Sherlock - Zweiter Fall

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    • Sherlock - Zweiter Fall

      Gehirn hat gerattert...und es geht weiter! *;)* Ich hoffe, dass Euch der neue Fall gefällt. Ganz viel Spaß! *lieb*


      Kapitel 1: Frohes, neues Jahr!

      Cornwall, 31. Dezember 2012, in den frühen Morgenstunden…

      Der Schrei hallte durch die Dunkelheit des langen Flures. Durchdringend, schrecklich laut und so angstvoll, dass es durch Mark und Bein ging. Er hallte von den Wänden wider und verlor sich nach ein paar Augenblicken in der vorangegangenen Stille. Nichts, absolut nichts war mehr zu vernehmen, doch langsam kam Bewegung in das Haus. Man hörte Stimmen, Licht schien unter den Türspalten hervor, Schritte kamen näher.
      „Vorsicht, Wilfred“, wisperte eine leise Stimme, „geh nicht da hinaus! Bitte!“
      Flehentlich blickte Mrs. Jonesy ihren Gatten an, der bereits die Tür ein Stück geöffnet hatte, um vorsichtig auf den Gang zu sehen.
      „Mildred, nun sei doch mal ruhig“, flüsterte ihr Mann zurück.
      Auf seiner Stirn glänzten Schweißperlen, sein Schlafanzug war zerknittert und er hielt einen langen Schuhanzieher als eine Art Waffe in der rechten Hand, was ziemlich komisch aussah. Nervös strich er über seinen gestutzten Bart und zuckte zusammen, als auf dem Flur plötzlich das Licht anging.
      Auch andere Türen öffneten sich, man blickte sich verständnislos an.
      „Also haben Sie es auch gehört?“, fragte Jonesy nun lauter, und trat auf den Flur mit den geblümten Tapeten und hübschen Lampen, die ein warmes Licht auf den weinroten Teppich warfen.
      „Natürlich, das war doch nicht zu überhören!“, ereiferte sich der Mann gegenüber.
      „Was war das nur?“, fragte eine andere Frau ängstlich, die Lockenwickler trug und ein wenig schief in ihren Haaren saßen. „Es schien von hier zu kommen.“
      Die Anwesenden schauten mehrfach den Flur hinauf und hinunter, doch man sah nichts, was ungewöhnlich zu nennen war.
      Alle waren aus ihren Hotelzimmern getreten, außer…
      „Die Dame aus Nr. 15 ist nicht herausgekommen“, sagte der Manager, Mr. Baskin, der eben noch den Lichtschalter betätigt hatte.
      Er war ein großer, breitschultriger Mann mit einem ebenmäßigen Gesicht. Seine grauen Augen blickten nacheinander die anderen Gäste an, die sich ebenfalls unruhig zum Zimmer der Frau drehten. Abwartend verfolgten sie, wie Baskin die Hand auf den Türknauf legte. Die Tür gab tatsächlich nach, sie war unverschlossen. Mit angehaltenem Atem machte er sich auf das Schlimmste gefasst, während er den Raum betrat. Er suchte den Schalter, knipste die Lampe an und erstarrte.

      London, Silvester, 23.59 Uhr…


      „Gleich“, rief Molly, „gleich ist es soweit!“
      Sie hüpfte in ihren bequemen Stiefeln auf dem zugeschneiten Gehweg auf und ab und schaute immer wieder lächelnd auf ihre Armbanduhr. Um sie herum standen Lestrade, Mrs. Hudson, John, Stella und - ziemlich missmutig alles beobachtend – Sherlock Holmes. Der geniale Meisterdetektiv, der nichts mehr hasste, als Freude vorzuheucheln, Menschenansammlungen, keine Fälle lösen zu können und…ja…Gefühle zu zeigen. War das schon alles? Nun ja, das Wesentliche auf jeden Fall.
      Lestrade hatte in sein Haus eingeladen, das sich in Hampstead Heath befand, einer noblen Gegend von London. Das Haus war schon eine Augenweide, in hellen Farben eingerichtet, mit viel Chintz und ein bisschen Charme. Man hatte getrunken, gegessen, gelacht, getanzt und sich bestens unterhalten. Alle hatten das getan, bis auf Sherlock. Er hatte oft vor dem Kamin gesessen, in die Flammen geblickt, und war mit seinen Gedanken bei seinem neuen Mikroskop gewesen. Meine Güte, er musste noch so viel untersuchen! Am liebsten wäre er aufgesprungen und durch die Kälte nach Hause gelaufen. Ein Taxi zu bekommen, schien sicher an diesem Abend unmöglich. Er hatte sich dennoch zusammengerissen, weil sich John so auf die Feier gefreut hatte. Besonders glücklich war er über Stellas Anwesenheit gewesen, die er schon einmal für einen überaus wichtigen Fall versetzt hatte. Stella war eine dunkelhaarige Frau, die ganz anders als Molly war. Selbstbewusst, witzig und offenbar in John ein wenig verschossen. Wie machte er das bloß immer? Wie ein Womanizer war er Sherlock noch nie vorgekommen.
      Wie Molly herum sprang! Zum Teufel, was sollte das? Ein neues Jahr kam auf alle zu, wie immer. Ob man sich freute, oder auch nicht, es würde in zwanzig Sekunden da sein. Und es würde wieder keine Überraschungen bringen, keine Veränderungen, denn Menschen veränderten sich nie. Und Sherlock hatte in der ganzen Zeit gelernt, dass er sich nicht mehr überraschen ließ. Auch in 2013 würde es Mord, Verrat und Verbrechen geben – gar keine Frage. Das Einzige, was er sich wünschte, war, seine Fälle zu lösen und den Abschaum hinter Gitter zu bringen. Das könnte ein guter Anfang sein.
      „3…2…1…“
      Lestrade hatte jedem einen Sektkelch in die Hand gedrückt, ihn bis oben hin vollgefüllt und dann hatten sie auf den Countdown gewartet.
      Lachend stießen sie an, das Kristall klirrte, dann umarmte und küsste man sich, wünschte sich alles Gute. Winzige Schneeflocken tanzten um sie herum und hatten London immer noch in eine weiße Winterlandschaft verwandelt.
      Sherlock stand abseits und atmete tief durch, als Molly auf ihn zukam.
      „Alles…alles Gute im neuen Jahr, Sherlock“, sagte sie leise.
      Sie trat vorsichtig einen Schritt auf ihn zu und wagte es, ihm fest in die Augen zu sehen. War dies der Alkohol? Sprach er ihr etwas Mut zu? Sie hatte ihm noch niemals so dicht gegenüber gestanden.
      „Ich wünsche Ihnen das Gleiche, Molly“, nickte Sherlock und hob sein Glas, das er in einem Zug leerte.
      Sie wollte gerade noch etwas sagen, als es über ihnen laut knallte. Molly zuckte zusammen, lachte dann, und schaute in den Nachthimmel, der auf einmal in buntes Licht getaucht war. Offenbar waren Lestrades Nachbarn schon fleißig am Raketen aufsteigen lassen.
      „Dann will ich auch mal“, grinste der Herr des Hauses und machte sich daran, seine Feuerwerkskörper zu sortieren.
      „Nun, wie geht es Ihnen?“, fragte John, der dicht neben Sherlock getreten war.
      „Wie schon? Sie wissen, wo ich jetzt lieber wäre.“
      John räusperte sich.
      „Wenigstens noch eine Stunde oder zwei, dann haben Sie ihr altes Leben wieder. Oder auch nicht.“
      „Ich wusste gar nicht, dass ich es verloren hatte.“
      „Sie wissen, was ich meine.“
      „Es freut mich, dass Sie sich so vorzüglich amüsieren“, seufzte Sherlock und schloss den obersten Knopf seines Mantels, weil es ihn fröstelte.
      „Dafür Sie umso weniger“, sagte John und verzog den Mund. „Wie wäre es denn mit einer wissenschaftlichen Party? Würden Sie so etwas besuchen? Ich meine, um sich mit anderen zu unterhalten, die die gleichen Interessen haben…“
      Sherlock sah ihn misstrauisch an.
      „Wovon sprechen Sie bitte?“
      „Ich habe ein Geschenk für Sie. Nun ja, durch einen Freund bin ich an diese Informationen gekommen.“
      Feierlich fasste John in seine Manteltasche und holte ein weißes Papier hervor.
      Sherlock stellte sein Sektglas auf den gefrorenen Boden und nahm den Zettel aus Johns Hand, entfaltete ihn und las sich den Text mehrmals durch. Er stutzte, sah wieder auf und warf einen Blick auf Lestrade, der eine Rakete nach der anderen in die Luft jagte. Ein Silberregen ergoss sich aus dem tiefschwarzen Himmel, der danach in ein tiefes Rot und Grün getaucht wurde.
      Nachbarn winkten ihnen zu, man hörte von irgendwo her Musik, die Luft roch nach Schwarzpulver.
      „Sie wollen mich loswerden“, lachte Sherlock und fixierte John mit seinen Augen.
      Das Lachen klang nicht warm, nicht im Mindesten positiv.
      „Was reden Sie da bloß? Ich dachte, Sie würden sich freuen.“
      Wieder sah Sherlock auf das Blatt. Mrs. Hudson prostete ihm zu, was ihn veranlasste, zu ihr zu gehen, um ihr das Beste für das neue Jahr zu wünschen. Sie umarmten sich kurz. Das war alles, was er sich heute an Gefühlsduseleien gestattete.
      „Wussten Sie davon?“, fragte er sie.
      „Natürlich, eine hübsche Idee von John. Und Sie kommen mal aus allem hier mal heraus.“
      Sie zwinkerte ihm verschwörerisch zu. Lestrade kam lachend zu ihnen und füllte die Gläser auf.
      „Nun, alter Freund, werden Sie fahren?“
      „Was ist das hier? Eine Verschwörung?“
      „Auf Sherlock und sein großes Abenteuer!“, rief John und prostete ihm zu, die anderen taten es ihm gleich.
      „Sie werden also nicht mitkommen?“
      „Nur, wenn Sie darauf bestehen“, sagte John und trank einen Schluck Sekt.
      „Ich soll also nach Cornwall fahren, um an einer Veranstaltung teilzunehmen, die übrigens schon gestern angefangen hat, zu der die besten Hobbydetektive eingeladen sind. Das ist doch kein Hobby von mir! Ich mache das beruflich!“
      Sherlock schien ein wenig erzürnt zu sein. Seine Kiefer mahlten, die Augenbrauen waren zu einer Linie zusammengezogen.
      „Es wird also eine Leiche gefunden werden, und man soll diesen ach so unglaublichen Fall aufklären. Als Preis bekommt man 500 Pfund. Lächerlich ist das!“
      „Nun gönnen Sie sich doch mal ein wenig Spaß.“
      Mrs. Hudson knuffte ihn in die Seite. Sherlock fing Mollys Blick auf. Er stürzte den Rest der spritzigen Flüssigkeit hinunter.
      „Ich mache es. Ich fahre heute nach Cornwall.“
      John klatschte sich mit Lestrade ab.

