Supernatural - Amor lässt grüßen completed

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    • Supernatural - Amor lässt grüßen completed

      Titel: Amor lässt grüßen
      Autor: Jimmy
      Charaktere: Castiel, Dean, Sam, u.a.
      Genre: Charakterstudie, Humor, Missing Scene
      Rating: PG 13
      Staffel: 5. Staffel
      Warnungen: Keine
      Diclaimer:Alle Charaktere und sämtliche Rechte an Supernatural gehören CW und Eric Kripke. Diese Fanfic wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht, um damit Geld zu verdienen. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt. Alle weiteren Charaktere sind Eigentum des Autors.

      Inhalt: Ältere Brüder sind nicht immer ein Segen. Das muss - zu seinem Leidwesen - auch Castiel erfahren, als ihm Gabriel einen Amor auf den Hals hetzt und er dadurch von ganz neuen Empfindungen gegenüber Dean geplagt wird. Nun muss der Engel einerseits lernen damit umzugehen und gleichzeitig versuchen, diese wieder loszuwerden. Kein leichtes Unterfangen, vor allem, wenn man dabei vermeiden möchte, dass ein bestimmter Jäger herausfindet, was geschehen ist. :)

      A/N: Die Story ist entstanden als mein Beitrag zum ersten deutschen Big Bang, der in 2012 auf LJ stattgefunden hat. Ich habe durch ihre Fertigstellung mein ganz persönliches Ziel erreicht eine Story dieses Ausmasses zu schreiben. Ganz herzlich bedanke ich mich bei 3angel für ihre tolle Arbeit als mein Beta. ^^ Es war unglaublich, wie schnell sie ihren Job verrichtet hat. Mein ganz besonderer Dank gilt jedoch angel, die mit ihren wunderschönen Arts die Story für mich zu etwas ganz Besonderem macht. Vielen Dank, meine Liebe, du bist einfach spitze! *umarm* *rose*
      Tja, und nun kann ich euch nur noch viel Spass wünschen und hoffen, dass euch die Story gefällt. *;)*

      **********


      Kapitel 1

      Castiel stand in der alten Industriehalle und starrte auf den Erzengel, gefangen in einem Ring aus heiligem Feuer.

      Gabriel. Sein Bruder!

      Er konnte nicht glauben, dass Gabriel am Leben war. Jahrhunderte lang war er der Überzeugung gewesen, dass sein Bruder tot war und nun befand er sich genau vor ihm. Quicklebendig und ebenso überheblich, wie Castiel ihn in Erinnerung hatte. Unverwandt starrte Castiel den Erzengel an.

      Seine Gedanken drehten sich und unzählige Fragen brannten ihm auf der Seele. Es dürstete ihn nach Antworten, doch gleichzeitig vermochte er keinen Ton herauszubringen, überwältigt von den verwirrenden Empfindungen die auf ihn niederstürzten. In seinem Inneren tobte ein Sturm an Gefühlen, die er nicht einzuordnen verstand.

      Warum hatte sein Bruder ihn nicht getötet, als er die Gelegenheit dazu gehabt hatte? Ein Fingerschnip hätte ausgereicht, um Castiels Leben ein für alle Mal zu beenden und dennoch hatte Gabriel darauf verzichtet. Stattdessen hatte er entschieden, Castiel eine Lehre zu erteilen.

      Der Engel war sich sicher, dass sein Bruder ihn nicht hatte töten wollen, als er ihn zu der Chimaira teleportiert hatte. Gabriel musste sich darüber im Klaren gewesen sein , dass Castiel es gelingen würde, sich gegen das feuerspeiende Ungeheuer der Unterwelt zur Wehr zu setzen. Das Mischwesen würde ihn lediglich ein wenig Zeit und ein klein wenig seines Engel-Mojos kosten, wie Dean zu sagen pflegte. Doch konnte die Chimaira ihm mit ihren drei Köpfen nicht wirklich etwas anhaben. Sie konnte ihn beschäftigen, ihn in Atem halten, sogar verletzen, doch letztendlich wäre er ihr auch ohne Gabriels zutun entkommen. Das brachte Cas zu der Frage, warum es den Erzengel überhaupt kümmern sollte, welches Schicksal ihn ereilte? Für Gabriel konnte es nur von Vorteil sein, wenn er sein Leben verlieren würde, grübelte Cas weiter. Dadurch bliebe das Geheimnis seiner Existenz ungelüftet und er müsste nicht befürchten, von Castiel an die Mächte des Himmels verraten zu werden.

      Genervt atmete Cas durch. Das Alles ergab für ihn keinen Sinn, denn es war nicht logisch. Frustration machte sich in ihm breit. Geistesabwesend verfolgte er das Gespräch zwischen Dean und seinem Bruder. Als Dean sich umdrehte, um das Gebäude zu verlassen, blieb Cas wie angewurzelt stehen. Er war noch nicht fertig hier. Er brauchte Antworten. Auch wenn er seine Gefühle nicht genau einordnen konnte, wollte er sich die Chance nicht entgehen lassen, seinen Bruder eingehender zu befragen. Vielleicht wusste der Erzengel doch mehr, als er bisher zugegeben hatte. Gleichzeitig war Cas jedoch irritiert und verunsichert durch Gabriels ungewöhnliches Verhalten und er mochte die Art und Weise nicht, wie sich dies auf ihn auswirkte und welche Empfindungen es ihn ihm auslöste.

      Versunken in seiner eigenen Gedankenwelt verharrte Castiel störrisch an seinem Platz, als Dean an ihm vorüber ging. Jeder Muskel in seinem Körper war angespannt, sein Blick dabei starr auf Gabriel gerichtet. Mehr unterbewusst registrierte er die leichte Berührung, als Dean ihn behutsam bei der Hand nahm und ihn mit einer sanften Bewegung mit sich zog. Für einen kurzen Augenblick versteifte er sich. Intuitiv wollte er sich wehren. Doch als ihm klar wurde, dass es Dean war, beendete er seinen Widerstand. Der Körperkontakt brachte ihn in die Gegenwart zurück und für einen Moment erlaubte Castiel sich den Luxus, die simple Geste, die als Ausdruck ihrer Freundschaft stand, zu genießen. Dies war der Grund, warum er sich für Dean entschieden hatte.
      Der Jäger spielte keine Spielchen. Auf ihn war Verlass und seine bedingungslose Loyalität gab Castiel die Sicherheit, die er brauchte. Er hatte seinen Platz gefunden.
      Während er Gabriel mit einem letzten, kühlen Blick über die Schulter bedachte, folgte er nun bereitwillig dem älteren Winchester in Richtung des Hallentors, auch, als dieser sich von ihm löste.

      **********


      Einige Zeit später stand Castiel vor dem Badezimmerspiegel, in dem Motel, in dem die Winchester Brüder abgestiegen waren und fixierte sein Gesicht. Aus dem angrenzenden Schlafzimmer drangen leise die gedämpften Geräusche des Fernsehers zu ihm herüber. Da Sam seinen eigenes Zimmer bezogen hatte, musste Dean ihn wohl angestellt haben, vermutete der Engel.

      Er wusste, dass der Jäger unter dem Zerwürfnis mit seinem Bruder litt und es daher mochte, wenn der Apparat im Hintergrund lief. Es lenkte ihn von seiner Einsamkeit und von Sams Abwesenheit ab. Denn obwohl der ältere Winchester nach Zachariahs Lektion eingesehen hatten, dass sie getrennt voneinander ein zu leichtes Ziel für ihre Gegner darstellten, bedeutete das nicht, dass sich Deans grundlegende Meinung zu Sams Verhalten geändert hatte. Die Kluft zwischen ihnen war unvermindert spürbar und so hielten sie es beide für besser, zumindest im Motel und in ihrer Freizeit, getrennte Wege zu gehen.

      Schwer atmete Castiel aus, während er sich bemühte, vorerst ihre jeweiligen Probleme mit ihren Geschwistern beiseite zu schieben und sich dem zu widmen, was Vorrang hatte.

      Ein erneuter Blick in den Spiegel zeigte ihm, dass die Wunde auf seinem Nasenrücken mittlerweile aufgehört hatte zu bluten. Sie war jedoch noch nicht verheilt. Die Haut um sein linkes Auge herum spannte und zeigte die ersten Anzeichen einer beginnenden blau-lila Verfärbung. Vorsichtig tastete Castiel das umliegende Gewebe ab. Seine Augen waren seltsam gerötet und verblüfft nahm er zur Kenntnis, dass er erschöpft aussah. Außerdem befand sich immer noch Blut an seinem Trenchcoat.

      All dies beunruhigte ihn bis zu einem gewissen Grad. Eigentlich hätten die Spuren des Kampfes längst verschwunden sein müssen und dennoch waren sie weiter vorhanden. Genügend Zeit war seit dem Ereignis verstrichen.

      Castiel seufzte. Irgendetwas ging mit ihm vor, doch konnte er es nicht einordnen. Selbst als die Tür sich öffnete und Dean eintrat, dachte er noch darüber nach.

      „Hey, was machst du?“ Neugierig, aber auch mit einer nicht übersehbaren Besorgnis, trat Dean an Castiel heran. „Ist alles in Ordnung?“

      „Sicher“, antwortete Cas kurz angebunden, aber mit einem zaghaften Lächeln. „Es geht mir gut.“

      Die typische Dean Antwort war ihm automatisch und ohne darüber nachzudenken über die Lippen gekommen. Der Blick des Jägers intensivierte sich. Misstrauisch kniff er die Augen zusammen, während er Cas Erscheinungsbild unverhohlen im Spiegel musterte.

      „Sicher“, wiederholte Dean skeptisch und mit einem Anflug von Missmut, als er die Begutachtung schließlich beendete. „Du solltest dich trotzdem für ein paar Stunden aufs Ohr hauen, bevor du dich wieder auf die Socken machst.“ Mit dem Daumen deutete Dean auf das zweite Bett, welches sich in seinem Rücken befand, während er Cas weiterhin keinen Moment lang aus den Augen verlor.

      Castiel war lange genug in der Gesellschaft von Menschen gewesen, um die Terminologie dieses Vorschlages zu verstehen. Jedoch regte ihn das gewiss nur freundlich gemeinte Angebot auf unerklärliche Weise auf. Er fühlte sich in die Ecke gedrängt. Entrüstet und vielleicht eine Spur heftiger, als unbedingt notwendig, wies er Dean ab.
      „Ein Engel des Herrn benötigt keinen Schlaf!“ Energisch reckte Castiel sein Kinn nach oben, während er herausfordernd Deans anhaltendem Blick standhielt.

      Tief atmete Dean durch. Zu Castiels Gunsten war er gewillt dem Engel zu zubilligen, dass er sich nicht bewusst war, welch trotzigen Eindruck er gerade erweckte. Trotzdem kostete es den Jäger Mühe ruhig zu bleiben und sein Temperament in Schach zu halten. Dank jahrelanger Praxis gelang es ihm jedoch. Begütigend, aber auch mit gewohnter Hartnäckigkeit, probierte er es erneut: „Ich weiß und ich habe ja auch nicht gesagt, dass du schlafen musst“, wiegelte er vorsichtig ab und kam sich wieder in die Zeit zurückversetzt vor, als er es mit seinem jüngeren Bruder zu tun gehabt hatte. Wie viele solcher Zu-Bett-geh-Diskussionen mochte er wohl schon geführt haben?, fragte sich Dean im Stillen, ehe er abermals ansetzte.

      „Ich möchte lediglich, dass du dich für ein paar Stunden hinlegst und deinem Körper die Möglichkeit gibst, sich zu erholen. Bevor du noch umfällst und Sam und ich nicht da sind, um deinen kleinen, gefiederten Arsch auf irgend ein Bett zu zerren – ich meine, nur für den Fall, dass deine Batterien den Geist aufgeben sollten“, stichelte Dean provokant und mit einer - aus Cas Sicht – völlig unangebrachten Belustigung.

      Aufgebracht funkelte Cas ihn an. Er mochte es nicht sonderlich, wenn ihm seine Unpässlichkeit vor Augen führt wurden und schon gar nicht von Dean. „Zu deiner Information, Dean, mein Hintern ist nicht gefiedert und meine 'Batterien' bieten keinerlei Anlass zur Besorgnis. Sam und du brauchen sich keine Gedanken um mich zu machen, gab er schneidend zurück. „Ich werde...“
      Gefiederter Hintern!, dachte Castiel im Inneren empört. Manchmal wünschte er sich wirklich Dean würde ihm ein klein wenig mehr Respekt erweisen. Doch Cas wusste nur zu gut, dass es nur zwei Menschen in Deans Leben gab, denen er bereit war Respekt zu zollen und Cas war weder Deans Vater, noch war er Bobby Singer.

      „Wow.“ Besänftigend und offensichtlich überrascht von seiner heftigen Reaktion, legte Dean ihm eine Hand auf die Schulter. „Jetzt komm wieder runter, Mann. Alles was ich sagen wollte war, dass ich kein Problem damit hätte, wenn du noch für ein paar Stunden hier bleiben würdest und ehrlich, du siehst aus, als ob du es vertragen könntest. Also gib dir einen Ruck und komm ins Bett.“ Autsch!- Unglückliche Formulierung!, erkannte Dean erschrocken. Seinen Fauxpas ignorierend, bemühte er sich, schnell fortzufahren. „Wenn nicht, dann mach wenigstens im Badezimmer das Licht aus, bevor du verschwindest, in Ordnung?“ Schweigend blickten sie einander an, bis Castiel schließlich stumm seine Zustimmung signalisierte. Mit einem zufriedenen Nicken kehrte Dean ihm den Rücken zu. Er hatte es plötzlich sehr eilig das Bad zu verlassen.

      Unentschlossen rang Castiel noch für einen Augenblick mit sich, bevor er Dean folgte. Resignierend gestand er sich ein, dass Dean wahrscheinlich im Bezug auf seinen ausgelaugten Zustand Recht hatte. Auch er hatte die Anzeichen ja zuvor im Spiegel wahrgenommen.

      Als Castiel das Zimmer betrat, hatte der Jäger das Licht im Raum bereits gelöscht und sich zu Bett gelegt. Leise passierte Cas dieses, ehe er sich voll angezogen das andere nieder setzte. Nach einem abermaligen Zögern ließ er sich zurück sinken und legte sich schließlich auf die Decke. Sein Kopf berührte das Kissen und es fühlte sich ungewohnt gut an. Noch einmal korrigierte er seine Position, drehte sich auf die Seite, suchte eine bequeme Stellung und blickte für einen Moment auf den Rücken seines Freundes, bevor er letztlich die Augen schloss und dem Bedürfnis seines Körpers nach Ruhe nachgab.

      „Gute Nacht“, tönte es plötzlich leise aus der Dunkelheit zu ihm herüber.

      „Gute Nacht, Dean“, murmelte Cas ebenso verhalten zurück und ahmte dabei Deans Tonfall perfekt nach, ehe ihn endgültig der Schlaf übermannte.

      **********


      Gabriel stand in der verlassenen Werkshalle und stierte auf die Tür, durch die die Winchesters und sein Bruder verschwunden waren. Die Sprenkleranlage hatte das Feuer um ihn herum zum Erlöschen gebracht und abermals hatte der Winchester Junge es geschafft, ihn zu überraschen.

      Langsam setzte Gabriel sich in Bewegung. Das Wasser der Löschanlage rieselte auf ihn herab und nach ein paar Metern schnipste er ungeduldig mit den Fingern. So konnte er nicht nachdenken. Schlagartig hörte der künstliche Regen auf und Gabriels Kleidung war auf wundersame Weise getrocknet.

      Das war schon besser.

      Viel besser!

      Achtlos verließ Gabriel die Halle und folgte dem ausgefahrenen Weg, der ihn von dem Ort, den er als seine Bühne ausgewählt hatte, wegführte.

      Der Tag hatte einige unerfreuliche und nicht vorhersehbare Wendungen für ihn bereitgehalten. Angefangen mit der Tatsache, dass seine Tarnung aufgeflogen war, dass ein Engel von seiner Existenz wusste, hatte er es nicht über sich gebracht eben diesen Bruder zu töten, bis hin zu dem unerquicklichen Moment, als dieser Cretin es gewagt hatte ihn einen Feigling zu nennen, der sich nicht seiner Familie stellen wollte. Wie konnte dieser verdammte Grünschnabel es wagen?
      Wie konnte er sich erdreisten, ihm – einem Erzengel – zu drohen, nur, um Castiels Rückkehr zu erzwingen? Wieso lag diesem Menschen überhaupt soviel an Gabriels kleinem Bruder? Seit wann scherte sich ein Mensch darum, was mit einem Engel geschah? Wann hatte sich die Menschheit – dieser Mensch - zum Beschützer der Engel, besser, eines bestimmten Engels, aufgeschwungen? Sollte dies nicht eigentlich umgekehrt der Fall sein und was war nur mit seinem Bruder los? Ärgerlich kickte Gabriel einen Stein, der vor ihm auf dem Pfad lag, beiseite.

      Er war nicht wirklich wütend auf Castiel. Viel mehr ärgerte es ihn, dass dieser arrogante Winchester Junge Recht hatte. Anstatt Stellung zu beziehen, hatte Gabriel es vorgezogen, jahrhundertelang einer direkten Konfrontation mit seinen Geschwistern auszuweichen. Er war geflohen und hatte ihnen das Feld überlassen. Vielleicht war es an der Zeit seine Position zu überdenken, so wie Castiel es getan hatte?

      Castiel.

      Sein kleiner Bruder war wahrlich eine Nummer für sich, dachte Gabriel und ein stolzes Schmunzeln huschte über sein Gesicht. Egal, was man von ihm halten mochte, Castiel hatte sich für eine Seite entschieden und ließ keinen Zweifel daran aufkommen, wem seine Loyalität nun galt.

      Wenn die Gerüchte stimmten, dann hatte Castiel dem Himmel in den vergangen Monaten kräftig eingeheizt und denen dort oben ganz anständig in die Suppe gespuckt. Der Gedanke gefiel Gabriel irgendwie und er konnte sich eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen, die begleitet wurde von einer ordentlichen Portion Bewunderung. Für einen 'einfachen' Soldaten des Herrn hatte Castiel sich ziemlich gut entwickelt und dabei ein erstaunliches, taktisches Geschick an den Tag gelegt, grübelte Gabriel. Immerhin war es den Heerscharen bis heute nicht gelungen, seiner oder den beiden Brüdern habhaft zu werden und außerdem schien ihr Vater Gefallen an ihm gefunden zu haben.

      Was Gabriel zu seiner nächsten Überlegung brachte. Nicht nur ihr Vater hatte anscheinend ein Auge auf Castiel geworfen, auch Dean stand dem Engel wohl nicht ganz gleichgültig gegenüber. Zumindest war er bereit, um Castiel zu kämpfen und er scheute dabei auch nicht vor einem Erzengel zurück. Es gehörte schon eine ganze Menge Mut oder Dummheit dazu, einen Erzengel zu erpressen und diesen im Anschluss sogar auch noch freizugeben, wenn man die Gelegenheit dazu hatte, das Problem ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen.

      Als Trickster hatte Gabriel dem Jäger in der Vergangenheit mehr als einen Grund dafür geliefert einen Groll gegen ihn zu hegen und doch hatte Dean ihn heute vom Haken gelassen. Faszinierend, befand Gabriel und fragte sich, was der junge Mann damit wohl bezweckte?

      Noch wesentlich interessanter fand er jedoch die Interaktion, die zwischen Dean und Castiel stattgefunden hatte. Es war erstaunlich gewesen zu sehen, wie Castiel instinktiv auf Dean reagierte und sich widerstandslos von dem Jäger hatte davon führen lassen, obwohl er eigentlich etwas ganz anderes machen wollte. Gabriel hatte es seinem Bruder an den Augen ablesen können. Aber eine kleine Berührung des älteren Winchesters und schon war Cas dahin geschmolzen und hatte seine eigenen Wünsche über Bord geworfen. Diese Reaktion war wirklich bemerkenswert gewesen!

      Es sprach auf alle Fälle dafür, dass hier eine ganze Menge Gefühle mit im Spiel waren. Für Dean war dies ja nichts Ungewöhnliches, dachte man nur an seine Vorgeschichte, doch im Kontext mit Castiel... Gabriel pfiff lässig durch die Zähne. Für Castiel waren Gefühle eine echt große Sache. Wussten die beiden eigentlich, was sie für einen Eindruck sie damit bei einem Außenstehenden erweckten? Da konnte man ja echt auf falsche Gedanken kommen, oder nicht?

      Je länger Gabriel allerdings darüber sinnierte, desto sicherer war er sich, dass er es in dieser Hinsicht mit zwei ahnungslosen Trotteln zu tun hatte. Eventuell war es an der Zeit, dass ihnen einer die Augen öffnete? Ein verschlagenes Grinsen überzog Gabriels Gesicht, als ihm eine Idee kam. Der Plan versprach spaßig zu werden und das war genau seine Kragenweite. Außerdem mochte er es in die Rolle des Tricksters zu schlüpfen.

      Im nächsten Augenblick hatte sich seine Gestalt in Luft aufgelöst.

      **********


      Unvermittelt schreckte Dean aus dem Schlaf. Mit einer Gelassenheit, die von Gewohnheit zeugte, drehte er sich auf den Rücken, starrte an die Decke und wartete darauf, dass sich sein wild pochendes Herz beruhigte und sich seine Atmung normalisierte. Alpträume waren für ihn nichts Neues.
      Doch waren es heute nicht mehr die Erinnerungen an die Hölle, die ihn plagten. Nein, längst waren diese Bilder ersetzt worden. Noch vor einem Jahr hätte Dean dies für völlig abwegig gehalten, aber dank Zachariahs Erfindungsreichtums war er eines Besseren belehrt worden.
      Seine heutigen Horrorvorstellungen toppten selbst seine Erinnerungen an die Hölle. Denn was konnte grausamer sein, als den Bruder von eigener Hand sterben zu sehen?
      „Verdammte Engel“, murmelte Dean und fuhr sich dabei unwirsch mit der Hand über die klamme Stirn. Er hasste es, wenn er sich wie ein Spielball vorkam, der hilflos über das Feld getrieben wurde.

