Supernatural - Plötzlich Ich completed

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    • Supernatural - Plötzlich Ich completed

      Hallöchen zusammen,

      hier eine neue Story von mir. Wie manche von euch wissen, habe ich eine Vorliebe für den Character von Jimmy und wollte ihm schon seit längerer Zeit eine Geschichte widmen. Ich denke, dieser Plot bietet sich an.
      Was mag Jimmy wohl in dieser Zeit von "The Rapture" empfunden haben? Hier kommt meine Interpretation von den Ereignissen dieser Folge. Schreibt mir was ihr denkt und ob ihr mehr davon haben möchtet? Vorläufig lege ich hier mal einen Zwischenstop ein, wobei ein weiteres Kapitel bereits in den Startlöchern steht. ;)


      Titel: Plötzlich Ich
      Autor: Jimmy
      Charaktere: Jimmy
      Genre: Charakterstudie, Missing Scene
      Rating: PG 13
      Staffel: 4. Staffel, Folge 4x20, „The Rapture“
      Inhalt: Jimmys POV zu den Ereignissen dieser Folge
      Warnung: Keine
      Diclaimer:Alle Charaktere und sämtliche Rechte an Supernatural gehören CW und Eric Kripke. Diese Fanfiction wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht, um damit Geld zu verdienen. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt. Alle weiteren Charaktere sind Eigentum des Autors.
      AN: Vielen Dank an AngelA, die mir für die Story ein wirklich sehr, sehr kurzfristiges Beta gemacht hat. *;)* Spitze, meine Kleine. *umarm*

      **********

      Kapitel 1: Die Rückkehr


      „Castiel?...Castiel?... Hey, Castiel ...“

      Eben hatte ich noch das Gefühl gehabt ziellos im Dunkeln vor mich hin zu treiben, und in der nächsten Sekunde registrierte ich die Hand an meiner Schulter, die unsanft probierte mich wachzurütteln. Mit einem Anflug von Panik schlug ich die Augen auf und versuchte, die Hand, die mich festhielt, weg zu drängen.

      „Was?... Was ist denn los?“, antwortete ich automatisch. Die Irritation war aus meiner Stimme herauszuhören, während ich gegen die Hand ankämpfte, die mich berührte. Erst jetzt stellte ich fest, dass der Mann, der mir am nächsten stand, sich in Begleitung eines anderen befand.

      „Ruhig, ganz ruhig“, sagte der Erste, sein Tonfall begütigend. Er schien ehrlich bemüht um mich zu sein. Trotzdem lehnte ich mich gegen ihn auf. Als er mich endlich frei gab, gelang es mir auf die Beine zu kommen.

      „Nein, nein!“, schrie ich entsetzt und betastete seinen Körper, als mir klar wurde, dass irgendetwas nicht stimmte. Nur vage erinnerte ich mich daran, was im letzten Jahr geschehen war. Aber ich wusste noch ganz deutlich, dass ich einem Engel – Castiel - mein Einverständnis gegeben hatte, mich als menschliche Hülle zu benutzen und dass ich – besser, wir - unsägliche Schmerzen gelitten hatten, bevor ich das Bewusstsein verlor.

      Doch nun war der Engel weg und ich sollte nicht hier sein. Nicht alleine! Wo zum Teufel steckte Castiel? Erneut überkam mich eine Welle der Furcht.

      „Castiel, alles okay?“ Der lange Lulatsch musterte mich besorgt. Doch mir ging nur eines durch den Sinn.

      „Castiel?... Ich bin nicht Castiel“, stellte ich ein wenig atemlos fest, da ich immer noch Probleme hatte zu begreifen, was geschehen war. Meine Gegenüber warfen mir ungläubige Blicke zu. Auch sie schienen mit der Situation überfordert.
      „Ich bin es...“, sagte ich daher, als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre und sich damit alles erklären würde. Der Kleinere der beiden Männer wirkte von Minute zu Minute beunruhigter.

      „Wer ist ich?“, brachte der Größere dahingegen hervor und wandelte sich zum Wortführer.

      „Jimmy, … mein Name ist Jimmy“ Meine Vorstellung versetzte die beiden nun vollends in Erstaunen. Wobei sich der Ältere schnell wieder davon erholte und nun beinahe aggressiv hervorbrachte:
      „Wo zum Teufel ist Castiel?“

      Ratlos schüttelte ich den Kopf. „Er ist weg!“

      Nachdem die beiden einen Blick ausgetauscht hatten, wandte sich der Ältere wieder an mich.
      „WEG? Was heißt hier weg?... Wie kann er einfach weg sein?“ Herausfordernd sah er mich an. Seine Stimme hatte sich vor mäßig zurückgehaltener Aufregung beinahe überschlagen.

      „Dean...“, ermahnte ihn der Jüngere und packte ihn sachte am Arm.

      Wortlos starrte mich dieser... Dean an. Sein Blick lastete prüfend auf mir, bis mit einem Mal ein Ruck durch seinen Körper hindurchging, er blinzelte und plötzlich sein Gesicht sich glättete.
      „Okay... entschuldige, das muss auch für dich nicht ganz einfach sein.“ Zaghaft nickte er mir zu. Es war wohl aufbauend gemeint, verfehlte aber seine Wirkung. Gerade wollte ich fragen, wer sie überhaupt waren, als es irgendwo in der Halle ein knackendes Geräusch gab. Sofort schauten die zwei Männer sich unruhig um.

      „Wir sollten zusehen, dass wir von hier verschwinden.“ Ohne auf meine Zustimmung zu warten, schnappte mich Dean am Arm. Ein Stück weit zog er mich mit sich mit, bis er sich sicher war, dass ich ihm von alleine folgen würde, dann schritt er voran. Der Größere folgte uns. Es dauerte einen Moment bis ich erfasste, dass sie mich schützend in ihre Mitte genommen hatten. Ich kapierte nur nicht, wovor sie auf der Hut waren und wo ich hineingeraten war? Momentan waren sie jedoch meine einzige Option mehr zu erfahren und so ging ich mit.

      Erst als wir die alte Werkshalle verlassen hatten und das Auto in Sicht kam, entspannten sich die beiden ein bisschen.

      Dean schien erleichtert, als er die Fahrertür aufschloss. Als er aufsah, blieb sein Blick an mir haften. Mein Gesicht spiegelte wohl meine Verblüffung über den alten Impala wider. Sein Mund verzog sich zu einem leicht spöttischen Grinsen.

      „Keine Angst. Sie ist in Topform und hat mich noch überall hingebracht.“ Liebevoll tätschelte er das Autodach.

      Als wir im Auto saßen, drehte sich der Große zu mir um.

      „Du heißt also Jimmy“, wiederholte er meinen Namen, „und wie weiter?“ Fragend schaute er mich an.