      ***

    • *freu* *freu* Oh Lucy, ist da schön, Nachschub! So schnell hatte ich damit noch gar nicht gerechnet, das ist ja wie ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk! Klasse, ich freue mich! Dankeschön!

      Soho, es geht weiter mit Sherlock! Und es spielt dann nachher alles in Cornwall, sehr schön, *Händchen reib* Da ist es sooo schön!

      Wenn ich das jetzt richtig sehe, könnten die Geschehnisse in Cornwall wohl schon zu diesem Rollenspiel gehören, zu dem Sherlock dann zu spät kommt? Obwohl so früh in den Morgenstunden so etwas zu insinieren? Keine Ahnung... Aber egal, wenn es so ist, wird sich Sherlock in Windeseile mit seinem scharfen Verstand an allen vorbeischlängeln und die Siegesprämie einkassieren.

      War ja mal wieder klar, dass er sich zuerst sträubt und sich auf den Fuß getreten fühlt, als John mit dem Geschenk um die Ecke kommt! Den muss man auch zu seinem Glück zwingen! tztztz
      Ich fand es toll zu lesen, wie er sich da unwohl fühlt und schon wieder wo ganz anders sein möchte! Das hast du wieder so gut beschrieben, dass man es vorm geistigen Auge hatte, so als ob man es selbst sehen würde! Klasse. Auch die sonstigen Beschreibungen waren wieder top, ich konnte mir das alles sehr bildlich vorstellen. Bin richtig eingetaucht in die Atmosphäre dort in London und auch in Cornwall. *thumps* :love: Ich liebe es und freu mich schon jetzt auf mehr.
      *knutschas* für dich, dass du so schnell einen zweiten Fall für Sherlock aus dem Ärmel gezaubert hast! *umarm*

      *and sometimes I feel that I should go and play with the thunder*
    • Hier gibt's ja was Neues! [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_be_134.gif] Super, eine neue Sherlock Story von unserer lieben Lucy! *umarm*

      Und es fängt auch gleich richtig gut an! Sherlock fühlt sich auf der Silvesterparty etwas deplaziert. *:D*
      Spontane Freudenbekundungen und Humba Täterä sind einfach nichts für den Meisterdedektiv, aber so lieben wir ihn eben.

      Die Idee mit dem Rollenspiel finde ich klasse, denn bei so etwas kann eine ganze Menge passieren. *händereib*

      Sherlock weiß es zwar noch nicht, aber er wird es lieben! Spätestens wenn es dort (hoffentlich) einen echten Mord geben wird. [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_be_035.gif]
      Der nächtliche Schrei auf Cornwall könnte ja auch echt gewesen sein... *kratz*

      Ich bin jedenfalls schon jetzt gespannt wie ein Flitzebogen, was die Beiden in Cornwall erwartet. *thumps* Denn ich bin mir sicher, Holmes wird John mitnehmen wollen, denn so alleine wird ihm doch langweilig. *;)*

      Du schreibst wieder mal super toll und sehr anschaulich, gefällt mir richtig gut. [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_sb_001.gif]
      *tea*
    • Huhu, vielen Dank, Ihr beiden! *lieb*

      @Samm: Ja, hatte mal wieder ein paar Ideen, die ich nicht verstreichen lassen wollte. *:D* Sherlock unter Amateuren, das ist doch was für ihn. Cornwall wäre mir auch mal eine Reise wert, ein richtig guter Schauplatz für myseriöse Dinge. *;)* Ich danke Dir. *umarm*

      @Melinda: Ich liebe Deine Smilies! *;)* Ich frage mich, wo sich Sherlock nicht mal deplaziert vorkommt. :pinch: *:)* Dieser Ort müsste von ihm selbst geschaffen werden. Rollenspiele finde ich in Bezug auf Detektive auch klasse, man weiß nie, was als Nächstes passiert. Danke auch an Dich! *umarm*

      Es geht weiter...viel Spaß allen Lesern!

      2. Kapitel: Raue Küste, Kakerlaken und Hobbydetektive

      Gelangweilt starrte Sherlock aus dem Zugfenster. Seit fast vier Stunden rauschte an ihm die Landschaft Englands vorbei. John hatte ihn lächelnd verabschiedet, wobei er sich immer noch fragte, ob er ihn hatte loswerden wollen. Schließlich hatte er sich mir Lestrade in dieser überflüssigen Manier abgeklatscht. High Five, oder wie man diese Geste nannte, einfach nur lächerlich. John wollte sicher mehr Zeit mit Stella verbringen, und Sherlock würde ohnehin nicht mit seiner ungeteilten Aufmerksamkeit rechnen können. Ständig war John verliebt, hatte Dates, wisperte am Telefon irgendwelchen Frauen etwas zu, lachte auf und war schlichtweg glücklich. Konnten Beziehungen, ja sogar einfache, normale Treffen das Weltbild eines Mannes so aufheitern? Sherlock war es immer so vorgekommen, als gäbe es keine größere und tiefere Befriedigung, als einen immens heiklen Fall zu einem krönenden Abschluss zu bringen. Dies glich einem Befreiungsschlag, nur um gleich danach eine neue Herausforderung an Land zu ziehen.

      Felsen waren unweit zu erkennen; sie schälten sich steil und rau aus dem Wasser. Wellen umspülten sie und ließen die Kraft des Ozeans erahnen. Die Küste würde Abwechslung bringen, die Luft würde milder sein als in London, und was hatte Sherlock schon zu verlieren? Er konnte gut und gern diesen Hobbydetektiven ein wenig dabei zusehen, wie sie versuchten, sich gegenseitig auszustechen. Und am Ende doch nichts wussten. Ein Schmunzeln lief über sein Gesicht. Noch ein paar Kilometer, dann könnte er endlich aus diesem Abteil flüchten, das zwar ihm für die Dauer der Fahrt allein gehört hatte, aber seinen Gedankengang ungehindert bremste. Warum mussten diese Kabinen so klein sein? Ein so abstrakter Geist konnte sich leicht eingesperrt fühlen.

      Quietschend kam der Zug zum Stehen, die Menschen drängten sich bereits auf dem Gang und unterhielten sich aufgeregt.
      Sherlock stieg als Letzter mit seiner Reisetasche aus, Unmengen von Leuten stürmten vor ihm hinaus. Einige wurden bereits erwartet, warfen sich in die Arme von Familie oder Freunden, andere eilten hinaus, um sich eines der wenigen Taxis zu nehmen. Sherlock stieg die Steintreppe des örtlichen Bahnhofes hinunter, sog die kühle Luft in seine Lungen, und schnappte sich den nächsten Wagen, der ihn in sein Hotel bringen sollte.
      „Zur Dovecot Pension, bitte“, wies er den Fahrer an, der leicht nickte und losfuhr.
      Der Himmel war zunehmend in ein tiefes Grau getaucht und der Wind hatte aufgefrischt, was Sherlock recht angenehm fand. Sollten seine Gedanken richtig durchgepustet werden, schaden konnte es sicher nicht.
      Vorbei an den anheimelnden Cottages, die den Charme der berühmten Küstenhäuser mit Reetdächern versprühten, schienen sie trotz des harten Winters aus ihren Fensterläden zu lächeln. Das Grüne der Insel, das in den Wintermonaten äußerst karg aussah, ließ trotzdem vermuten, welch schöne Landschaft sich im Sommer hier verbarg.
      Sherlock maß den Taxifahrer mit einem durchdringenden Blick. Dieser kniff immer wieder die Augen zusammen, fuhr sich mit dem Finger unter die Brille und konzentrierte sich dann wieder auf die Straße. Er war schon etwas älter, seine Haut schien durch das Küstenwetter gegerbt, mit vielen Falten überzogen und sah ledrig aus.
      Nach einiger Zeit hielten sie vor einem Haus, das über drei Etagen verfügte, umgeben von einem verwilderten Garten war und vor dessen Haustür der Ozean lag. Es war beeindruckend, wie sich die Wellen am Cliff brachen und immer wieder durch neue ersetzt wurden. Sherlock stieg aus, bezahlte und beugte sich zu dem Mann hinunter.
      „Sie sollten sich eine neue Brille besorgen“, sagte er, drehte sich um und schritt den schneebedeckten Weg zur Haustür hinauf. Verdutzt sah der Fahrer ihm nach.