      Das sanfte Quietschen der Federn des Bettes neben ihm ließen ihn aufhorchen. Prüfend schaute Dean zur Seite und stellte überrascht fest, dass Cas noch immer da war. Das war dahingehend erstaunlich, da der Engel noch nie zuvor die ganze Nacht geblieben war.

      Da der Tag bereits dämmerte, seine Blase drückte und an Schlaf sowieso nicht mehr zu denken war, beschloss Dean aufzustehen. Außerdem gelüstete es ihn nach einer Tasse Kaffee. Nachdem er sich leise vom Bett erhoben hatte, blieb sein Blick erneut an Castiel hängen und er hielt mitten in der Bewegung inne.

      Den Trenchcoat, wie zum Schutz, fest um sich geschlungen, die Zudecke halb über sich gezogen, lag Cas voll angekleidet auf dem Bett. Seit Dean aufgewacht war, hatte der Engel sich nur einmal leicht gerührt und das war, als Dean ihn entdeckt hatte. Eigentlich brauchten Engel keinen Schlaf! Doch Cas führte diese Tatsache gerade auf höchst eindrucksvolle Weise ad absurdum, dachte Dean nachdenklich und nahm sich die Zeit Cas ein wenig ausführlicher in Augenschein zu nehmen.

      Das Gesicht des Engels war ungewöhnlich blass, dafür zeichneten sich um das eine Auge herum deutlich die Umrisse und die bläuliche Verfärbung eines Hämatoms ab. Dean seufzte. Es hatte Zeiten gegeben in denen er Castiel für eines der mächtigsten Wesen gehalten hatte, denen er je begegnet war. Doch gerade die letzten Monate hatten bewiesen, dass auch Engel - und insbesondere Castiel – ihre Grenzen hatten.

      So eingewickelt in die Decke, drängte sich Dean förmlich gezwungenermaßen das Déjà-vu an Jimmy Novak auf. Auch dieser hatte damals so dagelegen, in dem Motel, in der Nacht, als Castiel seinen Körper für kurze Zeit verlassen musste. Ein Schauer zog über Deans Haut. Der Gedanke rief in ihm Unbehagen hervor.

      Energisch riss er sich von dem Anblick los.

      Er konnte es sich nicht leisten sich ablenken zu lassen. Er hatte genug Dinge, um die er sich kümmern musste. Vorläufig galt es eine Apokalypse aufzuhalten, seinen Bruder davon abzuhalten mit Luzifer auf dem Abschlussball anzutreten und den Teufel zurück in den Käfig zu sperren, aus dem er - dank ihrer Mithilfe - entkommen war. Ein volles Programm also, rekapitulierte Dean humorlos, als er das Badezimmer betrat. Ein Engel stand dabei für heute nicht auf seiner Agenda.

      TBC...
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      Signatur + Ava by myself


      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Jimmy ()

    • Jimmy, die Geschichte ist ganz nach meinen Geschmack. Allein, weil es schon um Engel geht.

      Castiel, gut getroffen, aber da habe ich auch nix anderes erwartet. Mir hat gefallen, wie du Castiels Angeschlagenheit dargestellt hast. (Spiegelszene, Bett)

      Gabriel, wie er leibt und lebt. Ich konnte förmlich, das listige Funkeln in seinen Augen sehen, als der Plan in seinem Kopf Gestalt angenommen hat. Davon verspreche ich mir einige Lacher. *;)*

      Freue mich auf mehr!
      mg myca
    • Zum einen ist Gabriel ja einer meiner absoluten Lieblingsengel und von daher freue ich mich unheimlich über das Wiedersehen mit ihm. [IMG:http://smiles.kolobok.us/artists/just_cuz/JC_goody.gif] Wie auch nicht anders zu erwarten, hast du ihn wunderbar getroffen.

      Seine Überlegungen sind absolut nachzuvollziehen und fügen sich wunderbar in die schon vorhandene Szenerie der Serie ein. ^^

      Sehr schön hier auch das Zusammenspiel zwischen Dean und Cas, der so langsam mit den ersten Anzeichen des Fallens zu kämpfen hat. :) Ich musste über Dean schmunzeln, der sich an die Diskussionen mit Sam erinnert fühlte. *:D*

      Auf jedenfall ein Anfang, der Lust auf mehr macht.[IMG:http://smiles.kolobok.us/standart/friends.gif] *kiss1*
    • Vielen Dank ihr beiden. Ich freue mich, dass euch der Auftakt gefällt und ja, Gabriels Plan wird Castiel noch ein wenig Kopfzerbrechen bereiten. Aber so kennen und lieben wir ihn ja schließlich. *lach*

      @myca
      Wie du weißt, teilen wir diese Leidenschaft für die Engel und ich kann dir versprechen, dass du in dieser Hinsicht hier nicht zu knapp gehalten wirst. :rolleyes:
      [IMG:http://abload.de/img/1hobbit3jqjzf.jpg]
      Signatur + Ava by myself


    • Wieder mal eine sehr schöne Charakterstudie wie ich finde, meine Süße! Das hast du echt gut drauf und ich bin schon gespannt, was Gabriel aka der Trickster nun wieder im Schilde führt. Bei dieser bildlichen Beschreibung hatte man ihn förmlich vor'm geistigen Auge und weiß, dass es nichts Gutes sein kann....
      Ich mag deinen Schreibstil Jimmy, du gehst einerseits gut auf die Charaktere ein, spinnst die Story über das Gesehene gut weiter und hast darüber hinaus eine gute portion Witz dabei!

      Wie gesagt, ich bin gespannt auf die Fortsetzung! :love: *thumps* *umarm*

      *and sometimes I feel that I should go and play with the thunder*
    • @Samm: Hallo meine Maus, schön, dass du dich auch hier eingefunden hast. *umarm* Vielen Dank für das dicke Lob, da werde ich doch gleich mal ganz verlegen. *blush* Ich freue mich jedoch riesig, dass dir meine Schreiberei gefällt und dass sie dich sogar dazu veranlasst mal wieder SPN zu lesen. *:D* Am Samstag geht es hier weiter und dann kommen gleich zwei meiner Lieblingsfiguren aus dieser FF ins Spiel. Doch ich will hier ja nichts verraten *hust, hust* [IMG:http://smiles.kolobok.us/artists/mother_goose/MG_181.gif] *lach*
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    • Hallöchen,

      kommen wir doch direkt zur Sache, denn ich weiß ja was ihr wollt. *:D* Es ist schließlich Samstag und so geht's weiter...


      Kapitel 2

      Knapp eine viertel Stunde nachdem Dean das Zimmer verlassen hatte, fuhr Castiel keuchend aus dem Schlaf hoch und setzte sich ruckartig auf. Deutlich weniger routiniert im Umgang mit Alpträumen schaute er sich desorientiert um, bis er realisierte, wo er sich befand. Erleichtert stellte Castiel fest, dass der Kampf gegen die Chimaira dieses Mal nur ein Produkt seiner Phantasie gewesen war. Ein Traum. Gleichwohl ihm die Hitze des Feuers auf seiner Haut und seine versengende Wirkung, nur allzu echt erschienen war.

      „Alles klar?“ Fragend streckte Dean den Kopf aus der offenen Badezimmertür und blickte ihn an. Rasierschaum klebte noch an seinem Kinn und an seiner Wange.

      „Ja“, erwiderte Castiel möglichst emotionslos und schwang die Beine über den Bettrand. Er fühlte sich unwohl, doch er wollte vermeiden, dass Dean es bemerkte.

      „Okaaaaay.“ Obwohl Dean seine Zweifel hatte, ließ er es dabei bewenden. Er kannte Cas lange genug, um zu wissen, wann es sinnlos war weiter zu bohren. Er würde keine zufriedenstellende Antwort erhalten und ihm war auch nicht nach neuerlichem Streit zumute. Stattdessen bemühte er sich möglichst desinteressiert zu klingen, während er mit dem Rasieren fort fuhr.

      „Wenn ich fertig bin, treffe ich mich mit Sam zum Frühstück im Diner. Wie sieht es aus? Kommst du mit, oder wirst du bereits anderswo erwartet?“ Dean hoffte darauf, nicht allzu erwartungsvoll zu erscheinen, denn er wollte Castiel nicht noch mehr unter Druck setzen.

      Seit Cas sich gegen den Himmel aufgelehnt hatte, tauchte er in letzter Zeit des Öfteren morgens bei ihnen auf und trank einen Kaffee mit, währenddessen die Brüder frühstückten. Manchmal aß er sogar selbst eine Kleinigkeit. Hin und wieder fragte Dean sich im Stillen, ob Cas dies nur tat, um nicht aufzufallen, oder ob mehr dahinter steckte? Meistens verwarf er diesen Gedanken jedoch schnell wieder, nicht sicher, ob er die Wahrheit tatsächlich momentan hören wollte. Jedenfalls hatte sich Castiels Anwesenheit quasi eingebürgert und Dean ertappte sich mittlerweile sogar schon dabei, dass er sein Erscheinen erwartete.

      „Ich sollte gehen.“ Die unvermittelte Stimme in seinem Rücken ließ Dean zusammenfahren, unterbrach seinen Gedankenfluss und überrascht schnitt er sich in die Wange.

      „Shit. Wie oft muss ich dir noch sagen, dass du dich nicht so an mich heranpirschen sollst?“ Verärgert griff Dean nach dem Handtuch und betupfte die blutende Wunde oberhalb seiner Wange.

      „Entschuldige, Dean.“ Ausdruckslos trat Castiel einen Schritt zurück. „Ich denke, ich werde jetzt gehen“, wiederholte Castiel stoisch.

      „Warte“, hielt Dean ihn zurück. „Wir sollten unsere nächsten Schritte noch miteinander abstimmen. Also wenn du Zeit hast...“ Stumm schauten sie einander an.

      „Gut“, willigte Castiel nach einer kurzen Pause endlich ein. Seine Suche nach Gott war bisher sowieso ergebnislos verlaufen und es war auch nicht so, als ob er eine neue Spur gefunden hatte. Ihm fehlten die Ansätze. Castiels Hoffnung sank von Tag zu Tag und seine Fehlversuche erfüllten ihn mit Schwermut.

      Zudem gab Jimmy's Körper ihm in letzter Zeit verstärkt Rätsel auf. Dinge veränderten sich und er wurde plötzlich mit Empfindungen konfrontiert, die ihm bisher fremd gewesen waren und die er nur schwer zu interpretieren vermochte. Die Hülle, die seine wahre Gestalt in sich barg, zeigte Reaktionen und richtete Bedürfnisse an ihn, um die er sich als Engel normalerweise nicht kümmern musste.

      So hatte er erst kürzlich begriffen, dass die Bauchschmerzen, die er in den vergangenen Wochen vor allem des Morgens verspürt hatte, Hungergefühle gewesen waren.

      Zunächst hatte er den Zusammenhang gar nicht gesehen. Wie gewohnt, war er bei Sam und Dean zum Frühstück aufgetaucht und hatte seinen Kaffee getrunken, mehr, um nicht bei der Bedienung aufzufallen, als ihn wirklich zu brauchen. Doch an manchen Tagen verkrampfte sich sein Magen und sein Bauch schmerzte schlimmer denn zuvor, wenn er den Diner betrat und ihm die Essensgerüche entgegen schlugen. Irgendwann hatte er sich auf gut Glück eine Portion Rühreier zu seinem Kaffee kommen lassen und nach ein paar Bissen war es ihm deutlich besser gegangen. Seit dem hatte er es sich zur Gewohnheit gemacht, regelmäßig die Brüder zum Frühstück zu begleiten und hin und wieder, wenn sein Körper danach verlangte, ein wenig Nahrung zu sich zu nehmen.

      **********


      Aufgeregt lauerte die feiste Gestalt hinter einer Hausecke und beobachtete die drei Männer in dem Diner. Da waren sie also, die berühmten Winchester Brüder und wie erwartet hatten sie auch Castiel, den Engel, in ihrem Schlepptau. Innerlich erregt fuhr der Mann sich unbewusst mit der Zunge über die Lippen. Sein ganzer Körper vibrierte förmlich vor Energie und zurückhaltender Anspannung. Langsam zog er sich zurück, um sein weiteres Vorgehen abzuwägen.

      Dieser Auftrag erforderte ein gewisses Maß an Fingerspitzengefühl und stellte zudem einen große Herausforderung dar. Immerhin konnte ein Engel die Anwesenheit eines anderen Abgesandten des Himmels spüren. Wollte er unentdeckt bleiben – so wie es von ihm erwartet wurde – musste er sich also anstrengen. Nach einiger Überlegung kam er jedoch zu dem Schluss, dass der Vorteil auf seiner Seite war, da sein Bruder keinen Verdacht hegte und er zudem auch noch - selbst für Castiel - unsichtbar war. Solange er sich also geschickt verhielt, sollte der Plan gelingen.

      Der Plan.

      Der ungewöhnlichste Job mit dem ein Cherub wohl je betraut worden war, und ausgerechnet ihm wurde diese Ehre zuteil. Stolz reckte der Amor seine Brust und erhaschte erneut einen Blick auf seine Opfer.

      Keinen Moment zweifelte er an der Wichtigkeit seiner Aufgabe, denn immerhin war es ein Erzengel selbst gewesen, der ihm die Anweisung erteilt hatte.

      Das musste man sich vorstellen.

      Das war oberste Liga!

      Der Kontakt mit einem Engel seines Ranges kam für ihn gleichbedeutend, als ob Gott persönlich mit ihm gesprochen hätte. Da mochte ihm die ganze Sache noch so suspekt erscheinen, wer war er, die Direktiven des Himmels in Frage zu stellen? Noch nie hatte ein Engel seines Standes einen Erzengel zu Gesicht bekommen, geschweige denn ein Wort mit ihm gewechselt. Selbst sein Vorgesetzter kannte die vier Brüder nur vom Hören-Sagen. Wenn der Himmel also diese besondere Vereinigung wünschte – und Gabriel hatte sich in dieser Hinsicht klar ausgedrückt – dann war es an ihm dies in die Wege zu leiten.

      Bedachtsam wechselte der Cherub die Straßenseite und drang durch die Hintertür in den Diner ein, um eine bessere Sicht zu haben. Es bedurfte eine gewisse Nähe zur Zielperson, damit seine Magie ihre Wirkung entfalten konnte. Den Erfolg vor Augen, erfasste ihn eine Welle der Ekstase, welche sich in statische Aufladung verwandelte und die Luft um ihn herum zum knistern brachte. Obwohl es eine völlig unnötige und zugleich alberne Geste war, hielt der Amor unwillkürlich den Atem an, als Castiel daraufhin von seinem Teller aufschaute und aufmerksam seine Umgebung studierte. Mühsam unterdrückte der Cherub seine aufwallenden Empfindungen, bis er sich schließlich genügend unter Kontrolle hatte, so dass er seine Anwesenheit vor seinem Bruder vertuschen konnte.

      Verflixt. Das war knapp gewesen.

      Der Instinkt seines Bruder arbeitete wirklich hervorragend und Castiel war mehr als nur auf der Hut. Ruhig wartete der Cherub ab, bis der Engel sich entspannte und sich erneut seinem Frühstück widmete. Mit sprichwörtlicher Engelsgeduld hielt er sich zurück, bis er sicher sein konnte, dass Castiel keinerlei Argwohn mehr hegte, dann preschte er vor.

      Mit einer Geschwindigkeit, die man einem nackten Kerl seiner Statur nicht zugetraut hätte, schnellte er aus seiner Deckung, berührte federleicht die Brust seines Bruders und markierte die Stelle dessen Herzens mit dem Zeichen der Vereinigung. Bevor Castiel begreifen konnte was geschah, war der Cherub verschwunden.

      Zu schade, dass er sich das Ergebnis seines Werkes nicht ansehen konnte, dachte der Amor, als er hunderte von Kilometern entfernt, am Ort seines neuen Auftrages, wieder auftauchte und sich zufrieden die Hände rieb. Doch es war besser so. Immerhin sollten Castiel und die Winchesters keinen Verdacht schöpfen. Außerdem gab es noch hunderte von anderen Paaren, die es zu vereinigen galt. Gutgelaunt betrat der Cherub das Einkaufcenter, in dem ihn sein nächster Klient bereits erwartete.

      **********


      Für einen kurzen Moment hatte Castiel den Eindruck gehabt die Präsenz eines anderen Engels in seinem Umfeld zu spüren, doch dann war das Gefühl ebenso plötzlich verebbt, wie es entstanden war.

      Stattdessen nahm er bald danach für den Bruchteil einer Sekunde einen winzigen, aber dafür stechenden, Schmerz in seiner Brust wahr. Irritiert schaute er zu Dean. Offensichtlich war diesem jedoch nichts Ungewöhnliches aufgefallen, da der ältere Winchester Bruder weiterhin genüsslich damit beschäftigt war, an einem knusprig gebratenen Streifen Speck herum zu knabbern.

      Sobald er Castiels Blick bemerkte, schaute er allerdings auf. Ein wohlwollendes Lächeln trat auf sein Gesicht, als er Castiels halb aufgegessenes Kuchenstück sah. Dies löste eine ungewöhnliche Woge von Wärme aus, die in Cas aufstieg. Schnell senkte der Engel den Blick.

      „Ich sollte jetzt wirklich gehen“, murmelte Castiel leise vor sich hin, ehe er auch schon aufstand. Verwundert sah Dean ihn an.

      „Und dein Kuchen?“, plapperte der Jäger das Erste aus, das ihm auf die Schnelle in den Sinn kam. Castiel blieb jedoch die Antwort erspart, da just in diesem Augenblick Alwin an ihren Tisch trat.

      Alwin, der Kellner, der bereits bei ihrem Eintreffen ein eindeutiges Interesse an Dean an den Tag gelegt und ihn unverhohlen angeschmachtet hatte. Übertrieben diensteifrig hatte er dabei Dean auf die kulinarischen Höhepunkte der Speisekarte hingewiesen. - Sehr zu dessen Leidwesen und zum Amüsement seines Bruders. Auch hatte Alwin die Gelegenheit genutzt sich ihnen persönlich vorzustellen und Dean dabei ein besonders strahlendes Lächeln geschenkt.

      Schlank, hoch gewachsen, mit einem frechen Kurzhaarschnitt, ließ der dunkelblonde junge Mann keinen Zweifel an seinen homosexuellen Neigungen aufkommen. Die enge, knappsitzende Jeans und das auf Taille geschnittene orange farbige Hemd, an dem die oberen Knöpfe bewusst offen gelassen waren, taten ihr Übriges dazu.

      „Noch ein bisschen Kaffee, meine Süßen?“ Kokett wanderte Alwins Blick von Castiel zu Sam, bevor er schließlich wieder an Dean hängen blieb. Aufreizend lehnte er sich ein Stückchen nach vorne und rückte näher an den älteren Winchester heran, während seine Augen unverblümt Deans Körper erkundeten.

      'Was zum Teufel...', dachte Dean, den das dreiste Verhalten langsam auf die Palme brachte. Finster starrte er den Mann an. „Nein, danke! Wir brauchen nichts“, stellte er nachdrücklich fest, als Alwin nicht von seiner Seite wich. Demonstrativ rückte Dean weiter an Sam heran. Warum mussten ausgerechnet sie - in dem einzigen Diner dieser verdammten Stadt - an einen schwulen Kellner geraten?, seufzte Dean innerlich, während er Sam einen warnenden Blick zuwarf, da dieser nur schwerlich ein Kichern unterdrücken konnte.

      Warum, zur Hölle, kamen die Leute überhaupt auf die Idee, dass er schwul war?, sinnierte Dean abgelenkt. Selbst wenn er diesen Eindruck erwecken sollte – was er mit Sicherheit nicht tat!
      Er war in Begleitung von Sam! Alwin musste also davon ausgehen, dass sich sein Freund bei ihm befand. Aber auch das konnte den selbstbewussten Mann nicht davon abhalten, ihn unumwunden anzubaggern.

      „Wenn du deine Stirn weiter so in Falten legst, Hübscher, dann schadet das über kurz oder lang deinem Aussehen“, riss Alwin ihn belehrend aus seinen Gedanken. Dann machte er eine effektvolle Pause und fuhr betont bekümmert fort: „und das wäre wirklich eine Schande.“ Seine Mimik zeigte, dass er es ernst meinte. Bevor Dean jedoch reagieren konnte, hatte sich der Kellner umgedreht und stolzierte mit einem gekonnten Hüftschwung von dannen. Anscheinend wusste er trotz allem, wann es an der Zeit war einen strategischen Rückzug anzutreten. Sprachlos blickte Dean ihm hinterher.

      Schallend prustete Sam los, während Dean endlich seine Sprache wieder fand und ihm ärgerlich ein „Idiot“ zu raunte. Erleichtert den aufdringlichen Kerl endlich losgeworden zu sein, richtete Dean seine Aufmerksamkeit dem Engel zu, nur, um festzustellen, dass dieser bereits verschwunden war. Enttäuscht ließ Dean seine Gabel auf den Teller fallen.

      Na prima! Nun war ihm der Appetit endgültig vergangen.