      „Novak! Mein Name ist Novak“, wiederholte ich ruhig meinen Nachnamen. „Verratet ihr mir nun auch, wer ihr seid und was ihr von Castiel wollt?“ Unbewusst setzte ich mich eine Spur aufrechter hin, alleine, um meiner Forderung mehr Nachdruck zu verleihen und starrte ihn demonstrativ an. Ich erwartete Antworten und hoffte gleichzeitig, dass sie in der Lage waren ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Lange genug war ich der Spielball für jemand anderen gewesen. Doch damit sollte nun Schluss sein.

      „Sicher“, bestätigte der Jüngere einlenkend und ein kleines Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Meine Geste hatte wohl eine Erinnerung in ihm ausgelöst.

      „Ich bin Sam Winchester und das ist mein Bruder Dean“, stellte der Lange sich daraufhin vor und deutete dabei zunächst auf sich und dann auf den Mann neben ihm, der den Wagen fuhr.

      „Castiel hatte uns heute Nacht um ein Treffen gebeten. Als wir in der Halle ankamen, war diese verlassen und die Spuren zeugten von einem Kampf...“

      „Ja, und dann haben wir, statt Castiel, dich in den Trümmern gefunden“, führte Dean die Erklärung, mit einem leicht vorwurfsvollen Unterton, fort.

      „Aha“, erwiderte ich ausweichend, um Zeit zu gewinnen, da ich erst einmal die Information mit dem Kampf verdauen musste. Verdauen war das richtige Stichwort, denn eben in diesem Moment meldete sich mein Magen laut und vernehmlich zu Wort. Ein lautes Knurren, Gurgeln und Quietschen war aus meinem Inneren zu hören. Verlegen lief ich rot an. - Soviel zum Thema Nachdruck.

      „Wo fahren wir eigentlich hin?“, bemühte ich mich schnell die Brüder von meinem Problem abzulenken. Neugierde heuchelnd, schaute ich aus dem Fenster. Doch die Gegend war mir völlig unbekannt.

      „Zu unserem Motel. Dort können wir uns in Ruhe unterhalten“, brummelte Dean. Unsere Blicke trafen sich im Rückspiegel. Erneut knurrte mein Magen hörbar. Rasch drückte ich eine Hand auf meinen Bauch. Es war mir peinlich, doch andererseits machte es sich mehr und mehr bemerkbar, dass ich seit einer halben Ewigkeit nichts mehr gegessen hatte. Nach Castiels Auszug, war mein Körper sich schlagartig dieser Tatsache bewusst geworden und verlangte nun vehement nach Nahrung. Mir war schon ganz schlecht und ich vermute, man sah es mir auch an.

      „Ich denke, wir sollten lieber erst an einem Burger vorbeifahren, Dean“, riet Sam seinem Bruder und warf mir einen schwer zu deutenden Blick zu.

      „Mhhh, ich denke, du hast Recht“, stimmte Dean zögernd zu, nachdem er mich abermals über den Rückspiegel betrachtet hatte.

      Dankbar lehnte ich den Kopf zurück und schloss meine Augen. Ich fühlte mich erschlagen, müde und verbraucht. So war es wohl kein Wunder, dass ich kurz darauf eingeschlafen war, bis Dean mich aus dem nicht lange währenden Schlaf riss.

      „Hey, wir sind da. Wach auf!“, hörte ich eine zunächst mir unbekannt erscheinende Stimme, die offensichtlich mich meinte.

      Verwirrt öffnete ich die Augen und blinzelte ein paar Mal, bis ich mich an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatte und etwas von meiner Umgebung erkennen konnte. Es dauerte ein paar Sekunden bis mir wieder einfiel, was geschehen war, wieso ich in diesem Auto hockte und wer der Typ in der Front des Wagens war.

      Als ich aus dem Seitenfenster sah, merkte ich, dass wir auf dem Parkplatz eines Motels angehalten hatten. Die Tür eines Zimmers stand offen und das Licht daraus fiel auf die Straße. Ich vermutete, dass der Raum den Jungs gehörte, da der Riese – Sam, verbesserte ich mich innerlich – verschwunden war. Der andere - Dean - war bei mir geblieben. Merkwürdigerweise empfand ich eine gewisse Erleichterung darüber, mit Dean alleine zu sein. Dieser Sam rief ein Unbehagen in mir hervor, welches ich mir nicht erklären konnte. Seine Anwesenheit verursachte mir eine Gänsehaut. Die unterschiedlichen Wirkungen, die beiden Männer auf mich hatten, irritierte mich.

      Dean hatte sich auf dem Fahrersitz zu mir umgedreht. Aufmerksam ruhte sein Blick auf mir und es war offensichtlich, dass er mich studierte. Er wartete geduldig, bis er sich sicher war, dass ich wach war.
      „Na komm schon. Das Essen wartet“, meinte er dann auffordernd, doch nicht unfreundlich. Die unvermittelte Warmherzigkeit in seiner Stimme ließ mich aufhorchen. Doch bevor ich die Chance erhielt zu antworten, verließ er den Wagen, nur, um gleich darauf die Tür neben mir zu öffnen. Die Geste war eindeutig. Mühsam schälte ich mich aus dem Sitz. Die kalte Nachtluft streifte mein Gesicht, als ich ausstieg und der Wind verfing sich in meinem Mantel, blies ihn zur Seite. Ein Frösteln überzog meine Haut. Schweigend stand Dean neben mir und beobachtete mich. Für einen Moment dachte ich, er wollte etwas sagen, doch dann schüttelte er nur den Kopf, warf die Tür zu und stapfte davon. Unentschlossen blieb ich zurück und starrte ihm nach. Sollte ich wirklich mit Ihnen gehen? Ich kannte die beiden ja gar nicht und hatte keinerlei Vorstellung, in welcher Verbindung sie zu Castiel standen und doch...

      „Willst du da draußen Wurzeln schlagen, oder brauchst du eine Extra-Einladung?“ Abwartend verharrte Dean an der Tür. Seine Mimik zeigte deutlich, wie sehr ihn mein Zögern verunsicherte. Anscheinend war er es von mir – Castiel - nicht gewöhnt, dachte ich kurz und wunderte mich erneut darüber, wie gut die Winchesters Castiel gekannt haben mochten. Unsere Blicke begegneten sich und mit einem kleinen Seufzer folgte ich ihm schließlich. Was hatte ich schon zu verlieren?

      **********


      Mit Heißhunger fiel ich über die mitgebrachten Burger her, kaum dass diese ausgepackt waren. Alleine ihr Geruch war umwerfend und in Windeseile stopfte ich einen nach dem anderen in mich hinein, der Tatsache bewusst, dass ich mehr fraß als aß.

