Sherlock - Dritter Fall

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    • Sherlock - Dritter Fall

      Der Frühling ist da und Sherlock auch wieder. *;)* Er bekommt seinen dritten Fall - ich wünsche viel Spaß beim Miträtseln! *rose*


      1. Kapitel: Springtime in London

      „Frühlingsgefühle?“
      Sherlocks Mundwinkel zuckten belustigt. Gemächlich spazierte er mit John durch den Regent's Park, der sonnendurchflutet vor ihnen lag. Der April lud neben regnerischen Tagen heute geradezu zum Flanieren ein. Ganz langsam trauten sich die Knospen heraus, um im warmen Licht zu wachsen und die abwechslungsreiche Jahreszeit einzuläuten.
      Der Winter, der mit vielem Schnee und so bitterkalt über London hereingebrochen war, war Geschichte. Nun war es wieder Zeit, länger an der frischen und klaren Luft zu verweilen und sich auf den kommenden Sommer zu freuen.
      „Ja, das sind Emotionen, bei denen dem Betreffenden Schmetterlinge durch den Bauch flattern, die ein Hochgefühl verursachen, bei denen man glücklich ist.“
      Sherlock blinzelte in die Sonne.
      „Wenn das so ist, dann habe ich durchaus manchmal welche.“
      John blieb abrupt stehen.
      „Sie scherzen“, lachte er, was ihm einen langen Blick von Sherlock einbrachte.
      „Solche Gefühle habe ich, wenn ich einen Fall aufgeklärt habe“, rechtfertigte sich dieser. „Das könnte man ganz und gar vergleichen.“
      John schloss kurz die Augen und hielt sein wintermüdes Gesicht hinauf in die Strahlen der Sonne.
      „Wenn Sie es so beschreiben, könnte man es so sehen“, gab er nach.
      Jede Gefühlsregung von Sherlock war besser als gar keine. Wenn es ihm eine gewisse Befriedigung verschaffte, sogar eine Art von Hochgefühl vermittelte, wenn er einen schier unlösbaren Fall enträtselt hatte, dann sei es so.
      „Wie geht es denn Stella?“, erkundigte sich der Detektiv bei John.
      „Als wenn Sie das nicht wüssten. Sie analysieren mich doch schon den ganzen Morgen.“
      War John etwa verärgert? Sherlock besaß nicht die nötige Feinfühligkeit, um das Gespräch galant auf Johns Trennung zu bringen, also wollte er sich nach dem Wohlergehen der Frau erkundigen, was aber nun nach hinten losgegangen war.
      „Wollen Sie darüber reden?“, fragte Sherlock.
      Seine blauen Augen durchbohrten John geradezu, so als wollten sie ihn nötigen, dies zu tun.
      „Nein, das möchte ich nicht. Und überhaupt: Was gibt es denn da noch zu besprechen? Es ist aus, und Sie wissen das auch.“
      Sherlock straffte den Rücken und legte einen schnelleren Schritt ein.
      „Dann lassen Sie uns einen Tee trinken.“
      Das war alles? Kein aufmunterndes Wort? Nun, John kannte seinen Mitbewohner sehr gut und deswegen kreidete er es ihm auch nicht an, diese Herzenssache so leicht zu übergehen. Sherlock konnte nicht anders oder wollte er etwa nicht anders sein?
      John hatte keine Lust, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Er folgte Sherlock, der ein Straßencafè ansteuerte, und freute sich auf den heißen Tee, dem er viel Zucker beifügen würde.

      Plötzlich ertönte ein Schrei. Sherlock drehte sich blitzartig herum, schaute durch die noch blattlosen Bäume, über die Wege und frisch gepflanzten bunten Beete. Genau dorthin, woher der Schrei gekommen war. Menschen rannten in die besagte Richtung, eine Traube bildete sich um irgendetwas, das am Boden lag. Das Vogelgezwitscher war kurzzeitig verstummt, dann hob es scheu wieder an. John lief Sherlock nach, dessen Jagdinstinkt schon wieder geweckt war. Wie ein Jäger stürzte er sich auf seine Beute, den Umstand erahnend, dass etwas passiert war, was den Detektiv auf den Plan rief.
      „Entschuldigen Sie bitte“, sagte er zu der Menge, die sich aufgrund seiner Gestalt und der Stimmlage allmählich teilte.
      „Wir sind von der Polizei.“
      Fast, dachte John, fast.
      Vor ihnen lag eine Frau, in einen dunklen Mantel gehüllt. Sie hatte die Augen geöffnet, blickte starr auf die Wiese und ihre Hände lagen verkrampft auf der Erde. Die Finger waren in einem unnatürlichen Winkel wie Krallen in ihrer Bewegung eingeschlafen, nichts ließ darauf schließen, wie sie umgekommen war. Aber es gab keinen Zweifel: Sie war tot.
      „Kein Blut, jedenfalls kein sichtbares“, sagte Sherlock mehr zu sich selbst, während John die Polizei anrief.
      „Lestrade ist gleich da“, informierte er Sherlock, der um die Leiche herumschlich, und die neugierige Meute immer wieder ermahnte, nicht so nahe heranzukommen, um keine Spuren zu verwischen. Er nahm seine Lupe zur Hand – für einen Augenblick sah er Molly vor sich, wie sie ihm das nützliche Geschenk überreicht hatte, aber der Moment war zu kurz, um nachhaltig in seinem verwinkelten Gedächtnis zu bleiben – und er suchte nach Anhaltspunkten, die beim Eintreffen der Polizei übersehen werden könnten.
      „Bitte bleiben Sie alle hier“, bat John die Anwesenden. „Sie sind wichtige Zeugen.“
      Manche nickten, andere wollten gehen, wurden aber zurückgehalten. Eine Frau hielt sich die Hand vor der Mund und schluchzte.
      „Haben Sie gerade geschrien?“, wollte Sherlock wissen.
      Sie nickte leicht.
      „Und?“
      John schaute Sherlock bei seinen Ermittlungen zu, die ihm schon so vertraut waren. Der Detektiv suchte jeden Millimeter der Kleidung ab, betrachtete die Fußspuren um die Tote herum und zog sich Gummihandschuhe an, als auch schon Lestrade um die Ecke bog.
      „Haben Sie die immer mit?“ John zeigte auf Sherlocks Hände.
      „Man weiß nie, wozu sie nützlich sein können, oder?“

