „Man of Letters“ ein Tagebuch schreiben würde? Gefunden habe ich die Antwort in dieser faszinierenden, fantastischen Idee von Petite-Madame, die für Text und künstlerische Gestaltung verantwortlich zeichnet und mir nur freundlicherweise die Erlaubnis gegeben hat, die ganze Sache ins Deutsche zu übersetzen. Ich hoffe, daß mir das in ihrem und eurem Sinne gut gelungen ist.


      Ich werde immer zu den jeweiligen Einträgen die Links zum Original voranstellen ... schließlich bin ich nicht der Urheber des Ganzen (nur der Übersetzer) und zum zweiten möchte ich euch auch nicht die wirklich tolle künstlerische Gestaltung vorenthalten ...


      Kapitel 1: Eintrag #1 bis #3



      #1: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/49001057907/sam-winchesters-journal-entry-1-my-name-is-sam


      #2: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/49210160984/sam-winchesters-journal-entry-2-i-collapsed


      #3: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/49724828112/sam-winchesters-journal-entry-3-im-starting




      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #1


      Mein Name ist Sam Winchester.

      So wie mein Großvater und sicher auch dessen Großvater vor ihm, bin ich ein Man of Letters, ein Mitglied einer geheimen Gesellschaft, die sich der Erforschung des Übernatürlichen widmet. Eigentlich sollte es Dutzende von uns geben, aber Dean und ich sind die einzigen, die übrig sind.

      So weit ich weiß, jedenfalls.

      Im Moment bin ich mir über nichts sicher. Ich habe bessere Tage gehabt … und auch bessere Nächte.




      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #2


      Ich bin heute Morgen in der Küche zusammengebrochen. Es war heftig, unerwartet, so als ob mir jemand einen Baseballschläger auf den Hinterkopf geschlagen hätte.

      Als ich aufwachte, war Dean da, sichtlich erleichtert, mich von den Toten zurückkehren zu sehen.

      Er hat nichts gesagt. Er hat nur geseufzt, mir aufgeholfen und mich in mein Zimmer zurückgebracht, so gut er konnte. Wir sind zweimal fast hingefallen und ich bin auf dem Weg dahin irgendwo dagegen gelaufen.

      „Es ist nichts...“, sagte Dean: „... nur diese kleine Affenstatue nahe … Sam, um Himmels Willen! Warum zur Hölle versuchst du, sie aufzuheben. Sie ist ohnehin kaputt. Ja, wir werden uns später darum kümmern. Es ist NICHTS, Sam, wenn ich es dir doch sage!“

      Nichts, na klar. Ich habe lediglich eine seltene, chinesische Antiquität aus dem 16. Jahrhundert zerbrochen. Es gibt nur drei davon auf der Welt. Ok, jetzt nur noch zwei.

      „Ok, Bigfoot, Zeit, dich ins Bett zu legen. Ich werde noch ein bißchen bei dir bleiben. Und wenn du es dir wagst, auch nur einmal 'Mir geht es gut!' zu sagen, enthaare ich deinen Kopf mit Klebeband, kapiert?“

      Normalerweise liebe ich es, Dean zu widersprechen, einfach um des Widerspruchs willen, aber ich kann nicht lügen. Es geht mir nicht gut.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #3


      Ich beginne zu verstehen, was Metatron mit „Nachhall der Welt“ gemeint hat. Ich dachte, das Chaos in meinem Kopf hätte irgendwann, nachdem wir das Hotel verlassen hatten und in die Sicherheit unseres Unterschlupfs zurückgekehrt waren, aufgehört, aber es wurde nur schlimmer in der folgenden Nacht.

      Ich habe ein Level der Wahrnehmung erreicht, das ich niemals für möglich gehalten hatte. Ich kann deutlich Dean und Cass hören, die sich zwei Stockwerke über mir unterhalten, kann den Geruch der Pinienwälder rund um den Bunker riechen und fühle den Wind auf meinem Gesicht, der über den Gleisen in der Nähe weht. Ich kann ebenfalls die Erinnerungen sehen, die schon lange vergessen sind, jede Einzelheit.

      Ich erinnere mich an eine Zeichnung von Dean und mir, die ich gemacht hatte, als ich etwa zwei Jahre alt war. Ich erinnere mich an das Monster, das mich beinahe während meiner ersten Jagd in Stücke gerissen hätte. Ich erinnere mich an die alte Uhr, die Bobby normalerweise in einem hölzernen Kästchen aufbewahrte und die wir unter keinen Umständen anfassen durften. Ich erinnere mich an den Schmerz, den ich fühlte, als Dean von einem Höllenhund bei lebendigem Leibe gefressen wurde.

      Dieses ganze Chaos sollte keinen Sinn machen, aber jetzt ist alles so klar, fantastisch, schreckenerregend und wunderschön zugleich.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von LadyLaduga ()

    • @angelinchains: Danke *:)*



      Kapitel 2 … Eintrag #4 bis #6


      #4: journal-of-a-man-of-letters.tu…rnal-entry-4-i-woke-up-my


      #5: journal-of-a-man-of-letters.tu…ournal-entry-5-cas-is-mia


      #6: journal-of-a-man-of-letters.tu…journal-entry-6-tonight-a




      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #4


      Ich bin aufgewacht, mein Gesicht mit Filzstift bemalt.

      Unsere Streiche-Kriege sind nicht mehr das, was sie vor acht Jahren waren, als wir gemeinsam unterwegs waren, um nach Dad zu suchen. Heutzutage starten wir immer dann einen neuen, wenn wir vorgeben wollen, alles sei normal und die Probleme meilenweit entfernt. Es ist ein bekanntes Muster.

      Darum hasse ich es, wenn Dean das tut. Es sagt eine Menge darüber aus, wie er sich momentan fühlt. Ich weiß, hinter den Streichen verbirgt sich auch mehr Jack Daniels, schlaflose Nächte und Gebete zu Cass.

      Und so läuft das heute ab:

      Ich werde ihm seinen Streich heimzahlen. Er wird so tun, als wäre er darüber verstimmt. Ich werde sagen, daß es unentschieden steht und wir hier aufhören sollten. Wir werden darüber lachen, uns ein Bier nehmen und einen alten Film schauen.

      Alles ist bestens. Alles ist normal.
      Wie üblich.

      P.S.: Ich hoffe, daß er keinen Permanentmarker benutzt hat, so wie das letzte Mal. Es hat mich eine Woche und eine Hautschicht gekostet, all die Kritzeleien, die er auf meine Gesicht gemalt hatte, wieder abzubekommen.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #5


      Cass ist erneut verschwunden.

      Wir brachten ihn vor ein paar Tagen in einem wirklich schlechten Zustand nach Hause, ein ziemliches Loch in seinem Bauch. Ich habe nicht mal eine Ahnung, wie er uns gefunden hat. Ich schätze, daß Dean öfter zu ihm betet, als er zugeben will und das er ihm gesagt hat, wo wir uns befinden.

      Castiel hat versucht, es heute Morgen wieder gutzumachen, aber Dean wollte ihm nicht zuhören, natürlich nicht. Aber es ist auch egal. Dean wird ihm schlußendlich verzeihen. Tut er immer, egal was er vielleicht sagt.

      Es ist unmöglich für mich, Cass zu verurteilen. Ich meine, wer bin ich, um ihn überhaupt zu verurteilen? Gerade ich? Wir haben beide eine Menge Mist gebaut für das Wohl aller, immer zutiefst davon überzeugt, daß das, was wir taten, das beste für unsere Freunde und Familie war.

      Ich bin mir nicht einmal sicher, daß ich anders gehandelt hätte, wenn ich mich um diese verdammte Tafel hätte kümmern müssen. Ich weiß es einfach nicht.

      Ich hoffe, es geht ihm gut. Und Dean hofft es es ebenso, auch wenn er eher seine Hand in einen Eisenschneider stecken würde, als es einfach zuzugeben.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #6


      Heute Abend sollte ein kleines Mädchen namens Bess eigentlich in den Armen ihrer Mutter liegen, mit deren Haar spielen und ihrem Lieblings-Schlaflied lauschen, während sie langsam einschläft. Doch stattdessen wird das einzige, was sie hört, die Tränen ihres Vater und dessen Stimme sein, die ihr sagt, daß ihre Mutter niemals wieder kommt. Sie ist noch zu jung, um es zu verstehen. Der Schmerz wird später kommen.

      Wir haben es versaut. Ich mein, mehr als sonst. Und Gott weiß, daß „es versauen“ über die Jahre ein Markenzeichen der Winchesters geworden ist.

      Menschen retten, das Böse jagen, unser Familienauftrag.

      Von wegen! Alle Menschen, denen wir nahe standen, mußten wir begraben. Ellen, Jo, Bobby, Benny … es würde Tage dauern, die ganze Liste abzuarbeiten.

      Dean und ich haben das wissenschaftliche Wunder vollbracht, den Tod in eine ansteckende Krankheit zu verwandeln. Dafür haben wir einen Nobelpreis verdient.

      Sarah ist tot, ebenso wie Jenny und Tommy. Abaddon ist frei. Cass und Metatron sind Gott weiß wo. Und Crowley hat die Oberhand gewonnen.

      Dean sagt, er wird über einen Plan nachdenken, aber das einzige , was er bis jetzt getan hat, war, eine Flasche Jack zu leeren und zwei Gläser gegen die Wand zu werfen. Nicht, daß ich eine großartige Hilfe wäre, ich bin zu müde und zu schwach, um über irgendetwas nachzudenken. Aber ich muß mich konzentrieren.

      Ich bin zu nahe am Ziel, um zu scheitern.
    • Kapitel 3: Eintrag #7 bis #9


      #7: journal-of-a-man-of-letters.tu…nal-entry-7-nine-hours-it

      #8: journal-of-a-man-of-letters.tu…s-journal-entry-8-h-minus

      #9: journal-of-a-man-of-letters.tu…s-journal-entry-9-h-minus




      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #7


      Neun Stunden.

      Es wird uns alles kosten, was wir übrig haben, um eine Lösung zu finden und Crowley für immer zu besiegen.

      Neun

      Kurze

      Stunden.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #8


      T minus 9 Stunden.


      Wer hätte ahnen können, daß diese verdammten Supernatural-Bücher nach all den Jahren wieder auftauchen würden, um uns zu verfolgen. Sie sind die einzige Möglichkeit, wie Crowley etwas über die Menschen herausfinden konnte, die wir gerettet haben und so an Sarah herankommen konnte. Wir haben nicht lange gebraucht, um zwei und zwei zusammenzuzählen.

      Dean und ich hatten geglaubt, jede Ausgabe dieser dämlichen Bücher verbrannt zu haben. Wir hatten alle Bücher, die wir finden konnten, bestellt oder aufgekauft. Wir gingen sogar zu Supernatural Conventions und stahlen die Kopien von den Rollenspielern, während diese vorgaben „Sam & Dean“ zu sein. Es hat uns Monate gekostet. Und jedesmal, wenn wir dachten, wir hätten die letzte Kopie beseitigt, tauchte auf irgendeinem Flohmarkt gegenüber unseres Motels, erneut eine auf. Sogar Kakerlaken haben kürzere Lebenserwartungen.

      Nun ist der Kampf für immer verloren: die Bücher sind im Internet verfügbar, „als pdf und fürs Handy, kompatibel mit all euren e-books und tablets zum großartigen Preis von 99 Cent“. Es gibt sogar zuvor unveröffentlichte Ausgaben. Die Leser werden das Vergnügen haben, über meine privaten Momente mit Ruby zu lesen und mich in die Hölle gehen zu sehen, nachdem ich meinen Bruder fast zu Tode geprügelt habe. Literatur von ihrer besten Seite.

      Wie können die Leute solchen Mist lesen? Ich meine, ernsthaft? Wie können „diese Fans“ ein Interesse daran haben, was auch immer in unserem Leben passiert? Zu schweigen davon, daß die Bücher grauenhaft geschrieben sind. Der Stil ist eine Schande, selbst für Geschichten in diesem Genre und ich will erst gar nicht von den Einband-Illustrationen anfangen.

      Zum Teufel mit dir, Chuck, wo auch immer du stecken magst.

      Aber was mich am traurigsten macht, ist, daß diese verdammten Bücher vermutlich der einzige Weg sind, auf dem sich die Menschen an uns erinnern werden, nachdem wir gestorben sind.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #9


      T minus 8 Stunden.

      Wag es Dir nicht, ihren Namen auf Deine beschissene Liste zu setzen, Dean! Tu es einfach nicht … okay?“

      Dean und seine Listen machen mich manchmal wahnsinnig. Seit er aus dem Fegefeuer zurück ist, hat mein Bruder die seltsame Angewohnheit entwickelt, Listen über alles und jedes auf kleine Papierstücken zu schreiben: den unnützen Kram, den er kaufen würde, wenn er in der Lotterie gewinnen würde; die besten Actionszenen aus Steven Segal-Filmen; die verschiedenen Orte, an die er gern gehen würde, wenn „alles vorbei ist“, was auch immer das bedeuten mag. Diese verdammten Zettel sind jetzt überall, in der Tasche seiner Jeans, seiner Jacke, seiner Reisetasche und am liebsten würde ich ihn umbringen, wenn er Stunden damit verbringt, sie zusammen- und wieder auseinanderzufalten, vorsichtig darauf zu schauen, sie wieder und wieder zu schreiben, weil er die Hälfte der Blätter im Motel oder an der Tankstelle vergessen hat. Nichts davon macht in meinem Kopf Sinn, aber ich schätze, wir alle klammern uns an etwas.

      Die unerklärlichste Liste allerdings ist die, die alle Menschen auflistet, die wegen uns gestorben sind. Brauchen wir wirklich eine beschissene Liste, um zu wissen, daß Dad, Ellen, Jo und Bobby ihr Leben für uns geopfert haben? Als ob wir das jemals vergessen könnten …

      Ich könnte es nicht ertragen, Jodys Namen dort zu sehen, nun gut, zumindest nicht jetzt.

      Wir haben keinen Beweis, daß sie tot ist, ok? Also, laß es..“

      Dean seufzte und legte seinen Stift beiseite. Ich weiß ganz sicher, er wird ihren Namen später hinzufügen, wenn ich schlafe. Nach all diesen Jahren kenne ich meinen Bruder in- und auswendig.

      Tot oder nicht, Sam, ich werde diesem Mistkerl noch vor Sonnenuntergang eine Kugel durch den Kopf jagen.“

      Er verließ den Raum, das Stück Papier in der hinteren Tasche seiner Jeans steckend, seine Finger nervös mit dem Stift spielend.
    • Kapitel 4: Eintrag #10 und Eintrag #11


      #10: journal-of-a-man-of-letters.tu…-journal-entry-10-h-minus


      #11: journal-of-a-man-of-letters.tu…-journal-entry-11-h-minus




      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #10



      T minus 7 Stunden.


      Dämonen-Handschellen, Sammy! DÄMONEN-HANDSCHELLEN!!“


      Deans heitere Stimme ließ mich in meinem Sessel hochschrecken. Ich muß wohl eingeschlafen sein, während ich nach Informationen im Internet gesucht hatte und mein Bruder wollte mich nicht wecken. Natürlich wollte er das nicht. Das erklärt aber, wie auch immer, nicht, warum er einen pinkfarbenen BH auf seinem Kopf hängen hatte.

      Das da? Man, die Men of Letters wußten wirklich, wie man Spaß haben konnte. Bücherwürmer, von wegen! Ich habe eine Kiste voller ausgefallenem, altem Zeug versteckt
      hinter diesem Tagebuch gefunden. Es war nicht jeden Abend nur Lateinunterricht und Buchclub angesagt, wenn Du verstehst, was ich meine.“


      Deans Ansprache ergab immer weniger Sinn. Ein Tagebuch? Was für ein Tagebuch?

      Schau mich nicht so an. Du hast Deinen Schönheitsschlaf gebraucht und ich hatte recht. Du siehst … tatsächlich … besser aus. Grad wie ein Cover für die Vogue!“

      Der Ausdruck in seinen Augen aber sagte etwas anderes. Ich mußte beschissen aussehen. Ich konnte es nicht mehr vor Dean verbergen, daß mein Sehen verschwommen und meine Bewegungen unsicher waren. Ich kann kaum aufstehen, ohne gegen den Tisch zu stolpern. Nicht zu erwähnen, daß das unheimliche Gefühl vom „Nachhall der Welt“ nicht verschwunden ist, seit ich heute Morgen aufgewacht war.