      „Schling nicht so, da kriege ich ja Halsschmerzen“, ermahnte mich Dean tadelnd, wie man ein Kind zurecht wies, wenn es etwas Unvernünftiges machte. Fassungslos schaute er mich an.

      Es war mir egal. Der Typ hatte keine Ahnung davon, wie toll es war, endlich wieder etwas zwischen die Zähne zu bekommen, oder auch nur eine gewöhnliche Cola zu trinken. Nie war mir ein Essen köstlicher erschienen. Schlürfend nippte ich an dem Strohhalm und süffelte geräuschvoll den Becher leer. Genüsslich nahm ich den nächsten Bissen, kaute herzhaft darauf herum, während ich mit vollem Mund die Fragen meiner „Retter“ beantwortete, so gut es eben ging.

      Nein, es war keine Lüge, was ich den Jungs sagte. Ich konnte mich bisher wirklich nur an Fragmente aus meiner Zeit als Castiels Hülle erinnern und ich hoffte beileibe, dass dies so bliebe.

      Die wenigen, vorhandenen Bruchstücke verrieten mir, dass es wahrlich kein Zuckerlecken gewesen war, einem Engel als Hülle zu dienen. Bilder, in denen auf mich geschossen wurde, ich von Kugeln getroffen und von Messern abgestochen wurde, flackerten in meinem Inneren auf. Ich erinnerte mich an Wüstenhitze und an eisige Kälte und an die Schreie, meiner gepeinigten Seele, wenn Castiel – und somit auch mir - irgendetwas Schreckliches widerfahren war.

      Nein, ich hatte keinen Schimmer, warum Cas meinen Körper verlassen hatte. Doch ich war auch nicht gerade böse darum, dass er es getan hatte und eigentlich interessierte es mich auch nicht wirklich, was mit ihm geschehen war. Ich genoss es, wieder ich selbst zu sein.

      Zu gut konnte ich mich daran erinnern, wie es war, ihm willenlos folgen zu müssen. Das Gefühl der Machtlosigkeit. Gefangener im eigenen Körper zu sein, auf Gedeih und Verderb dem ausgeliefert, der die Fäden in der Hand hielt. Doch wie sollte man dies einem Außenstehenden erklären? Wie ich bereits Dean gegenüber geäußert hatte, selbst die Beschreibung: Wie an einen Kometen gefesselt zu sein!, traf es noch nicht einmal annähernd. Richtig würde es nur derjenige verstehen, der es selbst einmal erlebt hatte. Eine Selbsthilfegruppe wäre vielleicht ganz praktisch, überlegte ich sprunghaft. Doch ich bezweifelte, dass es genug von uns gab, die diese Erfahrung überlebt hatten.

      „Tja, das klingt nicht so spaßig“, schnappte ich die Worte des Mannes zu meiner Rechten auf.

      „Untertreibung“, bestätigte ich milde, während ich Dean ansah und die Augen verdrehte. Der Kerl machte sich wirklich keine Vorstellungen. Hartnäckig bohrten die beiden weiter, wollten wissen, was mir noch im Gedächtnis geblieben war. Ich überlegte.

      Im Hintergrund lief leise der Fernseher, weckte eine Erinnerung, die tief in mir verborgen war.
      Ich sitze auf der Couch, ein Körper, der sich vertrauensvoll an mich kuschelt. Mein Arm liegt beschützend um ihre Schulter.

      Claire!

      Ich habe eine Tochter!

      Wie aus dem Nichts gesellt sich eine weitere Person zu uns. Bevor sie eine Schüssel mit Knabbereien auf den Couchtisch stellt, lächelt sie mich an.

      Amelia, flüstert mir mein Verstand ein.

      Wie konnte ich die beiden bis jetzt vergessen?, fragte ich mich selber. Mein Verlangen, sie zu sehen, zu ihnen zurückzukehren, raubte mir fast den Atem. Immer mehr Erinnerungen fanden nun ihren Weg, zurück in mein Gedächtnis. Ein Mittagessen fiel mir ein, bei dem Claire das Tischgebet nicht abwarten konnte, der Abend, an dem ich vor dem Fernseher eingeschlafen war und Castiel zum ersten Mal mit mir Kontakt aufgenommen hatte... Ich musste los. Jetzt sofort!

      „Ich habe eine Familie“, platzte es aus mir heraus. Entgeistert sprang ich von meinem Stuhl auf. Abwechselnd schaute ich von einem Winchester zum anderen, die sich ebenfalls erhoben hatten.

      „Wow, nun mal langsam.“
      Es war Dean der mich am Ärmel festhielt. Als mein Blick auf seine Hand wanderte, ließ er mich unvermittelt los.

      „Du hast was?“, fragte er nach, als ob er sich beim ersten Mal verhört hätte.

      „Ich habe eine Familie“, setzte ich erneut an. „Meine Frau und meine Tochter. Beide leben in Pontiac. Ich muss zurück.“ Abermals lief ich los.

      „Okay, das habe ich verstanden.“ Abwehrend hielt Dean die Hände in die Höhe, indessen er mir den Weg verstellte. „Gib uns einen Moment Zeit darüber zu beratschlagen. In Ordnung? Ich verspreche, dann helfen wir dir?“ Bittend sah er mich an und obwohl ich eigentlich widersprechen wollte, gab ich nach. Mit einem wortlosen Nicken stimmte ich zu.

      „Danke“, raunte er mir zu. „Auf ein Wort...“ Stumm deutete Dean mit dem Kopf zur Tür, dann verließen er mit Sam den Raum. Während die Brüder sich draußen besprachen, zog ich unruhig im Zimmer meine Kreise, viel zu aufgewühlt, um ruhig sitzen bleiben zu können. Es kam mir eine Ewigkeit vor, bis sie zu mir zurückkehrten.

      „Und?“, fragte ich aufgeregt. Mein Blick wanderte von einem zum anderen.

      „Es wird dir nicht gefallen“, fing Dean stockend an und fühlte sich sichtlich unwohl.

      „Du kannst nicht gehen. Zumindest nicht jetzt“, fiel Sam ihm resolut ins Wort, da sein Bruder ihm wohl zu lange brauchte. Vorwurfsvoll schaute Dean ihn über die Schulter hinweg an, doch Sam zuckte nur mit den Achseln.

      „Ihr wollt nicht, dass ich wieder nach Hause fahre? Warum nicht?“ Fassungslos starrte ich sie an. Was sollte das? Sie konnten doch nicht ernsthaft von mir erwarten, dass ich das akzeptieren würde? Die darauffolgende Erklärung mit den Dämonen war lächerlich. Warum sollten die irgendetwas von mir wollen? Ich erinnerte mich doch noch nicht einmal richtig daran, was ich mit Castiel alles erlebt hatte. Wie sollte ich da für irgendjemanden von Interesse sein?