      Lestrades Männer schirmten die Schaulustigen ab und drapierten das Absperrband provisorisch in einem breiten Kreis. Nach und nach trafen weitere Polizeibeamte ein, die professionell ihre Arbeit verrichteten. Die Leiche wurde vor den Blicken verborgen, das Untersuchungs-Team rückte an. Man nahm die Zeugen zur Seite, notierte nacheinander das Gesehene und die Namen, sowie die Adressen. Es war sehr wichtig, dies gleich zu tun, denn durch so ein Ereignis verschwamm viel vor dem geistigen Auge. Schon einige Zeit später konnte man sich nicht mehr an alles erinnern, was half, das Erlebte nachzuvollziehen.
      Der Gerichtsmediziner verdrehte genervt die Augen, als er Sherlock mit seiner Lupe herumhantieren sah.
      „Holmes, das ist meine Aufgabe“, knurrte er. „Würden Sie nun bitte das Feld räumen?“
      Sherlock blickte auf.
      „Das Feld räumen? Mein lieber Graves, wir sind nicht im Krieg, und ich räume gar nichts.“
      Lestrade ahnte, was sich hier anbahnen würde. Ein Machtkampf zweier selbstverliebter Gockel. Die beiden waren sich noch nie grün gewesen, das wusste er.
      „Sherlock, bitte machen Sie Platz“, sagte er laut und bestimmt.
      Sherlock steckte seine Lupe in die Manteltasche, rieb sich die Hände und ging einfach davon. Lestrade blickte ihm überrascht nach.
      „Warten Sie“, rief er.
      „Warum denn? Sie brauchen mich doch nicht.“
      „Sie und John waren als erste am Tatort, wir brauchen ihre beiden Aussagen. Außerdem wüsste ich gern, was Ihnen alles aufgefallen ist.“
      Er zückte seinen Notizblock und schaute Sherlock erwartungsvoll an. Dieser schien abzuwägen, was er ihm sagen wollte.
      „Nun gut, es gab einen Schrei, daraufhin rannten die Leute zu dem Ort des Verbrechens, inklusive John und ich. Ich untersuchte sofort die Leiche, das war alles.“
      Lestrade atmete tief durch.
      „Sie hatten Ihren Spaß, wir brauchen Sie, und nun rücken Sie schon mit der Sprache heraus. Bitte.“
      Offensichtlich genoss Sherlock das kleine Spiel, Lestrade betteln zu sehen.
      „Eine Frau, Mitte vierzig, die aus der gehobenen Gesellschaft stammt, darauf lassen die Schuhe und der Mantel, sowie die teure Tasche schließen, brach vor ungefähr 12 Minuten zusammen. Es sieht nicht nach einem Diebstahl aus, denn die Tasche ist verschlossen und liegt unter ihr. Falls es doch so sein sollte, würde ich mich schwer irren. Ihre Finger sind verkrampft, nirgendwo ist Blut. Auffallend ist, dass sie einen Anstecker mit einer Sonnenblume trägt. Ob der was zu bedeuten hat? Ich vermute, dass sie spektakulär zu Tode kam.“
      Lestrade hörte auf, mitzuschreiben.
      „Und wie?“
      „Suchen Sie nach einer Einstichspur an ihrem Körper, dann sehen wir weiter.“

      ***

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Lucy ()

    • Sehr schön, es gibt Nachschub in Sachen Sherlock! Springtime in London, ein schöner Titel!
      Ich finde es immer wieder gut, wie zufällig du Sherlock in seine Fälle "Flanieren" lässt! So ganz zufällig und plötzlich ist er mitten im Geschehen und reißt den Fall schon gleich mit geübtem Auge an sich! Klasse Lucy! *thumps* Was er schon wieder alles nach 12 Minuten zusammengetragen hat und kombiniert hat, ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, was da auf uns zu kommt! *tea* Ich machs mir mal bequem in deinem Thread, damit ich hier nichts verpasse! *umarm* Danke, dass dich deine Muse wachgeküßt hat! *;)* *:D*

      *and sometimes I feel that I should go and play with the thunder*
    • *thumps* Oh eine neue Story! Sehr schön, fängt schon mal gut an, bin gespannt auf mehr.
      "A life is like a garden. Perfect moments can be had, but not preserved, except in memory.LLAP"
      “Don’t you dare think there is anything, past or present, that I would put in front of you.”


      *rose* Sig by angelinchains
    • Was seh' ich denn da? [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/Girlies/smilie_girl_073.gif] Ein neues Sherlock Abenteuer, da bin ich doch auch dabei!
      Sehr schöner Anfang, Lucy, man ist sofort mitten drin im Geschehen. Ein rätselhafter Todesfall ist genau das Richtige für Sherlock, klar dass er sich gleich darauf stürzt. [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_be_134.gif]
      Ich bin schon sehr gespannt, was da alles auf ihn (und uns) zukommt. *thumps*
      *tea*
    • Oh, wie schön, dass Ihr wieder dabei seid! *lieb* Freue mich sehr darüber! Ganz lieben Dank für Eure Kommis! *rose*
      Sherlock stolpert einfach so in seine Fälle, das muss ihm erst einmal einer nachmachen! *:D*

      2. Viele Verdächtige

      „Der Mann dort hat eine Kamera in der Hand!“
      Sherlock wies auf einen korpulenten Touristen, der ein Bild nach dem anderen machte. Der Londoner Stadtplan lugte aus seiner Gesäßtasche heraus, neben ihm stand eine kleine Frau, wahrscheinlich die seinige, die ihm Tipps gab, was er noch nicht auf Bilder gebannt hatte.
      „Schau mal, man kann unter der Absperrung durchsehen“, kreischte sie mit einem schottischen Akzent.
      Lestrade schüttelte den Kopf. Gerade wollte er Sherlock fragen, wie er darauf gekommen war, dass die Tote eine Einstichspur am Körper haben sollte, da lenkte ihn der Detektiv ab. Er gab einem seiner Leute ein Zeichen, und unter Gezeter und Protest nahm man dem Pärchen die Leica-Kamera ab und die Personalien auf.
      „Diese Aasgeier“, schimpfte Lestrade.
      „Vielleicht sind es hilfreiche Aasgeier“, gab Sherlock zu bedenken. „Ich habe die beiden schon vorhin gesehen, wie sie Fotos machten.“
      Er nickte Lestrade zu, ging zu dem Polizisten und entwendete ihm die Kamera, woraufhin dieser nun wieder protestieren wollte, aber Lestrade rief, dass alles in Ordnung sei. John trat hinter Sherlock, als dieser sich durch die Bilder scrollte.
      „Viele Leute, sehr viele Leute...“ Sherlock sah sich die Aufnahmen genauestens an, aber sogar für ihn war es kein Leichtes, irgendetwas Interessantes zu erkennen. Noch nicht.
      Er gab dem Polizisten den Fotoapparat zurück und nahm sah sich im Park nochmals um. Jedes Detail, jedes Geräusch, versuchte er sich einzuprägen. John stellte sich neben ihn und schien den Boden abzusuchen.
      „Was sehen Sie?“ Sherlock wartete geduldig, bis sich John gesammelt hatte.
      „Kaum Fußabdrücke, es hat lange nicht geregnet und man trägt schon leichte Schuhe, keine Stiefel mehr. Ich glaube, dass die Tote hier umgebracht wurde. Sie tippen auf Gift, oder?“
      Sherlock sagte nichts, verzog leicht den Mund und ließ John weiter reden.
      „Natürlich könnte es auch sein, dass das Gift, sofern es so sein sollte, länger gebraucht hat, um zu wirken. Mehr kann ich im Augenblick nicht sagen.“
      „Das gefällt mir schon ganz gut.“ Der Detektiv nickte bekräftigend.
      „Vielleicht wollte der Mörder Zuschauer und hat es deshalb hier getan, anstatt sie im stillen Kämmerlein umzubringen. Denn wohin sollte ein Opfer laufen? Dann verschloss man doch die Tür und lässt es nicht mehr heraus. Und sie wirkt nicht wie eine Amazone, die sich durch irgendwelche Kung-Fu-Tricks zu helfen wusste.“
      „Wir haben den Ausweis der Frau gefunden.“
      Lestrade hob ihn hoch.
      „Cathleen Hatcher, eine Frau aus den besten Kreisen. Und...“
      „Die Gattin des Politikers Melvin Hatcher“, sagten John und Sherlock unisono.
      „Genau, mir war sie gleich bekannt vorgekommen. Der Einstich erfolgte übrigens am Hals, die Haare haben ihn verdeckt.“
      Bewundernd blickte John seinen Mitbewohner an. Es hätte auch ein Herzschlag oder eine andere natürliche Todesursache sein können, aber die gekrümmten Finger hatten Sherlock sogleich verraten, dass es ein todbringendes Serum gewesen sein musste, das die Frau umbrachte. Respekt.
      „Ich möchte die Fotos vergrößert sehen.“
      Das war keine Bitte, sondern ein Befehl, den Graves mit einem Knurren beantwortete. Hatte er seine Ohren überall? Er war schließlich hier, um die Leiche eingehend zu untersuchen, nicht um sich einzumischen, was Sherlock wollte oder auch nicht. Die beiden verhakten ihren Blick kurz ineinander, Graves dunkle Augen, das Einzige, was man von seinem Gesicht erkennen konnte – der Mundschutz verdeckte den Rest – schienen Blitze in Sherlocks Richtung zu feuern.
      „In Ordnung“, lenkte Lestrade ein.
      Was blieb ihm übrig? Manchmal kam er sich selbst wie ein Amateur vor, obwohl er die beste Ausbildung genossen hatte. Neben Sherlock wirkte er, so wie die gesamte Londoner Polizei, wie die oberste Dilettantentruppe der Nation. Wobei er trotzdem kein schlechter Polizist war und schon so manchen verzwickten Fall gelöst hatte. Aber wenn es durch Sherlock schneller ging, dann sei es so, denn es war nicht der einzige Fall, der auf Auflösung wartete. Und nun war es auch noch die Frau eines Politikers, der sicher Himmel und Hölle in Bewegung setzen würde, um das Verbrechen aufzuklären. Die quatschten doch alle müde und lullten die Leute ein, bis sie selbst all das Zeug glaubten.
      „Mrs Hatcher wird dann weggebracht und Sie bekommen den Bericht von Graves. Kommen Sie, ich nehme Sie mit zum Revier.“
      Sherlock grinste Graves an und folgte, flankiert von John, dem Inspektor zum Auto.
      „Sie haben doch sicher schon eine Theorie“, wandte sich Lestrade an Sherlock, der tief versunken in seine Gedanken schien.
      „Nun hören Sie aber auf! Selbst Sherlock...“
      John verstummte, nachdem ihn Sherlocks Blick traf.
      „Nun? Was wollten Sie sagen?“
      Interessiert schaute er John an.
      „Naja...“ John räusperte sich. „Nicht einmal Sie könnten innerhalb von dreißig Minuten das Verbrechen aufgeklärt haben.“
      „Das habe ich auch nie behauptet, aber Theorien kann man viele haben.“
      „Das ist wohl wahr“, pflichtete ihm Lestrade bei und regte sich nebenbei über den Londoner Verkehr auf.
      „Wer ist Hatcher? Mir sagt nur sein Name und sein Gesicht etwas, seine Karriere habe ich nie verfolgt.“
      „Ich hab's auch nicht so mit Politikern, muss ich gestehen, aber das finden wir heraus“, versprach Lestrade.