      Längst vergessene Erinnerungen verharren direkt vor meinen Augen wie ein alter Super 8-Film, der in einer Schleife hängengeblieben ist; der Geruch der Ledersitze des Impalas, der draußen parkt, kitzelt in meiner Nase, so als würde ich gerade im Wagen sitzen; der ununterbrochene Fluß undeutlicher Stimmen, die bestimmt zu den Leuten vom Highway-Departement meilenweit weg gehören, füllt meine Ohren. All meine Versuche, diese Wahrnehmungen zu unterdrücken, haben es nur schlimmer gemacht. Ich hatte schon bessere Tage.

      Wie auch immer.“, fuhr Dean fort, strahlend, während er mir das Tagebuch direkt vor die Augen hielt. „Ich habe in ein paar alten Tagebüchern gestöbert, in einem Regal da drüben und habe dabei das gefunden. Schau Dir diese Großartigkeit an. DÄMONEN-HANDSCHELLEN. Eine 'tragbare Teufelsfalle', wenn Du so willst. Leicht anzufertigen, man braucht nur eiserne Fesseln oder Handschellen, graviert mit ein paar Siegeln.“

      Dean mit so einem Lächeln auf dem Gesicht hatte ich seit Tagen nicht gesehen, wenn nicht gar seit Monaten.

      Wir werden uns Crowley schnappen, Sammy. Wir werden diesen Mistkerl kriegen und ihn an die Leine legen wie einen beschissenen Chihuahua. Wir müssen einen Dämonen heilen, richtig? Laß es uns groß aufziehen. Vergiß Abaddon, vergiß das Einfangen irgendeines einfachen, kleinen Dämons indem wir 'Christo' rufen und Weihwasser auf den erstbesten, der unseren Weg kreuzt, schütten, nur um zu sehen, ob er das arme Würstchen ist, das wir suchen. Wir machen uns auf die Jagd nach dem Geschäftsführer der
      Hölle und DAS ist der Schlüssel dazu. Die Leute, die wir gerettet haben, wären außer Gefahr und wir gewinnen einen hochwertigen Dämonen dabei. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Ganz einfach.“


      Eingedenk weitverbreiteten Glaubens, sind die einfachsten Ideen oft die besten. Doch plötzlich bin ich mir nicht mehr so sicher.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #11


      T minus 6 Stunden


      Dean brauchte gerade einmal zweieinhalb Minuten, die Küche in eine Schweißer-Werkstatt zu verwandeln und mit dem Eingravieren der Siegel in die Handschellen zu beginnen, während ich hier sitze wie eine bescheuerte Disney-Prinzessin auf ihrem Thron. Es ist mir nicht erlaubt, irgendetwas anzufassen, nicht einmal einen Schraubenschlüssel; Dean würde damit drohen, meine Eier mit dem Schweißbrenner anzuzünden, wenn ich es mir auch nur wage, einen Schritt näher zu kommen.

      Ich fühle mich nutzlos, wenn ich hier im Schlafanzug herumsitze und nichts tue.

      Dean hat sich in den letzten Stunden um alles gekümmert. Er hat mich nach Hause gebracht, sich wie eine Glucke benommen, um sicherzugehen, daß es mir gut geht, auch wenn er so getan hat, als interessiere es ihn nicht. Er hat seine Zeit damit verbracht, einige alte Tagebücher aus den Untiefen unserer Bibliothek auszugraben und in Lichtgeschwindigkeit entdeckt, was letzten Endes unsere beste Chance gegen Crowley sein könnte. Weißt Du, das ist der Grund, warum ich es gehaßt habe, wenn Dad darauf bestand: „Sam ist das Gehirn in der Familie“, als ob Dean irgendeine Art Idiot wäre, der nur auf seine Muskeln und auf seine Fähigkeit im Umgang mit Waffen zählen könnte. Ja, vielleicht weiß mein Bruder nicht, wer der 28. Präsident war, ohne bei Wikipedia nachzuschauen, vielleicht kann er nicht die verborgene Schönheit in der Poesie von Keats und Byron entdecken oder zieht Gaiman und Vonnegut Shakespeare vor, aber ich wünschte, ich hätte die Hälfte seiner Stärke, seiner Raffinesse und seiner unglaublichen Kapazität immer weiterzumachen, egal, was passiert.

      Um wirklich ehrlich zu sein, vielleicht hatte Dean niemals Interesse an diesen Dingen, weil es ihm nicht erlaubt wurde. Kann man auch nicht, wenn der eigene Vater will, daß man mit 6 Jahren eine 45er benutzen kann und seinen kleinen Bruder rund um die Uhr beschützt. Es benötigt einen gewissen Seelenfrieden, die Musik, die in der Dichtkunst des 19. Jahrhunderts enthalten ist, zu schätzen und Dean hatte diesen Luxus nie – einen Luxus, den ich genoß, hauptsächlich dank ihm und all den Schlägen, die er für mich eingesteckt hat.

      Ich wünschte, ich hätte sehen könne, was aus meinem Bruder geworden wäre, wenn wir gemeinsam in Lawrence hätten aufwachsen können. Wäre er trotzdem der Badboy in der Lederjacke seines Vaters gewesen, der null Interesse an der Schule gehabt hätte, weil es irgendwie in seinen Genen liegt oder ein Kind, daß verrückt nach Wissenschaft und Theater gewesen wäre?

      Ich werde nie ein Antwort auf diese Fragen bekommen und meine „wenns“ werden immer vage Vermutungen in meinem Hinterkopf bleiben. Das einzige „wenn“, an das ich im Moment denken kann, ist in den letzten Worten enthalten, die ich Dean ganz sicher sagen werden, bevor ich den Bunker verlasse:

      Wenn ich sterbe, verbrenn meinen Körper und hol mich nicht zurück.“
    • Kapitel 5: Eintrag #12 und Eintrag #13



      #12: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/54540322893/sam-winchesters-journal-entry-12-h-minus

      #13: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/55210182409/sam-winchesters-journal-entry-13-h-minus




      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #12



      T minus 5 Stunden


      Die Handschellen sind fertig. Mehr können wir im Moment nicht tun, lediglich eine Pause machen, bevor wir in ein paar Stunden wieder auf der Straße unterwegs sein werden. Dean war zu nervös zum schlafen; er hat vorgegeben, zeitig ins Bett zu gehen, aber er hat sich rausgeschlichen, um sich ein Bier hinterzukippen und nachzudenken.

      Ich versuche meine Augen zu schließen und auszuruhen, alles auszublenden, so gut ich kann, aber alles was ich sehe, ist ein endloser Wirbel von Farben, Gefühlen und Erinnerungen, die ständig kommen und gehen. Sie sind wie Querschläger um mich herum, die laut gegen die Wände meines Zimmers prallen. Nichts von diesem Mist macht irgendeinen Sinn, außer … außer diesem Geräusch, klar und vertraut, es übertönt den Rest.


      Kling, Kling, kling.


      Es sind Dads Erkennungsmarken, die gegeneinander schlagen. Der Laut von Metall auf Metall in meiner Kindheit ist etwas, daß ich aus Millionen Geräuschen heraus erkennen würde. Es war untrennbar mit meinem Vater verbunden, so wie das Gleiten seiner Hände über das Lenkrad des Impala, sein langsamer, tiefer Atemrhythmus, wenn er betrunken in einem Motelbett eingeschlafen war oder das tiefe Murmeln seiner Stimme, wenn er „Paint it black“ beim Rasieren vor sich hinsummte.

      Ich weiß nicht, warum ich gerade jetzt an Dad denke, warum ich den Tag noch einmal erlebe, als mir im Auto schlecht wurde, weil wir 8 Stunden am Stück gefahren waren und ich die dicke Luft im Impala und dasselbe Led Zeppelin-Album in voller Lautstärke, bis ich das Gefühl hatte, mein Kopf würde gleich platzen, nicht mehr ertragen konnte. Dad hielt den Wagen an und ließ mich raus, damit ich ein bißchen frische Luft schnappen konnte. Er nahm mich auf seine starken Arme und ließ mich mit seinen Erkennungsmarken spielen, um mich zu beruhigen. Ich kann die Merkmale sehen, die ihn auszeichneten, die blauen Ringe um seine Augen, sein mattes Lächeln und die Narbe über seiner Augenbraue. Ich erkenne wie ähnlich wir uns sehen und das ich, trotz aller Gegenbemühungen, ihm und seinen Idealen näher bin als es Dean jemals sein wird. Ich habe Jahre gebraucht, um das zu akzeptieren, ihm zu folgen und zu verstehen, was für ein Mensch mein Vater war und was für ein Mensch ich geworden bin.

      Ich weiß, daß das, womit wir uns im Moment beschäftigen, nicht die Zukunft ist, die er für uns geplant hatte. Er könnte sich nicht einmal ansatzweise vorstellen, daß Azazel nur die Spitze des Eisberg von all dem Mist wäre, um den wir uns noch würden kümmern müssen. Ich bin mir sicher, daß er sich für uns ein normales Leben vorgestellt hatte, nachdem wir das Monster, daß für Mum's Tod verantwortlich war, erledigt haben: Dean wird endlich seßhaft und Mechaniker, ich gehe wieder Jura studieren und lebe in einem Haus mit einem wunderschönen Garten, gehe mit meinen Kinder sonntags zum Fußball, ermutige sie, schneller zu laufen als ihre Cousins, während Dean das gleiche mit
      seinen Kindern tut, nur auf der anderen Seite des Feldes.

      Doch nichts davon ist eingetroffen und genau wie er , tue ich, was getan werden muß, ohne den Hauch eines Zweifels, weil ich weiß, selbst wenn das, was ich vor mir habe nicht die beste Option ist, das es doch die einzige ist, die ich habe.

      Wie der Vater, so der Sohn.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #13


      T minus 4 Stunden


      Ich weiß, was Du tust, also hör sofort damit auf.“

      Ich zuckte zusammen.

      Ich hatte nicht einmal bemerkt, daß Dean in meinem Zimmer war. Die letzte Stunde ist so schnell vorbeigegangen. Ich habe geduscht und mich rasiert, saubere Sachen angezogen als wollte ich einen neuen Tag im Büro beginnen – einen Tag wie jeden anderen, der in Gelächter über einen Cheeseburger in einem heruntergekommen Diner oder einer Rockerbar am Ende der Straße enden würde. Nichts spezielles wird heute passieren, so scheint es zumindest.

      Ich habe mein letztes bißchen Kraft zusammengekratzt, um mein Zimmer ein wenig aufzuräumen, alle verstreuten Bücher wieder in die Regale zu stellen. Dann habe ich mich an meinen Schreibtisch gesetzt und eine Notiz für Dean geschrieben. Ich war mir sicher, daß es mir leichtfallen würde, die Worte zu Papier zu bringen, aber das einzige, was ich zustande brachte, war der Name meines Bruders. Ich habe darüber nachgedacht, welcher Weg der beste wäre, ihm Lebwohl zu sagen, ihm zu sagen, daß er die richtige Entscheidung getroffen hatte und das die Durchführung der Prüfungen mein eigener Entschluß war. Es war nicht nötig, dazuzuschreiben, wie sehr es mir leid tat, daß ich nicht nach ihm gesucht hatte, als er im Fegefeuer war. Ich hätte ihm alle Gründe darlegen können, warum ich genau so gehandelt hatte, aber es macht keinen Unterschied; er wird mir sowieso nie vergeben.

      Ich wollte mir die Zeit nehmen, all das zu sagen, alle meine Gedanken zu Papier zu bringen, aber als er hier war, direkt vor mir , bekam ich nicht einen Satz zustande. Plötzlich fühle ich mich wie ein Vierjähriger, den man mit der Hand in der Keksdose erwischt hat.

      Weißt Du, ich wollte nur ...“

      Ja, ich weiß … Dein Zimmer aufräumen, weil Du denkst, daß Du nicht zurückkommst. Und Du willst alles ordentlich machen, bevor Du diesen Planeten verläßt, sodaß Dich die süßen, kleinen Engel in den Himmel jagen können. Mir einen Brief schreiben, um mir zu sagen, daß Du weiße Blumen willst und „Imagine“ auf Deiner Beerdigung gespielt werden soll. Das ist es, was Du getan hast. Bitte … Du und ich wissen, wir beide sind nicht gut in sowas.“

      Er nahm sich einen Sessel, setzte sich vor mich, ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht als er seufzte. Da war keine Spur von Wut in seiner Stimme.

      Okay, Großer, was wolltest Du überhaupt schreiben? 'Dean, paß auf Dich auf?' 'Bring mich nicht zurück?' Wir haben das doch schon hunderte Male durchgekaut.“

      Er redete einfach weiter, ohne mir die Chance auf eine Antwort zu lassen.

      Hör zu, Sammy, Du mußt Dein Zimmer nicht aufräumen, weil Du heute Abend zurück sein wirst. Du brauchst mir nicht Deine letzten Wünsche mitzuteilen, weil Du nicht
      sterben wirst. Du brauchst mir nicht zu erzählen, daß ich verdammt nochmal auf mich aufpassen soll oder so einen Blödsinn, weil ich weiß, daß ich auf mich aufpassen kann. Und mein kleiner Bruder wird da sein und es sowieso tun, wenn irgendwas passiert. Siehst Du? Ist ganz einfach. Problem gelöst.“


      Und dann ging er, seine Finger nervös mit dem Schlüssel des Impala spielend. Es gab nichts mehr zu sagen.
    • Kapitel 6: Eintrag #14 bis #16


      #14: journal-of-a-man-of-letters.tu…-journal-entry-14-h-minus

      #15: journal-of-a-man-of-letters.tu…rnal-entry-15-h-minus-two

      #16: journal-of-a-man-of-letters.tu…rnal-entry-16-h-minus-one



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #14



      T minus 3 Stunden.


      Ich hatte es nicht geschafft, Dean alles zu sagen, was ich wollte. Genauer gesagt, ich habe es nicht geschafft, ihm ein einziges Wort zu sagen, außer ein bißchen small-talk und den üblichen Lügen, daß ich mich besser fühle. Selbst der Witz, den ich vorbereitet hatte, war nutzlos. Es erschien alles so einfach, als ich es letzte Nacht im Kopf durchgespielt hatte. Ich konnte mich selbst direkt vor meinem Bruder sehen, voller Überzeugung, ihm mit beruhigender, fester Stimme erzählend, daß er auf sich aufpassen und mich nicht zurückbringen soll. Das waren meine letzten Wünsche und er mußte sie respektieren, wenn er mich liebte.

      Aber ich konnte nicht.

      Ich schätze, das ist es, was Menschen immer tun, vorgeben eine bessere Version ihrer selbst zu sein, wenn sie denjenigen gegenüberstehen, die sie lieben. Aber sie sagen diese Worte niemals. Sie senken lediglich ihren Blick und gehen. Normalerweise tat ich dasselbe mit Dad. Ich kann mich nicht an die Anzahl der „Gespräche“ erinnern, die ich in meinem Kopf mit ihm geführt habe. Nun, außer dieser einen Nacht, als ich nach Stanford ging. Das Gespräch, was wir da hatten, war natürlich echt und zum ersten Mal hatte ich den Mut, ihm alles zu sagen, was ich seit Jahren zurückhielt. Es funktionierte so gut und war ein gewaltiger Fortschritt in unserer Vater-Sohn-Beziehung. Ich weiß nicht einmal, warum es mich immer noch überrascht. Unsere Familie hatte schon immer ein gewisses Talent, wenn es darum ging, Emotionen auszudrücken. Wir können es nicht, ohne währenddessen einen oder zwei Tische umzuschmeißen und mindestens ein halbes Dutzend Whiskey-Gläser zu zerbrechen.

      Ich habe versucht, das Thema meiner letzten Wünsche im Auto wieder zur Sprache zu bringen, aber Dean schüttelte nur den Kopf, ohne mich auch nur anzusehen. Es war vorbei, alles war bereits gesagt und dieser letzte Versuch war sinnlos.