      Ich war Jimmy Novak, aus Pontiac, Illinois, rezitierte ich innerlich meinen Lebenslauf, besessen davon mir selbst zu beweisen, wie Unrecht Dean mit seinen Vermutungen hatte, denn alles andere war inakzeptabel. Dämonen, pfft, dachte ich abwegig, bevor ich es als Unsinn abtat.

      „Ich weiß doch gar nichts!“, rief ich laut und fragte mich, wann diese blöden Typen das endlich begreifen würden?

      Ich war ein völlig normaler Kerl, der eine Familie hatte, nahm ich meinen Gedankengang wieder auf. Amelia, meine Frau und Claire unsere 13 jährige Tochter... Ich war Buchhalter und arbeitete bei Josh's Eisenwarenhandel. Eine Handelswarenkette, bei der es, ungleich des familiär klingenden Firmennamens, doch nur ums Geldverdienen ging, wie heutzutage überall. Für Mister Brickley, meinen Chef, zählten nur Zahlen und Fakten. Der einzelne Mitarbeiter, als Mensch gesehen, war ihm egal. Die Hauptsache war, man kam pünktlich zur Arbeit und machte seinen Job, den Rest interessierte ihn nicht. Doch ich verdiente nicht schlecht dort. Wie gesagt, bis auf die Sache mit dem Engel, war ich ein ganz normaler Kerl.

      Ich weiß, aber...“, antwortete Dean betont, an der Grenze seiner Geduld.

      Er war jedoch nicht der Einzige, dem es reichte. Wenn sie es nicht freundlich kapieren wollten, dann vielleicht auf direkte Weise...

      „Hör zu, ich bin fertig. Okay?“, fiel ich Dean ins Wort. Engel, Dämonen! Ich hatte genug Zeit mit Reden und Warten verbracht. Ich wollte einfach nur nach Hause und das sagte ich ihm auch. Was war daran so schwer zu verstehen? Entschlossen schaute ich ihn an.

      „Das verstehen wir“, versuchte Dean mich zu beruhigen, in einem Tonfall, als ob er auf ein bockiges Kind einreden würde und erreichte genau das Gegenteil damit.

      „Nein. Ich glaube nicht, dass ihr das versteht“, brach es zornig aus mir heraus. Sie wollten wissen, an was ich mich aus meiner Zeit als Castiels Hülle erinnerte? Das konnten sie haben! Bereitwillig gab ich ihnen eine kleine Zusammenfassung dessen, was mit mir in dem letzten Jahr alles geschehen war.
      „Ich hab genug gegeben, okay?“, schloss ich aufgebracht meine Ausführungen und hoffte, dass ich mich nun klar genug ausgedrückt hatte.

      Eine vergebliche Hoffnung, denn schon Sams nächster Satz machte klar, dass sie nicht daran dachten, die Sache einfach fallen zu lassen.

      „Hör zu, was wir sagen wollen, ist, dass du bei uns am Sichersten bist. Bis wir die Sache geklärt haben.“ Um Verständnis bittend, sah er mich an.

      Für einen Augenblick starrte ich ihn wortlos an. Meine Gedanken überschlugen sich, doch schweren Herzens kam ich zu dem Schluss, dass sie vielleicht Recht hatten.

      „Wie lange?“, verlangte ich mit einer Abgeklärtheit zu wissen, die mich selbst überraschte.

      Das kurze Zögern, war für mich Antwort genug. Mit dieser lapidaren Aussage: „ Das sehen wir, wenn es soweit ist“, ließ ich mich jedenfalls nicht abspeisen. Erweckte ich wirklich einen so naiven Eindruck?, fragte ich mich, erbost über die plumpe Lüge. Sie hatten ihre Chance gehabt und sie vertan, beschloss ich. Entschieden ging ich an Dean vorbei und steuerte auf die Tür zu und im gleichen Augenblick änderte sich die Atmosphäre in dem Raum schlagartig.

      „Wo gehst du hin?“ Erklang es schneidend Deans Stimme in meinem Rücken
      „Zu meiner Frau und meiner Tochter“, gab ich mindestens ebenso hitzig zurück und versuchte derweil den Jüngeren zu umgehen.

      Mit erschreckender Leichtigkeit, fing Sam mich ab und demonstrierte mir seine körperliche Überlegenheit. „Das geht nicht! Damit bringst du sie nur in Gefahr!“ Seine Hand auf meiner Brust stoppte mich, während er mit seinem Körper mir den Weg zur Tür abschnitt. Intensiv starrte er mich an. Doch ich war nicht bereit, mich davon unterkriegen zu lassen, egal, wie beeindruckend dieser Riese sonst auch sein mochte.

      „Du meinst, ich bin jetzt ein Gefangener?“, forderte ich ihn kaltschnäuzig heraus, fest davon überzeugt, die Antwort schon zu kennen.

      „Wenn du so willst.“ Die Härte in seiner Stimme ließ keine Zweifel aufkommen. Für einen Moment lang hätte man im Zimmer eine Stecknadel zu Boden fallen hören können, so still war es.

      „Hey, nun mal ganz ruhig, okay?“, kam Dean als Erster zur Besinnung. Behutsam packte er mich am Oberarm und zog mich von Sam fort und zu sich herum.

      Mein Magen verkrampfte sich derweil schmerzhaft. Das Gefühl von Übelkeit, welches mich schon kurz nach meiner gierigen Fressattacke befallen hatte, verstärkte sich. Die Aufregung der letzten Minuten, die aufgestaute Frustration, alles Empfindungen mit denen mein Körper nun erst wieder lernen musste umzugehen. Mein Puls raste und ich konnte das Blut in meinen Ohren rauschen hören, während ich das Gefühl hatte, dass mir das Herz bis zum Halse schlug. Trotzdem, sie hatten kein Recht mich hier gefangen zu halten und ich würde den Teufel tun, mich damit abzufinden.

      Unwillig befreite ich mich aus seinem Griff. Wütend funkelte ich ihn an. „Was?“, schrie ich, da ich keinen Grund hatte einem von beiden zu trauen oder Rücksicht zu nehmen.

      „Hey, wir wollen dir doch nur helfen“, probierte Dean das Gespräch wieder aufzunehmen.

      „Ihr wollt nicht helfen. Ihr hofft, von mir Informationen zu erhalten“, stellte ich klar und reckte mein Kinn, als Ausdruck meines Starrsinns, nach vorne.