      „Er ist also 45, hat eine beeindruckende Karriere bei der Konservativen Partei hingelegt, war seit 25 Jahren verheiratet, hat keine Kinder.“ Sherlock hielt das ausgedruckte Papier in der Hand und hob die Kaffeetasse an die Lippen.
      „Der ist grässlich.“ Er verzog den Mund und stellte die Tasse ab.
      „Unsere Sekretärin macht keinen besseren“, entschuldigte sich Lestrade, während er Akten umschichtete.
      „Feuern Sie sie.“
      „Unser Sherlock, wie er leibt und lebt.“ John setzte sich neben seinen Mitbewohner und beobachtete die beiden Männer, die ganz in ihrem Element waren.
      Hatcher würde gleich eintreffen, man hatte ihm die Nachricht überbracht, der Polizeichef persönlich war zu seinem Haus gefahren, um es ihm so schonend wie möglich beizubringen. Gab es dafür den richtigen Ort oder die richtige Zeit? Selbst die Worte, sollten sie auch noch so bedacht und behutsam gewählt werden, konnten nichts daran ändern, dass einem Menschen das Leben genommen worden war.
      „Warum vergiftet man die Gattin eines Politikers auf offener Straße?“
      Sherlock war aufgestanden, lief zum Fenster und schaute sich stumm in Lestrades unordentlichem Büro um.
      „Und was hatte der Anstecker zu bedeuten?“
      „Vielleicht eine Anti-Alkoholiker-Gruppe?“ Sherlock sah die Sonnenblume vor sich, die die tote Mrs Hatcher getragen hatte.
      „Sie glauben doch nicht, dass sie es dann öffentlich gezeigt hätte. Solche Leute holen sich professionelle Hilfe in wahnsinnig teuren Privatkliniken und gehen nicht damit unter das normale Volk hausieren.“
      Da musste John dem Inspektor zustimmen. Er sah die Gazetten vor sich: 'Mrs Hatcher sagt ganz offen: Ja, ich bin eine Alkoholikerin! Erst fing es mit einem Glas Scotch an, dann war es eine ganze Flasche!' Undenkbar!
      „Kann ich die Aussagen der Zeugen sehen?“
      Wie ungeduldig er heute wieder war! Es schien, als sei Sherlock aus seinem Winterschlaf erwacht, damit seine Gehirnzellen die Messer wetzen konnten.
      „Alles zu seiner Zeit! Meine Leute bringen mir gleich die Aufzeichnungen, dann bekommen wir auch vergrößerten Bilder präsentiert.“
      Schwer atmete Lestrade auf.
      „Ihre Bronchitis ist immer noch nicht weg. Sie sollten sich schonen.“
      Lestrade blickte auf. Unter seinen Augen lagen dunkle Schatten.
      „Und wer soll dann die ganzen Fälle lösen? Etwa Sie?“
      Ein Lächeln glitt über Sherlocks Züge.
      „Ich könnte es versuchen.“

      ***
    • Oh ein neues Kapitel zu Ostern, wie schön! Danke meine liebe Lucy! *umarm*

      Ich bin gespannt, wie Sherlock diesen Fall aufdröselt, jedenfalls hat er über den Winter nichts von seiner Arroganz verbüßt! *nein* Allein dieser letzte Satz wieder mal.... er ist und bleibt unmöglich, aber so lieben wir ihn ja auch! Und mir war auf Anhieb klar, dass der fotografierende Tourist gleich ohne Kamera dasteht.... *;)* *:D* Habe es jedenfalls wieder genossen, dein neues Kapitel zu lesen, sehr schön meine Süße. *thumps*

      *and sometimes I feel that I should go and play with the thunder*
    • Lucy schrieb:

      "Warum vergiftet man die Gattin eines Politikers auf offener Straße?“

      Ha! Da fällt mir gleich ein ganzes Bündel an Theorien ein! Aber ich will da jetzt noch nicht weiter spekulieren, das hat Zeit. Gründe gibt es genug, und ich brenne darauf, welchen du gewählt hast!

      Ich freu mich richtig darauf, wieder mit Sherlock & Watson auf die Jagd zu gehen, und mitzuerleben, wie sie der Polizei immer einen Schritt voraus sind. [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_be_134.gif]
      Lestrade kann getrost heim gehen und seine Bronchitis auskurieren, Sherlock löst den Fall sowieso allein! *thumps*

      So, dann geh ich mal ein paar Spekulatius backen...[IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/Essen/smilie_essen_027.gif]
      *tea*
    • Ha ha, ihr grübelt auch schon ein wenig, wie alles zusammenhängt? Das macht mir auch immer bei solchen Geschichten Spaß.
      Ganz lieben Dank für Eure Kommentare! *lieb*