      **********


      Aufatmend durchquerte Castiel den Diner und hielt auf den Tisch zu, an dem Sam und Dean Platz genommen hatten. Zu seiner Erleichterung war von Alwin keine Spur zu sehen. Seit Tagen führte das impertinente Auftreten des Mannes und dessen ständigen und offenbar doppelsinnigen Bemerkungen gegenüber Dean bei ihm zu Verstimmungen. Nur zu gerne hätte Castiel es gesehen, wenn die Winchesters dieser Stadt endlich den Rücken kehrten. Doch bedauerlicherweise jagte ein übernatürliches Ereignis das andere, so dass ihre Anwesenheit weiterhin von Nöten war. Diese Gegend schien vor Dämonen und paranormale Phänomenen nur so zu strotzen und dies kratzte allmählich an Castiels Nervenkostüm.

      Er war unausgeglichen und kribbelig, ein Zustand den er zuvor nur an Menschen beobachten konnte. Zudem verstärkte sich beinahe täglich in ihm das Bedürfnis Dean vor Alwin zu beschützen und dessen Treiben, mit dem Jäger, ein Ende zu setzen. Wenn der Engel seinem Instinkt freien Lauf lassen würde, dann würde sich Alwin sogar in der Wüste wiederfinden, denn dorthin wünschte Castiel ihn sich zur Zeit. Aber Cas wusste, dass diese Reaktion in keinem Verhältnis stand und so verzichtete er lieber darauf. Grummelig ließ er sich neben Sam auf die Sitzbank gleiten.

      Kritisch musterte Dean den Engel, der kein Wort von sich gab. „Mit welchem Bein bist du denn heute morgen aufgestanden?“ Offensichtlich eine Antwort erwartend starrte er Cas auffordernd an, während nun auch Sam ihn genauer in Augenschein nahm.

      „Ich habe nicht geruht“, brummelte Cas missmutig und warf Dean einen mahnenden Blick zu.

      „Hey, dass weiß ich doch“, unterbrach Dean in beschwichtigend und lächelte ihn versöhnlich an, zeigte, dass er ihn nur necken wollte. „Das sagt man nur so. Magst du einen Kaffee?“ Noch während er diesen Castiel anbot, drehte er sich zu Millie, hob seine Kaffeetasse hoch und deutete auf Cas.
      Die zweite Bedienung in dem Diner reagierte mit einem freundlichen Kopfnicken und signalisierte, dass sie seine Bestellung verstanden hatte. Kurz darauf kam die Mittfünfzigerin mit einer sauberen Tasse an den Tisch und schenkte Cas unaufgefordert ein.

      „Danke“, murmelte Cas zurückhaltend und vermied es aufzublicken, da er keine Lust dazu verspürte. Das war zwar unhöflich - da Millie ihm ja nichts getan hatte - es änderte jedoch nichts daran, dass er nicht wollte. Er wartete bis die Frau zur Theke zurückkehrte, dann wandte er sich an Dean.

      „Du solltest den Apfelkuchen probieren. Der ist wirklich klasse!“, kam dieser ihm zuvor. Begeistert deutete Dean mit der Gabel auf das halb aufgegessene Gebäckstück, welches sich auf seinem Teller befand. Dabei wirkte er so glücklich, wie schon lange nicht mehr. Zufrieden vor sich hin mampfend strahlte er Cas freudig an, als er sich eine weitere Gabel voll des Kuchens in den Mund schob.

      Unwillkürlich reagierte Cas auf Deans Anblick. Seine Laune verbesserte sich merklich und er wurde versöhnlich gestimmt. Mit einem nachsichtigen Lächeln begegnete er dem Blick des Jägers.

      „Später vielleicht. Eigentlich bin ich gekommen, um zu erfahren, ob es euch gelungen ist den unerklärlichen Phänomenen dieser Gegend auf den Grund zu gehen.“

      „Nein, Mann, nicht wirklich. Wir werden einfach nicht schlau daraus, was hier passiert“, brachte Sam sich in die Unterhaltung ein, da sein Bruder mit kauen beschäftigt war. „Nichts scheint einen Sinn zu ergeben. Sobald wir an einem Ort ankommen ist alles wieder ruhig und die Zeugen können sich an nichts mehr erinnern. Es ist fast, als ob sich jemand einen Scherz erlaubt und eine riesige Schnitzeljagd mit uns veranstaltet. Ich frage mich nur, was dieser jemand damit bezwecken möchte.“ Ratlos schaute Sam zu Castiel.
      „Kannst du dir darauf einen Reim machen?“

      „Nein, leider“, erwiderte Castiel bedauernd. „Aber ich teile deine Ansicht, dass hier etwas nicht stimmt. Die Häufung der Ereignisse sind selbst im Zusammenhang mit der bevorstehenden Apokalypse ungewöhnlich. Hier steckt mehr dahinter. Ich denke, ich werde mich mal selbst umsehen.“

      „Ist gut. Aber passe auf dich auf, ja? Ich möchte im Anschluss nicht auch noch nach dir suchen müssen.“

      Eigentlich hätte Cas das Recht gehabt, ob dieser Ermahnung beleidigt zu sein. Wann hatte Dean schon jemals zu seiner Rettung kommen müssen? Meistens verhielt es sich genau umgekehrt. Da Deans Stimme jedoch keinerlei Vorwurf enthielt, sondern nur echte Besorgnis, verzichtete Castiel darauf den Jäger auf die Tatsache aufmerksam zu machen. Eindringlich ruhten Deans grüne Augen auf Castiels Gesicht, suchten den Blickkontakt zu ihm und warteten auf eine Antwort.

      Eine Welle der Zuneigung durchflutete den Engel und er spürte, wie ihm die Röte in die Wangen stieg. Unruhig rutschte Castiel auf seinem Sitz herum, da ihm die Situation unangenehm war.
      „Werde ich“, beeilte er sich Dean zu versichern, ehe er die beiden Brüder alleine an dem Tisch zurückließ.

      „Findest du nicht auch, dass Cas sich in letzter Zeit etwas merkwürdig verhält?“ Mit gerunzelter Stirn schaute Sam zu Dean.

      „Du meinst, merkwürdiger als sonst?“ Genüsslich schob Dean sich den letzten Bissen Kuchen in den Mund. „Ich weiß nicht“, meinte er dann gelassen und schob den leeren Teller von sich. „Vielleicht liegt es an der drohenden Apokalypse oder an der Tatsache, dass er zum meistgesuchten Engel des Himmels geworden ist, dass er ein wenig beunruhigter wirkt als sonst. Ich glaube nicht, dass ihm das jemand verübeln könnte, oder? Ein Haufen von mordlüsternen Geschwistern an seinen Fersen zu wissen, ist bestimmt kein Honigschlecken. Ich denke, da würde ich mich auch dann und wann ein wenig merkwürdig verhalten“

      Sam war sich nicht sicher, was er von dieser Aussage seines Bruders halten sollte. In Deans Augen lag ein Ausdruck den er nicht zu deuten wusste. Besorgnis? Der Sarkasmus war jedenfalls zweifelsfrei nur an seine Person gerichtet und es machte sogar den Eindruck, als ob er ein wenig enttäuscht darüber war, dass Sam nicht mehr Verständnis für Cas aufbrachte.

      Sam verzichtete anschließend lieber darauf mit seinem Bruder weiter darüber zu diskutieren. Allerdings war ihm in den letzten Tagen bei mehr aus einer Gelegenheit Castiels seltsames Verhalten aufgefallen. Der Engel führte sich neuerdings in Deans Gegenwart ungewöhnlich auf – schlicht, anders als sonst. Sein Bruder schien Castiel plötzlich nervös zu machen und das war bisher niemals zuvor vorgekommen. Gedankenverloren nippte Sam an seinem Kaffee. Egal was Dean sagte, er würde die Sache auf jeden Fall im Auge behalten.

      TBC...


      Feedback ist mir im übrigen hoch willkommen. :whistling: Denn natürlich interessiert mich brennend, was ihr von der Story und den Characteren haltet. Also nur keine Hemmungen und ihr wißt: Feedbacks sind die einzigen Leckerchen die ein FF-Schreiberling am Ende einer Story als Lohn für seine investierte Arbeit erhält. ^^
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      Signatur + Ava by myself


    • So, jetzt habe ich den zweiten Teil deiner Amorgeschichte auch gelesen und ich muss sagen, Gabriel ist ein kleines A...*oops- sorry*
      Der kommt vielleicht immer auf Ideen, das Leben der Winchesters zu verkomplizieren.... tztzt auch wenn es nun einen Bereich trifft, den man so offensichtlich nicht in Erwägung gezogen hätte....den zwischenmenschlichen nämlich! Ich bin schon mächtig gespannt, was für Auswirkungen dieser gemeine kleine Pfeil nun noch hat. Eine kleine Kostprobe hast du uns ja schon gegeben, Cas's Verhalten beginnt sich höchst merkwürdig zu entwickeln... *;)* *:D* (Eifersucht ich höre dir tapsen...) *schmunzel*
      Ach übrigens- dieser Alwin ist ja wohl die Härte, den habe ich immer besonders deutlich vor Augen, wenn er mit seiner für sich ganz eigenen Art daher kommt! Klasse sind auch die Worte, die du ihm in den Mund gelegt hast. Ein echtes Schmankerl in der Story! :love:
      Ja, ich hoffe, du konntest hiermit nun was anfangen, habe lange kein Story-Feddback mehr gegeben! *umarm*
      Ich mag deine Story und freue mich schon auf die nächste Woche, wenn es mit den Cas- Dean-Verwirrungen weitergeht! *thumps*

      *and sometimes I feel that I should go and play with the thunder*
    • Hallo meine Süße,
      ganz lieben Dank für dein tolles Feedback und keine Sorge, du hast das richtig gut hingekriegt. *spring* *heart* Ich finde es beruhigend zu lesen, dass du gerade Alwin so magst. Genau er bereitete mir einige Kopfschmerzen. Einerseits wollte ich ihn provokant und dreist, aber auf der anderen Seite sollte er auch noch glaubwürdig sein und nicht völlig überzogen wirken. Schön, wenn dies gelungen ist und einer muss Castiel ja schließlich aus der Reserve locken, nicht wahr? *lach*
      Nächste Woche wird ein weiterer Originalcharacter eine wichtige Rolle spielen. Aber wer, wird noch nicht verraten. *;)* *bye*
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    • Hach, also ich mag es übrigens, dass die Kapitel eine schöne Länge haben und nicht nur so kurze Appetithappen sind. ^^

      Immer wieder lustig... Jäger im Badezimmer und ein Engel der von Privatsphäre keine Ahnung hat - oder haben will. *lach1* Und auch wenn Cas mit einigen ungewohnten Bedürfnissen und Dingen wie Alpträumen zu kämpfen hat, bleibt er eben doch Cas. Dieses stoische "Ich sollte gehen." mag ich einfach. Überhaupt finde ich das sehr angenehm, dass man die Änderungen zwar durch CAstiels Gedanken mitbekommt und auch ansatzweise durch Deans Gedanken, dass Cas aber nach außen hin jetzt nicht anfängt ebenfalls total zu vermenschlichen. ^^

      Bei dem Cherub hatte ich direkt wieder das kleine, feiste Männeken aus der Valentinstagfolge im Kopf. *:D* Ich find ihn einfach zu herrlich, besonders die Idee, wie sich vor lauter Aufregung die Luft um ihn herum Aufläd und es zu einer statischen Entladung kommt. *lach* Gabriel hat bestimmt jetzt schon einen tierischen Spaß an der Sache. *lach1* Und er muss beten, dass Dean ihn nie in die Finger bekommt, sollte er jemals dahinterkommen, was der Erzengel da angeleiert hat. *:D*

      Mein Höhepunkt in dem Kapitel ist allerdings Alwin und dessen höchst ungewollten Zuwendungen Dean gegenüber. *sich wegschmeißt* Ich kann Deans Mörderblick vor mir sehen und das in Kombination mit einem Sam, der sich am liebsten Ausschütten würde vor Lachen. *lol1* Ich kanns kaum erwarten, mehr von Alwin zu lesen und vor allem, ob Cas ihn doch noch in die Wüste schickt. *lach*

      Ich freu mich aufs nächste Kapitel. *heart* Danke das du die Story hier postest. *umarm*
    • @AngelA.: Vielen Dank für dieses super Feedback. *kiss1*
      Tja, Cas und das Wort Privatsphäre harmonieren wirklich nicht miteinander. Davon kann vor allem Dean ein Liedchen singen. *lach*

      Ich muss zugeben, dass ich gerade an dem Cherubim beim Schreiben einen Heidenspass hatte. Castiels Gesicht in der damaligen Szene war einfach nur zum totlachen. *lol1* Der Kerl brodelte nur so vor überschäumender Energie und genau dies habe ich versucht in den Szenen mit ihm einzufangen und wieder zu geben. *:D*

      Ich stimme dir übrigens zu, dass Dean Gabriel wahrscheinlich den Hals umdreht, sobald er herausfindet, was mit Castiel los ist und was der Erzengel nun schon wieder angestellt hat. Aber ob es auch so kommen wird und ob Dean erfährt was los ist, bleibt vorläufig noch mein Geheimnis. *;)*

      Alwin hat sich beim Schreiben ebenfalls in mein Herz geschlichen. Ich muss gestehen, ich mag diesen Halunken, obwohl er Dean auf die Palme bringt und Cas eine harte Zeit bereitet. Dennoch hat er seinen ganz eigenen Charme und ehrlich, was ist spassiger, als Dean ein klein wenig "angepisst" zu sehen. *lach*

      Okay, nun aber genug der langen Vorreden, denn nun geht es weiter...

      Kapitel 3

      Auch in den nächsten Tagen nahmen die Vorkommnisse kein Ende. Selbst mit Castiel an ihrer Seite kamen die Winchesters bei ihren Ermittlungen keinen Schritt weiter. Es war wie verhext.
      Zwar kam nie jemand ernsthaft zu Schaden, aber dennoch gab es keinen Zweifel daran, dass die Ereignisse übernatürlicher Ursache waren. Zumeist handelte es sich um größere Menschenansammlungen die plötzlich und ohne Vorwarnung außer Kontrolle gerieten. Zum Teil waren es einfach nur Schlägereien. Es gab aber auch Kurioses, wie der Ausbruch einer gigantischen Kissenschlacht, die in einem Bettenlager ihren Anfang fand. Maßgeblich war, dass hinterher keiner der Zeugen mehr in der Lage war zu berichten, wie die Sache ihren Anfang genommen hatte.

      Heute herrschte in einer Großkonditorei, in der Tiefkühltorten hergestellt wurden, Chaos. Als Dean, Sam und Castiel am Ort des Geschehens eintrafen, befand sich die Schlacht in vollem Gange. Wie von Sinnen, warfen die Angestellten die frisch gemachten Torten hin und her. Überall in der Werkshalle klebten Reste der süßen Schlankmacher auf dem Boden und an den Wänden. Es war gar nicht so einfach, beim Laufen das Gleichgewicht zu halten und nicht weg zu glitschen und sich dabei auf den Hintern zu setzen.

      Während Sam und Dean damit rangen sich auf den Beinen zu halten, konnte Castiel gerade noch rechtzeitig aus dem Augenwinkel heraus wahrnehmen, dass er von einem der Mitarbeiter ins Visier genommen wurde. Als die Torte die Hand des Schützen verließ, wich Cas mit einer geschickten Bewegung zur Seite.
      Dean, der hinter ihm gelaufen war, erkannte die Gefahr der fliegenden Masse zu spät und wurde so ihr Opfer. Mit einem kräftig vernehmbaren Platsch-Geräusch fand die Torte ihr Ziel und landete in seinem Gesicht.

      „Verdammt, Cas, konntest du mich nicht warnen?“, prustete der ältere Winchester, nachdem er sich einen großen Teil der Sahne aus dem Gesicht gerieben hatte.

      „Entschuldige, Dean. Ich wusste nicht, dass du dich so dicht hinter mir befandest.“ Dean musste zugeben, dass Cas wenigstens den Anstand hatte, schuldbewusst dreinzuschauen. Sein Bruder hingegen machte sich nicht einmal die Mühe seine Belustigung zu verbergen.

      „Sehr witzig, Sam. Pass auf, sonst kriegst du gleich auch noch eine Portion ab,“ drohte Dean ihm mit erhobenen Zeigefinger und finsterer Miene, ehe er sich besann und den verklebten Finger in den Mund steckte, um zunächst vorsichtig, dann jedoch immer enthusiastischer und geräuschvoller daran zu lecken.

      Cas, der ihn dabei die ganze Zeit stumm beobachtete hatte, fühlte, wie sich sein Unterleib mit einem Mal zusammenzog, als sich eine Woge des Verlangens in ihm ausbreitete, welche bereits weitere Konsequenzen nach sich zu ziehen drohte. Erschrocken, durch seine unerwartet physische Reaktion, drehte sich der Engel zur Seite und entfernte sich ein paar Schritte von den Brüdern. Verzweifelt probierte er Herr der Lage zu werden und die Kontrolle über seinen Körper zurück zu erlangen. Dieser hatte jedoch ungebeten eine gewisse Art der Eigendynamik entwickelt. Verwirrt darüber, was mit ihm geschah, trat Castiel die Flucht an.

      Ohne ein weiteres Wort der Erklärung verschwand der Engel von der Szenerie, da ihm dies auf die Schnelle als die einfachste Lösung erschien. Wusste er doch instinktiv, dass Dean die unübersehbare Wirkung, die er auf Castiels ausübte, bestimmt nicht gutheißen würde. So ließ er die Winchesters erst einmal in dem Tumult zurück, der zwar chaotisch war, aber gewiss keine unmittelbare Gefahr für sie bedeutete. Castiel benötigte Zeit zum Nachdenken und dabei konnte er momentan die Gesellschaft der Winchesters nicht gebrauchen.

      Nur eine Zehntelsekunde nach dem Verlassen der Konditorei manifestierte sich der Engel am Südpol. Konfus setzte er sich in den Schnee und zog die Beine an seinen Körper, während er in die Ferne starrte. In der unendliche Weite und der Stille der Landschaft erlangte er langsam seine Fassung wieder. Immerhin konnten ihm die Kälte und die Einsamkeit, die am südlichsten Punkt der Erde vorherrschten, nichts anhaben. Im Gegenteil. Er mochte sie sogar. Er kam gerne hierher, wenn ihn etwas beschäftigte und er ein wenig Zeit für sich selbst brauchte, da die tiefe Ruhe sein aufgewühltes Innere besänftigte, nun, da der Himmel ihm verwehrt war. Gerade in den letzten Tagen schien seine innere Ausgewogenheit allerdings mehr den je zu schwinden. Noch nie zuvor war er derartig aus der Bahn geworfen worden, oder hatte ähnliches Empfunden, wenn es im Zusammenhang mit Dean stand.

      Gedanklich fasste Castiel die Geschehnisse zusammen. Anfangs begann alles mit diesem zaghaften Erröten und der unerklärlichen Wärme, die sich seines Körpers regelmäßig bemächtigte, sobald er in Deans Nähe war. Danach ging es über in eine sonderbare Unruhe, die ihn immer dann überkam, wenn er von Dean getrennt war. Außerdem mochte er es nicht mehr leiden, wenn andere Menschen – außer Sam und Bobby natürlich – dem Jäger zu nahe kamen oder zu viel Interesse an ihm bekundeten. Seine Abneigung Alwin gegenüber, war hierfür der beste Beweis. Alleine der Gedanke an diesen unliebsamen Kerl, der mit Dean auf diese dreiste Weise unverblümt flirtete, weckten in Castiel nicht gekannte Besitzansprüche an Deans Person. Eifersucht!, stellte Cas mit einiger Überraschung fest. Auch wenn er bis jetzt gebraucht hatte, sie als solche zu erkennen. Gesteigert wurde seine bisherige Symptomatik durch die Tatsache, dass sein Magen ebenfalls völlig verrückt spielte und von seinen Gefühlen zu Dean beeinflusst wurde.

      Hatte er eben noch Hunger gehabt, brachte er im nächsten Moment, wenn er mit Dean im Diner saß, keinen Bissen mehr hinunter. Plötzlich schnürte ihm alleine der Gedanke an Essen alles zusammen und von Appetit konnte keine Rede mehr sein. Deans Anblick und seine Stimme waren alles was von da an zählte und alles, was er in diesen Augenblicken benötigte. Es war eine sehr fremdartige Erfahrung, für die er aber bislang keine Erklärung gefunden hatte.

      Er schrieb es seiner eignen Naivität und dem Umstand, dass er keinerlei Vergleichsmöglichkeiten mit solcherlei Empfindungen hatte, zu, dass er bis heute gebraucht hatte, die Anzeichen richtig zu interpretieren und zu verstehen, was mit ihm los war.

      Jetzt, als er näher darüber nachdachte, ergab alles einen Sinn. All die widersprüchlichen Eindrücke mit denen er in letzter Zeit zu kämpfen gehabt hatte.

      Er begriff nur nicht, wie das hatte passieren können? Engel waren nicht dazu vorherbestimmt, sich zu verlieben. Streng genommen waren sie nicht einmal in der Lage dazu. Zeitgleich war es jedoch die einzig logische Begründung für sein Gefühlschaos und das Dilemma in dem er sich befand, denn er glaubte zu spüren, dass er in Dean Winchester verliebt war.