      Für einen Moment lang veränderte sich Deans Gesichtsausdruck. Mit einer fragend nach oben gezogenen Augenbraue, schaute er mich ungläubig an, ehe er sich wieder fing. Automatisch begann ich mich zu wundern, was diese kurze Reaktion bewirkt haben könnte. Es dauerte einen Augenblick bis ich begriff, dass er wohl gerade eben erneut Castiel in mir gesehen hatte. Obwohl ich es nicht an mich herankommen lassen wollte, versetzte es mir einen Stich, denn es war Trauer gewesen, die ich in seinen Augen erkannt hatte. Zum ersten Mal fragte ich mich, wie nahe die beiden sich wohl gestanden haben mochten? Konnten ein Mensch und ein Engel Freunde werden? Dean verhielt sich jedenfalls so und ob ich es wollte oder nicht, ich realisierte, dass nicht nur ich es war, der etwas verloren hatte.

      „Also?“, eröffnete ich Dean, wenn auch widerwillig und nur unter dem Eindruck dieser Einsicht, pampig die Gelegenheit sein Anliegen vorzubringen. Da er auf eine bevorstehende verbale Auseinandersetzung mit mir eingestellt war, wurde er von meinem plötzlichen Einlenken ebenso überrumpelt wie sein Bruder. Er benötigte daher einen Moment, um zu verstehen, was ich ihm anbot. Ein angedeutetes Lächeln spiegelte dann jedoch seine Erleichterung wider, während Sam mich weiterhin misstrauisch im Auge behielt. Es war offensichtlich, dass er dem Frieden nicht traute. Dean schien allerdings zuversichtlicher zu sein.

      Schnell tauschten die Brüder sich wortlos miteinander aus. Dean gab Sam durch ein Kopfnicken zu verstehen, das Zimmer zu verlassen. Scheinbar wollte der ältere Winchester mit mir alleine sein. Zu meiner Verwunderung folgte Sam der Aufforderung seines Bruders kommentarlos. Stumm schnappte er sich seine Jacke und machte sich auf den Weg, aber nicht, ohne mir einen letzten grimmigen und gleichzeitig warnenden Blick zuzuwerfen. Ich wartete bis die Tür hinter ihm ins Schloss fiel und atmete durch.

      Der Kerl jagte mir Angst ein. Mehr den je hatte ich das Gefühl, dass irgendetwas nicht mit ihm stimmte. Das sagte mir mein Instinkt. Ich war mir sicher, dass ich die Antwort kannte – besser – dass Castiel sie gekannt hatte. Doch leider blieb mir der Zugang zu ihr – wie zu so vielen anderen Dingen – verwehrt.

      „Wir wollen dir helfen..., Jimmy“, unterbrach Dean meine Überlegungen. Die Pause vor der Nennung meines Namens ein weiteres Indiz dafür, dass er in erster Linie Castiel in mir sah, wenn er mich anschaute. Doch ich musste ihn enttäuschen, hier war nur noch ich - Jimmy - vorhanden. Es war, als ob er sich gewaltsam dazu zwingen musste, sich mit der Tatsache anzufreunden und das rief eine gewisse Verbitterung in mir wach. Es erweckte in mir den Eindruck, mich schuldig fühlen zu müssen, dafür, dass ich nun wieder ich selber war. Als ob ich es gewesen war, der Castiel vertrieben hatte. Das konnte ich mir zwar nicht vorstellen, aber dennoch vermittelte es mir Gewissensbisse. Schon wieder war ich in meinen Gedanken abgetaucht, doch als Dean fortfuhr horchte ich auf.

      „Es ist nur leider kompliziert und ich habe ehrlich gesagt noch keinen Plan, wie, doch wir werden eine Lösung finden. Ich verspreche es!“, versicherte er mir. Sein Gesicht strahlte dabei so viel Entschlossenheit aus, dass ich ihm einfach glauben musste. Besser, ich wollte ihm glauben und dies schien er zu merken. Eindringlich sprach er weiter: „Sam und ich werden einen Weg finden. Aber du musst uns glauben, dass du in Gefahr bist. Wir wollen dich lediglich beschützen...“ Abermals wurde mein Eindruck, dass er mich nicht belog, bestärkt. Seine Sorge um mich war echt und die Situation passte ihm ebenso wenig wie mir. Ich konnte sein Unbehagen beinahe körperlich nachempfinden.

      Es war merkwürdig. In seiner Nähe überkam mich ständig das Gefühl, dass ich mich an irgendetwas Wichtiges erinnern sollte, was mit seiner Person im Zusammenhang stand. Ich spürte eine tiefe Verbindung zwischen uns, die eigentlich in dieser Form nicht vorhanden sein sollte. Immerhin war er ein Fremder für mich. Doch ich vertraute ihm und konnte mir nicht erklären, worauf dieses Empfinden begründet war. Aber es war da. Ebenso sicher, wie das Amen in der Kirche.

      Resignierend nickte ich mit dem Kopf, da ich momentan keine bessere Idee hatte und dieser Sam – wie ein Wachhund - bestimmt nicht allzu weit von uns entfernt war.

      „Also gut. Ich bleibe. Doch ich kann nichts versprechen...“ willigte ich schließlich zum Schein ein, als mich erneut eine Welle der Müdigkeit übermannte und ich des Diskutieren überdrüssig war. Ich merkte, dass es offensichtlich nicht damit getan war, den Kometen hinter sich zu lassen. Im Anschluss fühlte man sich, als ob man von einem Bus überrollte worden wäre. Die ganze aufgestaute Energie, die diese Auseinandersetzung mit sich gebracht hatte, schien auf einmal von mir gewichen und ich sehnte mich nach nichts mehr weiter, als Ruhe.

      „Wenn du mich jetzt entschuldigst, dann haue ich mich für eine Weile aufs Ohr. Ich kann kaum noch die Augen offen halten“, bekannte ich erschöpft und deutete auf eines der beiden Betten. Schlurfend setzte ich mich in Bewegung.

      „Sicher. Bedien dich“, stimmte Dean mir zu. Für einen kurzen Moment kniff er die Augen zusammen, musterte mich angestrengt. Mein Anblick bestätigte aber wohl meine Behauptung und sofort entspannte er sich merklich. „Ist ansonsten alles in Ordnung mit dir?“, fragte er besorgt, und beobachtete mich dabei, wie ich mich voll angezogen hinlegte, die Bettdecke bis an meine Nasenspitze hochzog und mich darin einwickelte. Ich fühlte mich ausgelaugt und übermüdet. Das Frösteln war zurückgekehrt und meine Hände, ebenso wie meine Füße und der Rest meines Körpers waren eiskalt.