      3. Sherlock und der Politiker

      Wie von Sinnen stürzte Hatcher in Lestrades Büro. Er war ein Mann, der in der Blüte seiner Jahre stand und dies auch ausdrückte. Seine dunklen Haare, die an den Seiten graumeliert waren, sahen frisch geschnitten aus. Der graue Mantel wies einige Knitterspuren auf, und an einem dunklen Hosenbein entdeckte Sherlock Tierhaare. Er tippte auf eine Katze, aber legte sich noch nicht fest.
      Der Politiker blickte einem nach dem anderen aus stürmischen Augen an, die so unruhig wie ein Feuer umherflackerten. Sie waren goldbraun und schienen gerötet.
      Lestrade war aufgesprungen, hechtete um seinen Tisch herum und gab Hatcher die Hand, indem er Beileidsbekunden von sich gab und dem Mann einen Platz anbot. Vorher stellte er ihm Sherlock und John vor.
      „Es tut mir sehr leid, was mit Ihrer Frau geschehen ist“, sagte John und schüttelte dem Politiker die Hand.
      Sherlock blieb am Fenster stehen und nickte kurz. John fand es unpassend, dass sein Mitbewohner gar keine Anteilnahme zeigte. Daher kam er zu dem Schluss, dass Sherlock den Ehemann der Toten verdächtigte. Aber egal, wie sich der Fall entpuppte, war es nicht zu viel verlangt, wenn Sherlock ein paar passende Worte fand. Das machte man einfach, auch wenn man sich vorher nicht kannte, die Höflichkeit gebot es. Doch Sherlock machte keine Anstalten, musterte Hatcher kühl von Kopf bis Fuß und legte seinen Zeigefinger an die Nase, schien nachzudenken, sagte aber nichts.
      Lestrade räusperte sich unbehaglich.
      „Sie wissen bereits, was passiert ist, Mr Hatcher“, sagte der Inspektor leise. „Wie schon gesagt, es tut uns sehr leid“, er fixierte Sherlock kurz, „und wir haben uns der Aufklärung bereits angenommen. Mr Holmes ist ein wahrer Meister seines Faches und hilft uns, herauszufinden, was passiert ist.“
      Hatcher hatte sich inzwischen etwas gesammelt.
      „Ich danke Ihnen, Lestrade, nur ist mir nicht klar, wieso jemand meine Frau getötet haben sollte. Könnte sie nicht einfach zusammengebrochen sein?“
      Sherlock sah Hatcher fest in die Augen, und fing endlich an zu sprechen.
      „Sie wurde offensichtlich vergiftet. Nun, es ist eine Theorie, denn sie hatte am Hals eine Wunde, die von einer Nadel stammt. Das Labor wird sie eingehend untersuchen, dann wissen wir mehr.“
      „Gift?“ Hatchers Stimme überschlug sich, er hatte das Wort gekreischt, so als wolle er es loswerden.
      Die Polizisten außerhalb des Büros waren in ihren Positionen erstarrt und schauten neugierig zu Lestrade, der mit schmalen Lippen Sherlock ansah. Er wusste genau, was Lestrade dachte, und doch zog er wieder seine übliche Nummer ab. Konnte Sherlock nicht einmal Empathie zeigen? Kannte er dieses Wort überhaupt?
      „Wir untersuchen Ihre Frau“, sagte Lestrade beruhigend, „es ist eine erste Vermutung. Aber auch der Gerichtsmediziner steht dieser Behauptung nicht abgeneigt gegenüber. Warten wir einfach ab.“
      „Haben Sie Feinde? Hatte ihre Frau Feinde?“
      Sherlock ging durch das Zimmer, zog sich einen Stuhl neben Hatcher zurecht und setzte sich neben ihn.
      „Was wird das hier?“, fragte der Politiker entgeistert. „Ein Verhör?“ Er blickte lauernd Lestrade an, der langsam die Fassung verlor.
      „Möchten Sie einen Kaffee?“, fragte er Hatcher, anstatt Sherlock zu würgen.
      „Nein, danke.“
      „Von dem Kaffee würde ich abraten“, meinte Sherlock und starrte Hatcher weiter an.
      „Das gleicht einer Farce“, rief Hatcher, der seine Hände zu Fäusten geballt hatte.
      Hatte der Mann etwas zu verbergen, oder war er schlichtweg ein Choleriker?
      „Das ist eine ganz einfach Frage, Mr Hatcher. Viele Politiker haben Feinde, da liegt es doch nahe, zu fragen.“
      Sherlock war die Ruhe selbst. Er analysierte den Mann von Kopf bis Fuß, checkte ihn ab, wartete geduldig, wie sich das Gespräch entwickelte.
      „Mr Holmes möchte nur helfen“, wandte sich John an Hatcher, um die Situation zu entschärfen. „Er möchte, genau so wie Sie, herausfinden, was geschehen ist. Niemand verdächtigt Sie.“
      Nun ja, dachte John, das war nicht so ganz richtig. Sherlock benahm sich wie ein Bluthund, der eine Fährte aufgenommen hatte. Für ihn war jeder verdächtig. Dass er oft damit richtig lag, konnte John im Nachhinein oft bestätigen. Meistens waren die Täter Familienmitglieder oder gar Freunde der Opfer. Da lag es nahe, dass er auf der Lauer lag. Wenn er doch nur ein wenig Einfühlungsvermögen hätte!
      Hatcher schien besänftigt, auch wenn er unruhig auf seinem Stuhl herumrutschte.
      „Ich habe meine Gegner, so wie jeder andere auch in diesem Beruf. Für mich ist es eher eine Berufung, wenn ich das mal so sagen darf. Aber was hat meine geliebte Cathleen damit zu tun?“
      „Vielleicht, um Sie zu treffen, um Sie leiden zu sehen“, schlug Sherlock vor. „Und warum in aller Öffentlichkeit? Das ist mehr als merkwürdig.“
      „Ich kann das alles nicht verstehen“, flüsterte Hatcher matt.
      „Haben Sie irgendwelche Drohungen in letzter Zeit erhalten?“, fragte Lestrade.
      Hatcher dachte nach und schüttelte den Kopf.
      „Nicht in letzter Zeit. Es gab gewisse Drohungen, aber die liegen schon etwas zurück.“
      „Ich erinnere mich daran.“ Lestrade nickte. „Sie hatten die Drohbriefe an uns weitergeleitet. Damals handelte es sich um einen Verrückten, der wollte, dass Sie von der Wahl zurücktreten, damit sein Lieblingskandidat gewann. Dann hatte es plötzlich aufgehört, und bei einer Hausdurchsuchung des Verdächtigen fanden wir den Briefschreiber tot vor. Herzanfall.“
      „Wie lange ist das her?“, wollte Sherlock wissen.
      „Zwei Jahre.“
      „Dann wird es kaum etwas damit zu tun haben. Denken Sie nach, ist Ihnen Ungewöhnliches aufgefallen? Hat Ihre Frau sich anders als sonst benommen? Könnte Sie eine Affäre gehabt haben?“
      Hatcher schnappte nach Luft. Lestrade schüttelte den Kopf über den überstürzten Stimmungswechsel und verdrehte die Augen, während Hatcher zu schimpfen begann.
      „Wo haben Sie diesen Amateur aufgegabelt, Lestrade? Das soll der berühmte Holmes sein? Ich muss zugeben, dass ich schon viel über Sie gehört und gelesen habe, jedoch wurde in den Artikeln nie erwähnt, dass Sie maßlos selbst überschätzend und so kalt wie ein Eisblock sind. Wie können Sie es wagen, mich so etwas zu fragen?“
      Hatcher war aufgesprungen. Sherlock registrierte jede Bewegung des Mannes, der wild mit den Armen fuchtelte.
      „Es tut uns leid . . .“
      „Das sagten Sie bereits“, fiel Hatcher Lestrade laut ins Wort. „Rufen Sie mich sofort an, wenn Sie Ergebnisse präsentieren können.“
      Und damit schritt er, nachdem er Sherlock mit einem kalten Blick bedacht hatte, von dannen.
      „Wie konnten Sie nur?“
      Lestrade war mehr als genervt.
      „Ich wollte sehen, wie er sich benimmt, das ist alles. Viele sind einfach aus der Reserve zu locken.“
      „Und? Was denken Sie?“
      Gespannt sah John Sherlock an.
      „Ich bin mir nicht so ganz sicher, das muss ich zugeben. Hatcher scheint ein Hitzkopf zu sein, aber dass er seine Frau umgebracht hat, ist noch nicht bewiesen. Ich muss tiefer graben. Wann kann ich die Zeugenaussagen der Leute aus dem Park lesen? Und die Fotos? Was ist mit den Fotos?“
      Lestrade stand auf.
      „Ich kümmere mich darum.“
      „Sie wissen, dass es die heißen Spuren sind, die zur Aufklärung verhelfen, nicht die erkalteten.“
      Der Inspektor verließ den Raum und nickte geistesabwesend. Ihn begleitete ein Hustenanfall.
      „Sie kommen mir heute sehr aufgekratzt vor“, sinnierte John. „Ist es der Fall, oder der Umstand, dass Sie Hatcher aus der Reserve locken wollen?“
      Sherlocks Augen blitzten.
      „Ich denke, es ist beides, John. Noch tappe ich im Dunkeln, aber das wird sich sicher bald ändern. Hatcher hat sicher etwas zu verbergen, so wie viele Politiker. Ihm erschien es abstrus, dass seine Frau ihn betrog, das hat man gesehen. Aber irgendetwas ist da und ich werde es herausfinden, ob er es will oder nicht.“