      Nichts davon spielt jetzt noch eine Rolle. Kevin wird uns die Tafel in etwa einer Stunde geben. Dann werden wir Crowley treffen. Auch wenn wir es schaffen, diesen Bastard zu fangen und ihn zu heilen, ich werde bei der letzten Prüfung sterben. Ich weiß es und bizarrerweise macht es mir nicht einmal mehr etwas aus. Ich fühle nichts – keine Furcht, keine Wut. Ich bin schon tot. Einen Fuß im Impala, den anderen im Grab.

      Zumindest wird alles bald vorbei sein und ich werde an einen besseren Ort kommen, mit dem Wissen, daß Dean und die ganze Welt mit ihm in Ordnung sein werden.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #15


      T minus 2 Stunden.

      Die fehlende Hälfte der Dämonen-Tafel gehört jetzt endlich uns. Aber zu welchem Preis.

      Kevin ist in einem extrem schlechten Zustand; er kann kaum stehen und hat Probleme, zusammenhängende Sätze zu formulieren. Um ehrlich zu sein, ich kann nicht sagen, wer schlimmer aussieht, er oder ich.

      Je länger ich den Jungen anschaue, umso weniger kann ich es lassen, es auf das zu beziehen, was er durchmacht. Wir beiden haben ein Leben, eine Mission bekommen, um die wir nie gebeten haben und wir haben alles getan, um zu entkommen; doch hier endet die Gemeinsamkeit: Im Gegensatz zu Kevin war ich durch jahrelanges, hartes Training darauf vorbereitet. Dad war da, um mir die Grundlagen zu zeigen und Dean half mir, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wann immer er konnte. Kevin und seine Mutter aber waren nur durchschnittliche Bürger, die von einem Tag auf den anderen in dieses Leben gedrängt wurden. Seine größte Sorge wandelte sich von: gute Noten haben und beim Cello spielen besser werden zu: die Welt retten und ein Prophet sein. Er mußte mit ansehen, wie seine beste Freundin besessen und getötet wurde und seine Mutter starb. Er wurde entführt, verstümmelt, als Marionette mißbraucht und schlußendlich hatte er keine andere Wahl, als selbst zum Puppenspieler zu werden, um zu überleben.

      Kein Junge dieses Alters sollte durchmachen, was er durchgemacht hatte, aber, wie Cass nicht müde wird, zu wiederholen: „Was Kevin passiert ist, ist Gottes Wille und manchmal sind Gottes Wege unergründlich ...“

      Ich sollte dem vertrauen, was ein Engel des Herrn dazu zu sagen hat, aber ich gehe in diesem Fall eher mit Deans Theorie mit: Gott hat, verdammt noch mal, keine Ahnung, was er tut oder was momentan passiert. Er hat entschieden, uns alle in der Scheiße sitzen zu lassen, in der wir seit langer Zeit stecken und ist derzeit im Urlaub in Cancun, genießt seinen Tequila mit zwei heißen Bräuten an seiner Seite.

      Wir waren von Anfang an verratzt.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #16


      T minus 1 Stunde

      Das ist es also.

      Wir sind am Treffpunkt und Crowley wird sicher jede Minute einen überdramatischen König-der-Hölle-Auftritt hinlegen. Ich denke, seine „Bühnenauftakte“ waren schon immer sein Lieblingsteil an dem Spielchen, daß er mit uns über die Jahre gespielt hat. Das erinnert mich irgendwie an diese Möchtegern-Magier, die verschwinden und dann im Rücken des Publikums wieder auftauchen. Jeder bedauert sie genug, um sie zu bejubeln und zu applaudieren, als hätte sie den Trick nicht schon hundertmal zuvor im Fernsehen gesehen. Ich bin mir sicher, Crowley hätte in Vegas groß rauskommen können, zu schade für uns, daß er diesen Karriereweg nicht gewählt hat.

      Laut Dean war unser Plan absolut makellos und es gab nichts, worüber wir uns Sorgen machen müßten. Es war wie angeln gehen, davon abgesehen, daß „der Fisch einen schottischen Akzent hat und maßgeschneiderte $1500-Anzüge trägt“. Alles, was wir tun mußten, war, die Tafel als Köder zu verwenden, normal agieren, um nicht Crowleys Verdacht zu erregen, ihm die Handschellen anzulegen und … voila!

      Wir wollen einen selbstverliebten Idioten fangen, Sammy. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt.“

      Dean versucht distanziert zu wirken, aber ich kann mir vorstellen, wie nervös er ist, einfach daran, wie er leicht am rechten Mundwinkel zupft, wenn er redet und wie er mit den Handschellen herumhantiert. Ich gebe natürlich vor, es nicht zu bemerken und er gibt vor, daß ich ihm seinen gespielten Optimismus und das Versprechen, daß wir zur rechten Zeit für eine Feierabendbier zu Hause sein werden, abkaufe.

      Ich habe keine großen Hoffnungen, um ehrlich zu sein. Zum ersten Mal habe ich nicht nur Visionen meines eigenen Todes, sondern auch vom Tod meines Bruders. Es könnte mich nicht weniger kümmern, wenn diese Aufgaben sich nur um mich drehen würden, aber Dean … er verdient nichts davon, nach allem, was er durchgemacht hat. Ich will ihn wieder lächeln sehen, glücklich sein und verwegen wie … wie in den Kindheitserinnerungen, die mich seit Wochen verfolgt haben. Wenn ich nicht scheitere, dann wird er all das vielleicht wieder haben. Die Tore der Hölle werden sich für immer schließen und er müßte sich nicht mehr mit all diesem Dämonen-Scheiß herumplagen, unnötig zu erwähnen, daß ich keine Bürde mehr wäre, die er überall mit hinschleppen müßte.

      Und dann, was?

      In einer perfekten Welt würde Dean meinen Tod akzeptieren so wie jeder andere Mensch, der ein Familienmitglied verloren hat; er würde für eine Weile um mich trauern und dann sein Leben weiterleben. Er würde vielleicht wieder jagen für ein paar Jahre, bevor er endlich in einer kleinen Stadt seßhaft werden würde, weit weg von allem, weil ihn dieser Job genug gekostet hat. Seinen Vater. Seinen Bruder. Seine Freunde. Das ist mehr, als jemand aushalten kann.

      Aber wir leben nicht in einer perfekten Welt.

      Ich kenne Dean viel zu gut. Er wird weiterjagen, bis sein Körper aufgibt oder ein verdammtes Monster, schneller und klüger als der Rest, ihn auf einer Jagd tötet; und wenn es kein Monster ist, ein Vampir oder ein Geist, dann wird es ein fehlgeleiteter Engel sein. Die einzige Frage, die ich im Moment nicht beantworten kann ist, ob mein Bruder versuchen wird, mich zurückzubringen oder, so wie ich es mir wünsche, mich in Frieden ruhen läßt und meinen Körper in Asche verwandelt.

      Ersteres wäre die Art von total dämlicher Sache, die ein Winchester tun würde, aber andererseits, nach dem, wie ich mich verhalten habe, als er im Fegefeuer war, würde ich es Dean nicht vorwerfen, wenn er keinen Finger krumm machen würde und mich an dem Ort lassen würde, an den ich gehe.

      Es kümmert mich herzlich wenig, was aus mir wird. Das einzige, was ich mir wünsche, ist, daß Dean wieder in Sicherheit ist, aber alles was ich rings um mich sehe, sind Todesomen, die mich ständig daran erinnern, was das Schicksal für uns beide bereithält.
    • Kapitel 7: Eintrag #17 bis #19



      #17: journal-of-a-man-of-letters.tu…rnal-entry-17-h-minus-0-i

      #18: journal-of-a-man-of-letters.tu…urnal-entry-18-i-can-give

      #19: journal-of-a-man-of-letters.tu…urnal-entry-19-forgive-me




      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #17


      T minus 0
      Ich kann nicht glauben, daß es funktioniert hat. Dean war vol



      DEAN Winchesters Seite


      In Ordnung. Ich werde mich um diesen Eintrag kümmern, denn sonst wird Sam eine endlose und langweilige Tirade darüber schreiben, warum er nicht glauben kann, daß wir es schaffen. Warum es ein beschissenes Wunder ist … bla bla bla. Gott weiß, ich liebe den Kerl, aber manchmal ist er eine solche Drama-Königin.


      Crowley, König der Hölle, Prinz der Neun Kreise und Herzog der Arschlöcher, sitzt auf dem Rücksitz des Wagens, heulend wie ein Baby ohne seinen Schnuller. Erst hat er versucht, zu feilschen, aber es hat nicht lange gedauert, bis er uns wieder sein wahres Gesicht gezeigt hat und drohte, neben anderen Dingen, unsere Augen mit einem Löffel zu entfernen, meine Sommersprossen einzeln mit einer Lötlampe zu verbrennen, Sams Zehen mit einer rostigen Kettensäge abzuschneiden und sie an seinen Höllenhund zu verfüttern. Er ist immer noch sauer auf meinen Bruder, weil er sein geliebtes Baby umgebracht hat, ich kann dir sagen … Der Kerl hat Phantasie, das gestehe ich ihm zu. Aber statt permanent zu jammern, sollte er dankbar sein, daß ich nicht rauche, denn sonst würde ich seinen Mund als Aschenbecher benutzen.

      Oh, nein. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, bin ich ziemlich sicher, dieser Perversling würde die Idee auch noch anregend finden.

      Tief im Inneren wußte ich, daß unser Plan funktionieren würde, frag mich nicht, warum. Manchmal habe ich diese Intuitionen. Ich muß gestehen, es hat einige Zeit gedauert, eine Lösung zu finden, aber nachdem ich über diese Dämonen-Handschellen gelesen hatte, war ich überzeugt, daß ich auf dem richtigen Weg war. Wenn ich nicht sicher wäre, daß Bobby im Himmel ist, hätte ich gesagt, er war derjenige, der mir ins Ohr geflüstert hat, in dieses alte Tagebuch hinter einem Stapel Bücher zu schauen. Ich wünschte, der alte Mann hätte unsere Bibliothek im Bunker sehen können; er hätte sich buchstäblich in die Hosen gemacht. Und ich will gar nicht erst von Dad reden und dem Waffenraum, er …

      Egal, kein Platz für Nostalgie hier.

      Nein, bizarrerweise und ungeachtet dessen, was Sammy dachte, hatte ich nicht wirklich Angst, Crowley zu fangen. Wovor ich mich wirklich gefürchtet hatte, war, was wohl als nächstes passieren würde. Diese letzte Aufgabe könnte meinem Bruder das Leben kosten, nein, es wird sein Leben kosten. Aber das lasse ich auf keinen Fall geschehen, sogar wenn das bedeutet, in die Hölle zu klettern und die Tore zur Hölle eigenhändig zu schließen. Sam hat schon genug gegeben, das muß aufhören.

      Ich hätte derjenige sein sollen, der die Aufgaben macht. ICH hätte es sein sollen. Wenn mich dieser verdammte Hund nicht überrascht hätte, hätte ich ihn ein paar Sekunden vor Sam töten können. Mein idiotischer Bruder denkt, daß es mich am meisten wütend macht, wie er sich das letzte Jahr verhalten hat, genauer gesagt, daß er nicht nach mir gesucht hat, als ich im Fegefeuer war. Ich war sauer, das werde ich nicht abstreiten. Und es hat eine Weile gedauert, seine Motivationen, warum er es nicht getan hat, zu verstehen, aber es ist nicht vergleichbar mit diesem Prüfungs-Schwachsinn. Nachdem er diesen verdammten Hund getötet hatte, wußte ich nicht, ob ich ihn den Arm nehmen wollte als ob er fünf wäre oder ihm das Genick brechen. Ich schätze, der letzte Satz ist eine gute Zusammenfassung dessen, was ich während der letzten 20 Jahre oder so für Sam empfinde: Ich will ihn zehnmal am Tag würgen, aber ich kann nicht leugnen, daß er mein Bruder ist und ich ihn bedingungslos liebe. Ich schätze, das ist es, was es bedeutet, ein großer Bruder zu sein.

      Dad hätte sich gefreut, das zu sehen. Dean pass auf Deinen Bruder auf, Dean, kümmer Dich um Sammy, Dean … . Es war gut, sein Mantra praktisch jeden Tag meines Lebens zu wiederholen, um bei der Situation anzukommen, in der wir heute stecken, nicht wahr? Es ist ein prächtiger, wunderbarer, fantastischer, überwältigender Erfolg bis jetzt! Herzlichen Glückwunsch, Dean, Du verdienst eine verdammte 1+.

      Ich will nicht, daß Sam schimpft und melodramatisch wird, aber ich schätze, ich habe die Übung ebenfalls verrissen. Was soll ich erzählen? Ich weiß, ich klinge eher pessimistisch darüber, was die Zukunft für uns bereithält, aber ich habe eine weitere Intuition und diesmal ist es keine gute. Es ist zu spät, um zurückzutreten, aber das heißt nicht, daß ich nicht alles versuchen werde, meinen Bruder zu retten.

      Gott allein weiß, was jetzt passieren wird, aber dieser Bastard hat uns schon vor langer Zeit im Stich gelassen.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #18


      Ich kann Dir Vorschläge machen, wenn Du willst. Wenn ich Du wäre … Ruby, Lilith töten, Lucifer rauslassen, Deine Seele verlieren, nicht nach mir suchen, als ich im Fegefeuer war … für den Anfang ...“

      ***

      Wir haben geweihten Boden gefunden. Crowley ist bereit für das Ritual and Dean gab mir eine Wäscheliste mit Dingen, für die ich um Absolution bitten sollte, nur für den Fall, mein Hirn würde sich nicht an den Haufen Scheiße erinnern, den ich in meinem Leben getan hatte. Ich denke nicht, daß eine zehnminütige Beichte ausreichen wird, um mich oder mein Blut zu reinigen, aber an diesem Punkt werde ich alle Chancen wahrnehmen, die wir haben, weil nicht mehr viel davon übrig sind.

      Es ist Zeit für eine private Unterhaltung zwischen mir und Dem Einen da oben. Ich hoffe, er sitzt bequem zwischen zwei Wolken, weil es ein paar Dinge gibt, die ich ihm mitzuteilen habe.




      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #19


      Vergib mir, Vater, für meine Sünden, es sind mehr als zehn … nein, fünfzehn … Jahre seit meiner letzten Beichte vergangen – wenn man Pastor Jim mitteilen, daß ich mein erstes Bier mit Dean getrunken habe, als ich 12 war und nach einer halben Flasche betrunken, als wirkliche Beichte bezeichnen kann, heißt das. Ich weiß nicht einmal, wie ich … das hier … tun soll. Die Tatsache, daß ich nicht glaube, daß Du zuhörst, ist dabei nicht gerade hilfreich, um ehrlich zu sein. Ich bin sicher, irgendein Engel hinter Deinem Schreibtisch, irgendeine Art von himmlischem Zivilisten-Diener, ist damit beauftragt, die Namen, Daten und Sünden jedes Menschen, der diese Kabine betritt, genau in einem Vordruck zu notieren, bevor er die Informationen an die „Absolutionsabteilung“ weiterleitet. Oder vielleicht machst Du eine Ausnahme für mich, bedenkt man, daß ich der Kerl bin, der die beschissene Apokalypse gestartet hat …

      Wie auch immer, kein weiteres Geschwafel. Los gehts.

      Vergib mir, Vater, für … für … ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen soll! Ich sollte um Vergebung für alles bitten, das wäre einfacher. Ich habe so viele Dinge in meinem Leben getan, die ich nicht hätte tun sollen, habe so viele Fehler gemacht, die ich nicht mehr gutmachen kann, so daß ich denke, ich verdiene so oder so keine Absolution. Selbst wenn ich zwei Wochen am Stück beichte und in einem Pool mit Weihwasser baden würde, es wäre nicht genug, um alle meine Sünden fortzuwaschen. Und wenn ich „Sünden“ sage … ich bin mir sicher, Du hörst normalerweise eher Beichten von Ehemännern, die ihre Frauen mit ihren Sekretärinnen betrogen haben oder die von Kindern, die Süßigkeiten im Supermarkt gestohlen haben. Aber ich? Ich bringe Dinge auf eine ganz neue Ebene.

      Ich bin nicht hier, um zu beichten, daß ich jeden Freitag in der Mittagspause zu einer Hure gehe, sondern, wie ich den Planeten fast in einen Aschehaufen verwandelt, einen Dämonen meinem Bruder vorgezogen, Lilith getötet, den Teufel aus seinem Käfig gelassen habe … neben anderen Dingen. Nicht schlecht für einen einzelnen Menschen, nicht wahr?