      „Es geht mir gut“, murmelte ich verhalten, schloss demonstrativ die Augen und versuchte, das Zittern zu unterdrücken. Zu meiner Erleichterung verstand Dean den Wink mit dem Zaunpfahl und ließ es auf sich beruhen. Sekundenlang blieb er unentschlossen im Zimmer stehen, wobei er mich vermutlich beobachtete, bevor er davon ging, um sich an den Tisch zu setzten. Das gleichmäßige Summen des Belüftungssystems eines Laptops erklang. Kurz darauf stand Dean nochmals auf und löschte das Deckenlicht. Vorsichtig öffnete ich meine Augenlider. Dean saß am Esstisch, das geöffnete Notebook vor sich, in das er völlig vertieft zu sein schien. Das bläuliche Licht illuminierte sein Gesicht und warf seltsame Schatten. Die Szene kam mir merkwürdig vertraut vor, wie ein Déjà-vu. Es hatte etwas unerklärlich Beruhigendes an sich. Unfähig meine Augen weiter offen zu halten, driftete ich ab und schlief im nächsten Moment ein.

      **********


      Die Anzeige des Weckers zeigte 04.34 Uhr, als ich wieder erwachte. Für einen Augenblick lag ich reglos da und wunderte mich, wo ich mich befand, doch dann kam die Erinnerung zurück. Mit angehaltenem Atem lauschte ich in den Raum und stellte bald darauf fest, dass auch Dean sich hingelegt hatte und schlief. Nur dieser Sam war noch wach. Geduldig verhielt ich mich still. Es ging mir deutlich besser, als wenige Stunden zuvor. Ich konnte mein Glück kaum fassen, als Sam tatsächlich kurze Zeit später das Zimmer verließ. Eine solche Gelegenheit würde sich nicht so schnell wieder bieten, dachte ich. Jetzt oder Nie!

      Leise richtete ich mich auf und schlug die Decke zurück. Behutsam stand ich auf. Ein vorsichtiger Blick zu Dean zeigte mir, dass dieser weiterhin tief und fest schlief. Für einen Augenblick überkam mich so etwas wie ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber, doch dann ergriff ich achtsam meinen Trenchcoat und schlich zur Tür. Niemand konnte mich davon abhalten meine Familie zu sehen, auch, wenn die Gründe dafür noch so nobel sein mochten. Langsam und mit Bedacht drehte ich den Türknauf, jedes unnötige Geräusch vermeidend. Ehe ich mich versah, hatte ich es geschafft und befand mich draußen und auf dem Parkplatz. Immer noch war von Sam nichts zu sehen. Jetzt musste ich nur noch herausbekommen, wo ich mich befand und wie ich von hier aus am schnellsten nach Hause kam? Geduckt lief ich an der Hauswand entlang und bog um die nächste Hausecke, bevor ich endgültig in der Dunkelheit verschwand. Meiner Rückkehr zu meiner Familie stand nichts mehr im Wege. Eilig rannte ich los.

      Ende Teil 1 :)
      [IMG:http://abload.de/img/1hobbit3jqjzf.jpg]
      Signatur + Ava by myself


    • Hallo Jimmy, ich bin hingerissen. Mit jedem Wort konnte ich seine Verwirrung und seinen Schmerz spüren, aber auch genauso seinen Entschlossenheit zu seiner Familie zurückzukehren. Ich fand es toll mal es etwas von diesem vernachlässtigen Charakter zu lesen. Schön, das sich jemand seiner so treffend angenommen hat. Ich will mehr! *:D*

      lg myca
    • Ich liebe einfach Geschichten, die den Charakteren nochmal mehr Tiefe verleihen und das schafft deine Story wieder auf fazinierende Weise. ^^ Ich würde ebenfalls sehr gerne lesen wie es weitergeht.

      Man spürt förmlich wie hin und hergerissen Jimmy ist und ich würde gerne den weiteren Verlauf der Folge mit deiner Hilfe mal durch Jimmys Augen erleben. :love:
    • Hallo,
      an alle die darauf gewartet haben, hier kommt nun der zweite Teil. Dieses Mal beschäftige ich mich ein wenig ausführlicher mit Jimmys Erinnerungen und hoffe, ihr erkennt ihn auch darin wieder. ^^
      Nur zur Sicherheit sei erwähnt, dass die Gedanken bezüglich Kirche und Glauben rein fiktiv sind und ausschließlich auf Jimmys Erlebnissen und Erfahrungen beruhen. Sie spiegeln also lediglich wider, wie Jimmy sich momentan fühlen mag und haben nichts mit meiner Einstellung zu Gott und Kirche gemein. Bitte vergesst das nicht beim Lesen. :rolleyes:
      Doch nun, viel Spass... *;)*

      **********

      Kapitel 2: Erinnerungen

      Beloit, Wisconsin

      An der Busstation angekommen, verließ ich, mit dem erst besten Bus der abfuhr, die Stadt. Das Ziel war unwichtig, denn ich wollte nur so schnell wie möglich weg von hier. Dennoch hielt ich es für einen Wink des Schicksals, dass der Bus ausgerechnet nach Chicago fuhr. Von dort aus war Pontiac quasi nur noch einen Katzensprung entfernt. Ein weiterer purer Zufall war außerdem, dass sich meine Geldbörse immer noch in meiner Anzugtasche befunden hatte. - Castiel sei dank!- Sogar die Kreditkarte hatte ihre Gültigkeit noch nicht verloren. Zwei Monate später und ich hätte nach Hause trampen können, dachte ich, befreit bei dem Gedanken, meinen beiden Aufpassern zumindest für den Moment entkommen zu sein.

      Doch mir war klar, dass die Winchesters mein Verschwinden schon bald bemerken und die Suche nach mir aufnehmen würden. Ich machte mir nichts vor, denn meine oberste Priorität war kein Geheimnis für sie. Immerhin war ich sogar dumm genug gewesen, ihnen zu erzählen, dass ich aus Pontiac, Illinios, stammte. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sie bei mir aufkreuzen würden. Doch bis dahin war ich längst daheim und konnte ihnen beweisen, dass sie mit ihrer Vermutung unrecht hatten und meine Familie bei mir in Sicherheit war.

      **********


      Meile um Meile zog die Landschaft an mir vorbei. Die Dämmerung brach an und ich erlebte den ersten Sonnenaufgang seit fast einem Jahr. Er war atemberaubend schön. Die Welt erwachte aus ihrem friedlichen Schlummer. Aber der Schein war trügerisch und keiner wusste dies besser als ich.

      Müde lehnte ich den Kopf an die Fensterscheibe, während mein Blick an dem Szenario hing, welches vor meinen Augen stattfand. Der Wechsel der Himmelsfärbung hatte etwas Faszinierendes und Einlullendes. Meine Gedanken schweiften ab, verloren sich in der Vergangenheit. Blicklos schaute ich in die Ferne und allmählich begann ich mich zu fragen, wie mein Leben dermaßen aus dem Ruder laufen konnte.

      War ich nicht immer glücklich mit Amelia und Claire gewesen? Was hatte mich also dazu bewogen, alles aufzugeben und meine Familie einfach mir-nichts-dir-nichts hinter mir zu lassen?