      Sherlock betätigte den Türklopfer und trat in die Wärme der Pension ein. Der weiche Teppich dämpfte seine Schritte, der zu einem Tresen führte, an dem ein Mann stand, der ihn lächelnd begrüßte.
      „Mr. Holmes, schön, dass Sie hier sind“, sagte dieser und ein Lächeln glitt über seine Züge. „Ich bin Mr. Baskin. Wie war die Reise?“
      Sherlock ergriff die kräftige Hand des Mannes und bemerkte, dass er vor kurzer Zeit noch einen Ehering getragen hatte. Er sah deutlich den Abdruck am Ringfinger.
      „Ebenfalls erfreut, Mr. Baskin. Die Reise war lang, sehr lang. Ich bin wohl der einzige hier, der noch fehlt.“
      „Ja, und ich habe Sie aus der Zeitung erkannt. Sie haben einen gewissen Ruf.“
      Baskin lächelte und zeigte dabei seine perlweißen Zähne. Er war, wie Sherlock unumwunden zugeben musste, ein attraktiver und durchaus interessanter Mann.
      „Danke, Mr. Baskin. Klären Sie mich bitte auf, was ich hier eigentlich zu suchen habe?“
      Baskin lachte auf und bedeutete Sherlock, sich auf einen der Sessel zu setzen, der in der Eingangshalle stand. Er nahm ihm den Mantel ab und setzte sich dann neben ihn.
      „Einen Kaffee vielleicht, Mr. Holmes?“
      „Später, danke. Also?“
      Baskin räusperte sich, während Sherlock sich umsah. Die Pension strahlte den Reiz eines alten Cottages aus. Blumige Tapeten, mit denen die Wände bespannt waren, eine rustikale Einrichtung, mit nicht zu dunklem Inventar, und Bilder, die von wunderschönen Landschaften zeugten, wie sie nur am Rande der Zivilisation zu finden waren.
      Zu linker Hand befand sich ein großes, geräumiges Zimmer, in dem ein behagliches Feuer in einem Kamin prasselte, auf der rechten Seite entdeckte er den Speiseraum.
      „Sie sind Nummer Fünf in unserem alljährlichen Spiel. Und das Motto heißt: Finde den Mörder.“
      „Wie originell.“
      Sherlock schüttelte den Kopf, woraufhin Baskin entschuldigend mit den Schultern zuckte.
      „Das ist unser Highlight jedes Jahr. Mit London können wir nicht mithalten, fürchte ich.“
      „Wurde die Leiche denn schon drapiert?“
      Baskin kratzte sich nervös am Kopf.
      „Nein, wir haben auf Sie gewartet, nachdem uns Mr. Watson darüber informiert hatte, dass Sie zu uns stoßen. Aber am Silvestermorgen hat es einen kleinen…äh…sagen wir mal, Zwischenfall…gegeben.“
      „Und wie sah der aus?“
      Sherlock schaute Baskin interessiert an.
      „Nun ja. Ich wusste genau, dass nichts geschehen sein konnte. Schließlich ging das Spiel noch nicht los. Ein markerschütternder Schrei hallte durch den Flur, woraufhin die Gäste, die bereits zugegen waren, aufwachten und aus ihren Zimmern kamen. Nur eine Frau, die übrigens auch eine Hobbydetektivin ist, ließ sich nicht blicken.“
      Er machte eine Pause, sodass die Worte auf Sherlock wirken sollten. Dieser vollführte eine unwirsche Handbewegung.
      „Und?“
      „Ich ging in ihr Zimmer und fand sie halbnackt, weil sie aus dem Badezimmer geflüchtet war. Dort tummelten sich Kakerlaken. Die hatten wir seit zwanzig Jahren nicht mehr.“
      Sherlock lachte auf.
      „Eine wunderbare Geschichte. Besonders für die Frau.“
      Man konnte die Ironie nicht im Geringsten überhören.
      „Ich möchte erst einmal auf mein Zimmer.“
      „Möchten Sie nicht mehr erfahren?"
      Baskin schien ein wenig verstimmt zu sein.
      „Alles zu seiner Zeit.“
      „In Ordnung. Die anderen werden Sie heute Abend kennenlernen. Möchten Sie vielleicht etwas essen?“
      „Wenn es mich danach verlangt, weiß ich, wo das Speisezimmer ist.“
      „Sie sind ein Mann, der sehr unkompliziert zu sein scheint. Dann folgen Sie mir bitte.“

      Die beiden erhoben sich.
      Unkompliziert?, dachte Sherlock und ein leichtes Grinsen huschte über sein Gesicht. Er war vieles, aber das sicher nicht. Schade, dass John Baskin eben nicht gehört hatte. Er hätte zu gern sein Gesicht gesehen. Sherlock trug sich mit dem edlen Füllfederhalter ins Gästebuch ein und harrte der Dinge, die kommen sollten.

      ***

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Lucy ()

    • Schön, das hier schon wieder Nachschub ist...und wieder mal so tolle Beschreibungen! Da kann ich gar nicht genug von haben, das liest sich echt toll bei dir! Auch wenn du uns Sherlocks Gedankengänge offenbarst, das liest sich alles so schön logisch - das ist soo treffend und man muss unwillkürlich schmunzeln, ob seines Selbstwertgefühles! *thumps* Einfach Klasse Süße!
      Und dann war ich ja ganz baff, dass Sherlock nu doch allein gefahren ist, ich dachte, er hätte Watson im Schlepptau. Aber der hat sich wohl auch wirklcih mal ne Auszeit verdient, damit er seine "interaktiven" Angelegenheiten mal ein bißchen auf Vordermann bringt! siehe hier-> *verliebt* Aber ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es dann in Cornwall weitergeht und Sherlock die ganzen Hobby-Detekive aufmischt und sich nicht am Riemen reißen kann, wenn es um Zurückhaltung geht! Der wird mit seinen Lösungen vorbreschen und die Mitstreiter um den Verstand bringen! Oder zu Weißglut bringen!

      Für mich hätte das Kapitel ja gut und gerne nochmal so lang sein dürfen, bin immer ganz traurig, wenn ich dem Ende entgegensehe! Aber ich weiß ja, es kommen noch mehr und so ist die Vorfreude darauf immer schon vorhanden! *seufz*

      *and sometimes I feel that I should go and play with the thunder*
    • Endlich hab ich es geschafft, dein neues Kapitel zu lesen. Und mir geht es da genau wie Samm, ich hätte auch noch ewig weiterlesen können. Deine genauen Beschreibungen der Szenerie sind einfach nur toll, da ist man sofort mitten drin. Ich sehe eine Landschaft vor mir, wie man sie aus den "Pilcher" Filmen kennt (musste ich mit Oma gucken *blush* ).

      Und jetzt bin ich nur noch gespannt, was sich bei diesem Detektivspiel so alles tun wird. Denn dass da etwas Unvorhergesehenes passieren wird, ist für mich so sicher, wie das Amen in der Kirche! [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_be_147.gif]

      Das heißt dann auch, dass Dr. Watson anreisen muss. Darauf freue ich mich schon! *freu*
      *tea*
    • Ach, Ihr zwei treuen Seelen, danke sehr! *umarm*

      @Samm: Danke, ich versuche Sherlock, so zu treffen, wie er in der Serie herüberkommt, und hoffe, dass es mir gelingt. Es macht richtig Spaß, in seinen Kopf einzutauchen. Sein Charakter ist unvergleichlich und vielschichtig. *spring*

      @Melinda. Die Pilcher-Filme sagen mir auch was. *;)* Nur wird es hier nicht so viel Herz-Schmerz geben. *:D* Und ja, an Deiner Theorie ist was dran, was John betrifft. Vielen Dank! *spring*

      Es geht weiter...


      3. Kapitel: Das Spiel beginnt

      „Und Sie sind also der berühmte Sherlock Holmes“, sagte Wilfred Jonesy lang gezogen, lächelte und hob sein Scotchglas an die Lippen.
      Man saß in illustrer Runde zusammen, rauchte, philosophierte über das Leben, währenddessen sich draußen ein Unwetter zusammengebraut hatte. Der Regen peitschte gegen das Fensterglas, der Himmel hatte sich in ein trübes Grau verwandelt, und die Wolken zogen so schnell vorbei, dass man die Stärke des Windes nur erahnen konnte. Er heulte weit hinaus bis auf das Meer, vermischte sich mit dem Rauschen des Wassers, das vom Himmel fiel.
      Im Aufenthaltsraum knisterte ein behagliches Feuer im Kamin, vor dem ein weinrotes Sofa, eine Unmenge an Ohrensesseln und Beistelltische standen.
      „Bis eben war ich es noch“, lächelte Sherlock und konzentrierte sich wieder auf Perkins, einen Mittvierziger, der laufend mit seinen Händen über seinen Anzug strich. Warum war er so nervös? Mit ihm im Raum befanden sich außerdem noch Baskin, dem die Pension gehörte und der der Spielleiter war, Mrs. Holden, die er insgeheim ‚Die Kakerlaken-Frau’ nannte, Jonesy’s Ehefrau Mildred, ein Mann namens Petersen, der gediegen in einem Ohrensessel saß und schnarchte, sowie Mrs. Lansbury, eine ältere, resolute Dame, die eine qualmende Zigarettenspitze in der Hand hielt, und hin und wieder daran zog.
      Sherlock hatte sich einen ihrer exotisch duftenden Glimmstängel geschnorrt und beobachtete nun die selbsternannten Detektive, wie sie versuchten, sich gegenseitig den Rang abzulaufen, und sich belauerten, als hinge ihr Leben davon ab. Aber man kannte sich, duzte sich und achtete sich offenbar auch.
      „Sie haben schon viele Fälle gelöst“, sprach Jonesy weiter und alle Augen waren plötzlich auf Sherlock gerichtet, so als würden sie jetzt erst erkennen, um wen es sich hier handelte. Nur Petersen schnarchte weiter.
      „Das habe ich, in der Tat“, gab Sherlock freimütig zu, und in seiner Stimme schwang Stolz mit, „nur waren diese ganzen Fälle echter Natur.“
      Das konnte er sich nicht verkneifen. Zustimmendes Gemurmel erhob sich.
      „Haben Sie schon mal auf jemanden geschossen?“, wollte Mrs. Lansbury unverhofft wissen.
      „Also, Laura“, lachte Baskin kopfschüttelnd. „Das fragst du wirklich jeden.“
      Sherlock dachte nach.
      „Ich musste noch nie abdrücken.“
      „Schade“, kam es von Mrs. Lansbury, die ihr faltiges, geschminktes Gesicht verzog.
      Sherlock blickte sie aufmerksam an.
      „Ist nur meine Meinung. Ich meine, bevor mich jemand abknallt, versuche ich doch schneller zu sein, oder?“
      „Da ist was dran“, pflichtete ihr Sherlock bei.