      Aber du weißt das alles längst. Ich mag keine Prahlerei, aber ich denke, du hast eine Ahnung, wer der Typ ist, der gerade mit dir spricht, weil irgendwie bin ich eine Art „Berühmtheit“ da oben. Und da unten auch, leider. Nicht, daß ich darum gebeten hätte …

      Das schlimmste daran ist, daß ich die ganze Zeit davon überzeugt war, daß alles was ich tat, richtig war. Das ich alles im Namen eines höheren Gutes tat, aber je mehr ich versuchte, Katastrophen zu vermeiden und unschuldige Menschen vor dem zu retten, was das Schicksal für sie bereithielt, umso mehr trieb ich die Erde auf die Apokalypse zu. Es war wie … in einem Auto zu sitzen und statt auf die Bremse aufs Gas zu treten, obwohl man den Abgrund direkt vor sich sieht. Das einzig positive, was ich daraus gelernt habe, ist, daß ich ein schlechter Fahrer bin und mich niemand ans Steuer lassen sollte. Niemals.

      Was war nochmal das nächste auf der Liste? Oh ja, meine Seele verlieren. Das hätte ich beinah vergessen. Ich weiß, ich bin nicht direkt dafür verantwortlich, daß ein Teil von mir in der Hölle geblieben ist, aber das heißt nicht, daß ich mich den Konsequenzen meiner Handlungen nicht stellen bräuchte. Was ich während dieser anderthalb Jahre getan habe … ich denke, daß zeigt meine wahre Natur mehr als alles andere. Die Person, die ich wurde, ohne Bindungen, ohne Gespür für Gut und Böse, war immer noch ich. Ich bin nicht sicher, ob ein anderer Mensch, der mit dem Verlust seiner Seele hätte umgehen müssen, sich auch in eine Tötungsmaschine verwandelt und soviel Blutvergießen angerichtet hätte wie ich. Das sagt mehr darüber aus, wer ich wirklich bin, mehr als alle anderen Fehler, die ich in meinem Leben gemacht habe.

      Ich werde niemals in der Lage sein, mir selbst zu verzeihen, weil ich mich an alles erinnere. Ich erinnere mich an all die Menschen, all die Kreaturen, die ich wahllos und ohne Gnade getötet habe, egal ob sie es verdienten oder nicht, daran, wie sie gefleht haben, ihr Leben zu verschonen, aus vollem Halse geschrien haben, sie nicht zu töten.
      Die Verzweiflung in ihren Augen verfolgt mich immer noch, Nacht für Nacht, manchmal mehr als meine Erinnerungen an die Hölle. Ich habe Dean niemals davon erzählt und er muß es auch nicht erfahren.

      Da wir von Dean reden … es ist Zeit, sich mit dem Elefanten im Raum auseinanderzusetzen.

      Ich kann nicht zählen, wie oft ich meinen Bruder enttäuscht und im Stich gelassen habe. Ruby, Amelia, nicht nach ihm zu suchen, als er im Fegefeuer war, sogar nach Stanford zu gehen vor Jahren. All das ist nur eine willkürliche Liste von Anzeichen, daß ich nicht vertrauenswürdig bin, egal, wie die Situation ist. Ich weiß, wir sind eine Familie und das wir zusammenhalten müssen, egal was passiert, aber das erklärt nicht vollständig, warum Dean noch hier ist und woher er die Stärke nimmt, mir jeden Tag entgegenzutreten, nach allem, was ich getan habe. Ich verstehe nicht, wie er mich überhaupt noch um sich ertragen kann, wie er sich um mich kümmern kann, so wie er es
      tut, immer noch den kleinen Bruder sehend, den Dad ihn gebeten hatte, zu beschützen. Es ist nur eine Frage der Zeit bevor er sich abwendet und ich würde es ihm nicht einmal übelnehmen. Ich meine, wie könnte ich? Jedesmal, wenn ich meinen Bruder um Vertrauen gebeten habe, darum gebeten habe, mich „erwachsen“ werden zu lassen, haben wir gesehen, wohin das führte, nicht wahr?

      Amelia war der letzte Nagel in das Vertrauen, daß Dean ich mich hatte. Er sagt nichts mehr dazu, natürlich nicht, außer ein paar Anspielungen hie und da oder ein bißchen Genuschel, wenn er betrunken ist, aber ich bin sicher, daß er mir tief drinnen niemals verzeihen wird. Wenn ich sehe, wie leicht er mit der Liste der Dinge, die ich beichten muß, rüberkam, sagt das eine Menge darüber aus, was er verbirgt.

      Ich rede mit meinem Bruder über meine Zukunft, wie er mich vermutlich für immer verlassen wird, weil er es leid ist, mich mit Vorsicht zu behandeln, wie eine Flasche mit Nitroglyzerin, die bei der leisesten Erschütterung explodieren könnte, aber keine dieser Spekulationen ist jetzt wirklich wichtig. Ich weiß viel zu gut, was diese letzte Prüfung für mich bedeutet, also sind Mutmaßungen über meine Zukunft eher … fehl am Platz.

      Ich denke nicht, daß ich irgendetwas hinzuzufügen habe, ich habe die Zeit gar nicht, also, höre, Vater: es gibt keinen Freispruch für jemanden wie mich, aber Du wirst eine Ausnahme machen und mir all meine Sünden vergeben, selbst wenn ich niemals in der Lage sein werde, mir selbst zu verzeihen. Was hier auf dem Spiel steht ist zu wichtig und zum ersten Mal seit langer Zeit denke ich, wir können gewinnen und das für immer beenden. Andere Menschen werden sterben, wenn ich es nicht beende.

      Also, gib mir die Stärke, das durchzustehen und vergib mir. Vergib mir, Vater, für das, was ich bin und für das, was ich getan habe.
    • Kapitel 8: Eintrag #20 bis #22


      #20:journal-of-a-man-of-letters.tu…rs-journal-entry-20-after

      #21:journal-of-a-man-of-letters.tu…ournal-entry-21-guess-who

      #22: journal-of-a-man-of-letters.tu…-journal-entry-22-no-more



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #20


      Nachdem er tagelang verschwunden war, tauchte Cass überraschend vor der Kirche auf und bat um Hilfe bei Metatron und den Engeln, die ihm folgen.

      Ich überzeugte meinen Bruder zu gehen, ich denke, es ist besser, daß Dean weg ist, während ich das Reinigungs-Ritual durchführe. Er hätte mich auf jeden Fall aufgehalten, vielleicht sogar gestoppt, wenn er ein Zeichen von Schwäche bei mir bemerkt hätte. Ich kenne ihn, sein „großes Bruder-Herz“ würde irgendwann sprechen und das ist das letzte, was ich im Augenblick gebrauchen kann. Außerdem, wenn er Cass eine helfende Hand geben, uns die Engel vom Leib halten und sie ein für alle Mal im Himmel einsperren kann und wenn ich mich um die Höllentore kümmern kann, dann ist das eine Chance , die wir nicht vertun dürfen. Zwei Fliegen mit einer Klappe.

      Ich kann mir nicht einmal vorstellen, wie es sein könnte: keine Dämonen mehr, keine Engel, nur ein paar Geister und Wendigos hier und dort, was sich, im Vergleich zu allem anderen, mit dem wir es in den letzten Jahren zu tun hatten, wie Urlaub auf Hawaii anfühlen würde. Zu schade, daß ich nicht hier sein werde, um das alles zu sehen, aber ich werde nicht die letzten Stunden, die ich zu leben habe, verschwafeln. Ich habe sowieso schon viel zu viel darüber geredet.

      Ich bin jetzt mit Crowley allein. Ich habe das Ritual begonnen, aber zu sagen, daß alles nach Plan läuft, wäre eine komplette Lüge: dieser Bastard sieht mich immer noch mit diesem hämischen Grinsen an, macht Witze,
      ermutigt mich weiterzumachen, während er zwischen einer Dosis Blut und der nächsten Beatles-Songs pfeift.

      Stunden sind vergangen. Dosis folgt auf Dosis, Formel auf Formel, aber der König der Hölle hat sich kein bißchen verändert. Er ist immer noch derselbe Mistkerl, der er immer war und hat mich sogar wie ein tollwütiger Hund gebissen. Die einzige gute Nachricht ist, daß er ziemlich verzweifelt sein muß, um diesen Wutpegel zu erreichen.

      Ich bleibe beharrlich, steche die Nadel zum dritten Mal in seinen Hals, aber ich bin mir nicht sicher, ob es tatsächlich funktioniert. Alle Zuversicht, die ich nach seiner Gefangennahme aufbringen konnte, stürzt in sich zusammen wie ein Kartenhaus und die Tatsache, daß ich mehr tot als lebendig bin, ist auch nicht gerade hilfreich. Ich kann kaum noch stehen, mein Sehen verschwimmt. Die Welt scheint aufgehört zu haben, rings um mich nachzuhallen, jetzt kann ich mich nur noch auf das ohrenbetäubende Geräusch meines Blutes, das durch meine Venen pumpt, konzentrieren. Es ist laut, so laut, daß ich kaum noch Crowleys Stimme hören kann, die über meine verzweifelten Versuche lacht, ihn zu heilen.

      Ich habe es bis jetzt nicht bereut, derjenige zu sein, der sich den Prüfungen unterzieht, aber zum ersten Mal habe ich das Gefühl, daß Dean der bessere Mensch für diesen Teil des Jobs wäre. Selbst wenn mein Bruder erkannt hat, daß, nachdem er ein Jahr im Fegefeuer zugebracht hat, er kein Musterbeispiel an Tugend mehr ist, er war immer der rechtschaffene Mann, der wahre Diener des Himmels und nicht eine Art dämonischer Freak, der mit der Kraft, die er hatte, nichts besseres anzufangen wußte, als Luzifers „Fleischanzug“ zu sein. Ich bin nicht einmal sicher, daß ausgerechnet ich einen Dämonen heilen kann. Ich meine, kann eine Abscheulichkeit eine andere Abscheulichkeit heilen? Kann mein Blut, das Blut, das Azazel mit seinem eigenen, schmutzigen Blut vor vielen Jahren vermischt hat, irgendwie gut sein, um jemanden anderen zu reinigen? Ich fange an, mich zu fragen, ob ich Crowley dadurch nicht stärker mache.

      Es ist keine Zeit mehr für all diese Fragen; ich kann jetzt nicht aufgeben und ich will es auch nicht. Wie Dean im Auto gewitzelt hatte, wir können nicht verlieren, weil wir wie die Blues Brothers sind, „wir sind auf einer göttlichen Mission“. Vielleicht hat er recht, aber genau in diesem Moment, könnte mir Gott nicht mehr egal sein.

      Ich tue es nicht für ihn.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #21


      Ratet mal, wer zum Essen kommt?

      Ich hätte ahnen sollen, daß Abaddon früher oder später eine dramatische Rückkehr hinlegen würde, aber ich hatte nicht erwartet, daß das früher … jetzt sein würde. Eigentlich bin ich nicht wirklich überrascht, sie hat lediglich Murphys Gesetz bestätigt.Ihre Anwesenheit ist eine normale Entwicklung nachdem Dean gegangen ist, Cass Ärger mit dem Himmel hat und Crowley nicht so auf das Reinigungsritual reagiert hat, wie er sollte. Satan könnte im Anzug an der Tür auftauchen und ich würde nicht mal mit der Wimper zucken.

      Bevor ich aber auch nur ein Wort sagen konnte, warf mich Abaddon quer durch den Raum, so als ob ich nichts wiegen würde.

      Um ehrlich zu sein, war ich die geringste ihrer Sorgen; alles was sie wollte, war eine kleine Unterhaltung mit Crowley über einen wichtigen Führungswechsel in der Hölle und zu sagen, daß sie erfreut aussah, wäre weit von der Wahrheit entfernt. Allerdings kann ich sie nicht total verurteilen: sie hat die Hölle zu Zeiten ihrer vollen Pracht verlassen, auserwählt von Luzifer selbst, als einer der glorreichen Ritter der Hölle, aber als sie ein paar Millennien später zurückkam, mußte sie herausfinden, daß der König zusammen mit seinem Erzfeind in einem Käfig eingesperrt ist, während ein Händler die Zügel in der Hölle in der Hand hielt. Ich wäre sicher auch sauer …

      Ich nutzte ihre momentane Unaufmerksamkeit aus, um Benzin über sie zu schütten und ihr Gesicht in ein riesiges Grillfest zu verwandeln. Sie sah mich nicht kommen, sie war viel zu sehr mit Crowley und der Frage, wer der Eine wäre, dessen Hintern auf den Höllenthron gehöre, beschäftigt. Es ist immer das Gleiche mit den Dämonen: sie hören sich gar zu gern selbst reden und vergessen dabei, was um sie herum geschieht. Ich werde mich nicht beklagen, es machte meine Aufgabe leichter, sie in eine riesige Rauchwolke zu verwandeln.

      Unter normalen Umständen, hätte ich alles getan, um Abaddon in so kleine Stücke zu schneiden, daß nicht mal ein Haute Couture Künstler sie wieder hätte zusammenflicken können und hätte sichergestellt, daß sie nie wieder das Leben einer unschuldigen Frau hätte nehmen können, um sie als Hülle zu verwenden. Die arme Josie Sands war genug und ich will gar nicht von all den Menschen reden, denen sie die Kehle zerfetzt hat, nur um freien Zugang zum „Winchester-Fernsehen“ zu bekommen.

      Aber wir befinden uns nicht unter normalen Umständen.

      Die Zeit rennt mir davon und Abaddon interessiert mich im Moment nicht die Bohne. Ich bin sie zügig losgeworden, aber ich hatte keine Wahl, die letzte Prüfung ist jetzt das wichtigste. Wenn ich es hinbekomme, die Höllentore für immer zu schließen, wären sie und alle ihrer Art einfach nur noch eine schlechte Erinnerung und lediglich die Bibel und einige Aufzeichnungen in den Men of Letters Archiven werden davon zeugen, daß sie jemals existiert haben.

      Ich kann nur davon träumen, daß zukünftige Jägergenerationen die Älteren fragen, ob Dämonen wirklich real waren oder nur so etwas wie moderne Schauermärchen, erfunden von Leuten, die „Der Exorzist“ einmal zu oft gesehen haben.


      Ja, das ist ein Traum, den ich sehr wohl haben darf.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #22


      Keine Zeit zu verlieren.

      Jetzt, wo Abaddon nichts weiter als eine große Rauchwolke in der Ferne ist, ist der Moment gekommen, diesen Mist ein für alle Mal zu beenden. Ich hebe Crowley, immer noch an seinen Stuhl gebunden, vom Boden auf, erwarte eine neue Welle von Beleidigungen, vielleicht auch ein bißchen mehr beißen. Es hat nicht lange gedauert, bis ich bemerkt habe, daß etwas anders ist. Weil Crowley totalen Unsinn über Band of Brothers und andere HBO-Serien labert und das wir, er und jeder andere … wir alle es verdienen, geliebt zu werden.

      Ernsthaft?
      Crowley, der König der Hölle, der Typ, der die Bedeutung des Wortes „Mitleid“ nicht einmal kennt, der Typ, der Höllenhunde auf uns angesetzt hat, der unzählige Male versucht hat, uns zu töten, der Kevins Finger abgeschnitten hat.
      Dieser Crowley will einfach geliebt werden, wie ein kleiner Junge, der seine Mama verloren hat? Hat er vielleicht eine Gehirnerschütterung erlitten, als Abaddon seinen Stuhl umgeschmissen hat oder sowas?

      Nein, nein, da ist noch etwas, etwas in Crowleys Augen, daß ich nie zuvor gesehen habe: Furcht, Zweifel, sogar … Mitgefühl. Und es ist nicht nur ein Trick, um Zeit zu schinden oder mich durcheinander zu bringen, es ist wirklich da.

      Gott, ich kann es nicht glauben. Es geschieht. Das Ritual hat funktioniert. Crowleys Verteidigung bricht zusammen. Als ich die Nadel das letzte Mal in seinen Hals steche, sieht er mich mit Tränen in den Augen an, fleht mich an, ihm zu sagen, was der richtige Weg ist, um Vergebung zu erhalten, schwafelt sogar über Wiedergutmachung und von all den Dingen, die er in seiner Vergangenheit getan hat. Das ist mehr, als ich mir erhoffen konnte.