      ***

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lucy ()

    • Hm... Mr. Hatcher ist Schuld am Tod seiner Frau? So einfach wird es wohl nicht sein, obwohl er sich verdächtig benimmt. Seine Empörung war einen Tick zu heftig, um echt zu wirken. Ein Mann der trauert ist eher still. Aber möglicherweise ticken Politiker etwas anders. *kratz* Wer weiß, was da noch alles ans Tageslicht kommt.
      Jedenfalls ist unser lieber Sherlock mal wieder knapp an der Schmerzgrenze vorbei geschrammt. Schlecht benehmen konnte er sich ja schon immer gut! *lach1* Aber wahrscheinlich ist es genau das, was es braucht, um einen Verdächtigen aus der Reserve zu locken.

      Ich warte gespannt auf mehr, liebe Lucy! *thumps*
      *tea*
    • Ooh, Sherlock unmöglicher denn je. *down* Gießt immer noch mehr Öl ins Wasser oder Salz in die Wunde! Ganz schön unmöglich dieser Auftritt. Ich glaube, ich als Betroffener würde da eher auch sauer reagieren, wenn man mir so kommen würde! Trauer hin oder her. Ich kann mir das richtig vorstellen, wie Sherlock so kleine Köder auslegt und darauf wartet, dass Mr. Hatcher darauf anspringt. Und dann dieses Angestarre erst, das muss ja bei Holmes penedrant ausfallen, ich habe es förmlich vor dem geistigen Auge!
      Aber ich denke, er ist unschuldig, jedenfalls was den Tod seiner Frau anbelangt, Dreck am Stecken hat er als Politiker bestimmt, aber seine Frau auf diese Weise umgebracht zu haben, das glaube ich nun nicht. *nein*

      *and sometimes I feel that I should go and play with the thunder*
    • Ich musste ein wenig schmunzeln. Melinda, du hast dich ein bisschen über Sherlock amüsiert und Samm, du warst richtig genervt. *lach1*
      Mission erfüllt! Manchmal kann er aber auch nervig sein. *;)* Lieben Dank für Eure Kommis. *spring*


      4. Unbekannt, krank und gefühllos

      „Mussten Sie so mit dem Mann sprechen?“
      Ärgerlich rümpfte Lestrade die Nase, bevor er wieder niesen musste.
      „Gehen Sie nach Hause und schonen Sie sich“, riet Sherlock dem Inspektor stattdessen.
      „Er ist ein einflussreicher Politiker, so redet man nicht mit solchen Leuten.“
      Nun horchte John auf. „Ach? Und mit anderen etwa schon?“
      Lestrade verdrehte die Augen.
      „Machen Sie sich nicht lächerlich, Sie wissen genau, was ich meine. Egal, ob verdächtig, oder nicht. Der Mann hat seine Frau verloren, ein bisschen mehr Feingefühl, um nicht zu sagen, eine Menge davon, wäre angebracht gewesen. Das wissen Sie genau.“
      Am liebsten hätte Lestrade Sherlock von dem Fall abgezogen, aber er brauchte ihn. Ihm dröhnte der Kopf, er warf noch eine Tablette ein und suchte sein Nasenspray.
      „Ich muss hier heraus, sonst bin ich auch bald krank.“
      Sherlock legte sich ein blütenweißes Taschentuch auf Nase und Mund. John schüttelte den Kopf, aber insgeheim wollte er auch nicht Lestrades Viren mit in die Baker Street nehmen. Die sollten gefälligst bei ihrem Wirt bleiben.
      „Im Nebenzimmer wurde alles vorbereitet. Die Zeugenaussagen und die vergrößerten Fotos. Gehen Sie schon rüber, ich komme nach.“
      Sherlock und John verließen fluchtartig das Büro. Sie hörten noch Lestrade schniefen.

      Sherlock schaute sich zuerst die Zeugenaussagen an, die sich sehr glichen. Man hatte nicht viel gesehen, einen Spaziergang im Park machen wollen, auf den Himmel geachtet, die Wärme genießen wollen und so weiter. Niemand von den Leuten hatte etwas Verdächtiges bemerkt, bis Mrs Hatcher gestolpert und zusammengebrochen war. Sie hatte nicht um Hilfe gerufen, war einfach durch den Park gegangen, wobei sie die letzten Meter getorkelt war und sich kaum auf den Beinen hatte halten können. Erst hatte man vermutet, dass sie betrunken gewesen war. Auch hier stimmten die Aussagen weitestgehend überein. Dann waren auch schon Sherlock und John vor Ort gewesen.
      „Nichts Interessantes“, meinte Sherlock nach einer Weile.
      Er rief die Bilder des knipsenden Touristenpaares auf, die die Tower Bridge zeigten, den Big Ben, Fotos der Themse, und wie die beiden mit einem strahlenden Lächeln vor den Sehenswürdigkeiten immer mal posierten. Sherlock wäre nie auf die Idee gekommen, wildfremde Menschen zu fragen, ob sie ihn zusammen mit einem Denkmal ablichten könnten. Allein schon die Idee war ihm völlig zuwider.
      „Ah!“, machte er dann, als die Aufnahmen des Parks begannen. Ziemlich schnell hatten sie Fotos von Mrs Hatcher geschossen, sogar, als sie am Boden lag.
      „John“, sagte Sherlock, und zeigte auf ein Foto, dass ihm höchst interessant vorkam.
      „Sehen Sie, was ich sehe?“
      John beugte sich hinab, um besser auf den Bildschirm sehen zu können.
      „Moment.“
      John vergrößerte das Bild nochmals um 50 Prozent, was Sherlock mit einer hochgezogenen Augenbraue quittierte.
      „Das ist unser Täter“, entschied er, woraufhin John nickte. Auf dem Foto war ein Mann zu sehen, daran bestand kein Zweifel, aufgrund der Statur. Er trug eine Kapuze, war in einen dunklen Mantel gehüllt und man konnte nur seinen Rücken erkennen. Alle, wirklich alle Leute waren zu dem Schauplatz des Verbrechens gelaufen, nur er hatte sie von den Szenerie weg bewegt. Das sagte Sherlock alles.
      „Und?“ Lestrade kam ins Zimmer und schaute dann gebannt auf das Foto, das Sherlock präsentierte.
      „Ein Verdächtiger und die große Nadel im Heuhaufen.“
      „Wenigstens ein Anfang“, meinte Sherlock. „Er hat ihr das Gift, wovon wir ausgehen können, tatsächlich im Park injiziert. Er will Aufmerksamkeit.“
      „Aber wenn doch keiner ahnt, wer er ist“, wandte Lestrade ein, „ist er nur ein Unbekannter.“
      „Oh, er wird schon bald wieder in Aktion treten. Da bin ich mir sicher.“
      „Also denken Sie nicht, dass es mit Hatcher zu tun hat?“
      „Das will ich noch nicht bestreiten, dafür gibt es noch keine Gegenbeweise.“
      „Vielleicht irren Sie sich ja auch.“ John hatte den Satz in den Raum geworfen, wo er sich langsam verlor und in Sherlocks Unterbewusstsein drang.
      „John, ich irre mich niemals“, wies Sherlock seinen Mitbewohner schroff zurecht.
      „Können wir uns die Leiche ansehen?“
      Lestrade hustete. „Ähm … nein. Das können Sie leider nicht, Mr Hatcher möchte nicht, dass Sie seine Frau begutachten. Ich muss das mit dem Foto weiterleiten. Haben Sie etwas in den Zeugenaussagen entdeckt?“
      Ablenkung war die beste Taktik, aber nicht bei Sherlock Holmes, das musste der Inspektor eigentlich wissen.
      „Ich brauchte Kopien von den Aussagen, werde sie mir nochmals zu Gemüte führen. Im Moment nein, nichts Auffälliges. Also möchte Hatcher nicht, dass ich dabei helfe, den Mord an seiner Frau aufzuklären?“
      Lestrade war es leid, also teilte er Sherlock, wortwörtlich mit, was Hatcher gesagt hatte: „Wenn dieser Stümper meine tote Frau anfasst, wird er nicht die Nacht überleben.“
      Sherlock nahm es mit einem Schulterzucken zur Kenntnis und informierte Lestrade, dass er und John zum Barts Hospital fahren würden, um mit Molly zu sprechen.
      „Überreden Sie sie nicht, dass Sie die Leiche sehen wollen“, rief Lestrade den beiden nach. „Sie soll keinen Ärger bekommen.“