      Baskin erhob sich.
      „Hier, Ladies und Gentlemen, sind aber keine scharfen Waffen zu erwarten.“
      „Doch, Marcy ist eine“, lachte Jonesy lauthals auf, woraufhin ihm seine Frau einen wütenden Blick zuwarf.
      Er hatte Mrs. Holden gemeint, die sich unbehaglich räusperte, nachdem die Runde angefangen hatte, über Jonesy’s Scherz zu lachen. Petersen erwachte aus seinem Schlaf und blickte sich ratlos um.
      Sherlock sah in Mrs. Holden, Marcy, eine ganz normale Frau, mit blauen Augen und dunkelblonden Haaren, die den Blicken von Jonesy’s Frau auswich.
      Was war hier los? War da etwas zwischen ihr und Jonesy im Gange?
      Interessant, dachte Sherlock.
      „Die Kakerlaken haben sich jedenfalls nicht beschwert“, gluckste Jonesy weiter, „aber richtig beurteilen kann das nur unser lieber Baskin. Schließlich hat er sie mit ihren kleinen Freunden vorgefunden.“
      Baskin verdrehte die Augen, Jonesys Frau durchstach ihren Mann mit giftigen Blicken; Marcy Holden stand auf und ging ans Fenster, um ihre Gesichtsröte zu verbergen, die sowieso jeder schon bemerkt hatte. Sherlock goss sich ein Glas Scotch ein.
      „Nun, wie geht es weiter? Wann geht es endlich los?“, fragte er ablenkend und warf Marcy einen Blick zu, die ihn dankbar von der Seite anlächelte.
      In Wahrheit interessierte es ihn nicht die Bohne.
      „Oh, Mr. Holmes kann es wohl gar nicht abwarten“, rief Baskin und sah auf seine Uhr, die er aus seiner Weste zog. „Gemach, liebe Freunde. Ich werde doch nicht den Zeitpunkt verraten, wann es losgeht.“
      „Das kennen wir ja schon“, knurrte Mrs. Lansbury und steckte sich eine neue Zigarette in die Spitze.
      „Wenn Sie sich frisch machen gehen wollen, dann nur zu. In einer halben Stunde ist das Dinner fertig.“

      Alle, bis auf Sherlock und Baskin, erhoben sich und verließen murmelnd das Zimmer.
      „Ich weiß gar nicht, was ich hier soll“, sagte Sherlock mehr zu sich selbst, als auch er gerade den Raum verlassen wollte.
      „Einfach mal abschalten, von der rauen, bösen Welt, Mr. Holmes“, sagte Baskin hinter ihm. „Was ist so falsch daran?“
      Sherlock sagte nichts, ging mit schnellen Schritten hinauf, und wusch sich im Bad die Hände, atmete tief durch und nahm sich dann eine Zeitung, die er mitgebracht hatte, um ein bisschen zu lesen.
      Er dachte an John, und was er wohl gerade machte. Er hatte ihm Bescheid gegeben, dass er gut angekommen war, John hatte abwesend geklungen, als ob er mit seinen Gedanken weit entfernt schien.
      Sein Zimmer gefiel Sherlock mit dem dunklen, breiten Bett und den blumigen Tapeten. Alles sah frisch gestrichen aus, verströmte diesen Landhausstil. Sogar die bunte Bettwäsche machte ihm nichts aus, sie passte zu Cornwall, sie passte hierher, auch wenn nicht zu ihm.

      Gerade als Sherlock auf die Uhr auf seinem Nachttisch sah, hörte er einen spitzen Schrei durch die Pension hallen.
      Die Kakerlaken?, dachte er amüsiert und trat auf den Flur hinaus.
      Jonesy und seine Frau rannten an ihm vorbei, und von unten erhob sich Gemurmel.
      „Also geht es doch schon los“, meinte Sherlock und lief den anderen hinterher.

      Im Erdgeschoss angekommen, traf er auf die Hobbydetektive, die in dem Aufenthaltsraum in einem Halbkreis um etwas standen, das er nicht erkennen konnte. Er schob sich durch die Menge, und ihm verschlug es den Atem. Auf einem der Ohrensessel saß Perkins mit aufgerissenen Augen. Und er sah mehr als tot aus.
      „So viel zu Ihrer rauen, bösen Welt“, sagte Sherlock an Baskin gewandt, der erschrocken auf die Leiche hinuntersah.

      ***
    • Jaaa! [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_sb_001.gif] Es gibt also einen ganz echten Mord! Ist es pervers, wenn ich mich (natürlich nur für Sherlock) darüber freue? [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/pfeif.gif]

      Hach, eine Mörderjagd in einem alten Landhaus! [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_sonst_102.gif] Ich sehe da Miss Marple, Hercule Poirot & Nick Charles vor mir, wie sie versuchen, sich gegenseitig zu übertrumpfen. Und ganz heimlich löst Sherlock den Fall! [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_be_134.gif]
      Spaß beiseite, jetzt MUSS Watson kommen, das kann er sich doch nicht entgehen lassen.
      Ich bin ja mal gespannt, ob der nervöse Mr. Perkins das einzige Opfer ist, oder ob der ominöse Mörder noch ein weiteres Mal zuschlägt. *angst*

      Danke Lucy, ich freu mich schon auf's nächste Kapitel! [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_sg_010.gif] Ich liebe deine Story! *thumps*
      *tea*
    • Melinda schrieb:

      Jaaa! [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_sb_001.gif] Es gibt also einen ganz echten Mord! Ist es pervers, wenn ich mich (natürlich nur für Sherlock) darüber freue? [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/pfeif.gif]

      Melinda, nein, das ist doch nicht pervers! *:D* *:D* Ich finde es auch gut, wenn so eine Horde zusammenkommt und man rätselt, wer der Mörder ist. Ich mag auch Miss Marple und den Film, warte mal...Eine Leiche zum Dessert. Der ist toll! *thumps* Danke für Dein Feedback. Es geht weiter! *umarm*