      Ich kann diese Chance nicht verstreichen lassen. Kein Platz für Zweifel und Dean hat es todernst gemeint. Ich muß das Ritual beenden, ob er zurückkommt oder nicht.

      Nur ein paar Tropfen Blut, ein paar Worte auf Latein und alles wird vorbei sein.

      Genau.

      Es ist VORBEI.

      FÜR IMMER.
    • Kapitel 9: Eintrag #23 bis #25

      #23: journal-of-a-man-of-letters.tu…rs-journal-entry-23-sammy

      #24: journal-of-a-man-of-letters.tu…ters-journal-entry-24-you

      #25: journal-of-a-man-of-letters.tu…nal-entry-25-i-let-go-and



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #23


      “SAMMY, STOP!”


      ***

      Dean ist hier, fleht mich mich an, aufzuhören, erzählt mir, daß diese letzte Prüfung mich umbringen wird.
      Ich werde sterben … UND? Hat er die Mitteilung nicht erhalten? Mein Tod war das einzige, dessen ich mir in all dem Mist sicher war. Ich habe versucht, ihm das auf hundert verschiedenen Wegen zu erklären und jetzt benimmt er sich so, als wäre das eine brandneue Information. Als ob das wichtig wäre.

      Ich verstehe kaum, was los ist: mein Bruder macht momentan keinen Sinn. Ich versuche aus ihm schlau zu werden, schreie ihn an, daß wir nah dran sind, daß andere Menschen sterben werden, wenn ich das nicht beende. Aber er hört mir nicht einmal zu. Er fährt mit seinem Geschwafel über eine „kleine Planänderung“ fort, damit, daß alles, was wir von diesen Prüfungen gelernt haben, genug ist, um es zu unserem Vorteil zu nutzen und das wir die Dämonen ein für allemal loswerden könnten, ohne die Tore zur Hölle schließen zu müssen.

      Nach allem, was wir geopfert haben, soll ich jetzt stoppen? Einfach den Schalter umlegen, nach Hause gehen, fernsehen und alles vergessen, was je passiert ist, weil wir ins Fegefeuer gehen können, nur dadurch die Hand eines Taxifahrers zu halten oder weil wir Höllenhunde sehen können mit 2-Dollar-Nerdbrillen, gekauft bei Hot Topic?

      Was ich hier tue, darf nicht gestoppt werden. Es ist zu wichtig, weil … weil, verdammt …

      Dean …

      Du verstehst es nicht, nicht wahr? Ich tue das nicht nur für die Welt oder weil ich wenigstens einmal im Leben etwas richtig machen will. Ich tue das auch für DICH. Ich will, daß Du stolz auf mich bist. Ich mache das, damit ich Dich nicht wieder enttäusche, so wie immer. Das kann ich einfach nicht mehr, weißt Du.
      Ich habe Deine Intelligenz so oft gelobt, Dich gegen Dad verteidigt, der immer dachte, ich wäre das einzige Hirn in der Familie. Aber jetzt, so wie Du Dich verhältst, fange ich an, mich zu fragen, ob Du nicht eigentlich doch dumm bist! Du begreifst es nicht, nicht wahr? Nein? In Ordnung, Du wirst mir zuhören, Du dämlicher Mistkerl.

      Im Gegensatz zu dem, was Du mir gesagt hast, bevor wir den Bunker verlassen haben, weiß ich, daß Du mir nicht vertraust. Hättest Du es, würde ich nicht für alles, was ich tue, eine Anstandsdame brauchen. Du hättest Dein Vertrauen nicht dem erstbesten Engel oder Vampir geschenkt, den Du getroffen hast, weil sie eine verlässlichere Wahl als ich waren. Ich kann das nicht mehr aushalten. Ich möchte, daß Du mich wieder so ansiehst wie damals, als wir Kinder waren, ich mein erstes Monster umgebracht haben oder sogar als ich, rot wie eine Tomate, das Haus verlassen habe, auf dem Weg zu meiner ersten Verabredung. Ich möchte diesen richtigen Stolz in Deinen Augen wiedersehen. Das ist es, was ich will. Verstehst Du, ich habe Dir erzählt, daß ich erwachsen werden wollte, aber ich bin nicht sicher, daß ich darauf überhaupt vorbereitet war. Ich weiß es nicht. Kann ich nicht beides haben? Kann ich nicht ein Erwachsener sein und trotzdem meinen Bruder haben, der manchmal stolz auf mich ist, wie in den guten alten Zeiten?

      Hör zu, ich weiß nicht einmal, was zur Hölle ich rede. Ich kann kaum geradeaus denken. Ich schwafle und ich kann nicht mal den Unterschied ausmachen, welchen Teil des Monologs ich laut ausspreche und welcher nur in meinem Kopf stattfindet.

      Ich mag es nicht, wenn Du mich so siehst – schwach, verzweifelt. Ich besaß die Unverschämtheit, Dir mal zu sagen, daß ich ein besserer Jäger war als Du jemals sein würdest, klüger und stärker. Aber sieh mich jetzt an. Sieh, was für ein Witz von Jäger ich bin, was für ein Witz von MANN.

      Ja, ich weiß, Du wirst über mich lachen, mir in Deiner besten John Winchester Stimme erklären: „Reiß Dich zusammen und benimm Dich wie ein Mann, Sammy“, mich vielleicht sogar ins Gesicht oder auf den Mund schlagen. Aber ich bin nicht bereit dafür. Ich bin nicht bereit für das, was Du mir zu sagen hast, Dean.

      Tut mir leid.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #24



      „Glaubst Du das wirklich? Weil nichts davon, NICHTS davon ist wahr.

      Ich weiß, wir hatten unsere Meinungsverschiedenheiten. Verdammt, ich weiß, ich habe Dinge gesagt, die Dich haben davonlaufen lassen. Aber Sammy, komm schon, ich habe Benny getötet, um Dich zu retten. Ich bin bereit, diesen Bastard und all die Mistkerle, die Mum umgebracht haben, gehen zu lassen für Dich. Wage es nicht, zu denken, daß es irgendetwas gibt, vergangen oder zukünftig, daß ich vor Dich stellen würde.

      Es war nie so, niemals. Ich will, daß Du das verstehst!“


      Unsere Feinde haben uns mal gesagt, daß Dean und ich unsere gegenseitigen Schwächen wären, daß uns Familie alles bedeutet, uns beiden. Ich schätze, ich habe vergessen, wie wahr das ist, bis ich diese Worte aus dem Mund meines Bruders hörte. Aber nach all dem Mist den ich in den letzten Monaten getan habe, war es nicht überraschend, daß ich diese Erinnerung brauchte.

      Ich weiß nicht einmal, was ich sagen soll, um ehrlich zu sein. Ich hatte einen Schlag ins Gesicht erwartet, nicht Deans tiefempfundene Worte. Deans ernstgemeintes Geständnis war mehr als alles, was ich erhoffen konnte.

      Ich wünschte, wir hätten diese Diskussion eher gehabt, wie jede andere Familie, bei einem Bier, zu Hause oder während Thanksgiving in Tradition eines „Feiertags-Familiendramas“. Aber wir sind nicht die Cunninghams, richtig? Die Winchesters müssen immer erst einen Punkt erreichen, an dem es kein Zurück mehr gibt, bevor wir überhaupt eine normale Konversation wagen. Das war schon der Fall als Dad hier war und wir vor 10 Jahren losfuhren. Ich schätze, diese alte Gewohnheit wird schwer loszuwerden sein und wir sind immer noch nicht bereit , dieses jahrzehntealte „wirkliche Männer reden nicht“ abzulegen, ungeachtet aller Versprechen, die wir einander gegeben haben.

      Ich weiß nicht, ob die Dinge anders gewesen wären, wenn ich diese Worte eher gehört hätte, wenn ich gewußt hätte, Dean vertraut mir. Stur, wie ich bin, hätte ich die Prüfungen so oder so gemacht und wäre mehr als bemüht gewesen, zu beweisen, daß ich meines Bruders Vertrauen wert gewesen wäre. Ich vermute, da wäre weniger Wut, weniger Aufbrausen gewesen, nur ein ruhiger, jetzt festgelegter, Weg in den Tod, die Tore der Hölle und die endgültige Erlösung.

      Aber es ist so oder so zu spät zum Spekulieren, die Energie der drei Prüfungen erfaßt meinen ganzen Körper, frißt mich auf, fühlt sich an, als würde die gesamte Welt, Vergangenheit und Zukunft, in meinem Inneren nachhallen. Es ist stark, erschreckend, wunderbar und was weiß ich noch alles. Das einzige, dessen ich mir sicher bin, ist, daß es keine Umkehr mehr gibt und das nichts diese Kraft stoppen kann.

      Es ist da und ich werde sterben, Dean. Ich werde sterben.

      Und dann hörte ich diese Worte, diese drei kleinen Worte aus Deinem Mund:

      „Laß es los.“


      Es ist, als wären wir wieder Kinder. Du umarmst mich, tröstest mich als wäre ich vom Fahrrad gefallen und hätte aufgeschürfte Knie. Loslassen? Einfach so? Als ob es nichts als eine Schramme wäre. Wir reden vom Schließen der Höllentore, einer Stärke, die Gott selbst den Menschen gegeben hat, um alles zu beenden. Ich stehe am Rand einer Klippe und Du fragst mich ruhig, loszulassen? Dean, das ist nicht Indiana Jones oder einer dieser blöden 80er-Jahre-Filme, die Du so sehr magst. Ich werde nicht magisch in die Luft fliegen und der Heilige Gral wird nicht hier sein, um mich zu retten.

      Aber, egal.

      Ich habe wieder und wieder gejammert, Dich aufgefordert, mir zu vertrauen, vielleicht sollte ich versuchen, dasgleiche auch mit Dir zu tun , so verrückt das klingt. Ein Vertrauensvorschuß. Wer weiß, vielleicht hast Du recht. Vielleicht ist es nichts. Vielleicht muß ich einfach zugeben, daß es einen anderen Weg gibt.

      In Ordnung.

      Genau. Ich lasse es los.

      Ich hoffe nur, Du wirst da sein, um mich aufzufangen.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #25



      Ich habe losgelassen und alles hört auf.

      Einfach so, wie Dean gesagt hat.

      Die Energie der Prüfungen scheint meinen Körper für immer verlassen zu haben und das einzige, was mich daran erinnert, ist eine leichte Hitze in meinen Armen. Die Welt hat aufgehört, nachzuhallen, die Erinnerungen, die mich seit Wochen verfolgen, verschwinden langsam, Bild für Bild und die unglaubliche Welle, von der ich vor einem Augenblick noch dachte, daß ich sie unmöglich zurückhalten kann, ist jetzt schon lange weg.

      Gott, es ist vorbei, endlich.

      Ich hole tief Luft, immer noch gegen Deans Schulter gelehnt, versuche mich ein bißchen zu beruhigen, aber dann … ist es wieder da. Dieser Schmerz in meiner Brust, meinen Armen, sogar noch stärker als zuvor, ich ersticke; ich kann nichts mehr sehen, ich muß … ich …

      Dean bringt mich eilig nach draußen, damit ich frische Luft bekomme, dabei vergessend, daß Crowley immer noch gefesselt auf seinem Stuhl in der Mitte der Kirche sitzt, aber der Versuch ist völlig nutzlos: meine Lungen brennen und bei den ohrenbetäubenden Geräuschen draußen möchte ich am liebsten meinen Kopf gegen die Wand schlagen. Ich bekomme den Eindruck, daß Kriegsflugzeuge den Wald bombardieren, während Feuerwerkskörper zu Hunderten in die Luft geschossen werden. Es macht überhaupt keinen Sinn. Ich verstehe nicht, was passiert. Ich bin fast blind und das einzige, was ich erkennen kann, sind weiße Lichter, fallend, krachend, explodierend rings um uns herum.

      Hat es Crowley schlußendlich geschafft, seine Truppen zu sammeln? Werden wir von einer Armee von Dämonen attackiert? Ich will wissen, was zur Hölle hier vorgeht, auch wenn der Schmerz in meiner Brust mir keine Sekunde läßt, klar zu denken. Ich greife meinen Bruder am Arm, flehe ihn an, zu antworten, aber die einzigen Worte, die ich hören kann, sind nur ein Flüstern inmitten des Chaos:

      „Engel … sie fallen.“
    • Kapitel 10: Eintrag #26 bis #28



      #26: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/62357898221/sam-winchesters-journal-entry-26-as-the-sky-is

      #27: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/63020645904/sam-winchesters-journal-entry-27-heaven-must

      #28: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/64143869775/sam-winchesters-journal-entry-28-i-wake-up-in



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #26


      Als der Himmel immer heller wird und die Engel um uns herum wie Bomben in den Wald krachen, können Dean und ich an nichts anders denken als an Castiel. Gott allein weiß, wo er jetzt ist. Es ist unmöglich, zu sagen, ob er unter den fallenden Engeln ist oder ob er all das ausgelöst hat, als er die Himmelstore geschlossen hat. Ich klinge sicher nicht sehr optimistisch, aber ich schätze, wir können die zweite Option vergessen und wetten, daß Metatron etwas mit diesem improvisierten Feuerwerk zu tun hat.

      Castiel kann jetzt sonst wo sein, ein paar Meilen entfernt von uns oder in der Mitte der Kalahari-Wüste, Angesicht zu Angesicht mit einem Buschmann. Ich hoffe er wird mehr Glück haben als einige seiner Brüder, die in Flammen aufgegangen sind, bevor sie den Boden erreichten. Ich weiß nicht, ob viele von ihnen es schaffen werden, um ehrlich zu sein.

      Ich denke nicht, daß Bobby verstehen würde, warum ich um den Kerl so besorgt bin, ich meine, auch wenn Cass in den letzten 6 Jahren oft ein starker Verbündeter war und häufig zum Team gehörte, so hat er doch nicht gezögert, mit Crowley hinter unserem Rücken zusammenzuarbeiten, um alle Seelen aus dem Fegefeuer zu befreien. Er hat versucht, in einem Anfall von Größenwahn, Gott zu ersetzen, hat einen Scheißjob gemacht, als er mich aus der Hölle rettete, hat mich fast umgebracht, als er freiwillig die Mauer in meinem Kopf, die Tod errichtet hatte, eingerissen hat – und ich bin sicher, ich vergesse ein oder zwei seiner fantastischen Leistungen – aber wie ich einmal sagte, ich bin nicht in der Position, zu verurteilen. Das würde bedeuten, daß das genau der Richtige sagt.

      Dieser Mistkerl hat eine Menge Scheiße gebaut, aber er ist immer noch unser Freund.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #27


      Der Himmel muß jetzt beinahe leer sein.

      Seine ganze Population fällt auf die Erde, Engel um Engel. Es scheint niemals aufzuhören. Jedesmal, wenn die Dinge leiser zu werden scheinen, kommt eine neue Welle, stärker als die vohergehende. Mehr Engel, mehr blendende Lichter, mehr undeutliches Geschrei in der Ferne.

      Wir haben immer gedacht, die größte Gefahr für diesen Planeten wäre ein gefallener Erzengel, bereit eine Apokalypse aufgrund ungelöster Vaterprobleme zu starten, gewesen, aber die wirkliche Bedrohung war in einem Indianer-Reservat versteckt und hatte das Gesicht eines durchschnittlichen Typen in einem alten Wollpullover, Bücher lesend und auf Leute wartend, die ihm ihre Geschichten erzählen.

      Wie war das Zitat von Borges nochmal? „Ich habe mir immer vorgestellt, daß das Paradies eine Art Bibliothek sei.“?
      Mann, wenn Du nur wüßtest, wie recht Du hattest, nur das der Bibliothekar komplett verrückt geworden ist und in einem Anfall von Wut alle Leser rausgeworfen hat.


      Es gibt nichts, was wir tun können. Das übersteigt unsere Kräfte.

      Als ich sagte, alles wäre vorbei, lag ich falsch: es hat gerade erst begonnen.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #28


      Ich wache im Wagen auf, müde, mein Körper taub.