      Die Erkenntnis löste unterschiedliche Empfindungen in ihm aus. Zum einen rief sie eine große Verblüffung in ihm hervor, da er nicht verstand, wie es dazu gekommen war. Zum anderen leistete er zum ersten Mal keinen Widerstand, als die Welle der Zuneigung, die ihn zu überwältigen drohte, sobald er auch nur an Dean dachte, von ihm Besitz ergriff. Obwohl es ihn mit einer tiefen Zufriedenheit erfüllte, kehrten seine Gedanken dennoch unablässig zu den Fragen: 'Wie?' und 'Warum?' zurück. Es lag heutzutage wohl in seiner Natur den Dingen auf den Grund gehen zu wollen. Ein weiterer Beweis dafür, dass auch hier Deans Verhalten auf ihn abgefärbt hatte.

      Je länger Cas darüber grübelte, kam für ihn letztlich nur eine Erklärung in Betracht: ein Cherub musste seinen Dienst an ihm verrichtet haben! Anders wäre sein Zustand nicht vorstellbar.

      Prüfend legte Cas die rechte Hand auf seine linke Brust und versuchte, ob er das Zeichen des Amors mittels seiner Gnade, an seinem Herzen, orten konnte. Still horchte er in sich hinein. Nach einer kurzen Weile gab er allerdings auf, da er keine Resonanz verspürte. Zu seinem Leidwesen bedeutete das jedoch nicht, dass es nicht dennoch vorhanden war. Es war gut möglich, dass die Markierung für ihn - als Betroffenen - verborgen war.

      Seufzend stand Cas auf. Wenn er sicher gehen wollte, dann brauchte er Hilfe. Doch dabei konnte und wollte er nicht auf die Menschen, denen er vertraute, zurückgreifen. Dean sollte lieber nichts von seinem kleinen Problem mitbekommen. Er wollte es so lange wie möglich vor dem Jäger verheimlichen, da er sich sicher war, dass Dean es keineswegs begrüßen würde, von Castiels Gefühlsanwandlungen für seine Person Kenntnis zu haben. Er konnte das peinlich berührte Gesicht des Winchester Jungen beinahe vor sich sehen.

      Nein. Castiel hoffte darauf, die Sache auch ohne die Hilfe der Winchester Brüder oder Bobby Singers aus der Welt schaffen zu können.

      Gedankenversunken ging Castiel seine Optionen durch. Zunächst benötigte er Gewissheit, ob er mit seinem Verdacht richtig lag. Bedauerlicherweise war hierzu ein anderer Engel von Nöten. Es fragte sich, welchem seiner Geschwistern er noch genügend Vertrauen entgegen bringen konnte, um das Risiko einer Begegnung eingehen zu können. Nach sorgsamer Prüfung kam er zu dem Schluss, dass er seinen Bruder Sehagim ins Vertrauen ziehen würde.

      Sehagim war für sein durch und durch friedfertiges Wesen und dessen wahre Reinheit bekannt. Intrigen waren dem Engel fremd. Es war unwahrscheinlich, dass Zachariah ihn in seine Pläne mit einbezogen hatte. Sehagims glockenhelle Stimme und seine zarte Gestalt verhinderten es, aus ihm einen respektablen Krieger zu formen. Durchzogen von der tiefen Ehrfurcht zu Gott widmete Sehagim sich stattdessen der Lobpreisung des Herrn. Seine anmutig klingenden Weisen hatte Castiel immer als angenehm empfunden und ihn gleichzeitig tief berührt. Man konnte sagen, er mochte seinen kleinen Bruder. Auch wenn dieser nicht viel Achtung unter den Soldaten aus Castiels Garnison genoss.

      Langsam stand Castiel auf und klopfte sich den Schnee von der Kleidung. Sehnsuchtsvoll blickte er gen Himmel. Er vermisste es, nach Hause zurückkehren zu können. Nicht alle seine Brüder und Schwestern waren, wie Dean es ihnen unterstellte, 'Ärsche'. Manchmal sehnte Castiel sich danach, wieder mit ihnen vereint zu sein. Immerhin waren sie seine Familie. Mittlerweile hatte er genügend über die Menschen gelernt, um zu wissen, dass auch auf Erden das Familienleben nicht immer harmonisch von statten ging. Aber wenn es darauf ankam, dann hielten die Menschen zusammen – die meisten zumindest.

      Wenn Castiel sich genügend konzentrierte, dann konnte er sogar die Stimmen seiner Geschwister über den – wie Dean es zu nennen pflegte - 'Engels-Äther' empfangen. Schon lange mied er allerdings diese Form der Verbindung, da auch sie somit in der Lage gewesen wären, ihn ausfindig zu machen. Zu viel Kraft und Mühe hatte es ihn gekostet, sich vor ihnen zu verbergen und seine Spuren zu verwischen. Das Ritual war – selbst unter Engelsgesichtspunkten - äußerst schmerzhaft gewesen und Castiel verzichtete lieber darauf, es noch einmal wiederholen zu müssen.

      Seufzend wappnete er sich für den Rückweg. Gerne wäre er noch ein Weilchen länger in der eisigen Wüste des Südens geblieben. Die Stille um ihn herum war wohltuend und Labsal für sein bewegtes Inneres. Doch er wusste, dass er zurück musste. Er konnte sich nicht ewig verkriechen.

      Da der Äther ihm nicht zur Verfügung stand, musste er Sehagim Wohl oder Übel mittels einer Beschwörung herbeirufen. Er war sich sicher, dass dieser ihn im Anschluss nicht verraten würde. Dennoch würde Castiel den anderen Engel vorsichtshalber nicht in der Nähe der Winchesters herbeirufen. Alles was er nun noch benötigte, waren ein geeigneter Ort und die für das Ritual notwendigen Zutaten.

      Mit einem letzten himmelwärts gerichteten Blick des Bedauerns löste Castiel sich in Luft auf.

      **********


      Kurz darauf mischte der Engel sorgfältig die Zutaten der Beschwörungsformel zusammen, ehe er sie entzündete. Sobald das Feuer genügend um sich gegriffen hatte, begann der Raum sich elektrostatisch aufzuladen. Obwohl die ehemaligen Bewohner schon vor langem ausgezogen und der Strom des verlassenen Hauses eigentlich abgeschaltet war, schlugen Funken aus den Steckdosen und ein paar der alten Glühbirnen, die von der Decke hingen, platzten. Ein mächtiges Rauschen, wie von Flügeln, hallte durch den Raum und verstummte ebenso abrupt, wie es zuvor aufgetreten war.

      „Castiel?“ Erstaunen lag in der Stimme seines jüngeren Bruders, als Cas sich zu diesem umdrehte und Sehagim seinen Anrufer erkannte.

      „Sehagim“, bestätigte Castiel dessen Entdeckung mit mehr Besonnenheit in der Stimme, als er tatsächlich empfand. Obwohl er fast hundertprozentig davon überzeugt war, mit der Einschätzung seines Bruders richtig zu liegen, kam er nicht umhin, auf der Hut zu sein. Zu oft war er bereits von den eigenen Geschwistern hintergangen worden und das hatte ihn misstrauisch werden lassen.

      „Es wundert mich, dass du nach mir rufst, Castiel. Du bist ein großes Risiko eingegangen, um mich zu sehen.“ Suchend blickte Sehagim sich um. Für einen Augenblick fragte Castiel sich, wonach er Ausschau hielt, ob sein Bruder sich in einer Falle wähnte, bis ihm klar wurde, dass es die Winchester Brüder sein mussten, die Sehagim bei ihm vermutete. Zu Castiels Erleichterung sprach sein Blick allerdings eher von Neugierde, denn von Feindseligkeit.

      „Ich vertraue darauf, dass du mich kennst und weißt, dass ich mich nie gegen den Willen unseres Vaters auflehnen würde“, fing Castiel an zu erklären und erkannte, dass er Sehagims Aufmerksamkeit hatte. „Aber der Himmel ist gespalten, Der Kampf gegen Luzifer und seine Chargen steht uns bevor und ich benötige deine Hilfe“, fuhr er daher fort.

      „Meine Hilfe?“, wiederholte der junge Engel verwundert. „Wie könnte ich dir von Nutzen sein, Castiel? Ich bin kein ausgebildeter Soldat, so wie du und die anderen Bataillonsmitglieder. Raphael, Anna, Uriel, Zachariah, du und so viele andere unserer Geschwister, ihr wurdet geschaffen, um Gottes Wort und Willen mit dem Schwert zu verteidigen. Ich jedoch bin lediglich dazu ausersehen seinen Worten Klang zu verleihen und seine Taten mit meinem Gesang zu huldigen.“ Bedauern trat in Sehagims Blick. „Ich fürchte, ich werde dir in deinem Kampf keine große Stütze sein.“

      „Ich bin dir bereits dankbar dafür, dass du mich anhörst und mich nicht vorverurteilst“, antwortete Castiel besänftigend. „Doch es ist nicht deines Schwertes Arm, welchen ich benötige. Viel mehr möchte ich dich darum bitten, mir in anderer Form behilflich zu sein.“ Da sein Bruder ihn nicht unterbrach, sprach Castiel weiter: „Ich hege den Verdacht, dass ein Cherub mich mit dem Zeichen der Vereinigung versehen hat.“

      „Warum sollte er so etwas tun?“, fiel ihm Sehagim verwundert ins Wort. Allein die bloße Mutmaßung, dass ein Cherub so etwas … Absurdes...getan haben könnte, war bereits ungeheuerlich. Nur den Menschen war diese Form der Gemeinschaft vorbehalten.

      Einen Moment lang gestattete sich Castiel einen Hauch von Sympathie für die Naivität seines jüngeren Pendant. Gerade jetzt konnte er nachvollziehen, wie Dean sich im Umgang mit ihm oft fühlen musste und wie viel Geduld ihm dabei abverlangt wurde.

      „Das möchte ich herausfinden. Doch zunächst muss ich wissen, ob es tatsächlich so ist, wie ich annehme. Als Gekennzeichnetem, ist es meiner Gnade versagt das Symbol des Cherubims ausfindig zu machen, da es für mich im Verborgenen liegt. Deswegen möchte ich dich bitten, zu prüfen, ob du es am Herzen meiner Hülle ausfindig machen kannst?“ Abwartend blieb Castiel stehen und schaute seinen Bruder an.

      Sehagim war ein Feingeist und von daher war es nicht schwer ihm seine Gedanken am Gesicht abzulesen. Castiel wusste, dass sein Bruder zustimmen würde, noch ehe dieser die Worte laut ausgesprochen hatte.

      „Ich danke dir“, und dies war von Castiel nicht nur so dahingesagt. Langsam trat er an seinen Bruder heran und wartete, bis dieser ihm die Hand auf die Brust gelegt hatte. Als er die Augen schloss und der Gnade seines Bruders Einlass gewährte, verspürte er ein gewisses Maß an Unruhe in sich aufkeimen, da er drauf und dran war sich Sehagim schutzlos auszuliefern.

      Nervosität!, deduzierte er erstaunt, ehe sich sein Geist mit dem Sehagims zu einer Einheit verband. Der ganze Vorgang dauerte nur wenige Sekunden und wurde jäh unterbrochen, als der Jüngere schockiert die Luft ausstieß.

      „Du hast Recht“, keuchte Sehagim, mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Überraschung, als er seine Hand ruckartig zurückzog und ihre Verbindung kappte. „Du trägst tatsächlich die Signatur eines Cherubims an deinem Herzen.“

      „Kennst du seinen Namen?“ Eindringlich schaute Castiel den jüngeren Engel an.

      „Nein. Aber Kerubiel sollte wissen, von welchem Cherub sie stammt und wer in seinem Regiment diese Markierung hinterlässt. Ich werde ihn fragen.“ Ehe Castiel etwas einwenden konnte oder er Gelegenheit hatte Sehagims Eifer zu bremsen, war dieser verschwunden. Skeptisch zog Castiel die Augenbrauen zusammen. Das war bereits das zweite Mal, während ihrer kurzen Begegnung, dass er nicht umhin kam,Vergleiche zwischen sich und dem jungen Engel zu ziehen und allmählich bekam er eine Vorstellung davon, warum Dean manchmal so frustriert im Umgang mit ihm wirkte.

      Zeitgleich würde sich jetzt zeigen, ob er seinem Bruder wirklich vertrauen konnte, oder ob dieser die Gelegenheit nutzen und ihn verraten würde. Cas konnte die innere Anspannung spüren. Noch hatte er genügend Zeit, um von hier zu verschwinden und auch, um Sam und Dean zu warnen...

      Er hatte den Gedanken noch nicht zu Ende geführt, da hörte er abermals das Rauschen von Flügeln. „Es sind die Insignien von Tabris die du trägst“, erklärte der Jüngere ohne Umschweife, rührend darum bemüht, Castiel behilflich zu sein.

      Dann wurde sein Gesicht wieder ernst. „Allerdings verstehe ich nicht, warum ein Cherub einen Engel mit dem Zeichen der Vereinigung versieht. Was will unser Vater damit erreichen?“ Fragend sah Sehagim zu Castiel hinüber.

      „Ich glaube nicht, dass dies im Namen des Herrn geschah“, antwortete Castiel abfällig und sein Gesicht spiegelte seinen Missmut wieder.

      „Wer dann? Und warum?“ Verwunderung sprach aus Sehagims Blick.

      Entschlossen reckte Castiel das Kinn vor. „Zachariah, Raphael, Michael... Jeder könnte versuchen, mich auf diese Weise zu schwächen.“

      „Es schwächt einen, wenn man mit einem anderen in Liebe verbunden ist?“, verlieh Sehagim seiner Verwirrung Ausdruck. Das Konzept der menschlichen Gefühle schien kompliziert zu sein.

      „Nein“, widersprach Castiel, obwohl er eigentlich gar nicht darüber reden wollte. „Nicht nur“, räumte er dann widerwillig ein. „Sie vermittelt einem auch Stärke“, versuchte er zaghaft zu erklären, was er selbst nicht ganz verstand.

      Denn obwohl er, durch seine Gefolgschaft zu Dean und die Ächtung im Himmel, manches verloren hatte, empfand er vieles, was ihm seit dem widerfahren war, auch als einen Gewinn. Die Freundschaft und das Vertrauen, welches Dean ihm heute entgegenbrachte, aber auch der Zusammenhalt der Winchester Brüder hatten Castiel ein neues Verständnis für Werte vermittelt, das ihm vorher fremd gewesen war. Er wusste, dass Dean ihn nie im Stich lassen würde und dass er sich blind auf den Jäger und dessen jüngeren Bruder verlassen konnte. Das war mehr, als er von seinen eigenen Geschwistern behaupten konnte. Doch durch seinen offenkundigen Glauben an Dean und dessen Fähigkeiten, hatte er seinen Feinden überhaupt erst die Möglichkeit eröffnet, hier anzusetzen und dies gegen ihn zu verwenden. Wenn gleich er die Wahl ihrer Waffe immer noch als äußerst ungewöhnlich und wenig Sinn ergebend empfand.

      Auch Sehagim hatte nachgedacht.
      „Du wirst Tabris aufsuchen und ihn befragen. - Ist es so?“ Er erwartete keine Antwort, denn er war sich dessen bereits gewiss. Es war der einzig logische Schritt. Daher kam er direkt zum nächsten Punkt, der ihm viel wichtiger erschien. „Hast du denn nicht gemerkt, als Tabris dich mit seinem Zeichen versehen hat? Wie konnte er dir überhaupt so nahe kommen?“

      „Nein“, erwiderte Castiel ehrlich, da er selbst sich auch schon gefragt hatte, wie das möglich gewesen war? Eigentlich hätte Tabris gar nicht dazu in der Lage sein dürfen, ihn ausfindig zu machen und doch war es ihm gelungen. Abermals lautete die Frage also: Wie?

      „Jemand muss ihm dabei geholfen haben“, gab Castiel zu bedenken und seine Miene verfinsterte sich.

      „Jemand, der trotz deiner Vorsichtsmaßnahmen wusste, wo du dich aufhältst“, stimmte Sehagim ihm zu.

      „Ich werde es erfahren, wenn ich ihm gegenüber stehe.“ Es klang, wie ein unheilvolles Versprechen, aus Castiels Mund, das Sehagim aufhorchen ließ.

      „Sei nicht zu streng, Castiel“, mahnte er ihn daher zur Bedachtsamkeit. „Tabris tat nur, was ihm aufgetragen wurde und du weißt, unser Vater hegt eine gewisse Vorliebe für die Cherubims und ihre kindlichen Gemüter. Verärgere ihn daher nicht“, warnte Sehagim. Dieses Mal sprach offene Besorgnis auf seinem Blick. Er wusste, mit welcher Härte die Soldaten vorgingen, wenn sie in eine Schlacht zogen. Castiel bildete da keine Ausnahme.
      Auch wenn er vielleicht in einigen Dingen anders war, steckte letztlich doch ein kampferprobter Krieger hinter seinem beherrschten Äußeren. Sehagim beging nicht den Fehler, sich darüber hinweg täuschen zu lassen und zu vergessen, wen er vor sich hatte.

      „Ich werde daran denken“, versprach Castiel gleichmütig, während seine Augen weiterhin den Ausdruck der Entschlossenheit beibehielten. Schweigend standen sie einander gegenüber.

      Währenddessen wurde Sehagim sich darüber klar, dass er nichts weiter für seinen Bruder ausrichten konnte. Im Gegenteil, je länger seine Anwesenheit andauern würde, desto größer war die Gefahr, dass man sie entdecken würde.

      „Ich sollte gehen“, durchbrach Sehagim daher das stille Einverständnis zwischen ihnen. Zeitgleich kam ihm der Gedanke, dass dies voraussichtlich das letzte Mal war, dass sie einander begegnet waren und es erfüllte ihn mit Trauer. Castiel war der einzige Soldat gewesen, der ihn respektiert und nicht mit Verachtung gestraft hatte. Schon aus diesem Grund heraus, hatte Sehagim sich ihm verbunden gefühlt.

      Ihm war bekannt, dass der Engel, der ihm gegenüber stand, gesucht wurde und dass es unter Strafe verboten war, mit ihm Umgang zu pflegen. Doch Castiels ruhiges und zurückhaltendes Wesen und das Wissen, um seine tiefe Ergebenheit zu Gott, hatten Sehagim dazu bewegt, sich auf seinen Instinkt zu verlassen und nicht an Castiels Treue zu ihrem Vater zu zweifeln, ihn anzuhören.

      Der Blick in Castiels Inneres hatte ihm Recht gegeben und seine Zweifel bestätigt. Nicht Castiel war es gewesen, der Unrecht begangen hatte. Die Tatsache war jedoch unerheblich geworden, da auch das seinen Bruder nicht mehr zu retten vermochte. Denn neben dem Symbol des Cherubs, hatte Sehagim auch den Grund dafür gefunden, warum die wahre Gestalt seines Bruder an Leuchtkraft verloren zu haben schien. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis auch der letzte Funke seiner Gnade verglühen und Castiel vollends fallen würde. Der Prozess der Ablösung hatte bereits begonnen, auch wenn Castiel dies noch nicht bewusst geworden war. Das machte ihn zu etwas Einzigartigem, da noch kein Engel zuvor seine Gnade unwillentlich aufgegeben hatte.

      Die Tatsache, dass Castiel im Begriff stand zu fallen, hatte für Sehagim einiges verändert. Plötzlich hatte er das Gefühl der Ältere von ihnen zu sein und deshalb eine Entscheidung treffen zu müssen.
      „Ich werde dein Geheimnis wahren“, versicherte Sehagim daher, für sein ansonsten friedvolles Wesen, ungewohnt energisch und gebieterisch. Sein durchdringender Blick zeigte Entschlossenheit und einen Hauch von Unnachgiebigkeit. Respekt einflößend machte er deutlich, wie wichtig es ihm war, dass Castiel seinen kommenden Ratschlag beherzigte.

      „Doch solange deine Suche nach unserem Vater nicht erfolgreich war, solltest du Treffen mit unseren Geschwistern meiden, Castiel. Ich vermag nicht zu sagen, wer unter ihnen dir noch wohlgesonnen ist. Viele schenken den Intrigen gegen deine Person Glauben.“ Ernst schaute er seinem Bruder ins Gesicht.

      „Bis zur Rückkehr des Herrn und mit Michael und Raphael als seine exekutiven Vertreter, solltest du dich bedeckt halten. Erst, wenn im Himmel wieder Recht und Ordnung hergestellt sind, wird dir eine gefahrlose Heimkehr möglich sein.“ Ruhig standen sich die beiden Engel gegenüber.

      Castiel wusste den Rat und die daraus hervorgehende Fürsorge zu würdigen. Seine Situation war schwierig und er war Sehagim für seine Unterstützung dankbar.
      „Ich werde daran denken“, bestätigte Castiel mit einem bedachtsamen Nicken. - „Danke.“ Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, war die Stelle, an der sich kurz zuvor Sehagim befunden hatte, leer.

      TBC...
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      Signatur + Ava by myself


    • So, nachdem mir gestern aus unerfindlichen Gründen die Zeit weggelaufen ist [IMG:http://smiles.kolobok.us/artists/laie/LaieA_055.gif], geht es heute aber weiter. *:D*

      Da hast du dir aber ein paar nette Szenarien für die Fälle ausgesucht. Eine Kissenschlacht im Bettenlager. *lach1* Alleine da läuft mein Kopfkino schon an, doch die Tortenschlacht ist einfach nur herrlich. *lol1* War ja klar, dass Dean der süßen Verlockung noch erliegt und das er Cas damit in echte Probleme bringt, war ein netter Nebeneffekt. *lach*

      Sehr schön finde ich, wie Cas am Südpol die Puzzleteile allmählich zusammensetzt. In vielen FanFictions wird er ja als über die Maßen naiv und unwissend hingestellt und braucht erst jemand, der ihm erklärt was er da fühlt. Bei dir erkennt er es zwar auch nicht auf Anhieb, doch nachdem er sich mal hinsetzt und er darüber nachdenkt, ist ihm schon klar was für Gefühle er da entwickelt und das gefällt mir sehr gut. ^^

      Sowieso finde ich es toll, wie viel Hintergrundwissen ganz nebenbei in der Story mit verflochten wird. So auch, dass Castiel eben einen sehr kalten Ort aufsucht, weil es eben zu dem Planeten passt, der dem Engel Castiel zugeordnet wird.