      Viel Spaß an alle Leser! *lieb*

      4. Kapitel: Das Blatt wendet sich

      „Kein Puls“, wiederholte Sherlock, während er das linke Handgelenk von Perkins umklammert hielt und angestrengt wartete. Er hatte bereits nichts an der Halsschlagader gespürt. Kein Pochen, das verriet, dass der Mann noch lebte. Sein Körper war noch warm, die Augen blickten ins Leere.
      Baskin hatte eine Schusswunde gefunden, oberhalb des Herzens. Den Knall des Geschosses hatte niemand vernommen, musste der Mörder doch einen Schalldämpfer benutzt haben. Sherlock überlegte, nach Schmauchspuren an den Händen aller Anwesenden zu suchen. Eine Ausrüstung dafür hatte er mitgebracht. Es war als Scherz gedacht gewesen. Lestrade hatte ihm eine Art Notfallset mit den Worten: „Mischen Sie die Amateure gehörig auf!“ mitgegeben, so als müsste Sherlock irgendetwas beweisen. Auch ohne diesen ganzen Firlefanz wie Pipetten, seine beleuchtete Molly-Lupe oder dieses spezielle Pulver, wusste er, wie er die Täter überführen konnte. Doch im Augenblick schien es ihm durchaus verlockend, Spuren zu sichern.
      „Also ist er tot“, schloss John am anderen Ende der Leitung das beharrliche Schweigen, das sich über die Gruppe gesenkt hatte.
      Sherlock hatte ihn angerufen, ihn in seiner Funktion als ehemaliger Arzt um Hilfe gebeten. Und nun musste er feststellen, dass selbst Johns Hinweise Perkins nicht wieder lebendig machen würden. Gerade einmal 45 Minuten hatte man sich getrennt, bevor zum Dinner gerufen werden sollte. Diese Zeit hatte dem Mörder gereicht, um den Mann, der hier vor ihnen starr im Sessel saß, zu töten.
      „Erschossen“, sagte Mrs. Lansbury zum gefühlten 30. Mal. Sie zog an ihrer Zigarettenspitze und ließ sich in einen der Sessel fallen. „Das würde jeden umbringen.“
      „Nun sei nicht so theatralisch“, ermahnte sie Baskin. „Wir sollten die Polizei verständigen.“
      „Wenn wir das könnten…“, kam es von Sherlock leise.
      Er strich sich eine Locke aus der Stirn und hielt mit seiner Hand, die in einem Gummihandschuh steckte, Baskin ein Schriftstück hin. „Das fand ich zwischen der Sessellehne und der Leiche.“
      Marcy Holden schlug sich die Hand vor den Mund.
      „Leiche“, flüsterte sie, taumelte einige Schritte zum Kamin und wandte den Blick von dem toten Perkins ab.
      „Was ist das?“, fragte Baskin und studierte neugierig den Zettel. „Das darf doch nicht wahr sein!“
      „Was ist denn? Was steht darauf?“, fragte Jonesy interessiert.
      Baskins Augen wurden groß, er atmete tief durch.
      „Oh mein Gott! Angela! Der Mörder hat eine Geisel und wir sollen ein abartiges Spiel spielen.“
      Alle Köpfe drehten sich schlagartig zu Baskin, fixierten ihn.
      „Was?“, fragte Marcy und schüttelte ungläubig den Kopf. „Angela?“
      Sie musste sie kennen.
      „Lesen Sie vor“, wies Sherlock Baskin an und fragte ins Handy: „John, hören Sie zu?“
      „Natürlich“, bejahte dieser.
      Perkins war der Anfang. Sie dürfen Hilfe holen, jedoch nicht in Form von Polizei oder anderen Gesetzeshütern. Dies wird ein Spiel, diesmal ein echtes. Und Sie dürfen rätseln, wie es weitergeht. Es wird Spuren geben, und Sie können Sie finden. Wenn Sie es nicht tun, stirbt Angela. Viel Glück!
      Baskin wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er schloss seine Augen, wurde kreidebleich.
      „Wer ist Angela?“, fragte Sherlock Baskin.
      Offensichtlich war sie mit ihm verwandt oder seine ehemalige Frau. Sherlock hatte bei seiner Ankunft bemerkt, dass Baskin lange Jahre einen Ring getragen hatte. Der Abdruck war noch zu sehen gewesen.
      „Sie ist meine Exfrau“, kam es von ihm leise.
      Bingo!, dachte Sherlock zufrieden. Baskin schien es ziemlich mitzunehmen, oder schauspielerte er nur gut?
      „Wie makaber“, kam es von Mrs. Lansbury, „aber irgendwie aufregend.“
      „Laura, bist du des Wahnsinns? Ein Verrückter bedroht uns, hat Matt getötet und Angela entführt“, entfuhr es Jonesy. Seine Frau klammerte sich an seinen Arm und schluchzte.
      Petersen, der einzige, der bis jetzt noch nicht viel dazu gesagt hatte, hatte es scheinbar immer noch die Sprache verschlagen. Er sah nervös von einem zum anderen.
      „Kann der Mörder sie wirklich entführt haben?“, wollte Sherlock wissen.
      Baskin zuckte hilflos mit den Schultern.
      „Ich weiß es nicht.“
      Plötzlich fing es laut an zu donnern, der Himmel wurde über dem Meer von Blitzen erhellt. Das Unwetter kehrte zurück und der Regen wurde wieder stärker.
      Baskin zuckte zusammen.
      „Haben Sie sich im Guten getrennt?“
      Baskin sah Sherlock an.
      „Ja, wir sind sehr gute Freunde.“
      „Rufen Sie sie an. John, kommen Sie nach Cornwall. Ich brauche Ihre Hilfe.“
      „In Ordnung, ich nehme den nächsten Zug.“
      Es klackte in der Leitung. Sherlock hielt Baskin das Handy hin, dann zog er es jedoch zurück. Er ging zu der Leiche und untersuchte diese eingehender. Er hob Perkins Körper ein Stück vom Sessel und wies Jonesy an, nachzusehen, ob er irgendetwas finden konnte.
      „Warten Sie!“ Jonesy fischte etwas hervor, das vor der Rückenlehne lag. Ein Diktiergerät.
      Sherlock setzte Perkins zurück und nahm es ihm ab. Er drückte den Play-Knopf. Alle hielten den Atem an.
      „Roger, ich bin es, Angela.“
      Die brüchige Stimme, die von Schluchzern durchzogen war, jagte Baskin einen Schauer über den Rücken. Man konnte sehen, wie er zusammensackte und ungläubig auf das Diktiergerät starrte.
      „Jemand hat mich entführt, du musst das Spiel mitspielen, sonst sterbe ich. Perkins war ein Mahnmal. Wenn du und deine Freunde nicht mitspielen, tötet man mich. Mehr darf ich nicht sagen. Nur noch eins: Vergiss mich nicht. Bitte lass mich nicht sterben.“
      Die Aufnahme war zu Ende. Angelas Stimme war bei den letzten Worten gebrochen. Sherlock sah Baskin aufmerksam an, dessen Augen zum Fenster glitten.
      „Ich verstehe das nicht….“, stammelte er…“wieso? Warum?“
      Mehr bekam er nicht heraus.
      „Ich sage es nur ungern, Ladies and Gentlemen, aber der Mörder weil unter uns.“ Sherlock drehte sich gemächlich in der Runde der Detektive, die ihn ansahen, als hätte er in einer Fremdsprache zu ihnen gesprochen. Das war eine Herausforderung, das musste er unumwunden zugeben.
      Sherlocks Gehirn rotierte, während er zu begreifen versuchte, was hier gespielt wurde. Ohne, dass er davon geahnt hatte, war er in seinen nächsten, zugegebenermaßen, sehr makaberen Fall gerutscht. War er denn nirgendwo sicher?

      ***
    • @Lucy: Ja genau, den Film meinte ich auch. Ich hab den so oft gesehen, und jedes Mal lach ich mich wieder schlapp über die Truppe! (der blinde Butler parkt den Wagen... *lol1* )

      Ok, zum Kapitel. Da muss ich erst mal ein [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/omg_2.gif] in die Runde werfen! Das "Spiel" entwickelt sich ja so langsam aber sicher zu einem richtig großen Kriminalfall. Klar dass jetzt Watson kommen muss. *thumps*
      Was ist das bloß für ein perverser Typ, der einfach mal so für ein Spiel einen Mord begeht? Und warum wird gerade die Ex von Baskin entführt? Mal gucken, ob das nach dem nächsten Kapitel klarer wird.[IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_denk_19-1.gif]

      Sherlock hatte seine Ausrüstung nur zum Spaß mitgenommen, ob er geahnt hat, dass er sie brauchen wird?

      Du machst das ja mächtig spannend, freu mich schon auf die Fortsetzung. *umarm*
      *tea*
    • Hey, ich habe es auch endlich geschafft, das nächste Kapitel zu lesen und ich muss sagen: Wir nehmen Fahrt auf! Das ist ja spannend, jetzt ist Sherlock mehr oder minder aus Versehen in seinen nächsten Fall gerutscht und soll ich dir mal was sagen? Ich liebe solche Fälle, wo es um Leben und Tod geht und der Mörder ist unter all seine möglichen Opfern, aber keiner weiß zunächst, wer der Mörder ist. Das erinnert mich auch sehr an Agatha Christie, deren Fälle ich früher geliebt habe. Mrs Marple und Co, hach das war immer toll!
      Dann mach mal, entführe uns in diese Kreise, wo die Mörder mitten drin sind und sich nicht zu erkennen geben! Sherlock wird ihn aber dennoch entlarven, jede Wette und jetzt wo Watson auf dem Wege ist, sind da überhaupt keine Zweifel angesagt! *jippel*

      Ach Lucy, das ist toll, diese rasante Wendung und auch noch ne Entführung, um die Sache zusätzlich zu erschweren und gegen die Zeit zu arbeiten! Tolle Story! Super ausgedacht! Weiter so, ich freu mich auf mehr! *thumps* *umarm*

      *and sometimes I feel that I should go and play with the thunder*
    • Huhu, Ihr Lieben!

      @Melinda: Ich finde den Film auch klasse! *lach1* Den kann man sich immer anschauen, und auch immer wieder lachen. Und Peter Falk fand ich schon immer toll, auch als Columbo. *;)* He he, gut, dass dir die Entwicklungen so gefallen. Jeder belauert jeden, und Sherlock ist mittendrin. Er muss sich doch richtig gut fühlen, ihm dürfte nicht mehr langweilig sein. *:D* Lass dich überraschen, wie es weitergeht. Danke dir! *umarm*

      @Samm: Hey, schön, dass du auch mitfieberst. Das freut mich unheimlich. Ich mag auch solche Filme und Bücher, in denen die Personen abgeschnitten sind von der Außenwelt, und keiner weiß, wem er vertrauen kann. *;)* Meistens lag ich am Ende falsch, wer der Mörder war. *lach1* Danke schön! *kiss1*