      Dean ist hier, lächelt mich an, sichtbar erleichtert. Das Radio brabbelt Neuigkeiten über einen noch nie dagewesenen globalen Metoritenschauer, den selbst die brilliantesten Astrophysiker nicht hatten kommen sehen. Es ist ein stetiger Fluß von Astronomen, die über die Schönheit des Phänomens staunen, Spezialisten, die den Einfluß auf die weltweite Wirtschaft abschätzen, Politiker, die Rechenschaft von der NASA und der ESA fordern, weil sie es nicht geschafft haben, dies vorherzusehen und natürlich einige Freaks von Weltuntergangs-Sekten, die „Das Ende ist nah!“ predigen und das Gott selbst auf die Erde gekommen ist, um uns für unsere Sünden zu strafen. Das witzigste dabei ist, daß diese Verrückten der Wahrheit am nächsten kommen. Gott selbst ist vielleicht nicht da, aber seine Soldaten laufen jetzt durch die Straßen von Chicago, Tanger und Warschau oder zumindest diejenigen, die ihren Fall überlebt haben.

      Laut Dean habe ich mehr als 24 Stunden geschlafen. Ich weiß nicht einmal, warum ich noch am Leben bin, nach allem, was in der Kirche passiert ist. Ich dachte, mein letztes Stündlein hätte geschlagen, aber ich schätze, Tod wird noch etwas länger warten müssen, bis er meine Seele holen kann. Als ob sich der Tod selbst sich um mich persönlich kümmern würde, er kümmert sich um niemanden; ich bin mehr als einmal auf der anderen Seite gewesen, meine Seele würde sicherlich vom Sensenmann #2488 geholt, bevor ich meine Erinnerungen an Thanksgiving mit meinem Teenagerschwarm und Jayhawks-Spiele mit Dean in Technicolor wiedererleben dürfte.

      Ich weiß nicht, was ich denken soll. Meine Muskeln sind steif und meine Wange taub vom langen gegen die Scheibe des Impala pressen, aber andererseits fühle ich mich überraschend … gut. Ein wenig anders vielleicht, ich kann es kaum erklären, aber das ist sicher eine Nachwirkung der Prüfungen. Ich schätze, dieses Nachhallen der Welt einige Wochen lang und die Aufnahme von Energie, die stark genug ist, die Höllentore zu schließen, muß wohl einige Spuren in meinem Körper hinterlassen haben. Aber eingedenk dessen, wie die letzte Prüfung mich von innen aufgezehrt hat, ist es ein Wunder, daß ich noch unter den Lebenden weile. Vielleicht hatte Castiel recht, Wunder geschehen immer wieder oder Gott selbst hat eingegriffen. Wer weiß? Ich sicherlich nicht.

      Und ich mag es nicht, etwas nicht zu verstehen.

      Auf jeden Fall ist es beruhigend, daß meine Gesundheit kein Problem mehr ist, nicht für mich natürlich, weil es so oder so keine Rolle spielt, aber für Dean. Ich weigere mich, eine Bürde für ihn zu sein. Ich würde es ihm nicht gestatten, sich 24/7 um mich Sorgen zu machen, so wie er es die letzten Monate getan hat. Mit den fallenden Engeln, Abaddon, die nach einer neuen Hülle sucht und Metatron als neuem Anführer im Himmel, werden Dean und ich uns beide darauf konzentrieren müssen, was als nächstes geschieht, ohne das irgendetwas anderes dazwischenkommt.

      Ja, wir haben zu tun.

    • Kapitel 11: Eintrag #29 bis #31




      #29: journal-of-a-man-of-letters.tu…winchesters-journal-entry

      #30: journal-of-a-man-of-letters.tu…urnal-entry-30-today-dean

      #31: journal-of-a-man-of-letters.tu…rnal-entry-31-life-can-be



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #29 … Ezekiels Seite


      Wo auch immer ich hinkomme, da ist nichts außer zerstörten Gebieten und Verwüstung. Es ist sogar schlimmer, als ich erwartet hatte, obwohl ich die Geschichten, was Sam Winchester in den letzten Jahren durchgemacht hat, über den Engelsfunk gehört hatte. Die Prüfungen haben die Dinge natürlich nicht besser gemacht, aber ich hatte gehofft, daß ich zumindest einen erhaltenen Platz finden würde. Je mehr ich von Sams Gedanken erkunde, desto mehr werde ich Zeuge von wüsten Landstrichen und ausgetrockneten Flüßen, von verbrannten Wäldern und Bergen, alle heimgesucht von Stimmen in der Ferne und Schatten von Menschen, die lange nicht mehr da sind.

      Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, diesen Menschen von innen zu heilen. Ich schätze, ich muß auf die eine oder andere Weise Gott spielen, um seine Wälder und Ebenen wiederzubeleben, verlorene Erinnerungen und Träume wieder aufzubauen und den Seelenstücken, die über Orte, die selbst Sam ignoriert, verteilt sind, neues Leben einzuhauchen. Unnötig zu sagen, daß das nicht leicht sein wird, insbesondere, wenn man bedenkt, wie schwach ich im Moment bin.

      Engel, die vor dem Fall auf der Erde waren, haben mir einst erzählt, daß selbst der zerstörteste menschliche Geist ein komplexes Kunstwerk von Gott ist. Ich verstehe jetzt, was sie meinten, aber unglücklicherweise habe ich keine Zeit, es zu bewundern.

      Ich habe zu tun.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #30




      Heute hat Dean drei militärisch ausgebildete Dämonen getötet, nur indem er Rubys Messer benutzt und eine ordentliche Portion von Badass-Verhalten an den Tag gelegt hat. Abaddon ist wundersamerweise wieder zurück und beansprucht jetzt den Höllenthron. Kevin Solo, vormals Tran, hat eine Soldatin erpresst, nachdem er ihren persönlichen Computer gehackt hat. Crowley hat entsprechend den Winchesters die Tugenden von Isolation und Meditation entdeckt und wir haben eine befreundete Jägerin vor dem sicheren Tod gerettet.

      Keine große Sache, ein ganz gewöhnlicher Tag.

      Das erste Zusammentreffen mit Tracy, der Jägerin, die wir gerettet haben, war schwierig, zumindest für mich. Es ist jetzt mehr als fünf Jahre her, aber was auch immer ich tue, für meine Kollegen bleibe ich immer „Sam-Winchester-der-Junge-der-Luzifer-aus-der-Hölle-befreit-hat“. Ich habe gelernt, damit zu leben. Ich schätze, es ist wie mit einer Narbe, die man vergessen hat, aber von Zeit zu Zeit, wenn man es am wenigsten erwartet, erinnert einen der Schmerz daran, daß sie da ist. Ich leugne den ganzen Scheiß nicht, den ich getan habe oder will es unter den Teppich kehren als wäre es nie passiert, aber ich habe auch gelernt, die Schuld loszulassen und mich darauf zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist: Familie, Freunde, unsere „Mission“ oder wie auch immer man die Rettung der Welt, wenn es nötig ist, bezeichnen will.

      Da ich gerade von Familie spreche, Kevin spielt Videospiele auf seinem Computer (oder hackt sich ins Pentagon, wer weiß das schon) und Dean liegt auf der Couch, in seinem 40er Jahre-Morgenmantel, schnarchend, so laut wie die Triebwerke einer 747, nachdem er vier, Verzeihung, fünf volle Gläser Whiskey getrunken hat als wäre es Limonade. Er wird es mit Sicherheit später abstreiten, aber ich konnte ihn bis zum Versammlungsraum am Ende der Halle hören. Ich habe ihn schon lange nicht mehr so friedlich gesehen, vielleicht ist es das Gefühl von Sicherheit, das Gefühl von einem Zuhause.

      Leider kann ich da nicht mitgehen: es wird mich ein wenig mehr Zeit kosten, den Bunker als Zuhause zu betrachten. Bis jetzt war es für mich eher ein Arbeitsplatz, eine riesige Bibliothek, wo ich mich auf meine Nachforschungen konzentrieren kann, zum Vermächtnis der Men of Letters beitragen, indem ich alle Informationen über Dämonen, Engel und andere übernatürliche Wesen, die ich finde, archiviere. Ich habe ein Zimmer, das, im Gegensatz zu Deans, nicht mit jeder Menge persönlicher Dinge dekoriert ist, nur ein altes Familienphoto, welches das Feuer überlebt hat und ein paar Bücher, die ich über die Jahre gesammelt habe. Dennoch habe ich immer noch Probleme, es nicht als durchschnittliches Motelzimmer anzusehen. Eine Menge meiner Sachen sind unausgepackt, nur für den Fall, daß ich eilig
      verschwinden muß. Es gibt eine Schrotflinte unter meinem Bett, drei Hexenbeutel, versteckt hinter den Möbeln und Rubys Messer in der Nähe meines Kissens. Ich fühle mich nicht 100% sicher.


      Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß es eines Tages so weit sein wird. Irgendwann. Aber um ehrlich zu sein, ich kann mich nicht beklagen, ich fühle mich besser als jemals zuvor. Es geht mir … prima, ich bin glücklich mit meinem Leben, was eine 180°-Wende ist, wenn man bedenkt, wie die Situation nur eine Woche zuvor war. Ich weiß, daß das verrückt ist, mit den gefallenen Engeln da draußen und Abaddon, die den ganzen Planeten in Schutt und Asche legen will, aber auf einer persönlichen Ebene, geht es mir gut, umgeben von den Menschen, die mir wichtig sind und das ist mehr, als ich erhoffen konnte.

      Das ganze wäre perfekt, wenn Bobby hier wäre und natürlich Castiel. Dean sagt auch weiterhin, daß Cass ein großer Junge ist, aber er prüft sein Telefon alle zwei Minuten, um zu sehen, ob er auch keinen Anruf verpaßt hat. Ich weiß nicht, was ich denken soll. Einerseits ist Castiel einer der zähesten Krieger und Strategen, den ich je getroffen habe, aber andererseits weiß ich nicht, wie er sich da draußen macht, ohne sein Kräfte und mit dreiviertel des Himmels auf seinen Fersen. Wie Dean schon sagte, er kann uns anrufen, wenn die Dinge für ihn schlecht laufen. Wir werden ihn dann in Nullkommanichts abholen und ihm helfen, wenn er in Schwierigkeiten gerät.

      Weil das ist es, wofür Freunde und Familie da sind.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #31


      Manchmal kann das Leben überraschend sein.

      Ich hätte nie gedacht, daß ich Cass eines Tages mit dem Gesicht voller Guacamole sehen würde, Burritos essend, als hinge sein Leben davon ab, mit einer Zahnpasta-Tube kämpfend und vorsichtig die Zähne putzend. Oder glücklich über den Wasserdruck oder den angenehmen Geruch eines sauberen Hemdes. Es erinnert mich irgendwie an die Situation vor ungefähr 5 Jahren, als er sein Mojo nach dem Rettungsversuch für Adam in Venice verloren hatte, aber damals war es nicht exakt dieselbe Situation, er war nicht komplett vom Himmel abgeschnitten. Jetzt hat sich alles geändert: es waren drei Wochen oder so, aber man kann schon sagen, wie anders, wie menschlich Cass ist, in seiner Art zu reden, in seiner Haltung, da ist sogar etwas in seinen Augen, was ich nie zuvor gesehen habe.

      Dean und ich hatten keine solche Verwandlung in so kurzer Zeit erwartet, aber worauf wir, wie auch immer, absolut nicht vorbereitet waren, war, was uns Cass über seine Nacht mit April erzählte. Er war ein paar Monate mit dieser Frau, Daphne, wenn ich mich recht erinnere, verheiratet und etwas könnte irgendwie während dieser Zeit als Ehemann passiert sein, aber ihn offen, mit einem Lächeln über das ganze Gesicht, über „Geschlechtsverkehr“ reden zu hören, war … etwas anderes.

      Ok. Rede ich hier tatsächlich über Castiels Sexleben?

      Wie auch immer, er ist nicht mehr derselbe, er beginnt sogar unsere Witze zu verstehen. Eine Woche länger mit uns und „Clarence“ wird Star Wars und Per Anhalter durch die Galaxis zitieren. Er ist immer noch dabei, herauszufinden, was seine neugefundene Menschlichkeit wirklich für ihn bedeutet, sich an dieses Leben anzupassen, so gut er kann, aber andererseits macht er das bis jetzt überraschend gut, auch wenn er die ersten Schritte auf die harte Tour lernen mußte, allein auf der Straße, ohne bekannte Gesichter, die ihm den Weg zeigten.

      Soweit es mich betrifft, ich fühle mich besser als seit Jahren. Ich bin heute morgen laufen gewesen, etwas, daß ich seit Monaten nicht mehr tun konnte, aber ich denke, ich verlange zuviel von meinem Körper, zu früh. Ich kann fühlen, daß ich noch nicht vollständig genesen bin … ich habe manchmal Aussetzer. Ich bin nicht 100% darauf konzentriert, was um mich herum geschieht. Dean sagt, das ist, weil ich meine Nase 24/7 in meinem „Streber-Zeug“ vergrabe und das ich schon immer so war, aber mein Bruder kann sagen, was er will, ich habe ständig den Eindruck, daß irgendetwas im Moment seltsam ist. Seltsam mit mir … und auch seltsam mit Dean. Zum Beispiel sagte er, daß er Maurice' Taschen durchwühlt hat, um Informationen über Cass' Aufenthaltsort zu finden, aber ich weiß, daß er mir da nicht die Wahrheit erzählt, auch wenn ich, um ehrlich zu sein, nicht erklären kann, warum er bei sowas einfachem lügen würde. Das ergibt keinen Sinn.

      Oder vielleicht liege ich falsch und werde langsam paranoid, vielleicht ist es eine Nebenwirkung der Art, wie mein Körper mit der übriggebliebenen Energie der Prüfungen fertigzuwerden versucht.Ich sollte es langsam angehen, das Laufen erstmal vergessen und mich auf Aufgaben wie das Archivieren alter Dokumente konzentrieren. Oder Cass beibringen, wie man einen Computer benutzt, er wird es brauchen.

      Es ist nichts. Dean hat mir in der Kirche gesagt, daß er mir vertraut hat und das ich ihm vertrauen muß, egal was passiert, weil wir Familie sind. Ich sehe keinen Grund, warum er sein Versprechen jetzt brechen sollte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von LadyLaduga ()

    • Kapitel 12: Eintrag #32 und #33



      #32: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/65372860981/dean-winchesters-page-2-entry-32-what-the

      #33: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/66027280863/sam-winchesters-journal-entry-33-dean-and-i



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #32



      Dean Winchesters Seite #2



      Was zur Hölle habe ich getan?

      WAS ZUR HÖLLE HABE ICH GETAN?

      Ich habe den Wolf im Schafspelz eingeladen und erwartet, daß er sich benimmt. Ezekiel wird meine Ruby, nur mit weniger Dämonenblut, dafür mit Kräften, stark genug, meinen Arsch in 10 Sekunden zu verdampfen. Dieser Bastard nutzt das Leben meines Bruders als Druckmittel und weiß, wie er die richtigen Knöpfe drücken muß, um die Situation zu seinen Gunsten zu drehen. Cass hat mir gesagt, daß er einer der „guten Jungs“ war, aber ich hätte nicht auf ihn hören sollen, er hat Leuten immer zu leicht vertraut. Ich hätte einfach bei einer meiner Regeln bleiben sollen:

      Engel sind Arschlöcher, IMMER.“

      Punkt.

      Aber es war wie in „Der Pate“, Ezekiel hat mir „ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte“ gemacht, auch wenn ich im gleichen Moment, in dem ich den Handel akzeptiert hatte, wußte, daß es eine schlechte Idee war. Ich hatte dieses … Gefühl, diese Intuition, eine Art inneren Alarm, der sofort anfing zu klingeln. Aber was hätte ich denn tun sollen? Sammy sterben lassen? Tod, in seinem makellos geschneiderten Anzug, zusehen, wie er ihn mit auf die andere Seite nimmt und dann anfangen, Einladungen für die Beerdigung zu verschicken?

      Und jetzt guckt euch den Mist an. Ich mußte eine unmögliche Wahl zwischen meinem Bruder und meinem besten Freund treffen, einem Kerl, dem ich wiederholt gesagt habe, daß er zur „Familie“ gehört. Mit dieser Vorstellung von „Familie“ braucht man keine Feinde.