      Castiel zieht also schon mal die richtigen Schlüsse und macht sich auf die Suche ...

      den Engel den er letztlich auswählt, finde ich sehr sympathisch. *:)*

      Und ich muss dann doch lachen, wenn Cas durch diesen Engel vorgeführt bekommt, was Dean an ihm manchmal so anstrengend oder auch nervig findet. *lol1* Einfach nur Klasse und ich wette Dean hätte das gerne gesehen. *;)*

      Sehr gut gefällt mir hier dieser Wechsel bei Sehagim. Ist es am Anfang noch eindeutig Castiel, der ihm Respekt gebietet, weil er eben ein Krieger ist und einen Ruf hat, so wandelt sich das irgendwie komplett, als Sehagim erkennt was mit Castiel passiert. Und das scheint in Sehagim einen gewissen Beschützerinstink auszulösen, was ihn unheimlich sympathisch macht. ^^

      Jetzt hat Castiel also einen Namen. Doch ich bin gespannt wie es weitergeht, denn vermutlich wollen die Winchester auch eine Erklärung von ihm, warum er so plötzlich verschwunden ist. Und selbst wenn er jetzt weiß, warum er auf Dean so reagiert, kann er es dadurch ja nicht einfach abstellen. *:D*

      Wieder ein tolles Kapitel, mit sehr viel Einblicken in die Gefühlswelten eines Engels. *:D*

      Dann bis zum nächsten Kapi..... *umarm* *heart*
    • Hmm als ich das Kapitel gesehen habe, ging es mir erstmal so: *faint* Ooops, ist das aber lang... sorry, ich habe es auch in zwei Teilen gelesen. Wobei mir der erste am besten gefallen hat. Du hast echt immer Ideen, was die Menschheit durch den Einfluß des Tricksters so alles anstellt. Ich habe sooo gelacht, ne Tortenschlacht in ner Torteneinfrierfabrik oder ne Kissenschlacht auch in größeren Dimensionen! Klasse Mädel. Schön auch die Vorstellung, dass Cas am Südpol gänzliche Ruhe findet und entspannen kann. Wo nimmst du das nur immer her?
      Schade fand ich, dass dieses Mal kein Alwin und auch Dean nicht so richtig in Action mit Cas war, aber Cas musste ja erstmal an den Südpol. sich selbst finden. Was ihm dann ja auch gelungen ist.
      Dass er mit Hilfe seines Bruders nun weiß, was ihm fehlt, oder vielmehr getroffen hat, w-e-r ihn getroffen hat, ist gut, dann kann er dagegen angehen! Und sich auf den Weg der Lösung begeben! *;)* *:D* *thumps*

      *and sometimes I feel that I should go and play with the thunder*
    • Hallo ihr beiden Süßen *winke* , lasst euch beide zuerst einmal richtig dolle drücken für eure beiden supertollen Feedbacks *lieb* . Ihr wißt, wie man das Herz eines Schreiberlings höher schlagen lässt. ^^

      @AngelA.: Boahh, danke, dass du dir diese Mühe mit deinem Review gegeben hast. Das ist absolut spitze. *thumps* *spring*
      Schön, dass dir Sehagim gefällt und er dir sympathisch erscheint, denn genau das wollte ich mit ihm erreichen. Außerdem sollte er sich deutlich von den anderen Engeln abheben, die wir bisher in der Serie so kennengelernt haben. Und ja, ich konnte nicht widerstehen Castiel durch Sehagim so etwas den Spiegel vorzuhalten *lach* , aber da muss Cas nun durch.

      Schön finde ich auch zu lesen, dass die ganze Hintergrundrecherche ihren Anklang findet. Gerade dir muss ich ja nicht erzählen, wie viel Zeit ich damit zugebracht habe, mich durch Seiten mit Engelsmythologien zu arbeiten. Gerade deshalb kam mir dann auch die Idee, dass Castiel eine Vorliebe für den Südpol haben könnte. Denn wenigstens kommen hier die Temperaturen manchmal, wenn auch nur annährend, dem Saturn gleich.

      Übrigens mag ich es auch nicht, wenn Cas überdurchschnittlich naiv und unwissend dargestellt wird. Er existiert seit über 2000 Jahren und auch wenn er nicht sehr viel eigene Erfahrungen mit gewissen Dingen gemacht hat, so hat er doch schon allerhand gesehen. Das sollte ihm eine gewisse Grundlage an Wissen vermitteln, oder? Trotzdem macht es manchmal natürlich auch Spass ihn als ahnungslos hinzustellen und wenn es nur passiert, um Dean eins aus zu wischen - zudem wirkt es bei Cas einfach nur niedlich. *blush* *lach1*


      @Samm: Mensch, vielen Dank dafür, dass du weiterhin so tapfer am Ball bleibst, meine Goldige, und weiterhin so regelmässig kommentierst. Awesome! *umarm*
      Die Kissen- und Tortenschlacht waren einfach Dinge die ich Gabriel blind zutrauen würde. Es passt zu ihm an so etwas Gefallen zu finden. Vor allem die Torten würden dem kleinen Schleckermaul bestimmt in den Kram passen. *:D*
      Wo ich die Ideen dazu immer hernehme? Keine Ahnung... Ich schätze sie schlummern einfach so in mir, aber ich habe einen Heidenspass daran sie mit euch zu teilen *joke*

      Betreffend Alwin und Dean... Naja, leider kann ich sie nicht in jedem Kapitel gebrauchen. Aber das nächste fängt zumindest mit Dean und Sam an. In meiner Arbeitsmappe trägt es allerdings folgende Überschrift: "Die Weise vom Soldaten Gottes und seinem Amor". Muss ich da noch mehr sagen? *8)*

      Es ist Samstag, und so geht es weiter...

      Kapitel 4

      Es war später Nachmittag als Sam und Dean zu dem Waldparkplatz, auf dem sie den Impala abgestellt hatten, zurückkehrten. Beide waren müde und erledigt. Stundenlang hatten sie die umliegenden Wälder nach Spuren eines Wendigos durchkämmt, aber nichts Auffälliges dabei finden können.

      „Ich verstehe das nicht. Laut den Aussagen der Waldarbeiter waren wir an der richtigen Stelle. Wir hätten längst auf etwas stoßen müssen, Dean. Aber nichts. Nicht der kleinste Hinweis darauf, dass hier überhaupt jemals ein Wendigo sein Unwesen getrieben hat. Wenigstens ein paar Kratzspuren an den Bäumen hätten wir doch finden müssen.“ Angestrengt studierte Sam die Landkarte in seiner Hand.

      „Ich weiß auch nicht... Langsam habe ich den Eindruck hier stimmt etwas nicht. Geht es dir nicht auch so?“ Während Dean seinen Bruder über das Autodach des Impalas hinweg nachdenklich betrachtete, öffnete er gleichzeitig die Wagentür.

      „Was meinst du?“, fragte Sam und folgte seinem Beispiel.

      „Na, kommt es dir nicht auch komisch vor? In der Gegend wimmelt es scheinbar nur so von unnatürlichen Erscheinungen. Aber nichts hat wirklich Hand und Fuß. Immer sind es Gerüchte und Erzählungen oder vage Zeitungsartikel, aber nie etwas Konkretes.“ Dean unterbrach sich und wie auf ein stummes Kommando hin stiegen beide Brüder zeitgleich in den Wagen und schlossen die Türen.

      „Du denkst, die Berichte sind eine Täuschung? Aber warum? Was hätte jemand davon?“ Ratlosigkeit zeichnete sich auf dem Gesicht des jüngeren Winchesters ab.

      „Keine Ahnung. Aber überleg mal...“ Automatisch startete Dean den Wagen und rollte vorsichtig von dem Parkplatz, ehe er auf die ruhig daliegende Landstraße einbog und beschleunigte. „Seit Tagen bekommen wir eine Meldung nach der anderen rein. Mal ist es ein Poltergeist in diesem verlassenen Haus, dann eine Frau in Weiß auf jener Landstraße und heute war es ein angeblicher Wendigo in diesen Wäldern.“

      „Immerhin, die Meldung von dem Poltergeist hat gestimmt“, widersprach Sam geistesabwesend, unterdessen er über die Worte seines Bruders nachdachte.

      „Klar, wenn man davon absieht, dass der Spuk, mit dem Abriss des Hauses vor vier Jahren, ein jähes Ende fand, dann hast du natürlich recht. Der Poltergeist war echt!“ Deans Stimme triefte vor Sarkasmus, während er konzentriert weiterfuhr.

      „Es gab aber auch aktuell ein paar echte Ereignisse. Denk nur an die seltsamen Vorgänge in der Bettenfabrik oder an das merkwürdige Verhalten der Leute in der Großbäckerei. Du willst doch nicht behaupten, dass die natürlichen Ursprungs waren, oder?“

      „Nein, aber es kam auch nie jemand wirklich zu schaden dabei, Sam. Glaubst du, dass Dämonen sich mit Kissen- oder Tortenschlachten zufrieden geben würden?“ Dean bedachte Sam mit einem kurzen Seitenblick.

      „Nein, wahrscheinlich hast du recht“, bestätigte der Jüngere grüblerisch und seufzte auf. „Dann sind es also Ablenkungsmanöver“, schlussfolgerte Sam nach einer kurzen Pause. „Aber, warum und vor allem, wofür?“

      „Genau das gilt es herausfinden, Sam. Irgendjemand spielt hier ein falsches Spiel mit uns und ich will wissen, wer das ist!“ Entschlossenheit legte sich auf Deans Gesicht. Grimmig trat er das Gaspedal des Impalas durch und mit aufheulendem Motor jagte der Wagen die Straße entlang.

      **********


      Castiel verlor keine Zeit. Zum Glück hatte er vorausgedacht und auch bereits die Ingredienzien, die er für einen Ortungszauber benötigte, besorgt.

      Schnell war die Schale aufgestellt und alle Elemente zusammengemischt. Herausfinden, wo Tabris sich gerade aufhielt und sich selbst dorthin zu begeben waren ein Vorgang. Im nächsten Augenblick fand sich Castiel im Flur eines Seniorenheimes wieder.

      Im Aufenthaltsraum der Bediensteten entdeckten gerade ein Altenpfleger und eine Krankenschwester ihre Zuneigung füreinander. Ihre verklärten Gesichter waren für Castiel Hinweis genug. Er war am richtigen Ort.

      Als er sich konzentrierte konnte er die Energiesignatur des anderen Engels im Seitenflur spüren. Gleich darauf folgte er ihm. Mit ausgestreckter Hand hielt er Tabris in Schach, während er leise die Worte murmelte, mit denen er den Cherub dazu zwingen konnte sichtbar zu werden.

      „So da Carma Mar à nar. Du musst dich offenbaren!“

      Kaum tauchte der nackte Engel vor ihm auf, begann dieser über das ganze Gesicht zu strahlen, als er Castiel erblickte.
      „Bruder. Wie schön dich zu sehen!“ Mit überschäumender Freude stürzte Tabris auf Castiel zu, dessen finstere Miene er völlig ignorierte.

      Ehe Castiel sich wehren konnte hatte Tabris ihn bereits am Arm geschnappt und ihn zur Begrüßung überschwänglich in eine Umarmung gezogen. Eisern schlossen sich die Arme des Cherubims um Castiels Körper und er fügte sich in das Unausweichliche.

      Federleicht lupfte Tabris ihn in die Höhe und schlenkerte ihn, wie eine Puppe, von rechts nach links, hoch und runter. Eng an den nackten Körper des Amors gepresst wartete Castiel darauf, dass die unangenehme Prozedur ein Ende fand. Als er endlich wieder Boden unter den Füssen hatte, wich er sicherheitshalber einen Schritt zurück. Erst nachdem er eine gewisse Distanz gewonnen hatte, begann er mit seiner Befragung.

      „Warst du es, der mich mit dem Zeichen der Vereinigung versehen hat?“ Düster starrte er den Cherubim an und erwartete eine Antwort. Tabris schien seine Verärgerung jedoch nicht im Mindesten aufzufallen.

      „Freilich war ich das“, gab dieser unumwunden und freudestrahlend zu. Zur Förderung von Castiels Irritation unternahm der Amor nicht mal den Versuch sein Handeln abzustreiten. Im Gegenteil. Mit sichtlichem Stolz grinste der rundliche Engel ihn an und wirkte dabei sehr zufrieden mit sich. „Ein toller Auftrag!“, schwärmte er leutselig. „Eine echte Herausforderung, da du doch so misstrauisch bist... Beinahe wäre es sogar schief gegangen... Zum Glück konnte ich mich gerade noch beherrschen....“, faselte der Cherub zusammenhanglos, ehe er sich unterbrach und Castiel erneut begeistert ansah. „Aber was rede ich da?“ Tabris machte eine wegwerfende Handbewegung.

      „Hier stehen wir und reden die ganze Zeit von mir, dabei bist du es doch, der viel wichtiger ist“, winkte der Cherub ab, um sodann mit offen zur Schau gestellter Freude Castiel anzulächeln.
      „Wie geht es dir, Bruder? Bist du glücklich? Wie fühlt es sich an verliebt zu sein?“ Aufgeregt rieb Tabris sich die Hände und hüpfte dabei von einem Bein aufs andere, so, als ob er die Antwort gar nicht abwarten könnte. Er sprühte förmlich vor Ungeduld.

      „Glücklich?“ Wiederholte Castiel verdattert. Tabris Fragen hatten ihn aus dem Konzept gebracht und für einen kurzen Augenblick vergaß er doch tatsächlich, dass er eigentlich derjenige war, der die Fragen stellen wollte.

      „Wieso glücklich?“ Castiels grimmiger Gesichtsausdruck wandelte sich zu einer Maske des angestrengten Nachdenkens, als er seinen Bruder keinen Moment aus den Augen ließ.

      „Na, weißt du“, tadelte ihn Tabris sanft. „Ich meine, der Herr muss etwas ganz Außergewöhnliches mit dir geplant haben, wenn er einen Cherubim damit beauftragen lässt, dich mit einem Menschen zu vereinigen. - Und dann auch noch ausgerechnet mit Dean Winchester. Wo doch jeder weiß, wie außerordentlich wichtig die Winchester Brüder den himmlischen Mächten sind.“ Verzückt grinste Tabris Castiel an und aus seinem Blick sprach offene Bewunderung. „Das ist Kino, Bruder – gaaaanz großes Kino!“

      „Ich bezweifle nur, dass unser Vater dahintersteckt“, brummelte Castiel missmutig, da ihm Tabris übertriebenes Entzücken auf die Nerven ging und er es immer problematischer fand an sich zu halten. Die überschäumende Energie des Amors prickelte wie tausend feine Nadelstiche auf seiner Haut. Außerdem verstand er das Gleichnis mit dem Kino nicht – und auch dies kratzte an seinem ohnehin reichlich beanspruchten Nervenkostüm. Was hatten seine Gefühle für Dean nun wieder mit einem Filmtheater gemein und wieso beherrschte scheinbar jeder, wirklich ein jeder seiner Brüder - außer ihm natürlich - die Gabe menschliche Metaphern aufzuschnappen und nutzbringend einzusetzen?

      „Wer sonst?“, unterbrach Tabris seine Gedankengänge. Verblüffung lag auf dessen Gesicht, da er endlich Castiels Unmut bemerkt hatte. „Sind wir nicht alle dazu vorherbestimmt seinem Willen zu folgen und diesen zu vollenden?“, hielt er arglos dagegen.

      „So sollte es sein“, bestätigte Castiel zähneknirschend. „Doch ich fürchte, deine Leichtgläubigkeit wurde ausgenutzt, um mir Schaden zuzufügen. Mich zu Schwächen, so dass ich abgelenkt bin und mich meinen Feinden nicht mehr in den Weg stellen kann. Deshalb musst du deine Markierung wieder zurücknehmen.“

      „Aber nicht doch Bruder.“ Mitleidsvoll trat Tabris an Castiel heran und legte diesem mitfühlend eine Hand auf die Brust. Wie konnte sein Bruder nur so fehlgeleitet sein und auf solch absurde Ideen kommen?, fragte sich der Amor. Auf Castiels warnenden Blick hin, nahm er die Hand jedoch runter und fuchtelte kurz mit beiden Armen verlegen in der Luft umher.

      „Ich kann sie nicht wegmachen, selbst wenn ich es wollte“, klärte Tabris bedauernd den anderen auf und schob ein versicherndes „Leider“ hinterher, als sich Castiels Blick daraufhin sichtlich verdunkelte.

      „Wie meinst du das, du kannst nicht“, zischte Castiel mühsam kontrolliert.

      „Na du weißt schon“, holte Tabris aus. „Du kennst doch den Spruch: Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“, zitierte der Amor in einem Singsang die Stelle des Markusevangeliums und grinste ihn vieldeutig an.

      „Du bist kein Mensch und es war auch nicht Gott der uns zusammengefügt hat“, stellte Castiel mit gefährlicher Ruhe klar. „Also mach es rückgängig!“, forderte er erneut und seine Miene verhieß nichts Gutes. Die Zeit für Spielchen war abgelaufen.

      „Ich kann es nicht. Ehrlich!“, beeilte Tabris sich Castiel mit einer schnellen Antwort zu beschwichtigen, da er seinen Fehler erkannte. „Nur Gott selbst oder einer seiner engsten Diener kann die Markierung eines Cherubs wieder rückgängig machen. Ich selbst habe nicht die Macht dazu. Ich schwöre es dir“, versicherte Tabris ihm eindringlich.
      „Aber ich bin mir sicher, dass dir niemand Böses will.“ Zur Bekräftigung nickte Tabris einige Male kräftig mit dem Kopf, ehe er nach einigem Überlegen dazu überging diesen vehement zu schütteln.“Nein!“, verkündete er entschieden und mit Überzeugung.
      „Unser Bruder machte wirklich nicht den Eindruck, als ob er dir schaden wollte“, antwortete der Cherub resolut und wies diesen Gedanken weit von sich. „Ich weiß zwar nicht welchen Zweck er damit verfolgt hat, aber wenn du recht hast und dieser Befehl nicht von unserem Herrn kam, dann solltest du das Ganze vielleicht als eine Art Geschenk betrachten? - Kannst du dich denn nicht wenigstens ein kleines bisschen daran erfreuen?“ Treuherzig schaute Tabris ihn an.

      „Erfreuen?“, wiederholte Castiel lauter als beabsichtigt. „Warum sollte es mich erfreuen?“ Doch dann fiel ihm ein, was Tabris gesagt hatte.
      „Warte...“unterbrach Castiel seine Triade. „Du kennst den Engel, der dir den Auftrag gegeben hat?“ Ungeduldig schaute Castiel den Cherub an. „Wer war es?“

      „Das kann ich dir nicht sagen, Bruder. Du musst verstehen, es wurde mir ausdrücklich...“

      Wer?“, fiel Castiel ihm unwirsch ins Wort. Auch sein Geduld hatte ihre Grenzen und die hatte der Cherub soeben überschritten. Castiels strenger Blick machte deutlich, dass er sich nicht mit weiteren Ausflüchten abspeisen lassen würde.

      „Aber...“, unternahm Tabris dennoch mutig einen Vorstoß, um Castiel hinzuhalten, obwohl er sich sichtlich unwohl dabei fühlte und nervös seine Finger ineinander verknotete.

      Drohend trat Castiel vor ihn.


      Es war das erste Mal, dass Tabris sich mit einem wütenden Engel konfrontiert sah. Genauer, es war das erste Mal, dass er überhaupt mit Wut in Berührung kam. Schließlich war er von Hause aus eine Frohnatur - Gott gewollt, quasi. Das brachte sein Job so mit sich. Wie sollte man auch als depressiver oder gar aggressiver Engel Liebe säen können?... Eben deshalb fehlten ihm diese Eigenschaften. Dennoch, er war durchaus imstande sie zu erkennen, wenn er ihnen begegnete und genau deshalb sagte ihm jetzt sein Instinkt, dass es zu gefährlich war sein Gegenüber weiter zu reizen. Besser war es einzulenken und hinterher zu überlegen, wie er das Ganze wieder gerade rücken konnte.
      „Gabriel... Es war Gabriel,“ gab Tabris ängstlich den Namen preis. Unsicher sah er Castiel an und wartete auf dessen Reaktion.

      „Der Erzengel?“ Castiels Augen weiteten sich vor Überraschung. Diesen Engel hatte er nicht zu der Liste der möglichen Verdächtigen gezählt. Was führte sein Bruder denn nun schon wieder im Schilde? Schwer stieß Castiel die Luft aus. In letzter Zeit machte ihm Gabriel nur Ärger.

      „Natürlich der Erzengel“, bestätigte Tabris leicht schnippisch, da er Castiels Stimmungsumschwung spürte und wieder Oberwasser gewann. „Wie viele Engel kennst du noch die diesen Namen tragen?“ Missbilligend sah er Castiel an. Da er jedoch sprunghaft und nicht nachtragend war, hellte sich seine Laune mit dem nächsten Gedanken sofort wieder auf.