      Es geht weiter...viel Spaß allen Lesern! *;)*

      5. Kapitel: Untersuchungen

      „Und was machen wir mit der Leiche?“, fragte Jonesy mit Blick auf den toten Körper, der noch immer auf dem Sessel saß, so als wolle er schlafen.
      „Nach draußen bringen“, schlug Mrs. Lansbury vor, „da ist es schön kalt.“
      „Laura, verdammt noch mal, reiß dich zusammen!“, entfuhr es Baskin, der kalkweiß am Fenster stand und gedankenverloren hinausgeblickt hatte. „Willst du, dass die Ratten ihn zerfressen? Wir bringen ihn in den Keller, dort stehen Kühltruhen.“
      „Aber vorher werde ich ihn eingehend untersuchen“, teilte Sherlock der illustren Runde mit.
      Er war mit seinem Untersuchungs-Set wieder im Kaminzimmer aufgetaucht und holte bereits seine Lupe aus der Tasche. Kurz flackerten seine Gedanken zu Molly, die sie ihm geschenkt hatte. Er räusperte sich unbehaglich und kniete sich vor die Leiche, um diese eingehend zu untersuchen.
      Die anderen sahen ihm aufmerksam zu. Jonesy stellte sich neben ihn und fing an, es Sherlock gleich zu tun. Dieser blickte langsam zu Jonesy hoch, wobei er die Stirn runzelte.
      „Was tun Sie da?“, verlangte Sherlock von ihm zu wissen.
      Jonesy zog ein halbblindes Vergrößerungsglas über das Gesicht des Toten.
      „Ich bin voll in meinem Element, Mr. Holmes“, verkündete Jonesy und zwinkerte, „ich mache es genau wie Sie.“
      Sherlock schnaubte geräuschvoll durch die Nase.
      „Bitte ziehen Sie sich zurück, wichtige Spuren können verloren gehen.“
      Mit schmalen Augen fixierte er Jonesy, dessen Lächeln verblasste.
      „Sie denken wohl auch, dass Sie uns Amateuren mal gehörig die Leviten lesen können, oder?“
      „Wilfred, nun lass doch gut sein“, beschwichtigte Mrs. Jonesy ihren Mann.
      „Nein, Mildred, auch wir haben etwas vorzuweisen“, rief Jones empört. „Ich habe den letztjährigen ‚Spionier- und Detektiv - Wettbewerb’ gewonnen. Und wie habe ich das geschafft, wenn ich nichts auf dem Kasten hätte?“
      „Glück vielleicht?“, riet Sherlock und erhob sich.
      Jonesys Gesicht wurde puterrot. Bevor er etwas erwidern konnte, schaltete sich Baskin mit lauter Stimme ein.
      „Angela ist in Gefahr und Sie belauern sich hier, als wenn überhaupt nichts wäre.“
      Alle Anwesenden blickten ihn an. Mrs. Lansbury zog genüsslich an ihrer Zigarette, Marcy Holden setzte sich zitternd auf einen der Sessel, und Petersen, der sonst nur im Halbschlaf anzutreffen war, hielt geräuschvoll den Atem an.
      „Lassen Sie Mr. Holmes die Untersuchungen durchführen. Er ist ein Profi.“
      Baskins Stimme war mit seinen letzten Worten immer leiser, aber auch eindringlicher geworden. Er wandte sich wieder ab und sah in den trüben Himmel.
      Sherlock hob eine Augenbraue, woraufhin Jonesy ihm kurz zunickte und widerwillig das Feld räumte.
      Intensiv suchte Sherlock nun die Leiche nach irgendwelchen Spuren ab. Haare, Fäden, außergewöhnliche Flecke, oder ähnliches. Nach ein paar Minuten wurde er fündig, nahm eine Pinzette zur Hand und entfernte aus Perkins Kragen eine gelbe Faser. Er legte sie behutsam auf eine Glasschale, die er sorgsam verschloss. Behutsam drehte er das Gefäß in seiner Hand, besah sich eingehend den Faden, nur um sich dann umzudrehen und die Kleidung der anderen visuell in sich aufzunehmen.
      Jonesy trug ein Hemd, das mit hellen und grünen Fäden durchzogen war. Bei näherer Betrachtung bemerkte Sherlock, dass Marcy Holden einen verknitterten strohgelben Rock trug. Die anderen trugen nichts Dergleichen. Der Mörder konnte sich natürlich bereits umgezogen haben, oder der Faden gehörte vielleicht sogar zu Perkins Bekleidung. Das musste Sherlock noch herausfinden.
      „Darf ich?“, fragte er Marcy und besah sich den Rock näher, als sie ihm die Erlaubnis gegeben hatte.
      Doch Sherlock sah schnell ein, dass der Rock viel zu hell für den gefundenen Faden war. Er ging zu Jonesy, hielt die Glasschale zum Vergleich an sein Hemd. Sherlock stockte.
      „Dieses Hemd muss sehr warm sein, oder?“, fragte er Jonesy, zog eine Faser aus dem Ärmel des Holzfällerhemdes und hielt sie hoch.
      „Ich friere sicher darin nicht“, gab Jonesy zu und beobachtete Sherlock argwöhnisch, als dieser die Fäden verglich.
      „Sie sind gleich“, stellte er dann fest.
      „Warum hast du das getan?“, schaltete sich Mrs. Lansbury ein.
      „Meinst du mich?“, wollte Jonesy wissen.
      „Natürlich. Warum hast du Angela entführt und Perkins getötet?“
      Jonesy schnappte hörbar nach Luft, seine Frau schlug die Hände vor das Gesicht.
      „Ich war es nicht! Warum sollte ich so etwas tun? Dieser Faden beweist gar nichts. Ich habe vorhin die Leiche untersucht, da könnte sich der Faden gelöst haben.“
      „Vielleicht haben Sie es mit Absicht getan, damit Sie sich nun so herausreden können. Eventuell haben Sie die Faser bemerkt und wollten diese unbemerkt verschwinden lassen.“
      Sherlocks Stimme war eindringlich, und so richteten sich alle Augenpaare auf Jonesy.
      Baskin räusperte sich vernehmlich am Fenster.
      „Ich vertraue Wilfred“, sagte er energisch und setzte sich zu Marcy, die sogleich seine Hand nahm.
      Erleichtert atmete Jones auf.
      „Hier kann man niemandem vertrauen“, informierte ihn Sherlock unmissverständlich. „Jemand spielt ein falsches Spiel. Wir müssen vorsichtig sein. Ich würde alle zu gern auf Schmauchspuren untersuchen, jedoch fehlt mir dazu die richtige Ausrüstung. Ich habe zwar ein Notfall-Set geschenkt bekommen, jedoch bezweifle ich nach näherer Betrachtung, dass dieses Pulver etwas bringt, obwohl es eine neuartige Erfindung sein soll.“
      Sherlock nahm ein wenig von dem blauen Pulver zwischen die Finger, zerrieb es und sah, dass es sich sofort wie eine Creme auf die Haut verteilte.
      „Versuchen können wir es aber. Oder hat jemand Einwände?“
      Fast zeitgleich schüttelten alle den Kopf. Sherlock ließ sie in die Tüte greifen, sie mussten das Pulver in beide Hände einmassieren. Sogar Baskin musste es tun, was er ohne Widerrede über sich ergehen ließ.
      Sherlock wartete ab, doch die blaue Farbe schien an allen Händen gleich auszusehen. Er konnte nicht einmal Lestrade anrufen, um zu fragen, welche Wirkung das Pulver haben konnte, und wie man Unterschiede herausfilterte. Er ging davon aus, dass der Mörder offenbar Handschuhe getragen hatte, So dumm war er schließlich nicht, sich auf diesem Wege zu verraten.
      Gerade, als Sherlock alle anwies, dass sie sich die Hände waschen konnten, klopfte es laut an der Tür.

      ***
    • Soso, der Anfang ist getan, Sherlock ermittlet den echten Mord! Sehr schön. Und Watson ist auf dem Wege, wahrscheinlich ist er denjenige, der gerade eben angeklopft hat. Sehr schön, dann hat Sherlock ja bald tatkräftige Unterstützung bei sich.
      Witzig fand ich sein Ausprobieren der blauen Pasten um evtl. Schmauchspuren zu entdecken, ganz schön gewagt, wenn er noch nicht mal weiß, wie diese Creme reagiert? *Prust* Aber dazu gehört ja auch ne große Portion Selbstbewußtsein und das hat ja Sherlock ohne Frage! *thumps* *ja*

      Lucy, ich bin immer wieder überrascht, wie du dir sowas ausdenken kannst und wie sich das dann in den roten Faden der Geschichte einfügt! Echt klasse geschrieben und geschildert. I like! :love:

      *and sometimes I feel that I should go and play with the thunder*
    • [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_denk_52.gif] OmG, ich hab das hier völlig vergessen! Durch diese blöde Erkältung war das völlig raus aus meinem Kopf. *:(*

      Aber ich hab das Kapitelchen eben gelesen. Ach, was heißt gelesen, ich hab's inhaliert! Und ich hab mich über Sherlock amüsiert, wie er Jonesy in die Schranken gewiesen hat. *lach1* Das ist Sherlock, wie er leibt und lebt, einfach nur herrlich.

      Ich finde es auch ganz süß, dass er jedes Mal, wenn er die Lupe benutzt, kurz an Molly denkt. Sollte da etwa... :love: Aber das wäre doch zu abwegig, und passt auch so gar nicht zu unserem Meisterdetektiv. [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_be_035.gif]

      Lestrate sein Dank, so hat Sherlock wenigstens eine einigermaßen passable Ausrüstung zur Verfügung, um wichtige Spuren zu sichern. Aber ich würde fast drauf wetten, dass er die letztendlich nicht brauchen wird. Er wird den Mörder durch eine Unachtsamkeit entlarven, denn Mörder machen immer irgendeinen dummen Fehler. Oder ich lehne mich hier gerade zu weit aus dem Fenster, und es kommt alles ganz anders?! Ich nehme mal nicht an, dass du mir einen winzigen Tipp geben möchtest, liebe Lucy? *rose*
      Nein? Ok, ist auch besser so, dann kann ich noch ne Runde weiter spekulieren. *thumps*

      Das war wieder einmal super und sehr unterhaltsam erzählt, Danke dir dafür! *umarm*
      *tea*
    • Es hat etwas gedauert, großes Sorry! Hatte etwas Stress. *blush*

      @Samm: Danke dir! *spring* Ja, ich habe schon ein wenig Fantasie. *:D* Das weißt du ja, und ich finde solche Spielchen auch spannend, weil es viele Überraschungen geben kann. John kommt bald an, dann hat Sherlock Unterstützung unter den Dilletanten. *;)*

      @Melinda: Hoffe, dass es dir besser geht. *umarm* Ganz liebe Dank auch an dich. Ich glaube auch, dass Sherlock sich solche Gedanken über Molly nicht wirklich eingestehen würde, vorher geht so ein Alarm in seinem Kopf an. Lupe = super! Molly = Molly eben. *:D* Oh, ob der Mörder einen Fehler macht, oder wie Sherlock ihm auf die Schliche kommt, das wird noch ein wenig geheim gehalten. Aber wie ich den Detektiv kennen, überrascht er hoffentlich wieder alle. *;)*

      Es geht weiter...viel Spaß!