      Ich werde niemals Cass' Augen vergessen, als ich ihm mitgeteilt habe, daß er gehen muß. Er hat sich sicher gefragt, ob das nicht irgendeine Art von „menschlichem Witz“ war, den er nicht verstanden hat. Kann ich ihm das vorwerfen? Wir haben ihm gesagt, daß er anrufen kann, wenn er in Schwierigkeiten ist, haben tagelang nach ihm gesucht, ihm Obdach angeboten und jetzt muß er gehen? Das würde für niemanden Sinn ergeben, menschlich oder nicht. Und der arme Kerl hatte angefangen, Glauben in Menschlichkeit zu setzen. Hat sich was mit Glauben.

      Menschen lügen Cass und ich bin nicht anders als der Rest, das sollte dir jetzt klar sein. Ich hatte recht, als ich vorhin sagte, du vertraust Leuten zu leicht. Es tut mir leid, ich bin …

      Dieser ganze Scheiß wird mir früher oder später direkt ins Gesicht springen … nein, ist er bereits!

      Und Sam, mein Gott, Sam. Wie soll ich ihm erklären, daß ich Cass nach allem, was wir durchgemacht haben, um ihn in den Bunker zu bringen, einfach rauswerfe? Es gibt keine rationale Erklärung dafür.

      Sammy ist nicht dumm, er hat schon bemerkt, daß irgendwas nicht stimmt, er stellt zu viele Fragen, versucht die „Plotlöcher“ zu füllen. Die Geschichte beweist, daß ich meinen Bruder niemals unterschätzen sollte. Ich bin weit davon entfernt, ein Idiot zu sein, aber im Vergleich mit Sam Winchesters Gehirn kann ich nicht mithalten. Wenn Sam herausfindet, daß er besessen ist, wird Zeke seinen Abschlußball-Anzug ruckzuck verlieren und ich werde keine andere Option mehr haben.

      Alles, was ich übrighaben werde, werden die Leiche meines Bruders, ein betrogener Freund und ein Engel ohne Hülle, bereit mich in kleine Stücke zu zerfetzen, sein. Ich wünschte, ich könnte sagen, die Dinge könnten schlimmer sein, aber genau jetzt kann ich es nicht.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #33



      Dean und ich sind seit mehr als 6 Monaten im Bunker und dennoch hat dieser Ort noch nicht alle seine Geheimnisse preisgegeben.

      Nach einem schicken „Dämonen-Kerker“, einer Bibliothek, die die Kongreß-Bibliothek wie die Kinderabteilung der Lebanon Gemeindebibliothek aussehen läßt, einer Garage voller wertvoller Gefährte (über die Dean liebend gern mit schwärmerischer Stimme spricht, als wären es heiße Barmädchen), fanden wir einen Computer, der „magisch“ von selbst arbeitet und scheinbar nicht an das restliche Stromnetz angeschlossen ist. Ich mußte Ihre Majestät, die Königin der Computerfreaks, anrufen, um herauszufinden, wie diese Antiquität funktioniert (vorher mußte ich am Telefon dreimal schwören, daß ich nicht versuchen würde, ihren iPad zu stehlen).

      Wie auch immer, ich hatte nicht erwartet, Charlies Anwesenheit würde uns zu einem Fall führen, der eine Jägerin, die seit 1935 in einer Flasche gefangen ist (eine Jägerin, die sich als Dorothy, die Tochter des Schriftstellers Frank Baum herausstellte) einschloß, dazu die Magie des Königreichs von Oz und natürlich eine jahrhundertealte, böse Hexe.

      Eine Besessenheit durch bösen, grünen Rauch und ein Paar rote Stilettos im Kopf später, war die Hexe fort – genauso wie Charlie und Dorothy, die entschieden hatten, dem Quest direkt nach Oz zu folgen. Ich kann mir nicht helfen, aber ich sorge mich um „unsere kleine Charlie“, auch wenn ich mir sicher bin, daß es ihr gut gehen wird. Sie hat, alles in allem, den Tag gerettet. Vielleicht gibt es bald eine neue Reihe von Oz-Büchern, geschrieben vom mysteriösen Duo „D.Baum und C. Bradbury“. Und wenn wir Glück haben, werden es Klassiker und die Freaks werden letztendlich Edlunds Arbeit vergessen, um sich auf fliegende Affen und andere Mysterien zu konzentrieren.

      Weil wir gerade von Mysterien sprechen … es gibt ein neues, was ich der Liste hinzufügen kann: während der Jagd rief Dean diesen Namen: Zeek? Zeke? Ich bin mir nicht sicher. Es hat nur meinen Gedanken verstärkt, daß etwas mit Dean seit dem Fall der Engel passiert ist. Er hat letztens drei militärisch ausgebildete Dämonen
      niedergerungen, den Engel, der Cass entführt hat, getötet als wäre es nichts und Charlies Leben gerettet, nachdem sie die Kräfte der Hexe abbekommen hatte … ich meine, ernsthaft? Ist er von Captain America besessen oder so? Ich versuche, mich selbst zu überzeugen, daß nichts daran falsch ist, daß mir nur mein Hirn Streiche spielt, aber ich
      weiß, mein Bruder lügt, auch wenn ich seine Motive noch nicht herausfinden kann.
      Warum?

      Warum würde er mich auf diese Art und Weise anlügen? Wenn es ein Verbrechen gibt, dann gibt es auch
      immer ein Motiv, aber hier, hier gibt es KEINS!

      Ich schätze, ich muß es auf die „Dinge-die-im-Moment-keinen-Sinn-machen“-Liste setzen, auf der ganz oben Castiels Entscheidung, uns plötzlich zu verlassen, steht. Dean sagte, er wolle keine Bürde für uns sein und die Aufmerksamkeit der anderen Engel auf uns ziehen, aber in diesem Fall, warum hat er uns dann überhaupt kontaktiert, wenn er befürchtet, den Feind zum Bunker zu führen? Er wußte doch, daß wir ihn letztendlich hierher bringen würden. Egal, jetzt ist er weg, nur mit einem Seesack, ein paar Dollar in der Tasche und genügend Essen, um ein Regiment einen ganzen Monat zu verpflegen. Ich tue mein Bestes, um ihm von hier aus zu helfen, verwende die Ausrüstung der Men of Letters, um eine Art „Engelsradar“ zu bauen, aber ich kann nicht aufhören, mich zu fragen, wie es ihm da draußen ergeht.

      Dean und ich sind wieder auf uns selbst gestellt. Cass ist unterwegs, Kevin in einem nahegelegenen Motel, wo er die neueste Casa Erotica genießt, während er versucht, die Tafel zu übersetzen. Und Charlie ist, gemeinsam mit Dorothy zu einem Abenteuer im Land von Oz aufgebrochen, fröhlich der gelben Steinstraße folgend.

      Was vermutlich der lächerlichste Satz ist, den ich bis jetzt in dieses Tagebuch schreiben mußte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von LadyLaduga ()

    • Kapitel 13: Eintrag #34 und #35



      #34: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/66813897044/sam-winchesters-journal-entry-34-as-a

      #35: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/67401105820/sam-winchesters-journal-entry-35-dean-must



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #34


      Als Jäger habe ich schon eine Menge Dinge in meinem Leben gesehen.

      Ich sah die geheimnisvollsten Ecken von Hölle, Himmel und Fegefeuer. Ich hab das Böse sich in grauenvollen Formen wie Gestaltwandler, Hexen und Wendigos manifestieren sehen. Ich habe Luzifer fast den Planeten in Schutt und Asche legen sehen, einfach mit einem Fingerschnippen. Und sah meinen Bruder sich wie einen Hund verhalten, buchstäblich lange Unterhaltungen mit einem Schäferhund führend, als ob sie beste Freunde wären und sich mit einer verdammten Taube streitend, die scheinbar einen Groll gegen die gesamte menschliche Rasse hegte.

      Nein, nein, ich schwöre, ich bin nicht betrunken.

      Lange Rede, kurzer Sinn, Dean mußte einen Trank zu sich nehmen, damit er mit einem Hund namens Colonel kommunizieren konnte – der einzige Zeuge einer Reihe von Morden. Was wir nicht erwartet hatten, waren die winzigen Nebenwirkungen, zum Beispiel, daß Dean anfangen würde, sich wie das Tier zu benehmen, mit dem er verbunden war. Kleine Details, falls es einem nichts ausmacht, seinen eigenen Bruder Fangeball spielen oder den Briefträger anbellen zu sehen oder einer Pudeldame zuzwinkern, als wäre sie ein Playboy Centerfold.

      Ich brauche ein bißchen Gehirnbleiche, um zu vergessen, was ich heute gesehen habe, aber zumindest hat es funktioniert. Wir haben den Fall gelöst und den Mörder, Küchenchef Leo, nach einem Kampf, der mich fast mit durchschnittener Kehle zurückgelassen hätte, kalt gestellt. Ich sollte glücklich sein, diesen neuen Erfolg mit Dean bei einem Bier feiern, aber ich kann nicht aufhören, über das nachzudenken, was Leo auf dem Flur zu mir gesagt hat:

      Was bist du?“

      Was hat er damit gemeint, was ich bin? Konnte er das Dämonenblut in mir riechen, wahrnehmen, daß ich nicht 100 % menschlich bin oder so was? Ich dachte, ich hätte es geschafft, diesen Mist schon vor langer Zeit loszuwerden, daß das, was übrig war, während der Prüfungen für immer gereinigt wurde. Oder war es etwas anderes? Ich habe den Ausdruck auf seinem Gesicht gesehen, nachdem er es nicht geschafft hatte, mir die Kehle aufzuschlitzen. Er war erschrocken und fasziniert zugleich, starrte mich an, als wäre ich eine noch unentdeckte Art, ein Wunder der Natur. Oder vielleicht auch nur eine Abscheulichkeit, wer weiß? Es wäre nicht das erste Mal, daß jemand so über mich denkt.

      Ich verstehe ebenfalls nicht, warum zur Hölle dieser Verrückte versucht hat, den Hannibal Lecter zu geben. Hat er mich mit einem Bären verwechselt oder … einem Elch? Was hat er denn erwartet? Mein Gehirn mit einem Chardonnay zu genießen und dann einen LSAT von 174 zu haben?

      Ich dachte, daß das Lösen eines Falles wie in den guten, alten Tagen helfen würde, mich ein bißchen zu entspannen, mein Hirn von den üblichen Engel- und Dämonenmachenschaften abzulenken, aber es hat nur mehr Fragen aufgeworfen.

      Meine rätselhafte Heilung, die Art und Weise wie ich fast magisch Kugeln und Messern ausweichen kann, Dean, der übermenschlich stark ist, als wäre er das Kind von Batman und Superman, Cass, der plötzlich geht … Und jetzt das?

      Willkommen in der Twilight Zone, Sam Winchester.



      Sam Winchesters Tagebuch – Eintrag #35


      Dean muß einen Schutzengel auf seiner Schulter haben, der per Kurzwahl zur Rettung eilt.

      Genau in dem Moment als wir uns an die Übersetzung der Fußnoten, verfaßt in Proto-Elamisch, auf der Tafel machen wollten, wozu das gründliche Lesen der 24 Bände der „Enzyklopädie ausgestorbener Sprachen“ (plus 14 Anhänge) nötig wäre, erhielt mein Bruder einen Anruf von Castiel wegen eines Falles in Idaho. Er war mehr als glücklich, zu entkommen und uns von der Tür aus zum Abschied zu winken, ein breites Lächeln im Gesicht. Kevin und ich hatten keine andere Wahl als im Bunker zurückzubleiben und zu versuchen, die verdammte Tafel zu entziffern bis unsere Köpfe beinahe explodierten und das einzige, was wir noch in der Lage waren, zu sehen, wie Keilschrift-Zeichen, Runen und Gekritzel vor unseren Augen tanzten. Schlußendlich beschlossen wir, die einzige Person im Bunker, die genug Wissen über alte Schriften hat, um diesen Kauderwelsch zu verstehen, um Hilfe zu bitten … Crowley, auch wenn wir es eher bevorzugt hätten, eine Tarantel zu küssen. Ich bin sicher, daß sich Henry im Grab herumdrehen würde, wenn er wüßte, das sein „Vermächtnis“ einen Dämon um Unterstützung bittet, wegen eines Problems, das die Zukunft der Menschheit betrifft.

      Allerdings war die Erfahrung nicht sinnlos. Neben dem Erhalt einer möglichst verlässlichen Übersetzung, bescherte mir der Besuch des Kerkers die Erkenntnis, daß unser derzeit arbeitsloser König der Hölle seit der letzten Prüfung eine Sucht nach Menschenblut entwickelt hat. Crowley hat gern wiederholt, daß wir kein Druckmittel gegen ihn in der Hand hätten, aber wir konnten uns auch nicht wirklich vorstellen, daß seine Schwäche lediglich von ein paar Blutkörperchen und -plättchen kommen würde. Nach all den Anstrengungen, die der Geschäftsführer der Hölle unternommen hat, mich abhängig von Dämonenblut zu machen, hat die ganze Sache etwas ziemlich ironisches. Schicksal ist ein Miststück, schätze ich.

      Leider war die Erkenntnis über seine Achillesferse die einzig gute Nachricht des Tages: laut Crowley kann der Zauber nicht rückgängig gemacht werden. Vielleicht ist es ein Lüge, vielleicht auch nicht, wir wissen es bei dem Mistkerl nie, auch wenn ich bei ihm keinen Grund sehe, warum er lügen sollte, insbesondere nach dem Telefonat mit Abaddon, das wir ihm garantiert hatten. Wenn man ein Gespräch durch eine Salatschüssel voller Blut denn „Telefonat“ nennen kann. Nachdem er aufgelegt hatte, war er am Boden zerstört: alle seine treuen Untergebenen hatten seinen Namen vergessen und Abaddon sitzt nun gemütlich auf dem Höllenthron und genießt ihren neuentdeckten Ruhm. Ich denke, er bemerkt zum ersten Mal, daß er wirklich allein ist. Im Keller seiner Feinde wie ein Hund an die Leine gelegt zu sein, ist eine Sache, vergessen und von seinen Untergebenen behandelt zu werden, als ob er Dämon #56248 wäre und zu wissen, daß sie keinen Finger für ihn krumm machen würden, eine ganz andere. Jetzt ist er, trotz seines meisterlichen Verhandlungsgeschicks und seiner maßgeschneiderten 1500 Dollar-Anzüge, nichts.

      Ich möchte nicht darüber nachdenken, wie Castiel auf die Neuigkeit, daß der Zauber nicht umkehrbar ist, reagieren wird, auch wenn ich sicher bin, daß Dean nicht den Schneid hat, es ihm sofort zu erzählen. Ich werde nicht sagen, daß ich nicht eine gewisse Entmutigung verspürt habe, als Crowley uns gesagt hat, daß wir den Zauber nicht brechen können, aber eines weiß ich gewiss: die Worte „kann nicht“ haben seit Jahren keine Bedeutung mehr für mich. Ich meine, wie oft haben Dean und ich das in der Vergangenheit gehört?

      Ihr könnt die Apokalypse nicht aufhalten, aber wir haben es getan.
      Ihr könnt Luzifers Macht nicht bekämpfen, aber wir haben es getan.
      Ihr könnt euer Schicksal nicht ändern, aber wir haben es getan.

      Wir werden das gleiche mit dem Engels-Zauber tun, davon bin ich überzeugt. Metatron wird noch eine Geschichte bekommen, die letzte, die er seinen Aufzeichnungen hinzufügen kann: die eine, in welcher der Engels-Zauber umgekehrt wurde und in der ein paar Jäger und ein ehemals gefallener Engel kamen, um seinen Hintern aus dem Himmel zu befördern.

      Und diese wird nicht mit „ Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.“ enden. Zumindest nicht für ihn.
    • Kapitel 14: Eintrag #36 bis #38



      #36: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/68099292496/sam-winchesters-journal-entry-36-i-guess

      #37: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/68815871172/sam-winchesters-journal-entry-37-all-the

      #38: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/69725311979/sam-winchesters-journal-entry-38-tic-toc



      Sam Winchesters Tagebuch – Eintrag #36



      (Bildunterschrift: Auf dem Weg zurück ins Motel verbot mir Dad, Dean irgendwelche Fragen zu stellen und es schien okay für Dean zu sein. So wurde die Geschichte zu Geschichte. Wieder einmal.)