      „Aber stell dir nur vor“, plapperte er aufgeweckt drauflos, erfreut darüber, endlich sein außergewöhnliches Erlebnis mit jemanden teilen zu können. „Selbst Kerubiel hatte noch nicht die Ehre einem Erzengel höchstpersönlich zu begegnen. Immerhin ist er unser Vorgesetzter und erhält seine Direktiven von höherer Stelle, doch dieses Glück wurde auch ihm noch nicht zuteil. Und dann widerfährt ausgerechnet mir...“

      „Um Himmels Willen, Tabris! Kannst du wenigstens für einen Augenblick mal bitte still sein!“ Castiel hatte sich bis dahin zusammengerissen, aber nun war es mit seiner mühsam aufrecht erhaltenen Beherrschung vorbei. Bei diesem Redefluss war es selbst ihm unmöglich einen klaren Gedanken zu fassen. Doch sein nächster Schritt musste wohl überlegt sein und genau darin lag sein Problem, so lange Tabris ohne Unterlass auf ihn einredete. Er konnte nicht nachdenken!
      Der Umgang mit Cherubims war noch genauso ermüdend und anstrengend, wie er es in Erinnerung gehabt hatte. Kein Wunder, dass alle Engel der höheren Ränge sie - wenn möglich - mieden. Er vermutete, dass es an dem zu großen Unterschied zwischen ihren Naturellen lag. Krieger und Kuppler passten wohl einfach nicht zueinander.

      Bestürzt starrte Tabris ihn an und hielt inne. „Sicher“, willigte er schließlich knapp ein. Noch nie hatte jemand gewagt so mit ihm zu sprechen. Trotz des Unbehagens, das Castiel aufgrund seines bedrohlichen Auftretens in ihm hervorrief, konnte er es sich nicht verkneifen diesen wenigstens andeutungsweise in die Schranken zu weisen: „Wobei das noch lange kein Grund ist unhöflich zu werden.“ Gekränkt wandte der Amor sich zur Seite.

      Eigentlich hatte er es gar nicht nötig sich so etwas gefallen zu lassen, dachte Tabris. Castiel hatte schließlich die Information erhalten, wegen der er gekommen war. Sollte sein Bruder doch alleine zusehen, wie er weiter kam. Von ihm würde er jedenfalls nicht erfahren, dass Gabriel auch derjenige war, der das Zeichen der Vereinigung wieder lösen konnte. Sollte er doch selbst darauf kommen. Eingeschnappt ließ Tabris seinen Bruder alleine auf dem Flur zurück.

      Sobald Castiel dies bemerkte, starrte er verdrossen auf die Stelle an der sich, noch Sekunden zuvor, der Cherubim befunden hatte. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Nun hatte er durch seine Schroffheit auch noch Tabris Gefühle verletzt! Hoffentlich kam der zartbesaitete Cherub nicht auf die Idee sich bei Kerubiel über sein Verhalten zu beschweren, denn dann würden zwangsläufig auch seine Feinde von seinem derzeitigen Zustand Kenntnis erhalten, überlegte Castiel besorgt.

      Es ärgerte ihn, dass er die Kontrolle über sich verloren und Tabris damit vergrault hatte. Immerhin hatte er sich erhofft, von ihm weitere Informationen zu erhalten. Vielleicht hätte der Cherub sogar gewusst, wo Gabriel sich gerade aufhielt? Denn nach Tabris' Worten war es für Castiel offenkundig, dass der Erzengel die Lösung seines Problems darstellte. Die Erzengel waren die engsten Diener Gottes, demnach lag es durchaus in Gabriels Macht den Bann des Cherubs aufzuheben. Die Schwierigkeit bestand allerdings darin seinen Bruder erst einmal ausfindig zu machen.

      Aber wie fand man einen Erzengel, der sich seit über tausend Jahren erfolgreich im Verborgenen hielt? Der es geschafft hatte, seinen engsten Geschwistern und auch dem Rest des Himmels sein Ableben vorzutäuschen und der es perfekt verstanden hatte, sich eine neue Identität aufzubauen? Grüblerisch zog Castiel seine Stirn in Falten.

      Was hielt Gabriel davon ab dies erneut zu machen, nun, nachdem er und die Winchesters ihn entlarvt hatten? Es blieb ihm nur zu wünschen übrig, dass dies nicht der Fall war und dass Gabriel seine Spuren nicht völlig beseitigt hatte. Auch Erzengel machten Fehler! Daran musste Castiel glauben. Doch er wusste, dass dies nicht leicht werden würde. Sein Bruder war äußerst geschickt darin falsche Fährten zu legen. Das hatte er oft genug bewiesen. Castiel wollte sich jedoch nicht entmutigen lassen. Er musste Gabriel einfach finden – zu viel hing für ihn davon ab.

      **********



      Zurück in ihrem Motel hatten die Winchester Jungs sofort damit begonnen ihre gesammelten Unterlagen nochmals durchzugehen. Es dauerte nicht lange und sie konnten in den Meldungen ein gewisses Schema entdecken. Es war nicht schwer zu erkennen, wenn man wusste, wonach man Ausschau halten musste.

      Tatsächlich kristallisierte sich immer mehr heraus, dass jedes Mal, wenn sie von zwei, drei Hinweisen ins Leere geschickt worden waren, ein Ereignis folgte, welches tatsächlich stattfand und welches übernatürlicher Ursache war. Egal, wie lächerlich die Vorkommnisse auch sein mochten, so garantierten sie dennoch, dass Sam und Dean weiter an dem Job dranblieben. Es war, als ob ihnen jemand absichtlich von Zeit zu Zeit einen Brocken Fleisch vor die Füße warf, um sie bei Laune zu halten, damit sie nicht auf die Idee kamen ihre Zelte abzubrechen oder gar weiterzuziehen. Es ließ sich nur nicht erkennen, zu welchem Zweck sich jemand diese Mühe machte. Es schien, als ob jemand eine groß angelegte, übernatürliche Schnitzeljagd mit ihnen veranstaltete.

      Dean hatte gerade mit Bobby telefoniert und ihn über ihren neuen Ermittlungsstand informiert. Der alte Jäger hatte versprochen, sie bei ihren Recherchen zu unterstützten und sich genauer mit der Vorgeschichte dieser Gegend auseinander zu setzen. Parallel dazu wollte Sam dem örtlichen Stadtarchiv einen Besuch abstatten. Eigentlich wollte Dean ihn begleiten, doch kaum hatte er das Gespräch mit Bobby beendet, da klopfte es an der Tür.

      TBC...
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    • Soho, das vierte Kapitel habe ich nun auch gelesen, *stolz bin*
      Dean und Sam Winchester, die beiden stochern immer noch im Dunklen, was es damit auf sich hat, zu zig Merkwürdigkeiten herbeigerufen zu werden, die sich dann doch meistens nur als Sackgase rausstellen. Das macht der Trickster Gabriel ja raffiniert, immer ein, zwei richtige Luschen und dann doch der Anschein eines Falles, der sich dann aber doch wieder in Luft auslöst.... tztzt führt die beiden ganz schön an der Nase rum, Saukerl der! *;)* *:D*
      Da ist Cas schon ein Stück weiter, der weiß zumindest nun schon mal, wer ihm die Suppe eingebrockt hat, was ihn auch noch nicht so richtig glücklich macht, weil er seinen erzengelischen Bruder doch erst in die Finger kriegen muss, um ihm die Meinung zu geigen.
      Da hat er wieder ganze Arbeit geleistet, der liebe Herr Bruder, bin gespannt, ob es einen Ausweg bzw. eine Wiederrücknahme des Zeichens gibt...Also ob Gabriel sich dazu herabläßt, diese Teil zurückzunehmen? Bestimmt nicht freiwillig sondern unter Androhung von Prügel.... *lol1* *nein* Und was wir bis dahin noch so alles mit Cas & Co erleben? *seufz*

      *and sometimes I feel that I should go and play with the thunder*
    • Und bevor das WE wieder logeht, gibt es jetzt eine neue Dosis Armor. *:D*

      Ich mag diesen Anfang einfach. Er greift ein so typisches Bild der Serie auf, wie beide sich über das Autodach hinweg unterhalten und dann gleichzeitig einsteigen. Wobei mir dann immer noch der GagReel aus S1 dazwischenfunkt. *blush*

      Aha, aber auch die Brüder sind nun darauf gekommen, dass hinter den Vorkomnissen etwas anderes steckt. Doch ob sie auch die Hintergründe herausbekommen? Wenn ja, steht Gabriel wohl einiges bevor. *lach*

      *lach1* Ich liebe einfach deine Darstellung von Tabris. Von schlechtem Gewissen oder Wut, weil Cas ihn zur Sichtbarkeit gewzungen hat, keine Spur. Stattdessen wieder diese überschwengliche Freude. *rofl*

      Die überschäumende Energie des Amors prickelte wie tausend feine Nadelstiche auf seiner Haut
      Das finde ich ein tolles Bild. Ich kann mir richtig vorstellen, wie es Castiel zunehmend in den Fingern juckt. *lach1*

      *schmunzel* Irgendwie logisch, wie so ein Cherub "gebaut" ist. Aber ich finde es zu herrlich, wie er hier so langsam begreift, dass nun Schluß mit lustig ist. *lach* Der Arme Tabris, irgendwie tut er mir ja leid. *seufz*

      Das Gabriel der Übeltäter ist, überrascht Cas dann doch. Goldig Tabris begeisterung, dass ausgerechnet er von einem Erzengel den Auftrag erhält. *lacht*

      Jetzt hat Cas es aber doch noch geschafft, Tabris zu vergraulen und so entgeht ihm eine wichtige Information. :pinch: Ich bin mir allerdings sicher, dass Cas jetzt als nächstes wohl Gabriel zur Rede stellen wird und darauf freue ich mich schon ungemein. *Hände reib* Vorrausgesetzt, er kann seinen Bruder finden. Allerdings sollte der ja immer noch in der Gegend sein, da er ja die Brüder auf Trab hält. *lach*

      Aha, Cas ist schon von selber drauf gekommen, das Gabriel die Macht hat. ^^ Ich hätte direkt weiterlesen sollen. *;)*

      Man, was für ein gemeines Ende. Wer klopft denn da????? *hyst* Zum Glück ist das WE nicht mehr weit. *:D*

      So langsam zieht sich also die Schlinge um Gabriel zu. Mal sehen wie das noch weitergeht und vor allem, wie lange es Cas noch schafft sich von Dean fernzuhalten. *:D*
    • @Samm: Hey komm her meine Süße und lass dich knuddeln *umarm*. Schön, dass du mir erneut ein paar Zeilen dagelassen hast und du weiterhin so treu die Kapitel liest. *heart*
      So, so, so du möchtest also, dass Cas und Gabriel sich prügeln? :whistling: Na, ich weiß nicht, ob das passieren wird. *blush* Aber die Vorstellung hat schon etwas. *lach1*
      Doch du kennst mich ja mittlereweile ganz gut und weißt, dass ich es Cas und Dean bestimmt nicht zu einfach machen werde. :rolleyes:

      @AngelA.: Wow, wieder so ein tolles, langes Feedback. Du verwöhnst mich, mein Engel. *kiss1* Entschuldige, dass ich dich mit diesem bösen Cliffhanger habe warten lassen. Aber ich konnte der Versuchung einfach nicht widerstehen an dieser Stelle zu unterbrechen. *lach* Und ja, ich weiß, ich böse *luzi* - das sagt mir Emdol auch immer wieder. *lach1*

      Schön übrigens, dass dir Tabris so gut gefällt. Er braucht dir aber nicht leid zu tun, da ihm schlechte Laune wirklich einfach nur fremd ist und er absolut nicht nachtragend ist. Ich bin mir sicher, dass er sich schon wieder gutgelaunt und munter in der Gegend herum zappt und dabei sein Werk vollbringt. [IMG:http://smiles.kolobok.us/artists/mother_goose/MG_182.gif]

      Doch nun will ich euch nicht länger auf die Folter spannen, denn jetzt geht es weiter...

      Kapitel 5

      An dem Punkt, an dem Castiel einsah, dass seine Suche nach Gabriel erfolglos bleiben würde, war sein Verlangen – Dean zu sehen – ins Unermessliche gestiegen. Er konnte das Sehnen nach dem Jäger nicht länger verdrängen. Ein weiteres Indiz dafür, dass er so schnell wie möglich Tabris Markierung wieder loswerden musste. Die Auswirkungen seines Verliebtseins waren bei ihm viel stärker ausgeprägt, als dies bei einem normalen Menschen der Fall sein würde. Er verlor allmählich die Kontrolle über seine Bedürfnisse. Gleichwohl knurrte sein Magen, was ein weiteres Anzeichen für seine neuerliche Unpässlichkeit war. Demoralisiert brach Castiel die Suche ab und schon im nächsten Moment stand er vor Deans Zimmertür. Er brauchte jetzt dessen Gegenwart.

      Nach dem dritten Klopfen öffnete der Jäger endlich. Überrascht zog er die Augenbraue hoch und schaute Castiel ungläubig an.

      „Wann hast du gelernt zu klopfen? Was ist aus deiner Jeannie-Erscheinungs-Nummer geworden? Ich dachte, du liebst es, einfach hinter meinem Rücken aufzutauchen?“ Ein keckes Funkeln trat in Deans Augen, welches Castiel verriet, dass der Jäger wieder einmal dabei war, sich über ihn lustig zu machen. Um dies zu wissen, musste er nicht einmal dieses dumme Jeannie-Gleichnis verstehen.

      Da Castiel jedoch nicht in der Gemütsverfassung war, sich mit Dean anzulegen, überging er die kleine Spitze und kam direkt auf den Punkt. „Hast du Hunger? Gehen wir etwas Essen?“ Mit unbewegter Miene wartete er auf eine Antwort.

      „Du willst...?“, begann Dean verwundert, unterbrach sich dann aber, als ihm bewusst wurde, wie verkrampft Cas wirkte. - Na ja, was bedeutete schon verkrampft? Der Engel war schließlich nie richtig locker. Aber dennoch spürte Dean heute einen Unterschied. Er war sich sicher, dass etwas nicht in Ordnung war und in der Regel konnte er sich auf sein Bauchgefühl verlassen. Außerdem würde es ihn ablenken und auf andere Gedanken bringen. Eine Abwechslung, die ihm willkommen war. Er ertappte sich dabei, dass er sich über Castiels unerwartetes Auftauchen sogar ein wenig freute.

      Die Praxis hatte Dean gelehrt, dass er am Schnellsten erfahren würde, was los war, wenn er auf Cas einging. So griff er nach seiner Jacke, die hinter der Tür hing. Er wechselte ein paar Worte mit Sam und trat dann zu dem Engel hinaus auf den Flur, ehe er die Tür hinter sich ins Schloss zog.

      „Sicher, gehen wir etwas essen.“ Leichthin ging Dean auf Castiels Angebot ein und überspielte dabei gekonnt dessen seltsames Benehmen. „Heute gibt es Kirschkuchen im Diner. Wenn der genauso fantastisch ist wie der Apfelkuchen, dann bedanke ich mich schon jetzt dafür, dass du mich von Sam losgeeist hast, Mann“, quatschte Dean unbefangen los und probierte Castiel in ein belangloses Gespräch zu ziehen. „Sam hat heute mal wieder eine seiner nervtötenden Neunmalklug-Phasen. Du weißt schon... Noch ein kluger Kommentar mehr von ihm und ich hätte ihm wahrscheinlich eine Kugel durch den Kopf gejagt. Mein Glück, dass du aufgetaucht bist.“ Schwungvoll stieß Dean die Moteltür auf und schenkte Castiel dabei ein breites Grinsen. Automatisch schlugen sie die Richtung des Diners ein.

      Castiel wusste, dass Deans Worte eine leere Drohung gewesen waren. Er würde Sam niemals vorsätzlich verletzen. Doch er hatte gelernt, dass dies Deans Art und Weise war sich darüber zu beklagen, wenn Sam ihm mal wieder auf die Nerven fiel.
      Weiterhin hatte er über die Zeit verstanden, dass Dean in solchen Momenten keine wirkliche Antwort von ihm erwartete. Kommentarlos ließ er Dean also gewähren und erzählen. Während er den Ausführungen zuhörte, wie dessen Nachmittag verlaufen war, beobachtete er den Jäger unauffällig von der Seite.

      Magisch blieb sein Blick an Deans Lippen hängen und ein feines Lächeln begann sich um seinen Mund herum abzuzeichnen, indessen sein Herzschlag sich zu beschleunigen schien. Obwohl sich sein Brustkorb plötzlich ungewohnt eng anfühlte und es in seinem Magen auf unerklärliche Weise kribbelte, half ihm Deans Anwesenheit dabei seine Frustration der letzten Stunden zu besänftigen und seine Laune zu verbessern. Mit jeder Minute, die er in der Gesellschaft des Jägers verbrachte, fühlte er sich wohler. Er registrierte den Wandel seines Gemütszustandes und wieder einmal kam er nicht umhin sein Erstaunen darüber – was für einen Einfluss Dean auf ihn hatte - im Stillen zu bekunden.

      Ermuntert kam er am Diner an. Die gute Laune hielt, bis sie dieses betraten und Alwin ihren Pfad kreuzte. Auf diese Begegnung hätte Castiel gerne verzichtet.

      „Ja hallo, wen haben wir denn da?“, rief Alwin zur Begrüßung und grinste Dean gewohnt lasziv an, als er sich ihnen – wie selbstverständlich - in den Weg stellte. „Den Hübschen und seinen Schatten!“ Dann schaute er, bewusst aufgetragen, um sie beide herum, so, als ob er jemanden suchen würde. „Wo habt ihr denn heute Giganto gelassen?“

      „Ach, halt die Klappe“, fertigte Dean den lästigen Kellner knapp ab, der ihm nun schon seit Tagen nachstellte. Während er einfach um ihn herum lief, gab er sich nicht die mindeste Mühe zu verbergen, wie sehr ihm Alwin mit seinen Sprüchen auf den Wecker fiel. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände und instinktiv wählte er den Tisch, der in dem ansonsten leeren Diner am weitesten von Alwin und der Theke entfernt lag. „Wir nehmen zwei Tassen Kaffee und bekommen jeder ein Stück Kirschkuchen,“ rief Dean monoton über die Schulter und schenkte dem Kellner so wenig Beachtung wie möglich.

      Schwer ließ Dean sich auf die Sitzbank fallen. Automatisch wanderte sein Blick zurück zu Alwin, um sich zu vergewissern, dass dieser den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden hatte und ihnen nicht gefolgt war. Erleichtert, da dies der Fall war, blickte Dean auf und sah zu Castiel.

      Dabei bemerkte er, dass auch der Engel sein Augenmerk auf den Kellner gerichtet hatte. Argwöhnisch fixierte er ihn. Dean musste kein Gedankenleser sein, um festzustellen, dass auch Castiel dem Mann mit Vorbehalten begegnete und eine unübersehbare Abneigung gegen ihn hegte.

      „Ja, ich weiß, er ist eine Nervensäge“, versuchte Dean instinktiv Alwin in Schutz zu nehmen und Castiel von dem Mann abzulenken und dabei seine Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen. Da er aus eigener Erfahrung wusste, wie ungesund es sein konnte, die Ungnade eines Engels auf sich zu ziehen. „Aber ich bin mir sicher, der Typ ist harmlos.“

      Die Art und Weise in der Castiel daraufhin die Luft ausstieß ließ vermuten, dass er Deans Einschätzung nicht zu hundert Prozent teilte. Bevor Dean jedoch weiter über die Bedeutung dessen nachdenken konnte, steuerte der besagte Kellner ihren Tisch an. In der Hand hielt er gekonnt das Tablett, auf dem ihre Bestellung ruhte.

      Die dicke Luft am Tisch war beinahe körperlich spürbar. Obwohl Alwin klar sein musste, dass er der Auslöser dafür war, schien ihn das jedoch nicht weiter zu stören. Viel mehr entpuppte er sich als ein wahrer Meister der Ignoranz. Seelenruhig ließ er das Tablett auf den Tisch gleiten und beinahe tollkühn schürte er die ohnehin angespannte Atmosphäre weiter an, als er mit einem süffisanten: „Okay, Süßes für die Süßen“, den Kuchen und die beiden Tassen mit dem dampfenden Kaffee servierte. Dabei kam es schon fast einer Kunst gleich, wie er es verstand, an Deans warnenden Blicken und Castiels finsterem Stieren vorbei zu schauen.

      Der Kerl musste wirklich den Verstand verloren haben, überlegte Dean. Merkte er nicht, dass er mit seinen dummen Bemerkungen Gefahr lief einen handfesten Krach mit ihnen zu provozieren? Dean war gerade ausgiebig damit beschäftigt Alwins Absichten zu hinterfragen, als dieser sich vertraulich zu ihnen hinunter beugte. Verschwörerisch, so, als ob er ihre Privatsphäre wahren wollte, wispert er ihnen zu: „Also ehrlich Jungs...“ Offen wanderte sein Blick von Dean zu Castiel und wieder zurück. „Ich beobachte euch jetzt schon seit Tagen und finde es wirklich ganz erstaunlich, wie ihr zwei umeinander herumschleicht. Gestattet eine Frage: Ist das eine Masche? – Eine Art von Vorspiel? Oder seid ihr wirklich so dämlich?“ Ein Anflug von Selbstzufriedenheit ging über sein Gesicht.

      „Bitte?“, fragte Dean, wenig einfallsreich, da er kaum seinen Ohren trauen wollte. Jetzt reichte es! Der Typ verlangte nach einer Abreibung und nun würde er sie auch bekommen. Er war im Begriff aufzustehen, um Alwin endlich die Leviten zu lesen - ein Bedürfnis, dass ihn nun schon seit Tagen verfolgte - da fiel sein Blick auf Castiel. Eindringlich starrte dieser ihn an und Dean verstand die suggerierte Mitteilung, die dahinterstand. Es fiel ihm schwer sich zu beherrschen und nicht seinem Instinkt zu folgen, doch er zwang sich Ruhe zu bewahren und Castiels Wunsch nachzukommen. Mit Sicherheit hatte Cas Recht, wenn er Aufsehen vermeiden wollte.