      Hochmut!, rief ich mir innerlich die Antwort zu, die ich bisher tunlichst vermieden hatte, mir selbst zu geben. Klang sie doch erschreckend banal, für all das Elend, welches sie mit sich gebracht hatte. Außerdem zeigte sie mir, wie weit weg ich doch von dem edlen Menschen war, für den ich mich damals, im Zuge meiner Eitelkeit, gehalten hatte.

      Castiels Erscheinen und sein Ansinnen hatte in mir den Wunsch gestärkt, zu etwas Höherem geboren zu sein, ein Auserwählter Gottes zu sein. Ich hatte mich geschmeichelt gefühlt. Berufen! Und dabei ganz die wichtigen Dinge im Leben vergessen - die, welche wirklich zählten. Wie hatte ich mich nur so blenden lassen können?, fragte ich mich zweifelnd. Es war ein Fehler gewesen, den ich zutiefst bereute.

      Ja, ein Fehler! Denn als nichts Anderes betrachtete ich es heute.

      Wie naiv war ich damals in meinem Glauben gewesen? Völlig Überzeugt von den hehren Absichten der Engel. Nichtsahnend, von den Schlachten die zwischen Engeln und Dämonen tobten, von dem endlosen Kampf zwischen Gut und Böse, den Intrigen, dem Gemetzel und der Gewalt die den Alltag eines Engels beherrschten. Die Ungerechtig- und die Unmenschlichkeit die oftmals damit einhergingen. Als ich mich und meinen Körper Castiel anvertraute, hatte ich in der Gewissheit gehandelt, damit das Richtige zu tun, einer guten Sache zu dienen, so wie meine Religion es mich über Jahre hinweg gelehrt hatte.

      Meine Religion!, dachte ich verbittert und fühlte mich dabei leer und ernüchtert.
      Keine Kirche der Welt konnte einen auf die Wahrheit, die hinter all den Geschichten im Verborgenen lag, vorbereiten. Der Himmel bedeutete nicht Erlösung! Zumindest nicht für die, die ihm dienten!, gestand ich mir reumütig ein, während meine Gedanken zu dem zurück schweiften, was ich aufgegeben hatte:

      Amelia und ich kannten uns seit der Highschool. Wir waren miteinander erwachsen geworden, gemeinsam aufs College gegangen, hatten unsere Abschlüsse und Ausbildungen gemacht und im Anschluss daran geheiratet. Wir waren beide Mitglieder in der Vereinigten methodistischen Kirchengemeinde in Pontiac. Tief verwurzelt in unserem Glauben, lebten wir unserer Kirchendoktrin entsprechend und engagierten uns daher in der sozialen Gemeindearbeit. Wir besuchten regelmäßig mit unserer Tochter den Gottesdienst, wie so viele andere typische Kleinstadtfamilien eben auch. Es ging uns gut. Es mangelte uns an nichts und wir waren stets bemüht, Nächstenliebe beispielhaft unserer Tochter gegenüber nicht nur zu predigen, sondern sie auch zu praktizieren. Vielleicht war es mir deshalb so leicht gefallen, Castiels Frage als eine Art Bestätigung für mein bis dorthin geführtes Leben zu sehen?

      Aber eigentlich war das „Warum“ nicht mehr wichtig. Mein ganzes Augenmerk richtete sich nun auf die Frage, wie ich das wieder gut machen konnte und ob Amelia bereit sein würde, mich wieder zurück zu nehmen?

      **********


      Den kurzen Aufenthalt, an der Busstation in Chicago, nutzte ich dazu, mir einen Hotdog zu leisten. Der Geruch war unwiderstehlich gewesen und obwohl mein Hunger längst nicht mehr so groß war, wie des Nachts zuvor, knurrte mein Magen vernehmlich, als ich an dem Stand vorbeikam. Es bereitete mir ein wenig ein schlechtes Gewissen, dass ich trotz meiner Sorgen Appetit hatte, doch ich konnte nicht dagegen an. Herzhaft biss ich hinein. Vielleicht entschlüpfte mir sogar unbewusst der ein oder andere genüsslichen Ton? Ich wusste es nicht. Aber ein paar der vorübergehenden Passanten, bedachten mich mit durchaus seltsamen Blicken. Es störte mich jedoch nicht weiter und rasch ging ich zu der Abfahrtsstelle, an der mein Bus nach Pontiac, bereitstand.

      Noch knapp 100 Meilen und ich würde wieder zu Hause sein. Zurück bei Amelia und Claire. Meine Vorfreude und meine Nervosität steigerten sich in gleichem Maße. Langsam musste ich mir darüber Gedanken machen, was ich Amelia sagen wollte? Welche Erklärung ich ihr für mein Verschwinden geben wollte? Es musste plausibel klingen, denn ansonsten würde sie mich erst gar nicht anhören. Was ich sogar verstehen würde, konnte ich doch nur erahnen, wie sehr mein Weggang sie verletzt haben musste. Wie viele Sorgen hatte sie sich wohl um mich gemacht? Alleine der Gedanke daran, was ich ihr und unserer Tochter angetan hatte, war schrecklich und gab mir einen furchtbaren Stich ins Herz.

      Wir alle hatten für meinen Fehler teuer bezahlt. Jeder auf seine Art!, überlegte ich, als mehr und mehr Erinnerungen aus dem letzten Jahr mein Gedächtnis fluteten. Immer noch waren es bruchstückhafte Fetzen, Bilder, Empfindungen, die zurück kamen. Nichts, mit dem irgendjemand etwas Konkretes anfangen konnte und doch wunderte ich mich darüber, was Castiel in mir gesehen hatte, als er mich um meine Einwilligung gebeten hatte? Warum war seine Wahl auf mich gefallen?, fragte ich mich. Wahrscheinlich würde Castiel mir die Antwort auf diese Frage für immer schuldig bleiben, grübelte ich weiter und schaute erneut aus dem Fenster. Allmählich erkannte ich die Gegend wieder. Wir näherten uns Pontiac und weiterhin hatte ich nur eine ungefähre Vorstellung davon, was ich Amelia sagen wollte, wenn ich sie wiedersah.