      6. Kapitel: Kranke Nachricht

      Baskin hatte sich die Hände als erster von dem blauen Pulver reingewaschen und war förmlich zur Tür gestürzt, um diese zu öffnen. Die Amateurdetektive folgten eiligst Sherlock, der schon hinter Baskin stand, um auch nichts zu verpassen.
      „Hallo, Mr. Baskin“, sagte eine Stimme. „Ich habe ein Telegramm für Sie.“
      Sherlock sah den jungen Postboten an, der völlig durchnässt in einer dunkelblauen Uniform dastand und neugierig die Truppe beäugte, die ihn wiederum anstarrten.
      „Ein Telegramm?“, fragte Baskin mir hochgezogenen Augenbrauen und warf Sherlock kurz einen Blick zu.
      „Ja, bitte unterschreiben Sie hier.“
      Der Postbote hielt Baskin ein elektronisches Gerät hin, damit er bestätigen konnte, das Telegramm in Empfang genommen zu haben. Baskins Hand zitterte, während er den Stift ansetzte.
      „Sie haben wohl mal wieder hohen Besuch, der versucht, einen schreckliche Tat aufzudecken?“, lächelte der junge Mann bedeutungsvoll und zwinkerte.
      „Äh, genau, Phillip, wir sind mitten in einem wichtigen Fall.“
      Bevor Baskin das Telegramm zu fassen bekam, überreichte Sherlock ihm ein Paar Latexhandschuhe.
      „Auch wenn wir nichts zum Untersuchen haben, könnte es nicht schaden“, sagte Sherlock mit einem leichten Nicken. „Fingerabdrücke lassen sich immer nachweisen.“
      Baskin streifte sich die Handschuhe über. Phillip pfiff anerkennend.
      „Sie haben doch immer neue Ideen, Mr. Baskin. Das wird sicher spannend! Also habe ich auch mit zur Lösung des Falles beigetragen, auch wenn meine Abdrücke sicher auch zu finden sind.“
      Baskin sah den jungen Mann irritiert an, dann verzog er den Mund zu einem kleinen Lächeln, das nicht echt war.
      „Ja, wenn Sie so wollen, aber natürlich.“
      Der Postbote nickte noch einmal freundlich, verabschiedete sich und verschwand dann im Regen, um schnell zu seinem Auto zu laufen.
      „Oh, oh!“, entfuhr es Mrs. Lansbury. „Ein Telegramm hat nichts Gutes zu bedeuten!“
      Alle sahen sie an. Baskin riss den Brief auf und studierte ihn mit angespannter Miene. Von Sekunde zu Sekunde wurde sein Gesicht blasser, verlor an Farbe, bis er das Schriftstück fallen ließ und auf dem Sessel neben der Eingangstür zitternd Platz nahm.
      Sherlock, der ebensolche Handschuhe trug, nahm das Telegramm mit spitzen Fingern auf und überflog es.
      „Nun reden Sie schon!“
      Jonesy wollte einen Blick darauf werfen, doch Sherlock entzog es ihm.
      „Was denken Sie eigentlich…“
      „Beruhige dich, Wilfred“, mischte sich Baskin mit brüchiger Stimme ein. „Du wirst es noch früh genug erfahren.“
      Jonesy sagte nichts mehr, während Sherlock sich räusperte.
      „Eine klare Ansage, die uns der Spielführer gibt. Mit Erlaubnis von Mr. Baskin lese ich es vor.“
      Baskin nickte zustimmend.
      „Hier steht: ‚Es gibt einen Schatz zu finden in diesem Haus, er ist so klein wie eine Maus, und wenn er nicht gefunden wird bis heute Abend um zehn, wird meiner Geisel das Lachen vergehen. So seid schlau und sucht geschwind, bevor die Zeit Euch noch verrinnt. Doch eines sollt Ihr dennoch wissen: Wenn Ihr ihn nicht findet, wird Angela ein Körperteil vermissen.’
      „Wie krank ist das denn?“
      Mary suchte Halt an der Wand. Jonesy blickte seine Frau an, die sich, wieder einmal, die Hände vor den Mund hielt und nur den Kopf schüttelte. Sherlock studierte die Gesichter genau. Wer war hier der Täter? Oder war es sogar möglich, dass dieser nicht unter ihnen weilte, sondern wirklich die Anweisungen von draußen kamen und es keiner von den amateurhaften Scharlatanen war, die sich hypernervös anblickten? Oder sie waren alle verdammt gute Schauspieler.
      „Eines muss ich ja sagen: Derjenige macht es so spannend! Körperteile!“
      Laura Lansbury gluckste vor sich hin und nahm einen tiefen Zug von ihrer Zigarette.
      „Ich weiß nicht, was in dir vorgeht“, klagte Jonesy und wischte sich mit einem Taschentuch über die Stirn, „du scheinst die einzige zu sein, die dieses infame und gemeine Spiel geradezu vergöttert.“
      Baskin schien gar nicht zuzuhören. Gedankenverloren und bleich starrte er aus dem Fenster, sah den tanzenden Tropfen zu.
      „So einen Fall hatten wir noch nie!“
      Mrs. Lansbury war ein wenig verstimmt, als sie dies sagte.
      „Kapierst du denn nicht, dass dieser Fall diesmal echt ist? Dass es um Menschenleben geht?“
      Petersen hatte offensichtlich seine Sprache wieder gefunden. Kopfschüttelnd sah er die alte Dame an, die nun wieder in das Kaminzimmer ging, um sich eine neue Zigarette anzustecken. Die anderen folgten ihr wortlos und wie in Trance. Nur Baskin blieb wo er war. Sherlock setzte sich zu ihm.
      „Haben Sie Feinde?“
      Baskin löste sich zögernd von dem Bild des peitschenden Regens, der das Fenster immer wieder benetzte.
      „Feinde? Ich weiß es nicht. Aber es sieht ganz so aus, oder?“
      Seine Stimme klang schwach, müde.
      „Ich meine damit, ob Sie mit jemanden so richtig aneinander geraten sind? Ob es in den ganzen Jahren hier vorkam, dass in diesen Detektivspielen etwas schief ging und man Groll gegen Sie hegte.“
      Baskin schien zu grübeln, dann zuckte er mit den Schultern.
      „Nicht, dass ich wüsste.“
      „Hat Angela einen neuen Partner oder lebt sie allein? Wird sie jemand vermissen?“
      „Sie hat einen neuen Mann, der sehr gut zu ihr ist, sie liebt und alles für sie tun würde. Vermutlich wird er bald anrufen, aber dann darf ich ihm ja nichts sagen, oder?“
      „Nein, sonst ist sie dem Tode geweiht, fürchte ich.“
      Baskin schloss kurz die Augen.
      „Wie kann man nur einem Menschen so etwas antun? Körperteile, oh Gott! Angela ist eine tolle Frau und hat niemals jemandem wissentlich wehgetan, und nun muss sie für etwas büßen, dass ich vielleicht verbrochen habe.“
      Sherlock hörte den Schmerz, die Angst, zu versagen.
      „Eines verstehe ich nicht. Wenn es um Sie und um ihre Exfrau geht, warum wurde dann Perkins ermordet?“
      Sherlock sammelte sich und zog sich kurz in seinen Gedankenpalast zurück. Das Ganze erschien keinen Sinn zu ergeben. Oder war es nur ein Ablenkungsmanöver? Und welcher Schatz? Sherlock musste innerlich zugeben, dass sich der Trip nach Cornwall zugleich schrecklich aber auch äußerst interessant entwickelt hatte. Sicher, es ging um Menschenleben, und deswegen wollte er alles dafür tun, das Leben dieser unschuldigen Frau zu retten. John würde am Nachmittag eintreffen, was hieß, einen kühlen Kopf mehr in diesem verwirrenden Gedankenspiel zu haben.
      „Sie haben einen Trumpf in der Hand“, sagte Sherlock.
      Baskin schaute ihn verständnislos an.
      „Mich“, sagte dieser und sprang auf. Sein Kampfgeist war gestärkt.
      „Lassen Sie uns nach diesem Schatz suchen. Es wird sicher Hinweise geben.“
      Bevor Baskin etwas erwidern konnte, ging Sherlock ins Kaminzimmer und klatschte laut in die Hände.

      ***


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    • Oh Lucy: Nachschub, das ist soo klasse, ich freue mich! Dass du bei all dem Stress den du momentan hast noch zum Schreiben kommst ist klasse! Danke dafür meine Süße! *kiss1*
      Das Fall bleibt weiterhin spannend und der ein oder andere hat wohl den Ernst der Lage noch nicht so richtig erfaßt. Und Sherlock steht noch allein gegen all diese Amateure, aber bald kommt ja John und er hat Unterstützung!
      Richtig gelungen fand ich dieses Telegarm in Reimform, Mensch Lucy, reimen kannst du auch noch, super! Cool. Du läßt dir jedenfalls immer was einfallen, da kommt keine Langweile auf, toll, ich bleibe auf jeden Fall am Ball! *thumps* :love:

      *and sometimes I feel that I should go and play with the thunder*
    • Hm, der Brief mit dem gereimten Vers hat mich auf eine (absurd scheinende) Idee gebracht, aber die behalte ich noch ein wenig für mich. *:D* Mal gucken, wie sich der Fall weiter entwickelt, und ob ich mit meiner Vermutung Recht habe.

      Ansonsten kann ich mich dem Kommi von @Samm: nur anschließen, super geschrieben, es bleibt spannend. Und mit Schatzsuche kennt sich unser Meisterdetektiv ja inzwischen besten aus! *thumps*
      *tea*
    • Huhu!

      @Samm: Vielen Dank! *spring* Ja, ja, das Reimen...ha ha ha...musste doch mal neuen Wind in die Story bringen. *:D* Mrs. Lansbury sieht das Ganze nicht so schlimm, glaube ich. *lach1* Bald kommt John, ob er den Überblick behält?

      @Melinda: Oh, eine Theorie? Magste spoilern? Finde ich so spannend, was du dir so denkst. Falls nicht, auch nicht schlimm, mal sehen, ob sich das Ende dann deckt. *;)* Vielen Dank auch an dich und deine lieben Kommis! *umarm*

      Es geht weiter...