      „Ich meine, ich habe schließlich keinen Hehl daraus gemacht, dass ich dich geil finde...“, schmückte Alwin, auf ihr Schweigen hin, seine Ausführungen weiter aus und gönnte sich zum wiederholten Male das Vergnügen, Dean mit seinen Augen zu verschlingen.

      Jetzt war es an Dean, den Engel zu beruhigen. Denn zweifellos hatte dieser seine Meinung hinsichtlich eines Streites geändert. Aufgestachelt, durch Alwins erneute Unverfrorenheit, wollte Castiel aufspringen, doch schnell kam Dean ihm zuvor. Beruhigend legte er seine Hand auf Castiels. Sie wollten immerhin Aufsehen vermeiden – richtig? So war der Plan, aber ein wütender Engel wurde nur sehr selten dieser Anforderung gerecht.

      Es dauerte ein paar Sekunden bis die Anspannung Castiels Körper verließ. Zeit, in der sie nur einander anblickten. Als Dean spürte, dass der Engel seinen inneren Gleichmut wiedergefunden hatte, zog er seine Hand zurück. Stumm nickte Castiel ihm zu und signalisierte ihm seine Dankbarkeit.

      Sie waren so sehr miteinander beschäftigt, dass sie beinahe erschrocken zusammenzuckten, als Alwins Stimme plötzlich neben ihnen ertönte.
      „Genau das ist es was ich meine...“ Wild gestikulierend fuchtelte er zwischen ihnen herum. „Dieses Augen-Ding, das ihr da abzieht... Es sieht doch ein Blinder mit Krückstock, dass du bereits vergeben bist, Hübscher. - Glaube mir, ich weiß, wann es an der Zeit ist das Feld zu räumen.“ Bedauernd schüttelte Alwin den Kopf, während er theatralisch einen Schmollmund zog.

      „Wir haben keine Ahnung wovon du eigentlich redest. Also verzieh dich, solange du es noch kannst, okay?“, knurrte Dean warnend. Mittlerweile wollte er den Kerl einfach nur noch loswerden.

      Aber einmal angefangen, hatte Alwin offensichtlich nicht die Absicht sie im Unklaren zu lassen, oder sie von seinen wirren Rückschlüssen zu verschonen. „Es ist doch offensichtlich, man braucht euch ja nur anzusehen“, setzte der Kellner geduldig an und Dean kam zu dem Ergebnis, dass er doch lebensmüde sein musste! Gequält verzog der Jäger das Gesicht, ehe Alwin hilfsbereit dazu überging die entstandene Verständnislücke auszufüllen.

      „Schließlich liegt es doch auf der Hand. Niemand hat eine Chance einen von euch beiden herum zu bekommen, solange ihr nur Augen für euch habt. - Dabei ist es jedoch erstaunlich, dass ihr das immer noch nicht zu kapieren scheint.“ Missbilligend schnalzte Alwin mit der Zunge. „Wie lange soll das noch so weiter gehen, hmm?“

      Zur Hochform aufgelaufen, deutete er auf Castiel. „Ich meine, schau ihn dir doch nur einmal an!“ Ungewollt folgte Deans Blick der Geste.
      „Mister Schweigsam hier... Er betet ihn an, den Boden unter deinen Füßen und du bemerkst es nicht einmal.“ Alwin schenkte Dean einen tadelnden Blick.
      „Dabei sind deine Gefühle für ihn mindestens so offenkundig wie seine für dich!“, verkündetet der Kellner laut, da er sich in Rage geredet hatte. Frustriert warf er die Arme in die Höhe.
      „Verdammt, tut der Welt und euch einen Gefallen, sucht euch ein Zimmer und macht es endlich miteinander, ja? So was kann man ja nicht mit ansehen!“ Ohne eine Reaktion abzuwarten, schnappte Alwin sich sein Tablett und eilte, weiterhin vor sich hin schimpfend, von dannen.

      „Was zum Henker...?“ Fassungslos schaute Dean ihm hinterher. Alwins Auftritt hatte ihm tatsächlich für den Moment die Sprache verschlagen und was der Typ für einen Stuss erzählt hatte! Was glaubte der Kerl nur, wer er ist?
      Geistesabwesend griff Dean zur Gabel und nahm sich ein Stück seines Kuchens. Kopfschüttelnd schob er es sich in den Mund, während ihm Alwins Worte durch den Sinn gingen. Natürlich mochte er Castiel, fast ebenso, wie er Sam mochte. Aber nicht auf die Weise, wie Alwin es ihm unterstellte. So ein Schwachsinn! „Hast du das gehört?“, fragte Dean amüsiert. „Ich glaube, der Kerl spinnt“, stellte Dean fest, da er das Bedürfnis hatte zu reden. „Erst schmeißt er sich tagelang an mich heran und als er merkt, dass er damit nicht durchkommt, reimt er sich irgendwelchen Mist zusammen.“ Belustigt, da diese absurden Behauptungen keine andere Reaktion verdienten, fuhr Dean mampfend fort: „Aber der wirkliche Hammer ist, dass der Kerl glaubt, dass du...“ Breit grinsend schaut Dean endlich beim erzählen von seinem Kuchen hoch und sein Blick wanderte zu Castiel.

      Unbehaglich schaute dieser zur Seite. Die Art, wie er den Blickkontakt zu Dean mied und wie er sich unstetig mit der Hand den Nacken rieb, sprachen Bände. Diese Geste kannte er doch..., schoss es Dean in den Sinn.
      Castiel sah aus, wie das personifizierte schlechte Gewissen. Ertappt!, war wohl die Umschreibung, die es am besten traf, bemerkte Dean. Erschrocken blieb Dean der Bissen im Hals stecken, als er realisierte, dass Alwin die Wahrheit gesprochen hatte – zumindest was Castiel betraf. Überrumpelt verschluckte er sich. Kaum hatte er sich gefangen, presste er im Anschluss atemlos ein etwas brüchig klingendes „Cas?“ hervor. Mit aufgerissenen Augen starrte Dean seinen Freund an.

      Das andauernde Schweigen, in welches sich Castiel hüllte, verstärkte Deans ungutes Gefühl.
      „Nein. Sag bitte nicht, dass das wahr ist“, forderte Dean den Engel völlig perplex auf. „Du hast jetzt nicht irgendwelche Gefühle für mich entdeckt!“ Flehend schaute Dean Castiel an. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Bitte, lass das nicht wahr sein!, betete Dean im Stillen.

      „Es ist nicht so, als ob ich eine Wahl dabei gehabt hätte, okay!“, konterte Castiels mit ungewohnter Bissigkeit, da er sich in die Defensive gedrängt fühlte. Seine dunkle Reibeisenstimme klang eine Spur rauer als sonst und der unterschwellige Vorwurf war unüberhörbar.

      „Na wundervoll! Wahrscheinlich behauptest du jetzt gleich, dass ich...“, brauste Dean auf, ehe er abbrach, da er verarbeitet hatte, was Castiel andeuten wollte.

      „Was soll das heißen: du hast keine Wahl gehabt?“ Müde rieb Dean sich mit der Hand über das Gesicht. Auffordernd schaute er Castiel an. „Soll das heißen, mein Charme alleine war nicht überzeugend genug für dich?“ Spöttisch grinste Dean den Engel an, nie um einen Spruch verlegen.

      „Nein, war er nicht“, antwortete Castiel verhalten und bedachte Dean mit einem strafenden Blick. „Das war das Werk von Gabriel.“ Stumm schaute Castiel den jüngeren Mann an.

      „Und?“ Ungeduldig hob Dean die Hände, um den Engel zum Weitersprechen zu bewegen. Er hasste es, wenn er Castiel jede Information einzeln aus der Nase ziehen musste.

      „Vielleicht solltest du besser Sam anrufen? Ich denke, wir werden seine Hilfe und seinen Laptop brauchen“, entgegnete dieser, ohne jedoch mehr Preis zu geben.

      Für ein paar Sekunden maßen sie sich mit Blicken. Da Cas jedoch keine Anstalten machte, sein Schweigen zu brechen, gab Dean schließlich nach und zückte sein Handy.

      Das Gespräch mit Sam verlief kurz. Nachdem Dean es beendet und sein Handy weggesteckt hatte, entschlüpfte ihm ein lang gezogener Seufzer. „Zufrieden?“

      Castiel blieb ihm die Antwort schuldig.
      Es war Dean nicht wirklich recht, dass er seinen Bruder zu dem Gespräch hinzurufen sollte. Viel lieber hätte er sich Castiels Geschichte erst einmal alleine angehört und hinterher entschieden, ob er Sam dort mit hineinziehen wollte. Die Vorstellung, dass Sam nun erfahren würde, wie Castiel zu ihm stand, bereitete ihm Magenschmerzen. Wobei er selbst ja noch gar nicht wusste, was es mit Cas „Gefühlen“ auf sich hatte. Alles was er wusste, war, dass der Engel sich merkwürdig verhielt und dass dies in irgendeiner Weise mit Gabriel in Verbindung stand.

      Doch alle Erfahrungen die mit Gabriel oder dem Trickster im Zusammenhang standen, hatten bisher einen unangenehmen Beigeschmack für ihn parat gehalten. Warum sollte es also dieses Mal anders sein? Unwillig verzog Dean das Gesicht.

      Der Kerl hatte wirklich Nerven! Gerade eben hatten sie ihm noch einen Gefallen getan und ihn unbehelligt vom Haken – oder besser, aus dem Feuer - gelassen und schon hatte er den nächsten Streich für sie parat. Beim nächsten Mal würde er bestimmt nicht mehr soviel Nachsicht üben und dem verdammten Kerl einfach seinen hinterhältigen Arsch abfackeln.

      „Hey Leute, was ist los?“ Neugierig schaute Sam sie an, ehe er neben Castiel Platz nahm.

      „Gabriel! Das ist los“, schnaubte Dean sichtlich verärgert. „So wie es aussieht haben wir ein gottverdammtes Erzengel Problem“, regte Dean sich auf. „Es ist nicht zu fassen, doch der Mistkerl hat scheinbar irgendein krummes Ding mit Castiel abgezogen.“

      Neugierig wandte Sam seinen Blick Castiel zu. „Und was?“ Kritisch unterzog er den Engel einer musternden Prüfung. Da er aber nichts Auffallendes an ihm entdecken konnte, hielt er sich wieder an seinen Bruder.

      „Tja, genau da liegt der Hund begraben, Sam. Ich weiß es nicht, da Cas nicht reden will.“ Entrüstet, aber auch eine Spur weit verletzt, starrte Dean den Engel an.

      „Dean...“begann Castiel in einem Tonfall aus dem hervorging, dass er um dessen Verständnis warb. Der Jäger zeigte sich jedoch unberührt davon und so beließ es Castiel nach einer zögerlichen Pause dabei. Wenn Dean auf stur schaltete, erkannte Castiel, dann war er für Argumente sowieso nicht zugänglich. Erst recht nicht, wenn er sich übergangen fühlte. Daher beschloss Castiel, seinen beiden Freunden einfach zu berichten, was sich aus seiner Sicht zugetragen hatte. Natürlich gestaltete sich das nicht ganz so einfach, wie er es sich das in der Theorie vorgestellt hatte.

      Zum einen hatte er unterschätzt, wie viel Unbehagen es ihm bereiten würde, Dean seine Empfindungen zu gestehen, diese überhaupt laut aussprechen zu müssen. Mehr als einmal fühlte er sich äußerst unwohl in seiner Haut und kam deshalb bei seinem Bericht ins stocken, wenn er sich mit Deans Skepsis konfrontiert sah. Zum Glück konnte er sich in solchen Situationen auf Sam verlassen. Der jüngere Winchester sprang ihm hilfreich zur Seite, in dem er Castiels Aussagen relativierte, wenn dieser - durch eine unbedachte oder zu drastische Wortwahl - mal wieder Deans Wohlbefinden aus dem Gleichgewicht gebracht hatte.

      Zum anderen beanspruchte es seine volle Aufmerksamkeit sich nicht zu versprechen und nicht versehentlich zu viel zu verraten. So gab er zwar zu, dass Gabriel für seinen Zustand verantwortlich war, in dem er den Auftrag dazu erteilt hatte. Er verschwieg aber, dass es ein Amor gewesen war, der den Befehl ausgeführt hatte.

      Castiel kannte die Vorstellungen der Menschen hinsichtlich des Erscheinungsbildes eines Cherubims und dessen Aufgabe. Die Neuigkeit, dass es diesen Liebesboten des Herrn, wenn auch in etwas abgewandelter Form, tatsächlich gab und welche Rolle er in Gabriels Spiel eingenommen hatte, behielt Cas vorerst lieber für sich. Er bezweifelte, dass Dean momentan mit dem Gebaren des Amors zurecht kommen würde. Daher sparte er sich das besser für eine andere Gelegenheit auf. Zum Glück war Dean durch seine Empörung über Gabriel weit genug abgelenkt, um nicht genauer nachzufragen, wie das Ganze exakt von Statten gegangen war. So blieb es ihm erspart darauf näher einzugehen. Dennoch war Castiel alles in allem froh, als er es endlich überstanden und er Dean und Sam die Geschichte erzählt hatte.

      „Das soll heißen, dass Gabriel, der Dreckskerl, dich mit meinem Fluch belegen ließ, damit du leidest und du dich in mich verlieben musstest?“, fasste Dean nochmal entgeistert Castiels Worte zusammen, kaum, dass dieser geendet hatte. Er konnte es einfach nicht glauben. Das war doch krank!

      „Dean, es ist kein Fluch dich zu lieben“, korrigierte Castiel ihn mit sanfter Nachsicht. Wissend schaute der Engel ihn an.

      Unwillkürlich schauerte es Dean. Typisch, dass Cas die implizierte Aussage, in seiner Frage, nicht entgangen war, und dass er sie auch nicht unkommentiert im Raum stehen gelassen hatte. Er fragte sich, wann Cas endlich dazu bereit sein würde einzusehen, dass er nicht der Held in schimmernder Rüstung war, für den der Engel ihn immer hielt.

      „Ich kenne eine Menge Frauen, die das anders sehen würden“, erwiderte Dean trocken und desillusioniert. Sein Gesichtsausdruck verriet Cas jedoch, dass er wusste und anerkannte, was Castiel ihm gerade zu verstehen gegeben hatte.

      „Schön“, unterbrach Sam sie energisch, bevor diese Unterhaltung drohte noch merkwürdiger für ihn zu werden, als sie es ohnehin schon war. „Wenn das geklärt ist, sollten wir uns daran begeben Gabriel ausfindig zu machen. Welche Spuren hast du bisher verfolgt, Cas?“ Auffordernd schaute Sam den Engel an. Sein Blick bettelte förmlich darum, dass Cas den Spielball begriff und auffing. Zu seiner großen Erleichterung funktionierte es und kurz darauf waren die Drei völlig in ihre Recherchen und die Anzeigen auf Sams Laptop vertieft.

      TBC...
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    • Was soll ich sagen? Das war ein Kapitel so ganz nach meinem Geschmack, endlich mehr "Aktion" und nicht so viel Erklärung, die zwar auch nötig ist, aber ich mag lieber, wenn was geschieht und sei es nur verbal! Ich finde deshalb auch diese ganze Interaktion zwischen Cas, Dean und Alwin sehr gelungen. Alwin ist echt so ne Type, der haut es immer raus, macht aus seinem Herzen keine Mördergrube, sondern sagt, was er denkt! Klasse geschreiben! *thumps* :love: Und endlich traut sich Cas, Dean reinen Wein einzuschenken. Der ist zwar erst geschockt über den Inhalt des Gehörten, doch ich bin überzeugt, dass sie zusammen mit Sam, Gabriel das Handwerk legen werden. Und vielleicht fliegen dann wenigstens noch so ein bißchen die Fetzen?! Ich würde mich freuen.... *freu*
      Ich bin echt gespannt, wie dieser "Streich" von Gabriel endet....

      *and sometimes I feel that I should go and play with the thunder*
    • Da bin ich wieder. :D

      Hah, wie von mir vermutet wird der Drang Dean wiederzusehen so langsam übermächtig. Sehr gut. *HÄnde reib* Und auch interessant, dass bei einem Engel diese Begleiterscheinungen scheinbar stärker zu Tage treten, als bei einem Menschen. Oder kommt es dem Engel nur so vor, weil Gefühle sowieso für ihn Neuland sind? *kratz* Interessante Frage....

      Was mir hier gefällt ist dieses Wechselspiel zwischen Dean und Cas. Jeder für sich hat gelernt auf die Eigenarten des anderen einzugehen und mit diesen richtig umzugehen. Was nur wieder zeigt, wie vertraut sie doch mittlerweile miteinander sind. Finde ich schön und dadurch das du erwähnst was beide hier jeweil über den anderen gelernt haben und es nicht einfach als selbstverständlich schreibst, kommt das auch gut heraus. *:)*

      Armer Cas, kaum steigt seine Laune, läuft ihm Alwin über den Weg. *lol1* Mich freuts natürlich. *:D*

      Giganto.... *lach1* Sehr passend.

      Dabei kam es schon fast einer Kunst gleich, wie er es verstand, an
      Deans warnenden Blicken und Castiels finsterem Stieren vorbei zu
      schauen.
      Ich mag Alwin einfach. *lach* Kann mir die Szene im Dinner richtig vorstellen.


      Dieses Augen-Ding was ihr da abzieht. *lach1* Und sofort hat man die vielen Stellen der Serie im Kopf, wo die beiden stumm kommunizieren. *:D* Alwin bringt es echt auf den Punkt und vielleicht rafft nun sogar mal Dean, was da nicht stimmt. *;)*

      „Verdammt, tut der Welt und euch einen Gefallen, sucht euch ein Zimmer
      und macht es endlich miteinander, ja? So was kann man ja nicht mit
      ansehen!“ Ohne eine Reaktion abzuwarten, schnappte Alwin sich sein
      Tablett und eilte, weiterhin vor sich hin schimpfend, von dannen.
      *prust* Jetzt tut mir Alwin sogar ein wenig leid. *lol1*

      ERTAPPT.....klasse. Die ganze Situation kann man so richtig vor sich sehen und ich finde es herrlich, wie Dean so langsam realisiert, wie es um Cas steht und wie dieser fast schon eingeschnappt reagiert. *schmunzel*

      Ich wette Sam wird sich köstlich darüber amüsieren, vor allem wenn er merkt, wie unangenehm Dean das alles ist. *:D* *weiterliest*

      Schön wie Sam hier als Katalysator wirkt und es Cas leichter macht, alles zu erzählen. Hrmm, fast alles. Den Armor behält Cas ja für sich. *schmunzel*

      Und ich mag es, dass es da diesen kurzen Moment zwischen Dean und Cas gibt und witzig, wie schnell versucht Sam davon abzulenken. *kicher*

      Jetzt bin ich mal gespannt, wie sie den Erzengel aus seinem Versteck treiben wollen. ^^
    • @Samm: und @AngelA.:
      Hallöchen ihr beiden,

      lasst euch einmal ganz tüchtig durchknuddeln, dass ihr so treu dabeigeblieben seid und mir für jedes Kapitel so fleissig ein Review dagelassen habt. Ihr seid wirklich spitze ihre beiden. *freu* *yahoo* *lieb*

      @Samm:
      Ja, ja, ich weiß, dass ich die Tendenz dazu habe mich Tod zu philosophieren. :rolleyes: Aber ich bin mächtig stolz auf dich, dass du bis hierher durchgehalten hast. *spring* Das letzte Kapitel wird erneut ein auf und ab sein, aber ich bin mir sicher, nichts anderes hast du von mir erwartet. *lach*

      @AngelA.:
      Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Gefühlswelt für Engel absolutes Neuland sind, dass sie sie verstärkt empfinden. Ich werde Cas mal fragen, wenn ich ihn das nächste mal sehe. *;)* *lach1*
      Alwin ist wirklich eine Nummer für sich und ich liebe es, wie er sowohl Dean als auch Cas bis aufs Blut reizt. Ich freue mich jedenfalls riesig, dass sein Character bei dir so gut ankommt. ^^

      Zu Dean und Cas... Gerade in der fünften Staffel hat es mir gefallen, wie sich ihre Freundschaft langsam entwickelte. Sie bekamen allmählich ein Gefühl füreinander und entwickelten gleichzeitig ein gewisses Verständnis füreinander. Diese Entwicklung beider Charactere fand ich sehr schön und manchmal finde ich es schade, dass diese stille Übereinkunft entlang des Weges etwas verloren ging. :pinch: - Ich sage nur: 6. Staffel!

      Doch jetzt will ich euch nicht länger auf die Folter spannen. Hier nun das letzte Kapitel...

      Kapitel 6

      Nachdem sie ihre Nachforschungs-Ergebnisse miteinander verglichen und die Spuren soweit ausgewertet hatten, waren sie sich darüber einig, dass es wohl Gabriel war der hinter allen Vorkommnissen der letzten Tage stecken musste. Sowohl die Kissen-, als auch die Tortenschlacht passten zu seiner Trickster-Persönlichkeit. Sie trugen förmlich seine Handschrift und so lag die Vermutung nahe. Jetzt mussten sie ihn nur noch ausfindig machen. Was einfacher gesagt, als getan war!, erkannte Dean, da er Realist war. Der Erzengel würde es ihnen bestimmt nicht leicht machen.