      Ein weiteres Problem auf meiner Checkliste war die Sache mit meinem Job. Mr. Brickley würde mich bestimmt nicht wieder zurücknehmen. Ich meine, ohne ein Wort der Entschuldigung, einfach ein Jahr lang nicht mehr zur Arbeit zu erscheinen, dürfte wohl für jeden Arbeitgeber ein Anlass zur Kündigung sein. Es würde mir auch schwerfallen mein Fortbleiben plausibel darzulegen, überlegte ich weiter. Das hieß, ich war darauf angewiesen, einen neuen Job zu finden. Aber wenn ich erst einmal wieder mit Amelia und Claire vereint wäre, dachte ich, dann würden wir auch dafür eine Lösung finden. Vielleicht sollten wir sogar von hier weg ziehen? Woanders hingehen und noch mal komplett neu anfangen?, kam mir der Gedanke, den ich jedoch sogleich wieder verwarf. Zunächst blieb abzuwarten, ob meine Familie mich nach allem überhaupt noch um sich haben wollte. Leise seufzte ich auf. Kopfschmerzen begannen sich zu formen.

      Der Bus passierte gerade das Ortsschild von Pontiac und kam an den ersten Häusern meiner Heimatstadt vorbei. Nicht mehr lange und er würde in die West Washington Street einfahren und dann war ich am Ziel.
      Ein flattriges Gefühl machte sich in meinem Magen breit, als ich aufstand, den Halteknopf drückte und mich dem Ausstieg näherte.

      Es war früher Nachmittag. Die Bahnhofsuhr zeigte 13.47 Uhr, als ich den Bus verließ. Sorgsam sog ich die Luft ein und schaute mich um. Nichts hatte sich in meiner Abwesenheit verändert. Der Platz vor dem Bahnhof sah immer noch gleich aus. In meinem Rücken schlossen sich die Türen des Busses. Als er davon rollte, spürte ich den unerklärlichen Hauch eines Bedauerns, denn mit ihm ging auch meine Sicherheit.

      Für einen Moment blieb ich stehen, ließ die Unwirklichkeit, die meine Rückkehr nach Pontiac mit sich brachte, auf mich einwirken, ehe ich loslief. Es lag noch ein weiter Weg vor mir. Meine innere Anspannung wuchs, mit jedem Schritt den ich machte.
      Vorfreude, Hoffnung, Angst alles verdichtete sich zu einem einzigen Chaos der Gefühle. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals, doch meine Beine fanden ihren Weg zum Glück wie von alleine. Knapp zwanzig Minuten später kam mein Haus in Sicht. Zügig überwand ich die letzten Meter und dann war es soweit.

      Ich war da.

      Vor meinem Haus.

      Am Ziel.

      Und plötzlich fehlte mir der Mut, die Schwelle meines Gartentores zu überschreiten...

      Ende Teil 2
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      Signatur + Ava by myself


    • Beim ersten Kapitel hast du ja mehr oder weniger die Szenen aus der Serie beschrieben - tat mir gut, denn ich war mir nicht mehr so über den genauen Ablauf sicher.
      Somit ist meine Erinnerung aufgefrischt und weiter gehts...
      Dieser Jimmy ist ja ne vielschichtige Persönlichkeit - interessant, wie du die vielen Aspekte darstellst. Er kam mir in der Serie immer etwas blass vor - wichtiger war ja immer Cas und nicht Jimmy. Jimmy war eigentlich nur einer Nebenfigur....Schön zu sehen, dass hier jemand auch dieser Figur einen Platz einräumt.
      Ich freu mich auch schon auf die nächsten Kapitel , kann aber nicht versprechen immer aktuell dabei zu sein.
      lg pearlie

      It takes forever to find yourself
      But it only takes one second
      to forget who you are.
    • Liebe Jimmy, wo fange ich an? Vielleicht damit: Mit deiner Geschichte bereitest du mir eine persönliche Freude. Für dich ist es ja kein Geheimnis, das ich die Figur des Jimmys sehr mag. Es ist ja nicht nur das du dich der Figur angenommen hast, sondern das du ihren Charakter und ihre Gedanken (in meinen Augen) genau zeichnest. 4.20 Die Wiederkunft (The Rapture) ist eine meiner Lieblingsfolgen und ich genieße es, wie du mit deiner Geschichte mich diese Folge noch einmal erleben und neu entdecken lässt.

      Ich freue mich auf mehr!

      lg myca
    • Ich kann mich da pearlie nur anschließen. Für mich immer wieder fazinierend, was du aus dieser doch etwas vernachlässigten Figur immer herausholst und mich zum nachdenken anregst.

      Ich "sehe" Jimmy bzw. Castiel immer unheimlich gerne durch deine Augen, weil sich neue Seiten zeigen, die allerdings absolut stimmig mit der Serie sind. ^^

      Freue mich schon jetzt auf Teil 3. *arbeit*
    • Hallo ihr Lieben,

      leider muss ich euch auf das nächste Kapitel noch ein wenig warten lassen. *:|* [IMG:wcf/images/smilies/give_rose.gif] Mein Compi hat letztes WE den Geist aufgegeben und darauf waren auch meine Story-Entwürfe und der Anfang des dritten Kapitels. Zur Zeit kann ich nur behelfsmäßig mit meinem Laptop oder über den Rechner meiner Eltern ins Netz. Stelle mal schnell ein paar *cookies* in den Thread und ein paar Kannen *coffee* dazu, um euch die Zeit ein wenig zu verkürzen. Ich kann euch aber beruhigen, ich arbeite bereits an einer Lösung und hoffe, dass es bald weiter geht. *;)*
      Alles Liebe,
      Jimmy
      [IMG:http://abload.de/img/1hobbit3jqjzf.jpg]
      Signatur + Ava by myself


    • Machts nichts Jimmy, ich kann warten und werd mit AngelA hier die Zeit vertreiben *zerr* und die Anja nehm ich auch gleich mit...
      *Tee und Obst nehm* Wo ist denn der Obstteller hin?

      It takes forever to find yourself
      But it only takes one second
      to forget who you are.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von black pearl ()

    • Ups, fühle mich gerade an der Hand genommen. *lach1* Zu Halloween sollten wir aber statt Wassermelonen Kürbisse nehmen. *:D*

      Und macht nichts Jimmy, solange hier Zwangspause herrscht, mischen wir den Thread auch ohne Kapitel auf.

      PEARLIE!! Wo hast du die Hängematten versteckt. In deinem Gartenschuppen sind nur ....öhm das sag ich jetzt mal nicht. [IMG:http://smiles.kolobok.us/artists/just_cuz/JC_run.gif]
    • Ihr seid echt spitze, Leute. Vielen Dank für die gute Stimmung die hier herrscht. *:D* *lieb*

      Habe eben noch ein bisschen Popcorn gemacht, falls jemand möchte... [IMG:http://smiles.kolobok.us/artists/mother_goose/MG_272.gif]

      @Anja
      Ja denke schon, dass er sich wieder herrichten lässt. Momentan erkennt er nur leider mein Betriebssystem nicht mehr. Bringt ständig die gleiche Fehlermeldung und lässt sich nicht überzeugen darauf zuzugreifen. *frust*
      [IMG:http://abload.de/img/1hobbit3jqjzf.jpg]
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