      Nervös strich sich Molly eine Strähne aus dem Gesicht. Sherlock stand vor ihr und versuchte, einen Blick auf die Leiche von Mrs Hatcher zu werfen, die nebenan auf einem Tisch lag. Für Molly war es jedes Mal ein Kraftakt, wenn ein Mensch zu ihr gebracht wurde, der eines gewaltsamen Todes gestorben war. Sie gab sich immer Mühe, zur Aufklärung des Falles beizutragen, alle Spuren zu sichern und die Anzeichen zu analysieren, sodass man den Mörder dingfest machen konnte. Manchmal gelang es, manchmal eben nicht. Doch seitdem Sherlock seine Gabe in den Dienst der Polizei gestellt hatte, war die Aufklärungsrate viel höher. Sie bewunderte den kalten, zynischen Mann, der sie keines Blickes würdigte, außer es ging um einen Fall, um eine Leiche. In seiner Gegenwart mutierte sie zu einem zerbrechlichen Wesen, das stotterte und sich hilflos vorkam wie ein Kind. Er jedoch war stets souverän, und das raubte ihr den letzten Nerv.
      „Hallo Molly“, begrüße John sie herzlich und lächelte, was sie erwiderte.
      „Und?“
      War das alles? Keine Begrüßung? Nicht, dass es Molly sehr wunderte, doch jedes Mal aufs Neue wünsche sie sich, dass es anders ablief. Dass Sherlock sie fragte, wie es ihr ging, aber eher würde wohl die Hölle zufrieren, als dass er so eine Anwandlung bekäme.
      „Ich bin mitten in der Untersuchung. Es wird ein wenig dauern, bis die Ergebnisse des Bluttests vorliegen. Aber es sieht wirklich nach einem Gift aus, das erkennt man an der starren Körperhaltung und an dem krampfhaft verzogenen Mund. Die Einstichstelle ist am Hals. Ich habe bereits ihren gesamten Körper untersucht und nichts weiter feststellen können, was von belang wäre.“
      Sherlock schaute den Gang hinab, seinen Gedanken nachhängend.
      „Gut. Wenn das Gift bestimmt ist, bekomme ich Bescheid, nehme ich an?“, sagte er dann geistesabwesend. Es war keine Frage, sondern eine unterschwellige Forderung.
      „Natürlich.“ Das wusste er doch genau. Mit einem Nicken verabschiedete sich Sherlock. Molly war ihm nicht böse, er musste schließlich einen Mord aufklären, da war für Gefühlsduseleien kein Platz.

      „Was machen wir jetzt?“
      „Ich möchte mit Hatcher reden, wenn das Ergebnis des Bluttests vorliegt. Wir können nur abwarten.“
      „Und worauf?“, fragte John, während Sherlock ein Taxi heranwinkte.
      „Dass der mysteriöse Unbekannte wieder tötet.“
      „Wie kommen Sie darauf?“
      „Nun, man kann nicht sagen, wer er ist.“
      Und das war alles?
      „Und wenn er nur Mrs Hatcher töten wollte?“
      „Aber warum dann so spektakulär? Er hätte sie leise in einer Nebenstraße ermorden können. Nein, er wollte Aufmerksamkeit. Ob es dabei um den Politiker geht, kann ich noch nicht sagen, aber es steckt definitiv mehr dahinter.“

      ***
    • Oh es geht weiter, schön! Sherlock ist immer noch ganz in seinem Metier, unmöglich wie zuvor. Das geschieht ihm Recht, das sich der Politiker verbittet, dass Sherlock sich die Leiche seiner Frau anguckt! *bääääh*
      Sehr mysteriös das Ganze, warum ist jemand so publikumsgeil, das er sich seine Opfer mitten in der Öffentlichkeit aussucht und dort auch ganz offensichtlich umbringt? Um Aufmerksamkeit zu erhaschen, vielleicht steht das sogar an erster Stelle und die Ehefrau ist nur zufällig das erste Mordopfer geworden....weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort war? Ich kann mir da noch keinen Reim drauf machen?
      Ich bin gespannt auf die nächsten Fakten, die wir erfahren werden.... Super gemacht Lucy! *thumps* *umarm*

      *and sometimes I feel that I should go and play with the thunder*
    • So, Mrs. Hatcher ist also vergiftet worden. Die Arme, auch keine angenehme Art zu sterben. Und die Anzeichen sprechen für ein ganz fieses und schnell wirkendes Gift. Was könnte das denn sein? *kratz* Botox, Curare, Botulinum...? Das Torkeln und plötzliche Zusammenbrechen sprechen eher für ein lähmendes Gift.
      Ich hoffe mal, Molly findet das bei der Toxikologischen Analyse noch heraus.
      (ich hoffe du verzeihst mir meine voreiligen Spekulationen, aber bei dem Thema kann ich nicht anders. Ist auch immer schlimm, wenn ich Krimis gucke.)

      Ich kann mir gut vorstellen, wie es Sherlock gewurmt hat, dass er die Leiche von Mrs. Hatcher nicht ansehen, bzw, anfassen durfte. Aber das hat sich der Gute nun ganz alleine zuzuschreiben! *bääääh*
      So ein kleiner Benimmkurs wäre für unseren Meisterdetektiv gar nicht so verkehrt! *lach1* (das stell ich mir gerade vor).

      Aha, man hat also ein Foto des Täters, und auch eigentlich keins. Man kann den Täter nicht erkennen, also muss man leider warten, bis er wieder zuschlägt. Das ist traurig, denn da muss erst wieder ein Mensch sterben, bis Sherlock weiter ermitteln kann. *:(*

      Lucy, diese Story ist mal wieder super spannend und ganz toll geschrieben. Ich freu mich schon auf das nächste Kapitel! *thumps*
      *tea*
    • Melinda schrieb:

      So, Mrs. Hatcher ist also vergiftet worden. Die Arme, auch keine angenehme Art zu sterben. Und die Anzeichen sprechen für ein ganz fieses und schnell wirkendes Gift. Was könnte das denn sein? *kratz* Botox, Curare, Botulinum...? Das Torkeln und plötzliche Zusammenbrechen sprechen eher für ein lähmendes Gift.
      Ich hoffe mal, Molly findet das bei der Toxikologischen Analyse noch heraus.
      (ich hoffe du verzeihst mir meine voreiligen Spekulationen, aber bei dem Thema kann ich nicht anders. Ist auch immer schlimm, wenn ich Krimis gucke.)