      „Kann ich euch noch irgendetwas Gutes tun, Jungs?“ Unbemerkt war Alwin an ihren Tisch gekommen. Mit perfekter Unschuldsmiene pendelte sein Blick von einem zum anderen, so, als ob nie etwas geschehen wäre. Offensichtlich hatte er sich wieder gefasst, stellte Dean erleichtert fest, wobei sein Argwohn jedoch geweckt war. Aus diesem Grund fertigte er den Kellner ab, bevor dieser die Gelegenheit hatte mehr zu sagen.

      „Danke“, grummelte der Jäger, „wir sind bereits bedient. Wir rufen, falls wir etwas benötigen sollten.“ Sein Tonfall duldete keinen Widerspruch.

      „Ist ja schon gut“, lenkte Alwin zu Deans großer Überraschung ein und hob dabei defensiv die Hände. „Ich gehe ja schon.“ Obwohl Dean nicht ernsthaft damit gerechnet hatte, machte Alwin seine Ankündigung wahr. Wortlos drehte sich der Kellner um und ging zurück an seinen Tresen. Erleichtert schaute Dean ihm nach.

      Doch vielleicht war es genau dieses uncharakteristische Verhalten oder einfach nur sein Instinkt, der Dean misstrauisch werden ließ. Auf alle Fälle beobachtete er Alwin weiter. Dies sollte dazu führen, dass er mitbekam, wie der Mann unter der Theke eine Tüte mit Bonbons hervor holte, ehe er sich eines davon mit einem genüsslichen Grinsen in den Mund warf. Eine Geste die Dean nur allzu vertraut vorkam.

      „Das glaube ich jetzt ja nicht!“ Vor Zorn bebend stand Dean auf und mit weit ausholenden Schritten stapfte der Jäger geradewegs auf die Theke zu. Ärgerlich packte er Alwin an seinem Hemd und bevor dieser sich versah, drückte Dean ihn gegen das Regal in dessen Rücken. Zum Glück befanden sich zu diesem Zeitpunkt keine anderen Gäste im Diner, sonst hätte einer von ihnen mit Sicherheit jetzt die Polizei gerufen.

      Sam und Castiel, die Deans Handeln sprachlos verfolgt hatten, tauschten einen verständnislosen Blick aus, ehe auch sie sich erhoben und Dean folgten. Dicht neben den beiden Männern blieben sie stehen.

      „Ich wusste, dass ich das noch bereuen würde...“, zornig funkelte Dean den vor ihm stehenden Mann an. Zur Untermalung seiner Worte drückte er seinen Arm noch ein Stückchen weiter durch. Es störte ihn nicht, dass er Alwin dabei beinahe erstickte.

      „Ich weiß gar nicht wovon du sprichst, Mann. Ich habe dir doch bereits gesagt, dass ich dich in Zukunft in Ruhe lassen werde“, quetschte Alwin mühsam hervor, da ihm gewaltsam die Luft aus der Lunge gepresst wurde.
      „Aber wenn du deine Meinung geändert haben solltest...“ Ein verzerrtes Lächeln formte sich auf Alwins Gesicht.

      „Selbst jetzt noch zum Scherzen bereit, nicht wahr?“, erwiderte Dean und ein kalter Ausdruck trat in seine Augen. „Ich hätte dich töten sollen, als ich die Gelegenheit dazu hatte, du Bastard.“ Dean gab Alwin die Zeit die Worte auf sich wirken zu lassen. „Keiner würde in deiner Situation noch Witze reißen, außer er wüsste, dass niemand ihm etwas anhaben kann. Richtig, Alwin?“ Erneut machte Dean eine Pause, dann ließ er die Katze aus dem Sack: „Oder sollte ich besser Gabriel zu dir sagen?“Unbewegt wartete Dean auf eine Antwort.

      „Was? - Nein! - Was redest du denn da?“, stammelte Alwin und kämpfte das erste Mal gegen den Jäger an. Obwohl er von der Größe her nicht viel kleiner als Dean, jedoch von seiner Statur her wesentlich schmächtiger als der andere Mann war, hatte er gegen den durchtrainierten Jäger nicht den Hauch einer Chance.
      Hilflos gab er auf. Verzweifelt wandte er sich an Sam und Castiel: „Hey, könntet ihr mal bitte euren Pitbull hier zurückrufen?“

      Sams und Castiels Schweigen waren Dean Antwort genug. Mit dem Rückhalt seines Bruders und seines Freundes, verzog sich sein Mund zu einem feinen aber diabolischen Lächeln. „Na gut, wenn ich mich irren sollte und du nicht Gabriel bist, dann hast du sicher nichts dagegen, wenn wir jetzt ein kleines Freudenfeuer, mit dir als lebende Fackel, veranstalten. Sollte ich mich irren, dann wird dir nichts geschehen. Falls ich allerdings recht habe...“ Schalkhaft blitzen Deans Augen auf.

      „Moment! Jetzt gehst du zu weit.“ Mit fester Stimme gebot Alwin dem älteren Winchester Einhalt. Doch im nächsten Moment war es nicht mehr der Kellner der vor Dean stand, sondern Gabriel hatte seinen Platz eingenommen und schaute ihn streng an.

      „Wusste ich es doch“, murmelte Dean und hob drohend die Faust.

      „Ah-ah“, mahnte Gabriel ihn und wackelte warnend mit seinem Zeigefinger vor Deans Gesicht herum. „Das würde ich an deiner Stelle nicht tun.“ Herablassend grinste er den Jäger an.

      Dean war drauf und dran seiner Wut dennoch freien Lauf zu lassen und wider besseren Wissens etwas Unvernünftiges zu machen, als unerwartet aus dem Hintergrund Castiels Stimme ertönte.

      „Warum, Gabriel?... Warum?“ Gemäßigten Schrittes trat er an die beiden streitenden Männer heran. Sobald er in Deans seitlichem Sichtbereich auftauchte, gab dieser den Erzengel frei. Automatisch tauschten sie die Plätze. Aufmerksam behielt Castiel seinen Bruder im Blick, während Dean sich an Sams Seite zurückzog.

      Gabriels Blick richtete sich auf Castiel, dessen Gesicht Enttäuschung signalisierte.

      Für einen kurzen Augenblick machte es den Eindruck, als ob Gabriel ihn verhöhnen wollte. Doch dann besann er sich scheinbar eines Besseren und ging auf Castiels Frage ein: „Warum nicht, Bruder? Werte es als ein Zeichen meiner Dankbarkeit.“

      „Dankbarkeit?“, wiederholte Castiel, wie vor den Kopf gestoßen und wusste nicht, wie er das verstehen sollte.

      „Hey, immerhin habt ihr mich gehen lassen. Da dachte ich, dass ich euch etwas schuldig bin. Ich wollte euch einen Gefallen erweisen.“ In einer Geste der Unschuld hob Gabriel die Hände.

      Verwundert mischte Dean sich ein: „In dem du Castiel mit einem Bann belegen lässt?“

      „Na ja, ich gebe zu, der Plan war vielleicht nicht perfekt“, räumte Gabriel großzügig ein. „Aber es ging ja auch nur darum euch aus eurem Dornröschenschlaf zu reißen, so dass diese dämliche Schmachterei meines Bruders endlich ein Ende findet. Er sollte in die Offensive gehen.“

      „Ach, und du meinst, ich hätte darin kein Wörtchen mitzureden, oder was?“ Dean war sich nicht sicher, ob er verärgert oder beleidigt reagieren sollte. Seine innere Stimme flehte ihn jedoch geradezu an die Klappe zu halten und sich aus der Unterhaltung der Brüder heraus zu halten, da er sonst vielleicht mehr zu hören bekam, als er verdauen konnte. Doch wer hörte schon auf die Stimme der Vernunft, wenn er einem großspurigen Erzengel gegenüber stand? Gabriels Art reizte ihn, wie einen Stier das rote Tuch. Er musste ihm einfach Kontra geben.

      „Du?“ Freudlos lachte Gabriel auf. „Du bist ein schier unerschöpflicher Quell an unverarbeiteten Gefühlen. Meist spielst du herunter, was du für die Menschen in deiner Umgebung empfindest. Warum sollte ich ausgerechnet dir die Chance auf Mitsprache geben?“ Abschätzend blickte Gabriel den Jäger an.
      „Castiel andererseits hatte keine Ahnung was in ihm vorging und so verhalf ich ihm zu einer kleinen, privaten Lehrstunde. Zugegeben, die Mittel derer ich mich bediente waren vielleicht etwas ungewöhnlich, doch schließlich sollte mein Spaß dabei nicht völlig auf der Strecke bleiben.“

      Für Deans Geschmack genoss der Erzengel diese Unterhaltung eine Spur zu sehr. Wütend machte er einen Schritt nach vorne. Beschützend drängte er Castiel zur Seite. „Du hast ihn gezwungen...“, polterte Dean los, als ob der Engel nicht länger persönlich anwesend wäre.

      „Nein“, fiel Gabriel ihm herrisch ins Wort. „Ich habe nur intensiviert, was ohnehin bereits in ihm vorhanden war. Was glaubst du wohl, warum ich nur ihn mit dem Zeichen der Vereinigung versehen ließ? Auf diese Weise hatte er immer noch die Wahl. Sobald er gelernt hatte, was seine Empfindungen bedeuteten, konnte er diese Gefühle annehmen und danach handeln, oder sie weiterhin ignorieren und alles so belassen, wie es bisher war... Es hat die Wahl! - Auch wenn ich nicht verstehe, was er an dir findet.“ Verächtlich rümpfte Gabriel die Nase. „Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten und wenn es Cassie Boy glücklich macht, mir dir...“

      „Es reicht. Schluss jetzt!“ Laut und mit ungewohnter Strenge in der Stimme unterband Castiel die Auseinandersetzung der beiden Männer, ehe diese weiter eskalieren konnte. Er hatte genug gehört und sie hatten seine Geduld bereits über Gebühr strapaziert.

      Abrupt hielten die beiden Streithähne inne und verdutzt starrten sie Castiel an. Zu selten kam es vor, dass der Engel energisch wurde. Doch der Moment der Unbeherrschtheit war bereits vergangen. Hoch erhobenen Hauptes schritt Castiel an Dean vorbei und ohne den Jäger eines weiteren Blickes zu würdigen nahm er wieder seinen Platz vor Gabriel ein.

      „Ich verstehe, warum du das getan hast, Gabriel. Aber ich versichere dir, dass ich diese Art von Hilfe nicht nötig habe“, eröffnete Castiel ruhig seinem älteren Bruder.

      „Sicher hast du das“, seufzte Gabriel und setzte eine melodramatische Grimasse auf. „Und das weißt du auch!“ Selbstsicher grinste er seinen Bruder an.

      „Das ist kein Spiel, Gabriel. Die Zeiten, in denen du mich mit deinen unorthodoxen Lehrmethoden in die Irre führen und meine Unerfahrenheit zu deinem Vorteil nutzen konntest, sind vorbei. Ich bin kein Frischling mehr und die Tage, in denen ich dein Schüler war, gehören der Vergangenheit an. “

      Verblüfft tauschten Sam und Dean einen Blick aus. Hatten sie das gerade richtig verstanden? Gabriel war einstmals Castiels Lehrer gewesen? Wenn man den Erzengel heute betrachtete, dann war es nur sehr schwer vorstellbar, Gabriel als einen Lehrer mit Vorbild-Charakter zu sehen.

      „Nein, das bist du nicht mehr“, stimmte Gabriel ihm nachdenklich geworden zu und für einen Augenblick legte sich ein Ausdruck des Bedauerns auf sein Gesicht. „Du bist erwachsen geworden und hast dich dafür entschieden an ihrer Seite zu kämpfen“, erkannte er an und deutete mit einem Kopfnicken auf Sam und Dean. „Das respektiere ich. Ehrlich. Du hast viel Mut bewiesen, in dem du dem Himmel den Rücken gekehrt hast, Castiel. Aber das heißt nicht, dass du alleine bleiben musst. Mit meiner Hilfe...“

      „Es geht mir gut“, übernahm Castiel unbewusst den Sprachgebrauch des Jägers und unterbrach Gabriels Rede.

      „Sicher!“, pflichtete Gabriel ihm bei und gab sich nicht einmal die Mühe seinen Sarkasmus zu verbergen. Wen wollte Castiel hier eigentlich täuschen?

      „Bitte, Gabriel. Was immer du geglaubt hast zu sehen, ist nicht da. Jedenfalls nicht in der Form, wie du es Dean und mir unterstellst. Ich leugne nicht, dass ich zu Dean Winchester eine tiefgreifende Verbindung habe, die seit den Tagen, da ich seine Seele aus der Hölle befreit habe, sogar noch gewachsen ist. Doch sie beruht auf meinen Glauben an ihn und seine Fertigkeiten, diese Welt zu retten - nicht auf körperliches Begehren. Durch dein Einschreiten hast du dieses Band manipuliert und einen körperlichen Aspekt hinzugefügt, den ich für unangebracht empfinde und der mir unangenehm ist. Es lenkt mich ab, weil meine Gedanken ungewollt zu Dean schweifen, was in meinen Augen ebenfalls eine Schwäche darstellt. Wenn 'Lieben' bedeutet, die Kontrolle über sich zu verlieren, dann verstehe ich nicht, warum dieser Zustand so vielen als erstrebenswert erscheint?“, versuchte Castiel die frustrierenden und nicht besonders erquicklichen Erfahrungen der vergangenen Tage in Worte zu fassen. „Ich kann daran jedenfalls nichts Gutes entdecken“, kam Castiel zu dem endgültigen Schluss.

      Schweigend standen sich die beiden Engel gegenüber und schließlich war es Gabriel, der als Erster wieder zu sich fand. „Du bist wirklich ein hoffnungsloser Fall, Cassie“, seufzte der Erzengel und verzog ernsthaft bekümmert das Gesicht. „Aber ich hätte wissen müssen, dass so etwas profanes wie Liebe nicht an dich heranreicht. Du warst früher schon der eher grüblerische Typ und bevorzugtest die Einsamkeit der Gesellschaft uns anderer. Das hat dich von je her zu etwas Besonderem gemacht, schätze ich.“ Gabriels Stimme war leise geworden. Der Zyniker in ihm war verschwunden. Wahrscheinlich hatten die Erinnerungen an seine Familie und das Gespräch mit Castiel ihn milde gestimmt, vermutete Dean. Mit einem Ausdruck, den der Jäger nicht anders als 'liebevoll' bezeichnen konnte, lächelte Gabriel seinen jüngeren Bruder an.

      Davon ermutigt wagte Castiel einen Vorstoß und machte sich die Gunst der Stunde zu nutzen: „Wirst du mich von der Markierung erlösen?“ Intuitiv lehnte Castiel den Kopf zur Seite. Abwartend und mit großen blauen Augen schaute er seinen Bruder hoffnungsvoll an.

      Mit großer Sicherheit war es von Castiel nicht beabsichtigt, doch Dean wusste, welche fatale Wirkung diese alberne aber zugleich kindlich anrührende Geste auf jemanden haben konnte. An Gabriels Gesichtsausdruck konnte Dean erkennen, dass auch der Erzengel nicht immun dagegen war. Es stimmte ihn auf unerklärliche Weise versöhnlich.

      „Wenn es das ist, was du willst...“, antwortete Gabriel, da er einsah, dass er seinen Bruder nicht dazu zwingen konnte, den ihm unwillkommenen Eindrücken eine Chance zu geben. Auch wenn der Erzengel mit dem momentanen Geschmack seines Bruders nicht besonders glücklich war, so hatte er doch gehofft, dass es Castiel vielleicht langfristig dazu verhelfen würde einen Menschen finden, dem er sich öffnen konnte. Castiel stand im Begriff zu fallen und Gabriel verstand, wie kein Zweiter, was es hieß, sich plötzlich in ein Menschendasein einleben zu müssen und kein Aufsehen zu erregen. Der einzige Unterschied zwischen ihm und Castiel bestand darin, dass er seine Kräfte nach seiner Flucht behalten hatte. Ein Vorteil, der ihm die Umstellung wesentlich erleichtert hatte.

      Sein Bruder würde diesen Vorzug jedoch nicht genießen können. Aus diesem Grund war es wichtig, dass er lernte in seiner Umwelt zurecht zu kommen und hierbei wollte Gabriel sich nicht alleine auf die Winchesters verlassen. Dean Winchester war nicht der Einzige hier, der einen jüngeren Bruder hatte und dem dessen Schicksal am Herzen lag, denn auch ihm bedeutete seine Familie alles. Selbst wenn es nicht immer den Anschein haben mochte. Gabriel würde auch in Zukunft Castiel nicht völlig aus den Augen verlieren.

      Castiel nickte seinem Bruder stumm zu. Das war es was er wollte und er konnte nur hoffen, dass Gabriel ihm seinen Wunsch gewährte.

      „Na gut. Aber ich hoffe, du weißt, was du da tust...“ Ein letztes Mal erwiderte Gabriel seinen intensiven Blick. Dann hob er die Hand, schnipste mit den Fingern - und war weg.

      „Verdammt, was ist passiert?“ Suchend stürzte Dean zu der Stelle an der Gabriel gerade eben noch gestanden hatte. Auch Sam schaute wild um sich. Hatte dieser Bastard es gewagt, sie abermals hereinzulegen?

      „Nichts“, antwortete Castiel ruhig und es war ihm klar, dass Dean dies als Erklärung unzureichend finden würde. Seine Mundwinkel schoben sich sanft nach oben. Deans Reaktion sollte nicht lange auf sich warten lassen.

      „Was soll das heißen: Nichts? Ist alles in Ordnung mit dir?“ Fürsorglich legte Dean dem Engel eine Hand auf die Schulter. „Ich meine, hat der Mistkerl wenigstens...“ Irritiert musterte Dean ihn mit zusammengekniffenen Augen.

      „Es ist alles in Ordnung, Dean“, beruhigte Castiel den Jäger. „Gabriel hat die Markierung der Vereinigung entfernt. Ich denke, er wollte mit seinem Verschwinden nur sicherstellen, dass du ihn nicht doch noch in einem Ring aus heiligem Öl gefangen setzt.“

      „Gut, das heißt, du hast keine ungewöhnlichen Gefühlsanwandlungen mehr für mich, richtig?“ Deans beinahe schon flehender Gesichtsausdruck, entlockte Castiel einen Anflug von leichter Erheiterung, während der Jäger ungeduldig seine Bestätigung abwartete.

      „Nein. Alles ist wieder völlig normal, Dean.“ Castiel schmunzelte Dean versichernd an.

      „Gott sei Dank!“ Erleichtert stieß Dean die Luft aus, die er unbewusst angehalten hatte und zog dabei seine Hand von Castiels Schulter. Er war froh, dass der ganze Spuk vorbei war. Er wollte nur noch so schnell wie möglich raus aus dem Kaff und die ganze Sache hinter sich lassen.

      Automatisch streifte sein Blick Sam und stumm forderte er ihn zum gehen auf. Folgsam kamen Sam und Cas seiner stillen Aufforderung nach und gemeinsam strebten sie auf den Ausgang des Diners zu. Es tat gut in die gewohnte Routine zurückzufallen, dachte Dean. Jedoch machte er sich keinerlei Illusionen darüber, dass Sam ihn so einfach vom Haken lassen würde. Im Gegensatz zu ihm hatte Sam mit Sicherheit Redebedarf und wollte darüber sprechen, was in den letzten Tagen geschehen war und was sie alles erfahren hatten. Dean wusste, wie hartnäckig dieser werden konnte und dass es für ihn daraus kein Entrinnen geben würde. Er hasste es, wenn er über seine Gefühle sprechen sollte und alleine die Vorstellung brachte ihn ins Schwitzen. Dieses Gespräch war definitiv nichts, dem er entgegen fieberte.

      „Ich sollte gehen“, verabschiedete sich Castiel, sobald sie die Straße betreten hatten. Die ungewohnte Nervosität, die den Engels in den letzten Tagen begleitet hatte, war verflogen und zu Deans Beruhigung machte es den Anschein, als hätte er zu seiner alten Ausgeglichenheit zurückgefunden. Entspannt schaute er sie an.

      „Wir melden uns, wenn wir wissen, wohin wir von hier aus weiterfahren“, erwiderte Sam und blieb stehen, um den Engel besser ansehen zu können.

      Zustimmend senkte Castiel den Kopf, dann waren die Brüder allein.

      **********


      Eisige Kälte und ein rauer Wind empfingen Castiel, als er sich auf einem Plateau, am Südpol, in einer Schneewehe zum Sitzen niederließ.

      Behaglich zog Castiel die Beine an den Körper. Gelöst blickte er in die Ferne, da die Minusgrade ihm nichts anhaben konnte. Im Gegenteil. Er mochte es, wenn der Wind mit seiner unbändigen Kraft den Schnee wild vor sich hertrieb. Es war ein Naturschauspiel dem er gerne beiwohnte.

      Seit langer Zeit war er zum ersten Mal wieder mit sich selbst im Reinen. Denn heute hatte Castiel eine wichtige Entdeckung für sich gemacht und seinen älteren Bruder wiedergefunden. Außerdem war er sich sicher, in seinem Kampf um die Erde, einen neuen Verbündeten gewonnen zu haben...

      Ende

      A/N: Vielen Dank an alle die bis hierher mitgelesen und/oder mir ein Feedback dagelassen haben. Ich hoffe, die Story hat euch gefallen, denn sie war gleichzeitig meine vorläufig letzte deutschsprachige Story, zumindestens im SPN Fandom. Da ich mich künftig wieder mehr an englischsprachigen Geschichten versuchen möchte, hoffe ich, man liest sich irgendwann und irgendwo einmal wieder. *:)* Mit meinen Fanarts bleibe ich euch aber weiterhin erhalten - also nur keine Bange. *:D*
      [IMG:http://abload.de/img/1hobbit3jqjzf.jpg]
      Signatur + Ava by myself