      Ich schätze, ich brauche neun Leben, um genau zu wissen, wer Dean Winchester wirklich ist.

      Heute habe ich einen Teil aus dem Leben meines Bruders entdeckt, der mir mehr über ihn erzählt hat, als all die Jahre, die ich neben ihm im Auto gesessen habe: als er etwa 16 war, wurde Dean beim Essen stehlen erwischt und in ein Jungenheim im New Yorker Hinterland geschickt. Ich verstehe nicht, warum Dad mir nie erklärt hat, was während der zwei Monate passiert ist, warum zur Hölle er gedacht hatte, es wäre besser, mich glauben zu lassen, Dean sei auf einer Jagd abhanden gekommen, statt mich wissen zu lassen, daß er wegen Ladendiebstahls verhaftet wurde und Zeit im Jugendknast verbrachte. Was für ein Vater tut so etwas?

      Ach ja , John Winchester.

      Aber ich schätze, er hatte sein Gründe, wie üblich. Auch wenn ich rückblickend weiß, daß Dad versucht hat, das beste für uns zu tun, was er konnte, manche Entscheidungen bezüglich unserer Erziehung werden mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Ich sehe einfach nicht, welche Lektion über das Leben man seinem zwölfjährigen Sohn lehren kann, indem man ihn sich den ganzen Sommer fragen läßt, ob sein großer Bruder es lebend von der sogenannten Jagd auf ein Werwolf-Rudel geschafft hat oder nicht.

      Aber das ist jetzt auch egal.

      Diese Jagd in Deans ehemaligem Jugendheim hätte ein weiterer normaler Tag sein können, ein weiterer Geist, gesalzen und verbrannt, ein weiterer Ort, gesäubert von zufälligem übernatürlichen Mist, aber es war mehr als das. Es zeigte mir einen Teil von Deans Leben, dessen ich mir überhaupt nicht bewußt war und es erlaubte mir einen flüchtigen Blick auf den Jugendlichen, der er hätte werden können, wenn er nicht „in dem Leben“ gesteckt hätte: ein durchschnittliches Schulkind, das Wrestling-Wettbewerbe gewann und ein bißchen prahlte, um das Mädchen, welches er toll fand, zu beeindrucken, ohne zu der Karikatur eines „Badboy in einer Lederjacke“ zu verkommen, zu der ein paar Jahre später wurde – ein Junge, der die Schule liebte und Freunde hatte. Dean hätte bleiben können, er hätte haben können, was er am meisten wollte, ein wirkliches Zuhause, ein normales Leben, umgeben von Leuten wie Sonny und Robin, die sich wirklich um ihn gesorgt haben.

      Aber er kam zurück.

      Ich weiß wieso, ich bin nicht blöd. Es war nicht die Liebe zur Jagd, das reisen von Stadt zu Stadt, der Schulwechsel aller zwei Monate oder Hausaufgaben machen auf einem beschissenen Moteltisch oder an einem Bartresen, umgeben von betrunkenen Bikern und Nutten in falschen Leopardenfellmänteln.

      Mein Bruder hat Timmy gebeten, seine Mutter gehen zu lassen, weil man manchmal tun muß, was das beste für einen selbst ist, auch wenn es die verletzt, die man liebt, aber er selbst hat diesen Rat nie beherzigt. Ich schätze, daß ich immer die Ausnahme darstellen werde, die Dean Winchesters heilige Regeln bricht und ihn nach dem Motto: „Tu was ich sage, nicht was ich tue.“ handeln läßt. Bei all dem frage ich mich, wie viel mehr Dinge er für mich getan hat, die ich ignoriere. Wieviel fingierte Geschichten „Geschichte“ wurden, wie er es ausdrückte.

      Vielleicht wird eine weitere Jagd mir das enthüllen, aber ich habe Angst vor der wahren Antwort.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #37


      All die Kraft, die mein Körper in den letzten Monaten zurückgewonnen hat, scheint ebenso schnell verschwunden zu sein, wie sie aufgetaucht ist. Es fühlt sich an, als könnte ich meine Batterien nicht mehr aufladen, nicht einmal nach 15 Stunden Schlaf. Es ist nicht nur, daß ich müde und steif bin, da ist noch etwas, etwas, worauf ich meinen Finger nicht legen kann, das gleiche unheimliche Gefühl, das mich schon seit meinem Aufwachen im Auto, nachdem wir die Kirche verlassen hatten, nervt.

      Dean hatte versucht, mich zum hundertsten Mal zu überzeugen, daß das, was ich momentan durchmache total normal ist, es nur zufällige Nebenwirkungen der Prüfungen sind, aber ich weiß, das ist nur ein Haufen Mist. Mein Bruder hat angefangen zu klingen wie eine kaputte Schallplatte, gleiches Lied, andere Strophe, aber ich nehm ihm diesen Schwachsinn nicht mehr ab.

      Ich habe es zweimal von verschiedenen Kreaturen im Zeitraum eines Monats gehört, daß etwas mit mir nicht stimmt. Wie waren die Worte von Chefkoch Leo gleich nochmal? „Was bist du?“ Und Vesta, was zur Hölle hat sie mit: „du bestehst innerlich nur aus Klebeband und Sicherheitsnadeln“ gemeint?

      Ehrlich, ich brauch diese Bestätigungen nicht wirklich: Ich wußte immer, tief drinnen, daß ich nicht wie jeder andere war. Castiel hat mich mal eine Abscheulichkeit genannt und er hatte recht, es war nicht nur ein Witz, der ihm in den Sinn kam während er betrunken war. In vino veritas, wie wir sagen, aber ich kann es ihm nicht wirklich vorwerfen. Ich meine, wie anders würde man einen Menschen beschreiben, den Lucifer selbst als seinen Favoriten aus Milliarden ausgewählt hat? Es begann praktisch bei meiner Geburt, nachdem Azazel mir damals dieses Dämonenblut gegeben hatte, das ich mein ganzes Leben in mir getragen habe, weil ich besonders war, weil es „Schicksal“ war, nicht nur eine Reihe unglücklicher Ereignisse.

      Ich war niemals normal. Punkt.

      Dean weiß das. Dad wußte es auch. Ich werde niemals vergessen, wie er mich angesehen hat, als er mitbekam, daß ich Visionen hatte, wie es ihm den endgültigen Beweis lieferte, das ich nichts als ein Freak bin. Ich dachte, daß die Prüfungen mir geholfen hätten, all das loszuwerden, daß ich von all dem Bösen in mir für immer gereinigt worden wäre, daß ich letztendlich rein wäre, aber das war nur eine Lüge.

      Ich fühlte mich rein, aber ich war es nicht und ich werde es nie sein.



      Sam Winchesters Tagebuch - Eintrag #38


      Tick, Tack, Tick, Tack

      Zeitabschnitte fehlen, Sekunden, Minuten und jetzt Stunden. Ich habe das Gefühl, mein Leben vergeht im schnellen Vorlauf, ohne daß ich Kontrolle über das Geschehen hätte. Ich wünschte, ich könnte sagen, ich bin der Zuschauer, aber da läuft kein Film vor meinen Augen ab. Nichts, nur klaffende Löcher im Film, die von Sekunde zu Sekunde größer zu werden scheinen.

      Heute morgen saß ich mit Dean im Auto, auf dem Weg zu einem Tatort, an dem möglicherweise ein Gemetzel, ausgelöst durch einen Engel, stattgefunden hatte. Ich sah für eine Sekunde aus dem Fenster, eine wirkliche Sekunde, aber als ich meinen Kopf wieder drehte, hatten wir 50 Meilen zurückgelegt und Dean gab mir eine Zusammenfassung des Falls, als wäre ich dagewesen und hätte ihm die ganze Zeit geantwortet.

      Was zur Hölle ist während der 50 Meilen passiert? Hatte ich geschlafen? Hatte ich eine normale Unterhaltung mit meinem Bruder, als ob ich immer noch dort gewesen wäre? Seit ich vor ein paar Jahren meine Seele verloren hatte, fürchte ich mich davor, was passieren könnte, wenn mein Bewußtsein sich ausschaltet. Ich weiß nur zu gut, wie es das letzte Mal geendet hat und zu welchen Dingen ich fähig bin. Das ist es, was mir, um ehrlich zu sein, die meisten Sorgen macht, mehr als
      Vestas und Leos rätselhafte Worte,
      was ich innerlich bin. Ich will nicht wieder für den Tod unschuldiger Menschen verantwortlich sein – nachts ihre Stimmen hören, wie sie darum flehen, sie zu verschonen, in meinen Träumen ihre Gesichter zu sehen, entstellt von Furcht. Das Opfer all derjenigen, die ich vor Jahren getötet habe, ist genug, um mich für die nächsten zwei Jahrhunderte zu verfolgen.

      Jedesmal, wenn ich versuche, das Thema der momentanen Zeitverluste anzugehen, verfällt Dean automatisch in seine „alles Schuld der Prüfungen“-Rede. Das Geschwafel meines Bruders interessiert mich nicht, es gibt hier keine logische Entwicklung: Am Anfang konnte ich jedes Detail des Universums wahrnehmen, jeden Geruch, jeden Laut und jetzt fehlen mir ganze Teile meines eigenen Lebens. Vom Allwissen zum Nichts.

      Oder ist es einfach der Preis, den man zahlen muß, wenn man das „Geschenk“ von Gott ablehnt, alles abschaltet? Man einfach von der Erdoberfläche verschwindet, Stück für Stück, Minute für Minute, bis nichts mehr übrig ist? Wenn es das ist, was wirklich passiert, sehe ich das irgendwie als Segen an. Dean wird sich niemals an mich erinnern. Er müßte sich nicht mehr um mich sorgen oder mit meinen Fehlern und armseligen Entscheidungen fertigwerden.

      Es wäre, als hätte ich niemals existiert.
    • Kapitel 15: Eintrag #39 bis #41



      Eintrag #39


      Zu diesem Eintrag gibt es keinen Text, aber der Vollständigkeit halber gebe ich euch den Link zu den Bildern: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/70424629503


      #40: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/70425574766/40-dean-winchesters-journal-entry-1

      #41: http://journal-of-a-man-of-letters.tumblr.com/post/72002479428/41-dean-winchesters-journal-entry-2-so-much



      Eintrag #40 – Dean Winchesters Tagebuch Eintrag #1


      Sammy,

      weißt du, ich habe keine Ahnung, wann du wieder in der Lage sein wirst, in dieses Tagebuch zu schreiben. Ich schätze, wenn du zurückkommst, wirst du froh sein, daß ich ein paar neue Einträge hinzugefügt habe und das ich das beste getan habe, um weiterzumachen. Alles in allem bin ich ebenfalls ein Man of Letters. Ich bin ein „Erbe“ und es ist meine Pflicht, dieses Tagebuch auf dem neuesten Stand zu halten. Wie auch immer, im Gegensatz zu dir, habe ich nicht das Talent zum Schreiben, also hoffe ich, du wirst mir verzeihen.

      Das. Und den Rest.

      Oh, du weißt schon, nur ein paar kleine Dinge wie lügen, dein Vertrauen, nach meinem dramatischen Monolog über die Wichtigkeit von Familie, zerstören, das personifizierte Böse Besitz von deinem Körper ergreifen lassen, verantwortlich für Kevins Tod sein und andere Dinge. Ich könnte wie gewohnt argumentieren, daß ich es für das Wohl aller getan habe, aber es funktioniert so nicht, stimmts? Verdammt wieder diese „Ich tat es für das Wohl aller.“ Ausrede. Du und ich, wir sollten uns diese Floskel patentieren lassen und sie zum Familienmotto der Winchesters machen.

      Um ehrlich zu sein, ich hatte keine Ahnung, daß die Dinge so weit gehen würden. Nenn mich einen egoistischen Bastard, aber ich wollte nicht, daß mein kleiner Bruder stirbt. Ezekiel sollte dich heilen und dann ABHAUEN. Er hätte einer der guten Jungs sein sollen. Okay, theoretisch war der wirkliche Zeke gut, aber nicht dieser Mistkerl, der dich jetzt seit ein paar Monaten als „Fleischanzug“ trägt. Gott allein weiß, wer er wirklich ist. Lass uns hoffen, daß er nur ein zufälliger Engel ist
      und nicht ein Kerl aus der himmlischen Ruhmeshalle wie Michael oder gar Luzifer selbst.


      Ich bereue es, ich werde da nicht lügen, aber ich weiß, wenn ich es noch einmal tun müßte, würde ich genauso wieder handeln.

      Jimmy Novak – möge der arme Kerl in Frieden ruhen, wo immer er ist – hat uns mal erzählt, daß von einem Engel besessen zu sein, ist, als wäre man „an einen Kometen gekettet“. Ich hoffe, du mußt diese Erfahrung nicht machen und mußtest auch nicht mit eigenen Augen sehen, was „Zeke“ Kevin angetan hat.

      Ich werde nie in der Lage sein, mir selbst zu verzeihen für das was ich dir angetan habe und was ich Kevin antat. Ich verstehe immer noch nicht, wie dieser Mist überhaupt passieren konnte. Ich erinnere mich deutlich, was Cass mir vor Jahren über Propheten und deren Schutz durch Erzengel erzählt hat, daß „wenn irgendetwas einen Propheten bedroht, egal was, ein Erzengel erscheint, um die Bedrohung zu eliminieren. Daß Erzengel unerbittlich sind, vollkommen und die fürchterlichste Waffe des Himmels.“

      Die fürchterlichste Waffe des Himmels?! Von wegen.

      Ich schätze, Kevin muß einen der schlechtesten Erzengel der Garnison geerbt haben oder das Arschloch hat sein Mojo verloren und wandert nun irgendwo auf der Erde herum, besucht die ägyptischen Pyramiden oder trinkt einen „café au lait“ in Paris.

      Ich wünschte, ich hätte Kevins Augen schließen können, aber da war nichts mehr übrig zum Schließen, lediglich zwei Löcher, schwelende Höhlen. Ich will mich selbst nicht mit Mist wie „er ist jetzt an einem besseren Ort“ bescheißen. Ich bin sicher, daß er im Himmel ist, ein Familienessen mit seiner Mum genießt, sein erstes Cello-Konzert noch einmal erlebt, umgeben von seinen Freunden und stolz. Aber das ist nicht, wo er sein sollte. Dieser Junge sollte bei uns sein, nicht, weil er die einzige Chance war, die Tafel zu übersetzen, sondern weil er Familie war, weil seine Zeit noch nicht gekommen war. Und erzähl mir nicht, daß es nur auf diese Weise passieren konnte, weil es verdammtes Schicksal oder irgendeine Heilige Prophezeiung war … eine Prophezeiung, die einen zu einem toten Mann macht, wenn man den Weg eines Winchesters kreuzt.



      Eintrag #41 – Dean Winchesters Tagebuch Eintrag #2


      Soviel zu Weihnachten dieses Jahr.

      Soviel zu „Fröhliche Weihnachten, Sammy“ und zum umarmen meines Bruders, bis er keine Luft mehr bekommt.

      Soviel dazu, sein Rumgeheule zu hören, daß das einpacken von Geschenken in Packpapier und Zeitungen beschissen ist und das ich mir nächstes Jahr definitiv mehr Mühe geben sollte.

      Soviel dazu, Kev Die dunkle Bedrohung (Star Wars Episode 1) zu geben und mich darüber kaputtzulachen, weil ich versprochen hatte, ihm „den besten Film in der Geschichte des Kinos“ zu bieten.

      Soviel dazu, von Cass zu hören, wie urkomisch die wirkliche Verkündung war, weil Gabriel der Verantwortliche war und wie er uns erzählt: „Ach, übrigens, ihr wißt schon, daß Jesus nicht im Dezember geboren wurde und genauso wenig im Jahre Null.“

      Soviel zu einem Abendessen, welches Gordon Ramsey einen beschissenen Herzinfarkt verpaßt hätte, weil die Lebkuchen viel zu hart, die Kartoffeln viel zu sehr gebacken und der Truthahn viel zu roh waren.

      Soviel zum hintenrum reinschleichen ins Kino, um am nächsten Tag gemeinsam diesen dämlichen Hobbit-Film kostenlos zu schauen.

      Soviel zur Wiedervereinigung der Familie und Gelächter.

      Soviel zu Weihnachten dieses Jahr.