      Ich kann mir gut vorstellen, wie es Sherlock gewurmt hat, dass er die Leiche von Mrs. Hatcher nicht ansehen, bzw, anfassen durfte. Aber das hat sich der Gute nun ganz alleine zuzuschreiben! *bääääh*
      So ein kleiner Benimmkurs wäre für unseren Meisterdetektiv gar nicht so verkehrt! *lach1* (das stell ich mir gerade vor).

      Aha, man hat also ein Foto des Täters, und auch eigentlich keins. Man kann den Täter nicht erkennen, also muss man leider warten, bis er wieder zuschlägt. Das ist traurig, denn da muss erst wieder ein Mensch sterben, bis Sherlock weiter ermitteln kann. *:(*

      Lucy, diese Story ist mal wieder super spannend und ganz toll geschrieben. Ich freu mich schon auf das nächste Kapitel! *thumps*

      ähm... ich bin jetzt etwas sherlockig *:D* .... Botox ist der Begriff den die Kosmetikindustrie benutzt, Botolinum ist das selbe, nur Botox ist extrem verdünnt während Botolinum hochgiftig und tödlich ist.... siehe auch Fall Carl Powers.... Es könnte auch das Gift einer Schlange sein, es gibt solches das sehr schnell tötet und dann noch das Gift der übelsten und witzigerweise kleinsten Quallen, nur ein Hauch löst schon brutale Schmerzen aus, etwas mehr davon und man ist tot... sie heisst Irukandji-Qualle....

      Ein Benimmkurs für Sherlock???? *shock* Dann wäre er doch nicht mehr unser geliebter Soziopath!! *seufz*
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      Die Entwicklung einer Zivilisation erkennt man daran wie sie mit ihren Tieren umgeht!
      (Ghandi)




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    • Ich finde es toll, wie Ihr spekuliert und bedanke mich ganz lieb für Eure Eindrücke. Nun, es wird natürlich Aufklärung geben, was es genau war. *lieb*

      @Melinda & @Samm: Macht nur, das ist ja das Schöne, wenn man als Leser selbst so mitgeht und Vermutungen anstellt. Finde ich Interessant.

      @Mary J: Willkommen an Board, schön, dass du mitliest. Sherlock würde den Kursleiter zum Wahnsinn treiben, fürchte ich. *:D* Der würde ihm sein Geld wiedergeben, damit er wieder verschwindet.

      Nächste Woche gehts weiter. *;)*
    • 5. Entlarvungen und Neuigkeiten

      Sherlock und John standen in der protzigen Villa des Politikers und schauten sich um. Ein großer Marmortisch thronte in dem breiten Flur, zu dessen rechter und linker Seite jeweils eine Doppeltür abgingen. Eine Treppe führte in die oberen Stockwerke, auf deren halber Höhe ein Buntglasfenster angebracht war. John zeigte auf den Tisch, auf dem eine gewöhnungsbedürftige Vase stand, auf der ein paar Pferdeköpfe herauslugten, und beide mussten lachen. Sicher war dieses Stück unsagbar teuer, deswegen aber nicht gleich geschmackvoll zu nennen.
      „Sie scheinen sich prächtig zu amüsieren“, kam eine ärgerliche Stimme die Treppe hinunter geschwebt. Die Haushälterin hatte Hatcher verständigt, dass zwei Gentleman auf ihn unten warten würden.
      John räusperte sich vernehmlich.
      „Mr Hatcher, wir hätten noch ein paar wichtige Fragen an Sie.“
      Sherlock, um genau zu sein, dachte John. Er hatte darauf bestanden, zu ihm zu fahren und ihm nochmals auf den Zahn zu fühlen, wie er es nannte.
      Mit aufgesetztem Lächeln stellte sich Hatcher vor die beiden.
      „Ich habe sehr viel zu tun und meine Frau verloren. Was wollen Sie?“
      „Interessante Reihenfolge“, stellte Sherlock fest, woraufhin Hatcher die Augenbrauen zusammenzog.
      Der Politiker trug immer noch den gleichen Anzug wie am Mittag, sah ungeduldig auf die Uhr und versuchte erst gar nicht, zu verbergen, wie ungehalten er darüber war, dass Lestrade angerufen und ihn gefragt hatte, ob die beiden Hobbydetektive in seinen heiligen Hallen aufschlagen dürften.
      „Wie geht es Ihrer Katze?“
      Hatcher löste seine Augen vom Zifferblatt seiner Uhr und starrte Sherlock feindselig an.
      „Wie bitte?“
      „Soll ich sie mal rufen? Hört sie auf ihren Namen? Oder ist es ein Kater?“
      Suchend schaute sich Sherlock um, Hatcher atmete genervt auf.
      „Wir haben keine Katze“, sagte Hatcher mit schneidender Stimme.
      Sherlock verzog leicht den Mund, als hätte er eine Information erhalten, die er erwartet hatte. John beobachtete das Schauspiel aus sicherer Entfernung.
      „Als Sie heute ins Revier kamen, ist mir so Einiges an Ihnen aufgefallen. Katzenhaare. Und außerdem sahen Sie ein wenig derangiert aus.“
      Ertappt wich Hatcher Sherlocks stechendem Blick aus. Der Politiker war bleich geworden, hielt sich zurück, wartete darauf, dass der Detektiv weitersprach.
      „Jemand, bei dem Sie die Nacht verbrachten, hat eine Katze. Ihr Outfit ließ sehr zu wünschen übrig, das muss ich schon sagen. Ihre Haushälterin hätte Sie niemals so hinausgehen lassen, schon gar nicht, da Sie im Moment noch mehr im Licht der Presse stehen.“
      Hatcher schien sich zu sammeln, straffte seine Schultern.
      „Sie sind besser als ich dachte, eben ein genialer Kotzbrocken.“
      Sherlock schien sich nicht an der Beschreibung seiner Person zu stören, schließlich hatte er schon Schlimmeres gehört, wobei hier noch hinzukam, dass Hatcher ihn nicht mochte, obwohl er ihn noch nicht richtig kannte.
      „Ich habe eine Affäre, das wollten Sie doch hören, oder?“
      Hatcher spuckte den Satz verächtlich aus. John war wieder einmal von der Kombinationsgabe Sherlocks überrascht, denn was er sah, fiel keinem zweiten Menschen auf.
      „Danke, dass Sie es zugeben, so muss ich nicht weiter bohren.“
      „Hören Sie, lassen Sie sie da raus. Ich möchte nicht, dass es an die Öffentlichkeit kommt, sonst kann ich einpacken, verstehen Sie? Ich habe Cathleen trotz allem geliebt, und nichts mit ihrem Tod zu tun. Das hätte ich niemals fertiggebracht, das müssen Sie mir glauben.“
      Hatcher klang glaubwürdig, emotionsgeladen und überzeugend.
      „Ich glaube Ihnen, und wir haben nicht die Befugnis, irgendetwas davon auszuplaudern, keine Sorge. Ich wollte nur sichergehen, dass Sie es nicht waren.“
      „Und das sind Sie nun?“, fragte Hatcher verwundert.
      „Im Moment ja. Aber zu ihrer Liebschaft habe ich eine Frage. Könnte Sie etwas damit zu tun haben? Gäbe es einen Grund, warum sie ihre Frau ermordet haben sollte?“
      Hatcher verneinte.
      „Sie hat keinen Grund. Ich wollte es Cathleen sagen, das hatte ich mir schon alles ausgemalt. Eifersüchtig war Claudia manchmal schon, aber ich wollte nach der nächsten Wahlperiode reinen Tisch machen und es somit an die Öffentlichkeit bringen. Ich habe vor, es ein weniger ruhig angehen zu lassen, und nun ist meine Frau umgebracht worden. Ich kann es nicht fassen.“
      „Wir müssen ihre Geliebte trotzdem vernehmen, auch die Polizei sollte davon erfahren.“
      „Da muss ich wohl durch“, gab Hatcher schließlich nach.
      „Das sind Sie Ihrer Frau schuldig“, sagte John, und Hatcher nickte betreten.