      7. Kapitel: Schatzsuche

      Erschrocken fuhr Mrs. Lansbury zusammen.
      „Schlechtes Gewissen?“, fragte Sherlock süffisant, als sie grimmig zu ihm aufschaute.
      „Ich frage mich“, sagte die alte Dame stattdessen, „warum dieser Wahnsinnige dieses Telegramm in Reimform geschrieben hat.“
      Sherlock besah sich den Umschlag genauer; aufgegeben wurde er auf dem Postamt von Plymouth. In dieser großen Stadt, die in dem Poststempel stand, verlor sich sicher die Spur. Kein Hinweis, dem er nachgehen konnte, und vor allem durften sie keine Hilfe holen, nur John war zu diesem makaberen Spiel einzig und allein zugelassen.
      Der Regen ging langsam in ein reges Schneetreiben über, was für den Winter, der sich langsam ins Land schlich, nicht ungewöhnlich war.
      Sherlock legte den Umschlag weg, zog sich die Handschuhe von den Fingern und trat ans Fenster, an dem weiße Flocken herumwirbelten.
      „Es könnte mehrere Gründe geben, warum unser unbekannter Spielführer reimt. Er ist intelligent, in meinen Augen, sonst hätte er dies alles nicht einfach so aufziehen können. Vielleicht ist es sogar ein Mensch der schreibenden Zunft, sprich ein Autor, Dichter oder so etwas in der Art. Oder aber er ist ein Liebhaber solcher Filme oder Bücher, in denen Krimialgeschichten anhand von Versen gelöst werden.“
      Er blickte kurz den anwesenden Hobbydetektiven in die Augen, die ihn nur verständnislos ansahen.
      „Sie meinen also, dass ihm solche Spiele Spaß machen?“, schaltete sich Baskin ein.
      Sherlock atmete auf, weil einer in dieser Runde ihn offenbar doch verstand.
      „Ja, genau das will ich damit sagen. Ein Schatz so klein wie eine Maus, das stand in dem Reim. Was könnte er wohl damit meinen?“
      „Ich weiß es nicht“, gab Baskin zu.
      „Räumen wir erst einmal die Leiche in die Kühltruhe, dann begeben wir uns auf die Suche“, schlug Sherlock vor. Vielmehr klang es aber nach einer Anweisung, was Jonesy mit einem nervösen Augenklimpern quittierte.
      Er und Baskin übernahmen dieses zweifelhafte Vergnügen, während Marcy sich anbot, die erforderlichen Türen zu öffnen und die Vorräte aus der Truhe in diverse Kühlschränke zu räumen. Sherlock ging derweil in sich, versuchte, seine Gedanken in Einklang zu bringen, die sich immer wieder verformten und kein richtiges Bild ergaben. Welche Kostbarkeit, die dazu noch klein war, war gemeint? Es half alles nichts, die Pension musste durchsucht werden. Er sah auf die Uhr. In knapp dr Stunden würde John hier sein.

      Es war bereits stockdunkel, als Sherlock die Gruppen eingeteilt hatte. Sie hatten ihr Dinner eingenommen, mit leerem Magen suchte es sich schlecht, nur Baskin hatte keinen Bissen herunterbekommen. Er hatte immer wieder hinaus in die Schwärze des Abends gestarrt und leicht mit dem Kopf geschüttelt. Sherlock sah die Verzweiflung in seinem Blick, all die Niedergeschlagenheit, die diese Situation ausdrückte. Oder spielte er dies alles nur?
      Niemand hatte widersprochen, auf Schatzsuche zu gehen, sogar Mrs. Lansbury hatte sich mit ihrer geliebten Zigarette erhoben und darauf gewartet, dass sie endlich loslegen konnte. Dabei wusste Sherlock nicht einmal, nach welchen Anhaltspunkten sie Ausschau halten mussten. Er hatte einfach gesagt, dass sie sich melden sollten, wenn sie etwas Ungewöhnliches bemerkten.

      Sherlock begab sich mit Baskin durch das Erdgeschoss des Hauses, während ihnen Mrs. Lansbury folgte. Oben suchten Jonesy und seine Frau, Marcy und Petersen nahmen sich den Keller vor. Alle Hände waren in Latexhandschuhe gehüllt, sodass auch keine Spuren aus Versehen verwischt werden konnten. Falls sie nicht fündig werden sollten, mussten die einzelnen Zimmer der Gäste durchsucht werden, auch die Privatwohnung von Baskin, die sich auf dem Dachboden befand. Darüber informierte Sherlock die Anwesenden aber noch nicht, er erhoffte sich so einen Überraschungsmoment. Nach zwanzig Minuten trafen sie sich im Kaminzimmer wieder und blickten sich ratlos an.
      „Uns ist nichts aufgefallen.“
      Jonesy zuckte mit den Schultern. Marcy musste sich ein Niesen verkneifen.
      „Verzeihung, es war so staubig da unten“, hüstelte sie. „Ich habe eine Allergie. Wir haben auch nichts Weltbewegendes gefunden, leider.“
      „Das ist es ja gerade“, sinnierte Sherlock. „Wir wissen nicht, wonach wir eigentlich suchen sollen, das erschwert die ganze Sache immens. Lassen Sie uns die einzelnen Zimmer durchstöbern, vielleicht gibt dies Aufschluss.“
      Er lief schnellen Schrittes die Treppe nach oben und fragte sich, wer wohl gegen so eine Durchsuchung Widerspruch erheben würde.
      „Wer will zuerst?“, fragte Sherlock fröhlich in die Runde.
      „Von mir aus können Sie mein Zimmer durchsuchen“, sagte Mrs. Lansbury gelangweilt und formte mit gespitzten Lippen ein paar Rauchkringel in die Luft.
      Sherlock nickte und alle, bis auf Jonesy, gingen hinein und warteten ab, was der Detektiv tun würde.
      „Jonesy, wo wollen Sie hin?“, wollte Sherlock wissen, als er hörte, wie eine Tür auf dem Flur leise geöffnet wurde.
      „Ich wollte nur mal kurz…“, hörte man die Stimme, die dann näher kam, „was nachsehen.“
      Jonesy stand nun in der geöffneten Tür.
      „Später, wir sollten zusammen bleiben.“
      Sherlock musterte den Mann, sagte aber nichts, sondern öffnete mit Mrs. Lansburys Erlaubnis den dunklen Holzschrank.
      „Laura, du hast den Verstand verloren“, sagte Petersen und bekreuzigte sich.
      „Das ist Wahnsinn!“ Jonesy konnte es nicht glauben, während seine Frau ungläubig den Kopf schüttelte.
      Sherlock schob die zwanzig Zigarettenpackungen beiseite, fand jedoch nur ein paar ordentlich aufgehängte Kleidungsstücke und Schuhe, sowie diverse Feuerzeuge in den Regalen. Die alte Dame war ihm bisher nicht im Geringsten verdächtig vorgekommen, auch wenn sie recht zynische Sprüche draufhatte.
      „Das Zeug bringt mich schon nicht um“, lachte Mrs. Lansbury auf. Ihre Stimme war durch den ausufernden Zigarettenkonsum deutlich mitgenommen.
      „Aber wofür brauchst du so viele Glimmstengel? Wir sind doch nur ein paar Tage hier, Herrgott“, mischte sich Baskin ein.
      „Nur für alle Fälle“, zwinkerte Mrs. Lansbury ihm zu, als verstehe sie die ganze Aufregung nicht. Die anderen stöhnten.
      Sherlock durchsuchte Schubladen, schaute ins Bad, unters Bett, in jede Ecke, entdeckte auch in der Handtasche der von ihr nichts Außergewöhnliches, und widmete sich dann dem gemieteten Zimmer des Jonesys.
      Er wollte sich dort schon zum Gehen wenden, als er in einem Blumentopf, der auf dem Fenstersims stand, etwas blinken sah. Sherlock ging zurück und zog ein Medaillon, das an einer silbernen Kette eingefasst war, hervor. Er öffnete das braune Schmuckstück, und in dessen Mitte blickte ihn das lächelnde Gesicht eines Mädchens an, auf dessen Hand eine weiße Maus saß, die kaum erkennbar war.
      „Interessant“, sagte er und hielt das Medaillon hoch.
      „Verstecken Sie immer Ihren Schmuck in Blumentöpfen?“, fragte Sherlock und sah Mrs. Jones dabei an, die abwinkte.
      „Das gehört mir aber nicht.“
      Baskin hastete auf Sherlock zu und riss es ihm aus der Hand. Er war kreidebleich und zitterte.
      „Das…das…“, stotterte er und seine Augen füllten sich mit Tränen.
      „Sie kennen es? Gehört es Ihnen?“
      „Das ist meine Tochter Karen“, brachte Baskin tränenerstickt heraus. „Sie…sie ist tot.“ Seine Stimme brach, während die anderen wie versteinert dastanden.
      Baskins Augen fanden die von Jonesy. „Woher haben Sie das? Woher?“, schrie er ihn unvermittelt an. Bevor Jonesy reagieren konnte, stürzte sich Baskin mit wütendem Gebrüll auf ihn.

      ***
    • Aha, also ein Medaillon von Baskins Tochter, und Angelas, wie ich mal vermute? Damit würde sich mein Verdacht weiter verdichten. *;)*
      Aber gut, immer langsam, ich warte erst mal das nächste Kapitel ab. *tea*

      Ich finde es schon mal bemerkenswert, dass das Medaillon so offensichtlich im Blumentopf lag, und Jonesy das nicht aufgefallen ist? *kratz* Und wenn das Schmuckstück der "Schatz" ist, dann steckt mit Sicherheit noch viel mehr dahinter, als es den Anschein hat. [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_be_147.gif]

      Hach man, du machst es spannend Lucy, wann geht's denn weiter? *umarm*
      *tea*