      „Warum sagen Männer, die ihre Frauen betrügen immer, dass sie sie lieben. Warum tun sie dann so etwas?“
      Sherlock wartete geduldig auf Johns Antwort, der neben ihm her lief. Die beiden hatten es nicht weit bis zur Baker Street und wollten die Fotos und Zeugenaussagen nochmals in Ruhe durchgehen. Ein Spaziergang, im nachmittäglichen Sonnenschein konnte nicht schaden, um die Gehirnaktivität bei frischer Luft anzuregen.
      „Also ich glaube nicht, dass ein Mann seine Frau liebt, wenn er sie betrügt. Er liebt das, was er kennt, aber diese Magie ist weg, verstehen Sie? Er will einfach nicht sein altes Leben aufgeben, obwohl, manchmal tut er es doch. Wie dem auch sei, ich glaube nicht, dass diese Liebe, die beide einmal vereinte, noch da ist. Jedenfalls bei ihm.“
      Sherlock blieb stehen und sah John nachdenklich an.
      „War das verständlich, Sherlock?“
      „Nicht so richtig, nein, aber ich ahne, was Sie damit sagen wollen.“
      John folgte ihm. „Das wäre ja mal ein Durchbruch“, schmunzelte er.
      „In welcher Weise?“
      „Auf der Gefühlsebene. Wo sonst?“
      Sherlock ließ ein kurzes Lachen ertönen.
      „Machen Sie sich keine Hoffnung, das ist mir immer noch zu hoch. Wozu dieses ganze Hin und Her und diese Anstrengungen? Das ist doch ermüdend.“
      „Weil es Spaß macht und weil es schön ist, aber auch wehtun kann. Diese ganze Palette gehört zum Leben einfach dazu. Dieses Hoffen und Bangen, die Zweifel, aber vor allem die schönen und glücklichen Momente. Das ist es wert.“
      Kurz überlegte Sherlock, was John meinte.
      „Die habe ich auch, solche Momente.“
      „Lassen Sie uns lieber den Fall bearbeiten“, meinte John, weil er wusste, dass sie sonst wieder bis zur Wohnung diskutieren würden.
      „Da bin ich dabei.“

      Mit einem frisch gebrühten Tee besahen sich die beiden nochmals die ausgedruckten Bilder. Sherlock nahm Mollys Geschenk, die große Lupe zur Hand, die ihm schon ausgezeichnete Dienste erwiesen hatte, und schaute Millimeter für Millimeter jedes Foto an. Auf dem Verdächtigen, der nur von hinten, mit Kapuze zu sehen war, verharrte sein Blick länger. Aber er konnte nichts weiter entdecken, außer dass Sherlock schlussfolgerte, dass es ein eher jüngerer Mann sein konnte, aufgrund seines Körperbaus. Außerdem glaubte er, dass ältere Männer nicht mit einer Kapuze herumliefen, auch wenn sie ihr Gesicht verbergen wollten. Dann hätten sie vermutlich einen Hut gebraucht.
      „So kommen wir nicht weiter“, stellte John nach einer weiteren Tasse Tee fest. „Die Aussagen gleichen sich, auf den Bildern sieht man nichts Außergewöhnliches. Und nun?“
      Da klingelte das Telefon. Sherlock nahm ab und hörte die meiste Zeit zu.
      „Aha...interessant...oh...“
      John formte mit den Lippen: Molly? Sherlock nickte leicht und konzentrierte sich wieder auf das Gespräch; kurze Zeit später legte er auf.
      „Da hat das Labor auf Hochtouren gearbeitet, vermutlich, weil das Opfer die Frau eines Politikers ist.“
      „Und?“ John war mehr als ungeduldig.
      „Es soll wohl das hochkonzentrierte Gift einer Kegelschnecke gewesen sein. Sehr interessant.“
      „Wie kommt man an so ein Gift?“
      Sherlock lief im Zimmer auf und ab, blieb am Fenster stehen, um einen Blick hinauszuwerfen und schritt wieder zurück zum Kamin.
      „Das ist gar nicht so schwer. Soweit ich weiß, wird das Gift in kleinen Mengen sogar in der Medizin als Schmerzmittel angewendet. Es wird anstatt Morphium angewendet, ist sogar besser verträglich und nicht abhängig machend.“
      „Das weiß sogar ich, was meiner medizinischen Ausbildung geschuldet ist“, sagte John sehr überzeugend. „Aber Sie! Was Sie alles so wissen, oder hat Ihnen das eben Molly erzählt?“
      Sherlock zog eine Augenbraue nach oben. „Was glauben Sie wohl?“
      John enthielt sich seiner Antwort darauf, weil er sie bereits kannte, und Sherlock sowieso.
      „Und nun? Hilft uns das weiter? Wo machen wir weiter?“
      „Ich denke nach, John, ich denke nach.“
      Sherlock setzte sich auf seinen grünen Sessel, legte die Hände ans Kinn und begab sich in seinen Gedächtnispalast, in dem Schnecken, Politiker und eine Menge Fragen lauerten.

      ***

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lucy ()

    • Respekt Lucy, auf so ein exotisches Gift muss man erst mal kommen! *thumps* Ich hab von der Kegelschnecke noch nie etwas gehört, hab erst mal gegoogelt. Super Idee! [IMG:http://i17.photobucket.com/albums/b94/MelindaWarren/GIF/Smilies/smilie_sb_001.gif]

      Die Idee, dass Mr. Hatcher ein Verhältnis hat, kam mir auch schon. Dann ist auch klar, wieso er sich so komisch benimmt. Er trauert nicht wirklich um seine Frau, alles nur Fassade. *down* Pech für ihn, dass Shelock so ein genialer Beobachter ist, dem entgeht wirklich nichts.
      Wobei jetzt natürlich die Frage nach der Geliebten im Raum steht. Hatte sie ein Motiv? Auf jeden Fall! Und hatte sie auch die Gelegenheit, an das seltene Gift zu kommen? *kratz* Ich bin mir sicher, Sherlock wird auch das herausfinden.

      Immer weiter Lucy, ich freu mich auf mehr! *umarm*
      *tea*
    • Interessant, Kegelschnecke... naja, auch ein glibbriges Tier, soweit weg war ich also nicht *;)* ... Danke für die Story, hatte wieder herrliches Kopfkino!! *seufz* *danke*

      ähm, frische Luft? In London??? *kratz* Warst du scho mal da? Okay, es ist nicht so total versmogt wie ich befürchtet hatte, trotz Verkehr, als wir letzten Herbst da waren ging auch immer ein Lüftchen... aber die Abgase entdeckte ich immer im Taschentuch nachdem ich mal geschneutzt hatte *lach1* (sorry für's Thema *angst* ), bin gespannt wie es im Juli sein wird... ansonsten gibt es sicher die bessere Luft im Hyde Park....
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      (Ghandi)




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    • @Melinda: Danke für deinen lieben Kommentar. Ja, es sollte nicht alltäglich sein, da muss sogar Sherlock sehr viel denken, um den Fall zu lösen. *;)*

      @Mary J.: Echt? Auch im Frühling? Da sind doch immer herrliche 15 Grad, habe ich mir sagen lassen, auch wenn es Tage gibt, vor allem im Sommer, die natürlich stickig sind.
      Die Schnecken sind sogar ziemlich hübsch, könnte man nicht denken, dass sie so tödliches Gift produzieren. Danke dir auch. *:)*